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Erschienen am 25.02.2016

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ECHO-KRIMIRÄTSEL

Tödlicher Sturz in die Tiefe:  Im Kletterwald Plochingen wird ein Toter gefunden – und Kommissar Blickle leidet an Höhenangst

Tödlicher Sturz in die Tiefe

Friedlich lag der Wald im frühen Morgenlicht. Sonnenstrahlen flirrten durchs Geäst, erhellten das Grün, drangen bis zum Boden durch. Vögel sangen. Diese Stimmung mochte Helmut Wackenhut besonders gern. Jeden Morgen genoss er diese besondere Stunde, wenn er einen ersten Kontrollgang durch den Kletterpark hoch oben am Stumpenhof über der Stadt Plochingen unternahm. Heute war plötzlich alles anders. Der Geschäftsführer des Kletterparks stoppte abrupt: Dort unten, unter der langen Seilbahn, lag ein Mensch. Seltsam verkrümmt und offensichtlich leblos. Helmut Wackenhut erschrak furchtbar – auch weil er den Toten an seinem gelbgrünen Anorak erkannt hatte. Es war einer der Trainer, Kevin Koller.

Blaulicht blinkte: Es dauerte nicht lange, bis neben der Spusi auch der Wagen von Kommissar Blickle vorfuhr, die Tür ging auf, unrasiert und steif  stieg der Kommissar aus. Behände sprang seine Kollegin Bettina Schnell aus dem Wagen. „Hier waren wir doch kürzlich, Chef, klettern, mit der ganzen Abteilung. Wissen Sie nicht mehr? Am Polizei-Sporttag im Frühjahr?“ Blickle wusste nicht, denn er hatte sich an diesem Tag gedrückt, sich krankgemeldet. Bewegung lag ihm nicht.

Später hatte er erfahren, dass die Mannschaft nach dem Sporttag im Kletterwald im benachbarten Ristorante Mediterraneo bei Coco hervorragend italienisch gespeist hatte. Da hatte sich Blickle geärgert. Das Essen bei Coco war bekanntermaßen sehr gut. Die Kollegen hatten geschwärmt: „Die Pasta, die Saucen und super Pizza.“

Die Umstände schienen verwirrend. Trainer Kevin Koller, ein erfahrener Instructor und Rescuer für Wald- und Hochseilgarten, war offensichtlich von der langen Seilbahn abgestürzt. Das sogenannte Y-Fix, sein Sicherungssystem, war gerissen. Wie die Spurensicherung an den zerfetzten Kanten feststellen konnte, hatte jemand die Seile mit einem sehr scharfen Messer bearbeitet. Kollers Y-Fix musste wohl, als es auf der Seilbahn sein ganzes Gewicht zu tragen hatte, gerissen sein. Damit war die Verbindung zum Sicherungsseil gekappt und Koller 20 Meter in die Tiefe gestürzt. „Das war eindeutig Mord“, schloss Blickle messerscharf. Und nicht nur das: Als Mordwaffe kam eigentlich nur das superscharfe Rescue-Messer, das jeder Trainer immer bei sich haben muss, in Frage. Wer aber sollte es auf den 35-jährigen Trainer abgesehen haben?

Wackenhut berichtete der Polizei von den Gewohnheiten seines Instructors: „Koller hat gern frühmorgens seine Runden gedreht, bevor der große Ansturm losgeht“, sagte er. Und außerdem habe der Trainer immer persönlich alle Klettereinrichtungen auf ihre Funktionalität und Sicherheit überprüft.

Wackenhut zeichnete das Bild eines verschrobenen, aber sehr peniblen und zuverlässigen Menschen, weswegen er Privilegien genoss. Beispielsweise durfte er sich als „Cheftrainer“ betrachten und sich außerhalb der Betriebszeiten auf der Anlage aufhalten. Von diesen Gewohnheiten wussten alle, die dort arbeiteten. Neben Wackenhut die beiden anderen Trainer und Instructors, Markus Mohl und Sabine Sieber.

Wackenhut berichtete auch von Kollers Schwierigkeiten. Mit dem Kollegen Mohl kam er nicht zurecht, da dieser ihm seine Position neidete, Koller aber keine Gelegenheit ausließ, Mohl herumzukommandieren. Auch vor Kunden. Sabine Sieber war Kollers Ex-Freundin. Sie führten eine Art Rosenkrieg, bei dem es um das Sorgerecht der beiden Kinder, das Sieber in erster Instanz verloren hatte, und um richtig viel Geld ging. Und dann hatte Koller seit Kurzem einen echten Feind: Ein Polizist aus Kirchheim, Paul Panter, hatte sich beim Sporttag verletzt. Ein Sicherungsseil war ihm gegen den Mund geschlagen und hatte ihm zwei Vorderzähne ausgeschlagen. Er wurde zum Gespött. Er machte Koller dafür verantwortlich: Er habe ihn nicht richtig eingewiesen. Panter tauchte öfter auf der Anlage auf und bedrohte Koller.  Blickle entschied, einen Spaziergang zu machen, um alle Informationen zu verdauen. Er schlenderte über die Wege, blickte in den Wald, wo die elf Parcours mit den 116 Elementen in den unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden angelegt waren. Er sah die Seilbahnen, er blickte erschaudernd auf die Free Fall Jump-Plattform, von wo man 17 Meter in die Tiefe sprang. Dahinter der Big Rope Curtain, der Holzdrache. Blickle war von der geheimnisvollen grünen Welt angetan, dennoch trat ihm Schweiß auf die Stirn, Klettern und Balancieren machten ihm Angst. Der Tote hatte keine Angst gehabt, als er sich auf der Seilbahn eingehakt hatte. Dass sein Y-Fix angeritzt war, hatte er nicht geahnt. Denn die Ausrüstung aller Trainer und aller Besucher, das hatte er erfahren, hing verschlossen in einem Raum. Also musste der Täter den Tatort gut gekannt haben.

„Wir müssen die Trainer befragen, ebenso diesen Polizisten aus Kirchheim“, ordnete Blickle an. „Keine Details von unserer Seite. Ich will erst alles über ihr Verhältnis zu Koller erfahren.“ Beide Trainer waren noch nicht im Dienst, sie wurden angerufen, den Kollegen aus Kirchheim holte ein Streifenwagen ab. Panter war besonders schlecht gelaunt: „Kollegen, der Koller war ein Angeber, mit seinem tollen Rescue-Messer rumfuchteln, ja, das konnte er, aber mich richtig einweisen nicht.“ Panter zeigte anklagend auf die hässliche Zahnlücke. „Aber bringe ich deshalb jemanden um? Kollegen, bitte!“ Markus Mohl sagte, Koller sei ein Arsch gewesen, aber kein Trainer würde je ein Rescue-Messer verwenden, um jemandem zu schaden. „Ich konnte ihn nicht ausstehen“, sagte Mohl, „aber ein Mord? Nein, Herr Kommissar! Seine Fachkenntnisse habe ich durchaus geschätzt.“ Sabine Sieber, eine auffallend athletisch und durchtrainiert wirkende Frau, unterdrückte mit Mühe ein Lächeln, was Blickle und Schnell nicht entging. „Sieht so aus, als ob ich nun nicht mehr um das Sorgerecht für Paula und Maxi vor Gericht ziehen muss, und das Geld kann ich auch behalten“, sagte sie, um sich gleich zurückzunehmen: „Ich bin aber keine Mörderin“, sagte sie und rückte mit einer nervösen Bewegung ihr Res­cue-Messer am Gürtel zurecht.

Schnell stupste Blickle an, der noch grübelte. „Chef, die Handschellen!“
Blickle kapierte. Die Handschellen klickten. Bei wem? Und warum?

bob / Foto: bob

Der Draht zur Heimat

Durch Spenden und Sponsoren: Flüchtlinge in Esslingen nutzen freies WLAN

WLAN-Hotspot

Während für die meisten Menschen hierzulande der Internetzugang ein selbstverständlicher Teil des Alltags ist, haben die Bewohner von Flüchtlingsunterkünften diese Möglichkeit meist nicht. Seit Anfang Juni können aber die 80 Bewohner des Flüchtlingscamps in der Fleischmannstraße in der Esslinger Weststadt einen kostenlosen Internetzugang nutzen. Das freie WLAN kam zustande durch die Spenden und Sponsorenschaft der Stadtwerke Esslingen (SWE), von Esslinger Bürgern und dem Verein Freifunk Stuttgart.

Ein freies Netz anstatt kostspieliger Prepaid-Karten: „Das Netz ist meist die einzige Möglichkeit, mit der Familie in Kontakt zu bleiben“, sagt Gerhard Rais, der Sprecher des Leitungsteams der ehrenamtlichen Unterstützergruppe für die Flüchtlingsunterkunft Esslingen Weststadt/Innenstadt. „Es war relativ schnell klar, dass wir hier im Camp ein Netz  benötigen. Wir haben die Bewohner immer in die Stadtbücherei geschickt, wo es freies WLAN und PCs gibt“, berichtet Rais. Das Landratsamt, das das Helferteam um Unterstützung gebeten hatte, winkte ab: Erst ab 100 Bewohner würde man aktiv. Doch es geht nicht nur ums Telefonieren und Skypen mit der Heimat: „Über das Internet gelangt man zu modernen und leicht zugänglichen Sprachlernangeboten“, erklärt Rais.  Herkömmliche Anbieter für Netzkommunikation schieden aber als Provider aus: „Wir hätten mit mehreren Hundert Euro pro Monat an Kosten rechnen müssen“, sagt Thomas Rother vom Leitungsteam.

Also wurde man beim Nachbarn vorstellig. Für das WLAN in der Fleischmannstraße wurde der Internetzugang der Stadtwerke sozusagen angezapft. „Der Internetanschluss für unsere Gastankstelle ist bei Weitem nicht ausgelastet, also haben wir unsere Kapazitäten geteilt“, erzählt Benjamin Fritz aus der Marketing-Abteilung des Energieversorgers. Mit der Spende einer Esslinger Bürgerin wurde der Rooter gekauft, der Verein Freifunk Stuttgart richtete den freien Zugang ein. Seitdem sind drei kleine Kästchen mit dem roten wellenförmigen Freifunk-Emblem an Containern befestigt. Sie bringen den Kontakt über den Freifunk-Server zustande und leiten Daten weiter. Das alles ging recht flott, wie die Beteiligten schildern: Fünf bis sechs Wochen nach den ersten Kontakten zu den Partnern lief das Netz. Und das WLAN wird rege genutzt. Laut Rother sind täglich rund 40 User dauerhaft online. Der Verein Freifunk ist bereits etliche Male aktiv geworden. Phillipe Käufer vom Verein berichtet von 90 Flüchtlingsunterkünften in der Region, die Freifunk mit WLAN ausgestattet hat – vier davon befinden sich im Landkreis Esslingen. In einem nächsten Schritt will das Unterstützerteam versuchen, in der Unterkunft eine Art Medien-Camp zu errichten, wie Gerhard Rais sagt. Dazu sollen Computer und Drucker aufgestellt werden – umso mehr als die Unterkunft auf 250 Bewohner erweitert werden soll.  bob / Foto: dpa

Arbeit finanzieren

Diakonie Württemberg übergibt 500. Beschäftigungsgutschein

Arbeit finanzieren

Markus Bühler hat wieder Arbeit. Der 36-Jährige aus Esslingen ist als Staplerfahrer bei der Esslinger Beschäftigungsinitiative gGmbH (EBI) in Altbach angestellt. Das verdankt er unter anderem dem Förderprogramm Beschäftigungsgutscheine für Langzeitarbeitslose des Diakonischen Werks Württemberg.

Den mittlerweile 500. Beschäftigungsgutschein hat Oberkirchenrat Dieter Kaufmann, Vorstandsvorsitzender des Diakonischen Werks Württemberg, kürzlich bei der EBI überreicht. Beantragt hatte den Gutschein, dessen Finanzierung über das Programm von Evangelischer Landeskirche und Diakonie in Württemberg möglich war, der Gemeindepfarrer des ehemals Langzeitarbeitslosen.

„Endlich nicht mehr daheim rumsitzen“, freut sich Markus Bühler. Seit 2005 war er arbeitslos. Immer wieder. Bühler gehört zu den Langzeitarbeitslosen, die auf dem Arbeitsmarkt kaum auftauchen. Einmal, weil sie kaum in der Arbeitsvermittlung der Job-Center zu finden sind, zum anderen, weil die Statistik sie nicht führt. Denn unterbricht ein Lehrgang beispielsweise zum Staplerfahrer – so wie bei Bühler – die lange Zeit der Arbeitslosigkeit, dann gilt er als Neu-Arbeitsloser. Kaufmann kritisiert diese Praxis und auch, dass man in Kauf nehme, Menschen zurückzulassen. Monat für Monat seien Erfolgsmeldungen zur Lage auf dem Arbeitsmarkt gerade in Baden-Württemberg zu hören. Kaufmann stellt dem entgegen: „Der zunehmenden Zahl der Erwerbstätigen und der stabilen bis sinkenden Zahl von Arbeitslosen steht eine sich verfestigende Langzeitarbeitslosigkeit gegenüber.“ Die Zahlen für das Jahr 2015 zeigten, so Kaufmann, dass mit der sinkenden Arbeitslosigkeit der Anteil der Arbeitslosen, die Harz IV beziehen, ansteigt. „Die Menschen, denen es nicht gelingt, auf den Zug des Arbeitsmarkts aufzuspringen, bleiben zurück. Viele befinden sich ausgegrenzt am Rande der Gesellschaft, ohne ausreichende Teilhabemöglichkeiten.“ Mit dem Förderprogramm wollen Landeskirche und Diakonisches Werk einen „Impuls an die neue Landesregierung weiterreichen“.

Für EBI-Geschäftsführer Hans-Ulrich Rabeneick ist es ein „Skandal, dass langzeitarbeitslosen Menschen Teilhabe vorenthalten und Möglichkeiten der Beschäftigung zurückgefahren werden“. Bei der EBI gibt es Chancen für diese Menschen: „Wir freuen uns über Aufträge für Gartenarbeit, Entrümpelungen oder Umzüge, um langzeitarbeitslosen Menschen Beschäftigung sowie Hilfe bei Problemen wie Sucht oder Überschuldung geben zu können.“ Auch 26 Flüchtlinge arbeiten bei der EBI.  Rabeneick: „Menschen wollen und brauchen Arbeit.“ Wie wichtig Arbeit für Selbstbewusstsein und Tagesstruktur ist, betont auch Bühler. Während seiner Arbeitslosigkeit hat er immer wieder ehrenamtlich bei der EBI mit angepackt. „Damit ich etwas tun kann.“ So ist Bühler auch zur Festanstellung gekommen. Und über seine Zugehörigkeit zur evangelischen Kirchengemeinde St. Bernhardt zum Hohenkreuz in Esslingen. Gemeindepfarrer Enno Knospe hat eine Patenschaft für das Beschäftigungsverhältnis für Bühler übernommen.

Kirchengemeinden sind von Anfang an bei der Umsetzung der Beschäftigungsgutscheine beteiligt. Sie beantragen den Gutschein für eine arbeitslose Person beim Diakonischen Werk. Kosten seien der Kirchengemeinde nicht entstanden, sagt Knospe. Im vergangenen Jahr hat die Kirchengemeinde für drei Personen eine solche Patenschaft übernommen.   bob / Foto: bob

Generationenkonflikt

WLB-Freilicht-Inszenierung „Hamlet – Prinz von Württemberg“ auf der Maille

Generationenkonflikt

Die Württembergische Landesbühne (WLB) hat sich für ihre aktuelle Freilicht-Inszenierung eines alten und doch hochmodernen Stoffs angenommen. In „Hamlet – Prinz von Württemberg“ zeigt das Ensemble auf der Bühne in der Esslinger Maille mit der Verlegung der Handlung nach Württemberg und sprachlichen Mitteln, dass das Thema des Dramas von William Shakespeare nichts an Aktualität eingebüßt hat.

Ab Donnerstag, 23. Juni, bilden die Maille und das Panorama der Inneren Brücke die Kulisse für eines der bedeutenden Dramen der Theaterliteratur. An insgesamt 20 Spieltagen zeigt dort die WLB Shakespeares „Hamlet“. Der Autor Jörg Ehni, der das Stück für die WLB bearbeitet hat, hat sich für die Esslinger Inszenierung eines Kunstgriffs bedient. Er siedelte das Drama um Mord und Rache, Verrat und Wahnsinn, Machtbesessenheit und Generationenkonflikt am württembergischen Königshof an. Damit eröffnete er die Möglichkeit, die für den modernen Leser oder Theaterzuschauer nur schwer nachvollziehbaren Unterschiede in der Sprache der Akteure zu Shakespeares Zeit verständlich zu machen.

„Da ist zum einen die ältere Generation der Elite, die an der Macht klebt und dafür über Leichen geht. Sie spricht Honoratiorenschwäbisch. Und es gibt die jüngere Generation, die aufbegehrt. Sie spricht Hochdeutsch“, erzählt Jutta Ortelt, die Pressereferentin der WLB. Mit diesen unterschiedlichen Sprachebenen würden der Konflikt der Generationen, die Gegensätze und auch die gesellschaftlichen Brüche deutlich. „Der Zuschauer versteht also von einer neuen Warte aus die Problematik im Stück“, erläutert Ortelt.

Zusätzliches regionales Kolorit erhält das Stück durch die Verpflichtung der Esslinger Kabarettisten Herbert Häfele und Erich Koslowski, bekannt als die Galgenstricke. „Das war ein schöner Coup. Die beiden haben sich trotz der ungewohnten Arbeit unter einem Regisseur sehr gut in das Ensemble eingefügt und sind mit dem notwendigen Ernst dabei“, freut sich Ortelt. Das schließe jedoch nicht aus, dass sie während des Auftritts aus einer spontanen Idee heraus humorige Dinge einfließen lassen könnten. Doch trotz des Dialekts, manches Sprachwitzes oder auch komischer Momente sei das Stück ein Shakespeare-Drama, betont sie. „Es ist kein schwäbisches Lustspiel mit Schenkelklopfern, sondern es bleibt der Hamlet-Stoff.“            pst / Foto: Archivfoto/Achim Mende

 

Info: „Hamlet – Prinz von Württemberg“, WLB-Freilichtbühne auf der Esslinger Maille; Aufführungen sind jeweils ab 20 Uhr am 23., 24., 25., 28. und 29. Juni sowie 1., 8., 9., 12., 13., 14., 15., 16., 20., 21., 22., 23., 27., 28. und 29. Juli, Karten und Informationen unter t 07 11/ 35 12-30 44.

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Rückkehr der Zeichen

Tora-Rolle in die Esslinger Synagoge eingebracht – Über Spenden finanziert

Rückkehr der Zeichen

In der vergangenen Woche hat die israelitische Religionsgemeinschaft Baden-Württemberg (IRGW) ein für sie zentrales Ereignis gefeiert. Die Tora-Rolle für die Zweigstelle in Esslingen ist fertiggestellt und in die Synagoge in der Altstadt gebracht worden. Das wertvolle Schriftstück wurde mit Spenden aus  der Esslinger Bürgerschaft und von Vereinen finanziert.

„Aus der Tora zu lesen, ist der Höhepunkt eines jeden Gottesdienstes. Und wer zum Schreiben einer Tora-Rolle beiträgt, der begeht eine wirklich große Tat“, so beschreibt Barbara Traub, die Vorstandsvorsitzende der IRGW, die Entstehung des Schriftstücks. Privatpersonen, Wirtschaftsleute und 18 Esslinger Vereine, darunter die christlichen und muslimischen Kirchen, haben mehr als 40 000 Euro zusammengetragen, um der jüdischen Gemeinschaft die Anschaffung einer eigenen Tora-Rolle zu ermöglichen.

Die Tora-Rolle ist die hebräische Bibel, sie umfasst die fünf Bücher Mose. Sie wird handschriftlich verfasst und besteht aus genau 304 805 Zeichen. Die Handarbeit des Schreibens hat der Rabbiner Yitzhak Goldstein aus Israel übernommen. Er ist ein Sofer, ein Tora-Schreiber, und damit eine hoch angesehene Person in der jüdischen Glaubensgemeinschaft. Jede Seite der zu einer Rolle verbundenen Pergamente hat 42 Zeilen. Die letzten fehlenden Zeichen hat Goldstein gemeinsam mit Vertretern von Stadt und Land, auch mit Vertretern der Spendengruppen, auf das Pergament gebracht – vorsichtig und behutsam. Wäre nur ein Zeichen misslungen, müsste die Tora-Rolle von vorne geschrieben werden.

In roten Samt eingeschlagen ist das Schriftstück anschließend in einem feierlichen und fröhlichen Festumzug unter der Teilnahme vieler Rabbiner aus ganz Deutschland vom Alten Rathaus in die Synagoge im Heppächer getragen worden. Dort wurde sie in den Tora-Schrein eingebracht. Diesen Schrank hatte die Stadt Esslingen bereits im Jahr 2012 zur Eröffnung der Synagoge gestiftet – und damit das Versprechen gegeben, die jüdische Gemeinschaft beim Erwerb einer eigenen Tora-Rolle zu unterstützen.

Für den Landesrabbiner Netanel Wurmser ist die Tora-Rolle in der Esslinger Synagoge eine „unglaubliche Historie“ und „ein Wunder“.  Am selben Ort gab es bereits eine Synagoge. Sie wurde im November 1933 von den Nazis geschändet und die Tora-Rolle vernichtet. „Und nun kehren die verbrannten Buchstaben  auf wunderbare Weise wieder zurück“, sagte Wurmser. In seiner Rede mahnte der Esslinger Landtagsabgeordnete Wolfgang Drexler zur Wachsamkeit: Eine starke Bürgerschaft sei das „Bollwerk gegen Antisemitismus“, so Drexler.     bob / Foto: bob

„Man sieht relativ schnell Licht“

Schuldnerberatung des Kreises besteht seit 25 Jahren – Überschuldung kann jeden treffen – Verbraucherinsolvenz ermöglicht Neuanfang

Man sieht relativ schnell Licht

Schulden sind ein Teil des Lebens. Über Kredite werden Autos finanziert und Häuser gekauft. Verschuldet sind die meisten Menschen. Wenn Verschuldung aber in Überschuldung kippt, kommt eine Lawine ins Rollen. Und die Arbeit der zwölf Frauen und Männer der Schuldnerberatung im Landkreis Esslingen beginnt.

Vor 25 Jahren ist die Schuldnerberatung im Landkreis Esslingen eingerichtet worden. Die Hauptamtlichen und Ehrenamtlichen aus dem Landratsamt, vom Kreisdiakonieverband und vom Deutschen Roten Kreuz sichern eine flächendeckende Beratung im Kreisgebiet. Die Zahl der laufenden Beratungen im Landkreis Esslingen ist gleichbleibend hoch, auch die Wartezeiten haben sich in den vergangenen Jahren nicht signifikant verändert. Im Jahr 2014 wurden insgesamt rund 1300 Beratungen durchgeführt.

„Wer sich an uns wendet, kommt meist ziemlich spät“, sagt Boris Behrens, einer der Schuldnerberater  beim Landratsamt, der seit 2003 Menschen in finanziellen Krisen berät. „Dann droht der Strom abgestellt zu werden, man ist mit der Miete im Rückstand, die Bank zahlt kein Geld mehr aus.“ Die Betroffenen steckten meist mitten drin im Chaos und hätten eine lange Leidenszeit hinter sich, sagt Behrens. Dann geht es darum, schnell Lösungen zu schaffen. In der Beratung steht immer die Sicherung der Existenz eines Menschen im Vordergrund. Behrens nennt die drei wichtigsten Schritte: „Zuerst aus der akuten Krise helfen, dann Ordnung schaffen in den Schulden und drittens Vereinbarungen zwischen Schuldner und Gläubigern treffen.“ Der Schuldnerberater prüft: Was hilft in der Situation? Welche Ressourcen hat der Ratsuchende, wie kann das Einkommen verbessert, die Ausgaben gesenkt werden? Welche Forderungen sind berechtigt, welche nicht? Was darf gepfändet werden, was nicht? Was muss vom Geld übrig bleiben? Bei Bedarf wird bei der Antragstellung für ein Insolvenzverfahren unterstützt. Behrens’ Erfahrung zeigt: „Man sieht relativ schnell Licht. Nach dem zweiten oder dritten Gespräch fühlten die Betroffenen wieder Zuversicht und Hoffnung.“

Das Abrutschen in die Überschuldung kann im Prinzip jeden treffen. Krankheiten, der Verlust des Arbeitsplatzes und andere einschneidende Geschehnisse im Leben können dazu führen, dass aus einem verschuldeten Haushalt ein überschuldeter wird. Behrens hat Normalverdiener beraten, deren Konsumverhalten aus dem Ruder gelaufen ist: einen ehemals Selbstständigen, der zwei Kinder zu unterhalten hatte, eine alleinerziehende Mutter mit drei Kindern, die psychisch krank war, ein Ehepaar, das Opfer eines Schrottimmobilien-Verkäufers wurde.

Selten sind die Gründe für eine Verschuldung nur in einem fahrlässigen Umgang mit Geld zu sehen. „Bei einem Hauskauf ist meist alles darauf ausgerichtet, dass alles so bleibt wie es ist“, erklärt Behrens. „Dann kommt aber eine Trennung und plötzlich müssen zwei Wohnungen bezahlt werden. Dann bricht das ganze Konstrukt schnell zusammen.“ Das kriegen wir schon irgendwie hin, heiße es dann oft. „Wer so etwas sagt, bei dem sollten eigentlich die Alarmglocken schrillen“, sagt Behrens. Jeder sollte ein Haushaltsbuch führen, rät er. Auch Wohlhabende. „Wer so etwas anfängt, hat automatisch mehr Geld.“

Im Lauf der vergangenen 25 Jahre hat auch der Gesetzgeber Menschen mit Schulden unterstützt. Dazu gehört die 1999 in Kraft getretene Regelung zur Verbraucherinsolvenz, die mehrfach reformiert wurde. Zuletzt mit den Änderungen, die die Möglichkeit der Laufzeitverkürzung für die Schuldner bis zur Restschuldbefreiung und die Möglichkeit zur gerichtlichen Vertretung durch die Schuldnerberatung einräumen. Weitere bedeutsame Veränderungen brachten Änderungen im Unterhalts- und im Zwangsvollstreckungsrecht, dabei vor allem die Einführung des Pfändungsschutzkontos. Mit der gesetzlichen Verankerung des Rechts auf ein Girokonto zum 18. Juni stehen weitere Veränderungen bevor.

Der Sozialarbeiter Stefan Freeman macht seit 25 Jahren Schuldnerberatung. Er hat festgestellt, dass man heute schneller in die Schuldenfalle tappt. Die Möglichkeiten, online zu bestellen und einzukaufen, machten das Geldausgeben leicht – auch Geld, das man nicht hat. „Früher hatten wir öfter mit wenigen Gläubigern und hohen Schulden zu tun, heute sind es oft niedrigere Schulden und viele Gläubiger“, zieht Freeman Bilanz. „Es ist heute leichter, den Überblick zu verlieren.“ Auch er begrüßt die neuen Verbrauchergesetze, die einem Menschen einen finanziellen Neuanfang ermöglichen, wenn er die Vereinbarungen mit den Gläubigern und die sogenannte Wohlverhaltensphase einhält. Zum Beispiel die Anhebung der Pfändungsfreigrenzen. Damit bleibt Menschen trotz Pfändung mehr als die Sozialhilfe zum Leben.

„Wir können wirklich helfen“, betont Freeman. „Wir lenken die Aufmerksamkeit der Gläubiger auf uns. Es entlastet sehr, wenn die Anrufe der Inkasso-Unternehmen abends und an den Wochenenden ausbleiben.“ Er warnt davor, die Folgen von Schulden auf psychischer Ebene zu unterschätzen. Er erinnert sich an eine Klientin, die ihm nach ein paar Beratungsterminen sagte: „Ich hätte nie gedacht, dass ich mich wieder besser fühlen könnte.“ Die Schuldnerberater sehen sich als „Ersthelfer“, so wie Sanitäter bei einem Unfall, sagt Behrens. Das bedeutet auch, dass sie nicht richten: „Wir suchen Lösungen.“

Die meisten Hilfesuchenden sind zwischen 40 und 60 Jahre alt. Aber es trifft auch Jüngere. Um Personen bis 27 Jahre kümmert sich die Sozialwirtin Lena Stumpp. Ihre Fälle sind etwa Frauen, die jung geheiratet, für Anschaffungen des Ehepartners gebürgt haben und mit Schulden zurückgeblieben sind. Es komme auch vor, dass für einen Freund ein Vertrag übernommen wurde, der seinen Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommt. Auch dort hilft das Motto von Schuldnerberater Behrens: „Taschenrechner statt Gefühl“.                 bob / Foto: bob

 

Info: Schuldnerberatung: Diakonische Bezirksstelle Esslingen:  07 11/3 42 15 72 71, dienstags 15.30 bis 17 Uhr, freitags 10.30 bis 12 Uhr; Landratsamt Esslingen:   07 11/ 39 02 26 96, donnerstags 14 bis 16 Uhr; Diakonische Bezirksstelle Filder:  07 11/ 99 79 82-0, dienstags 15 bis 17 Uhr; Diakonische Bezirksstelle Kirchheim:  0 70 21/ 9 20 92-40, dienstags 14 bis 16 Uhr:  DRK-Kreisverband Nürtingen/Kirchheim:  0 70 22/ 70 07-38 oder -39, montags 15 bis 17 Uhr, freitags 9 bis 11 Uhr.

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Eine Umfrage macht deutlich: Die anhaltend niedrigen Zinsen
lassen immer weniger Deutsche regelmäßig sparen und
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Das Objekt als Geschichtenerzähler

Kulturvermittlung am Landesmuseum Stuttgart baut Brücken zwischen Exponaten und Besuchern – „Geschichte wird begreifbar“

Das Objekt als Geschichtenerzähler1  Das Objekt als Geschichtenerzähler2

Das Landesmuseum Württemberg zeigt in der Ausstellung „Wahre Schätze“ im Alten Schloss in Stuttgart Kunstwerke und Alltagsgegenstände aus den antiken Kulturen am Mittelmeer, Fundstücke aus der keltischen Zeit der Region und eine Vielzahl von kunsthandwerklichen Preziosen aus den Sammlungen der württembergischen Herzöge. Zwei Kulturwissenschaftlerinnen haben bei einem Rundgang erläutert, wie aus Objekten in den Vitrinen Geschichtenerzähler werden.

Das Gesicht eines bärtigen Mannes in Bronze blickt aus dem Dunkel einer schmalen Vitrine, eingelassen in eine schmucklose blaue Wand. Es ist ein Gesicht mit Aufforderungscharakter, nachdenklich, mit leicht hängenden Augenlidern und einem abschätzenden Ausdruck. Der Besucher bleibt gebannt stehen, ein stummer Dialog beginnt.

„Wir wollen den Brückenschlag zwischen den Exponaten und den Besuchern schaffen. Damit werden die Erzählungen hinter den Objekten erfahrbar“, beschreibt Franziska Soehring. Die Kulturwissenschaftlerin ist gemeinsam mit ihrer Kollegin Ida Schneider im Landes­museum in Stuttgart für die Kulturvermittlung zuständig. Bei einer Führung durch die Ausstellung „Wahre Schätze“ haben die Wissenschaftlerinnen berichtet, wie eine Ausstellung mit dieser kulturellen Bandbreite gestaltet wird, damit sie für Familien mit Kindern und wissenschaftlich vorgebildeten Laien gleichermaßen spannend und aussagekräftig ist.

„Kulturvermittlung bedeutet nicht, einen großen Budenzauber zu veranstalten. Vielmehr stehen immer das Exponat und seine Ausstrahlung im Mittelpunkt. Der Besucher soll am einzelnen Objekt hängenbleiben, staunen, fragen und mehr wissen wollen“, beschreibt Soehring.

Am Beispiel einer prachtvoll bemalten antiken Vase wird während der Führung deutlich, dass sich Kinder und Erwachsene dem Gezeigten sehr unterschiedlich nähern. Menschen in Alltagssituationen sind dort zu sehen, darunter auch einige spielende Kinder. Während sich die Erwachsenen nach dem Kunsthandwerk erkundigen, wundern sich die jungen Besucher, dass man keine fröhlichen Gesichter sieht. „Mit Texten für Kinder und für Erwachsene und zusätzlichen Vitrinen in kindgerechter Höhe können wir an diesem Beispiel den Alltag und die gesellschaftliche Stellung der Kinder damals erklären. So erzählt das Objekt die Geschichten hinter der Geschichte und zugleich wird der kulturelle Hintergrund des Exponats und des Künstlers begreifbar“, erläutert Franziska Soehring.

„Die Orientierung an der Lebenswelt der Museumsbesucher ist entscheidend, damit es gelingt, die Bedeutung der Objekte zu vermitteln“, sagen Soehring und Schneider. Anhand der thematischen Bandbreite und der künstlerischen Qualität der Stücke, die einst in den Schatzkammern der Herzöge von Württemberg zusammengetragen wurden und in der Ausstellung zu sehen sind, ließen sich gute Einblicke in das Weltbild der Mächtigen zu jener Zeit gewinnen. Kurioses und Teures, aztekische Federschilde, fili­gran bearbeitete Muscheln, prachtvolles Kunsthandwerk in Glas und Gold wurden im Lauf von drei Jahrhunderten zusammengetragen. „Das geschah oft um des Sammelns willen und um Gästen zu zeigen, was man hat und was man sich leisten kann“, erklärt Soehring.

Demgegenüber zeigen die Wissenschaftlerinnen mit einem Schrank, dass das Sammeln und Präsentieren von Besonderem auch heutzutage nach diesem Prinzip abläuft. Dort sind Erinnerungsstücke ausgestellt, die Kinder und Erwachsene aus dem Urlaub mitgebracht oder einfach nur aufgeklaubt haben: Muscheln vom Strand, ein indischer Elefantengott aus dem Andenkenladen, ein Stoffhase. „Wir zeigen damit, dass ein Museum lebt und etwas zu sagen hat“, erklärt Franziska Soehring.              pst / Fotos: pst

Info: Ausstellung „Wahre Schätze“, Landesmuseum im Alten Schloss, Stuttgart, geöffnet dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr.

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Demnächst gibt es Zeugnisse – und damit auch Sitzenbleiber.
Immer mehr Pädagogen bezweifeln den Sinn der Ehrenrunde.
Was sagen Sie? Soll man das Sitzenbleiben abschaffen?

Zum Themendienst-Bericht "Familie/Schule/Kinder/Ratgeber/KORR/" von Carina Frey vom 17. Juni: Erstmal eine Katastrophe für Schüler und Eltern: Nach dem Sitzenbleiben sollte aber schnell das neue Schuljahr ins Auge gefasst werden. (Archivbild vom 23.03.2008 - Die Veröffentlichung ist für dpa-Themendienst-Bezieher honorarfrei.) +++ +++

Foto: dpa

Ehrenrunde abschaffen?

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