Frischzellenkur für den Bürgertreff

Denkendorfer Einrichtung soll nach der Modernisierung mehr Nutzern offenstehen

Jahrelang war der Denkendorfer Bürgertreff in der Friedrichstraße in einen Dornröschenschlaf versunken. Einst als „Altenbegegnungsstätte“ von der Gemeinde eingerichtet, wurde er zuletzt einmal in der Woche vom Seniorentreff und zweimal im Monat vom VdK-Ortsverband genutzt. Zu wenig, befand die Gemeinde. Doch vor einer häufigeren Belegung mussten die Räume modernisiert werden.

Inzwischen haben die Handwerker ganze Arbeit geleistet. Der Kontrast könnte kaum größer sein: Prägte noch vor wenigen Monaten eine eher düstere Atmosphäre das Bild, sind die Räume jetzt hell, freundlich und einladend. Der Charme der 80er-Jahre mit viel dunklem Holz ist einem modernen Ambiente gewichen. Nach der Modernisierung soll die kommunale Einrichtung mehr Nutzern offenstehen. Schließlich liegt der Treffpunkt gut erreichbar und zentral in der Ortsmitte und verfügt über einen barrierefreien Zugang.

Rund 150 000 Euro hat sich die Gemeinde die Frischzellenkur für den Bürgertreff kosten lassen. An den niedrigen Decken konnte nichts geändert werden. Doch allein die Entfernung der dunklen Holzbalken und die weiße Wand- und Deckenfarbe hellen den Raum deutlich auf. Eine neue Beleuchtung trägt ebenfalls zur helleren Raumatmosphäre bei, und statt mit schweren Vorhängen wird jetzt bei Bedarf mit Jalousien abgedunkelt. Der überdimensionierte, den Raum beherrschende Thekenblock wurde verkleinert und versetzt, so entstand mehr Platz.

„Wir wollten eine zeitgemäße Einrichtung, aber zugleich den Charakter des Raums erhalten“, erklärt Bürgermeister Ralf Barth das Modernisierungskonzept. Deshalb blieb ein Teil der Holzvertäfelung der Wände bestehen. Die fest installierte Holzbank im Nebenraum wurde allerdings ausgebaut. Damit ist eine flexiblere Bestuhlung möglich. Die eher kompakten, schweren Tische und Stühle sind einer leichteren, modernen Möblierung gewichen. Jetzt bietet der Bürgertreff Platz für 54 Personen. Der rustikale Parkettfußboden wurde aufgearbeitet.

Die Gemeinde hat zudem in die Medienausstattung investiert. Über zwei große, fest in­stallierte Bildschirme können Präsentationen direkt vom Laptop an die Wand geworfen werden. Ein Beamer sei dadurch nicht mehr nötig, so Barth.

Auch wurden der Sanitärbereich  umgebaut und dessen Zugang verlegt. Dadurch entstanden mehr Raum für weitere Tische und ein freier Platz, wo etwa Rollatoren abgestellt werden können. Es gibt nun zwei Frauentoiletten, die Männertoilette dient zugleich als Behinderten-WC.

Künftig soll der Bürgertreff besser ausgelastet werden. Bedarf besteht. Im D-Punkt im Rathaus und im Generationentreff im Limburgweg sind die Kapazitäten häufig erschöpft. Neben den angestammten Nutzern sollen die Räume Vereinen und Organisationen aus dem Ort, Parteien, Wählervereinigungen und den Fraktionen des Gemeinderats offenstehen. Auch Veranstaltungen des Generationentreffs und der Bücherei könnten dort stattfinden. „Wir wünschen uns deutlich mehr Frequenz“, betont Barth.

Nicht an Privatpersonen

Vorrangig behandelt werden Seniorentreff, VdK, Bücherei und Generationentreff. Für sie bleibt die Nutzung komplett kostenfrei. Örtliche Vereine und Organisationen bezahlen eine Reinigungspauschale von 25 Euro. Sonstige Nutzer müssen zusätzlich ein Entgelt von 100 Euro berappen. Privatpersonen oder außerörtliche Vereine und Organisationen können den Bürgertreff aber nicht mieten. Dies sieht eine Benutzungsordnung vor, die der Gemeinderat allerdings erst noch absegnen muss.  urh / Foto: urh


Schwester Amalie würde staunen

Der Weg zur Hochdorfer Seniorenresidenz war lang – Jetzt steht der Rohbau

Amalie Hauser, die von 1960 bis 1985 Gemeindeschwester in Hochdorf war, kommt zu späten Ehren: Nach ihr wird die neue Seniorenresidenz bei der Breitwiesenhalle benannt. Das haben die Bürger entschieden. Gebaut wird das Haus mit dem Konzept „Wohnen Plus“ von der Evangelischen Heimstiftung, die dafür mehr als 13 Millionen Euro investiert.

Der Bedarf sei natürlich hoch, sagt Hochdorfs Bürgermeister Gerhard Kuttler, denn bislang gibt es keine Einrichtung für Pflegebedürftige im Ort. Ein erster Anlauf für ein Pflegeheim mit Supermarkt am gleichen Standort war vor gut zehn Jahren per Bürgerentscheid gekippt worden. Mit der Evangelischen Heimstiftung fand die Gemeinde nun einen Wunschpartner und ein neues Konzept.

Als Pflegeheim könne man die Amalien-Residenz aber nicht bezeichnen, betont Kuttler: Eher schon als Alternative dazu, aber auch für noch eigenständige Menschen passend. Stationäre Pflege wird dort nicht stattfinden, stattdessen werden verschiedene Wohnformen angeboten – kombiniert mit der Möglichkeit, einen Pflegedienst im Haus zu nutzen, in dem Umfang, den man braucht oder wünscht.

Zum einen entstehen 40 Pflegewohnungen, zwischen 37 und 55 Quadratmeter groß, alle mit Balkon oder Terrasse sowie barrierefreiem Bad. Sie sind mit einem technischen Assistenzsystem ausgestattet, das unter anderem automatische Nachtlichter und eine auto­matische Herdabschaltung umfasst und im Notfall Alarm auslöst. Pflege- oder Hauswirtschaftsleistungen können zusätzlich gebucht werden. So sollen die Bewohner möglichst lange die Eigenständigkeit bewahren. Außerdem wird eine ambulant betreute Wohngemeinschaft mit zwölf Zimmern bestehen. Und schließlich wird es eine Tagespflege für 15 Gäste geben.

Im Erdgeschoss des vierstöckigen Gebäudes kommt zudem die Mensa für die benachbarte Breitwiesenschule unter. Bisher gibt es dort keinen separaten Raum fürs Mittagessen, es wird in den Räumen der Schulkindbetreuung ausgegeben. Das ist nicht ideal, zumal die Betreuung sehr gefragt sei, „Tendenz immer noch steigend“, berichtet Kuttler. Die neue Mensa ist für 180 Essen in zwei Schichten ausgelegt, die Kinder brauchen künftig nur einmal quer über den Hof zu gehen. Dieser Teil wird von der Gemeinde finanziert, die dafür einen Zuschuss aus der Schulförderung erwartet.

Die Evangelische Heimstiftung investiert dagegen in die eigentliche Residenz, bekommt aber auch Zuschüsse: Die Deutsche Fernsehlotterie fördert speziell den Bau der ambulanten Wohngemeinschaft mit 300 000 Euro. Weitere 251 000 Euro schießt das Land Baden-Württemberg für den Bau der Tagespflege zu. Im Oktober war Richtfest an dem Gebäude, dessen Fertigstellung für Ende des kommenden Jahres vorgesehen ist. Anfang 2021 könnten dann die ersten Bewohner einziehen. Bislang liege man bestens im Zeitplan, bestätigt Kuttler.

Das Ortsentwicklungskonzept umfasst noch weitere Pläne für das Breitwiesenareal. Als nächstes Projekt ist ein Wohn- und Geschäftshaus zwischen der Residenz und der Roßwälder Straße geplant, mit kleinen Läden im Erdgeschoss, medizinischen Dienstleistern, Büros und Wohnungen. Daran angrenzend soll ein kleiner Dorfplatz entstehen. Der bestehende Schotterparkplatz wird erneuert und vor allem strukturiert, wodurch man zusätzliche Plätze gewinnt. Er wird auch künftig als Festplatz nutzbar sein. Und schließlich soll der Talbach aufgewertet und besser zugänglich werden, mit teilweise abgeflachten Ufern und einem mäandernden Verlauf.  aia / Foto: aia


Abgestimmt

14 Bundesländer rotieren bei den Sommerferien-Terminen, Bayern und Baden-Württemberg nicht – nun wird eine komplette Rotation gefordert. Soll auch Baden-Württemberg den fixen Ferientermin aufgeben?

Foto: dpa

Ferien-Rotation?

Ergebnis

Loading ... Loading ...


Familiär, integrativ, international

Läufer treffen sich jeden Samstag  in Esslingen zum Park Run – Kostenloses  Angebot für jedermann

Park Run ist zu einer Erfolgsgeschichte geworden – in vielen Ländern. Seit April gibt es das kostenlose Angebot auch in Esslingen. Läufer jeden Alters, auch mit Handicap, treffen sich samstags um 9 Uhr am Neckarufer und laufen  eine Strecke von fünf Kilometern. Dabei steht das Miteinander im Vordergrund, weniger die Leistung. So sind schnelle und langsame Läufer auf der Stecke, Walker ebenso wie  Leute mit Hund oder mit Rolli. Die Stadt Esslingen unterstützt die Aktion.

„Es ist familiär und integrativ zugleich“, sagt Chris Greenaway, der Initiator des Park Runs in Esslingen. Im Schnitt sind es 30 Männer und Frauen, die sich am Parkplatz beim Brückchen zur Neckarinsel in Oberesslingen (Eberspächerstraße) treffen. Helfer sind dabei, die Streckenposten machen, die Zeit nehmen, auf eventuell Verletzte achten und als Schlussläufer die Strecke sichern. Viele Nationen finden sich unter den Läufern, sagt Greenaway: „Amerikaner, Südafrikaner, Polen, Russen und natürlich Engländer.“ England  ist das Mutterland des Park Runs. 

  Chris Greenaway –  deutsche  Mutter, englischer  Vater –  ist in Südengland aufgewachsen, wo  Park Run gang und gäbe ist. Als er 2016 nach Stuttgart zog, suchte er nach Park-Run-Angeboten und musste feststellen, dass das niedrigschwellige Angebot hierzulande noch  in den Kinderschuhen steckte. Ein erster Versuch, den Run in Stuttgart zu etablieren,  scheiterte.  Der  Park-Run-Verein war damals dabei,  in Polen und Russland Lauftreffs aufzubauen. 2017 ging der erste Stuttgarter Park Run  im  Kräherwald auf die Strecke. Das war erst der sechste Treff dieser Art in Deutschland, wie sich Greenaway erinnert.

Als Läufer  kannte er  die Strecke am Neckar  zwischen seinem Wohnort Hedelfingen und Esslingen, er begann für einen Park Run in Esslingen zu werben. Läufer wurden angesprochen, die wiederum auf ihr Netzwerk zurückgriffen, eine Facebook-Gruppe wurde eingerichtet – das funktionierte. Zum ersten Lauf im April erschienen fast 50 Läufer, darunter Esslingens Oberbürgermeister Jürgen Zieger.  Am Tag der Deutschen Einheit liefen 104 Personen mit.  

„Die Stadt unterstützt uns sehr gut“, sagt Greenaway.  So wolle man im Rathaus über eine feste Beschilderung nachdenken. Die Strecke ist mittlerweile eine offiziell vermessene  Leichtathletik-Strecke, wie Greenaway berichtet.  So fänden sich unter den Teilnehmern auch immer wieder engagierte Läufer  wie die von der Lima-Laufgruppe, die die fünf Kilometer als Trainingsstrecke nutzten.

Die Strecke startet vor dem  Brückchen zur Neckarinsel, führt ein Stück stadtauswärts  bis zur Rampe, dreht wieder ab und führt stadteinwärts bis unterhalb des Merkelparks. Von dort aus geht es wieder zurück  zum Ausgangsort am Brückchen. Die Strecke ist eben und asphaltiert und daher auch für Einsteiger oder wenig Geübte ein gutes Pflaster.  Jeder Finisher wird bejubelt und beklatscht, ungeachtet der Laufzeit.

Der Lauf ist kostenlos, man kann sich online registrieren  und erhält einen Barcode, über den man seine Zeit nehmen lassen kann, wenn man das möchte.  Registrierte  Teilnehmer sind überdies  versichert.  Jeder Lauf endet mit einem gemeinsamen Kaffeetrinken in der Nymphaea auf der Neckarinsel. Läufer kommen laut Greenaway sogar aus Metzingen und Reutlingen.

Initiator Greenaway ist häufig als Laufleiter auf der Strecke, ebenso sein Kollege Nigel Dawson, ebenfalls ein Engländer. Ein weiterer Landsmann der beiden, Barnaby Norman, fotografiert für die Esslinger Webseite. Park Run  ist in vielen anderen Städten in der Umgebung  zum  Selbstläufer geworden. Am 30. November findet der erste Park Run in Bad Urach statt, Sindelfingen und Bad Cannstatt stehen ebenfalls in den Startlöchern.  bob / Foto: bob

Info: www.parkrun.com.de/neckaruferesslingen 


Gemeinsam unter einem Dach

Martin-Luther-Hof in Nürtingen eröffnet – Kirchengemeinde und Diakonie schaffen Ort der Begegnung

Nach etwa einem Jahr Bauzeit haben die Luther-Kirchengemeinde und die Stiftung Tragwerk, die dem Diakonischen Werk angeschlossen ist, den neuen Martin-Luther-Hof in der Nürtinger Jakobstraße eröffnet.  Neben der Kirchengemeinde haben dort eine Kindertagesstätte, die ambulanten Hilfen für Jugendliche und Familien, die Erziehungshilfestelle Nürtingen sowie der Soziale Dienst des Landkreises Esslingen eine gemeinsame Heimat unter einem Dach gefunden.

An der  Jakobstraße in Nürtingen ist im Verlauf des vergangenen Jahres ein außergewöhnliches Gebäudeensemble entstanden. Die Luther-Kirchengemeinde und die Stiftung Tragwerk haben mit dem Martin-Luther-Hof ein gemeinsames Zentrum für kirchliche und soziale Angebote für Kinder, Jugendliche und Familien geschaffen.  Die  Lutherkirche wurde saniert und als eigenständiges Gebäude in das Ensemble integriert.

Im Martin-Luther-Hof sind neben dem Pfarrbüro, Besprechungs- und Mehrzweckräumen der Kirchengemeinde vier Kitagruppen der Stiftung Tragwerk untergebracht. Sie sollen bis März voll belegt sein, dann werden dort insgesamt 60 Kinder im Alter von einem bis sechs Jahren betreut. Auch die ambulanten Hilfen für Kinder, Jugendliche und Familien haben in dem neuen Zentrum ihr Domizil. Zehn sozialpädagogische Fachkräfte kümmern sich dabei mit Rat und Unterstützung um junge Menschen und ihre Familien in problematischen Alltagssituationen. Im Martin-Luther-Hof finden sich die  Büros und Besprechungsräume, die Hilfen und Betreuungsangebote finden überwiegend in den Familien statt.

Speziell an Kinder und Jugendliche im Alter von sechs bis 14 Jahren sowie deren Eltern richten sich die Betreuungsangebote der Erziehungshilfestelle Nürtingen, die ebenfalls in den Martin-Luther-Hof eingezogen ist. Ihre Angebote richten sich an Familien in problematischen Lebenssituationen. Fünf pädagogische Mitarbeiter der Stiftung Tragwerk kümmern sich in den neuen Räumen um derzeit 27 Kinder und deren Familien. Im Martin-Luther-Hof werden Gruppen- und Einzelbetreuungen angeboten, in der  Küche, die  allen Nutzern des Hauses zur Verfügung steht, wird gemeinsam gekocht, an den Nachmittagen gibt es Hausaufgabenbetreuung. Im gemeinsam genutzten Innenhof des Ensembles sind Spielflächen für die Kinder entstanden, er bietet aber auch Aufenthaltsmöglichkeiten für die anderen Nutzer.

Auch der Soziale Dienst des Landkreises Esslingen ist unter das gemeinsame Dach gezogen. Die elf Mitarbeiter bieten eine Anlaufstelle für Ratsuchende aus Nürtingen bei familiären oder persönlichen Schwierigkeiten, beraten und unterstützen in Fragen der Erziehung und kümmern sich auch um das Kindeswohl.

Von großer Bedeutung für die Kirchengemeinde ist auch, dass nun die Vesperkirche wieder zurück in die Stadt kommt. Sie musste während der Bauzeit in das Stephanushaus im Rossdorf umziehen. „Während der Vesperkirche kommen wieder Menschen zusammen, die anderweitig nicht oft an einem Tisch beieinander sitzen“, freute sich die Gemeindepfarrerin Barbara Brückner-Walter bei der Eröffnung des neuen Zen­trums. Der Martin-Luther-Hof stehe damit programmatisch für den Begriff der Gemeinsamkeit.  pst / Foto: Holzwarth


Abgestimmt

Der Bundestag hat die weitgehende Abschaffung des Solidaritätszuschlags beschlossen, ab 2021 fällt er nur noch für Spitzenverdiener an. Soll der Soli für alle abgeschafft werden?

Foto: dpa

Soli für alle weg?

Ergebnis

Loading ... Loading ...


Erlebnisreiche Zeitreise

Esslinger Mittelalter- und Weihnachtsmarkt vom 26. November bis 22. Dezember – Mehr als 200 Stände

Von   Dienstag, 26. November, bis Sonntag, 22. Dezember, werden die Uhren in der mittelalterlichen Esslinger Altstadt  wieder symbolisch um 600 Jahre zurückgedreht. Vier Wochen lang lockt der Esslinger Mittelalter- und Weihnachtsmarkt  mit mehr als 200 Ständen und mehr als 500 kulturellen Programmpunkten. Der Veranstalter, die Esslinger Stadtmarketing und Tourismus GmbH (EST), erwartet erneut  etwa eine Million Besucher.

„Der Esslinger Mittelalter- und Weihnachtsmarkt zählt  zu den zehn attraktivsten Weihnachtsmärkten im deutschsprachigen Raum. Das verdankt er seinem Markenkern  Erlebnisreichtum, Kinder- und Familienfreundlichkeit und Qualität des Kulturangebots“,   sagt der EST-Geschäftsführer Michael Metzler. Rund eine Million Besucher, darunter etwa ein Drittel aus dem europäischen Ausland, aber auch etliche aus Japan und den USA, werden wieder erwartet.

Nach der Eröffnung durch Esslingens Oberbürgermeister Jürgen Zieger am 26. November um 17 Uhr nimmt das   mittelalterliche Treiben seinen Gang. Neben den vielen Marktständen warten zahlreiche Mitmachangebote auf Kinder und Erwachsene und laden zum Entdecken alter Handwerkskünste ein. „Auf dem Mittelaltermarkt stehen die Mitmachaktionen und Führungen  kennzeichnend für den Erlebniswert und die Kulturvermittlung der Veranstaltung“, erzählt Petra Pfeiffer, Veranstaltungsmanagerin bei der EST. Neben einigem Bewährten  sind  eine  Steinmetzwerkstatt und ein Schmied neu dabei.  Bei einem Zimmermann  können Kinder und Erwachsene beim Bau eines  Fachwerkhauses mitarbeiten.  Rituelles Räuchern kann ebenso erlernt werden wie die Parfümherstellung. Ein Fechtworkshop steht  auf dem Programm, ein Seminar zur  Heilpflanzenkunde und eines über Bäume. Wie Pfeiffer berichtet, sind die  Erlebnisführungen für Erwachsene und Schulklassen bereits derzeit gut nachgefragt. So werden die Teilnehmer bei Mittelalterführungen durch Esslingens Gassen und über den Markt und zu  Handwerkern, Händlern, Gauklern und Wirten geführt. Bei kostenlosen Führungen für Schulklassen erhalten Kinder  Einblicke in die Geschichte und in alte Handwerksberufe. Kinder kommen auch im bewährten Zwergenland und in einem neuen Märchenzelt auf ihre Kosten.

Auch in diesem Jahr wurde Wert auf ein anspruchsvolles  Kulturprogramm gelegt. Neben sechs bewährten Künstlern verpflichteten die Veranstalter renommierte Musiker, Gaukler und Akrobaten aus ganz Europa, die auf den drei Veranstaltungsbühnen auftreten werden. Darunter sind auch Hochkaräter wie die Gruppe Saboi aus Südfrankreich, die deutsche Gruppe Varius Coloribus und das tschechische Ensemble Krless, das auch ein Konzert im Münster St. Paul geben wird.

Gerhard Gorzellik, der Leiter des Esslinger Ordnungsamts, bittet darum, möglichst  öffentliche Verkehrsmittel zu wählen oder den Bus-Shuttle von den Parkplätzen in Mettingen oder Oberesslingen aus zu nutzen. Er kündigt „intensive Kontrollen“ von Falschparkern, besonders in Brandschutzzonen, auf Behinderten- und Anwohnerparkplätzen an. pst / Foto: Esslinger Stadtmarketing und Tourismus GmbH

Info: Esslinger Mittelalter- und Weihnachtsmarkt, 26. November bis 22. Dezember, Sonntag bis Donnerstag 11 bis 20.30 Uhr, freitags und samstags 11 bis 21. 30 Uhr (www.esslingen-marketing.de).


Kultur von der Hand in den Mund

Vor zehn Jahren hat Rudolf Korbel die Rabenbühne in Bernhausen gegründet

Gute Stube, Wohnzimmer, Salon: Kulturbetriebe denken sich gern solche Synonyme aus, um besonders heimelig zu wirken. Die Rabenbühne ist jedoch tatsächlich ein Wohnzimmer –  Rudolf Korbels Wohnzimmer. Zwischen einem Bücherregal, einem alten Sessel, einem Klavier und einer historischen Schreibmaschine stellt er an Wochenenden Klappstühle an Bistrotische und präsentiert Kultur im Mini-Format. Die Rabenbühne im Filderstädter Stadtteil Bernhausen ist das wohl kleinste Theater weit und breit. „Gedacht ist es für 20 Gäste, aber ich hatte hier schon 50“, sagt Korbel lachend.

Seit zehn Jahren gibt es die Kleinkunstbühne an der Fußgängerzone im Ortskern. Zuvor hatten Rudolf Korbel und seine jüngere Schwester Ruth, eine ausgebildete Schauspielerin, im Friseursalon der älteren Schwester Gedichte geübt, dann vor Familie und Bekannten aufgeführt, später Musiker dazugenommen. „So hat sich das entwickelt“, sagt der 67-Jährige. Vor einem Jahrzehnt wurden schließlich eine Wand in den Friseurladen gezogen und Handwerk und Kunst getrennt. Links widmet sich die ältere Schwester seither den schönen Haaren, rechts der Bruder den schönen Künsten.

Der Mann, den alle nur Rudi nennen, ist ehemaliger Deutsch- und Französischlehrer im Unruhestand. Die Rabenbühne ist für ihn reine Liebhaberei, wie er sagt. „Das ist nichts Kommerzielles, da ist nichts verdient, eher reingebuttert“, betont er. Für seinen Traum vom kleinen Kulturbetrieb nimmt er nach eigenen Angaben viel in Kauf, schläft in einem spartanischen Kellerraum nebenan und wohnt und arbeitet tagsüber eben im Theater. „Ich mache alles selbst. Ich räume auf, ich putze, ich kaufe Getränke“, erklärt er. Fördergelder gebe es für die Initiative nicht. „Die Stadtväter interessiert das wenig“, sagt Rudolf Korbel. Nur einmal, vor Jahren, sei sein Engagement mit dem Bürgerpreis belohnt worden. Auch für die Künstler ist nicht viel zu holen. Sie kriegen ihren Anteil am Eintritt. Laut Rudolf Korbel kommen sie trotzdem gern, weil die Atmosphäre so intim ist, „hier entsteht sofort ein Gespräch“. Kultur von der Hand in den Mund.

Warum der Aufwand im Rentenalter? „Ich habe gespürt, da ist was. Ich will Performance machen“, erinnert er sich. Es gehe um die Liebe zum Wort, darum, andere zu erfreuen und auch ein bisschen um die Anerkennung. Rudolf Korbel ist ein Kreativkopf. Sein wallendes graues Haar bändigt er mit der zurückgeschobenen Lesebrille, während er blumig erzählt. Von seinen Lieblingsdichtern und seiner Zeit im Schuldienst, in der er mit seinen Schülern den „Zauberlehrling“ rezitiert hat. Davon, wie er sich beim Poetry Slam „die Hörner abgestoßen“ oder sich als Straßenkünstler probiert hat, wie er sich erfolglos bei Kleinkunstbühnen beworben habe und dann beschlossen habe, eben allein etwas aufzuziehen. „Mein Anliegen ist der Wert der Sprache“, stellt er klar.

An sein Programm stellt er daher hohe Ansprüche, wie er sagt. „Es gibt keine Schenkelklopfer und keine Amateure, da bin ich stolz drauf.“ Der Macher schlägt in dem, was er für sein Publikum auswählt, gern die ruhigeren Töne an, manchmal auch die etwas schwereren. Jazz, Blues oder Stücke von Reinhard Mey, Pantomime, Kabarett, Schattenspiele, Lesungen. Und eben besonders gern Lyrik. Mörike, Ringelnatz, Heine oder Hölderlin, sprachlich und szenisch dargeboten. Daran hängt Rudolf Korbels Herz. Er strahlt. „Ich will einfach meine Kunst präsentieren.“  car / Foto: car

Info: www.rabenbuehne.de


Abgestimmt

Im sogenannten Jaguar-Prozess von Stuttgart ist der 21-jährige Raser zu fünf Jahren Jugendstrafe verurteilt worden. Ist das Urteil nachvollziehbar?

Foto: dpa

Nachvollziehbar?

Ergebnis

Loading ... Loading ...


Baubeginn mit Verzögerung

Ärztehaus in Aichtal-Grötzingen wird später fertig – Drei Arztpraxen, eine Apotheke und sieben Wohnungen geplant

Im Aichtaler Stadtteil Grötzingen wird ein Ärztehaus entstehen. In dem Neubau an der Ecke Raiffeisenstraße/Harthäuser Straße sollen drei Arztpraxen und eine Apotheke Platz finden. Außerdem sind dort sieben Wohnungen und ein Parkhaus mit 20 Stellplätzen geplant. Mit der Ansiedlung der Arztpraxen soll einer eventuellen medizinischen Unterversorgung der Bürger der Stadt vorgebeugt werden. Die ursprünglich geplante Eröffnung Ende 2020 wird sich wegen einiger Verzögerungen im Genehmigungsverfahren allerdings auf das Jahr 2021 verschieben.

Nach den Berechnungen der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg herrscht im Bereich Nürtingen, zu dem auch die Stadt Aichtal zählt, keine hausärztliche Unterversorgung. Auch in Aichtal finden Patienten in jedem der Stadtteile einen Arzt. Doch die Kapazitäten der Arztpraxen sind an der Obergrenze angelangt. So lag es für den Gemeinderat und die Verwaltung nahe, durch die Ansiedlung zusätzlicher Praxen einer eventuellen medizinischen Unterversorgung vorzubeugen.

Auf einem rund 920 Qua­dratmeter großen Grundstück an der Ecke Raiffeisenstraße/Harthäuser Straße in Grötzingen möchte der Bauträger Paulus Wohnbau aus Pleidelsheim  ein Ärztehaus errichten. Dort sollen in den Obergeschossen drei Arztpraxen und im Erdgeschoss eine Apotheke entstehen. Zudem sind in dem  Neubau sieben Wohnungen geplant.  Die Wohnungen sollen zwei bis vier Zimmer und zwischen 52 und 116 Quadratmeter groß sein. Für die Fahrzeuge der Bewohner und Besucher soll an das Gebäude ein kleines Parkhaus mit 20 Stellplätzen angebaut werden.

Ursprünglich sollte das Projekt im vergangenen Sommer in Angriff genommen werden und bei einer Bauzeit von 16 bis 18 Monaten zum Ende des kommenden Jahres fertiggestellt sein. Doch der Baubeginn ließ auf sich warten. Die Genehmigungsbehörde im Landratsamt Esslingen hatte einige Bedenken gegen Teile der Baupläne angemeldet und unter anderem Nachbesserungen für die Gestaltung der Rettungswege am Gebäude und der Zufahrt für die Stellplätze verlangt. Zudem hatte zu diesem Punkt auch die Straßenverkehrsbehörde aus Gründen der Verkehrssicherheit einige Bedenken angemeldet und den Bauträger zu einer Verbesserung seiner Pläne aufgefordert. Entsprechend erteilte das Landratsamt daher zunächst keine Baugenehmigung für das Projekt. Wegen der somit zu erwartenden Verzögerung des Vorhabens hatte die Paulus Wohnbau daher mitgeteilt, dass mit einer Eröffnung des Ärztehauses erst Ende 2021 zu rechnen sei.

Kein Arzt abgesprungen

Aichtals Bürgermeister Lorenz Kruß hatte  sich daraufhin in der Gemeinderatssitzung irritiert gezeigt und die Mitteilung dahingehend korrigiert, dass nach Rückfragen beim Bauträger zwar mit einer gewissen Verzögerung, allerdings durchaus mit einer früheren Fertigstellung des Ärztehauses zu rechnen sei.

Auch die Befürchtungen, dass die Belegung der Praxisräume durch die Bauverzögerungen gefährdet sei, seien unbegründet. Die Verwaltung habe mit einigen Medizinern Vorgespräche geführt. Keiner der konkreten Interessenten an den Räumen, ein Allgemeinmediziner, ein Zahnarzt und ein Apotheker, sei  abgesprungen. pst / Foto: Visualisierung: Paulus Wohnbau