Abbauen und wieder aufbauen

Baustellenbesichtigung: Arbeiten an der Vogelsangbrücke in vollem Gang – Lager für Pfeiler werden ausgetauscht

Derzeit wird die Vogelsangbrücke in Esslingen saniert.  Nach Wochen der Vorbereitungen haben nun die eigentlichen Arbeiten begonnen. Die Brücke soll auf ihr Grundgerüst reduziert und dann verstärkt wieder aufgebaut werden.

Bis Oktober läuft die erste Bauphase, in der zunächst der westliche Brückenteil ertüchtigt wird. Der schadhafte Konstruktionsbeton wird ausgebessert. Dann werden  Brückenausbauten wie Abdichtungen, Fahrbahnbeläge, Gehwege, Geländer, Beleuchtung, Lichtsignalanlagen, Entwässerungs-, Strom- und Nachrichtenleitungen sowie die Gas- und Wasserleitungen der Stadtwerke Esslingen erneuert. Zusätzlicher Stahlbeton im Brückenhohlkasten, verstärkte Brückenpfeiler sowie Brückenlager und Kohlefaserlamellen – mit etwa zwei Kilometer Gesamtlänge – an der Unterseite der Brücke stützen das Bauwerk.

Auch unter der Brücke und an den Rampen  tut sich einiges: Der Austausch der tragenden Lager an den Rampenpfeilern  ist in Vorbereitung.  Die Rampe, die vom   Hauptbahnhof her auf die Brücke führt, ist gesperrt, ebenso wie Teile der Fahrbahn in Richtung Pliensauvorstadt. Dort wird die Auflage der Brücke – eine wenige Zentimeter dicke Schicht aus  Asphalt und darunterliegendem Harz – abgefräst. Regine Zunker, die Leiterin der Abteilung Ingenieurbauwerke beim Tiefbauamt, drückt es so aus: „Wir reduzieren das Bauwerk auf sein Grundskelett und bauen es dann wieder auf.“ Dabei werden auch 140 Sensoren eingebaut, so dass Veränderungen in der Stabilität und Tragfähigkeit per Ferndiagnose gecheckt werden können.

Noch ist nicht der gesamte Belag abgefräst, an einigen Stellen hält sich auch das Harz recht hartnäckig, so dass Spezialfräser im Einsatz sind.  Bei den Arbeiten fallen auch frühe Bausünden auf: An einigen Stellen an der Rampe schaut nach dem Fräsen die Bewehrung heraus, weil die Betonauflage zu dünn war. Die Hauptsorge bereitet  die Spannbetonkonstruktion der   Brücke. „In den 70er-Jahren wurden Stahllegierungen verwendet, die nicht so langlebig waren, wie die später verwendeten“, erklärt Zunker.  Zudem seien die Belastungen durch den Verkehr enorm gestiegen.

Das Abfräsen der Oberfläche der Brücke hat auch die Möglichkeit geschaffen, die Stahlkonstruktionen im Inneren der Brücke besser zu beurteilen. Eine sogenannte Streufeldmessung gibt   Auskunft. Dafür fährt ein  Magnet über den Beton, der Stahl im Inneren wird aufgeladen. Brüche und Risse zeigen sich dann durch Polbildung. Mit den Ergebnissen der Untersuchungen  rechnet  das Tiefbauamt demnächst. Die Erkenntnisse daraus  beeinflussen wiederum die Platzierung der Sensoren. An kritischen Stellen könnten dann beispielsweise mehrere  Sensoren sitzen.

 Unter der gesperrten Rampe wird  an den auf den Pfeilern sitzenden Lagern gearbeitet. Diese Metallkonstruktionen gleichen die Bewegungen und die Gewichtsbelastungen zwischen  Rampe  und Pfeiler aus. Durch die Verschiebung der Hauptlast in die Mitte der Rampe ändert sich die Belastung.

Neue Lager,  Metallkästen von rund einer halben Tonne Gewicht, werden  deshalb eingebaut. Die Brücke wird dafür über den Pfeilern ein paar Zentimeter angehoben.  Insgesamt werden  acht neue Lager verbaut. „Diese Teile werden extra für Esslingen angefertigt“, erklärt Oberbauleiter Kai Händler von der Firma Züblin, die gemeinsam mit der Firma Leonard Weiss die Arbeiten ausführt. Laut Händler arbeiten bis zu 25 Personen aus bis zu 15 Gewerken derzeit an der Sanierung. Nach den Arbeiten ist die Brücke ertüchtigt und kann die zusätzliche Verkehrslast aufnehmen, die durch den geplanten Abbruch und Neubau der Hanns-Martin-Schleyer-Brücke entsteht.

„Die Brücke hat nach der Sanierung  wieder eine Restlebensdauer von mindestens 20 Jahren“, erklärt Sufian Kurdi, der Projektleiter der Baustelle. Etwa 43 000 Fahrzeuge benutzen die Vogelsangbrücke täglich. 19,4 Millionen Euro kostet die Sanierung, 5,9 Millionen Euro gibt das Land. „Allein der Gerüstaufbau und die Sicherung der Baustelle haben 3,5 Millionen Euro verschlungen“, erklärt Uwe Heinemann, Leiter des Esslinger Tiefbauamts. Bis Oktober 2020 soll die Brücke  wieder  offen sein. bob / Foto: bob


Professioneller Auftritt

Das Naturtheater Grötzingen zeigt zwei anspruchsvolle Produktionen – Keine Scheu vor großen Werken

Das Naturtheater Grötzingen ist in die neue Spielzeit gestartet. Bis Sonntag, 18. August, wird die Spielschar des Amateurtheaters wieder zwei Produktionen zeigen, die den Vergleich mit den professionellen Bühnen im Land nicht scheuen müssen. Für jüngere Zuschauer und Familien steht in diesem Sommer das Stück Ronja Räubertochter unter der Regie von Lars Kajuiter auf dem Programm. Als Stück für Erwachsene inszeniert der Regisseur Jürgen Lingmann die Tragödie Romeo und Julia von William Shakespeare.

Das Naturtheater Grötzingen zeigt seit vielen Jahren  Stücke, die man von einer Amateurbühne und einer Laienspielschar  nicht unbedingt erwarten darf. Für die aktuelle Spielzeit hat sich das Theater mit William Shakespeares Tragödie Romeo und Julia wieder  ein großes Werk der Literatur vorgenommen. „Shakespeare gibt es im Amateurtheater eher selten. Wir haben uns dafür entschieden, weil wir eine junge Spielschar haben, die der Herausforderung auch sprachlich gewachsen ist“, erzählen die Vorstandsmitglieder Kai Feldmaier und Kerstin Schürmann, die auch künstlerische Leiterin des Theaters ist.

Für die Inszenierung wurde der Schauspieler und Regisseur Jürgen Lingmann gewonnen. Er entschied sich für eine Fassung des Stücks, die der Übersetzer und Shakespeare-Forscher Frank Günther vorgelegt hatte. „Günther ordnet Shakespeare in die Tradition des Volkstheaters ein. Die Fassung betont das Derbe in dem Stück“, beschreibt Lingmann. Er choreografierte auch einige rasante Bühnen-Fechtkämpfe.

„Die Zuschauer dürfen sich auf ein Stück mit viel Action, Spannung und vielen lustigen Elementen freuen“, verspricht Feldmaier. Für die Grötzinger Bühnenfassung  mit rund 40 Darstellern musste der Shakespeare-Text um fast die Hälfte gekürzt werden. Dennoch dauerte es von der ersten Sprechprobe im November noch Monate, bis die  anspruchsvolle Geschichte stand. „Es  ist eben  eine klassische Sprache“, sagt Lingmann. Trotz mancher Gegenwartsbezüge habe er auf umgangssprachliche Wendungen verzichtet, „da sonst die Magie von Shakespeares Sprache verloren ginge“. Der Autor experimentiere selbst mit unterschiedlichen Sprachstilen, „und so sind ausgefeilte Dialoge entstanden“, erzählt er. Dabei nötige ihm die Leistung der beiden 18 und 17 Jahre alten Hauptdarsteller Ronja Feldmaier und Johannes Scheufele größten Respekt ab, die zum ersten Mal in einem Erwachsenenstück spielen.

Auch Lars Kajuiter, der Regisseur des Familienstücks Ronja Räubertochter, hat den Umgang mit dem Bühnentext des Kinderbuchs von Astrid Lindgren als „große Herausforderung“ erlebt. Der Verlag habe keine großen  Kürzungen erlaubt, „also spielen wir alle 16 Kapitel, jeweils in drei oder vier kurzen Szenen, das benötigt schnelle sprachliche Übergänge“, erzählt Kajuiter.

Musik von Magnus Reichel

Sehr hilfreich für die Dramaturgie sei dabei die Musik, sagt der Regisseur. Sie stammt von Magnus Reichel, der seit dem vergangenen Jahr die Musik für die Produktionen des Naturtheaters komponiert und arrangiert. Anders als beim Text gebe es dafür keine Vorgaben von den Verlagen, und so  genieße er viel künstlerische Freiheit. „Allerdings muss man wissen, dass Kinder ein sehr anspruchsvolles Musikpublikum sind“, sagt Reichel. pst / Foto: pst

Info: Naturtheater Grötzingen, „Romeo und Julia“ sowie „Ronja Räubertochter“; bis  18. August; Vorstellungstage und Informationen unter www. naturtheater-groetzingen.de.


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Comeback der Oldie-Nights

Vom 7. bis 9. Juni geht es auf dem Esslinger Hafenmarkt rund

Es ist schon eine  Weile her, als die Oldie-Nights den Esslinger Hafenmarkt rockten. Doch bei vielen wird die Erinnerung noch wach sein an ein ganz besonderes, ausgesprochen stimmungsvolles Flair. 20 Jahre lang wurde an Pfingsten der Rock- und Popmusik vorwiegend aus den 70er-, 80er- und 90er-Jahren gefrönt, ehe die mehrtägige Veranstaltung nach der Auflage 2015 ihr vorläufiges Ende fand. Nun erleben die Oldie-Nights aber ein Comeback: Wieder an Pfingsten, vom 7. bis 9. Juni, heißt es „Oldies but Goldies“. Wieder werden die Konzerte auf dem Hafenmarkt stattfinden, das musikalische Konzept greift die Ideen der Vorgänger auf. Der Veranstalter hingegen ist ein neuer, in Esslingen ist er allerdings trotzdem ein alter Bekannter.

Frank Ockert, der mit seiner Firma X-Event in Esslingen auch die  Kult-Kneipennacht organisiert, lässt das Musikfestival wieder aufleben. Und er will dabei ganz bewusst an die Tradition der früheren Oldie-Nächte anknüpfen. Ockert hat im Vorfeld viele Informationen und Meinungen eingeholt, mit den damals Beteiligten gesprochen und das frühere Konzept überprüft. Mit seiner Initiative stieß bei der Stadt  und Sponsor Audi Hahn  auf große Zustimmung. Die angefragten Gastronomen seien regelrecht begeistert gewesen, sagt Ockert. „Wir gehen es gemeinsam an.“ Um wetterunabhängig zu sein, wird die Musikparty – wie bei den vorigen Ausgaben – unter einem Riesenschirm stattfinden, so bleiben das Publikum und die Bands auch bei Regen im Trockenen. Neu ist hingegen der Standort der Bühne. 

Im Mittelpunkt der Oldie-Nights steht natürlich die Musik. Ockert verspricht an jedem der drei Abende ein musikalisches Feuerwerk, jeweils werden zwei Bands auftreten. Den Auftakt macht am Freitag, 7. Juni, ab 18 Uhr, die Rolling-Stones-Coverband „Stoned“, deren Show für Spaß und Emotionen steht. Ab 20.30 Uhr stehen „Siggi Schwarz & Friends“ auf der Hafenmarkt-Bühne, die Musiker lassen es bei ihrer Gary-Moore-Tribute-Show  krachen. Am Samstag, 8. Juni, kommen ab 18 Uhr Fans der Band Foreigner  auf ihre Kosten: Die neunköpfige Formation „Cold as Ice“ besticht mit einer außergewöhnlichen Tribute-Show. Ab 20.30 Uhr werden dann die Songs der Kultband Status Quo der ehrwürdigen Esslinger Altstadt den Rhythmus vorgeben, „Quotime“ werden dem Publikum einheizen.

Am Sonntag, 9. Juni, gibt es ab 18 Uhr zunächst Gelegenheit, die Musik des unvergleichlichen, im Dezember 2014 gestorbenen Joe Cocker zu genießen. Bei der „Juice-Cocker-Band“ leben dessen  Hits weiter. Zum Abschluss der Oldie-Nights werden dann am Sonntag ab 20.30 Uhr „Agnetha’s Affair“ auf der Hafenmarkt-Bühne Show und Musik von schwedischen Pop-Heroen zelebrieren: Abba-Hits sind auch viele Jahre nach dem Auflösen der Band eingängig und unvergessen. Und „Agnetha’s Affair“ gelten als eine der erfolgreichsten und bekanntesten Abba-Tribute-Acts Deutschlands, mit authentischen Arrangements und der entsprechenden Technik kommt die Band dem Original ganz nah.  (red) / Fotos: Veranstalter

Info: Einlass ist an den drei Abenden jeweils ab 17 Uhr. Eintrittsarmbänder gibt es im Vorverkauf für 14 Euro (pro Abend) oder als Kombiticket für 35 Euro (alle drei Abende) bei Audi Hahn in Esslingen-Zell, der Eßlinger Zeitung und dem Esslinger Stadtmarketing am Marktplatz, bei Media Markt, im Traumpalast im Dick Center, bei den Shell-Tankstellen Nellingen und Ruit, im Palm’schen Bau, Ad Astra und bei Mattis am Hafenmarkt. An der Abendkasse kostet das Armband 16 Euro. Weitere Infos unter www.oldienights-esslingen.de


Ergebnisoffener Prozess

Stadtplanungsamt Esslingen: Fußgängerzone in der Ritterstraße als Arbeitshypothese – Dialog mit Betroffenen geplant

Wie hält man den Parksuchverkehr aus der östlichen Altstadt Esslingens heraus? Verschiedene verkehrsberuhigende Maßnahmen sind bereits getroffen worden – allerdings ohne durchgreifende Erfolge. Jetzt ist die Umwandlung der Ritterstraße  in eine Fußgängerzone Thema.  Kürzlich hat der Ausschuss für Technik und Umwelt (ATU) beschlossen, die Straße für den öffentlichen Verkehr  zu schließen. Bis es soweit ist, müssen Gespräche mit den Betroffenen geführt werden. Wolfgang Ratzer, der Leiter des Stadtplanungsamts, nennt den Prozess „ergebnisoffen“.

In der östlichen Altstadt gibt es einen regelrechten Ringverkehr  durch Parkplatzsuchende: Sie fahren über die Ritterstraße ein, biegen in die Milchstraße ab und verlassen die Altstadt wieder über die Strohstraße – nach erfolgloser Suche, da es so gut wie keine öffentlichen Stellplätze in diesem Quartier gibt. Verschiedene Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung sind in den vergangenen zwei Jahren bereits realisiert worden. Der Einfahrtsbereich der Ritterstraße wurde  verengt, die   Parkflächen  Taxis, gehandicapten  Fahrern und Anwohnern zugeschlagen und die Zufahrt zur Tiefgarage deutlicher gekennzeichnet. Die  Fußgängerzone Küferstraße haben die Planer  bis zur Ritterstraße und in der Strohstraße bis zur Spritzengasse erweitert.

Wenig Änderung

„Wir haben im Herbst Verkehrszählungen unternommen und feststellen müssen, dass diese Veränderungen  nicht viel helfen“, erklärt  Ratzer. Eine weitergehende Maßnahme könnte daher die Einrichtung einer Fußgängerzone in der Ritterstraße sein. Die Einfahrt wäre dann nur noch für bestimmte Personen zu bestimmten Zeiten erlaubt. Der ATU hat sich kürzlich für den Weg zur Fußgängerzone ausgesprochen: Eine Zufahrtssperre soll errichtet, die Parkflächen  sollen zurückgebaut und der Straßenraum verschönert und aufgewertet werden.

Bevor jedoch eine einzelne dieser Maßnahmen umgesetzt  werden kann, muss in einer Bürgerbeteiligung die  Haltung der Betroffenen ausgelotet werden. Anwohner, Bürgerausschuss und Händler sind zu hören. Laut Ratzer ist das federführende Stadtplanungsamt gerade dabei, den Prozess der Bürgerbeteiligung auf den Weg zu bringen. Ratzer nennt das Thema Fußgängerzone eine „Arbeitshypothese“ und den Prozess „ergebnisoffen“. Es gelte vielfältige Interessen einzubinden. Bis zur Sommerpause werde sich konkret nichts tun, aber bis zum Jahresende würden Ergebnisse auf dem Tisch liegen. Die mobile Zufahrtssperre in Form eines Pollers oder einer anderen Barriere soll hingegen unabhängig von einer Fußgängerzone eingerichtet werden. „Zum Weihnachtsmarkt wird eine solche Einrichtung  als sogenannte Terrorsperre sicher  installiert sein“, sagt auch Gerhard Gorzellik, der Leiter des Esslinger Ordnungsamts. 

Anrainer kritisieren

Zwar hat sich die Händlergemeinschaft City Initiative für eine Fußgängerzone ausgesprochen – vorausgesetzt eine verbesserte Optik  in der Straße mache das  Bummeln angenehmer. Doch die Anrainer der Ritterstraße, am Hafenmarkt und in der Strohstraße sehen das anders: „Wir betrachten eine Fußgängerzone  sehr kritisch“, sagt Christine Fischer-Lörch aus dem Schuhhaus Fischer am Hafenmarkt, die auch für andere Geschäfte in ihrer Nachbarschaft spricht. Die Kundenfrequenz für den Einzelhandel  werde damit  weiter sinken. „Ohne ein schlüssiges Konzept zum Beispiel mit einem Altstadtbus können wir uns eine Fußgängerzone in der Ritterstraße nicht vorstellen.“

Im Winter erfolgen dann eine nochmalige Abstimmung nach der Vorstellung der Ergebnisse mit dem Arbeitskreis Altstadt und dem Bürgerausschuss Innenstadt sowie ein Bericht im ATU.  bob / Foto: bob


Wo die Steine wachsen

Der Unesco-Geopark Schwäbische Alb weist den Neidlinger Wasserfall als Geopoint aus – „Wertvolles Biotop“

Die Schwäbische Alb ist seit einigen Jahren von der Unesco als Geopark anerkannt. Damit sollen die geologischen Besonderheiten und das archäologische Erbe der zehn Landkreise umfassenden Region hervorgehoben werden. Mittelfristig ist geplant, an 100  Stellen der Alb sogenannte Geopoints auszuweisen, an denen landschaftlich, geologisch oder kulturhistorisch Bedeutendes näher beleuchtet wird. Kürzlich ist der Neidlinger Wasserfall als neunter Geopoint im Landkreis Esslingen ausgewiesen worden.

Der Neidlinger Wasserfall ist von der Gemeinde Neidlingen aus bequem in einem halbstündigen Spaziergang entlang der Lindach zu erreichen. Der Bach entspringt  zwei Karstquellen auf halber Höhe des Steilabfalls der Alb und stürzt schon nach wenigen Metern etwa acht Meter in die Tiefe. An diesem Wasserfall lässt sich ein besonderes Naturphänomen beobachten.

Das Kalkgebirge der Alb hat nur minimale Speicherfähigkeiten. Regenwasser  versickert ungehindert im Gestein und wäscht Spalten, Klüfte und Höhlen aus. Das Gebirge verkarstet. Dabei wird fortwährend Kalk im Wasser gelöst, das je nach Jahreszeit oder Niederschlagsmenge in unterschiedlich starker Schüttung in Gesteinsspalten am Abhang oder tiefer liegenden Quelltöpfen zu Tage tritt. Sobald das Wasser über Gesteinsstufen oder, wie in Neidlingen, aus größerer Höhe stürzt, wird es zerstäubt. Der darin transportierte Kalk wird dabei ausgeschieden und setzt sich als Kalksinter auf Moosen oder Blättern ab.

Mit der Zeit härtet der Überzug aus, die Pflanzen sterben ab, neuer Kalkstaub legt sich darüber, langsam wachsen neue Lagen aus Kalk und Pflanzen und bilden schließlich den sogenannten Kalktuff. Diese Gesteinspolster wachsen  in diesem Prozess fortwährend und verändern sowohl den Wasserfall selbst wie auch das Bachbett der Lindach kontinuierlich.

Wer dem neuen Gestein, das mancherorts am Albrand viele Meter dicke Schichten ausgebildet hat, beim Wachsen zuschauen möchte, benötigt allerdings einen langen Atem. Die Moose am Gewässerrand wachsen nur langsam, in regenarmen Jahren wird nur wenig Kalk ausgefällt, und so können Zehntausende von Jahren vergehen, bis eine mächtige Kalktuffschicht entsteht.

Mit dem Neidlinger Wasserfall hat der  Unesco-Geopark Schwäbische Alb nach den Sinterterrassen bei Gutenberg bereits den zweiten Geopoint im Landkreis ausgewiesen, der auf die Entstehung des Kalktuffs hinweist. Der Wasserfall stelle „ein besonderes Naturwunder“ dar und biete  die  seltene Gelegenheit, den Prozess der Versinterung direkt am Rand des Gewässers zu beobachten, erklärte der Vorsitzende des Geoparks und Erste Landesbeamte des Landkreises Alb-Donau, Markus Möller, bei der Enthüllung der Infotafel beim Wasserfall.  „Hier sehen wir die Besonderheit, dass Wasser zu Stein erstarrt, und gleichzeitig sind es eben nicht nur Steine, sondern ist es ein lebendiger Teil der Natur“, sagte Möller.

Und die ist auch am Neidlinger Wasserfall bedroht. „Wir haben hier auch ein wertvolles Biotop mit  bedrohten Tier- und Pflanzenarten“, stellte Iris Bohnacker, Geologin beim Geopark, klar. Besucher des Wasserfalls müssten daher darauf achten, auf den Wegen zu bleiben, um die filigranen und sehr langsam wachsenden Strukturen nicht zu zerstören.    pst / Fotos: pst

Info: www.geopark-alb.de; www.neidlingen.de


Abgestimmt

Fußball-Bundesligist VfB Stuttgart ist erneut abgestiegen, das zweite Mal innerhalb von drei Jahren. Glauben Sie, dass der VfB auch dieses Mal den sofortigen Wiederaufstieg schafft?

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Gleich wieder rauf?

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Ein Mörder serviert Meze

Gewinner des ECHO-Krimirätsels auf Tour:  Neckarfahrt mit dem Kanu – Griechisches Büffet im Restaurant „Argo“

Wo kann man sich von einem überführten Mörder bedienen lassen, nachdem man von einem des Mordes Verdächtigten in  einem Kanu zur Esslinger Neckarinsel gepaddelt wurde? Die Antwort: beim ECHO-Krimirätsel.

Die Gewinner im  aktuellen  Fall haben richtig ermittelt, und den Betreiber des Restaurants Argo,  Makis Sfetkos,  als Mörder überführt, obgleich auch Ralf Weinberger, der Inhaber von Canale-Grande-Kanu-Touren, zwischenzeitlich unter Verdacht geraten ist, des Tötungsdelikts schuldig zu sein.

Doch die Rätselgewinner haben aufgepasst: Das Alibi, das Sfetkos gegenüber Kommissar Blickle angegeben hatte, erwies sich als falsch. Hatte er doch behauptet, montags, also zur Tatzeit,  Ruhetag zu haben. Jeder, der das „Argo“ kennt und den Text aufmerksam gelesen hatte, wusste schnell: Das war gelogen. Denn Kommissar Blickle sitzt, so stand es geschrieben, eben montags gerne dort und genießt Essen und Getränke.

Doch bevor die Rätselgewinner und ihre Begleiter am Argo-Tisch Platz nehmen konnten, machten sie sich mit einem ungewöhnlichen Verkehrsmittel auf den Weg von der Innenstadt zur Neckarinsel. Sie  bestiegen am Wehrneckarkanal zwei gekoppelte und damit kentersichere  Kanus  von Ralf Weinberger, Charly   Vollmer stieg als zweiter „Kapitän“ nach Weinberger dazu und los ging es.

Stefanie Schill und  Michael Minich,  Jürgen und  Ursula Hofmann, Günther  Wölfle und  Carmen Erlewein-Wölfle, Claudia Solf und  Thomas Weiblen, Sylke  Conzelmann und  Thorsten von Jentzkowski-Conzelmann  haben  die Tour  ganz offensichtlich genossen.

Historisches zum Neckar

Zumal Ralf Weinberger  sehr kenntnisreich über die Wasserwege in Esslingen berichtete: Kaum jemand weiß, dass die Kanäle in Esslingen den ursprünglichen Verlauf des Neckars darstellen, und dass die Esslinger  im 14. Jahrhundert den Fluss vor ihre Tore verlegten und die schmäleren Wasserwege   innerhalb der Stadtmauern behielten und nutzten. Auch über die Artenvielfalt wurde gesprochen: „Die Neckarwasserwege verfügen über eine reichhaltige und eine  vielfältige Fauna“, erklärte Weinberger.  So paddelten die einen gegen den Strom, während die anderen sich gemütlich zurücklehnten und die Gegend aus der ungewöhnlichen Perspektive des Flusslaufs betrachteten. Ein wenig mussten sie den Kopf einziehen, um die Engstelle am Wasserhaus zu passieren, und schon glitt man auf dem ruhigen Neckaraltarm dahin.

Amazonas-Feeling

 „Die schönen Jugendstilhäuser  mit ihren Gärten und Balkonen haben mir so gefallen“, schwärmte Claudia Solf, die mit Thomas Weiblen aus Reichenbach gekommen war. Überhaupt war es die „ganz andere Perspektive“, die die Teilnehmer faszinierte. Sobald man aus der städtischen Bebauung heraus ist, übernimmt die Natur die Szene: „Ich hab mich fast gefühlt wie am Amazonas“, sagte Michael Minich, der Begleiter von Stefanie Schill. „So viel Grün hab ich gar nicht erwartet.“

Am „Argo“ angekommen, wurden die Gäste von Makis Sfetkos, dem mutmaßlichen Mörder  begrüßt. Dann wurde richtig groß aufgefahren:  Griechische Tapas nannte Sfetkos das  vielfältige, reichhaltige und  leckere Meze-Potpourri aus der Küche: Die Fleischspieße und   Rindfleischbällchen mit Tomatensoße,  die gefüllten Champignons und gebackenen Zucchini, die krossen Kartoffelscheiben oder die gegrillten kleinen Tintenfische gingen schnell weg. Dann machten sich die „Argonauten“ wieder auf dem Wasserweg  zurück zur Anlegestelle am Wehrneckar. Da ruderten dann die anderen: Da es in Stromrichtung ging, verlief  die Fahrt rasch.  Das Fazit des  Tags: Eine gute Werbung für die Kanutouren in Esslingen und für die Gastronomie im „Argo“.  bob / Fotos: bob

Info: mehr Fotos unter www.ihr-wochenblatt-echo.de


Bühne frei für „Big Fish“ und Pippi

Theater unter den Kuppeln startet in die Saison – Erste Premiere am 2. Juni – Aufwendige Bühnensanierung

Das Theater unter den Kuppeln (TudK) im Leinfelden-Echterdinger Stadtteil Stetten startet in die nächste Freilicht-Saison. Am 2. Juni steht mit dem Kinderstück „Pippi Langstrumpf“ die erste Premiere an.

Bevor die Stettener Amateurdarsteller in die neue Saison starten konnten, musste die Bühne saniert werden. Die 20 Jahre alten Planken auf der  Drehbühne waren marode und mussten erneuert werden. Die Sanierung war überfällig, nachdem die Planken bereits einmal umgedreht worden waren, um die kostenintensiven Arbeiten etwas rauszuschieben. 110 000 Euro hat die Maßnahme gekostet. Finanziert hat dies der Verein TudK durch einen zinslosen Kredit der Stadt Leinfelden-Echterdingen  und Zuschüsse des Landes. 80 000 Euro standen so zur Verfügung. Das TudK hat in Sammel- und Spendenaktionen selbst weitere 25 000 Euro eingeworben. 

Mit „Pippi Langstrumpf“ kehrt eine alte Bekannte zurück auf die  Bühne am Gräbleswiesenweg. Das klassische Kinder- und Jugendstück wurde dort schon mehrmals aufgeführt, zuletzt im Jahr 2006. Jetzt startet Pippi am Sonntag, 2. Juni, 18 Uhr, neuerlich in die Saison.  Mehr als 40 Rollen waren zu besetzen.

Der Trend aus den vergangenen Jahren, aufwendige und anspruchsvolle Inszenierungen auf den Weg zu bringen, setzt sich  dieses Jahr fort – auch bei  „Big Fish“, das am Samstag, 15. Juni, 20.30 Uhr, Premiere feiert.   Das Musical erzählt die Geschichte des Handlungsreisenden Edward Bloom, einem fantasiereichen Geschichtenerzähler. Dessen Sohn reagiert zunächst genervt auf seinen Vater. Er findet erst einen Draht zu ihm,  als dieser schwer erkrankt. Erst dann erkennt der Sohn  einen Helden, einen so genann Big Fish in seinem Vater. Und er spürt  den Zauber, der ein Leben zur Legende machen kann. Im Musical transportieren  bunte Geschichten und fantastische Gestalten diese „Big-Fish-Welt“. Mit der schwarzen Komödie  „Harold und Maude“ steht später im Jahr erneut ein Klassiker an. Die Liebesgeschichte zwischen dem durchgeknallten, neurotischen 19-jährigen Harold  und der lebenslustigen  79-jährigen Maude hat ihren ganz eigenen Charme. Das Stück feiert am 7. September Premiere.

Das Theater unter den Kuppeln, das mittlerweile seit 54 Jahren besteht, hat sich auch künstlerisch weiterentwickelt. „Im Lauf der letzten 40 Jahre ist das kulturelle Angebot unseres Theaters ständig gewachsen“, sagt Jochen Riesch, im Vorstand für die Pressearbeit zuständig. Durch die gezielte Ausbildung der Schauspieler brächten   diese in den Inszenierungen überdurchschnittliche Leistungen, sagt Riesch.  So könne man immer anspruchsvollere Stücke aufführen – gerade bei den Musicals. Zur Qualität der  Produktionen trägt auch die  dem Verein angegliederte Tanz- und Singschule bei. Drei Fachlehrer unterrichten dort  350 Schüler, die wiederum die Bühne als ein Forum für ihre Kunst nutzen.

Vor 20 Jahren bekam die Bühne den Namen „Theater unter den Kuppeln“, gestartet ist sie 1965 als „Naturtheater Stetten“. 1989 wurde der  Name geändert, nachdem Umbauten das Gesicht der Bühne verändert hatten. Namenspaten sind seitdem die drei freitragenden Schalen, die  den Besucherraum sowie zwei große Übungs- und Theatersäle überspannen.  Der Verein zählt 224 Mitglieder.  bob / Foto: TudK

Info: Programm und Tickets über www.tudk.de


Abgestimmt

Der Europäische Gerichtshof hat entschieden: Arbeitszeiten müssen künftig genau erfasst werden. Sogenannte „Flatrate-Arbeit“ ist passé, Flexibilität dürfte aber verloren gehen. Ist das ein Fortschritt?

Foto: dpa

Ein Fortschritt?

Ergebnis

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