Einige Monate Feldarbeit in Deutschland
Knochenjob Spargelernte: Der Berghof in Deizisau baut auf Erntehelfer aus dem Ausland

Manchmal, wenn Spargel und Erdbeeren schneller reifen als gedacht, greift Markus Eberhardt zum Telefon und ruft in Rumänien an. Dann hat er oft schon am übernächsten Tag zusätzliche Arbeiter. Auf dem Deizisauer Berghof arbeiten im Sommer zeitweise an die 30 Saisonkräfte, und wenn sie aus dem Ausland kommen, wohnen sie auch hier.
Früher waren viele Polen unter den Erntehelfern, mittlerweile kommen die meisten aus Rumänien. Beide Nationalitäten zu mischen ist schwierig – diese Lektion haben Markus Eberhardt und sein Bruder Christoph, die mit ihren Familien den Hof bewirtschaften, gelernt. Es fange mit Kleinigkeiten an, dann schaukle sich die Stimmung hoch und könne richtig unangenehm werden. Man konnte zwar immer schlichten, sagt Eberhardt: „Unser Vorteil ist, dass wir noch ein Kleinbetrieb sind.“ Aber lieber ist ihm eine homogene Truppe.
Laufend treffen jetzt neue Saisonarbeiter ein. Sie wohnen in Containern und in Zimmern auf dem Hof und versorgen sich selbst. Um sechs in der Frühe geht es an die Arbeit; an diesem Tag ist eine Gruppe mit einem der Transporter vom Berghof selbstständig zum Spargelfeld beim Kraftwerk in Altbach gefahren. Die jüngeren Männer stechen weißen Spargel, was vor allem bei Nässe ein Knochenjob ist. Denn dann wird die Folie über den Erdwällen sehr schwer und der Lößboden haftet an den Schuhen, dem Stecheisen und am Spargel. Leichter geht’s beim grünen Spargel, der über der Erde wächst. Zwei Frauen und ein älterer Mann gehen ziemlich flott durch die Reihen, bücken sich immer wieder und stechen die Stangen, die genügend Länge haben.
Harte körperliche Arbeit ist das allemal. „Der erste Tag geht, der zweite auch noch – dann fängt die Muskulatur an zu spannen“, sagt Eberhardt. Wer eine Woche durchhalte, sei übern Berg. Deutsche melden sich schon seit Jahren nicht mehr, selbst für den Verkauf sind sie zumindest in unserer Region schwer zu bekommen.
Vor einigen Jahren mussten die Bauern auf Betreiben des Bundesarbeitsministeriums einen bestimmten Prozentsatz an deutschen Arbeitslosen beschäftigen. Das war ein Flop, erzählt Eberhardt: Immerhin einer habe eine Woche durchgehalten, bevor auch er stillschweigend verschwand. Über Arbeitsmoral und Disziplin lässt er sich dennoch nicht aus. In Deutschland seien die meisten die Feldarbeit einfach nicht mehr gewohnt, sagt er, während die Helfer aus dem Ausland noch damit aufwachsen.
Camelia ist das vierte Jahr dabei und bleibt meistens fünf Monate. „Kein Stress, gute Arbeit, gutes Geld“, lobt sie. Die Rumänen auf dem Hof seien wie eine Familie, den Chef schließt sie mit ein: Zu ihm könne man immer kommen, wenn es ein Problem gebe. Zu Hause in Rumänien hat die junge Frau einen zwölfjährigen Sohn. Vermutlich versorgt sie mit dem Erntegeld ihre Familie. Aber auch in Rumänien ist das Leben schon lange nicht mehr billig, das weiß Eberhardt. Gewerbliche Arbeit fehle, die Männer verdienten meist mit Holzmachen im Wald.
Für die deutschen Landwirte ist es eine große Erleichterung, dass die Rumänen dank Arbeitnehmerfreizügigkeit in der EU jetzt recht unbürokratisch beschäftigt werden können. Monatelange Genehmigungsfristen fallen weg, so dass man kurzfristig nach Bedarf reagieren kann. Den Arbeitern legt Eberhardt die Krankenversicherung mit Zahnbehandlung ans Herz. Zahnweh kann man nicht ignorieren, Heimweh ist aber auch immer wieder ein Thema. Es kommt vor, dass der eine oder andere deshalb zwei Tage durchhängt. Grundsätzlich wollen die Saisonkräfte aber so viel arbeiten wie möglich. Deshalb kommt der Chef ins Schwitzen, wenn die Ernte abflaut – oft überlegt er bei Nacht, wie er die Leute am nächsten Tag beschäftigen soll.
Neben und nach dem Spargel läuft die Erdbeerpflücke. Dabei helfen auch viele Frauen, die in der Region leben – meistens ältere Türkinnen. Bei der zweiten Generation flaut die Nachfrage nach dieser Arbeit aber auch schon ab. aia
Veröffentlicht: 16. Mai 2012
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