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Fliegenparadies

Kirschessigfliege und Wetterkapriolen machen Weingärtnern zu schaffen


Das Jahr hatte gut angefangen: frühe Wärme, ein dichter Behang an den Rebstöcken, viel Sonne – doch dann kamen Wetterkapriolen mit Hitze, Hagel, feuchter Wärme. Und dann gab es die Kirschessigfliege, einen aus Asien eingewanderten Schädling. Mittlerweile sind die Weingärtner im Kreis Esslingen froh, dass der Wein vom Stock ist und im Kessel gärt. Sie wissen aber, die Fliege wird sie auch in den nächsten Jahren beschäftigen.

Die Qualität ist ordentlich, aber die Menge lässt zu wünschen übrig: Das ist das Fazit, das die Weinbauern im Kreis ziehen. Etwa zwei Wochen früher als gewöhnlich sind die Beeren gelesen worden. Es musste schnell gehen, denn Fäulnis durch zuviel Regen und Essigtrauben durch die Fliege haben die Ernte bedroht. Mitte Oktober war alles gelaufen. „Und danach erst sind die schönen Tage gekommen“, bedauert Christine Anhut, die Geschäftsführerin der Weingärtnergenossenschaft Neuffen-Teck.

Die Lese war aufwendiger als sonst: Beere für Beere musste in die Hand genommen und auf Fliegeneinstichstellen überprüft werden. Hatte die Beere ein Loch oder gar schon eine Delle, wurde sie aussortiert. Mit der Menge des Leseguts für den Täleswein ist Anhut durchaus zufrieden. „Wir liegen über dem Jahr 2013, als uns Hagel viel zerstört hat.“

Besonders beliebt bei Drosophila suzukii – so lautet der botanische  Name der Fliege – sind rote Früchte, vor allem Brombeeren und Kirschen. „Unsere Streuobstflächen, auf denen Früchte nicht mehr geerntet werden, sind für die Fliege natürlich ein Paradies – ein Streuobstparadies“, sagt Werner Kauderer, der Vorsitzende des Vereins der Weinbergbesitzer in Weilheim. Die Winzer dort hatten neben Fliege und Regen auch noch Hagelschäden auf ihren Rebflächen am Hang der Limburg und am Egelsberg zu beklagen. Die Kirschessigfliege wird ein Thema bleiben, da sind sich Anhut und Kauderer sicher.

Manuel Becker, der Referatsleiter für Weinbau und Rebschutz an der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau in Weinsberg, will den Ball flach halten. Er spricht von „einem Hype um die Fliege“, seit sie im Jahr 2011 in Südtirol aufgetreten ist. Er sieht die Fliege als Herausforderung für den Weinbau. „Wir haben gute Werkzeuge gegen den Schädling, mehr als es die Südtiroler vor drei Jahren hatten“, sagt Becker. Er nennt neben der intensiven Pflege der Reben mit frühzeitigem Aussortieren zerdrückter Früchte auch Spritzmaßnahmen mit Mitteln, die nach Versuchen in der Anstalt nun ihre Zulassung bekommen haben. Auch das Wetter spiele eine Rolle: „Ein kalter Winter und die Population der Drosophila suzukii wird deutlich geringer ausfallen als in diesem feuchtwarmen Sommer“, ist Becker sicher.  Er warnt vor Panik: „Die Kirschessigfliege wird den Weinbau im Südwesten nicht zerstören und das wird auch nicht die amerikanische Rebzikade, die im Anmarsch ist.“ Laut Becker löst dieser Schädling die Vergilbungskrankheit am Rebstock aus, der dann abstirbt. Der amerikanische Invasor sei im Anmarsch: „In Italien und Südtirol ist er bereits angekommen. Wir beobachten das.“                bob / Foto: pst

Die Kasse stimmt nicht immer

Selbstbedienungsstände sind praktisch für Landwirte und Verbraucher – Bei der Ehrlichkeit hapert es oft


Bitte Geld in die Kasse einwerfen: Diese Aufforderung findet man in und nach der Erntezeit häufig an Selbstbedienungshäuschen und -ständen auf dem Land. Oft kann man sich dort rund um die Uhr mit Kartoffeln, Äpfeln, Kürbissen und mehr versorgen. Die Landwirte erreichen so mit relativ geringem Aufwand direkt ihre Kunden. Sie müssen allerdings einen Anteil „Schwund“ einkalkulieren.

Mit langen Fingern, schnellen Beinen und Autos haben wohl alle zu tun, die ihre bäuerlichen Produkte an Selbstbedienungsständen vermarkten. „Man muss mit einer Zahlungsmoral von 40 bis 50 Prozent rechnen“, sagt Melanie Munk, deren Familie ein Blumenfeld zum Selbstpflücken zwischen Owen und Beuren pflegt. Das ist keine erfreuliche Zahl – und unerfreulich waren auch die Reaktionen, die Munks ernteten, wenn sie Nicht-Zahler beobachtet und angesprochen haben: Meist bekomme man dann noch eine pampige Antwort. Die Familie beackert das Blumenfeld auf Vertrauensbasis trotzdem, zumindest vorläufig, denn andere Vertriebswege sind noch unattraktiver. Auch ihren Eier- und Kartoffelautomaten haben Munks nicht aufgegeben, obwohl er mehrfach demoliert wurde. Mittlerweile steht das Gerät nicht mehr außerorts, sondern mitten in Brucken an der Kirchheimer Straße. Seither kam, abgesehen von Schmierereien, nichts Größeres mehr vor.

In Owen findet man reichlich Gelegenheit zur Selbstbedienung. Obstbauer Tobias Schmid hat Stände mit verschiedenen Apfelsorten, deren Geschmack und Verwendung er auf einem Plakat erklärt. Und am Haus von Däschlers in der Wehrbachstraße geht niemand ohne bewundernde Blicke vorbei. Kürbisse in allen Formen und Farben, in Regalen, Kisten und auf dem Boden schmücken die gesamte Straßenfront. Hinzu kommen Kartoffeln, Äpfel und mehr im Selbstbedienungshäusle. Die Kasse ist an Däschlers Hauseingang angebracht. „Manchmal stimmt sie haarscharf und manchmal merkt man, dass weniger drin ist“, sagt Marianne Däschler.  Wenn Letzteres gehäuft auftrete, sei sie schon „frustriert“ und denke auch ans Aufhören. Umgekehrt seien aber viele Leute ehrlich. Manche kämen im Nachhinein, um ihre Schulden zu bezahlen, wenn das Kleingeld beim letzten Mal nicht gereicht hat.

Andrea und Tim Holzer verarbeiten in Hochdorf die Milch ihrer Thüringer-Wald-Ziegen in der eigenen Käserei. Das Ehepaar hatte lange einen frei zugänglichen Kühlschrank vor seiner Tür in der Kirchheimer Straße stehen. Bis er eines Nachts komplett geleert wurde: Quark, Frischkäse, Schnittkäse – alles weg, aber kein Geld in der Kasse. Daraufhin haben Holzers in einen Automaten investiert, in dem sie nun auch regionale Bio-Produkte von Kollegen wie Eier, Honig und Apfelsaft anbieten. Jetzt geht die Klappe nur beim passenden Geldeinwurf auf.

Albers in Sielmingen überwachen ihren Stand mit einer Kamera. Trotzdem sei es nicht leicht, unehrlichen Leuten beizukommen, sagt Gerlinde Alber, die Gemüse, Salat, Kartoffeln und alles, was gerade Saison hat, auf diese Weise verkauft. „Wenn einer meint, er müsste das so mitnehmen, dann soll’s ihm schmecken“, sagt die Landwirtin, die für sich beschlossen hat, sich nicht mehr zu ärgern. Im schlimmsten Fall müsse man halt die Selbstbedienung beenden – ihr Mann Erich ist auch mit dem Transporter unterwegs, um die eigenen Erzeugnisse zu verkaufen.

Manchmal kommt man den Dieben aber doch bei. Klaus Diez aus Reudern hat schon mehrfach erfolgreich Anzeige erstattet. Auch er setzt auf eine Kamera, kombiniert mit häufigem Leeren der Kasse und einem steten Auge auf den Stand. Wenn man jemanden in flagranti erwischt und in der Kasse sind nur fünf Cent statt fünf Euro, ist die Lage eindeutig. Muss die Polizei anhand von Kameraaufnahmen ermitteln, ist das schon schwieriger und führt nicht immer zu einem Ergebnis. Aber anscheinend spreche es sich doch herum, wenn die Ordnungshüter aktiv werden, meint Diez, denn dann sei immer „drei oder vier Wochen Ruhe“. Schon deshalb gibt er nicht klein bei und wacht weiter über Obst, Beeren und Saft.

Weitgehend positive Erfahrungen macht Hermann Binder, der sonntags einen Tisch mit Blumensträußen vor seinem Blumengeschäft in der Plochinger Marktstraße aufstellt. Auch hier ist schon etwas weggekommen, aber das sei die Ausnahme, sagt Binder: „Die Leute freuen sich, wenn sie bei uns Blumen bekommen und nicht zur Tankstelle fahren müssen.“            aia / Foto: aia

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Die neue EU-Kommission wird am 1. November die Arbeit aufnehmen,
als Präsident folgt Jean-Claude Juncker auf José Manuel Barroso.
Waren Sie mit der Arbeit der scheidenden Kommission zufrieden?

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Ehrgeizige Ziele

Der SSV Esslingen will erneut ins Halbfinale der Wasserball-Bundesliga einziehen


Wasserball-Bundesligist SSV Esslingen setzt sich zur neuen Saison ehrgeizige Ziele, die allerdings nach den zuletzt gemachten Erfahrungen alles andere als Utopie sind. „Das Ziel lautet Halbfinale“, sagt der neue Trainer Bernd Berger. Das erreichten die Esslinger auch in der vergangenen Runde, sie belegten am Ende Rang vier. Als Titelfavoriten gelten Spandau 04 Berlin und Waspo Hannover. „Wir können mit Duisburg um den dritten Platz spielen“, ergänzt Nationalspieler Heiko Nossek, der mittlerweile beim SSVE nicht nur Mannschaftskapitän ist, sondern auch als Co-Trainer fungiert. Derlei Optimismus fußt unter anderem auf neuen Spielern, allen voran auf einem Neuen aus den USA.

Für den Erfolg schuftet die Mannschaft hart. „Wir trainieren so hart wie schon lange nicht mehr“, sagt Nossek. Sieben Einheiten im Wasser und zwei im Kraftraum standen in der Vorbereitung pro Woche an. Berger spielte für den SSVE schon in der Bundesliga und auch in der Nationalmannschaft, war dann zehn Jahre Jugendtrainer und löste nun Markus Hahn ab. Hahns Engagement als Chefcoach sei wegen dessen beruflichen Verpflichtungen von vornherein nur auf ein Jahr ausgelegt gewesen, sagt Sportdirektor Axel Haenchen. Die Nachfolge sollte wieder eine vereinsinterne, identitätsstiftende Lösung sein. Und Nosseks Beförderung zum Co-Trainer betrachtet Berger als logische Entwicklung. Die Rolle habe er schon vergangene Saison gespielt, jetzt habe er eben einen neuen Titel, ergänzt der Nationalspieler. Zudem gehören Tobias Luz (Torwart) und Robert Berghoff zum Trainerteam.

Mit dem vierten Platz hat sich der SSVE für das internationale Geschäft qualifiziert. Doch die Auftritte im Europapokal sind ein finanzieller Kraftakt. „Sportlicher Erfolg kostet Geld“, sagt Vorstandsmitglied Udo Schäfer. Deshalb hat der Verein die Zusatzkosten – die dürften im mittleren fünfstelligen Bereich liegen – vor der Startzusage über Sponsoren abgesichert. Das Auftaktturnier und eine K.o.-Runde zu überstehen, sei ein realistisches Ziel, sagt Schäfer.

Bei den Neuzugängen ruhen die Hoffnungen vor allem auf dem US-Nationalspieler Josh Stedman, dessen Verpflichtung die in den USA lebende, ehemalige SSVE-Größe Jürgen Stiefel eingefädelt hat. Außerdem stieß Torwart Bojan Mrdja zum SSVE, Anfang 2015 folgen noch Tim Hornuf sowie die US-Amerikaner Christopher Meinhold und Stephen White. Wobei die Abgänge von Maximilian Müller und Jan Glaser laut Berger durchaus schmerzen.             ch

 

Info: Saisonauftakt ist am Samstag, 25. Oktober, 16 Uhr, im Untertürkheimer Inselbad gegen die SG Neukölln. Vom 30. Oktober bis 2. November findet dann die Europacup-Qualifikationsrunde statt.

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Die katholischen Bischöfe haben sich bei der Familiensynode
im Vatikan nicht auf einen neuen Umgang mit Geschiedenen
und Homosexuellen geeinigt. Sind Sie darüber enttäuscht?

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Totalschaden

Neue Vollsperrung auf der B 313 – Unterbau wird erneuert – Lange Staus


Es ist ein schlechtes Jahr für Vielfahrer und Pendler. Kaum ist eine Baustelle geschlossen, tut sich die nächste auf. Für viel Unmut sorgt die Sperrung der B 313 zwischen Abzweigung Rammerthof/Großbettlingen und Nürtinger Südtangente. Eine Strecke, die täglich rund 20 000 Fahrzeuge passieren.

Kilometerlange Staus, Zeitverluste von mehr als einer Stunde: Wer zurzeit von der Sperrung der B 313 betroffen ist, hat wenig zu lachen. Großräumig wird der Verkehr aus dem Metzinger Raum über die B 312 und die ohnehin schon stark belastete B 297 nach Neckarhausen umgeleitet. Im Berufsverkehr reicht die Blechkolonne bis Neckartailfingen. Leidtragende sind neben den Autofahrern die Anwohner der Ortsdurchfahrt Neckarhausen.

Sauer stieß vielen Autofahrern auf, dass die Sperrung sehr kurzfristig publiziert worden war – die Schilder aber bereits Tage zuvor an Ort und Stelle standen. Auch bei Bettina Bernhard, Pressesprecherin der Stadt Nürtingen, luden viele ihren Ärger ab. Doch die Stadt hat mit der Baumaßnahme nur am Rande zu tun: Sie erschließt derzeit das interkommunale Gewerbegebiet Großer Forst und baut eine Zufahrt zur B 313. Zusätzlich sind die Stadtwerke Nürtingen mit im Boot, die Wasserleitungen sanieren. Erst kurz vor Baubeginn habe sich das Regierungspräsidium (RP) Stuttgart angehängt. „Das RP hat kurzfristig Mittel genehmigt bekommen und die Chance ergriffen, die Bundesstraße zu sanieren“, berichtet Bernhard.

Zunächst war vorgesehen, den Verkehr Richtung Grafenberg und Metzingen weiterlaufen zu lassen und die Arbeiten mit einer einseitigen Sperrung durchzuziehen. Doch vergangenen Donnerstag kam die nächste schlechte Nachricht: Der Unterbau der B 313 ist so stark beschädigt, dass die Fahrbahn komplett saniert werden muss. Um die Baustelle nicht unnötig in die Länge zu ziehen, sei beschlossen worden, die Strecke voll zu sperren – voraussichtlich ab Ende Oktober. Anderenfalls, heißt es aus der Pressestelle der Stadt, hätten sich die Arbeiten über rund sieben Monate erstreckt. So aber soll die Strecke nun bis Weihnachten wieder frei sein. Eine Verschiebung der Sanierung sei keine Option gewesen, so Bernhard: „Dann wäre das Gewerbegebiet aufgesiedelt und es hätte zu noch größeren Belastungen geführt.“

Die Sperrung der B 313 ist nicht die einzige Behinderung für Autofahrer in diesen Wochen im Raum Nürtingen: An der Kreuzung Max-Eyth- und Carl-Benz-Straße entsteht ein provisorischer Kreisverkehr. Dort ist noch bis Ende Oktober eine Umleitung eingerichtet. Im Enzenhardt wird die Fahrbahn der Allensteiner Straße im Bereich zwischen der Breslauer und Stettiner Straße und der Verbindungsweg der Allensteiner zur Stettiner Straße neun Wochen lang saniert. Außerdem ist die K 1219 zwischen Zizishausen und der Hummelsmühle (Unterensingen) wegen Straßenbauarbeiten bis Anfang November voll gesperrt. Der Verkehr wird auf der L 1250 über Oberboihingen und Wendlingen umgeleitet.             Mo / Foto: mo

Mehr „Uga-Uga“ auf den Stundenplan

Coaching-Projekt „Gorilla“ macht Kindern und Jugendlichen Sport und gesundes Essen schmackhaft – Inklusiver Ansatz

Über gesunde Ernährung in Schulen und Kindertagesstätten wird in Deutschland in diesen Wochen viel diskutiert. Davon hält Roger Grolimund wenig: Der Schweizer und sein Team vom Programm „Gorilla“ packen lieber die Skateboards aus und legen los. „Mehr Uga-Uga im Leben“ heißt ihr Rezept, das den Jungs und Mädels Lust macht, sich mehr zu bewegen und bewusst zu essen. Vor einigen Tagen machte die bunte Truppe Station in Nürtingen.

Neugierig scharen sich die Jungen und Mädchen der Johannes-Wagner-Schule und der Geschwister-Scholl-Realschule an diesem grauen Herbstmorgen um Tomcat und Phips. Statt Mathe stehen heute Skaten, Breakdance, Frisbee-Freestyle und Footbag auf dem Stundenplan. „Cool“, sagt Nils, der andächtig das Board von Tomcat betrachtet. Zu den Jungs mit Strubbelhaaren und den coolen Hoodies, auf denen fett das Gorilla-Logo prangt, haben die Kids schnell einen Draht. Begeistert stürmen sie los, um ihre Boards aus dem Anhänger zu holen. „Die Begeisterung hätte ich gerne mal im Unterricht“, kommentiert ein Lehrer.

Mitreißen, begeistern, eben mal nicht mit erhobenem Zeigefinger dastehen, sondern authentisch für die Sache einstehen und den Kids auf Augenhöhe begegnen – darauf baut „Gorilla“ auf. Seit dem Jahr 2003 bringt die Schtifti-Foundation von Roger Grolimund und Ernesto Silvani mit der knalligen Mischung aus Funsport und teengerechten Rezepten Schweizer Jugendliche zwischen zehn und 20 Jahren dazu, gesünder zu leben.

Nun wollen die „Gorillas“ auch Deutschland erobern. Den zweitägigen, inklusiven Kurs in Nürtingen nutzen die Schweizer, um das deutsche Workshop-Team zu schulen. Skateboard-Weltmeister Tobias Kupfer, in der Szene bekannt als „Albertross“, und die Stiftung „Zeit für Menschen“ der Samariterstiftung sind dafür Wegbereiter. Matthias Berg, mehrfacher Paralympics-Goldmedaillen-Gewinner und stellvertretender Esslinger Landrat, hat die Schirmherrschaft über den Workshop nur zu gern übernommen. Aus eigener Erfahrung weiß der Contergan-Geschädigte, wie schnell Kinder ausgegrenzt werden, die nicht ins Muster passen. Der Sport, sagt Berg, hat ihm in der Schulzeit manche Tür geöffnet. Dass bei den „Gorillas“ Inklusion ganz selbstverständlich ist, begeistert ihn. Im Nürtinger Schulalltag allerdings findet ein solch selbstverständliches Miteinander bisher nur selten statt. Neben den Impulsen zu alternativen Bewegungsangeboten ist dies wohl das Wichtigste, was die Schulleitungen aus diesen Tagen mitnehmen: Es soll mehr Miteinander geben.

Grolimund zappelt derweil auf seinem Stuhl herum. Zu sagen hat der sympathische Schweizer viel, noch lieber aber möchte er zeigen, wie die „Gorillas“ mit den Kids arbeiten. Das Müsli-Büfett zum Beispiel haben die Jungs und Mädels komplett leer geräumt. Ein Anblick, der den Schweizer begeistert: „Viele Kinder wissen heute gar nicht mehr, was sie da eigentlich essen“, sagt er. Energiedrinks, Cola, Chips, Fastfood stehen täglich auf dem Speiseplan.

Die „Gorillas“ zeigen, dass es anders geht – und außerdem noch lecker dazu. „Wir machen leckere Sandwiches mit den Kids“, sagt Grolimund. Ernährung ist das eine, das zweite, mit dem die „Gorillas“ sich gegen Übergewicht und Ernährungsmangel stemmen, sind Freestyle-Sportarten. „Es kostet nicht viel und lässt sich nahezu überall machen“, argumentiert der Schweizer, während die ersten „Jung-Gorillas“ auf den Longboards vorbeirauschen. Berg hingegen mischt sich unter die Kids, die den kleinen Footbag schnell mit Kicks und Finten im kleinen Feld hin und her jonglieren. Andere trainieren Kunststücke mit der Frisbee-Scheibe oder üben Moves mit Breakdancer Max. Viele begeisterte Gesichter sind an diesem Tag zu sehen. Kleine Erfolgserlebnisse, die Mut machen, nehmen die Jungen und Mädchen mit. Wie nachhaltig der Besuch der „Gorillas“ gewirkt hat, wird sich allerdings zeigen müssen. Lehrern und Schulleitung gibt das Programm Material für den Schulalltag an die Hand. Dem „Ober-Gorilla“ wäre es am liebsten, wenn Regeln gelockert würden: „Es wäre doch toll, wenn der Hausmeister am Samstag mal die Turnhalle aufmacht, damit die Kids rein können. Oder wenn man sich mal einen Breakdancer in den Sportunterricht holt.“ Im kommenden Jahr wollen die „Gorillas“ in Deutschland durchst==arten. Eine Tour durch fünf Städte ist bereits in Planung. In Nürtingen wollten die Kids nur eines wissen: „Kommt ihr nächstes Jahr wieder?“       mo / Fotos: mo

 

Info: www.deingorilla.de

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Vor 60 Jahren beschloss der Bundestag die Einführung des
Kindergelds. Bis heute ist die Förderung nicht unumstritten.
Was meinen Sie, ist das Kindergeld eine Erfolgsgeschichte?

Foto: dpa

Eine Erfolgsgeschichte?

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Der Mann mit dem goldenen Helm

Fürstengrab von Gammertingen dauerhaft im Landesmuseum Württemberg in Stuttgart – Gesicht rekonstruiert

Seit vergangener Woche kann man im Landesmuseum Württemberg in Stuttgart einen weiteren Schatz aus der Geschichte des Landes bewundern. Das „Fürstengrab von Gammertingen“ aus dem 6. Jahrhundert nach Christus zeigt die letzte Ruhestätte eines Mannes gehobener Herkunft. Das Grab, das in der Nähe von Sigmaringen vor mehr als 100 Jahren gefunden worden ist, war unberaubt und fast vollständig erhalten.

Der tote Mann trug einen goldenen Helm und ein Kettenhemd. Neben ihm lagen seine Waffen: ein Schwert, Spatha genannt, ein einschneidiges Hiebschwert, das Sax heißt, eine Axt, eine Wurflanze,  die so genannte Ango, und eine verzierte Lanze. Daneben noch verschiedene Utensilien wie ein versilbertes Seihlöffelchen, feines Essgeschirr, silbernes Zaumzeug, Kamm und Schere.

„Das ist wie ein Sechser im Lotto“, schwärmt Cornelia Ewigleben, die Direktorin des Museums, vom neuen Ausstellungsstück, das die Abteilung Meisterwerke perfekt ergänze. Die Qualität der Grabbeigaben, darunter ein reich verzierter byzantinischer Spangenhelm sowie das einzige in dieser Vollständigkeit erhaltene Kettenhemd aus dem 6. Jahrhundert, macht den Fund zu einem der „bedeutendsten Männergräber in Europa“, so lautet die Einschätzung von Klaus Georg Kokkotidis, der Referatsleiter der Archäologe des Landesmuseums.

An den Fundstücken lässt sich die Handwerkskunst der damaligen Zeit nachvollziehen: Das Kettenhemd besteht aus 45 000 einzelnen Eisenringen, abwechselnd gestanzt und genietet, die vermutlich in Byzanz gefertigt worden sind. Das Hemd reichte seinem Träger bis auf die Oberschenkel, war kurzärmelig und mit einer Kapuze versehen. Das Hemd liegt in voller Größe und fast wie gebrauchsfähig in der Vitrine. Für Kokkotidis ein einzigartiges Stück: „Wir haben zwar Teile anderer Kettenhemden geborgen, aber das größte Stück aus dieser Zeit ist so groß wie ein Handteller.“

Ebenfalls kostbar und selten ist der Helm. Aus Mittel- und Südeuropa sind insgesamt nur etwa 40 Exemplare der sogenannten Spangenhelme bekannt. Das Gammertinger Exemplar besteht aus sechs eisernen Platten, die von sechs Spangen aus Kupfer und einem eisernen, mit Kupferblech belegten Stirnreif zusammengehalten werden. Alle Teile sind reich verziert und waren ursprünglich vergoldet. Es handelt sich um byzantinische Offiziershelme, die in Werkstätten auf dem Balkan oder in Italien für den Bedarf des oströmischen Heeres hergestellt wurden.

Doch wie kommt ein byzantinischer Helm auf den Kopf eines süddeutschen Fürsten im Germanenreich? Schon ab dem späten 4. Jahrhundert stützte sich Byzanz verstärkt auf germanische Söldnereinheiten, die „foederati“, die von ihrer eigenen Stammesaristokratie befehligt wurden. Die Ausrüstung für die Söldner wurde von den byzantinischen Militärwerkstätten, den „fabricae“, gestellt. Aus schriftlichen Aufzeichnungen der Zeit ist bekannt, dass Spangenhelme generell zur Ausstattung schwerbewaffneter Truppenkommandeure gehörten.

Nach Ende ihres Dienstes nahmen die germanischen Söldnerführer ihre Waffenausstattung mit zurück in ihre Heimat, während niederrangige Söldner ihre Waffen wieder abgeben mussten. Da diese Helme im germanischen Raum eigentlich fremd waren, dürften sie – neben ihrer eigentlichen Schutzfunktion – für ihre Träger auch ein nicht unerhebliches Statussymbol gewesen sein.

Seit Juli befindet sich das Grab im Landesmuseum. Zuvor war es im Besitz von Karl Friedrich Fürst von Hohenzollern, der es in Sigmaringer Schloss ausgestellt und jüngst dem Museum verkauft hat. Etliche Untersuchungen sind seither gemacht worden – mit zum Teil erstaunlichen Ergebnissen. So hat man den Toten, aufgrund der prächtigen Ausstattung seiner Grablege, auf rund 50 Jahre geschätzt. Bei der Untersuchung der Zahnreste stellte sich jedoch heraus, dass er nicht älter als 35 Jahre alt gewesen sein konnte.

Aus dem Wunsch heraus, sich ein Bild des jungen Mannes zu machen, hat das Landesmuseum ein Gesichtsmodell des Toten anfertigen lassen. Die erhaltenen Kiefer- und Gesichtsknochen sind in der biologischen Anthropologie der Universität Freiburg vermessen und berechnet worden. Anhand der Daten entstand so das Gesicht des Toten, das nun als Modell über der Vitrine angebracht ist und die Besucher anschaut – ein junger,  gesund aussehender Mann mit rundem, bubenhaftem Gesicht.

Die Untersuchungen an den Überresten gehen weiter. Eine spannende Frage bleibt zu klären: War der junge Mann ein Alamanne oder ein Franke? Die Zeit, in der er im süddeutschen Raum gelebt hat, gilt als Umbruchzeit. Die alamannische Vorherrschaft war am Bröckeln, die Franken drängten vor und übernahmen die Herrschaft auch in Süddeutschland. Anhand der Strontium-Isotopen-Analyse lässt sich über die Strontium-Einlagerung in den Zähnen die Gegend des Wassers bestimmen, das der Mann als Kind getrunken hat. Die Antwort auf die Frage Alamanne oder Franke soll laut Kokkotidis bis Ende des Jahres beantwortet sein.                 Bob / Fotos: Landesmuseum

 

Info: Landesmuseum Württemberg, Altes Schloss Stuttgart, geöffnet Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr, montags geschlossen (außer an Feiertagen), Gruppenführungen nach Vereinbarung unter t 07 11/ 89 53 51 11; mehr unter  www.landesmuseum-stuttgart.de

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Das Volksfest wegen Überfüllung abgesperrt, S-Bahnen und Züge
umgeleitet – zu viele Menschen streben auf den Cannstatter Wasen.
Muss das Sicherheitskonzept künftig verschärft werden?

Foto: dpa

Neues Sicherheitskonzept?

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