Mitten im Leben stehen

Messe Aktiva im Alten Rathaus in Esslingen für Menschen in den besten Jahren

Die Messe Aktiva des Wochenblatts ECHO ist schon so etwas wie ein Klassiker unter den Veranstaltungen des Magazins. Neu ist in diesem Jahr, dass die Messe am Samstag und Sonntag, 2.  und 3. Juni, erstmalig im Alten Rathaus in Esslingen stattfindet.

18 Aussteller aus den Bereichen Gesundheit, Sport, Reha, altersgerechtes Wohnen, Schönheit  und Pflege geben sich in der Schickhardt­halle des Alten Rathauses ein Stelldichein. Die Messe richtet sich an Menschen, die ihr Leben weitblickend organisieren und für die Zukunft vorsorgen wollen, die ihre Selbstständigkeit so lange wie möglich behalten möchten und dafür frühzeitig und kompetent die Weichen stellen wollen. „Wir haben durch die kleineren Räume   zwar weniger Aussteller als in den vergangenen Jahren“, erklärt ECHO-Verkaufsleiterin Andrea Gisdol zur neuen Location. „Aber der  Attraktivität der Messe tut das keinen  Abbruch.“

Die kompakteren Räumlichkeiten im Alten Rathaus in Esslingen sieht Andrea Gisdol als einen großen Vorteil: Die Messe sei übersichtlicher, besser strukturiert und damit auch besucherfreundlicher geworden. „Eine kleine und  feine Messe, bei der die Fachberatung im Fokus steht“, sagt Gisdol.  Der zentrale Messestandort  in der reizvollen Altstadt von Esslingen tue ein Übriges. In der Vergangenheit ist das Portfolio der Messe Aktiva beim Publikum immer gut angekommen. „Das Thema trifft den Nerv der Zeit“, ist die  ECHO-Verkaufsleiterin  überzeugt.

Neben den Ausstellern und deren Informationen und Vorführungen sorgt zusätzlich ein umfangreiches Vortragsprogramm für Wissenszugewinn.   An beiden Tagen widmen sich die Referenten verschiedenen Themenschwerpunkten, die  für Best Ager interessant sind: Es geht um Wohnformen und Wohnmöglichkeiten im Alter, um gutes Sehen, um Innovationen in der Körperpflege und Kosmetik, um die Behandlung von Zahnproblemen  und um Persönlichkeitsentwicklungen. Die Vorträge finden im Bürgersaal im ersten Stock  statt. Dort    finden bis zu 100 Zuhörer Platz. Die Besucher erreichen das Alte Rathaus bequem zu Fuß, wer weitere Wege zurücklegt, kann mit Bahn und Zug anreisen, Autofahrer parken in den nahegelegenen Parkhäusern rund um die Innenstadt. Der Eintritt ist frei.  bob / Foto: Diagentur

 

Info: Messe Aktiva des Wochenblatts ECHO, Samstag, 2. Juni, und Sonntag, 3. Juni, jeweils 11 bis 17 Uhr, Altes Rathaus, Rathausplatz Esslingen; Ausstellung in der Schickhardthalle im Erdgeschoss, Vorträge im Bürgersaal im ersten Stockwerk (www.ihr-wochenblatt-echo.de).


I han, i hau, i heb

Forscher kartieren Südwest-Dialekte – Sprechender Sprachatlas im Internet – Tübinger Wissenschaftler befragen Mundartsprecher

Für die Pflanze Löwenzahn kennt man in bald jedem Dorf in Baden-Württemberg einen anderen Namen. Ein paar Kostproben: Gackelesbusch, Bettbrunzer, Rossblume, Saustock. Andere sagen Gänsekragen oder Milcherling. 19 Varianten haben Sprachwissenschaftler der Universität Tübingen um Hubert Klausmann gezählt. Die Forscher haben 57 Dialektsprecher im ganzen Bundesland besucht. Die Aufnahmen sind regional geordnet und aufgearbeitet im Internet abrufbar im ersten sogenannten sprechenden Sprachatlas für ganz Baden-Württemberg.
Das Durchklicken ist amüsant: Die Pfütze ist in weiten Teilen Baden-Württembergs eine „Wasserlach“, im Kraichgau aber eine „Sutte“. Der Schluckauf wird je nach Region Hickser, Schluckser, Glukser oder Häcker genannt. Für Marmelade ist das Wort Gsälz weit verbreitet, es gibt aber auch andere Varianten, zum Beispiel Guts oder Schleck. Auch Grammatik haben die Forscher untersucht. I han, i hau, i heb – alles das gleiche, je nachdem, wo man danach fragt: ich habe. Der Förderverein Schwäbischer Dialekt, der das Projekt unterstützt hat, ist begeistert vom Ergebnis.
Die Forscher von der Tübinger Arbeitsstelle Sprache in Südwestdeutschland/Arno-Ruoff-Archiv ha­ben den Mundartsprechern 200 Fragen gestellt – unter anderem zu den Bereichen Mensch, Natur, Gesellschaft, Landwirtschaft. Der sprechende Sprachatlas Bayern war den Tübingern Vorbild. Die Bayern sind bei den Dialektatlanten laut Klausmann führend in Deutschland. Ein wissenschaftlicher Sprachatlas für den Norden Baden-Württembergs entsteht derzeit, der Süden wurde schon vor 30 bis 40 Jahren erforscht. Das Internetangebot ist laut Klausmann das „Best of“ und für Laien gedacht. Den Forschern dient das Projekt dazu, den Status quo des gesprochenen Dialekts zu erfassen und künftige Veränderungen durch einen Abgleich zu erkennen.
„Es gibt Gegenden, da ist der Dialekt fast verloren“, sagt Klausmann. Das gelte zum Beispiel für Pendlerstädte, die früher 800 Einwohner hatten und heute 10 000 haben, und für Dörfer, die in Großstädten wie Stuttgart, Freiburg oder Karlsruhe untergegangen sind. „Da hat Dialekt keine Chance.“ Bestens überlebt er aber zum Beispiel in Weingegenden, weil die Winzer kein Land verkaufen, sondern es an die nächsten Generationen weitergeben. Die Einwohnerschaft ist stabil. Aber auch da gilt: „Der Ortsdialekt wird vielfach nur noch nach der Arbeit, unter Freunden oder in der Familie gesprochen.“ Bei der Arbeit muss oft Standardsprache oder Englisch benutzt werden.
Dialekt zu sprechen, gelte als minderwertig und bäuerlich, sagt der Sprachwissenschaftler Ralf Knöbl vom Institut für Deutsche Sprache in Mannheim. „Auch Schwäbisch hat ein Prestigeproblem, außerhalb, aber auch bei den Sprechern selbst.“ Trotzdem überlebe der Dialekt im deutschen Südwesten relativ gut, weil es möglich sei, eine Mischung aus Standardsprache und Schwäbisch zu sprechen. Im Unterschied dazu sei beispielsweise Platt eine andere Sprache mit anderen Wörtern, die nicht mit Standardsprache gemischt werden kann und in der junge Menschen keinen Nutzen mehr sehen.
Während der Süden bereits erforscht war, war der Norden Baden-Württembergs für die Forscher noch Neuland. Klausmann, der am Kaiserstuhl mit dem alemannischen Dialekt aufgewachsen ist und in Bayreuth sowie in Vorarlberg gearbeitet hat, berichtet lachend von der Überraschung, dass im Hohenlohischen Ei „Gaggelich“ genannt wird. Bei Würzburg wiederum hat er die für Baden-Württemberg ungewöhnliche Form „ich möcht’ schlaff“ für „ich möchte schlafen“ gehört.
Klausmann ist von Sprache und ihren wundersamen Blüten fasziniert. Die Dialektkarten sind für ihn viel mehr als ein Kuriosum, Klausmann kann zum Beispiel Siedlungsgeschichte daraus ablesen. Beispielsweise der römische Grenzwall Limes sei für Sprache eine Grenze gewesen, die bis heute im Dialekt nachzuweisen ist.
Sprachgrenzen sind dennoch nicht in Stein gemeißelt, sie verschieben sich, und auch der Wortschatz verändert sich mit dem Leben der Menschen. Bevor Begriffe untergehen, weil sie nicht mehr gebraucht werden, geistern sie laut Klausmann oft noch als Schimpfwort herum. Beispielsweise Mähre sei früher eine gängige Bezeichnung für Pferd gewesen – als Schindmähre ist sie zur wüsten Beschimpfung geworden. Ein letztes Aufbäumen, bevor ihr Untergang bevorsteht. 
Lena Müssigmann / Foto: dpa

Info: www.wiso.uni-tuebingen.de


Abgestimmt

Altenpflege in der Krise: Mehr Personal soll eingestellt werden.
Glauben Sie, das reicht, die Pflege entscheidend zu verbessern?

Foto: dpa

Reicht die Maßnahme?

Ergebnis

Loading ... Loading ...


Sauberes Nass

Badeseen mit ausgezeichneter  Wasserqualität – Proben alle zwei Wochen

Im Landkreis Esslingen ergänzen drei Badeseen das Angebot an Schwimmmöglichkeiten in den zahlreichen Freibäder.  Der Aileswasensee in Neckartailfingen, einer der  Bürgerseen in Kirchheim sowie der Bissinger See. Die Wasserqualität, so meldet  das Gesunddheitsamt des Landkreises, ist gut .

In der Badegewässerkarte des Landes Baden-Württemberg lassen sich die drei Seen im Kreis anklicken. Drei Sterne zeigt das  Symbol, das für die Wasserqualität und damit für einen niedrigen Gehalt an Fäkalbakterien  steht.

„Vorgeschrieben sind einmonatliche Beprobungen des Wassers, davon muss eine vor der Badesaison liegen“, erklärt der Arzt Albrecht Wiedenmann, der beim Esslinger Gesundheitsamt für den Infektionsschutz verantwortlich ist. „Im Kreis ziehen wir jedoch doppelt so oft wie vorgeschriebebn, nämlich zwei Mal im Monat Proben.  Die Beurteilung der sehr guten oder ausgezeichneten Wasserqualitäten der drei Badeseen   resultiert aus den Ergebnissen der vergangenen vier Jahren, wie Wiedenmann erklärt.  Das bedeute aber, dass kurzfristige Ereignisse wie starker Regen  oder Kot von Wasservögeln  die Wasserqualität beeinträchtigen könne. Daher sollten immer die Aushänge der Gemeinde  beachtet werden.  Allerdings sei das Risiko an einer Magen-Darm-Infektion zu erkranken,  an Seen mit drei Sternen im Symbol gering. 

Aber auch  bei einer optimalen Wasserqualität ist das Risiko nicht gleich null. „ Wir haben es ja nicht mit Trinkwasser zu tun, oder mit Wasser in Schwimmbädern, das durch Chlor und Filter gereinigt wird“, sagt Wiedenmann. „Das Unfallrisiko ist jedoch höher als das Krankheitsrisiko.“

Mit zu den beliebtesten Badeseen im Großraum Stuttgart gehört der Aileswasensee bei Neckartailfingen.   Im bewirtschafteten Seehaus sind die Umkleide- und Sanitärräume untergebracht, im  Seehaus mit der Terrasse über dem See werden die Gäste bewirtet.

Der Eintritt an den See ist  frei,  allerdings erhebt die Gemeinde   seit einigen Jahren Parkgebühren. An Wochenenden sorgt die DLRG für Sicherheit der Badenden.  An der  Westseite des Sees  finden FKKler ihren Bereich.

An warmen Sommertagen drängen viele  Besucher aus der  Umgebung an den See.  „Bislang  ist der große Ansturm ausgeblieben“, erklärt  Seehaus-Pächter  Henry Witte. Die eigentliche Badesee-Saison beginne für gewöhnlich um Pfingsten herum.   

Der untere der drei  Bürgerseen in Kirchheim ist  zum Schwimmen freigegeben.   Es gibt einen Kiosk, ein Restaurant sowie  Grillstellen und kostenlose Parkplätz.

Weniger  bekannt ist der Bissinger See. Er wird von der DLRG überwacht und liegt mitten im Ort. Dort soll  Gudrun Ederle, die  den Ärmelkanal durchschwommen hat, das Schwimmen gelernt haben. Auf der Homepage der Gemeinde  sucht man vergebens nach einem Hinweis auf den See. Das hat seinen Grund: Er soll  Geheimtipp  bleiben und vornehmlich von Bissingern  besucht werden.  bob / Foto: pst


Fürs Auge und für die Insekten

„Blühender Landkreis“ setzt auf spezielle Samenmischungen – Kurse und Seminare für Gartenfreunde

Es gibt immer weniger Insekten. Im vergangenen Jahr war das Insektensterben auch ein Thema in den Medien; Natur- und Umweltschützer sind schon länger alarmiert. Um etwas für die kleinen Tiere mit der großen Bedeutung fürs Ökosystem zu tun, hat der Kreis Esslingen 2014 das Projekt „Blühender Landkreis“ begonnen. Privatleute können dazu ebenso beitragen wie Firmen, Institutionen oder Kommunen.
Die Gründe fürs Insektensterben sind vielfältig: Insektizide wie Neo­nicotinoide tragen dazu bei, ebenso landwirtschaftliche Monokulturen. Blühstreifen an Acker- und Wegrändern und hohe Wiesen sind selten geworden. Zudem fehlen Erdlöcher und andere geeignete Hohlräume zum Nisten. Der Rückgang von Schmetterlingen, Wildbienen und anderen Insekten hat nicht nur gravierende Folgen für die Landwirtschaft, sondern betrifft das gesamte Ökosystem, denn mit der Zahl der Insekten schwindet das Futter für Vögel und Fledermäuse.
Vor diesem Hintergrund ist der Kreis Esslingen auf Anregung der Grünen 2014 ins Projekt „Blühender Landkreis“ eingestiegen: Mit geeigneten Pflanzen sollen insektenfreundliche Blühflächen geschaffen werden, von öffentlichen Grünflächen bis hin zu Privatgärten oder Balkonkästen.
Auch um Nistmöglichkeiten für Insekten geht es, das Thema sei „sehr vielschichtig“, sagt Matthias Weigert, Kreistagsmitglied der Grünen und im Umweltzentrum Neckar-Fils aktiv. Er hat den Impuls für den „Blühenden Landkreis“ gegeben. Blühen soll es zum Beispiel auf Verkehrsinseln und Randstreifen von Straßen. So hat der Landkreis die Mitarbeiter von kommunalen Bauhöfen zu einem Seminar über insektenfreundliche Bepflanzung eingeladen. Das sei sehr gut angenommen worden, erzählt Weigert, der weiß: Einfach nur Gras wachsen lassen und höchstens zweimal jährlich mähen ist nicht genug. Es sei wichtig, die Beete vorzubereiten und die richtige Samenmischung zu verwenden. Die für ihre Blütenpracht bekannte „Mössinger Mischung“ ist für heimische Insekten gar nicht besonders wertvoll, stattdessen setzt der Landkreis auf Samen der Firma Rieger-Hoffmann, die auf „gebietsheimische Wildpflanzen“ spezialisiert ist. Die Gemeinden können sie beim Landkreis kostenlos beziehen, was einige in Anspruch nehmen.
Die Stadt Esslingen hat schon früher begonnen, naturnahe Grünstreifen anzulegen – auch aus Kostengründen, wie Florian Pietsch vom Grünflächenamt berichtet. Man ersetzte damit nach und nach die pflegeaufwendigen Gehölze auf Verkehrsinseln. Insgesamt „haben wir in Esslingen eine positive Resonanz von der Bevölkerung“, sagt Pietsch. Man habe sich allerdings der Optik wegen auf eine Blüh-Mischung ohne Gräser entschieden und in repräsentativen Bereichen pflanze man keine Wiese. Aber an Straßen oder Radwegen schon, auch Kräutermischungen und Schmetterlingssäume würden dort ausgesät. Zweimal jährlich mäht die Stadt, beim ersten Schnitt teilweise nur einen Sicherheitsstreifen am Weg entlang. Allerdings könne so eine Blühwiese selbst bei der richtigen Pflege in einem heißen, trockenen Sommer auch mal gelb und dürr werden: Da sei dann Öffentlichkeitsarbeit gefragt, sagt Pietsch. Ihre Erfahrungen wird die Stadt Esslingen im Juni beim Regionaltag „Naturnahes öffentliches Grün“ weitergeben.
Firmen oder Schulen sind vom Projekt „Blühender Landkreis“ ebenfalls angesprochen. So hat die Garten-AG der Grundschule Lichtenwald kürzlich „Blühinseln“ an ihrem Schulhaus ausgesät. Landkreis-Mitarbeiter zeigten den Dritt- und Viertklässlern, wie sich die Samen am einfachsten auf die Fläche verteilen lassen: indem man sie mit Sand oder Getreideschrot mischt, sodass man mehr Volumen bekommt. Die neun Jungs von der Garten-AG wussten auch genau, wofür die Aktion gut ist: Nicht nur, „damit die Schule schöner aussieht“, sondern auch, „damit die Bienen mehr zu essen haben und Honig machen“.
Wer Anregungen sucht, um privat etwas für den Insektenschutz zu tun, ist bei den Kursen und Veranstaltungen im Naturschutzzentrum Schopflocher Alb und im Umweltzentrum Neckar-Fils richtig. Da werden Wildbienen-Nisthilfen und Trockenmauern gebaut, Blühstreifen angelegt, Wiesen mit der Sense gemäht, Wildkräuter in der Küche verarbeitet und verspeist, samt Käse und Wein: Denn, sagt Weigert, Umweltschutz hänge „auch mit Genuss zusammen“. Er freut sich, dass bei diesem Thema so viele verschiedene Akteure zusammenarbeiten. Auch das Freilichtmuseum Beuren mit seinem Programm oder die Obst- und Gartenbauvereine gehören dazu, denn letztlich haben alle das Ziel, heimische Produkte und folglich heimische Flora und Fauna zu erhalten.
Das Umweltzentrum bietet zudem im Rahmen des „Grünen Klassenzimmers“ Aktionen für Kindergärten und Schulklassen an, die dank einer Förderung durch die Bildungsstiftung der Kreissparkasse kostenlos sind. Aktuell: noch bis zum 22. Juli zeigt das Zentrum in Plochingen eine Ausstellung zum Thema Fledermäuse, für die Schulklassen und Gruppen ebenfalls eine Führung buchen können. aia / Foto: aia


Abgestimmt

Viele haben die royale Hochzeit in England gesehen.
ätten Sie denn gerne wieder die Monarchie Deutschland?
Stimmen Sie ab!

Foto: dpa

Lust auf Monarchie?

Ergebnis

Loading ... Loading ...


Flugshow im WM-Jahr

Dieses Jahr gibt es relativ viele Maikäfer – Trotzdem keine größeren Schäden

Manch einer wurde in letzter Zeit in der Abenddämmerung von einem dicken Brummer angeflogen. Und auch tote Maikäfer auf dem Boden kann man derzeit finden. Gerade in Jahren, in denen die Fußball-WM ist, treten Maikäfer vermehrt auf. Das liegt daran, dass die Maikäferpopulation einen vierjährigen Zyklus aufweist, bedingt durch die Entwicklungszeit der Insekten: Ihre Larven, die Engerlinge, leben mindestens drei Jahre in der Erde, bevor sie schlüpfen und die restlichen vier bis sechs Wochen ihres Lebens die Luft erobern. In dieser letzten Lebenszeit paaren sich die Tiere auch und legen Eier ab.

Natürlich fliegen auch in den Jahren dazwischen Maikäfer, aber die vierjährliche Häufung ist regelmäßig zu beobachten. Das kann an regionalen Maikäfer-Stämmen liegen, deren Zyklus besonders ins Gewicht fällt, oder auch an besonders günstigen Bedingungen für die Krabbeltiere. Engerlinge mögen es warm und trocken, der Klimawandel kommt ihnen entgegen – gut möglich, dass sie sich künftig stärker oder in kürzeren Zyklen vermehren. Auch heuer waren schon viele Maikäfer im April unterwegs.

Maikäferjahr hin oder her, in unserer Region ist ihre Zahl bislang überschaubar. „Im Kreis Esslingen haben wir in den letzten 40 Jahren zumindest keine größeren, flächendeckenden Schäden gehabt“, sagt Hansjörg Güthle vom Kreislandwirtschaftsamt. In Südbaden, zum Beispiel am Kaiserstuhl, sei das anders – da finden auch immer wieder Bekämpfungsaktionen gegen die braunen Krabbler statt.

Bis in die 1950er- und 60er-Jahre waren Maikäfer gefürchtet: Sowohl Engerlinge als auch die fertig entwickelten Käfer, die in Massen Laub- und Obstbäume kahl fraßen, richteten beachtliche Schäden an. Die nach dem Krieg großgewordene Generation erinnert sich noch, wie man sie von den Bäumen schüttelte und den Hühnern zum Fraß vorwarf. Dann wurde den Käfern mit DDT der Garaus gemacht, so gründlich, dass sie nur noch selten anzutreffen waren. Jetzt scheinen sie langsam wieder mehr zu werden. Auf Maikäfer folgen übrigens die etwas kleineren, aber sonst ganz ähnlich aussehenden Junikäfer, bei denen ebenfalls Häufungen zu beobachten sind. Die einen wie die anderen haben eine Funktion im Ökosystem, versichert Biologin Brigitte Beier vom Umweltzentrum in Plochingen: „Große Fledermausarten fressen die ganz gern“, sagt sie, ebenso  Vögel, Maulwürfe, Dachse oder Spitzmäuse.

Bei Menschen in Deutschland stehen Maikäfer dagegen heute nicht mehr auf dem Speiseplan. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts war dagegen Maikäfersuppe durchaus verbreitet und auch kandierte Käfer wurden früher verspeist.  aia / Foto: dpa


Dem Biber auf der Spur

Europas größtes Nagetier ist zurück – Etwa 15 Tiere im Landkreis heimisch – Castor fiber ist streng geschützt

Rund 150 Jahre nach seiner fast vollständigen Ausrottung ist der Biber wieder da. Etwa 5500 der Tiere leben derzeit in Baden-Württemberg, ihre Anzahl im Landkreis Esslingen wird auf etwa 15 geschätzt. Ein Biberrevier findet sich an der Aich in Aichtal. Rund 30 Teilnehmer einer Exkursion setzten sich kürzlich mit dem Biberexperten Uwe Hiller auf die Spur des Nagers.
Die Aich schlängelt sich auf der Gemarkung der Stadt Aichtal an vielen Stellen noch naturnah in etlichen Mäandern in Richtung zum Neckartal. Hohe und steile Ufer säumen das Bachbett, gesäumt von dichtem Gehölz und nur selten für Menschen direkt zugänglich. Wiesen und Äcker schließen sich an das Ufergestrüpp an. „Es ist ein ideales Revier für Biber und ein Schlaraffenland mit einem reichen Nahrungsangebot“, beschrieb Uwe Hiller, Geschäftsführer des Landschaftserhaltungsverbands Esslingen und Biberexperte, das Gebiet. Hiller führte kürzlich rund 30 Teilnehmer einer Exkursion auf die Spur von Europas größtem Nagetier, das seit einigen Jahren auch im Landkreis Esslingen wieder heimisch ist.
Etwa zur Mitte des 19. Jahrhunderts war der Biber bis auf wenige Restpopulationen aus Europa verschwunden, rücksichtslos gejagt wegen seines Fleischs, des dichten Fells und nicht zuletzt wegen des Bibergeil genannten Drüsensekrets, dem heilsame Wirkungen nachgesagt wurden. Vor knapp 60 Jahren wurden in Bayern, der Schweiz und Frankreich wieder Tiere angesiedelt. Ihre Zahl stieg rasch an und die Nager verbreiteten sich entlang der Gewässersysteme wieder über ganz Europa. Etwa 5500 von ihnen leben derzeit in Baden-Württemberg, anhand der nachgewiesenen Reviere werden im Landkreis etwa 15 Tiere vermutet.
Wie Hiller erklärte, beruhen die Zahlen auf Schätzungen. Die Tiere erreichen ausgewachsen eine Länge von bis zu einem Meter und ein Gewicht von 30 Kilo. Doch trotz ihrer beeindruckenden Ausmaße werde man kaum eines von ihnen sehen, da Biber sehr scheu und zudem dämmerungs- und nachtaktiv sind. „Uns werden immer wieder Sichtungen gemeldet, doch in der Regel handelt es sich um Bisam oder Nutrias, die sehr viel kleiner sind“, sagte Hiller. Dennoch werde jedem Hinweis nachgegangen, um ein eventuelles Vorkommen dokumentieren zu können.
Das Wissen um Biberreviere sowie die Ansiedlung und Verbreitung der Tiere ist für die Naturschutzbehörde des Landkreises von großer Bedeutung, denn Castor fiber, der Eurasische Biber, ist nach der europäischen Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie und dem Bundesnaturschutzgesetz streng geschützt. So dürfen nicht nur die Tiere nicht gejagt werden, auch ihre Bauten und ihre unmittelbaren Lebensräume dürfen nicht gestört werden.
Das kann zu Konflikten führen, zumal in so dicht besiedelten Regionen wie dem Landkreis Esslingen. Biber sind zwar friedliebende reine Pflanzenfresser, die sich an Baumrinden, weichen Gehölzen, krautigen Uferpflanzen und im Sommer auch auf Äckern nahe dem Ufer an Feldfrüchten und Getreide gütlich tun, aber sie sind auch eifrige Baumeister, „echte Landschaftsgestalter“, sagte Hiller.
Die Tiere graben Wohnhöhlen, vorzugsweise in Steilufer, wobei der Eingang immer unter Wasser liegt. Sinkt nun der Wasserspiegel, etwa im Sommer, machen sich die Biber ans Werk, schleppen loses Holz heran oder fällen auch Bäume, um Staudämme zu bauen und den Wasserstand zu regulieren. Das wiederum kann zu Überschwemmungen und damit Schäden in ufernahen Feldern führen. Auch die Eigenart der Tiere, oft etliche Meter lange Fluchttunnel zu graben, kann gravierende Folgen haben, denn manches Mal werden Feldwege oder Freizeitgrundstücke nahe am Wasser unterminiert und somit nicht mehr nutzbar. Biber entfernen sich kaum mehr als zehn Meter vom Gewässer, doch wenn in dem Bereich junge Obstbäume stehen, ist der Tisch mit weicher Baumrinde reich gedeckt. „Biber sind Wildtiere, wenn sie Schäden anrichten, gibt es also keine Entschädigung. Stören oder vertreiben darf man sie aber auch nicht“, erklärte Hiller. In solchen Fällen kämen die ehrenamtlichen Biberberater der Naturschutzbehörde des Kreises zum Einsatz. „Die finden für betroffene Landwirte Lösungsmöglichkeiten.“ pst / Foto: pst


Abgestimmt

Oft hört man von Unfällen, die ältere Autofahrer verursachen.
Sollen Senioren Fahrtests absolvieren müssen? 

Foto: dpa

Fahrtests für Ältere?

Ergebnis

Loading ... Loading ...


Trügerisches Gefühl der Unsicherheit

Polizei legt Kriminalitätsstatistik für 2017 vor – Weniger Wohnungseinbrüche – Gewalt gegen Beamte nimmt weiter zu

Realität und Empfinden der Sicherheitslage im Landkreis Esslingen gehen schon seit Jahren nicht mehr Hand in Hand. Die in der Kriminalstatistik der Polizei beschriebene Realität weist das Land, die hiesige Region, als ausgesprochen sicher aus und doch scheint es in der Bevölkerung eine nicht zu beeinflussende Verunsicherung zu geben. Die in der Statistik dargelegte Kriminalitätsrate bezieht sich auf Straftaten je 100 000 Einwohner. Und die war in Baden-Württemberg, einem der sichersten Bundesländer, im vergangenen Jahr so niedrig wie seit 1990 nicht mehr. Und im Landkreis Esslingen war diese Quote mit 4681 nochmals deutlich unter dem Landesdurchschnitt (5295). „Wir leben in einer der sichersten Regionen in einem der sichersten Bundesländer“, sagt denn auch Alexander Pick, Präsident des Polizeipräsidiums Reutlingen, zu dem neben Esslingen und Reutlingen auch der Landkreis Tübingen zählt. Die Aufklärungsquote ist mit knapp 62 Prozent zudem die höchste seit zehn Jahren. Also gelte es, den Blick zu schärfen. Natürlich auch auf die Opfer, die mit unterschiedlichsten Verbrechen umzugehen haben. Aber auch darauf, dass es für übertriebene Sorgen keinen Anlass gibt. So gebe es bei den die Menschen bewegenden Wohnungseinbrüchen einen Rückgang, bei den von Asylbewerbern und Geflüchteten begangenen Straftaten will Pick zu einer Versachlichung der Diskussion beitragen. Doch der Polizeipräsident verschweigt auch nicht, dass ihm ein paar Entwicklungen Sorgen bereiten.

Im Bereich des Polizeipräsidiums Reutlingen gibt es 85 Gemeinden, 44 davon liegen im Landkreis Esslingen, die rund 530 000 Einwohner entsprechen etwa der Hälfte der im Präsidiumsbezirk lebenden Menschen. Die urbanen Strukturen im Kreis Esslingen, auch die für die überwiegend ausländischen und meist überregional agierenden Einbrecherbanden verkehrsgünstige Lage, sorgen offenbar dafür, dass die Zahl der Wohnungseinbrüche dort nicht so deutlich gesunken ist wie in Reutlingen und Tübingen. Trotzdem scheinen auch in Esslingen der Ermittlungsdruck, eine verschärfte Gesetzgebung und Schwerpunkteinsätze der Polizei Wirkung zu zeigen. Zwar ist es laut Polizei für eine Entwarnung bei den Wohnungseinbrüchen zu früh, doch Pick weist darauf hin, dass mittlerweile etwa die Hälfte der Einbrecher beim Versuch scheitert: Sicherheitsvorkehrungen an Fenstern und Türen zeigen Wirkung, wozu die Polizei mit ihren kostenlosen sicherheitstechnischen Beratungen ihren Beitrag leistet.

Rechnet man die Vergehen heraus, die nur von Asylbewerbern beziehungsweise Geflüchteten begangen werden können (Verstöße gegen das Asylbewerbergesetz), so stammte 2017 etwa jeder zehnte Tatverdächtige aus dieser Gruppe. Wiederum ein Drittel dieser Straftaten von Flüchtlingen im Landkreis Esslingen waren Körperverletzungen, häufig gab es Schlägereien in den Wohnheimen. Es folgten Diebstähle, Betrugs- und Rauschgiftdelikte. Die Zahlen bereiten der Polizei Sorge, doch sie werden auch relativiert. Pick verweist auf Frustration, schwierige Wohnsituation und Perspektivlosigkeit bei den Geflüchteten. Auch sind unter den Zugewanderten überproportional viele junge Männer, die generell die Gruppe der meisten Tatverdächtigen stellen. Und es gibt einige Mehrfachtäter, die schon in ihren Herkunftsländern keine unbeschriebenen Blätter waren und auf die die Polizei einen verstärkten Fokus legen will. Die Zahl der von Flüchtlingen begangenen „schlimmen“ Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung (88 im gesamten Polizeipräsidiumsbezirk) sowie die der gravierenden Fälle wie Vergewaltigung (13), bewegt sich laut Pick in „überschaubaren Dimensionen“.

Bei der Gewaltkriminalität  bereitet dem Polizeipräsidenten der zunehmende Einsatz von Messern Sorge, nicht nur in Flüchtlingsunterkünften. „Das vermehrte Aufblitzen des Messers ist ein Stressfaktor für uns“, sagt Pick. Aber nicht nur das. Die Anträge auf den kleinen Waffenschein sind in den vergangenen Jahren sprunghaft angestiegen. „Ich heiße das Mitführen von Schreckschusswaffen nicht gut, auch diese Art der Bewaffnung kann eskalierend wirken“, sagt Pick und ruft die Bevölkerung zum „Abrüsten“ auf.

Weiter angestiegen ist die Gewalt gegen Polizeibeamte, aber auch die Respektlosigkeiten wie Beleidigungen haben ein „gigantisches Ausmaß“ angenommen. Derlei verspürten auch andere staatliche Autoritäten wie Feuerwehr, Sanitäter oder Schulen. Dies sei ein „Indikator für die Gesellschaft allgemein“, sagt Pick.

Sprunghaft angestiegen ist die Zahl der betrügerischen Telefonanrufe. Wobei das Dunkelfeld laut Pick sehr groß ist, weil viele Fälle aus Scham nicht gemeldet würden. Und weil es eine Betrugsmasche ist, sich am Telefon als Polizist auszugeben und insbesondere Senioren das Geld aus der Tasche zu ziehen, „nehmen wir das durchaus persönlich“. Auch wenn nahezu 98 Prozent der Angerufenen die Betrugsversuche erkennen, sind die Einzelfälle gravierend. Teils werden soziale Existenzen und Lebenswerke vernichtet. Daher Picks Appell: Sich von zunehmend gewandt und aggressiv auftretenden Tätern nicht verunsichern lassen. „Ihre Polizei“ werde niemals die Übergabe von Wertsachen an der Haustüre oder gar Überweisungen über fragwürdige Dienste verlangen. Daher in solchen Fällen: schnellstmöglich Anzeige erstatten. ch / Foto: dpa