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Teuer in die Röhre schauen

Zwei Sender zeigen Fußball im Bezahl-TV – Schwerer Stand für kleine Gastronomiebetriebe – Kritik durch Dehoga – Dritter Anbieter ab 2018

Alle Spiele, alle Tore – so wirbt der Bezahlsender Sky. „Fast alle Tore“ heißt es mittlerweile, denn seit dieser Saison bietet auch der TV-Sender Eurosport Spiele der Ersten und Zweiten Bundesliga und der Europa League an. Für Gastronomen entstehen Probleme. Sie müssen nun zwei Abos bezahlen. Und in der nächsten Saison betritt ein weiterer Anbieter den Ring. Der Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) arbeitet an einer Lösung.
Für die Bundesliga-Vereine ist es ein Bombengeschäft, für viele Fans ist Fußball schauen im Fernsehen dagegen teurer und komplizierter geworden. Schuld hat das Bundeskartellamt. „Alle Spiele, alle Tore“ bei nur einem Bezahlsender, nämlich Sky, ist nicht rechtens. Die DFL hat daraufhin die Übertragung der Ersten Bundesliga gewinnbringend an zwei konkurrierende Bezahl-Sender verkauft: Neben Sky spielt jetzt der US-Konzern Discovery Networks mit seinen Eurosport-Sendern mit. 1,14 Milliarden Euro hat die DFL eingenommen, davor waren es 700 Millionen. 45 Spiele werden künftig im Bezahlfernsehen nicht mehr live bei Sky laufen, sondern bei Eurosport. Dabei handelt es sich um 30 Begegnungen an Freitagen, jeweils fünf Partien an Sonntagen und Montagen, die vier Relegationsspiele um Auf-/Abstieg in Erste und Zweite Bundesliga sowie den Super-Cup. Wer diese Spiele sehen will, muss neben dem Sky-Abo zusätzlich Geld an Eurosport überweisen. Das betrifft auch die Gastronomen.
Samstagnachmittags ist es voll in Duke‘s Bar in der Esslinger Altstadt. Ebenso an den Dienstagen, wenn die Spiele der Champions League ausschließlich im Bezahl-TV laufen und sich die Bayern- und die Dortmund-Fans in der Kneipe drängen. Pächter Georg Tiakoudis, kurz Duke genannt, hat zwei große Bildschirme im eher kleinen Kneipenraum aufgestellt. „So kann man zwischen der deutschen Mannschaft, einem anderen europäischen Spitzenteam und der Konferenz hin- und herwechseln“, sagt Tiakoudis. Rund 500 Euro zahlt er im Monat für ein Sky-Abo. „Bei 250 Euro bin ich vor einigen Jahren gestartet“, sagt er. „Die Preise wurden ständig erhöht.“ Das hat auch dazu geführt, dass viele Wirte bei Sky ausgestiegen sind.
Jetzt ist ein weiterer Anbieter zu bezahlen. Eine Weile war es völlig unklar, welcher Tarif für den Eurosportplayer gelten sollte. Die 29,90 Euro, die der private Nutzer zahlt, gelten nun bis Jahresende auch für Gastronomen. Wie es dann weitergeht, ist derzeit noch unklar.
Nicht nur vermeintlich Kleine betrifft das Thema. Björn Grieger, Mitarbeiter im Kemnater Hof in Ostfildern, kümmert sich um die Sportsbar im Haus und ist skeptisch. Im Kemnater Hof beschränkt man sich mittlerweile darauf, die Spiele des lokalen Bundesligisten VfB Stuttgart zu zeigen, solange sie samstags angesetzt sind. Wer hingegen Champions-League-Spiele sehen will, muss sich vorher im Kemnater Hof anmelden. „Dann entscheiden wir, je nachdem, wie viele Gäste das sehen wollen“, erklärt Grieger. Schließlich müsste das Gasthaus extra Personal für die Sportsbar einplanen. Und das sollte sich dann schon lohnen.
Grieger erwartet von seinen Gästen auch, dass bei den Übertragungen mindestens zwei Getränke konsumiert werden. Die Gäste würden darauf angesprochen und hätten Verständnis dafür. Grieger sagt, er kenne Kneipen und Gasthäuser in der Umgebung, die unter der Hand Eintritt verlangen, wenn sie ein Spiel zeigen, was offiziell gar nicht erlaubt ist.
Wie aber holt man die Kosten wieder rein? „Ich kann diese Belastung nicht einfach auf den Bierpreis draufschlagen“, erklärt Tiakoudis. Das würden die Gäste nicht akzeptieren. Er sieht es realistisch: „Man verdient nichts dabei.“ Das Plus im Bierverkauf werde von der zusätzlichen Servicekraft aufgebraucht. „Man ist froh, wenn man null auf null rauskommt.“ Insofern stellt sich die Frage nach der Abo-Kündigung auch nicht so schnell. Denn der Treff bei den Spielen mache schließlich Werbung für die Bar.
Der Einfluss der Rechteverkäufe durch die DFL hat auch Einfluss aufs Privatleben des Wirts. Spielt der VfB am Montag, verzichtet er auf seinen Ruhetag. Und auch die neuerdings früheren Sonntagsspiele ab 13.30 Uhr schränken die Zeit mit Frau und Kind ein. Ärger bereiten auch die technischen Mängel bei der Eurosport-Übertragung durch den kostenpflichtigen Internetstream Eurosport Player.
Ein Freitagsspiel vor zwei Wochen ist Tiakoudis in schlechter Erinnerung. „Ständig blieb die Übertragung hängen“, sagt er. „Mindestens dreimal musste ich das Programm runter- und wieder hochfahren.“
Im Vereinsheim des TV Unterboihingen werden die Samstagsspiele des VfB Stuttgart gezeigt. „Wir haben das Sky-Abo“, sagt der Vorsitzende Peter Krenn. Damit wolle man den Mitgliedern etwas bieten, das stärke die Gemeinschaft und ein bisschen werde auch eingenommen. Eine weitere finanzielle Verpflichtung mit einem Eurosport-Abo komme aber nicht in Frage.
„Eine ungute Entwicklung aus Sicht der Gastronomie“, sagt Daniel Ohl vom Dehoga Baden-Württemberg. „Gerade kleineren Betrieben, die durch das Nichtrauchergesetz gelitten haben, hat die Fußballeuphorie nach der WM 2006 gut getan.“ Deren Geschäftsmodell wanke jetzt. Der Dehoga hofft auf eine einheitliche Übertragungstechnik und eine einheitliche Gebühr. Der Verband versuche, günstigere Konditionen für seine Mitglieder zu verhandeln.
„Die Anbieter müssen doch erkennen, dass diese Wirte auch Markenbotschafter für sie sind“, sagt Ohl weiter.
Der Kampf um die Übertragungsrechte scheint erst begonnen zu haben. Ab der Saison 2018/2019 werden die Karten auch in der Champions League und der Europa League neu gemischt, weil der Streamingdienst DAZN die Übertragungsrechte gekauft hat. Sind dann für Sportsbars etwa drei Lizenzen notwendig? Senkt Sky dann seine Gebühren? Das weiß derzeit niemand.     bob / Foto: bob

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