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Der Mensch trägt Virus über weite Strecken

Afrikanische Schweinepest rückt immer näher – Jäger spielen bei der Eindämmung der Seuche eine wichtige Rolle

Die Frage lautet nicht mehr ob, sondern wann und wo – darüber sind sich Experten einig: Die Afrikanische Schweinepest ist im Anmarsch. Die Lage ist auch im Südwesten Deutschlands kritisch. Etwa 90 Prozent der infizierten Haus- und Wildschweine sterben binnen zehn Tagen. Das Virus ist zwar nicht auf den Menschen übertragbar, doch drohen Landwirten massive wirtschaftliche Schäden. Landwirte wie auch die Politik setzen ihre Hoffnungen in die Jäger, fordern hohe Abschussquoten bei Wildschweinen. Selbst Naturschützer sehen dies als Gebot der Stunde.
Zwar ist die Krankheit noch nicht in Baden-Württemberg angekommen, doch schon jetzt sei die Situation bedrohlich: Das sagte der Esslinger Kreisjägermeister Thomas Dietz bei einer Informationsveranstaltung in der Denkendorfer Festhalle, zu der die Jägervereinigungen Esslingen, Kirchheim, Nürtingen und Göppingen eingeladen hatten. 400 Waidmänner folgten der Einladung und erfuhren: Die Lage ist alles andere als erfreulich.
Thomas Stegmanns, Leiter des Veterinäramts Stuttgart und selbst Jäger, beklagte, dass viele Falschinformationen zur Afrikanischen Schweinepest (ASP) kursierten. Stegmanns setzt auf Fakten: Gegen die ASP gibt es keine Impfung, was sich in absehbarer Zeit auch nicht ändern werde. Die Übertragung von Schwein zu Schwein geschehe über Blut, Sperma oder andere Sekrete, auch tote Tiere seien noch monatelang ansteckend. Auch wenn Haus- oder Wildschweine sterben, überleben die Bakterien noch Monate.
Allerdings: Die Übertragung von Tier zu Tier sei nicht das große Problem: Wildschweine bewegen sich ab der Infizierung noch höchstens 15 Kilometer weiter, was eine rasche Ausbreitung unwahrscheinlich macht. Die Verbreitung über große Strecken erfolgt über die Menschen. Etwa wenn aus dem Osten Schinken, Wurst oder Fleisch als Proviant mitgebracht wird, in dem das Virus verborgen ist. Über Hunderte Kilometer wird dieses dann getragen. Werden Lebensmittelreste dann weggeworfen und von Wildschweinen gefressen, ist die Seuche hier. Und in verarbeiteten Speisen überlebt das Virus viele Wochen.
So erreichte im vergangenen Sommer die ASP Tschechien, rund 400 Kilometer von den vorher bekannten Fällen in Polen und dem Baltikum entfernt. Stegmanns: „Das ist nur durch menschlichen Fernverkehr erklärbar.“ Und da wird es nun für Deutschland bedrohlich. Nur 325 Kilometer entfernt liegt der letzte bekannte Fundort in Tschechien. „Da gelten Wurstbrötchen von Lastwagenfahrern, Erntehelfern oder Touristen aus dem Osten als akute Gefahr für die deutschen Schweine.“ Für Stegmanns ist die Zusammenarbeit mit den Jägern daher besonders wichtig. Die Schweinepest ist eine anzeigepflichtige Viruserkrankung. Die Jäger seien gehalten, verdächtige Wahrnehmungen den Behörden zu melden.
Just an dem Tag der Informationsveranstaltung in Denkendorf hatte der baden-württembergische Landwirtschaftsminister Peter Hauk einen Zwölf-Punkte-Plan gegen die Seuche vorgestellt. Bernhard Panknin, Leiter der Obersten Jagdbehörde im Land, erläuterte diesen. Bis zu drei Millionen Euro will das Land in die ASP-Prävention stecken. Oberste Priorität hat dabei die Senkung des Schwarzwildbestandes. Panknin spricht von 100 000 Abschüssen im Jahr – eine Verdoppelung der bisherigen Zahl.
Um das erreichen zu können, wird die Jagdruhe im März und April dieses Jahres aufgehoben. Eine Methode soll das Erlegen vereinfachen: die Kirrung. Dabei wird das Wild mit Nahrung angelockt. Weitere Maßnahmen sind vermehrte Drückjagden und der Einsatz von Nachtsichtgeräten. Das Ministerium will auch die Jagd in Naturschutzgebieten wieder möglich machen. Dazu kommt ein Krisenstab: Das Netzwerk zwischen Jägern, Landwirten und Viehhändlern soll verbessert werden. Die Jäger begrüßten den Plan. Einhellige Meinung aber: „Wir sind bei vielem schon sehr spät dran.“
Auch Tierschützer treibt die Afrikanische Schweinepest und die Tötung von Wildschweinen um. Klaus Lang vom Esslinger Kreisverband des Naturschutzbunds (Nabu) sagte: „Wir arbeiten schon immer eng mit den Jägern zusammen und vertrauen in dieser Sache auf ihr Fachwissen und ihre Waidgerechtigkeit.“ Obwohl der Nabu grundsätzlich gegen unnötiges Erlegen von Tieren ist, blickt man mit Sorge auf die aktuelle Situation. „Im schlimmen Fall des Eintretens der Afrikanischen Schweinegrippe wäre die Landwirtschaft neben den Schweinen der Hauptverlierer. Sie hat Milliarden-Einbußen zu befürchten“, betonte Lang.

Thomas Krytzner / Foto: dpa

Kommentare

Comment from Michael Szallies
Time 22. Februar 2018 at 15:28

Ich verstehe den Zusammenhang zwischen der Schweine-Nutztierhaltung und den Wildschweinen nicht. Dort gibt es keinerlei Berührungspunkte (Sekretaustausch!). Was für einen Vorteil bringt es gesunde Wildschweine zu erschießen für die Nutztierhaltung?

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