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Achäologie im Kreis: Das Landesamt für Denkmalpflege zieht Bilanz für 2017  -Auf eine bekannte Fundstelle kommen zehn unbekannte

Das Grab eines Kriegers aus römischer Zeit, Siedlungen früher Kelten oder Rastplätze von Menschen aus der frühen Steinzeit – viele Grabungen zeigen, wie  Archäologie  Siedlungsentwicklung und Kulturgeschichte sichtbar machen kann.  Das Landesamt für Denkmalpflege hat kürzlich seine Grabungs- und Sondagebilanz für das Jahr 2017 veröffentlicht. Dort wird auch über Grabungen  im Kreis Esslingen berichtet.

Grabungen in Kirchheim, Esslingen und in Altbach sind abgeschlossen. Ein zweiter Abschnitt wird sich im März an der Esslinger Grabungsstelle an der Ecke Martinstraße und Ehnisgasse anschließen. Dort soll künftig der Parkplatz neben Karstadt bebaut werden.

Zunächst wird  Vergangenheit lebendig:  Die dicht bebaute Altstadt gewährt oft nur kleinräumige Einblicke.  Anders beim aktuellen Grabungsgebiet: Auf dem Parkplatz neben dem Karstadt ist schon im vergangenen Jahr zwischen März und Juli gegraben worden. Das mehr als 5000  Quadratmeter  große Gelände   gehört geschichtlich zur sogenannten Pliensauvorstadt, auch wenn    das Gebiet heute  zur  Stadtmitte gehört. Es beherbergte vielfach Handwerksbetriebe, die bislang auf das späte 13. Jahrhundert datiert waren. Der aktuelle Fund einer ehemaligen Webhütte zeigt, dass dort die handwerkliche Tätigkeit schon im 11. und 12. Jahrhundert florierte.

Das war überraschend. „Damit liegt ein Beleg vor, der eine weitaus großflächigere frühe Aufsiedlung der Pliensauvorstadt nahelegt, als bislang vermutet“, heißt es in dem Bericht.

Auch die Grabungen in Kirchheim im Gebiet Lauterterrassen haben Nachweise für eine deutlich ältere Besiedlung als bislang angenommen geliefert. Es hat sich ebenfalls gezeigt, dass die  vorstädtische früh- bis hochmittelalterliche Siedlung  durch den Verlauf der Lauter begrenzt wurde.

In Altbach hingegen trafen die Archäologen auf etwas gänzlich Unerwartetes, als im künftigen Neubaugebiet Losburg in den Boden geschaut wurde: „Wir wussten zwar von alemannischen Siedlungsresten“, sagt Jörg Bofinger, der Leiter der operativen Archäologie des Landesdenkmalamts. Die Ärchaologen stießen auf eine größere bäuerliche Ansiedlung aus der ausgehenden Bronzezeit, also um 1000 vor Christus. Dazu wurden mehrere Feuerstellen und Ofenanlagen entdeckt, wo möglicherweise Fleisch zubereitet wurde.

Für Jörg Bofinger ist Altbach eine bedeutende Fundstelle: „Flächig dokumentierte Siedlungspläne aus der Zeit um 1000 vor Christus sind in Südwestdeutschland nach wie vor eher selten und die geborgenen Funde, vor allem Keramik und Bronzegegenstände, erlauben uns  Einblicke in die Lebens- und Wirtschaftsweise der Menschen am Ende der Bronzezeit.“

Außerdem läuft noch eine Ausgrabung im Denkendorfer Gewerbegebiet Lichtäcker. Dort finden sich Hinweise auf eine Siedlung der frühen Kelten um 500 vor Christus. Ebenfalls aus dieser Zeit stammt der Grabhügel, der im Gewerbegebiet im Westen  von Scharnhausen entdeckt wurde.

Die oben genannten Grabungen sind klassische Rettungsgrabungen. Im Gegensatz zu Forschungsgrabungen, bei denen in der Regel ausreichend Zeit für die Freilegung und Dokumentation der Befunde zur Verfügung steht, müssen Rettungsgrabungen zum Teil unter erheblichem Zeitdruck stattfinden.

Sie finden  im Vorfeld von Baumaßnahmen statt, wenn die Fundstelle nicht erhalten werden kann.  Meist ist schon bekannt, dass sich im Boden Artefakte befinden. Notgrabungen hingegen laufen in Gebieten, in denen im Vorfeld keine archäologischen Denkmale bekannt waren.

Die Forschungsgrabung widmet sich ausgedehnten Projekten, für die in aller Regel ausreichend Zeit für die Freilegung und Dokumentation der Befunde zur Verfügung steht. Als ein gutes Beispiel für eine aktuelle Forschungsgrabung nennt Bofinger das Steinzeitprojekt Rosenstein bei  Heubach im Ostalbkreis, wo die mächtigen Ruinen vorgeschichtlicher Abschnittsbefestigungen und Ringwälle freigelegt werden. Zu dieser Kategorie gehören auch die bekannten  Grabungen an der Heuneburg.

Nicht immer wird automatisch eine Grabung angesetzt, wenn in einer Gemeinde ein Baugebiet geplant wird. In Esslingen oder auf den Fildern sei das allerdings fast immer der Fall, so Bofinger.

Gezielte Voruntersuchungen dienen dazu, Arbeiten effektiv anzusetzen. Bofinger schildert geophysikalische Maßnahmen wie die Messungen des Magnetfelds, die Light Detection Analyse, die per Laser Reliefunterschiede auch in Waldgebieten ausmachen kann, sowie die Luftbildarchäologie.  Dennoch bleibe vieles im Boden und für immer unentdeckt. Laut einer Schätzung  kommen auf eine bekannte Fundstelle zehn unbekannte.

„Unser Raum ist besonders reich an geschichtlich relevanten Funden“, sagt Bofinger. Zeige das doch, dass der Raum um den Neckar auch in der frühen Menschheitsgeschichte eine Boomgegend war. Die Faktoren dafür seien fast die gleichen wie heute. „Gute Verkehrswege wie der Fluss Neckar,  fruchtbarer Boden und gutes Wasser“, zählt Bofinger auf. Für ihn ist der Ort des „sensationellen“ Grabfunds einer Keltenfürstin am Hegelesberg in Kirchheim  aus dem Jahr 2015 völlig nachvollziehbar. Von dort komme man einfach und schnell auf die Alb – eine  Route, die auch die A8 nutzt.

Apropos alte und neue Wegtrassen: Das Landesdenkmalamt begleitet auch die Bauarbeiten der Bahnsttrecke Stuttgart-Ulm.  Auch wenn nicht immer etwas gänzlich Neues zutage gefördert wird, so diene die   Archäologie dem Gesamtbild. Bofinger: „Je mehr Mosaiksteinchen wir kennen, desto besser wird das Bild.“

Seit Ende 2016 arbeitet das Landesdenkmalamt mit Grabungsfirmen zusammen. „Wir können damit mehr und effektiver graben“, erklärt Bofinger. 50 bis 60 Personen beschäftigt das Amt selbst und hat früher gegebenfalls Honorararchäologen beschäftigt. Laut Bofinger sind auch immer viele Ehrenamtliche an den Untersuchungen beteilgt.  bob / Foto: Denkmalamt

 

Info: Zur Ausgrabung bei den Lauterrassen  in Kirchheim ist für April eine Ausstellung der Fundstücke geplant. Im Juli   erscheint im Theiss-Verlag das Jahrbuch des Denkmalamts „Archäologische Ausgrabungen in Baden-Württemberg“.

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