Unerreichbare Bahnsteige

Aufzüge am Esslinger Bahnhof werden erneuert und  repariert – Gehbehinderte müssen umplanen

Bis Ende April laufen  die Arbeiten zur Reparatur und zum Austausch von Aufzügen am Esslinger Bahnhof. Wer nicht gut zu Fuß ist, erreicht die an den Gleisen 7 und 8 ein- und abfahrenden Züge und  S-Bahnen  derzeit nicht.

Der  Aufzug zum S-Bahnsteig 7/8 ist teilweise  mit Holz verschalt, die Zugketten hängen regungslos im gläsernen Schacht. Der Lift wird derzeit ausgebaut und erneuert. Dabei  werden der vorhandene Aufzugsschacht, die Stromversorgung und anderes  an die neue Anlage und   Technik angepasst. Der jetzt für den Austausch anstehende Aufzug ist seit dem Jahr 2001 in Betrieb, die Lebensdauer ist je nach Anlage unterschiedlich. „In der Regel ist ein Austausch nach durchschnittlich 15 Jahren vorgesehen, je nach Zustand und Ausfallhäufigkeit der Anlage“, erklärt eine Sprecherin der Bahn. Der neue Lift wird eine  Tragfähigkeit von 630 Kilogramm haben, was acht Personen entspricht, und er fährt mit einer  Geschwindigkeit von einem Meter pro Sekunde.

Rund 300  000 Euro investiert die Bahn in die Erneuerung der  Technik in Esslingen. Der Aufzug war schon länger störanfällig und immer wieder ausgefallen. Er wird erst jetzt ausgetauscht, weil man nicht in der Zeit der Esslinger Großveranstaltungen  wie Zwiebelfest und Weihnachtsmarkt arbeiten wollte,  erklärt  die Bahnsprecherin.

Auch der Aufzug an den Gleisen  2 und 3 am Bahnhofsvorplatz  ist betroffen. Er wurde   im Jahr 2012 in Betrieb genommen und befindet sich   laut  Bahn  in einem guten Zustand. Nagetiere haben jedoch die   Verkabelung der Steuerung angefressen und  beschädigt. Jetzt wird ein neuer Schaltschrank samt Steuerung verbaut. Das Teil  sei bereits im September  bestellt worden, die Herstellerfirma habe jedoch eine sehr lange Lieferzeit, erklärt die Bahn die Verzögerung.  Zwischenzeitlich wurde die Steuerung so weit instandgesetzt, dass der Betrieb wieder möglich ist.

Zusätzliche Beschilderung

Für die Zeit der Reparaturen können Reisende  der S-Bahn-Linie 1, die nicht oder schlecht gehen können, den Bahnhof Esslingen barrierefrei nur mit einem Umsteigen  auf die Linienbusse an den Bahnhöfen Obertürkheim (Linie 101) und Zell (Linie 102 und 103) erreichen. Mobilitätseingeschränkte Reisende der RE-Linie 100 Richtung Stuttgart und Plochingen können alternativ die Regionalzüge an den anderen Bahnsteigen nutzen.

Die anderen Bahnsteige und der übrige Zugverkehr sind nicht betroffen und stehen barrierefrei zur Verfügung. Zusätzliches Servicepersonal steht zur Information der Reisenden am Bahnhof Esslingen  bereit. In Obertürkheim und Zell weisen des Weiteren  Beschilderungen auf die Busse hin.

Taxi-Shuttle möglich

Einen kostenlosen Taxi-Shuttle für gehbehinderte Fahrgäste hat die Bahn bei vorheriger Anmeldung zugesagt. „Er kann dann eingesetzt werden, wenn die anderen Alternativen wie Ausweichbahnhöfe und Busverbindungen nicht greifen“, erklärt die Sprecherin der Bahn. Wer Sicherheit in seiner Reisekette herstellen möchte, sollte sich frühzeitig über die DB-Mobilitätsservice-Zentrale informieren.

Trotz der Störungen sieht sich die Bahn technisch gut aufgestellt:  „Grundsätzlich werden Aufzüge bei der DB regelmäßig durch unseren Dienstleister gewartet“, erklärt die Bahnsprecherin.  „Sofern bei einem Anlagentyp gehäuft Probleme festgestellt werden, werden in Zusammenarbeit mit dem Hersteller und unserem Wartungsdienstleister auch die Wartungsintervalle angepasst und verbessert“, heißt es. So sollen  Störungen  automatisch gemeldet und der Schaden innerhalb von zwei  Stunden in einem Ballungsraum wie Esslingen oder in vier  Stunden außerhalb behoben werden.  bob / Foto: bob

Info: Reisende können sich über die App „Bahnhof live“ oder   akustisch und visuell  über die App „DB Barrierefrei“ über die Funktionsfähigkeit von Aufzügen informieren. Mehr unter www.vvs.de oder über die DB-Mobilitätsservice-Zentrale, Telefon 01 80/6 512 512.


„Ein Kraftakt“

Ruiter Medius-Klinik  wird bei laufendem Betrieb umgebaut und erweitert– Interimsbau mit 128 Betten

Vor Kurzem  haben die umfangreichen Sanierungs- und Neubauarbeiten der  Medius-Kliniken am Standort Ruit begonnen.  Als nächster großer Schritt  wird ein Interimsbau auf das Dach der Tiefgarage gesetzt. Er soll Betten, Operationssäle und medizinische Abteilungen  aufnehmen, damit der Betrieb während der Bauarbeiten weiterlaufen kann. 

Für rund 112 Millionen Euro  wird die Klinik in Ruit saniert und teilweise neu gebaut. Das gesamte Programm, aufgeteilt  in zwei Bauabschnitte,  soll sich bis Ende 2025 hinziehen. Den Auftakt für den Interimsbau bildete im Herbst 2018 ein „Kranhub“. „Inzwischen sind die vorbereitenden Maßnahmen wie die Verlegung von Parkplätzen größtenteils abgeschlossen. Wegen vorhandenen Leitungen, die nicht überbaut werden dürfen, läuft derzeit eine kleine Umplanung, die eine weitere Baugenehmigung nach sich zieht“, erklärt Jan Schnack, der stellvertretende Leiter der Abteilung Kommunikation der Medius-Kliniken. Innerhalb von sechs Monaten soll der Interimsbau dann bezugsfertig sein. Schnack schätzt, dass die ersten Patienten dort im Spätsommer einziehen. 

Der Interimsbau beherbergt 128 Zimmer – das ist genau die Anzahl an Betten, die im Zuge der Arbeiten wegfallen. Der Modulbau mit 40 vorgefertigten Elementen ruht auf einem Stahlgerüst über dem Dach der Tiefgarage der Klinik.  Zuleitungen für Wasser, Strom, medizinische Gase und andere Medien werden vorab montiert und dann vor Ort verbunden.

 Neben dem Neubau von Patientenzimmern sollen durch die Sanierung und den Umbau der Funktionsbereiche vor allem auch die Abläufe patientenfreundlicher werden. Derzeit ist beispielsweise die Radiologie auf drei Ebenen unterteilt, die Operationssäle sind in zwei unterschiedlichen Bereichen untergebracht.

Eigener Eingang

 Der Interimsbau ist über Verbindungsflure mit dem bestehenden Erweiterungsbau verknüpft und verfügt über einen eigenen Aufzug. Er hat zudem im Erdgeschoss einen eigenen Eingang. Je Zimmer gibt es eine Nasszelle, für jedes Bett ein Entertainmentsystem. „Die Patienten werden im Interimsbau einen erhöhten räumlichen Komfort genießen“, versichert Jan Schnack.

Der Interimsbau macht es letztlich möglich, den Klinikbetrieb  während der Bauarbeiten  in vollem Umfang weiterlaufen zu lassen. Der neue Bettentrakt  entsteht dann auf der Fläche vor dem   bereits 2011 errichteten Gebäudeteil. Im daran anschließenden zweiten Bauabschnitt wird mit dem zweiten alten Bettentrakt ebenso verfahren.

Schnack geht davon aus, dass die Errichtung des Interimsbaus zu keinen größeren Einschränkungen für Patienten, Personal und Besucher führen wird.  Für 2025 ist das Ende der Arbeiten geplant. Dann kann der Interimsbau wieder rückgebaut werden.

Thomas Kräh, der Geschäftsführer der Medius-Kliniken,  weiß, was auf die Klinik zukommt: „Das wird ein Kraftakt. Wir werden dafür sorgen, dass der Betrieb mit hoher Qualität weiterläuft und die Patienten möglichst wenig von den Baumaßnahmen tangiert werden, aber ganz ohne ‚Baumusik’ wird es nicht gehen.“

Zuschüsse vom Land

Die Modernisierung wird rund 112 Millionen Euro verschlingen.  Einen  Zuschuss vom Landkreis gibt es nicht, das Land gibt 51,4 Millionen Euro aus dem Landeskrankenhausbauprogramm zum ersten der beiden Bauabschnitte.

Die Medius-Kliniken haben in den vergangenen Jahren etliche Neuerungen  durchgezogen: In Ruit wurde bereits 2011  erweitert,  in Kirchheim im Jahr 2017  die Psychiatrie neu gebaut. Die Psychiatrie in Plochingen wurde 2014 geschlossen. In Nürtingen ist der im Jahr 2010 beendete Klinikneubau schon jetzt zu klein. Bauliche Erweiterungen sind laut Schnack in absehbarer Zeit notwendig.  bob / Foto: bob

Info: In den Medius-Kliniken werden jährlich 46 000 Patienten behandelt, es gibt 1040 Betten an drei Standorten, 23 Fachkliniken, 21 Zentren  und rund 130 Azubis.


Praxisnahe Wahlübung

Verwaltungsschüler und Landratsamt-Azubis schlüpfen bei einem Planspiel in neue Rollen

Europawahl und zugleich Kommunalwahl: Am 26. Mai sind die Baden-Württemberger zur doppelten Stimmabgabe aufgerufen. Bei den Wahlen zu den Gemeinderäten, zum Kreistag und zur Regionalversammlung dürfen schon 16-Jährige ihre Kreuzchen auf den Stimmzetteln machen. Spätestens Ende Mai sollte man also die Begriffe „kumulieren“ und „panaschieren“ schon einmal gehört haben. Beim umfangreichen Planspiel „Du hast die Wahl in Wahlingen“ der Landeszentrale für politische Bildung (LpB) haben vor Kurzem gut 100 Verwaltungsschüler und Azubis des Esslinger Landratsamts im Alter von 17 bis 21 Jahre Kommunalwahl gespielt und ihr politisches Wissen durch praktische Übungen erweitert.

Einen Tag lang schlüpfen die Auszubildenden in ganz unterschiedliche Rollen, darunter Parteikandidaten, Journalisten und Mitglieder von Bürgerinitiativen. „Etwa ein Viertel der Teilnehmer sind Erstwähler“, erklärt Anja Off, die kommissarische Leiterin der Verwaltungsschule Esslingen. Sechs kommunale Listen und zwei Bürgerinitiativen gibt es für die Kommunalwahl im fiktiven, gut 8000-Einwohner zählenden Ort Wahlingen. 18 Sitze sind im Wahlinger Gemeinderat zu besetzen. Die Parteien und ihre Kandidaten orientieren sich im Wahlkampf inhaltlich dabei an den realen Parteien. Die CDU wird so beispielsweise zur CVP, die AfD zur PfD.

Zur Debatte stehen fünf Themen: die Seebad-Erweiterung inklusive des neuen Sportplatzes im Naturschutzgebiet, freies WLAN, der Umbau des Jugendzentrums zum Integrationszentrum, die Videoüberwachung sowie Nachtbusse. Pro Partei werden ein Spitzenkandidat aufgestellt, ein Wahlprogramm erarbeitet, Wahlplakate und Schaubilder für den „Bürgerinfotag“ vorbereitet. Die Spitzenkandidaten werden für die  große Podiumsdiskussion fit gemacht, um im Anschluss bei der sehr realitätsnah durchgeführten Wahl möglichst viele Stimmen zu sammeln. Es gibt originalgetreue Stimmzettel, auf denen schließlich fleißig kumuliert und panaschiert werden kann, um die insgesamt 18 Stimmen für den Wahlinger Gemeinderat individuell zu verteilen.

Teils extreme Meinungen

„Allein durch ihre Ausbildung sind die Teilnehmer schon ziemlich gut informiert. Wichtiger als Theorie ist daher die praktische Simulation, dass sie sich in ganz neue Rollen reinversetzen und dort dann teils auch extreme Meinungen vertreten müssen, die mit ihren persönlichen ansonsten gar nichts zu tun haben“, erklärt Thomas Franke, bei der LpB Fachreferent Politische Tage und zudem in der Stabsstelle für die Erstwählerkampagne zur Kommunalwahl.

Nach einer Zusammenfassung der wichtigsten Positionen durch die drei Radio-Journalisten Ute Bauer (die im realen Leben Roksana Wrobel heißt), Frank Zähringer (Georg Stumpp) und Markus Hauser (Judith Rupp) geht Thomas Franke mit den Teilnehmern vor der eigentlichen Wahl nochmals die Abläufe und die wichtigsten Grundsätze der Verfassung durch: Was bedeutet denn „Freie Wahl“ (der Wähler kann seine Stimme selbst und unbeeinflusst abgeben), wie definieren sich in diesem Zusammenhang Begriffe wie „Gleich“ (jede Stimme zählt gleich viel) oder „Unmittelbar“ (ohne Wahlmänner wie zum Beispiel in den USA)“. Die Antworten kommen schnell, die Theorie sitzt. Jetzt muss nur noch der Stimmzettel so ausgefüllt werden, dass er gültig ist. Schließlich wandert dieser in die bereitstehende Wahlurne, um anschließend ausgezählt zu werden.

Lara Walter darf bei den anstehenden Kommunalwahlen zum ersten Mal wählen: „Dass wir das heute einmal so realitätsnah durchspielen und noch mal Begriffe wie kumulieren und panaschieren wiederholen und lernen, wie das funktioniert, gibt einem bei der realen Wahl dann schon Sicherheit“, findet die 17-Jährige. Marisa Waschiczek ist an diesem Tag in die Rolle einer fiktiven PfD-Gemeinderatskandidatin geschlüpft und vertritt dabei an die AfD angelehnte Inhalte. Eine Herausforderung, wie die 18-Jährige beschreibt: „Da musste ich Positionen vertreten, die so gar nicht meiner eigenen Meinung entsprechen. Das waren zum Beispiel so Punkte wie ‚Ausländer müssen besser mit Kameras überwacht werden’. Das ist gar nicht so einfach, sich da hineinzuversetzen.“ Auch Waschiczek wählt in diesem Jahr erstmals.

Repräsentatives Ergebnis

In die Rolle des CVP-Spitzenkandidaten Bernhard Zimmermann (angelehnt an die CDU) schlüpfte Franziska Unger (17): „Er ist zum Beispiel für die Erweiterung des Seebads, gerade im Hinblick auf die Tourismusförderung, und gegen das Integrationszentrum, da sich da die Jugendlichen benachteiligt fühlen“, beschreibt die Erstwählerin ihre Rolle. Mit derart  realen Themen habe man sich schnell wie in einer richtigen Gemeinde gefühlt. „Ich finde es wichtig, zur Wahl zu gehen, und gut, dass man mitentscheiden kann“, sagt Unger.

Das Wahlergebnis im fiktiven Ort Wahlingen sei sehr repräsentativ, resümiert LpB-Mitarbeiter Thomas Stein nach der Auszählung: „Die Pendants von CDU und Grünen sind stärkste Kräfte, jene von SPD und den Liberalen dagegen schwach. Die Linken- und AfD-Pendants haben den Einzug in den Gemeinderat geschafft.“ Außerdem habe es auch ein paar ungültige Stimmzettel gegeben, weil sich der ein oder andere doch verrechnet hat: „Im Hinblick auf die reale Wahl war das also eine gute und wichtige Übung“, so Stein.  eis / Foto: eis

Info: Das Planspiel kann bei der Landeszentrale für politische Bildung für alle Schularten abgerufen werden.


Abgestimmt

Tabakkonzerne werben hierzulande so frei wie nirgendwo in der EU.  Das Gesundheitsministerium plant, dies  einzuschränken. Ist das gut so?

Foto: dpa

Gegen Tabakwerbung?

Ergebnis

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Bürger sollen entscheiden

Am 10. Februar stimmen die Esslinger über den künftigen Standort der Bücherei ab

Der 10. Februar ist ein besonderes Datum in der Stadtgeschichte von Esslingen: An diesem Sonntag soll ein  Bürgerentscheid Klarheit über den künftigen Standort der Stadtbücherei bringen. Zur Auswahl stehen der bisherige Standort in der Heugasse, der dort ausgebaut und modernisiert werden soll. Die Alternative ist ein Neubau in der Küferstraße auf dem Areal hinter der Musikschule. Es ist der erste Bürgerentscheid in der neueren Geschichte Esslingens.  

Für diese Alternative, Neubau zwischen Kupfergasse und Küferstraße, hat sich der Gemeinderat im vergangenen Jahr mehrheitlich entschieden.  Die Unterstützer  des alten Standorts im Bebenhäuser Pfleghof zwischen Heugasse und Webergasse wollen sich damit nicht abfinden. Bis zum September, drei Monate nach dem Gemeinderatsbeschluss, hatten 11 187 stimmberechtigte Esslinger ein Bürgerbegehren für eine Modernisierung und Erweiterung am aktuellen Standort in der Heugasse unterschrieben.

 Nun wird am Sonntag, 10. Februar, die Frage gestellt: „Sind Sie dafür, dass die Esslinger Stadtbücherei am aktuellen Standort  in der Heugasse modernisiert und erweitert wird und der Grundsatzbeschluss des Gemeinderats  für einen Neubau der Stadtbücherei  am Standort Küferstraße/Kupfergasse aufgehoben wird?“    Bürger kreuzen auf dem Stimmzettel Ja oder Nein an. Entspricht die Mehrheit der Stimmen für Ja oder Nein mindestens 20 Prozent der Stimmberechtigten, ist der Bürgerentscheid im jeweiligen Sinn entschieden. Falls nicht, entscheidet der Gemeinderat erneut. Bei Stimmgleichheit gilt die Frage als mit Nein beantwortet.

Wählen dürfen alle stimmberechtigten Esslinger Bürger. Die Abstimmung wird nach den gleichen gesetzlichen Bedingungen durchgeführt wie eine Bürgermeisterwahl. Auch eine Briefwahl ist möglich. In einer Broschüre, die den Esslingern seit Mitte Januar vorliegt, sind die   Positionen für die beiden Standorte   nochmals erläutert.

Die Argumente

Die Befürworter des Neubaus an der Küferstraße begründen ihre Wahl mit einem überschaubaren Projekt, was  Planung,  Zeitschiene und auch  Kosten betreffe.  Ein  Neubau biete rund 250 bis 500 Quadratmeter Fläche mehr. Anpassungen seien einfacher zu realisieren, da kein Denkmalschutz zu berücksichtigen sei. Es könne überdies barrierefrei gebaut werden, auch müsse keine Interimsunterbringung für die Bücherei gefunden werden. Eine Sanierung des alten Standorts berge  zeitliche und finanzielle Unsicherheiten aufgrund des Baudenkmals und des Untergrunds. Ein neuer Standort könne überdies die kulturellen Einrichtungen in der Altstadt ergänzen und für eine Belebung in der Oststadt sorgen.

Die Befürworter des bisherigen Standorts führen an, dass am aktuellen Standort Tradition und Moderne optimal zu verbinden seien. Das historische Gebäude denkmalgerecht saniert und mit neuen Gebäudeteilen versehen,  schaffe eine reizvolle und unverwechselbare Architektur  mit einem einzigartigen Flair. Das Nachbargebäude, das die  Stadt bereits gekauft hat, könne als Erweiterungsgebäude dienen. Auch barrierefreie Zugänge seien möglich. In dieser Argumentation wird aber auch die Sorge um die Zukunft des Bebenhäuser Pfleghofs geäußert, sollte dort nicht erweitert werden. Zur Nachnutzung stünden keine Mittel bereit und es  sei fraglich, was dann aus dem Gebäude werde.

Für beide Standorte, bei dem einen die Sanierung und Erweiterung, beim anderen der Neubau, wird ein Kostenrahmen von  rund 24  Millionen Euro veranschlagt.  bob / Foto: bul

Info: Bürgerentscheid, Sonntag, 10. Februar, Wahllokale in der Stadt, Briefwahl möglich, Fragen dazu beantwortet  das  Wahlamt unter Telefon 07 11/35 12-21 88.    


Rüsten für den Ernstfall

Landkreis trifft Vorsorge gegen Afrikanische Schweinepest – Flächendeckend Verwahrstellen für Kadaver geplant

Der Landkreis Esslingen wappnet sich  gegen die Afrikanische Schweinepest. „Es geht hier nicht um  Panikmache oder blinden Aktionismus. Es sind Vorsichtsmaßnahmen. Eine akute Gefährdungslage besteht hier in der Region derzeit nicht“, betont Landrat Heinz Eininger. Und doch wird Vorsorge getroffen, weil „die Afrikanische Schweinepest auf das Hausschwein übertragen werden kann, und das wiederum hätte verheerende Folgen für die Landwirtschaft“. Dies hänge mit einem dann drohenden  Exportstopp für entsprechende Lebensmittel zusammen. Sollte also ein Wildschwein tot aufgefunden werden, das weder erlegt wurde, noch durch einen Unfall ums Leben kam, gilt höchste Vorsicht.

Das Virus ist laut Christian Marquardt, Leiter des Kreisveterinäramts, sehr resistent: „Wenn es sich erst mal festgesetzt hat, wird es ein Teil der Umgebung. Man spricht dann von einer Habitatseuche. Teils bleibt diese über Jahre bestehen.“ Für die Wildschweinkadaver und deren Innereien werden nun  spezielle Verwahrstellen eingerichtet. Dort werden die Kadaver in Edelstahlbehältern gekühlt gelagert, die täglich geleert werden. Eine solche Verwahrstelle hat Eininger vor wenigen Tagen bei der Straßenmeisterei Kirchheim an die Kreisjägerschaft übergeben. Weitere gibt es bereits in Nabern und in Nürtingen, im Frühjahr folgen zwei weitere in Aichwald und Beuren.

Möglichst flächendeckend vom Schurwald bis zum Albtrauf sollen diese im Landkreis Esslingen vorhanden sein. Von den Verwahrstellen aus werden die Kadaver über eine Sammelstelle in Süßen in die Tierkörperbeseitigungsanstalt in Warthausen bei Biberach gebracht. Bevor der Kadaver in den Verwahrstellen abgeholt wird, wird eine entnommene  Blutprobe im Labor noch auf das Virus untersucht. Bis dato waren alle genommenen Proben im Kreis Esslingen negativ.

Vor allem in Osteuropa

Derzeit tritt die Afrikanische Schweinepest vor allem in Osteuropa auf. Sie kann von Tier zu Tier übertragen werden. Für den Menschen sei das Virus ungefährlich, erläutert Marquardt. Der Mensch ist es jedoch, der das Virus auch in hiesige Gefilde einschleppen könnte, da es in Lebensmitteln enthalten sein kann. „Werden also infizierte Essensreste weggeworfen und ein Tier frisst sie, kann es sich anstecken.“ So könne das Virus auf dem Straßenweg eingeschleppt werden, sagt Eininger.

Neben der Einrichtung der Verwahrstellen zählt die Reduzierung des Schwarzwildbestands im Kreisgebiet zu den zentralen Punkten des Maßnahmenpakets gegen die Schweinepest. Eine entscheidende Rolle kommt dabei den Jägern zuteil. Im vergangenen Jagdjahr von April 2017 bis März 2018 wurden landesweit 78 000 Wildschweine erlegt, im Vergleich zum Vorjahr eine Steigerung um gut 70 Prozent. Weitere Neuerungen: Jäger dürfen Wildschweine nun ganzjährig jagen und Nachtsichtgeräte benutzen, Anträge auf Straßensperrungen für die Treibjagd werden zügig bearbeitet, zudem bekommen die Jäger die Gebühr erlassen. In einem ausgeprägten Monitoringverfahren entnehmen sie verstärkt Proben, um einen Seuchenausbruch so früh wie möglich zu erkennen.

Verschiedene Akteure arbeiten Hand in Hand. Dazu zählen neben dem Kreisveterinäramt und der Kreisjägerschaft das Rechts- und Ordnungsamt mit der unteren Jagdbehörde, das Landwirtschafts- sowie das Straßenverkehrsamt. Das Veterinäramt ist im Ernstfall über die gemeinsame Leitstelle rund um die Uhr erreichbar. Erstmals gibt es mit Achim Moser zudem einen Veterinärhygienekontrolleur, der vor allem Aufgaben bei der Seuchenprävention übernimmt. Zur sicheren Bergung der Tiere, die regelmäßig trainiert wird, wurde zudem ein geländegängiges, ausreichend großes Transportfahrzeug angeschafft. Die Maßnahmen sind zunächst auf drei Jahre angelegt.

Dass die Prävention Wirkung zeigt, ist schon jetzt deutlich: Bei Drückjagden wurden weniger Wildschweine erlegt, die Population ist bereits zurückgegangen.   eis / Foto: dpa


Abgestimmt

Die SPD hat ein Grundrenten-Konzept für Geringverdiener vorgelegt: Nach 35 Renten-Beitragsjahren soll es ohne „Bedürftigkeitsprüfung“ eine Aufstockung um bis zu 447 Euro im Monat geben. Ein gutes Konzept?

Foto: dpa

Ein gutes Konzept?

Ergebnis

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„Hochschule muss auch sexy sein“

Hochschule Esslingen: Christof Wolfmaier zum Rektor gewählt – Mann aus den eigenen Reihen

In der vergangenen Woche  haben der Hochschulrat und der Senat der Hochschule Esslingen (HSE) Christof Wolfmaier zum neuen Rektor gewählt. Der Nachfolger von Christian Maercker ist Dekan der Fakultät Fahrzeugtechnik und  tritt sein Amt  am 1. September an. Im Fokus seiner sechs Jahre dauernden Amtszeit  soll die Expertise der Hochschule in technischen und gesellschaftlichen Fragen stehen.

Seit 1991 lehrt Wolfmaier Fahrzeugtechnik an der HSE, seit 1994 hat er eine Professur  für Fahrzeugtechnik, seit 2004 ist er Dekan der Fakultät.

„Die Stärke der Hochschule liegt in ihrer Vielfalt“, sagt Wolfmaier. Diese fachliche Kompetenz in den drei Bereichen Technik, Wirtschaft und Soziales will er in den Vordergrund stellen.

Expertise gefragt

Sein  Ziel sei  es, die Hochschule als kompetente Ansprechpartnerin der Region zu verankern. „Wir haben viele exzellente Expertinnen und  Experten, die Lösungen für technische und gesellschaftliche Fragen anbieten können“, sagt er und fügt hinzu: „Unsere Aufgabe ist es, aus jungen Menschen  Kosmopoliten zu machen.“  

Für Wolfmaier ist die Lehre nach wie vor das Kerngeschäft und damit auch das Markenzeichen der Hochschule. Lehrinhalte müssten unter die Lupe genommen werden, neue frische Inhalte angeboten werden. Wolfmaier will die Arbeitsbedingungen für die Lehrenden und die Infrastruktur verbessern. Dazu gehörten auch große,  modern ausgestattete Hörsäle  für digitale multimediale Vorlesungen. „Eine Hochschule muss immer auch sexy sein“, fasst  Wolfmaier zusammen.  Die Fusion der Hochschule für Ingenieurwesen mit der Hochschule für Erziehungswissenschaften  im Jahr 2006 hat Wolfmaier hautnah miterlebt. Er nimmt  Narben und Wunden wahr, die die Zusammenlegung hervorgerufen hat und die es zu heilen gelte. „Technik und Soziales werden sich  weiter durchdringen“, ist Wolfmaier sicher  und verweist auf Themen wie die Robotik, die die Gesellschaft  beschäftigten.

Der neue Rektor setzt auf teamorientierte Führung. Kommunikation soll eine wichtige Säule sein. Er setze auf eine vertrauensvolle und offene Beziehung zu den Dekanen und Dekaninnen, wobei er Auseinandersetzungen nicht scheut: „Die Kraft des Disputs enthält Kreativität“, findet er. Auch die Stärkung des wenig anerkannten Standorts Göppingen steht auf seiner Agenda. Insgesamt will er die Hochschule in der Stadt Esslingen präsenter und auch im Wortsinn offener machen: „Man soll über den Campus laufen können.“  Marketing sei notwendig, um wichtige aber wenig nachgefragte Studiengänge attraktiver zu machen. So regt er an,  den Studiengang Gebäude- und Umwelttechnik  künftig „Smart Home“ zu nennen.

 Zweiter Bildungsweg

Mit dem 57-jährigen Wolfmaier steht  ein Mensch des zweiten Bildungswegs an der Spitze der HSE. Der Schorndorfer wurde Karosseriebauer,  gründete sein eigenes Unternehmen, bevor  er das Abitur nachholte und Fahrzeugtechnik studierte. Bei Porsche leitete er die  Entwicklungsabteilung und wurde  1994 Dozent an der Hochschule in Esslingen. Seit 2004 leitet er dort den Studiengang Fahrzeugtechnik.

Wolfmaier setzte sich gegen  zwei externe und einen internen Kandidaten durch. Sein Vorgänger, der Biologe Christian Maercker,  hat nicht mehr kandidiert. Seine  Sparmaßnahmen haben die Unterstützung  für seine Person bröckeln lassen.  Heidi Stock, die Vorsitzende des Hochschulrats, sagt: „Mit Professor Wolfmaier haben wir einen sehr gut qualifizierten und persönlich hervorragend geeigneten Rektor gewählt.“ bob  / Foto: bob


„Zom Lacha ond zom Heula schee“

Von Klassik über Folk-Rock bis zu Kindertheater: Die Köngener Kulturtage bieten ein breites Spektrum

Die Kulturtage sind in Köngen so sicher wie das neue Jahr. Schon zum 32. Mal wird bei vier Veranstaltungen zwischen dem 1. und dem 21. Februar ein feines, hochwertiges Programm serviert: die Uraufführung einer Rhapsodie ist ebenso dabei wie ein poetisch-musikalischer Abend, schwäbischer Folk-Rock und ein Kindertheaterstück.

Erstmals stellen Dagmar Schneider und Iris Hermann von der Gemeindeverwaltung die Kulturtage auf die Beine. Das Konzept bleibe aber erhalten, sagt Schneider: „Wir überlegen, was die Köngener gern mögen, was hier ankommt.“ Eine regionale Verankerung der Künstlerinnen und Künstler ist erwünscht. Beim Format Podium junger Künstler ist der Bezug sogar ein lokaler: Es liegt in den Händen von Jörg Dobmaier, der die Musikschule Köngen-Wendlingen leitet und im Rahmen des Podiums immer wieder herausragende Talente präsentiert. Dieses Jahr ist es ein Köngener: Felix Glang hat als Schüler der örtlichen Musikschule bei fast allen großen Veranstaltungen des vergangenen Jahrzehnts mitgewirkt, mal als Musical-Darsteller, mal als Orchestermitglied, Sänger oder Begleiter am Klavier. Darüber hinaus ist er Komponist. Ihm und seinen Werken ist das Porträtkonzert am 2. Februar gewidmet.  Glang spielt an diesem Abend zusammen mit Solisten und dem Kammerorchester der Musikschule seine eigenen Stücke, von Klavier- und Instrumentalwerken bis hin zu einer Rhapsodie, die in der Zehntscheuer ihre Uraufführung erleben wird.

Die Auftaktveranstaltung zu den Kulturtagen bildet schon einen Abend vorher, am 1. Februar, das Duo „2 Flügel“ mit seinem Programm „Kopfkino – Lichtspiele für die Seele“. Es ist kein Konzert, keine Lesung, aber beides gleichzeitig und vielleicht auch noch mehr: eine Art Collage aus Filmmusik, kleinen Szenen, Lieblingsliedern und Geschichten. „2 Flügel“ bestehen aus Christina Brudereck und Ben Seipel. Sie liebt es, Geschichten zu erzählen, er liebt Musik und seinen Flügel. Sie ist Theologin und Schriftstellerin, er ist Pianist und Dozent an der Hochschule für Musik Köln. Beide sind ein Paar, weiß Dagmar Schneider, die „Kopfkino“ im vergangenen Jahr gesehen hat. „Das spürt man, das ist eine ganz tolle Atmosphäre“, sagt sie.

Köngens Bürgermeister Otto Ruppaner hat ebenfalls mit einem Wunsch zum Programm beigetragen: Er hatte die Band „Wendrsonn“ mit ihrem „Schwoba Folk Rock“ gesehen und offensichtlich so erlebt, wie die kreativen Schwaben sich selbst beschreiben: „Zom Lacha ond zom Heula schee.“ Die Dialektrockband hat ihre Wurzeln in der Region, war mehrere Male bei der SWR-1-Hitparade dabei und im Vorprogramm ganz großer Namen wie Jethro Tull, Manfred Mann’s Earthband oder Rodger Hodgson (Supertramp). Die sechsköpfige Band lässt mit ihrem „Soundtrack zum neuen schwäbischen Selbstverständnis“ am 16. Februar die Sonne im Winter scheinen.

Zum Abschluss der Kulturtage ist am 21. Februar das Theater Q-rage aus Ludwigsburg mit dem Impro-Märchen „Traumreise“, geeignet für Menschen ab einem Alter von vier Jahren, zu Gast. Die Geschichte: Maja besucht gerne ihren Opa; beide treffen sich an einem magischen Ort, an dem die Zeit wie im Flug vergeht. Beide lieben es, gemeinsam Geschichten zu erzählen, und Maja kann es kaum erwarten, bis sie mit ihrem Opa ins Land der Träume eintauchen kann – mitsamt dem Publikum. Die Kinder sind bei dieser faszinierenden Reise zum Mitmachen und Mitbestimmen eingeladen. 

Dass für jeden etwas dabei ist, war den Programmmacherinnen wichtig. Und weil die Gemeinde Köngen anders als ein kommerzieller Veranstalter nicht auf Gewinn, sondern lediglich auf eine „schwarze Null“ abhebt, „können wir das für die Bürger zu angenehmen Preisen anbieten“, sagt Dagmar Schneider. Sie hatte mit ihrer Kollegin viel Spaß am Zusammenstellen. Selbst als Chorsängerin und Mitwirkende an Musicals und Theaterstücken aktiv, gefiel es ihr gut, die Rolle zu wechseln und das Organisatorische in den Fokus zu nehmen. Iris Hermann ist ebenfalls kulturbegeistert und hat für die Familienbildungsarbeit schon manche Veranstaltung auf die Beine gestellt.  aia / Foto: SBEntertainment

Info: Der Kartenvorverkauf im Rathaus, in der Bücherei Köngen und anderen Vorverkaufsstellen läuft seit einiger Zeit, Restkarten sind jeweils an der Abendkasse zu haben. 


Abgestimmt

Die Polizei nennt zu hohe Geschwindigkeit den Killer Nummer 1 auf den Straßen, ein Tempolimit lehnt die Bundesregierung aber kategorisch ab. Ist das richtig?

Foto: dpa

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