Knarre aus dem Haus

Straffrei: Bis zum 1. Juli können illegale Waffen abgegeben werden

Ein Revolver im Haus? Ein Butterflymesser oder ein Schlagring  in der Schublade? Illegale Waffen befinden sich oft durch Zufall im Haus – von Vorfahren übernommen oder geerbt oder man hat schlichtweg  vergessen, dass man sie besitzt.  Illegal sind sie trotzdem. Bis zum 1. Juli können solche Waffen bei den Kommunen abgegeben werden. Straffrei. Danach sind Bußgelder fällig.

Im Zuge der sogenannten Waffenamnestie besteht seit Juli vergangenen Jahres  bis zum 1. Juli  in diesem Jahr  die Möglichkeit, illegale Waffen abzugeben,  Gewehre, Pistolen, Revolver, Schlagringe, Butterfly-Messer und Munition legal zu entsorgen, ohne sich eine Anzeige einzuhandeln. Ausgenommen von Straffreiheit sind Kriegswaffen, deren Besitz einen erheblichen Straftatbestand darstellt.

Die Waffen werden beim Landratsamt in Esslingen  abgegeben, die Großen Kreisstädte  nehmen die Waffen vorort entgegen. In Kirchheim sind es bislang 17 Schusswaffen, bei der bislang  letzten Amnestie im Jahr 2009 waren es 13. Für den Leiter der Waffenbehörde in Kirchheim, Christoph Lazecky, ist das der normale Wert, der zu erwarten war.  So waren auch zwei  legale Luftgewehre darunter. Viele Waffen stammen aus vorangegangenen Generationen und aus  Zeiten, in denen der Besitz einer Waffe nicht genehmigungspflichtig war. „Bis in die 70er-Jahre waren die Waffengesetze sehr lasch, Schusswaffen konnte man leicht  im  Katalog bestellen“, sagt Lazecky. Neue Gesetze verschärften  die Bestimmungen und mancher Waffenbesitz wurde strafbar, wenn kein Berechtigungsschein vorliegt. Zu den Gegenständen, die nur dazu dienen, jemanden zu verletzten, gehören auch bestimmte Messer oder Schlagringe.

Meist sind es  ältere Menschen, die   Waffen aus dem Haus haben wollten. Das Fazit zieht  Christian Baron, der Leiter des Dezernats Gesundheit, Ordnung und Verkehr im Landratsamt Esslingen. „Viele nutzen die Gelegenheit, ihr Haus waffenfrei zu machen“, sagt Baron. So seien unter den bislang 150 abgegebenen Waffen etwa 50 legal. Zwei  Drittel der illegalen Waffen waren Langgewehre, ein Drittel Kurzwaffen, sprich Pistolen oder  Revolver.  „Die Zeit der Straffreiheit sollte jeder nutzen, illegale Waffen abzugeben“, rät Baron und fügt hinzu: „Illegaler Waffenbesitz ist kein Kavaliersdelikt.“

Streng genommen ist Freitag,  29. Juni, der letzte Stichtag.   „Wer noch etwas loswerden möchte, ruft uns am besten an, dann erklären wir auch, wie die Waffen in verschließbaren Behältnissen  transportiert werden sollen“, sagt Lazecky.

Sollte jemand nicht mobil sein, würde die Behörde die Waffen auch abholen. Auch die Polizei nimmt Material entgegen, muss laut Lazecky jedoch eine Anzeige  erstellen. Diese werde aufgrund der Amnestie zwar niedergeschlagen, aber zunächst habe man mit Formalitäten zu tun. bob / Foto: Landkreis Esslingen

 

Info: Waffenbehörde Kreis Esslingen, 1. Stock, Zimmer 104.  Bewohner der Großen Kreisstädte wenden sich an ihre Waffenbehörde vor Ort.


Wie Phönix aus der Asche

Festwoche zum Jubiläum: Uni Hohenheim feiert 200-jähriges Bestehen – Gründung als Reaktion auf Vulkanausbruch im Jahr 1815

  

Mehr als 200 Veranstaltungen  stehen in der Woche vom 2. bis 7. Juli auf dem Festprogramm: Die Uni Hohenheim feiert ihr 200-jähriges Bestehen. Das Institut mit den Schwerpunkten Agrar- und ökologische Wissenschaften  entstand als Folge eines schweren Vulkanausbruchs vor mehr als 200 Jahren.

Eine spektakuläre Lichtshow an der Schlossfassade, die 200 Jahre Geschichte in Bilder fasst,  bildet den Höhepunkt und Abschluss einer ganzen Festwoche an  der Universität Hohenheim in Stuttgart. Denn anlässlich des Jubiläums weitet die Universität die sonst jährlich stattfindenden zwei Tage der offenen Universität auf eine ganze Woche aus. „Das Fest soll ein Erlebnis für alle Sinne sein  und die Gelegenheit bieten, die Universität als das zu erleben, was sie auch 200 Jahre nach ihrer Gründung noch ist: gesellschaftsorientiert, regional verankert und international vernetzt“, sagt Rektor  Stephan Dabbert.  Mit mehr als 200 Programmpunkten sollen die Gäste die gesamte Bandbreite des universitären Lebens und Forschens erleben, so   die Forschungsschwerpunkte wie Ernährung und Gesundheit, Klima, Wasser und Ökosysteme, aber auch die Bioökonomie sowie die kulturellen Aspekte des Campuslebens.

Bildung und Forschung sollten der  Schlüssel zum Überleben sein. Vor 200 Jahren hungerten die Menschen in Württemberg. Es gab Missernten, Kälteeinbrüche mitten im Sommer und ständigen Regen. Es wuchs nichts heran, und dort, wo magere Früchte  aus der Erde kamen, verfaulten sie. Die Menschen litten bittere Not. Auslöser für dieses „Jahr ohne Sommer“ war der Ausbruch des Vulkans Tambora im fernen Indonesien im Jahr 1815. Die gewaltige Explosion schickte  1815 Tonnen von Asche und Staub mit der Sprengkraft von 170 000 Hiroshima-Bomben in die Atmosphäre. Die Staubpartikel verdunkelten den Himmel, da die Sonnenstrahlen abprallten – die erste bekannte Klimakatastrophe  war da. In Europa waren  vornehmlich  der Süden und der Westen,  in  Nordamerika der Nordosten betroffen.   Nur wusste damals noch niemand, woher diese dramatische  Klimaveränderung herrührte. Klar aber war, dass man handeln musste, um zu überleben. 

 Die Katastrophe war letztlich der Auslöser für die Gründung der Universität im Jahr 1818.  König Wilhelm von Württemberg und Königin Katharina  setzten  im Jahr 1818 die damalige „Unterrichts-, Versuchs- und Musteranstalt Hohenheim“ – die Vorläuferin der heutigen Universität, ein.

Die Gelehrten am Institut sollten neue, widerstandsfähigere Pflanzen  entwickeln, sie sollten erforschen, welche Lebensmittel besser  bei  schlechteren Wetterbedingungen  gedeihen als die üblichen. So entstand  die Universität Hohenheim  bildlich gesprochen aus der Asche des Vulkanausbruchs.

Johann Nepomuk Hubert Schwerz  war  der erste Direktor der Musteranstalt. Gemeinsam mit zwei weiteren Lehrern unterrichtete er zu Beginn gerade einmal 16 Schüler in Landwirtschaft, Mathematik, Physik, Chemie, Mineralogie und Botanik. Ebenfalls von Anfang an angegliedert war die Gutswirtschaft von Hohenheim und die Waisenanstalt, die spätere Ackerbauschule. Das Institut entwickelte sich rasant: Schnell erwarb sich Hohenheim einen Ruf im Entwickeln von neuartigen Ackergeräten.

Weitere Themenbereiche kamen mit Forstwissenschaft, Agrarchemie, Gartenbau, Naturwissenschaft, Physik und Mathematik hinzu,  später auch  die Volkswirtschaft. Auch der spätere Nobelpreisträger Wilhelm Conrad Röntgen lehrte von 1875 bis 1876 in Hohenheim. Ein weiterer Hohenheimer erlangte unrühmliche Bekanntheit:  Der ehemalige Student, Ferdinand Cohen-Blind, verübte 1866 ein Attentat auf den preußischen Ministerpräsidenten Otto von Bismarck.  

200 Jahre später steht der Gründungsauftrag, durch Forschung und Lehre Beiträge zur Lösung globaler Herausforderungen zu liefern, immer noch im Zentrum. Rund 10 000 junge Menschen studieren  an den drei Fakultäten Agrarwissenschaften, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften sowie Naturwissenschaften mit den Fächern Biologie, Ernährungswissenschaften und Lebensmittelwissenschaften. Die Uni gehört zu den eher kleineren Instituten. 

Die 180 Veranstaltungen widmen sich den zentralen Themen  Ernährung und Gesundheit, Klima, Wasser und Ökosysteme, soziale Ungleichheit oder auch Bioökonomie. Den Beginn der Festwoche markiert der Festakt des Dies academicus am 2. Juli im Otto-Rettenmaier-Audimax. Als Festredner steht der renommierte Klimaforscher  Mojib Latif vom Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozean-Forschung Kiel bereit. Eine Lange Tafel beschäftigt sich mit Fragen der Ethik in der Landwirtschaft, es gibt Live-Musik mit verschiedenen Bands sowie dem Uni-Chor,  Poetry Slam, Theater und die Übertragung des WM-Achtelfinales. Themen sind das Klima, Fake-News, Feminismus, Gefahren der Gentechnik, Nachhaltigkeit  und Mobilität. Die Themen werden in Vorträgen, Diskussionen, Ausstellungen, Führungen und Workshops bearbeitet.  Am Freitag, 6. Juli, ab 13 Uhr,  stellen die Studenten beim Internationalen Studierenden-Jahrmarkt  ihre Uni vor. Das Kinderfest steigt ab 14 Uhr, um 19 Uhr eröffnet Rektor Dabbert mit dem Fassanstich die Partynacht im Innenhof des Schlosses. Am Samstag, 7. Juli, lädt die Uni ein, das Institut  bei einem Tag der offenen Tür kennenzulernen. Der Tag mündet in eine Nacht der offenen Tür mit Open Air-Konzerten ab 18.30 Uhr und  Garten- und Gewächshausführungen ab  20.30 Uhr. Den Schlusspunkt  setzt die Lichtshow auf der Schlossfassade, die 200 Jahre Geschichte in Bild und Ton zusammenfasst.  bob  / Foto links: Archiv Uni Hohenheim, Foto rechts: Uni Hohenheim

 

Info:  Programm unter www.uni-hohenheim.de/jubilaeum2018 oder gedruckt bestellen unter hochschulmarketing@uni-hohenheim.de.


Elite am Start

Landesfinale „Jugend trainiert für Olympia“ und Mountainbike-Event in Reudern

Am Freitag und Samstag, 29. und 30. Juni, drehen sich in Reudern die Räder auf hohem Niveau. Am Freitag richtet die Radsportabteilung des SV Reudern das Landesfinale des Wettbewerbs „Jugend trainiert für Olympia“ im Mountainbiking aus. Die Organisatoren erwarten 600 Schüler, die in Teams um den Sieg fahren. Samstags tritt die Eliteklasse zum Alb Gold-Juniorscup an.
Die erst neun Jahre alte Abteilung Radsport im SV Reudern hat sich im Mountainbike-Sport bereits einen guten Namen erarbeitet. 25 Trainer betreuen mehr als 100 Kinder und Jugendliche. Drei von ihnen fahren im Landes- und Bundeskader der Altersklasse U 17 mit. Im Kinder- und Jugendbereich gehört der Verein damit zu den führenden Anbietern in dieser Sportart bundesweit.
Wie Raphael Kollender von der Radsportabteilung erzählt, war dies auch ausschlaggebend dafür, dass der Verein nach 2011 zum zweiten Mal den Zuschlag für die Ausrichtung des Landesfinales von „Jugend trainiert für Olympia“ im Mountainbiking erhalten hat. Mitausrichter ist das Max-Planck-Gymnasium Nürtingen. Etwa 600 Schüler aus Baden-Württemberg, unter ihnen auch etliche Starter von Nürtinger Schulen, werden in Teams gegeneinander antreten.
Am Samstag, 30. Juni, wird in Reudern der fünfte Lauf zum Alb Gold-Juniorscup, eine der größten Mountainbike-Rennserien für junge Fahrer in Deutschland, ausgetragen. Zum Rennen erwartet der Verein etwa 250 Starter. Auch deutsche Meister und Landesmeister treten dabei an.
Ein Team von rund 15 Aktiven ist seit Anfang des Jahres mit der Organisation dieser zwei Tage beschäftigt. Für das Rennen am Samstag wurde der vereinseigene Bikepark erweitert und mit einigen technischen Finessen für Fahrer und Zuschauer attraktiver gestaltet. „Trotz unserer sehr guten Infrastruktur ist das für uns natürlich eine große logistische Herausforderung. Die Wettbewerbe bedeuten für uns zwei Tage Anstrengung. Auf- und Abbau, Strecken-Sicherheitsdienst und Verpflegung der Starter müssen bewältigt werden. Aber wir haben ein Team von etwa 100 ehrenamtlichen Helfern am Start, und die Nürtinger Schulen unterstützen uns sehr gut“, berichtet Raphael Kollender.
Auch das Max-Planck-Gymnasium hilft mit, die Wettbewerbe reibungslos abzuwickeln und stellt Helfer als Streckenposten, für das Catering und den Parkplatzdienst. Teams mit einem weiten Anreiseweg haben die Möglichkeit, in der Sporthalle zu übernachten. Ein gemeinsames Sportlerfrühstück wird im Vereinsheim des SV Reudern angeboten. pst / Foto: Oliver Felten

Info: Jugend trainiert für Olympia – Mountainbike, Freitag, 29. Juni, SV Reudern Radsportabteilung, Sportgelände Aspach, Nürtingen-Reudern; Alb Gold-Juniorscup, Samstag, 30. Juni, ab 8.30 Uhr, Bikepark und Rennstrecke Sportgelände Aspach; weitere Infos unter www.svreudern-rad.de


Abgestimmt

Trotz hoher Trennungsrate: Zwei Drittel aller Paare
trennen sich nicht. Ist „Gleich und Gleich gesellt sich gern“
das Erfolgsrezept?

Foto: dpa

Gleich und gleich?

Ergebnis

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Sechsspurig auf die Alb

Der Ausbau der A8 wird konkret – Kosten über 600 Millionen Euro

Seit  mehr als 20 Jahren wird ein neuer Albauf- und -abstieg geplant. Der Flaschenhals an der A8 soll auf sechs Spuren erweitert werden. Nachdem das 600-Millionen-Euro-Projekt lange auf Eis lag, soll es jetzt zügig weitergehen, was bedeutet: Frühestens im Jahr 2026 könnte die  Trasse fertig sein.

Zwei neue Brücken und zwei neue Tunnel kennzeichnen die künftige Trasse, die von der Anschlussstelle Mühlhausen nahezu geradeaus auf die Albhochfläche führt. Albaufstieg und Albabstieg verlaufen dann sechsspurig nebeneinander, derzeit ziehen zwei je zweistreifige Trassen getrennt ihre Schlaufen. Bis zur Einmündung der neuen Strecke im Bereich Hohenstadt sind es künftig 3,6 Kilometer weniger als bisher. Das berichteten Vertreter des Regierungspräsidiums (RP) kürzlich bei einer Bürger-Info in Gruibingen.

Die Trassenführung wurde bereits in den 1990er-Jahren festgelegt, 2004 leitete das RP das Planfeststellungsverfahren ein. Vorgesehen war, einen privaten Betreiber bauen und seine Kosten über eine Mautstation refinanzieren zu lassen. Doch es fand sich kein Investor, 2006 wurde das Projekt auf Eis gelegt. Erst als der Bund 2014 einer Fortführung ohne Mautstelle zustimmte, ging es weiter. Mittlerweile ist der A8-Abschnitt als „festdisponierte Maßnahme“ festgeschrieben und wird somit durch den Bund finanziert.

Die Pläne wurden geändert und liegen nun vom 25. Juni bis zum 24. Juli unter anderem in Bad Ditzenbach, Gruibingen,  Merklingen, Mühlhausen und Wiesensteig aus. Bis  24. September haben Bürger Gelegenheit, sich zu den Planänderungen zu äußern. Durch den Wegfall der Mautstation sinkt der Flächenverbrauch, in der Folge sind auch weniger Ausgleichsflächen gefordert. Die beiden Tunnel „Himmelsschleife“ und „Drackenstein“, insgesamt fast drei Kilometer lang, bekommen durchgehende Standstreifen statt der ursprünglich vorgesehenen Pannenbuchten. Das erhöhe die Verkehrssicherheit, betonen die Planer. Mit dem zusätzlichen Erdaushub sollen die geplanten Dämme an der Amtalklinge höher aufgeschüttet werden.

Die Filstalbrücke im Bereich der Anschlussstelle Mühlhausen und die Gosbachtalbrücke südlich von Gosbach werden mit Glas eingehaust. Das diene dem Schutz von Vögeln und Fledermäusen, bringe aber gleichzeitig einen kleinen Gewinn beim Lärmschutz, berichtete Projektleiter Johannes Fischer.

Für die Anliegergemeinden wichtig ist vor allem der Wegfall der Mautstation, denn sie hatten erheblichen Ausweichverkehr befürchtet. Als Bedarfsumleitung bei Stau ist  der jetzige Albaufstieg vorgesehen, der zur Landesstraße zurückgestuft wird. Er verläuft durch keine Ortschaft. Der jetzige Albabstieg wird dagegen zurückgebaut – teils als Schotterweg, teils asphaltiert. Einige Bauwerke bleiben erhalten, denn dieser 1937 gebaute Abschnitt steht ebenso unter Denkmalschutz wie der 20 Jahre jüngere Albaufstieg.

Der Baubeginn könnte nach Schätzung der Planer frühestens 2021 erfolgen, das Land rechnet mit fünf Jahren Bauzeit.   aia / Foto: Regierungspräsidium Stuttgart


In einer Senke in die Hocke gehen

Wie soll man sich bei Gewitter verhalten? – Esslingen ist eine Blitzhochburg – Örtlicher Starkregen tritt häufiger auf

Blitz und Donner sind die vergangenen Wochen stete Begleiter der Menschen im Südwesten gewesen. Starkregen hat so manchen Keller vollaufen lassen, Rettungskräfte waren vielfach im Einsatz – auch im Landkreis Esslingen. Die Gewitter waren in der Regel regional begrenzt, doch für die Betroffenen ist dies kein Trost. Es scheint, dass auch in den atmosphärischen Entladungen der Klimawandel festzumachen ist.
Die Jahresmitteltemperatur im Südwesten stieg seit 1901 bis heute von rund acht auf mehr als neun Grad. Den größten Anstieg gab es nach Angaben der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz dabei erst in den vergangenen 30 Jahren. In Stuttgart gab es 1953 noch 25 Eistage mit Höchsttemperaturen unter null Grad und genauso viele Sommertage mit Höchsttemperaturen von mindestens 25 Grad. Bis 2009 erhöhte sich die Zahl der Sommertage in Stuttgart auf 45, die der Eistage ging auf 15 zurück. Baden-Württembergs Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) sagte im vergangenen Jahr, die Ausschläge der Temperaturen belegten anschaulich, dass die Erderwärmung zunehme und an Tempo zugelegt habe. So ist auch die Häufigkeit und Intensität von Hagelstürmen gestiegen. Und auch die Verteilung der Niederschläge im Land ändert sich. Die Sommer werden trockener mit dem Risiko längerer Dürreperioden. Feuchtere Winter bergen die Gefahr von Hochwassern. Starkregen wie 2016 in Braunsbach werden keine Ausnahme bleiben.
Laut dem Blitz-Informationsdienst in München blitzt und donnert es im Süden mehr als im Norden. Im Ranking der Bundesländer stand Baden-Württemberg im Jahr 2016 mit 51 024 Blitzeinschlägen nach Bayern und Nordrhein-Westfalen an dritter Stelle. Auf einen Quadratkilometer kamen vor zwei Jahren im Südwesten 1,43 Einschläge. Blitzhochburg im Südwesten war Esslingen (2241 Blitze), am wenigsten blitzte es in Freiburg (65 Mal). An Tagen mit starken Gewittern zucken mehr als 200 000 Blitze durch den Himmel über Deutschland, Tausende schlagen ein.
Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) ist die Wahrscheinlichkeit, in Deutschland von einem Blitz getroffen zu werden, sehr gering. Jährlich werden demnach im Durchschnitt rund 130 Menschen verletzt, drei bis vier kommen durch Blitzeinschläge ums Leben. Nicht alle davon werden direkt getroffen. Aber auch wenn der Blitz in die Erde einschlägt, kann es gefährlich werden. Der Strom breitet sich dann bis zu 30 Meter um die Einschlagstelle herum im Boden aus. Wird man direkt getroffen, steigt die Spannung im Körper auf mehrere 100 000 Volt an. Mögliche Folgen: Herz- oder Atemstillstand. Laut DWD überleben aber rund zwei von drei Menschen, die von einem Blitz getroffen wurden. Sie haben dann jedoch jahrelang mit Spätfolgen zu kämpfen. Es kann zu Muskel- und Nervenlähmungen kommen, zu Bewusstseinsstörungen, Bluthochdruck und Persönlichkeitsveränderungen.
Wenn unterschiedlich warme Luftmassen aufeinandertreffen oder es in der Atmosphäre zwischen oben und unten besonders große Temperaturunterschiede gibt, gewittert es. Je heißer es am Boden ist, desto heftiger ist das Gewitter in der Regel. Die feuchtwarme Luft steigt nach oben, kondensiert und bildet eine Gewitterwolke. In der Wolke baut sich ein immer größer werdendes elektrisches Spannungsfeld auf, das sich durch eine Art Kurzschluss (Blitz) entlädt. dpa/ch / Foto: dpa

Das sollte man bei Unwetter wissen:
Im freien Feld sollte man sich eine flache Stelle oder gar eine Mulde im Gelände suchen, erklärt die Bundesarbeitsgemeinschaft Mehr Sicherheit für Kinder (BAG). Grundsätzlich gilt: Am besten ist man tiefer als das umgebende Gelände, da hohe Punkte Blitze anziehen. Nur enge Mulden sollte man meiden. In der Senke geht man in die Hocke, stellt die Füße eng nebeneinander, verlagert das Gewicht auf die Fußballen und legt die Arme um die Knie. Auf keinen Fall darf man sich unter Bäume, Türme, Pfeiler, Masten und Antennen stellen. Bergspitzen und Aussichtstürme sind zu meiden. Zu Überlandleitungen hält man laut BAG idealerweise einen Abstand von 50 Metern. Selbst das Anlehnen an einen Zaun kann gefährlich sein. Ganz wichtig: Keine Metallteile wie am Regenschirm oder Fahrrad anfassen. Der Verband der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik (VDE) rät auch zu einem Abstand von am besten drei Metern zu anderen Menschen. In Scheunen, Holz- oder Steinhütten sollte man sich nach Angaben des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in der Mitte des Gebäudes in die Hocke gehen. Radler und Reiter sollten absitzen und einen blitzgeschützten Ort aufsuchen.
Im Wald: Einzelne Bäume, Baumgruppen und Waldränder gelten als potenzielle Blitz-Ziele. Im Inneren eines Waldes ist die Gefahr laut VDE geringer. Trotzdem: idealerweise zu allen Bäumen und Ästen mindestens zehn Meter Abstand halten. –
Im Haus: Während eines Gewitters sollte man in Gebäuden ohne Blitzschutzsystem nicht duschen und baden, rät der VDE. Zur Sicherheit werden elektrische Geräte vom Strom genommen. Handys lassen sich gefahrlos benutzen. In einem Gebäude mit Blitzableiter ist man am sichersten.
Fahrzeuge: Autos, Wohnmobile oder die Kabine einer Baumaschine bieten Schutz, ihre metallische Konstruktion wirkt wie ein Faradayscher Käfig. Wichtig ist es dabei, die Fenster zu schließen.
Wasser: Beim ersten Donnergrollen heißt es, raus aus dem Wasser.
Schnelle Hilfe rettet Leben: Im Gegensatz zu anderen Elektrounfällen besteht nach DRK-Angaben unmittelbar nach dem Blitzschlag keine Gefahr für Helfer. Bei Kreislaufstillstand sofort mit der Wiederbelebung beginnen: 30 Mal mit dem Handballen das Brustbein fünf bis sechs Zentimeter tief eindrücken. Es folgen zwei Atemspenden im Wechsel. Ein Blitzschlag kann auch zu Verbrennungen und zu Verletzungen nach Stürzen führen.


Abgestimmt

Ernüchterndes 0:1 gegen Mexiko: Gelingt dem DFB-Team
trotzdem noch die Titelverteidigung bei der Fußball-WM?

Foto: dpa

Titel noch möglich?

Ergebnis

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Kaum Rudelbildung

Public Viewing zur WM im kleineren Stil  – Strengere Auflagen

Die Fußball-Weltmeisterschaft startet. Fans verabreden sich zum kollektiven Kickkucken.  Das ganz große Fieber, wie es bei der WM in Deutschland 2006 grassierte, ist vorbei.  Kleine Veranstaltungen in Kneipen und in Biergärten laufen hingegen gut, zumal die sich auch ohne großen Vorlauf organisieren lassen. 

In wenigen Tagen tritt die deutsche Nationalmannschaft in ihrem  ersten Spiel bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland an. Bei der WM  2006  war Public Viewing  der Kernbegriff deutscher Fankultur.  Das ist heute nicht mehr so. Und  das hat vielfältige Gründe. „2006, das war vor der Love Parade und vor der Terrorismusbedrohung“, sagt der Esslinger Ordnungsamtsleiter Gerhard Gozellik. Da ließen sich große kommunale Veranstaltungen noch gut organisieren. Dann jedoch hätten die Unfälle bei der Love Parade in Duisburg 2010 sowie die Gefahren terroristischer Anschläge  verschärfte Brandschutz- und Sicherheitsvorgaben für Großveranstaltungen nach sich gezogen. Gorzellik erinnert  an das WM-Zelt im Merkelpark. „Man stelle sich dort nur Terrorsperren und Taschenkontrollen vor.“ Gorzellik glaubt, dass manche Gastronomen noch kurzfristig nach einer Genehmigung fragen und sagt: „Einige Tage Vorlauf reichen.“

 „Anfangs, also zur WM 2006, waren das gute Veranstaltungen“, sagt Marc Philippi vom Schlachthofbräu in Nürtingen. Im  Biergarten konnte man die WM auf einer   Leinwand verfolgen. Allerdings habe man dann festgestellt, dass sich eine solche Veranstaltung  nicht rechnet. „Die Leinwand, Fifa-Lizenzen und Gema-Gebühren kosten an die 20 000 Euro, und  man muss einen Sanitätsdienst sowie   Securityleute vor Ort haben“, zählt Philippi auf. „Dazu kamen  viele Besucher, die nichts verzehrt haben.“

Daraus haben auch die Wernauer gelernt. Am Stadtplatz  organisieren Gastronomen  sowie die  Stadt seit 2006  die Übertragungen bei den großen Turnieren. Heuer allerdings mit Mindestverzehrgutschein, Securitydienst, eingefriedetem Gelände  und    weniger Zuschauern.   

Das Autohaus Hahn in Esslingen  will  ebenfalls  alle Spiele  der Deutschen   auf seinem Gelände in Esslingen-Zell übertragen, der CVJM in Esslingen lädt in den großen Saal im Haus an der Kiesstraße, Kneipen wie das Vier Peh in Esslingen sind dabei oder auch  die Halle in Reichenbach. Und manch ein Veranstalter entscheidet spontan: Die Grinio-Akademie in Köngen etwa  lädt nach ihrem Violinenkonzert am Sonntag in der Zehntscheuer zum Public Viewing ein. Im Internet lassen sich Public-Viewing-Möglichkeiten recherchieren.

Wer dann  mit  einem Autocorso feiern will, sollte die Hinweise der Polizei beachten:  Verboten sind das Sitzen auf Fahrzeugdächern, Motorhauben und im Kofferraum,  das Schwenken langer Fahnen aus Fenstern und das Abbrennen von Pyros. Auch der Fanschmuck am Auto muss mit Vorsicht eingesetzt werden. Die harmlos erscheinenden Spiegelüberzieher in den Landesfarben haben ihre Tücken: Verdecken sie beispielsweise einen eingebauten Blinker ist ein Bußgeld fällig.  bob / Foto: Archiv


Zu Besuch bei den Römern

Römerpark und -museum in Köngen feiern 30. Geburtstag – Viele Schulklassen und Familien zu Besuch – Neuer Spielplatz wird eröffnet

 

Das Römische Reich lag direkt vor unserer Haustür. Im Erdboden in Köngen, wo einst ein römisches Militärlager und eine zivile Siedlung standen, sind zahlreiche Spuren davon erhalten. Der Römerpark und das Römermuseum bringen den Besuchern diese Zeit näher. Zur Feier des 30-jährigen Bestehens wird dort am 8. Juli ein neuer Römerspielplatz eröffnet.
Die Köngener haben es immer gewusst: Schon vor mehr als 200 Jahren sprach man im Dorf über eine verborgene Stadt und Kostbarkeiten, die immer wieder auf den Äckern an die Oberfläche kamen. Eine Goldmünze des Kaisers Augustus, 1782 gefunden von einer armen Tagelöhnerfrau, brachte schließlich den Stein ins Rollen: Herzog Karl Eugen von Württemberg ließ erste Grabungen durchführen. Etwa 100 Jahre später wurde erneut gegraben, und das römische Militärlager wurde entdeckt. Noch einmal fast 100 Jahre darauf, in den 1960er-Jahren, sollte in Baugebiet über dem römischen Kastell entstehen. Das führte zu einem langen gerichtlichen Streit zwischen Grundstückseigentümern, die ihre Bauplätze verkaufen wollten, und Denkmalschützern – Letztere bekamen schließlich Recht und das Gelände wurde nicht überbaut.
Als dann in den 80er-Jahren öffentliche Gelder verfügbar waren, bauten die Gemeinde Köngen, das Landesdenkmalamt und der Schwäbische Albverein gemeinsam den Römerpark und den Museumspavillon auf. Der römische Eckturm war schon viel früher vom Albverein rekonstruiert worden; er ist jetzt mehr als 100 Jahre alt.
So kann man also seit 30 Jahren römische Geschichte im Köngener Museum entdecken. Kinder sind dabei eine wichtige Zielgruppe, wie Museumsleiterin Carmen Zeis berichtet. Viele Schulklassen der Stufen vier bis acht seien im Museum zu Gast. Sie können an einer Führung ebenso teilnehmen wie an einem der Projekte, bei denen mit Punzier- und Prägewerkzeug gearbeitet, ein Specksteinamulett oder ein Würfelturm gefertigt werden. Neu ist in diesem Jahr der aus Zinn gegossene Eckturm des Köngener Kastells zum Bemalen. Auch andere Kindergruppen und Geburtstagsrunden sind im Römermuseum willkommen und finden künftig mit dem Römerspielplatz eine neue Attraktion vor.
Mit „Kletterlimes“, römischen Figuren, Fässern und Wachturm nimmt er Bezug auf das Leben der Bürger im römischen Reich vor rund 2000 Jahren. Die Gemeinde wolle damit „auch schon Kinder spielerisch an das Thema heranführen, das ja für uns eine identitätsstiftende Bedeutung hat“, sagt Bürgermeister Otto Ruppaner. Er sieht in dem Spielplatz einen weiteren Anreiz für Familien, den Römerpark zu besuchen. Finanziert wurde er durch die Bürgerstiftung Köngen, die 150 000 Euro zur Verfügung gestellt hat. Pläne und Umsetzung mussten eng mit dem Landesamt für Denkmalpflege abgestimmt werden, denn „das ganze Areal steht unter strengem Denkmalschutz“, erklärt der Bürgermeister. Auch im Bereich des Spielplatzes liegen noch historische Überreste im Untergrund – deshalb dürfen die Geräte nicht zu tief im Grund verankert werden.
Am 8. Juli wird der neue Spielplatz eingeweiht, gleichzeitig wird von 10.30 bis 17 Uhr mit einem großen Fest und Aktionen der 30. Geburtstag des Römerparks gefeiert. So ist die Gruppe „Numerus Brittonum“ aus Welzheim zu Gast und informiert unter anderem über Schreibkultur, Medizin und den Soldatenalltag. Auch die anderen Begleitveranstaltungen, übers Jahr verteilt, stuft Zeis als ausgesprochen hochwertig ein. Eine Sonderausstellung über römische Schwerter hat bereits stattgefunden. Am 19. Oktober greift ein Vortrag über Wagengräber in Süddeutschland auch die vor-römische Vergangenheit Köngens auf, denn 1972 wurde dort ein keltisches Wagengrab entdeckt.
Ein Besuch im Park und im Museumspavillon lohnt sich aber immer. Das Gebäude steht mit seinem schrägen Gründach symbolisch für eine angehobene Erdscholle – als Anspielung auf all das, was in der Erde gefunden wurde oder noch begraben ist. Im Museum finden die Besucher neben Schautafeln und einer Tonbild-Schau viele Exponate: ein Mithrasrelief, ein Hochrelief der Pferdegöttin Epona und viele kleinere Ausgrabungsfunde, unter anderem einen Münzschatz, der 1967 in einem Tongefäß vergraben gefunden wurde.
Um diesen Schatz geht es in einem frisch erschienenen Buch, herausgegeben vom Geschichts- und Kulturverein Köngen, in dem Hintergründe zu den Münzen und ihrer Fundgeschichte erklärt werden, „in gut verdaulichen Portionen“, wie Bürgermeister Otto Ruppaner sagt. Es sei „so formuliert, dass es nicht nur Studierte lesen können“, so Museumsleiterin Zeis. Das gilt auch für die gesamte Aufmachung des Museums, in dem Themen wie Ess- und Trinkgewohnheiten, Kleidung und Schmuck oder Handel und Gewerbe in Grinario aufgegriffen werden.
Draußen im Park sind neben den Bäumen eines historischen Fruchtgartens zwei Dutzend Abgüsse von römischen Steindenkmälern verteilt. Die weitläufige Grünanlage vermittelt einen Eindruck von der Größe des Militärlagers, auf dem sie errichtet wurde und das rund 161 auf 150 Meter maß. Das bronzene Modell des Kastells hilft dabei, sich auf dem grünen Areal die damaligen Mannschaftsbaracken vorzustellen. aia / Fotos: aia


Abgestimmt

Am Donnerstag startet die Fußball-WM. Deutschland
will seinen Titel verteidigen. Sind Sie schon im WM-Fieber?

Foto: dpa

Schon im WM-Fieber?

Ergebnis

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