Gesunde Nachtruhe

Klinikum Esslingen hat ein Schlaflabor mit vier Plätzen eingerichtet

Im vergangenen Frühjahr ist am Klinikum Esslingen ein Schlaflabor mit vier Plätzen in Betrieb genommen worden. Dort können Patienten mit einer organisch bedingten Schlafstörung untersucht und behandelt werden. Die schlafmedizinische Behandlung verhilft den Patienten nicht nur  zu einer guten Nachtruhe, sondern kann auch schweren Folgeerkrankungen wie Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Depressionen vorbeugen. Das Schlaflabor, dessen Einrichtung mit einer Spende von 100 000 Euro durch den Förderverein Herzklopfen unterstützt wurde, schließt eine große Lücke in der medizinischen Versorgung im Landkreis Esslingen.

Schlafstörungen gehören zu den weit verbreiteten gesundheitlichen Beschwerden in Deutschland. Bis zu 25 Prozent der Erwachsenen sind davon betroffen, bei bis zu sechs Prozent der Erwachsenen wird von einer Erkrankung ausgegangen, die in einem Schlaflabor untersucht und behandelt werden muss.

Zwischen den Jahren 2004 und 2015 konnten Hausärzte Patienten  zur  Untersuchung und Behandlung an das Klinikum Nürtingen überweisen. Dort stand ein  Schlaflabor mit vier Plätzen zur Verfügung, in dem jährlich etwa 500 Patienten behandelt wurden. Doch mit der intensivmedizinischen Spezialisierung der Klinik wurde der Platz dort knapp, vor rund drei Jahren wurde das Schlaflabor  deshalb geschlossen. Patienten mussten fortan nach Stuttgart, Göppingen oder Reutlingen verwiesen werden, was monatelange Wartezeiten zur Folge hatte.

Seit dem vergangenen Frühjahr  ist die Situation etwas entspannter. Das Klinikum Esslingen hat ein Schlaflabor mit vier Plätzen eingerichtet, in dem Patienten mit einer organischen  Schlafstörung schlafmedizinisch behandelt werden können.

Am  Klinikum Esslingen können nun zahlreiche Erkrankungen diagnostiziert und in der Folge auch behandelt werden, etwa  kardiologische Probleme, klassische Schlafapnoe oder auch Atempausen durch zentrale Erkrankungen wie Hirnschlag oder Hirnblutung, wie die Kliniksprecherin Anja Dietze erläutert. Die Einrichtung des Schlaflabors sei eine  große Erleichterung für die Patienten im Kreis,  doch  der Bedarf an schlafmedizinischer Diagnostik sei weit höher. „Dies werden wir mit den vier Plätzen am Klinikum Esslingen nicht auffangen können, vielleicht ein wenig mildern“, sagt Dietze. pst / Archivfoto: bul


Begegnung auf Ebene der Bürger

Nürtingen pflegt Partnerschaften in Frankreich, Wales, Ungarn und Sachsen-Anhalt – Schulen und Vereine in engem Austausch

Die Stadt Nürtingen ist mit den Kommunen Oullins in Frankreich, Rhondda Cynon Taff in Wales, Soroksár in Ungarn und Zerbst in Sachsen-Anhalt partnerschaftlich verbunden. Neben den offiziellen Kontakten zu den Verwaltungen leben die Partnerschaften vor allem durch enge Beziehungen auf der Ebene der Vereine, durch Schulpartnerschaften und intensiven Schüleraustausch sowie einen regen Kulturaustausch. Überdies besteht seit dem Jahr 1982  in Nürtingen ein Städtepartnerschaftsverein, der die Stadt bei der Organisation des Austauschs unterstützt.

Die Stadt Oullins liegt im Departement Rhône-Alpes, wenige Kilometer südlich von Lyon, und hat rund 28 000 Einwohner. Bereits im Jahr 1962, und damit noch in der Frühzeit der deutsch-französischen Freundschaft, unterzeichneten die damaligen Bürgermeister Karl Gonser aus Nürtingen und Paul Jordery aus Oullins die Partnerschaftsurkunde. Im Jahr 1966 verlieh der Nürtinger Gemeinderat Jordery die Ehrenbürgerwürde, eine Stele mit seinem Konterfei bei der Kreuzkirche erinnert an den 1983 verstorbenen Vorreiter der deutsch-französischen Aussöhnung. Bereits damals zeichnete sich ein reger Austausch auf Vereinsebene ab, der bis zur Gegenwart anhält. Die Partnerschaft der Städte wurde wesentlich intensiviert durch eine Schulpartnerschaft zwischen dem Nürtinger Hölderlin-Gymnasium und dem Centre Scolaire St. Thomas d’Aquin in Oullins im Jahr 1981.  Auch das Max-Planck-Gymnasium hat bereits früh Kontakte nach Oullins aufgebaut und pflegt einen engen Austausch mit dem Lycée Parc Chabrières und dem Collège Pierre Brosollette. „Über diesen Austausch haben sich im Lauf der Jahre Tausende Schüler aus Oullins und Nürtingen kennengelernt“, sagt Clint Metzger, der Sprecher der Stadt Nürtingen.

Im Jahr 1968 folgte die Partnerschaft mit der Stadt Pontypridd nahe der walisischen Hauptstadt Cardiff, die nach einer Gebietsreform im Jahr 1998 in das Borough Rhondda Cynon Taff  eingegliedert wurde. Die Verbindungen mit Wales sind ebenfalls wesentlich durch den Austausch der Vereine geprägt.

Die Kontakte zu der ungarischen Stadt Soroksár wurden im Jahr 1988  offiziell besiegelt, reichen aber weiter zurück.  Zahlreiche Nürtinger haben in der Stadt mit rund 21 000 Einwohnern ihre Wurzeln, die  den 23. Verwaltungsbezirk der ungarischen Hauptstadt Budapest bildet.  Auch mit Soroksár besteht ein reger Schüler- und Kulturaustausch.

Wie Metzger berichtet, können Jugendliche aus Nürtingen und den Partnerstädten  die beim Schüleraustausch geknüpften europäischen Kontakte vertiefen und Praktika in der Verwaltung einer der Partnerstädte absolvieren.

Die Partnerschaft mit der Stadt Zerbst nahe Dessau in Sachsen-Anhalt geht auf die Initiative einiger Gemeinderatsmitglieder zurück, die im Jahr 1990 auf privater Basis dort zu Besuch waren. Noch im gleichen Jahr folgte eine offizielle Delegation aus Nürtingen, im Jahr 1992 wurde die Partnerschaftsurkunde unterzeichnet. Auch diese Partnerschaft ist laut Metzger durch einen intensiven Austausch auf  kultureller und Vereinsebene gekennzeichnet, Nürtinger Künstler stellten in Zerbst aus, Zerbster Musiker traten in  Nürtingen auf.

Wesentlichen Anteil an der Vertiefung der freundschaftlichen Beziehungen zwischen den Städten hat der Städtepartnerschaftsverein Nürtingen. Im Jahr 1982 gegründet, hat der Verein, der derzeit knapp 90 Mitglieder zählt,  über viele Jahre hinweg  den Schüleraustausch gefördert und, organisiert durch die frühere   Vereinsvorsitzende Son­negard Leopold,  Reisen in die Partnerstädte angeboten. Wie Karin Langbein-Euchner, die Schriftführerin des Vereins, berichtet,  war Leopold auch die  Antriebsfeder für  die Schulpartnerschaft des Hölderlin-Gymnasiums. Zuletzt hat der Verein im vergangenen Jahr für eine größere Gruppe Nürtinger Bürger eine Kulturfahrt nach Zerbst organisiert. Während des Besuchs fand ein gemeinsames Grillfest mit Zerbster Bürgern statt, an dem auch der dortige Bürgermeister Andreas Dittmann teilnahm. „Diese Begegnungen auf bürgerschaftlicher Ebene machen den Sinn einer Städtepartnerschaft aus“, wurde Dittmann damals in der Presse zitiert. pst / Foto: pst


Abgestimmt

Auf Rügen verweigert ein Gastwirt ab 17 Uhr Kindern
unter 14 Jahren den Zutritt, die Gäste sollen ungestört
essen können. Eine nachahmenswerte Regelung?

Foto: dpa

Kinder ausschließen?

Ergebnis

Loading ... Loading ...


Feuer und Flamme

Feuerwerksfestival „Flammende Sterne“ vom 24. bis 26. August in Ostfildern

Die 16. Auflage des Internationalen Feuerwerksfestivals „Flammende Sterne“ steht vom 24. bis 26. August in Ostfildern an. Die Veranstaltung  soll dieses Mal besonders exotisch werden: Auf dem Festivalgelände im Stadtteil Scharnhauser Park  sind drei Gruppen   zu Gast, die erstmals in Ostfildern zünden. Die Teilnehmer aus der Ukraine, Hawaii und Südkorea genießen nach Veranstalterangaben einen exzellenten Ruf in der Pyrotechnik-Szene.

„Emotionen pur“ – so beschreibt Jürgen Wünsche von der veranstaltenden MPS-Agentur das  Festival, das mittlerweile rund  50 000 Besucher aus ganz Deutschland anzieht. „In der Szene gehört es  zu den Renommiertesten“, sagt Wünsche. „Das ist mehr als nur ein Feuerwerk.“

Viele Feuerwerksgruppen aus der ganzen Welt bewerben sich jedes Jahr um einen Auftritt bei den „Flammenden Sternen“. Engagiert werden nur die Herausragenden, die, welche  bereits zu großen Anlässen geschossen haben. So wie die ukrainischen  Feuerwerker „Dance of  Fire“, die international unterwegs sind und  im vergangenen Jahr die größte    Feuerwerksshow der Ukraine inszeniert haben. Sie versprechen Opulenz, Bombast und Theatralik. Die Ukrainer  werden am Freitag an den Start gehen. Ganz anders „Hawaii Explosives & Pyrotechnics“, die für den Samstag gebucht sind. Ihr Thema sind heimatliche Motive: Blüten, Palmen, brillante Farben und andere fröhliche Bilder. Die Gruppe inszeniert alle großen Shows auf der Inselgruppe, unter anderem zum Nationalfeiertag und zu Neujahr. „Faseecoom Fireworks“ kommen aus Südkorea und schießen am Sonntag. Ihre Referenz: die Feuershows bei den Eröffnungs- und Schlussfeierlichkeiten bei den Olympischen Winterspielen in diesem Jahr.

Die drei Pyrotechnik-Gruppen treten im Wettstreit um den Sieg gegeneinander an. Für die achtköpfige Jury sicher keine einfache Aufgabe, denn Jürgen Wünsche und Mitveranstalter Joachim Berner versichern: „So unterschiedliche Feuerwerksgruppen hatten wir noch nie.“  Die Feuerwerksshows sind die  Höhepunkte an den drei Tagen. Die „Flammenden Sterne“ wollen aber auch in diesem Jahr mit einem  Beiprogramm glänzen.  Es gibt Livemusik,  Feuerkünstler, Comedy-Artisten und Trommler, eine DJ-Lounge,  Heißluftballons,  die Lasershow sowie  den „Flammende Sterne“-Markt, das Familienprogramm und eine  Gastronomie mit  Ständen. Am Freitag und Samstag  beginnt das Programm um 18 Uhr, am Sonntag um 16 Uhr. bob/Foto Joachim Mell

 

Info: Das Ticket gilt als Fahrschein für den ÖPNV. Die U 7 sowie die Buslinien 120 und 122 fahren den Park öfter an. Auch Park-and-ride-Plätze sind in der Region ausgewiesen. Tickets – die Sitzplätze sind bereits ausverkauft – gibt es an den  Stellen, die unter www.flammende-sterne.de aufgelistet sind. Tickets kosten ab 15 Euro für Erwachsene im Vorverkauf, an der Abendkasse 18 Euro, Familientickets 33 Euro.


Von den Bürgern getragen

Ostfildern unterhält Partnerschaften zu sechs Städten – Unterstützung der Kinderklinik  Poltawa – In den 60er-Jahren Start mit Reinach

Die Stadt Ostfildern unterhält Städtepartnerschaften mit sechs  Städten: Reinach in der Schweiz, Hohenems in Österreich, Montluel in Frankreich, Mirandola in Italien, Bierawa in Polen und  Poltawa in der Ukraine. Begonnen haben die Kontakte allerdings bereits zu einer Zeit, als es Ostfildern noch gar nicht gab.

Den Anfang machte der Kontakt zu Reinach. Bereits 1965 gab es die ersten freundschaftlichen Beziehungen zwischen der  damals selbstständigen Gemeinde Nellingen und Reinach im Schweizer Kanton Basel-Landschaft – initiiert vom Gemeinderat Nellingen  und getragen von Nellinger und Reinacher Vereinen. Als Nellingen Teil der neu gegründeten Stadt Ostfildern wurde, erhielt Reinach den Status einer Partnerstadt, ohne Urkunde und Unterzeichnung, sondern „Kraft Sympathie“, wie es in den Unterlagen heißt.

Auf die Beziehungen der beiden Feuerwehren in Scharnhausen geht die Städtefreundschaft mit Montluel zurück, als die Feuerwehr Scharnhausen ein Jubiläumsfest plante und eine französische Feuerwehr einladen wollte. Also machte sich eine Delegation aus Ostfildern im März 1975 auf den Weg und knüpfte direkte Kontakte in Montluel. Als Scharnhausen  im Rahmen der Gemeindereform ebenfalls ein Teil Ostfilderns wurde, blieben die  Beziehungen stabil  und die Partnerschaft wurde 1978 offiziell besiegelt.

Im Jahr 1992 unterzeichneten die Gemeinde Bierawa in Polen  und die Stadt Ostfildern einen Freundschaftsvertrag. Eine Schulpartnerschaft zwischen der Riegelhof-Realschule in Nellingen und dem Öffentlichen Gymnasium in Bierawa wurde 2003 gegründet. Dieser Austausch hat sich inzwischen ausgeweitet zu einem Erfahrungsaustausch zwischen Leitern unterschiedlicher Bildungseinrichtungen in Bierawa und Ostfildern.

Die norditalienische Stadt Mirandola und Ostfildern waren 15 Jahre befreundet, bevor sie 2001 eine offizielle Städtepartnerschaft eingingen. Die ersten Kontakte der Stadtverwaltung Ostfildern mit Mirandola gab es bereits im Jahr 1986. Im Mai 1988 fuhr  eine erste Ostfilderner Delegation aus Sportvereinen, Heinrich-Heine-Gymnasium, Musikschule, Jugendhaus, katholischer Jugend sowie dem Jugend-DRK nach Italien.

Eine Besonderheit stellt die Partnerschaft mit Poltawa in der Ukraine dar. Die Verbindung besteht  seit 1988 und wird gemeinsam mit den Nachbarstädten Leinfelden-Echterdingen und Filderstadt gepflegt. Alle zwei Jahre im Wechsel kümmert sich eine der drei Städte federführend um die Umsetzung des vereinbarten Austauschprogrammes.

Der jüngste Partner im Bund  ist Hohenems in Österreich. Die Freundschaft mit der Stadt in Vorarlberg wurde im Jahr 2009 urkundlich besiegelt, die ersten Beziehungen gab es bereits in den 60er-Jahren.

Einen Schwerpunkt setzt Ostfildern auch auf  die Verknüpfung der Partnerstädte untereinander. So findet jedes Jahr mindestens eine internationale Begegnung mit Teilnehmern aus allen Partnerstädten statt.

„Es sind gewachsene Verbindungen“, sagt Brigitte Wallrauch, die bei der Stadt Ostfildern für die Partnerstädte zuständig ist. „Jede Partnerstadt hat ihr ganz eigenes Gepräge.“ Mehrere Jubiläen und runde Geburtstage  haben die befreundeten Städte bereits gefeiert. 40 Jahre Montluel, 30 Jahre Poltawa, 15 Jahre Mirandola zählt Wallrauch auf. Das sind Gelegenheiten, bei denen sich offiziellen Delegierte der Partnerstädte treffen und das sogenannte europäische Staffelholz übergeben. Das befindet sich seit der 40-Jahr-Feier  im Rathaus von Montluel und soll bald zum Zehnjährigen an die Hohenemser übergeben werden.   

Wallrauch empfindet die Städtepartnerschaftsarbeit als ungemein bereichernd: „Es kommt soviel zurück an Menschlichkeit, an Herzlichkeit und Gastfreundschaft.“ 

Die einzelnen Beziehungen laufen unterschiedlich: Während die Kontakte zwischen Hohenems, Reinach und Ostfildern meistens auf der offiziellen und Verwaltungsebene  laufen, so sind die Kontakte zu den anderen Städten meist auf der privaten Schiene  verortet. Vieles läuft auf Vereinsebene  und über Schüleraustausch. Derzeit machen gerade Azubis aus Reinach und Hohenems im  Ostfilderner Rathaus ein Praktikum.

Wie stark  Verbindungen sind, zeigt sich in Zeiten der Not.    Ostfildern hat die italienische Stadt Mirandola  nach dem schweren Erdbeben im Jahr 2015 mit Spenden unterstützt und allein für den Wiederaufbau der Grundschule rund 50 000 Euro gespendet. Die Unterstützung für Poltawa ist eine permanente. Die Bürgerstiftung Ostfildern  sammelt Spenden für die Ausrüstung der Kinderkrebsstation im Krankenhaus von Poltawa.

Benötigt werden  Artikel   wie ein EKG-Gerät, ein Sterilisator oder eine Notfallleiste für das Krankenbett. „Kein Luxus, sondern nur Basisausstattung“, sagt Wallrauch. Die Klinik in Poltawa schickt eine Bedarfsliste zur Bürgerstiftung, von dort werden die Artikel in der Ukraine bestellt und gekauft. Rund 10 000 bis 20 000 Euro werden so jährlich für die Kinderstation ausgegeben.

Politische Entwicklungen in den einzelnen Ländern sollen in den Partnerschaftsbeziehungen außen vor bleiben. „Die Akteure der Beziehungen handeln auf privater Ebene“, sagt Wallrauch.  Meist gelinge  das, doch die Sorgen der Menschen in Polen oder in der Ukraine blieben nicht verborgen. bob/Foto:bob

 

Info: www.ostfildern.de/staedtepartnerschaften.html, unter Poltawa ist die Spendenkontonummer für die Kinderklinik in Poltawa zu finden.


Abgestimmt

Urlauber finden: Privat betriebene Raststätten an Autobahnen
sind oft schlecht und teuer. Sollen sie besser verstaatlicht werden?
Stimmen Sie hier ab.

Foto: dpa

Verstaatlichen?

Ergebnis

Loading ... Loading ...


Fahrverbote ab 2019

Gericht schreibt Regelungen auch für Euro-5-Diesel in Stuttgart vor

Gegen schmutzige Luft in Stuttgart muss Baden-Württemberg nach einer neuerlichen Gerichtsentscheidung zwingend Fahrverbote für Dieselautos der Euronorm 5 festschreiben. Sollten diese Maßnahmen nicht bis Ende August in den Plan für saubere Luft in der Landeshauptstadt aufgenommen werden, drohen 10 000 Euro Zwangsgeld. Das hat das Verwaltungsgericht Stuttgart in einem von der Deutschen Umwelthilfe initiierten Zwangsvollstreckungsverfahren entschieden. Ob es dann tatsächlich zu Fahrverboten für die betroffenen Dieselautos vom 1. September 2019 an kommt, sei eine Frage der Verhältnismäßigkeit, teilte das Gericht mit.

Bisher hatte sich die grün-schwarze Landesregierung nur auf Fahrverbote für Diesel der Euronormen 1 bis 4 verständigt. Sie sollen vom nächsten Jahr an gelten. Ausnahmen sind vorgesehen. Ob später auch neuere Diesel einbezogen werden, macht die Regierung von der Wirkung des neuen Gesamtpakets zur Luftreinhaltung für Stuttgart abhängig. Es soll 450 Millionen Euro kosten und sieht unter anderem mehr Expressbuslinien und ein besseres Parkraummanagement in Stuttgart vor. Stuttgart kämpft seit Langem gegen zu hohe Feinstaub- und Stickoxid-Werte. 

Nach Darstellung des Verwaltungsgerichts Stuttgart darf das Land Fahrverbote für Euro-5-Diesel nicht auf einen „völlig unbestimmten“ späteren Zeitpunkt verschieben. Die Leipziger Richter (Februar 2018) und vor ihnen auch die Stuttgarter (Juli 2017) hätten entschieden, dass Fahrverbote für Euro-5-Diesel in den Plan für saubere Luft aufzunehmen seien. Die CDU-Fraktion kündigte an, gegen das Urteil Rechtsbeschwerde beim Verwaltungsgerichtshof Mannheim einzulegen. 

Die Landesregierung hatte sich vor dem neuerlichen Richterspruch bereits darauf geeinigt, in Stuttgart als zweiter deutscher Metropole nach Hamburg Fahrverbote einzuführen. Vom 1. Januar 2019 sollen Diesel der Euro-Abgasnorm 4 und schlechter ausgesperrt werden. Allerdings soll es für Anwohner eine Übergangsfrist bis zum 1. April 2019  geben. Dann greift  auch eine Reform der Tarife im Verkehrsverbund VVS, um den Menschen das Umsteigen auf den ÖPNV zu erleichtern. Von den Fahrverboten soll es Ausnahmen etwa für Lieferverkehr und das Handwerk geben, aber auch für Menschen im Schichtdienst, Pflegedienste und Kleinstbetriebe, die bei Verboten in ihrer Existenz bedroht seien. Noch offen ist, wie die Einhaltung der Fahrverbote überwacht werden soll.

Nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamts (Stand 1. Januar 2018) sind in der Region Stuttgart, Böblingen, Esslingen, Göppingen, Ludwigsburg und im Rems-Murr-Kreis insgesamt 534 573 Dieselautos zugelassen. 34 Prozent davon sind mit Euro-5-Norm unterwegs. Hinzu kommen  188 163 Dieselwagen mit den Euronormen 1 bis 4.  dpa/Foto:dpa


„Europäische Brüderlichkeit“

Kirchheims Partnerschaften leben von bürgerschaftlichen Kontakten – Freundschaft und enger Austausch

Die Stadt Kirchheim ist mit den Städten Rambouillet in Frankreich, Kalocsa in Ungarn und Backi Petrovac in Serbien partnerschaftlich verbunden. Während die Städtepartnerschaft mit Rambouillet bereits seit 50 Jahren besteht, wurde die Verbindung mit Backi Petrovac erst im vergangenen Jahr besiegelt. Alle drei Partnerschaften leben durch enge und freundschaftliche Beziehungen und das Engagement der Bürger.

An einem viertägigen Partnerschaftsfest unter dem Motto „Wir leben Europa“ im vergangenen Mai in Kirchheim beteiligten sich mehr als 500 Bürger der drei Städte.  Das Fest wurde anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Partnerschaft mit Rambouillet und der offiziellen Bekräftigung der Partnerschaft mit Backi Petrovac organisiert. Da jedoch Vereine und etliche Bürger wesentlich an der Gestaltung beteiligt waren, förderte die Europäische Union die Veranstaltung aus ihrem Programm „Europa für Bürgerinnen und Bürger“.

So war das Programm neben politischen Gesprächen der Vertreter der Städte und Informationsbesuchen in  kommunalen Einrichtungen  wesentlich von einem umfangreichen Kulturangebot durch Schulen, Vereine und Organisationen geprägt. Da alle europäischen Gäste privat untergebracht waren, waren die Tage von regem Austausch auf einer bürgerschaftlich-freundschaftlichen  Ebene bestimmt. „Ein großes europäisches Ereignis“ nannte Kirchheims Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker das lange Wochenende.

Als die Städte Rambouillet und Kirchheim im Mai 1967 ihre Partnerschaft begründeten, unterzeichneten sie in der Partnerschaftsurkunde den gemeinsamen  Wunsch nach einem vereinten Europa auf der Basis des Austauschs der Einwohner. So sollte die Partnerschaft laut der Urkunde dabei helfen, „durch eine bessere gegenseitige Verständigung das wache Gefühl der europäischen Brüderlichkeit zu fördern“.

Was zeittypisch leicht pathetisch klang, ist längst  Alltag geworden, das Miteinander von Franzosen und Deutschen selbstverständliche Normalität. Die Stadtverwaltungen, aber hauptsächlich die Schulen und Vereine, die Feuerwehren und Kultureinrichtungen und nicht zuletzt viele Bürger pflegen einen engen Austausch und Kontakte. Rund 30 000 Bürger beider Kommunen sind nach einer Zählung der Stadt durch die Partnerschaft in unmittelbaren Kontakt gekommen. „Städtepartnerschaften leben von der persönlichen Begegnung“, betonte Angelika Matt-Heidecker.

Das gegenseitige Verstehen und das Zusammenwachsen zu einem geeinten Europa auf der bürgerschaftlichen Ebene nach den politischen Veränderungen in Osteuropa waren auch die Intentionen für die Beziehungen mit der ungarischen Stadt Kalocsa. Der Partnerschaftsvertrag wurde daher bewusst am 5. Mai 1990, dem Europatag, unterzeichnet und ein Jahr später feierlich bekräftigt.

Seitdem sind auch mit Kalocsa enge freundschaftliche Beziehungen auf der Ebene der Vereine, Organisationen und des Jugendaustauschs entstanden. Auch die Verwaltungen stehen in engem Kontakt und tauschen sich über kommunalpolitisch wichtige Projekte aus. So standen beim Partnerschaftsfest auch Besichtigungen  der Anschlussunterbringung Geflüchteter oder des Schulneubaus Raunercampus auf dem Programm. „Der Blick über den eigenen Tellerrand ist wichtig“, sagte die Oberbürgermeisterin.

Die jüngste Partnerschaft ist die mit der serbischen Kommune Backi Petrovac. Sie wurde 2017 in Serbien unterzeichnet.  Der Kontakt besteht auf privater Ebene freilich schon seit dem Jahr 1966.

Damals hatte Kirchheim die Patenschaft für den Teilort Maglic, die frühere Gemeinde Bulkes, übernommen. Viele Deutschstämmige wurden am Ende des Zweiten Weltkriegs von dort vertrieben und fanden schließlich in Kirchheim eine neue Heimat.

Aus der Patenschaft für die Bulkeser entwickelte sich eine freundschaftliche Beziehung zwischen den  beiden Kommunen. Der Kirchheimer Gemeinderat hatte daher anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Patenschaft 2016 beschlossen, die Freundschaft mit einem offiziellen Partnerschaftsvertrag zu besiegeln. Mit der Bekräftigung der Partnerschaft in diesem Jahr  wurde nun die Basis für eine Vertiefung der  Beziehungen gelegt. pst/Foto: Stadt Kirchheim


Abgestimmt

Frankreich verbietet Schülern bis 15 Jahren internetfähige
Geräte im Unterricht. Was denken Sie? Ist das auch hier wünschenswert?
Stimmen Sie hier ab.

 

Foto: dpa

Handyverbot?

Ergebnis

Loading ... Loading ...


Absage an Nationalismus

Esslingen hat elf Partnerstädte auf drei Kontinenten – Coimbatore in Indien ist jüngster Partner – Ringverbindung ausgezeichnet

Es ist bereits 14 Jahre her, dass die Stadt Esslingen mit der Europaplakette für herausragende Leistungen zur Förderung des europäischen Gedankens ausgezeichnet  wurde. Der Europarat würdigt damit  die Pflege der Beziehungen der Stadt zu ihren zehn Partnerstädten in West-, Mittel- und Osteuropa und in den USA.

Seit damals ist einiges passiert. Die Stadt hat ihre Aktivitäten nach Asien ausgeweitet. Zu der Stadt Coimbatore in Indien pflegt Esslingen seit zwei Jahren eine offizielle Partnerschaft. Die indische Stadt ist die elfte Partnerstadt Esslingens nach Vienne in Frankreich, Schiedam in Holland, Eger in Ungarn, Molodetschno in Weißrussland, Neath in Großbritannien, Norrköping in Schweden, Piotrkow Tribunalski in Polen, Velenje in Slowenien, Udine in Italien und Sheboygan in den USA.

Während des Bürgerfests vor zwei Jahren wurde in Esslingen die Städtepartnerschaft mit der südindischen Stadt Coimbatore offiziell besiegelt. Damit konnten die seit 2007 bestehenden Kontakte auf eine verlässliche Grundlage gestellt und ein Rahmen geschaffen werden, der den Menschen in beiden Städten ein gegenseitiges Kennenlernen ihres Landes, ihrer Kultur, Tradition und Lebensweise ermöglicht.

Die Beziehungen zwischen Esslingen und Coimbatore stehen noch am Anfang. Regelmäßige Begegnungen werden mit dem seit acht Jahren bestehenden Schüleraustausch der Zollberg-Realschule und der Matriculation and Higher Secondary School praktiziert. Ein weiterer Schüleraustausch der Esslinger Gymnasien mit der GD Public School Coimbatore startet im Oktober.

 Im Rahmen der noch jungen Städtepartnerschaft will man künftig jährliche Veranstaltungen zu Themen indischer Tradition, Kultur und Gesellschaft anbieten. „Dies wollen wir, wo immer es möglich ist, im Zusammenwirken mit unseren Partnern in Coimbatore tun“, sagt Jutta Fahrion, die zuständige Referentin im Esslinger Rathaus. In diesem Jahr war eine Delegation zu Besuch, die traditionelle indische Tänze vorgeführt und erklärt hat. Die Veranstaltung nächstes Jahr soll das Thema Yoga näher erläutern.

Coimbatore ist mit rund 1,6 Millionen Einwohnern nach Chennai, dem früheren Madras, die zweitgrößte Stadt im südindischen Bundesstaat Tamil Nadu. Sie liegt im gleichnamigen Distrikt Coimbatore im Westen Tamil Nadus nahe der Grenze zum Bundesstaat Kerala.

Die Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunde war das Ergebnis eines langen Prozesses. Weil die Genehmigung von Städtepartnerschaften in Indien den nationalen und subnationalen Regierungsstellen vorbehalten sind, wurde von den Vertretern der Stadt Coimbatore ein gemeinsam mit Esslingen erarbeiteter Entwurf einer Partnerschaftsvereinbarung bereits im Jahr 2010 zur Genehmigung eingereicht. Die Kontakte sollten aber in der Zwischenzeit gepflegt und vertieft werden. Ein Freundschaftsvertrag sollte das regeln.

Nach langen Verhandlungen unter Einschaltung des Generalkonsulats der BRD in Chennai erhielt die Stadt Coimbatore vor zwei Jahren die Genehmigung zur Unterzeichnung der nach indischem Recht notwendigen und vorgegebenen Partnerschaftsvereinbarung.

Mit der Unterzeichnung der Vereinbarung haben Esslingen und Coimbatore Geschichte geschrieben: Es ist die erste von der indischen Regierung offiziell anerkannte deutsch-indische Städtepartnerschaft.

Oberbürgermeister Jürgen Zieger sieht die Verbindung  als konsequente Weiterentwicklung Esslinger Partnerschaftspolitik, aber auch eingebunden in die künftige Ausrichtung deutsch-indischer Beziehungen. Coimbatore soll neben zwei weiteren Städten im Rahmen der „Smart Cities Initiative“ in den Fokus der deutsch-indischen Zusammenarbeit rücken. Die Bundesrepublik will in diesen drei Städten Projekte des Smart City Programms für eine nachhaltige intelligente Stadtentwicklung unterstützen.

In der Zwischenzeit ist das Bronzerondell auf dem Hafenmarkt ergänzt worden. In Bronze gegossen und nach der jeweiligen Himmelsrichtung ausgerichtet, hat der Esslinger Künstler Helmut Stromsky vor 30 Jahren das Rondell entworfen und installiert und kürzlich die neue Platte  mit der Aufschrift Coimbatore/Indien eingefügt

 Bei der Auszeichung der Stadt durch den Europarat stand auch das Netzwerk der sogenannten Ringpartnerstädte und die  jährliche Konferenz der Partnerstädte im Fokus. Bei der  jüngsten Konferenz   2017  wurde zwischen den Städten Piotrkow Tribunalski, Udine, Velenje und Vienne vereinbart, die gewachsenen Kontakte und Strukturen weiter  auszubauen. Ein  Memorandum mit dem  europäischen Gedanke im Vordergrund wurde formuliert: „Nationalistische Bestrebungen stehen im Widerspruch zu unserem Verständnis der europäischen Gemeinschaft“, heißt es dort. „Wir schauen durchaus besorgt nach Polen“, sagt Jutta Fahrion. Dort sind im November Wahlen, und man sei sehr gespannt, was sich ändere. In Esslingen hofft man, dass der jetzige Bürgermeister im Amt bleiben kann.

Die Bürgermeister der Ringpartnerstädte haben außerdem verschiedene Projekte der Zusammenarbeit vereinbart. So soll das Euromusikfestival in den einzelnen Städten stattfinden und von Gruppen und Künstlern der anderen Städte besucht werden. Dieses wird im Herbst  in Esslingen stattfinden. Laut Fahrion sind bereits sechs Gruppen aus Partnerstädten angemeldet. 

Städtepartnerschaften unterliegen einem  stetem Wandel: So ist die Partnerschaft mit Schiedam in Holland seit einiger Zeit inaktiv – das dortige Rathaus hat kein Interesse an Kontakten. Ähnliches geschieht mit  Neath. Vor einigen Jahren gab es in Wales eine Gebietsreform, seit der Neath zur Stadt Port Talbot gehört. Deren Stadtobere haben die Städtepartnerschaft aufgekündigt – wogegen sich Neath wehrt. „Esslinger Besucher werden in Neath nach wie vor sehr freundlich empfangen“, sagt Fahrion. Norrköping in Schweden wiederum  nutzt die Kontakte vorwiegend zum Expertenaustausch.

   Die ofiziellen Kontakte zur weißrussischen Stadt Molodetschno – lange auf Eis – werden wieder zaghaft aufgegriffen, da es seit zwei Jahren keine willkürlichen Verhaftungen gegeben habe, wie Fahrion sagt. Zur 650-Jahr-Feier der Stadt waren Esslinger Vertreter angereist.

Mit Sheboygan laufe es vorbildlich   – seit nunmehr 50 Jahren, sagt Fahrrion. Die Säule sei der rege Schüleraustausch, der vor allem von Esslinger Seite aus sehr gut angenommen werde.

Die erste Partnerstadt  der Stunde ist Vienne. Mit lange gewachsenen Kontakten seit 60 Jahren: „Wenn heute Besucher kommen, dann frage ich immer, wessen Eltern und Großeltern schon in Esslingen waren“, berichtet  Fahrion. „Dann gehen die meisten Hände hoch.“  bob/Foto:bob