Absage an Nationalismus

Esslingen hat elf Partnerstädte auf drei Kontinenten – Coimbatore in Indien ist jüngster Partner – Ringverbindung ausgezeichnet

Es ist bereits 14 Jahre her, dass die Stadt Esslingen mit der Europaplakette für herausragende Leistungen zur Förderung des europäischen Gedankens ausgezeichnet  wurde. Der Europarat würdigt damit  die Pflege der Beziehungen der Stadt zu ihren zehn Partnerstädten in West-, Mittel- und Osteuropa und in den USA.

Seit damals ist einiges passiert. Die Stadt hat ihre Aktivitäten nach Asien ausgeweitet. Zu der Stadt Coimbatore in Indien pflegt Esslingen seit zwei Jahren eine offizielle Partnerschaft. Die indische Stadt ist die elfte Partnerstadt Esslingens nach Vienne in Frankreich, Schiedam in Holland, Eger in Ungarn, Molodetschno in Weißrussland, Neath in Großbritannien, Norrköping in Schweden, Piotrkow Tribunalski in Polen, Velenje in Slowenien, Udine in Italien und Sheboygan in den USA.

Während des Bürgerfests vor zwei Jahren wurde in Esslingen die Städtepartnerschaft mit der südindischen Stadt Coimbatore offiziell besiegelt. Damit konnten die seit 2007 bestehenden Kontakte auf eine verlässliche Grundlage gestellt und ein Rahmen geschaffen werden, der den Menschen in beiden Städten ein gegenseitiges Kennenlernen ihres Landes, ihrer Kultur, Tradition und Lebensweise ermöglicht.

Die Beziehungen zwischen Esslingen und Coimbatore stehen noch am Anfang. Regelmäßige Begegnungen werden mit dem seit acht Jahren bestehenden Schüleraustausch der Zollberg-Realschule und der Matriculation and Higher Secondary School praktiziert. Ein weiterer Schüleraustausch der Esslinger Gymnasien mit der GD Public School Coimbatore startet im Oktober.

 Im Rahmen der noch jungen Städtepartnerschaft will man künftig jährliche Veranstaltungen zu Themen indischer Tradition, Kultur und Gesellschaft anbieten. „Dies wollen wir, wo immer es möglich ist, im Zusammenwirken mit unseren Partnern in Coimbatore tun“, sagt Jutta Fahrion, die zuständige Referentin im Esslinger Rathaus. In diesem Jahr war eine Delegation zu Besuch, die traditionelle indische Tänze vorgeführt und erklärt hat. Die Veranstaltung nächstes Jahr soll das Thema Yoga näher erläutern.

Coimbatore ist mit rund 1,6 Millionen Einwohnern nach Chennai, dem früheren Madras, die zweitgrößte Stadt im südindischen Bundesstaat Tamil Nadu. Sie liegt im gleichnamigen Distrikt Coimbatore im Westen Tamil Nadus nahe der Grenze zum Bundesstaat Kerala.

Die Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunde war das Ergebnis eines langen Prozesses. Weil die Genehmigung von Städtepartnerschaften in Indien den nationalen und subnationalen Regierungsstellen vorbehalten sind, wurde von den Vertretern der Stadt Coimbatore ein gemeinsam mit Esslingen erarbeiteter Entwurf einer Partnerschaftsvereinbarung bereits im Jahr 2010 zur Genehmigung eingereicht. Die Kontakte sollten aber in der Zwischenzeit gepflegt und vertieft werden. Ein Freundschaftsvertrag sollte das regeln.

Nach langen Verhandlungen unter Einschaltung des Generalkonsulats der BRD in Chennai erhielt die Stadt Coimbatore vor zwei Jahren die Genehmigung zur Unterzeichnung der nach indischem Recht notwendigen und vorgegebenen Partnerschaftsvereinbarung.

Mit der Unterzeichnung der Vereinbarung haben Esslingen und Coimbatore Geschichte geschrieben: Es ist die erste von der indischen Regierung offiziell anerkannte deutsch-indische Städtepartnerschaft.

Oberbürgermeister Jürgen Zieger sieht die Verbindung  als konsequente Weiterentwicklung Esslinger Partnerschaftspolitik, aber auch eingebunden in die künftige Ausrichtung deutsch-indischer Beziehungen. Coimbatore soll neben zwei weiteren Städten im Rahmen der „Smart Cities Initiative“ in den Fokus der deutsch-indischen Zusammenarbeit rücken. Die Bundesrepublik will in diesen drei Städten Projekte des Smart City Programms für eine nachhaltige intelligente Stadtentwicklung unterstützen.

In der Zwischenzeit ist das Bronzerondell auf dem Hafenmarkt ergänzt worden. In Bronze gegossen und nach der jeweiligen Himmelsrichtung ausgerichtet, hat der Esslinger Künstler Helmut Stromsky vor 30 Jahren das Rondell entworfen und installiert und kürzlich die neue Platte  mit der Aufschrift Coimbatore/Indien eingefügt

 Bei der Auszeichung der Stadt durch den Europarat stand auch das Netzwerk der sogenannten Ringpartnerstädte und die  jährliche Konferenz der Partnerstädte im Fokus. Bei der  jüngsten Konferenz   2017  wurde zwischen den Städten Piotrkow Tribunalski, Udine, Velenje und Vienne vereinbart, die gewachsenen Kontakte und Strukturen weiter  auszubauen. Ein  Memorandum mit dem  europäischen Gedanke im Vordergrund wurde formuliert: „Nationalistische Bestrebungen stehen im Widerspruch zu unserem Verständnis der europäischen Gemeinschaft“, heißt es dort. „Wir schauen durchaus besorgt nach Polen“, sagt Jutta Fahrion. Dort sind im November Wahlen, und man sei sehr gespannt, was sich ändere. In Esslingen hofft man, dass der jetzige Bürgermeister im Amt bleiben kann.

Die Bürgermeister der Ringpartnerstädte haben außerdem verschiedene Projekte der Zusammenarbeit vereinbart. So soll das Euromusikfestival in den einzelnen Städten stattfinden und von Gruppen und Künstlern der anderen Städte besucht werden. Dieses wird im Herbst  in Esslingen stattfinden. Laut Fahrion sind bereits sechs Gruppen aus Partnerstädten angemeldet. 

Städtepartnerschaften unterliegen einem  stetem Wandel: So ist die Partnerschaft mit Schiedam in Holland seit einiger Zeit inaktiv – das dortige Rathaus hat kein Interesse an Kontakten. Ähnliches geschieht mit  Neath. Vor einigen Jahren gab es in Wales eine Gebietsreform, seit der Neath zur Stadt Port Talbot gehört. Deren Stadtobere haben die Städtepartnerschaft aufgekündigt – wogegen sich Neath wehrt. „Esslinger Besucher werden in Neath nach wie vor sehr freundlich empfangen“, sagt Fahrion. Norrköping in Schweden wiederum  nutzt die Kontakte vorwiegend zum Expertenaustausch.

   Die ofiziellen Kontakte zur weißrussischen Stadt Molodetschno – lange auf Eis – werden wieder zaghaft aufgegriffen, da es seit zwei Jahren keine willkürlichen Verhaftungen gegeben habe, wie Fahrion sagt. Zur 650-Jahr-Feier der Stadt waren Esslinger Vertreter angereist.

Mit Sheboygan laufe es vorbildlich   – seit nunmehr 50 Jahren, sagt Fahrrion. Die Säule sei der rege Schüleraustausch, der vor allem von Esslinger Seite aus sehr gut angenommen werde.

Die erste Partnerstadt  der Stunde ist Vienne. Mit lange gewachsenen Kontakten seit 60 Jahren: „Wenn heute Besucher kommen, dann frage ich immer, wessen Eltern und Großeltern schon in Esslingen waren“, berichtet  Fahrion. „Dann gehen die meisten Hände hoch.“  bob/Foto:bob


Per Rad übers Tal

Lückenschluss: Radweg über die Körschtalbrücke wird gebaut

Für die Autofahrer ist es ein Umweg: Wer von der Autobahn kommt und nach Esslingen oder zur B 10 will, muss wie früher den Weg durch das Körschtal nehmen. Der Grund: Die Körschtalbrücke, ein Teil der L 1192, ist bis Oktober nur in Richtung Autobahn A8 befahrbar, da auf der anderen Spur der Radweg gebaut wird.
So wie es den Autofahrern in Richtung Esslingen derzeit ergeht, so war es für die Radler immer schon. Als das Körschtalviadukt vor rund 24 Jahren erbaut wurde, sahen die Planer keine Spur für Fahrräder vor. Bis heute gilt: Motorfahrzeuge nehmen den kurzen und geraden Weg über die 55 Meter hohe Brücke, der steile und längere Weg durch das tief eingeschnittene Flusstal muss Muskelkraft bewältigen.
Das hat nun im Herbst ein Ende. Am westlichen Kurvenrad der Brücke wird der Radweg angelegt. Die Fahrbahn wird eingeengt und gleichzeitig der vorhandene Notgehweg auf der westlichen Seite um rund zwei Meter verbreitert. Außderdem wird der Übersteigschutz außen vergrößert. Dem motorisierten Verkehr wird dann jeweils eine 3,75 Meter breite Fahrspur zur Verfügung stehen, die auch für den Lkw-Verkehr ausreicht. Der Radweg auf der Brücke wird dann 2,75 Meter breit und im Gegenverkehr zu befahren sein. Er wird nördlich und südlich der Körschtalbrücke an vorhandene Wege angeschlossen. „Damit bekommen Radlerinnen und Radler eine weitere attraktive Radverbindung zwischen dem Neckartal und den Fildern, ohne den großen Höhenunterschied durch das Körschtal überwinden zu müssen“, so Verkehrsminister Winfried Hermann, der zum Auftakt der Bauarbeiten gekommen war. Mit dem Radweg über das Viadukt wird eine 820 Meter lange Lücke im Radwegenetz geschlossen. 700 Meter davon befindem sich auf dem Viadukt, die restlichen Wege entfallen auf die Rampen im Norden und Süden. Auf Ostfilderner Gemarkung wird ein Feldweg als Zubringer auf einer Länge von 240 Metern ausgebaut. Rund zwei Millionen Euro investiert das Land in den Lückenschluss, die Stadt Ostfildern übernimmt den notwendigen Grunderwerb nördlich der Brücke, südlich davon übernimmt die Gemeinde Neuhausen. Deren Bürgermeister Ingo Hacker freute sich über das „lange überfällige Projekt“: Schließlich würden viele Neuhausener Schüler auf die weiterführenden Schulen nach Nellingen fahren. Hacker hoffte auch, dass viele Berufspendler mit der neuen Verbindung aufs Rad umsteigen. Laut Verkehrsminister Hermann gehört die  L 1192 zu den meist befahrenen Landstraßen im Bundesland mit 25 000 bis 30 000 Autos am Tag.
Während der Autoverkehr durch das Körschtal und über Nellingen zurück zur L 1202 geführt wird, läuft der Lastverkehr auf der L 1204 durch Denkendorf über Deizisau zur B 10. Am 12. Oktober soll die Sperrung auf der Brücke aufgehoben sein, der Radweg wird nach dem Ausbau der Feldwege im November komplett benutzbar sein. bob/Foto:bob


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