Europäische Stadt

Tag des offenen Denkmals am 9. September –  Suche nach europäischem Erbe

Der Tag des offenen Denkmals findet am Sonntag, 9. September, statt. Die 25. Auflage dieser Veranstaltung steht unter dem Motto  „Entdecken, was uns verbindet“, das die Deutsche Stiftung Denkmalschutz innerhalb des „Europäischen Jahrs des Kulturerbes“ ausgerufen hat. Damit soll für die Bewahrung des gemeinsamen europäischen Kulturerbes als Vielfalt in Einheit sensibilisiert werden.

Die Stadt Esslingen hat ein umfangreiches Programm aufgelegt, in dem sie sich auch als europäische Stadt präsentieren will. Insgesamt sind  57 Programmpunkte für  Erwachsene und Kinder zusammengekommen, die eine Brücke zwischen den verschiedenen Aspekten europäischer Kultur schlagen sollen. Kirchen, der Dicke Turm, alte Rathäuser oder  die Schelztor-Sporthalle stehen im Mittelpunkt von Rundgängen. An alten Industrieanlagen und Fabriken soll die Entwicklung der Wirtschaft deutlich werden, die Entstehung  und die Entwicklung  neuer Stadtteile wird am Beispiel des Weststadt-Quartiers nachvollzogen. Essen, Gesundheit und Bildung sind Themen bei der Ratsapotheke, der Sektherstellung oder auch bei der Kirchenbibliothek. Der jüdische Friedhof steht für die Erinnerung, die Lenauanlage als Beispiel für Gartenbaukunst zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Erstmalig steuert das Landesamt für Denkmalpflege einen Programmpunkt bei und öffnet die Werkstätten der Bau- und Kunstdenkmalpflege. Kinderführungen, zum Beispiel auf geheimen Wegen zur Burg, gibt es ebenso wie Orgelführungen und Konzerte mit „Podium“-Künstlern. Die Kunst steht auch zur  Eröffnung durch Oberbürgermeister Jürgen Zieger um 11 Uhr am Marktplatz im Vordergrund. Ein  Intermezzo  zwischen der Esslinger Zwiebel und einer Banane ist geplant. Das Programm mit einer Karte zu den Führungsorten und Startpunkten gibt es bei der  Esslinger Stadtmarketing und Tourismus GmbH (EST) am Marktplatz und in den Bürgerbüros sowie digital unter www.esslingen.de.

In Aichwald stehen  die Kirchen in den Ortsteilen im Zentrum. Führungen laufen in der Dorfkirche in Schanbach (11.30 und 15.30 Uhr durch Hermann Proß), in der evangelischen Pfarrkirche in Aichelberg (14.30 Uhr durch Erika Schüssler) und in St. Gereon und Margaretha in Aichschieß  (11 und 15 Uhr durch Joachim Hörsch). In Nürtingen und Kirchheim stehen Führungen durch die jeweilige Altstadt und die Kirchen an, in Wolfschlugen öffnet das Stickereimuseum, in Lenningen das Schlössle. Ostfildern widmet  sich dem Stadtteil Scharnhausen, Neuhausen der katholischen Kirche und der ersten Apotheke und die Uni Hohenheim lädt in den Park und den exotischen Garten ein.    bob / Foto: bob

Info: www.tag-des-offenen-denkmals.de, dort Kreis Esslingen und gewünschte  Kommunen anklicken. 


Vom Dialog zum Trialog

Deutsch-israelisch-arabischer Austausch: Der Landkreis Esslingen pflegt eine besondere Partnerschaft

Ein farbenprächtiges Graffiti mit drei Städtenamen leuchtet seit einiger Zeit an der Zufahrt zur Tiefgarage des Landratsamts: Trialog Givatayim-Nürtingen-Rama steht auf der Betonwand zu lesen. Schülerinnen und Schüler aus den drei genannten Städten – arabische, israelische und deutsche – haben hier zusammengearbeitet. Hintergrund ist die bereits seit 35 Jahren bestehende Partnerschaft zwischen dem Kreis Esslingen und der Stadt Givatayim in Israel, in die mittlerweile auch die arabische Kleinstadt Rama eingetreten ist. Die Partnerschaft ist lebendig, vielschichtig und nimmt immer wieder neue Impulse auf.
Eine Gruppe des Kreisjugendrings Esslingen (KJR) war die erste, die 1966 nach Israel fuhr, um Aussöhnung und Dialog zu suchen. In den Folgejahren besuchten sich Folk­lore- und Sportgruppen, Politiker und Jugendleiter, auch fan­den gemeinsame Seminare zu geschichtlichen Themen statt. Die offizielle Partnerschaftsurkunde wurde im Jahr 1983 unterzeichnet. Wenig später kam die Idee eines Hauses auf, das der Kreis Esslingen in Givatayim als Gästehaus betreiben sollte. Das Projekt wurde von einer großen Spendenaktion in Israel und Deutschland begleitet. 1991 wurde der Grundstein für dieses Haus gelegt, fünf Jahre später wurde es offiziell eingeweiht und der Kreisjugend­ring übernahm dessen Betrieb als Gästehaus. 2002 stellte man allerdings diese Nutzung wegen der schwierigen politischen Situation wieder ein – seit 2002 vermietet der KJR das Gästehaus nun an das Givatayim-Theater.
Im Jahr 1992 traten erstmals eine deutsche und eine israelische Berufsschule in den Dialog: das ORT-Technikum in Givatayim und die Philipp-Matthäus-Hahn-Schule in Nürtingen. Ein erster Schüleraustausch fand statt, zwei Jahre später besiegelten beide offiziell die Partnerschaft.
Eine weitere Schulbeziehung folgte zwischen dem Ben-Zwi-College Givatayim und der Jakob-Friedrich-Schöllkopf-Schule Kirchheim (JFSS). Der Schüleraustausch entwickelte sich zur festen Größe. Zahlreiche gegenseitige Besuche fanden statt, man schnupperte in den Schulalltag der jeweils anderen Seite, erkundete deren Land, stellte aber auch gemeinsame Ausstellungen zur Landesgeschichte auf die Beine, Lehrer aus Israel unterrichteten in Deutschland. Im Jahr 2001 haben Berufsschüler aus Deutschland gemeinsam mit israelischen Schülern in Givatayim im ORT-Technikum einen Holzpavillon aufgebaut.
Um diese Zeit wurde der Dialog zum Trialog, denn bei einem pädagogischen Seminar zum Thema Wertevermittlung kamen die Beteiligten zu dem Schluss, dass auch arabische Jugendliche in den Austausch einbezogen werden sollen. Man machte Nägel mit Köpfen und streckte die Fühler in die arabische Stadt Rama im oberen Galiläa aus. Noch ein offizieller Besuch, dann war auch die dortige Agricultural Technical High School mit im Boot.
Weitere Begegnungen, Diskussionen, Kulturveranstaltungen folgten. 2005 wurde in der Philipp-Matthäus-Hahn-Schule ein Holzgebäude vorgefertigt und im Herbst gemeinsam mit Vertretern aus Givatayim und Schülern der Agricultural Technical High School auf dem Schulgelände in Rama aufgebaut.
Der Trialog funktioniert, auch die Kommunikation zwischen Rama und Givatayim. Mit der Thelma Yellin High School of the Arts in Givatayim kam vor zehn Jahren noch ein musikalisch orientierter Partner hinzu, dessen Jazzband und Chor schon für viel Freude im Kreis Esslingen gesorgt haben.
Die Kontinuität der Schulfreundschaften ist ein Juwel in der Partnerschaft, immer wieder wurden aber auch neue Beteiligte aktiv und neue Ideen eingebracht. Oder auch Bäume gepflanzt: Am Aufforstungsprojekt des jüdischen Nationalfonds hat sich der Kreis Esslingen – wie andere in der Region – beteiligt, so dass es jetzt einen Baumhain mit dem Namen des Kreises in Israel gibt.
Der Kreisjugendring, der ja am Anfang des Austausches stand, stieg 2014 wieder ein und förderte die Begegnung von Jugendlichen aus „Subkulturen“ wie der Skaterszene oder Rock-Gruppen. Die Kunststipendiaten des Landkreises Esslingen stellten in Israel aus, und auch junge Tischtennisspieler kamen in einer sportlichen Begegnung zusammen.
Mittlerweile sei der Austausch zwischen dem Landkreis Esslingen und der Stadt Givatayim „sehr breit aufgestellt“, sagt Peter Keck, der Pressesprecher des Kreises. „So können wir der wichtigen Aufgabe gerecht werden, die Menschen unserer beiden Länder, die Religionen und die beiden Nationen einander näherzubringen.“ Er selbst hat den Austausch über Jahrzehnte begleitet und freut sich, dass über ihn „ein Stück Normalität in die immerwährenden, besonderen Beziehungen zwischen Israel und Deutschland“ kommt. aia / Foto: bul


Abgestimmt

Der Gesundheitsminister will Organspenden ankurbeln:
Jeder soll Spender sein, es sei denn, er widerspricht. Gut so?

Foto: dpa

Jeder ein Spender?

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