Zimmer gesucht

In Esslingen und Nürtingen ist die Lage für Studenten recht entspannt

Wer in Stuttgart studiert, findet nicht leicht eine Bleibe. Längst nicht alle Interessenten werden dieses Jahr in den Wohnheimen des Studierendenwerks Stuttgart unterkommen. In Esslingen und Nürtingen ist die Lage entspannter. Trotzdem ruft auch hier die Kampagne „Platz für Studierende“ Privatleute dazu auf, an Studenten zu vermieten

„Zum anstehenden Wintersemester gibt es noch freie Plätze in unseren Wohnanlagen“, berichtet die Pressesprecherin des Studierendenwerks Stuttgart, Anita Bauer, für Esslingen. Die neuen Wohngebäude auf dem Hengstenbergareal, Rossneckar I und II mit insgesamt rund 250 Zimmern in Wohngemeinschaften haben deutliche Entspannung gebracht. Ob das so bleibt oder der Markt wieder anzieht, hängt auch von der Entwicklung der Hochschule ab, die derzeit in der Weststadt neu baut.

Weitere Wohnheime in Esslingen sind im Goerdelerweg, in der Geschwister-Scholl-Straße und in der Fabrikstraße. Insgesamt kommen rund 700 Zimmer zusammen, deren Preise zwischen 265 und 360 Euro liegen, abhängig vom Gebäude und der Wohnform – in einer Flurgemeinschaft mit gemeinsamer Küche sind die Preise günstiger als in Appartements oder kleineren Wohngemeinschaften. Eine Besonderheit ist das Boardinghouse in der Mettinger Straße, in dem 45 möblierte Appartements für kurze Zeit – zwischen einem und sechs Monaten – vermietet werden. Das sei besonders für Studierende im internationalen Austausch, im Praxissemester oder im dualen Studium interessant, sagt Bauer. „Da bieten wir auch den Service an, dass man alle 14 Tage die Bettwäsche oder die Handtücher gewechselt bekommt.“

In Nürtingen, wo das Studierendenwerk Tübingen-Hohenheim über insgesamt 302 Wohnheimplätze in den Gebäuden Schelmenwasen 10 und Sudetenstraße 125 bis 129 verfügt, sind die Zimmer günstiger: Je nach Größe und Wohnform kosten sie zwischen 178 und 293 Euro monatlich, unmöblierte Einzelappartements gut 300 Euro. Vor allem Erstsemester würden hier aufgenommen, damit ihnen der Start leichter fällt, erklärt Marita Benz vom zuständigen Studierendenwerk. Den Neuen könne man in der Regel einen Wohnheimplatz anbieten, wenn sie die Unterlagen fristgerecht und vollständig vorlegten.

Beide Studierendenwerke betreiben eine Online-Plattform für die Vermittlung von Privatzimmern, auf der Vermieter kostenlos ihr Angebot einstellen können. Das Studierendenwerk Stuttgart und der Verein „Haus und Grund“ appellieren zudem mit ihrer Kampagne „Platz für Studierende“ an die Eigentümer in der ganzen Region. Denn diese ist als Wohnort auch für Studenten der Stuttgarter Hochschulen interessant, insbesondere dort, wo die Verkehrsverbindung gut ist.  aia / Foto: Meike Hansen


Das Symbol des Wiederaufstiegs

Vor 70 Jahren wurde die D-Mark eingeführt – Währung steht für Stabilität und Aufschwung

  

Sie gilt als das Symbol des deutschen Wirtschaftswunders: Als die D-Mark am 21. Juni 1948 in den westlichen Besatzungszonen eingeführt wurde, füllten sich über Nacht die Regale der Geschäfte. Im Laufe der Zeit entwickelte sich die D-Mark zur zweitwichtigsten Reserve- und Handelswährung der Welt nach dem US-Dollar. Auch heute noch – im 17. Jahr nach Einführung des Euro-Bargeldes – sind Mark und Pfennig im Milliardenwert im Umlauf. Immer wieder werden alte Schätze durch Zufall entdeckt.
„Die D-Mark ist das Symbol für den Wiederaufstieg Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg“, erklärt Bundesbank-Vorstand Johannes Beermann. Zunächst war die Währungsreform für viele Deutsche jedoch ein Schock. Jeder Bürger erhielt 40 Mark „Kopfgeld“ und einen Monat später nochmals 20 Mark. Für 100 Reichsmark auf dem Sparbuch gab es 6,50 D-Mark. Damit wurden viele Kleinsparer zu Verlierern der Währungsumstellung, weil ihre Guthaben aufgezehrt wurden. Löhne wie auch Mieten und Steuern hingegen wurden im Verhältnis 1:1 umgestellt.
Der harte Schnitt führte zu knappem und damit stabilem Geld. Tauschhandel oder die „Zigarettenwährung“ am Schwarzmarkt verschwanden. Weil sie der nutzlos gewordenen alten Währung Reichsmark nicht mehr trauten, hatten die Händler im zerstörten Nachkriegs-Deutschland zunächst Waren gehortet. Als entscheidende Wegmarke zum Auftritt der D-Mark auf der internationalen Bühne gilt der Übergang zur uneingeschränkten Umtauschbarkeit 1958.
Anders als der lange geplante Euro kam die wichtigste Bewährungsprobe für die D-Mark völlig unerwartet: „Kommt die D-Mark, bleiben wir, kommt sie nicht, geh’n wir zu ihr!“, skandierten die Menschen in Ostdeutschland im Wendeherbst 1989. „Die D-Mark war für die Menschen in der früheren DDR ein Symbol der Freiheit“, erinnert Beermann. Noch vor der politischen Einheit ersetzte die D-Mark am 1. Juli 1990 in einer beispiellosen Aktion die DDR-Mark zu einem allgemeinen Umtauschkurs von 1:1. Vor allem der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) drängte auf eine zügige Wirtschafts- und Währungsunion – trotz Warnungen auch seitens der Bundesbank. Das Problem: Mit der Einführung der D-Mark fand sich die Wirtschaft der untergehenden DDR über Nacht im rauen Wettbewerb der Marktwirtschaft wieder.
Gut elf Jahre später löste der Euro die D-Mark ab. Anfangs als „Teuro“ gescholten, scheinen sich die Menschen in Deutschland mit der Gemeinschaftswährung inzwischen ausgesöhnt zu haben. „Der Euro hat eine extrem hohe Akzeptanz“, sagt Beermann. Bei einer im Herbst 2017 veröffentlichten Umfrage im Auftrag der EU-Kommission sprachen sich 81 Prozent der Befragten in Deutschland für den Euro aus.
Zunächst hatten allerdings viele Menschen den Eindruck, mit der Einführung des neuen Bargeldes am 1. Januar 2002 sei das Leben schlagartig teurer geworden. „Das Teuro-Gefühl ist subjektiv und lässt sich nicht durch Zahlen belegen“, argumentiert Beermann.
Doch die D-Mark haben viele immer noch im Hinterkopf: 37,9 Prozent der Deutschen rechnen bei größeren Anschaffungen regelmäßig oder zumindest ab und zu Euro-Preise in D-Mark um, wie eine Umfrage von TNS Emnid im Auftrag der Postbank in diesem Mai ergab. Bei den 50- bis 59-Jährigen unter den 1026 befragten Erwachsenen war es sogar gut jeder Zweite (51 Prozent). Den Ostdeutschen ist die D-Mark demnach noch etwas näher als den Menschen in Westdeutschland: 41,9 Prozent der Ostdeutschen rechnen der Umfrage zufolge heutige Preise in D-Mark um, in Westdeutschland ergab sich ein Anteil von 37 Prozent.
Bislang steht der Euro der D-Mark in Sachen Stabilität in nichts nach – im Gegenteil. So verlor die Mark in den letzten zehn Jahren ihrer Geltung bei im Schnitt zwei Prozent Inflation mehr an Wert als der Euro. Die Gemeinschaftswährung ist angesichts einer durchschnittlichen Preissteigerungsrate von 1,6 Prozent auf Zehnjahressicht etwas stabiler. Doch die Angst vor der Geldentwertung hat sich tief ins deutsche Bewusstsein eingegraben. „Ich glaube, dass wir Deutschen mit den Erfahrungen der zwei Hyperinflationen ein Auge auf die Inflation haben“, sagt Beermann.
Ganz verschwunden ist die D-Mark auch gut 16 Jahre nach der Euro-Einführung nicht. Scheine im Wert von 5,91 Milliarden Mark (3,02 Milliarden Euro) und Münzen im Wert von 6,69 Milliarden Mark (3,42 Milliarden Euro) sind noch im Umlauf (Stand: Ende Mai).
Und immer wieder tauchen alte Schätze durch Zufall auf. So entdeckte der Käufer eines Hauses bei Gartenarbeiten ein Versteck mit 349 000 Mark. Selbst D-Mark-Blüten tauchen ab und zu in Bundesbank-Filialen auf, wo die alten Scheine und Münzen in Euro umgetauscht werden. „Mancher setzt beim Umtausch auf den Effekt, dass man die D-Mark-Noten nicht mehr so präsent hat – aber unser Personal ist sehr gut geschult“, warnt Bundesbankdirektor Matthias Callen.
Alte Scheine und Münzen können – anders als in vielen anderen Euroländern – bei der Bundesbank unbefristet umgetauscht werden. „Es ist wichtig für das Vertrauen der Bürger, dass die D-Mark unbegrenzt ihre Gültigkeit behält und die Bundesbank sie weiterhin zum amtlichen Kurs in Euro umtauscht“, argumentiert Beermann.

Friederike Marx und Jörn Bender / Foto: links: dpa, rechts: Deutsche Bundesbank


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Foto: dpa

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