Zeit der Gaukler

Esslinger Mittelalter- und Weihnachtsmarkt  bis 21. Dezember

In Esslingen hat die größte und am längsten dauernde Veranstaltung im Kalender der Stadt begonnen: Bis zum 21. Dezember locken Weihnachtsmarkt und  Mittelaltermarkt  die Besucher in die Altstadt. Das Programm der Veranstalter der Esslingen Tourismus und Marketing GmbH (EST) aus Unterhaltung, Mitmachaktionen und Konsum zieht schon seit Jahrzehnten: 40 Jahre gibt es den Weihnachtsmarkt, 20 Jahre den Mittelaltermarkt. Rund eine Million Besucher kommen deswegen jedes Jahr in die Stadt.

Rund 160 Stände bauen die Beschicker auf dem Marktplatz, dem Rathausplatz und dem Hafenmarkt auf – mit einem leichten Übergewicht an Ständen auf dem Mittelaltermarkt. 40 weitere Stände kommen an den drei Adventswochenenden hinzu, wenn Eventmanager Til Maehr die überwiegend kunsthandwerklichen Aussteller für die Ritterstraße engagiert.

Neue Anbieter  gibt es auf den großen Märkten: Stände mit Gewürzen, Spätzle, Springerle, Mützen und Gourmetwaren ergänzen das bewährte Angebot. Auf dem Mittelaltermarkt sind  ein Stand mit Ledermasken   und im Zwergenland ein Wikinger-Karussell erstmals dabei. Dort gibt es auch eine Fachwerkbaustelle für Kinder. Ein neuer Märchenerzähler zieht ins Zelt auf dem Hafenmarkt ein. Dafür müssen die Kleinen auf die Weihnachtsbäckerei verzichten. Der Anbieter, die Bäckerei Zoller, hat kein Personal mehr gefunden, den Stand zu betreuen. Mitmachangebote und Workshops, auch für Familien, stehen jedes Jahr hoch im Kurs: So kann man  Räuchern lernen, Parfüm herstellen, drucken, einen Fechtkurs besuchen oder Bogenschießen üben. Ein historischer Tanzabend steht ebenso an wie  die Falknervorführungen und der Fackelzug zur  Burg.

Für  Stimmung soll das    tägliche  Programm der Gaukler, Marketender, Hökerer und Ritter sorgen. Die Veranstalter der EST legen beim Unterhaltungs- und Kulturprogramm großen Wert auf Qualität, wie Marktleiterin Petra Pfeiffer  betont.  Das Programm der Dauerkünstler auf dem Markt wird ergänzt durch temporäre und Einzelveranstaltungen. Renommierte Künstler der Szene treten dabei auf, wie die Gruppe  Faun, die am 11. Dezember im Münster St. Paul spielt. Der Markt ist mit 25 Markttagen und drei Wochenenden vergleichsweise kurz. Die EST steuert mit einer um eine Stunde verlängerte Öffnungszeit   donnerstags bis samstags dagegen. Shuttlebusse  verbinden die Innenstadt mit Parkplätzen in  Oberesslingen und Mettingen.

Das SWR-Fernsehen sendet am Sonntag, 2. Dezember, sowie am Montag, 10. Dezember,    in der Reihe  „Mensch  Leute“ Beiträge über den Markt.   bob / Foto: bul

Info: Weihnachts- und Mittelaltermarkt in Esslingen, bis 21. Dezember, täglich geöffnet von 11 bis 20.30 Uhr, donnerstags bis samstags bis 21.30 (www.esslingen-marketing.de).


Jetzt kommt der Bücherwinter

Die ECHO-Redaktion stellt ihre Tipps vor: Lesestoff für die kalte Jahreszeit

Eine warme Decke, die Kissenburg im Rücken, der Tee dampft in der Tasse und dazu die richtige Lektüre – derartig gewappnet kann der Winter kommen. Die ECHO-Redaktion hat aus den neuen Veröffentlichungen regionaler Verlage und Autoren lesenswerte Bücher ausgesucht, die ohne Mühe das schlimmste Schmuddelwetter vergessen lassen.

Der indische Falschspieler Vinajaka Khan ist auf der Flucht vor den Behörden in einem Aschram in einem Schwarzwald-Dorf gelandet, wo er, nach seines Meisters Wunsch, neben einer versiegten Quelle meditieren muss, bis sie wieder sprudelt. Eine recht fade Angelegenheit, was den umtriebigen Zeitgenossen so gar nicht ausfüllt. Viel mehr beschäftigt ihn das Verschwinden einer jungen Frau, was offensichtlich auch die Eigentums- und Machtverhältnisse in der näheren Region verändert hat. Zusammen mit seinem zunächst grummeligen Nachbarn begibt er sich auf Spurensuche, die nicht von allen Einheimischen goutiert wird. Die Schwierigkeiten folgen auf dem Fuß. Humorvoll erzählter Kultur-Clash, bei dem indische Lebensphilosophie auf badischen Klüngel trifft.
Daniel Bachmann: Die Tote im Tann, emons Verlag, Köln

Wenn es draußen kalt und dunkel ist, der Wind heult und Geräusche undefinierbarer Herkunft ans Ohr dringen, dann ist dies das perfekte Ambiente, um die neuen Gruselgeschichten der Stuttgarter Autorin Nina Blazon zu lesen. Die mulmigen Momente werden hier nicht nur durch grauenvolle Monster oder fiese Geister heraufbeschworen, sondern durch die Ängste der Protagonisten geweckt. Diese sind so nachvollziehbar geschildert, dass sich die junge Leserschaft (ab zehn Jahren) ihnen nicht entziehen können wird. Daher Vorsicht: Nina Blazon ist eine Meisterin ihres Fachs, so dass das Buch nur Kindern und Jugendlichen mit starken Nerven unter den Tannenbaum gelegt werden sollte.
Nina Blazon: Siebengeschichten, Aladin Verlag, Hamburg

In ihrem neuen Roman entführt die Autorin Pia Rosenberger erneut in das mittelalterliche Esslingen. Sie erzählt die Geschichte der Tochter des Gewürzhändlers weiter, in dem sie Tessa Berthiers Ziehtochter Leontine in eine Reihe von Konflikten schickt. Auf sie wird ein Brandanschlag aufgrund des Verdachts der Hexerei verübt, und ausgerechnet Mattis, der von ihrem Ziehvater Corenthin Wagner verfolgt wird und mit den Mordbrennern zu tun hat, rettet ihr das Leben. Leontine flieht nach Urach zur ehemaligen Herzogin Sabina, aber auch dort ist sie nicht sicher. Kenntnisreich, mit viel Liebe zum Detail und sprachlicher Finesse versteht es Pia Rosenberger, historische Fakten lebendig werden zu lassen. Ein spannender, temporeicher Plot und fein herausgearbeitete Figuren machen dieses Buch zum Lesevergnügen.
Pia Rosenberger: Die Prinzessin der Kelche, emons Verlag, Köln

Dass Vincent Klink nicht nur ein begnadeter Koch, sondern auch ein kluger Kopf ist, der mit allerlei Bonmots und Geschichten zu unterhalten weiß, hat er schon mehrfach bewiesen. In seinem neuen Buch gibt er Einblicke in seine Gedanken, die ihn bewegten und bewegen, die er seit dem 21. April 2006 täglich aufgeschrieben hat. Das hat viel mit seinem Beruf rund um die Gastronomie sowie Essen und Trinken zu tun, aber auch zeitgenössische Betrachtungen wie zum Beispiel zur Verleihung des alternativen Nobelpreises an kanadische Bauern, zum Abschuss des Problembären Bruno und zum Thema Reaktorsicherheit haben in seinem neuen Buch Platz gefunden. Obendrein gibt es jede Menge Rezepte und launige Anekdoten aus dem Leben des Chefs der Stuttgarter Wielandshöhe.
Vincent Klink: Angerichtet, herzhaft und scharf!, Klöpfer&Meyer, Tübingen

In einer Wohnung im oberschwäbischen Biberach wird der vom Rumpf abgetrennte Kopf von Alvin Blank gefunden. Von seiner Frau und seinem kleinen Söhnchen fehlt jede Spur. Lediglich eine mysteriöse Datumsangabe am Badezimmerspiegel weist darauf hin, dass der Alptraum erst begonnen hat. Spuren führen Hauptkommissarin Greta Gerber zur Agentur Bussenkindle, die Paaren mit bislang unerfülltem Kinderwunsch Wallfahrtstouren zum Bussen, dem heiligen Berg Oberschwabens, anbietet. Und Pfarrer Goettle? Der beschäftigt sich mit einem Findelkind, das vor seiner Haustür abgelegt wurde, und ahnt zunächst nicht, dass er schon bald dunklen Mächten gegenübersteht, die den Jungen in ihre Gewalt bringen wollen.
Olaf Nägele: Goettle und das Kindle vom Bussen, Silberburg-Verlag, Tübingen

In einer Märznacht stürzt eine Frau namens Claire vom Balkon und fällt einer anderen, Helen, im wahrsten Wortsinn vor die Füße. Doch anstatt diesen Fall bei der Polizei anzuzeigen, nimmt Helen den Schlüsselbund zu Claires Wohnung an sich und beobachtet von ihrem Balkon aus, was geschieht. Ein Mann kommt aus dem Nachbarhaus, betrachtet die Tote und eilt davon. Es ist Claires Mann und Helen beschließt, dass sie ihm näherkommen will. Aus dem Wunsch wird Manie und so beginnt Helen ein dunkles und bitterböses Spiel, das keinen Sieger kennt. Silke Knäppers literarischer Kniff, die Geschichte aus zwei wechselnden Perspektiven zu erzählen, erzeugt Spannung und verhindert, ein vorschnelles Urteil über die Protagonisten zu fällen. 
Silke Knäpper: Das Lieben der Anderen, Klöpfer & Meyer, Tübingen

on/bs / Foto: on


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Der südamerikanische Fußballverband schlägt vor,
die WM alle zwei Jahre abzuhalten. Finden Sie das gut?

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Fast ausverkauft

Grippesaison hat begonnen – Impfstoff wird knapp – Experten beraten Lösungen

In diesem Jahr kommt einiges zusammen: Die starken Grippewellen der beiden vergangenen Jahre lassen die Nachfrage nach einer Grippeschutzimpfung steigen,  späte  Entscheidungen der Krankenkassen über Impfpräparate und deren Erstattungen haben Engpässe bei der Produktion des Serums zur Folge.    Das Ergebnis: Der Impfstoff wird knapp, auch in Baden-Württemberg.

In manchen Teilen Deutschlands kann man sich laut dem Paul-Ehrlich-Institut (PEI) derzeit nicht sofort gegen Grippe impfen lassen. „Es gibt regionale Engpässe“, sagte Sprecherin Susanne Stöcker.  Es gebe generell aber keinen bundesweiten Impfstoffmangel zu beobachten. Das war vor etwa zwei Wochen. Mittlerweile hat sich die Situation gewandelt. „Die Lage in Baden-Württemberg ist prekär, wir sind so gut wie ausverkauft“, sagt nun Frank Eickmann, der Sprecher des Landesapothekenverbands im Südwesten.

Eine Erfahrung, die auch Apotheker Christof Mühlschlegel in Esslingen macht: „Wir haben im Prinzip keine Impfdosen mehr, immer mal wieder kommt in kleiner Anzahl was rein, aber wir müssen auch Patienten wegschicken.“  Eine sehr unbefriedigende Situation, wie Mühlschlegel, der auch Sprecher im Apothekerverband für die Region Esslingen/Göppingen ist, sagt. 

Impfdosen auf Vorrat bestellen, sei keine Lösung. „Den Impfstoff aus dem Vorjahr muss man wegwerfen, der greift nicht mehr“, sagt Mühlschlegel. Normalerweise dauert die Impfsaison von Oktober bis in den Dezember rein. Nun scheint sie   im Wesentlichen schon beendet zu sein. Für die Verknappung gibt es mehrere Gründe: „Zum einen gehen mehr Menschen zur Impfung als in den Vorjahren, zum anderen haben die Diskussionen um die Erstattung für den – besseren – Vierfach-Impfstoff viel Zeit gebraucht“, sagt Eickmann.  Bis  die Krankenkassen alle Parameter zur Erstattung der Kosten geklärt  hatten, war   es bereits Sommer. „Ärzte und Apotheken hatten bis zu diesem Zeitpunkt keinen Impfstoff vorbestellen können. Und die Hersteller – in Deutschland sind es drei – haben sich mengenmäßig  an den Vorbestellungen der vergangenen  Jahre orientiert“, erklärt Eickmann. Die Produktion einer Impfdosis dauere eben Monate.

Dem Vernehmen nach diskutieren Apother-, Ärzte- und Kassenverbände nun eine Lösung. Die könnte so aussehen, dass einzelne   Impfdosen aus den in Praxen vorgehaltenen Gebinden für Risikopatienten für Nicht-Risikopatienten verwendet werden. In Arztpraxen sind  Impfdosen in Zehnergebinden für chronisch Kranke oder Schwangere vorrätig. Alle anderen Impfwilligen erhalten ein Rezept vom Arzt und besorgen sich den Impfstoff in der Apotheke – wenn er noch vorrätig ist. Ob eine  Einzelentnahme aus den Zehnergebinden den Engpass komplett kompensiert, sehen Experten wie  Eickmann eher skeptisch. Sein Rat: „Wer sich impfen lassen möchte, der sollte  sich in seiner  Apotheke vor Ort  nach Beständen erkundigen.“

Die Grippe hat 2017/2018 zu fast 2000 Todesfällen geführt, 200 davon in Baden-Württemberg. bob / Foto: dpa


Eine emotionale Reise

Deutschlandpremiere von „Anastasia“ auf Stuttgarts Musicalbühne – Ensemble, Kostüme und Bühnenbild beeindrucken

Stuttgart und die Romanows – diese Beziehung ist enger und facettenreicher als so mancher glauben mag. Gleich mehrfach haben sich das Haus Württemberg und die russische Herrscherfamilie auf höchster Ebene miteinander vermählt. Allein Königin Olga von Württemberg, eine geborene Romanow, hat jede Menge für Stuttgart getan. Man denke nur an das Gymnasium Königin-Olga-Stift oder das Olgahospital. Seit vergangenem Donnerstag ist diese Verbindung um ein wunderbares Kapitel reicher. Denn seither ist „Anastasia“, die jüngste Tochter des letzten Zaren, zu Gast in der Landeshauptstadt. Aber bevor falsche Vorstellungen aufkommen: „Anastasia“ ist der jüngste Spross von Stuttgarts Stage Palladium Theater. Das fulminante Musical entführt seit der Deutschlandpremiere die Zuschauer vom tief verschneiten Sankt Petersburg ins lebensfrohe Paris der 1920er-Jahre.
Die Geschichte des Musicals beginnt im prächtigen Palais der russischen Herrscherfamilie. Noch vergnügt sich das Zarenpaar zusammen mit den vier Töchtern und dem Sohn. Aber die Oktoberrevolution fegt wie ein Wirbelsturm über das Land und die herrschenden Strukturen hinweg. Im Jahr 1918, also vor genau 100 Jahren, tötet ein Erschießungskommando die gesamte Familie Romanow – in der Musicalgeschichte überlebt aber die jüngste Tochter schwer verletzt. Auf der Straße geht das Gerücht um, sie habe dabei ihr Gedächtnis verloren und lebe seitdem unerkannt. Und so ist es auch: Als Straßenkehrerin kommt Anya, wie sie sich nennt, mehr schlecht als recht durchs Leben. Das Leid der Bevölkerung bekommt sie hautnah zu spüren.
Durch einen Wink des Schicksals erfährt sie, dass sie noch eine Verwandte in Paris hat. Zu ihr macht sie sich auf den Weg. Aber ohne Erinnerung und ohne Identität scheint es unmöglich, die Mutter des Zaren davon zu überzeugen, dass sie ihre Enkeltochter Anastasia ist. Auf ihrer Reise schließt sie Freundschaften fürs Leben, erlebt unendliche Liebe und grenzenloses Vertrauen, erfährt aber auch großes Leid und finstere Intrigen.
Diese Reise ist der perfekte Stoff für kontroverse Duette, gefühlvolle Balladen, impulsive Songs und abwechslungsreiche Ensemble-Stücke. Sie bietet aber auch einen wunderbaren Rahmen für aufwendige Kostüme – nicht nur was die verschiedenen, landestypischen Kleidungsstile betrifft. So bilden zum Beispiel die gerade geschnittenen, russischen Uniformen einen starken Kontrast zur frechen und verspielten Charleston-Mode im Paris der wilden 20-er Jahre oder zu der opulenten und farbenfrohen Zarenrobe. Das Ensemble – allen voran die angebliche Zarentochter – macht optisch einen großen Wandel durch. Dem Publikum wird immer wieder Neues geboten.
Sowieso ist „Anastasia“ optisch herausragend. Neben den Kostümen hat das Bühnenbild daran einen großen Anteil. Damit der heimliche Star des Musicals zur vollen Illusion gelangt, kommt hochmoderne LED-Technik zum Einsatz. Die mehr als 430 hochauflösenden LED-Panele erzeugen gestochen scharfe und realistische Bilder mit Tiefenwirkung. Das reicht von einer verschneiten Stadtsilhouette über eine farbintensive Morgendämmerung oder ein raumhohes Aktenarchiv bis zu scheinbar tanzenden Geistergestalten. Die Wand versteckt sich hinter den Kulissen mit Säulen, Kronleuchtern sowie Bodenplatten im Marmordesign und unterstützt das Bühnenbild. Dieses geschickte Zusammenspiel versetzt das Publikum in Sekundenschnelle von der Zarenresidenz in einen Nachtclub oder in ein prachtvolles Opernhaus und wieder zurück auf die Boulevards der Stadt. Drei Drehteller mit mehreren Metern Durchmesser und eine 18 mal zwölf Meter große und vier Tonnen schwere LED-Wand machen es möglich.
Die Hauptrollen sind passgenau besetzt: Judith Caspari (Anastasia), Milan van Waardenburg, Mathias Edenborn, Thorsten Tinney und Daniela Ziegler als Zarenmutter stehen an der Spitze des Ensembles. Die moderne Technik, die aufwendigen Kostüme und eingängigen Melodien unterstreichen jedes Wort, jedes Gefühl und jede Szene auf der Bühne. „Anastasia“ wird so zu einem Musicalerlebnis, bei dem die einzelnen Elemente zum großartig gelungenen Gesamtwerk verschmelzen. iby / Foto: Johan Persson / Stage Entertainment
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Bei einer Musical-Premiere lässt sich stets auch Prominenz blicken, beziehungsweise in Szene setzen. Das war auch bei „Anastasia“ nicht anders. So schaute auch Ex-Wimbledon-Sieger Boris Becker, als Tennis-Legende bezeichnet, in Möhringen vorbei. Nach der Vorstellung zeigte er sich „tief berührt“. Moderatorin und Sängerin Victoria Swarovski erzählte: „Anastasia war früher einer meiner Lieblingsfilme.“ Nach der Musical-Version war sie „ganz baff“. Model Barbara Meier sprach nicht zuletzt wegen des ausgeklügelten Bühenbilds von einer „wunderschönen Reise zum Träumen“. Moderatorin Verena Kerth genoss den Abend: „Das Stück ist unfassbar schön, wundervoll, tragisch und romantisch.“ Schager-Star Anita Hofmann erlebte Gänsehautmomente. Und Prinz Hans Georg Yourievsky, der letzte lebende Ur-Enkel eines russischen Zaren, sagte: „Mir sind die Tränen gekommen, das war sehr berührend für mich.“ red / Foto: Ben Pakalski

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Verkehrschaos vor Schulen:  Künftig sind für falsch parkende  Elterntaxis höhere Bußgelder fällig. Ist das angemessen?

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Höhere Bußgelder?

Ergebnis

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Tabuthema in die Öffentlichkeit rücken

Plakatausstellung zu „Häusliche Gewalt“ im Landratsamt und unterwegs im Landkreis – Betroffene aus allen Gesellschaftsschichten

Häusliche Gewalt ist nach wie vor ein Tabuthema. Betroffene schweigen häufig, oft aus Scham, Existenzängsten oder der Angst vor weiteren Übergriffen. Außenstehende schauen oft genug weg. Fast 400 Mal pro Jahr wird die Polizei im Landkreis Esslingen zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Paaren gerufen. Gut jede vierte Frau in Deutschland erlebt irgendwann Gewalt in einer Partnerschaft, eine höhere Dunkelziffer wird vermutet. Umso dringlicher ist es,  nicht länger die Augen zu verschließen.

Mit einer Plakataktion unter dem Motto „Zuhause sind wir sicher – oder trügt der Schein“ wollen die runden Tische „Hilfen bei häuslicher Gewalt“ das Thema in die Öffentlichkeit rücken und auf Hilfsangebote aufmerksam machen. Die Öffentlichkeit ist zudem dazu aufgerufen, genauer hinzuschauen und bei Bedarf zu handeln. Bei  sechs runden Tischen treffen sich im Landkreis Esslingen regelmäßig Vertreter von Polizei, Ordnungsämtern, Frauen- und Männerberatungsstellen sowie der  Sozialen Dienste. Auch Amtsgerichte, Suchtberatungsstellen und OEG-Trauma-Ambulanz (Opferentschädigung) sowie  Beauftragte für Chancengleichheit sind in das Netzwerk eingebunden.

Renate Dopatka und Semrah Dogan von „Frauen helfen Frauen“ in Kirchheim und Esslingen sind in ihrer täglichen Arbeit mit zahlreichen Schicksalen häuslicher Gewalt konfrontiert. „Die Frauen wenden sich entweder direkt oder auch über Angehörige, die Polizei, den Arbeitgeber oder Ärzte an uns. Es gibt drei Bereiche: das Frauenhaus, die Beratungsstelle und die Interventionsstelle“, erklärt Dopatka. Das Alter der Frauen sei ganz unterschiedlich, berichtet Dogan von ihren Erfahrungen in der Esslinger Beratungsstelle. „Normalerweise ist die Beratung ab 18 Jahren, die älteste Frau bislang war 88 Jahre alt.“ Beim Erstkontakt am Telefon schildern die Betroffenen ihre Situation, zeitnah wird dann ein persönlicher Termin vereinbart.

„In der Regel sind das Frauen, die in längeren Beziehungen sind, teils am Anfang einer Trennung. Hier helfen wir etwa bei Fragen wie ‚Was kommt da jetzt auf mich zu?’ oder ‚Was passiert mit den Kindern?’“, sagt Dogan. Für viele sei es  nicht einfach, sich vom Ideal der heilen Familie zu verabschieden. „Manche versuchen noch, das Verhalten des Mannes zu legitimieren.“ Es fielen dann Sätze wie „Er hatte Stress bei der Arbeit“ oder „Sonst ist er nie so“. „Da geht es ja auch um den Wunsch nach Liebe und Geborgenheit. Wir unterstützen, stärken und beraten die Frauen bis zur Entscheidung“, schildert Dogan.

 Häufig ging dem Anruf bei der Beratungsstelle ein längerer Prozess voraus. Bei den Fällen mit  massiver körperlicher Gewalt findet eine direkte Vermittlung in ein Frauenhaus statt. Das seien meist Frauen mit kleineren Kindern, oft ohne größeres soziales Netzwerk und keiner Möglichkeit, woanders unterzukommen, berichten Dopatka und  Dogan. Im Schnitt seien die Frauen zwischen 35 und 45 Jahre alt. Gehe es um  eine Trennung, seien die Kinder häufig schon erwachsen, die Frauen im Schnitt 40 bis 50 Jahre alt. Vertreten seien unter den Betroffenen alle Gesellschaftsschichten.

In akuten Fällen häuslicher Gewalt besteht die Möglichkeit, die Polizei zu verständigen. Diese kann einen sofortigen Wohnungsverweis gegen den Täter aussprechen. In begründeten Fällen kann zusätzlich ein Näherungs- und Kontaktverbot erlassen werden. Willigt die Betroffene ein, wird noch von der Wohnung eine unterschriebene Einverständniserklärung von der Polizei an die Interventionsstelle gesendet. Diese meldet sich dann innerhalb der nächsten drei Werktage bei der Frau. „Bereits am Telefon können wichtige Informationen gegeben werden. Wird ein Beratungsgespräch gewünscht, wird ein zeitnaher Termin vereinbart“, schildert Dopatka den Part der Interventionsstelle. Im Esslinger Bereich gebe es etwa 50 solcher Fälle pro Jahr, in Kirchheim im Schnitt 30, auf den Fildern 40.  Das seien aber nur die Fälle mit Einverständniserklärung. Dominique Jend von der Sozialberatung Stuttgart  mit Büro in Esslingen, arbeitet mit den Beschuldigten, die zum Großteil männlich sind. „Manche melden sich von sich aus, wenn sie wiederholt ein Problem mit Gewalt hatten und das ändern wollen“, sagt er. „Andere, die durch einen Polizeieinsatz zu uns gelangen, spielen die Vorwürfe oft herunter.“ Dann heißt es etwa, die Frau habe  provoziert. Bei der Beratungsstelle gebe es dann  Einzelberatungstermine. Und ein Gruppentraining zur Gewaltsensibilisierung über mehrere Monate, darin geht es um die Übernahme von Verantwortung, um das Entwickeln von Empathie gegenüber dem Opfer und um das Erlernen von Handlungsalternativen.  eis / Foto: eis

Hilfe bei Gewalt: www.landkreis-esslingen/haeuslichegewalt.de; Frauen helfen Frauen Esslingen (Telefon 07 11/ 35 72 12); Frauen helfen Frauen Filder (07 11/7 94 94 14), Frauen helfen Frauen Kirchheim (0 70 21/ 4 65 53); Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ (08 00/ 0 11 60 16 / kostenlos); Fachberatung Gewaltprävention für gewaltausübende Männer und Frauen (07 11/ 21 84 09 66).


Nimmerland im Neuland

Filderbühne feiert mit „Peter Pan“ am 17. November im Weilherhau Premiere

Die Filderbühne feiert mit „Peter Pan“ am Samstag, 17. November, 16 Uhr, Premiere. Erstmals spielen die Filderstädter Theaterleute dabei im Musikpaviollon im Weilerhau im Stadtteil Plattenhardt. Dorthin hoffen sie, komplett umziehen zu können.
Die lange Suche nach einer neuen Spielstätte, deren Bühne von der Filderbühne ganzjährig für ihre Produktionen genutzt werden kann, ist vorerst beendet. Das berichtet Steffi Stoll, die stellvertretende Vorsitzende des Vereins. Seit 2013 hat die Filderbühne im Bürgerhaus Sonne in Sielmingen gespielt, da die Vereins- und Bühnenräume in der Spitzäckerstraße in Plattenhardt aus Brandschutzgründen nicht mehr zu bespielen waren. „Die ‚Sonne’ war eigentlich immer eine Notlösung“, sagt Stoll. „Die Bühne wurde von mehreren Gruppen genutzt, sodass wir nach einem Auftritt immer alles abbauen mussten.“ Das hatte laut Stoll Auswirkungen auf das Bühnenbild, da die Filderbühne ihre Kulisse wegen der regelmäßigen Auf- und Abbauten weniger aufwendig gestaltet hat.
Im Musikpavillon ist das anders. „Wir nutzen die Bühne zum Auftritt und an einem weiteren festen Tag unter der Woche“, erklärt Stoll. Sie freut sich: „Nun können wir wieder unsere aufwendigen Bühnenbilder bauen, für die wir eigentlich bekannt sind.“ Das sagenhafte Nimmerland, in dem Peter Pan mit Kindern und Tieren lebt, soll laut Stoll dann auch wieder entsprechend großzügig sein.
Der Umzug in den Musikpavillon war möglich geworden, nachdem sich die „Eulen“, eine weitere Filderstädter Theatergruppe, aufgelöst und so ihre Bühne im Weilerhau nicht mehr genutzt hatten. In dem städtischen Gebäude sind auch Musik- und Volkhochschule untergebracht. Die Filderbühne hofft nun, noch weitere Räume im Keller als Lager und zu Vereinstätigkeiten nutzen zu können, um endgültig aus dem alten Vereinsheim ausziehen zu können. Darüber werde gerade mit der Stadt verhandelt: „Die Verwaltung hat uns immer sehr bei der Suche nach neuen Räumen unterstützt“, sagt Stoll. „Wir haben uns sehr viele mögliche Vereinsräume angesehen, aber nichts hat bisher so gut gepasst wie die Räume im Weilerhau.“
Das diesjährige Kindermärchen Peter Pan unter der Regie von Julia Katharina da Silva bringt Rollen für langjährige Mitglieder der Jugendgruppe einerseits und andererseits Auftrittsmöglichkeiten für die zahlreichen neuen Kinder, die im Verein aktiv sind. bob / Foto:  Filderbühne

Info: „Peter Pan“-Premiere am 17. November, 16 Uhr, Musikpavillon Weilerhau 3 in Plattenhardt, Tickets im Vorverkauf und an der Abendkasse zu 9 Euro, ermäßigt 7 Euro (www.filderbuehne.de).


Abgestimmt

„In die Pampa“ schicken will Winfried Kretschmann gewalttätige
junge Flüchtlinge – und erntet Kritik dafür. Hat er überzogen?

Foto: dpa

Überzogen?

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Lesen mit der Maus

Stadtbücherei Esslingen erweitert ihr digitales Angebot

Die Digitalisierung durchdringt  alle Bereiche des Lebens. Auch so traditionelle und analoge Einrichtungen wie Büchereien:  Die Stadtbücherei Esslingen hat bereits digitale Angebote und Anwendungsmöglichkeiten und hat diese kürzlich um ein paar zusätzliche erweitert. Freies WLAN, eine neue App und  der kostenlose Zugang zum Musikstreaming sind die neuen digitalen  Angebote.

 Katrin Hellerich, die stellvertretende Leiterin der Bücherei, hat sich des digitalen Themas angenommen. Die Bibliothek möchte mit der Entwicklung mithalten: „Wir beobachten die Medienwelt ständig und erweitern unser Angebot, wo wir es als  sinnvoll ansehen“, sagte sie bei der Vorstellung der neuen Anwendungen in der Stadtbücherei. Ihre Teamkollegin Renate Luxemburger sieht im digitalen Bereich auch einen wichtigen  Beitrag zur Demokratisierung. „Die Angbote tragen zur Teilhabe aller an der modernen Gesellschaft bei“, sagte Luxemburger. Schließlich stellten Büchereien einen niedrigschwelligen Zugang zu Informationsquellen dar. „In unserer heutigen Zeit bieten Bibliotheken eine gewisse Orientierung in der unüberschaubaren Informationsflut im Internet.“ Vor allem junge Leute sollen von den Neuerungen  profitieren und damit auch an Institutionen wie Büchereien gebunden werden.

Luxemburger berichtet von den  zahlreichen jungen Leuten, die auf der Treppe vor dem Büchereigebäude  sitzend ihre Mobiltelefone bearbeiteten. Nun können diese auch ohne Bibliotheksausweis  das kostenlose WLAN der Bücherei nutzen.

Wer Musik streamen will, kann als Büchereikunde über das Musikportal Freegal auf mehr als 15 Millionen Musiktitel, Musikvideos, Hörbücher und Playlists zugreifen. Dafür benötigt man einen gültigen Büchereiausweis. Den Zugang gibt es unter https://esslingen.freegalmusic.com im App-Store für iOS und Android. Die letzte Neuerung betrifft den digitalen Zugriff auf den Katalog und das eigene Nutzerkonto. Auch dafür nutzt man eine neue App: https://esslingen.mobilopac.de

Eine Erleichterung zur Orientierung bietet der digitale Lageplan unter https://buechereiwegweiser.esslingen.de. Über Smartphone und Tablet lassen sich damit Wege durch die gesamte Bücherei zu den  einzelnen Sachgebieten aufzeigen.

Die Online-Bibliothek der Stadtbücherei unter www.online-bibliothek.esslingen.de bietet einen Zugriff auf rund 50 000 Medien und ist damit rund um die Uhr erreichbar.  bob / Foto: bob