„Hochschule muss auch sexy sein“

Hochschule Esslingen: Christof Wolfmaier zum Rektor gewählt – Mann aus den eigenen Reihen

In der vergangenen Woche  haben der Hochschulrat und der Senat der Hochschule Esslingen (HSE) Christof Wolfmaier zum neuen Rektor gewählt. Der Nachfolger von Christian Maercker ist Dekan der Fakultät Fahrzeugtechnik und  tritt sein Amt  am 1. September an. Im Fokus seiner sechs Jahre dauernden Amtszeit  soll die Expertise der Hochschule in technischen und gesellschaftlichen Fragen stehen.

Seit 1991 lehrt Wolfmaier Fahrzeugtechnik an der HSE, seit 1994 hat er eine Professur  für Fahrzeugtechnik, seit 2004 ist er Dekan der Fakultät.

„Die Stärke der Hochschule liegt in ihrer Vielfalt“, sagt Wolfmaier. Diese fachliche Kompetenz in den drei Bereichen Technik, Wirtschaft und Soziales will er in den Vordergrund stellen.

Expertise gefragt

Sein  Ziel sei  es, die Hochschule als kompetente Ansprechpartnerin der Region zu verankern. „Wir haben viele exzellente Expertinnen und  Experten, die Lösungen für technische und gesellschaftliche Fragen anbieten können“, sagt er und fügt hinzu: „Unsere Aufgabe ist es, aus jungen Menschen  Kosmopoliten zu machen.“  

Für Wolfmaier ist die Lehre nach wie vor das Kerngeschäft und damit auch das Markenzeichen der Hochschule. Lehrinhalte müssten unter die Lupe genommen werden, neue frische Inhalte angeboten werden. Wolfmaier will die Arbeitsbedingungen für die Lehrenden und die Infrastruktur verbessern. Dazu gehörten auch große,  modern ausgestattete Hörsäle  für digitale multimediale Vorlesungen. „Eine Hochschule muss immer auch sexy sein“, fasst  Wolfmaier zusammen.  Die Fusion der Hochschule für Ingenieurwesen mit der Hochschule für Erziehungswissenschaften  im Jahr 2006 hat Wolfmaier hautnah miterlebt. Er nimmt  Narben und Wunden wahr, die die Zusammenlegung hervorgerufen hat und die es zu heilen gelte. „Technik und Soziales werden sich  weiter durchdringen“, ist Wolfmaier sicher  und verweist auf Themen wie die Robotik, die die Gesellschaft  beschäftigten.

Der neue Rektor setzt auf teamorientierte Führung. Kommunikation soll eine wichtige Säule sein. Er setze auf eine vertrauensvolle und offene Beziehung zu den Dekanen und Dekaninnen, wobei er Auseinandersetzungen nicht scheut: „Die Kraft des Disputs enthält Kreativität“, findet er. Auch die Stärkung des wenig anerkannten Standorts Göppingen steht auf seiner Agenda. Insgesamt will er die Hochschule in der Stadt Esslingen präsenter und auch im Wortsinn offener machen: „Man soll über den Campus laufen können.“  Marketing sei notwendig, um wichtige aber wenig nachgefragte Studiengänge attraktiver zu machen. So regt er an,  den Studiengang Gebäude- und Umwelttechnik  künftig „Smart Home“ zu nennen.

 Zweiter Bildungsweg

Mit dem 57-jährigen Wolfmaier steht  ein Mensch des zweiten Bildungswegs an der Spitze der HSE. Der Schorndorfer wurde Karosseriebauer,  gründete sein eigenes Unternehmen, bevor  er das Abitur nachholte und Fahrzeugtechnik studierte. Bei Porsche leitete er die  Entwicklungsabteilung und wurde  1994 Dozent an der Hochschule in Esslingen. Seit 2004 leitet er dort den Studiengang Fahrzeugtechnik.

Wolfmaier setzte sich gegen  zwei externe und einen internen Kandidaten durch. Sein Vorgänger, der Biologe Christian Maercker,  hat nicht mehr kandidiert. Seine  Sparmaßnahmen haben die Unterstützung  für seine Person bröckeln lassen.  Heidi Stock, die Vorsitzende des Hochschulrats, sagt: „Mit Professor Wolfmaier haben wir einen sehr gut qualifizierten und persönlich hervorragend geeigneten Rektor gewählt.“ bob  / Foto: bob


„Zom Lacha ond zom Heula schee“

Von Klassik über Folk-Rock bis zu Kindertheater: Die Köngener Kulturtage bieten ein breites Spektrum

Die Kulturtage sind in Köngen so sicher wie das neue Jahr. Schon zum 32. Mal wird bei vier Veranstaltungen zwischen dem 1. und dem 21. Februar ein feines, hochwertiges Programm serviert: die Uraufführung einer Rhapsodie ist ebenso dabei wie ein poetisch-musikalischer Abend, schwäbischer Folk-Rock und ein Kindertheaterstück.

Erstmals stellen Dagmar Schneider und Iris Hermann von der Gemeindeverwaltung die Kulturtage auf die Beine. Das Konzept bleibe aber erhalten, sagt Schneider: „Wir überlegen, was die Köngener gern mögen, was hier ankommt.“ Eine regionale Verankerung der Künstlerinnen und Künstler ist erwünscht. Beim Format Podium junger Künstler ist der Bezug sogar ein lokaler: Es liegt in den Händen von Jörg Dobmaier, der die Musikschule Köngen-Wendlingen leitet und im Rahmen des Podiums immer wieder herausragende Talente präsentiert. Dieses Jahr ist es ein Köngener: Felix Glang hat als Schüler der örtlichen Musikschule bei fast allen großen Veranstaltungen des vergangenen Jahrzehnts mitgewirkt, mal als Musical-Darsteller, mal als Orchestermitglied, Sänger oder Begleiter am Klavier. Darüber hinaus ist er Komponist. Ihm und seinen Werken ist das Porträtkonzert am 2. Februar gewidmet.  Glang spielt an diesem Abend zusammen mit Solisten und dem Kammerorchester der Musikschule seine eigenen Stücke, von Klavier- und Instrumentalwerken bis hin zu einer Rhapsodie, die in der Zehntscheuer ihre Uraufführung erleben wird.

Die Auftaktveranstaltung zu den Kulturtagen bildet schon einen Abend vorher, am 1. Februar, das Duo „2 Flügel“ mit seinem Programm „Kopfkino – Lichtspiele für die Seele“. Es ist kein Konzert, keine Lesung, aber beides gleichzeitig und vielleicht auch noch mehr: eine Art Collage aus Filmmusik, kleinen Szenen, Lieblingsliedern und Geschichten. „2 Flügel“ bestehen aus Christina Brudereck und Ben Seipel. Sie liebt es, Geschichten zu erzählen, er liebt Musik und seinen Flügel. Sie ist Theologin und Schriftstellerin, er ist Pianist und Dozent an der Hochschule für Musik Köln. Beide sind ein Paar, weiß Dagmar Schneider, die „Kopfkino“ im vergangenen Jahr gesehen hat. „Das spürt man, das ist eine ganz tolle Atmosphäre“, sagt sie.

Köngens Bürgermeister Otto Ruppaner hat ebenfalls mit einem Wunsch zum Programm beigetragen: Er hatte die Band „Wendrsonn“ mit ihrem „Schwoba Folk Rock“ gesehen und offensichtlich so erlebt, wie die kreativen Schwaben sich selbst beschreiben: „Zom Lacha ond zom Heula schee.“ Die Dialektrockband hat ihre Wurzeln in der Region, war mehrere Male bei der SWR-1-Hitparade dabei und im Vorprogramm ganz großer Namen wie Jethro Tull, Manfred Mann’s Earthband oder Rodger Hodgson (Supertramp). Die sechsköpfige Band lässt mit ihrem „Soundtrack zum neuen schwäbischen Selbstverständnis“ am 16. Februar die Sonne im Winter scheinen.

Zum Abschluss der Kulturtage ist am 21. Februar das Theater Q-rage aus Ludwigsburg mit dem Impro-Märchen „Traumreise“, geeignet für Menschen ab einem Alter von vier Jahren, zu Gast. Die Geschichte: Maja besucht gerne ihren Opa; beide treffen sich an einem magischen Ort, an dem die Zeit wie im Flug vergeht. Beide lieben es, gemeinsam Geschichten zu erzählen, und Maja kann es kaum erwarten, bis sie mit ihrem Opa ins Land der Träume eintauchen kann – mitsamt dem Publikum. Die Kinder sind bei dieser faszinierenden Reise zum Mitmachen und Mitbestimmen eingeladen. 

Dass für jeden etwas dabei ist, war den Programmmacherinnen wichtig. Und weil die Gemeinde Köngen anders als ein kommerzieller Veranstalter nicht auf Gewinn, sondern lediglich auf eine „schwarze Null“ abhebt, „können wir das für die Bürger zu angenehmen Preisen anbieten“, sagt Dagmar Schneider. Sie hatte mit ihrer Kollegin viel Spaß am Zusammenstellen. Selbst als Chorsängerin und Mitwirkende an Musicals und Theaterstücken aktiv, gefiel es ihr gut, die Rolle zu wechseln und das Organisatorische in den Fokus zu nehmen. Iris Hermann ist ebenfalls kulturbegeistert und hat für die Familienbildungsarbeit schon manche Veranstaltung auf die Beine gestellt.  aia / Foto: SBEntertainment

Info: Der Kartenvorverkauf im Rathaus, in der Bücherei Köngen und anderen Vorverkaufsstellen läuft seit einiger Zeit, Restkarten sind jeweils an der Abendkasse zu haben. 


Abgestimmt

Die Polizei nennt zu hohe Geschwindigkeit den Killer Nummer 1 auf den Straßen, ein Tempolimit lehnt die Bundesregierung aber kategorisch ab. Ist das richtig?

Foto: dpa

Weiter ohne Limit?

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Mehr Platz für Hund und Katz

Neues Tierhaus im Tierheim Esslingen  eingeweiht –  2,2 Millionen teures Projekt großteils über Spenden finanziert

Nach vierjähriger Planung wurde jetzt das neue zweigeschossige Tierhaus auf der Neckarinsel in Esslingen eingeweiht. Damit stehen den tierischen Bewohnern künftig mehr Platz und zeitgemäße Einrichtungen zur Verfügung.

 Der Spatenstich erfolgte im Juni 2018. Das 1000 Quadratmeter große Gebäude, das nach seinem Hauptsponsor –  der Margarete Müller-Bull-Stiftung –  den Namen „Margarete Müller-Bull-Tierhaus“ erhalten hat, beinhaltet im Erdgeschoss 21 helle Hundezimmer mit einem direkten, überdachten Auslauf. Das alte Hundehaus des Tierheims war nicht mehr zeitgemäß, das Gebäude nicht mehr ausreichend in Schuss. Zudem fehlte es an Platz für die zu betreuenden Tiere. „Aktuell haben wir 20 Hunde und 50 Katzen im Tierheim“, berichtet Leiter Horst Theilinger.

Streithähne getrennt

Die neuen Hundezimmer seien allein schon deshalb eine deutliche Verbesserung, weil sie nicht mehr nur durch Gitter, sondern durch Wände voneinander abgetrennt sind. „Das bedeutet weniger Stress für die Hunde, denn so sehen sich die, die sich nicht gut vertragen, nicht mehr“, erklärt Theilinger einen der vielen Vorteile des Neubaus. Dagegen können die Hunde, die sich gut vertragen mittels der Verbindungstüren zwischen den Zimmern auch zusammengelassen werden.

 Katzen nach oben

Das Obergeschoss des neuen Tierhauses ist künftig für die Katzen reserviert: Neben sechs neuen Zimmern, die beispielsweise für  Pensionsgäste genutzt werden, gibt es eine Kranken- und Quarantänestation. Das fehlte seither im Esslinger Tierheim. Das Obergeschoss ist mit all seinen Räumlichkeiten bereits bezugsfertig, im Erdgeschoss stehen aufgrund von zeitweisen Bauverzögerungen noch Restarbeiten im Außenbereich an. Im Februar sollen dann auch die Hunde einziehen können.

„Es war nicht immer einfach, aber wenn man sich das Ergebnis anschaut, hat es sich gelohnt“, sagt David Koch, Vorstandsvorsitzender des Esslinger Tierschutzvereins. Dank der finanziellen Unterstützung –  darunter Großbeträge wie die 700 000 Euro der Margarete Müller-Bull-Stiftung sowie je 100 000 Euro der Stadt Esslingen und des Landes – sei dieses 2,2 Millionen Euro teure Großprojekt überhaupt zu stemmen gewesen. Weitere 100 000 Euro hatte der Verein selbst zur Verfügung. Dazu kamen zahlreiche weitere Spenden. Am Tag der Eröffnung durften sich die Verantwortlichen über Spendenschecks von Daimler (6700 Euro) und der Volksbank Esslingen (4000 Euro) freuen.

Projekte wie dieses seien zu Lebzeiten immer eine Herzensangelegenheit von Margarete Müller-Bull gewesen, so der stellvertretende Stiftungsratsvorsitzende Christoph Zalder. Bei den 700 000 Euro handle es sich um die bis dato größte Einzelspende der Stiftung, deren Kernthemen neben dem Tierschutz noch der Bereich Humanes und wissenschaftliche Forschung seien. 

„Herzensangelegenheit“

Esslingens Oberbürgermeister Jürgen Zieger wies auf den hohen Stellenwert des Esslinger Tierschutzvereins mit seinen gut 1600 Mitgliedern sowie auf das große Engagement der Hauptamtlichen und zahlreicher Ehrenamtlichen hin, ohne das die wichtigen Aufgaben des Tierheims nicht umsetzbar wären.

Angesichts des in die Jahre gekommenen Bestands habe  dringender Handlungsbedarf bestanden, betonte Claudio di Simio, zweiter  Vorsitzender des Tierschutz-Landesverbands Baden-Württemberg. Nun könne man sich über „neue, tiergerechte Räume freuen“, die den Tieren eine stressfreie Zeit ermöglichen. Architekt Ulrich de Pay bezeichnete die Einweihung als einen „Festtag“. Symbolisch übergab er einen großen Schlüssel an die Vertreter des Tierheims und des Esslinger Tierschutzvereins.  „Das ist immer so, als entließe ich ein Kind aus meiner unmittelbaren Obhut“, erklärte der Architekt.  eis / Foto: eis

Info: Tag der offenen Tür mit Programm am Sonntag,  27. Januar, 11 Uhr.


„Keine größeren Probleme“

Neubau der L 1250 zwischen Wendlingen und Oberboihingen – Pendler müssen mehr Zeit einplanen

Die Landesstraße 1250 zwischen Wendlingen und Oberboihingen muss wegen des geplanten Baus einer Anbindung der Neckartal-Bahnlinie an die Schnellbahnstrecke Stuttgart-Ulm verlegt werden. Seit Montag der vergangenen Woche ist die Straße daher gesperrt, Autofahrer müssen  voraussichtlich bis Samstag, 24. August, Umwege in Kauf nehmen, auch der Busverkehr wird umgeleitet. Dies bringt zwar einige  Belastungen mit sich, doch das befürchtete Verkehrschaos ist bislang ausgeblieben.

Die Bauarbeiten an der Bahnstrecke, auf der in einigen Jahren Schnellzüge von Stuttgart nach Ulm fahren sollen, gehen voran. Parallel zur Autobahn wächst derzeit südlich von Wendlingen die Bahnbrücke über den Neckar, auch die Trasse zum Albvorlandtunnel im Osten nimmt Gestalt an. In einiger Zeit soll der Bau der Anbindung der Bahnstrecke Stuttgart-Tübingen an die Schnellbahnstrecke, die sogenannte Kleine Wendlinger Kurve, begonnen werden. Der ist freilich die Landesstraße 1250 im Weg, die Wendlingen mit der Nachbargemeinde Oberboihingen verbindet. Sie soll künftig westlich der Bahnlinie verlaufen und auf der Höhe  des Otto-Werksgeländes in die bisherige Straße einschwenken.  Dafür muss allerdings eine Brücke über die Bahnlinie gebaut werden. Zudem muss ein Höhenunterschied von 13 Metern zur westlichen Seite hin überwunden werden. Dafür wird eine aufwendige Rampe konstruiert. Da für die Arbeiten nur sehr wenig Platz zur Verfügung steht, wurde die L 1250 komplett gesperrt. Voraussichtlich bis Samstag, 24. August, müssen Autofahrer, die zwischen den Kommunen pendeln, einen Umweg über Unterensingen und Zizishausen nehmen.

Der zusätzliche Verkehr auf den Umleitungsstrecken hätte  in der vergangenen Woche zu  Behinderungen geführt, große Probleme seien jedoch nicht aufgetaucht, berichtet  Fred Schuster, Abteilungsleiter für Ordnung und Soziales bei der Stadt Wendlingen. „In den Spitzenzeiten gibt es einen Rückstau von Autos, die von der Römerbrücke aus nach  Unterensingen abbiegen wollen“, erzählt er. Die Autofahrer hätten sich jedoch  schnell umgestellt. „Wenn es auf der Autobahn  einen Stau gibt, hat das wesentlich größere Auswirkungen auf die Stadt. Man muss eben etwas mehr Zeit einplanen“, sagt Schuster.

Auch Bernd Edele, Hauptamtsleiter der Gemeinde Oberboihingen, hat diese Beobachtung gemacht. „Wie erwartet ist die Umleitungsstrecke stark belastet, aber es gibt keine richtigen Probleme“, sagt er. Er  selbst pendle zwischen den Kommunen und müsse etwa 25 Minuten zusätzlich einplanen. „Wenig Probleme“ sehen Schuster und Edele auch beim befürchteten Schleichverkehr über die Feldwege östlich der L 1250. „Unser Konzept mit Absperrungen und Kontrollen  greift und ist wirkungsvoll“, sagt Schuster, und auch Edele spricht davon, dass  sich der Schleichverkehr „in den letzten Tagen stark in Grenzen“ halte. Allerdings weise die Gemeinde – auch wegen der vielen Kinder, die dort per Fahrrad  zur Schule nach Wendlingen fahren – Autofahrer eindringlich darauf hin, „es gar nicht erst zu versuchen“, die Feldwege zu nutzen. „Wir kontrollieren weiterhin und wir ahnden  konsequent“, stellt Edele klar. pst / Foto: pst


Abgestimmt

Beschäftigte in der Metallindustrie entscheiden sich oft für Freizeit statt Gehaltserhöhungen. Ist mehr Freizeit statt mehr Geld auch Ihr Wunsch?

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Freizeit statt Geld?

Ergebnis

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Günstiger und einfacher

Neuer BW-Tarif soll den Nahverkehr stärken – „Ein Ziel, ein Ticket“

Mit erheblichen Kostensenkungen im öffentlichen Nahverkehr will die Landesregierung mehr Menschen vom Auto in Busse und Bahnen im Südwesten locken. Mit der am 9. Dezember in Kraft getretenen Tarifreform würden Tickets billiger, sagte Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne)  bei der Vorstellung des neuen Baden-Württemberg-Tarifs.

Mit dem BW-Tarif soll es nun landesweit möglich sein, über die Grenzen der 22 Verkehrsverbünde im Südwesten von A nach B zu gelangen, ohne in einem anderen Verbund ein neues Ticket lösen zu müssen. Die Fahrt mit dem Bus oder der Stadtbahn am Start- und Zielort wird im Ticket inbegriffen sein. Der neue Tarif gilt auf verbundübergreifenden Fahrten in allen Nahverkehrszügen – einschließlich S-Bahnen – und Regiobussen. Dadurch sollen die Tickets auch deutlich preiswerter werden. Der Bund für Umwelt und Naturschutz nannte die Tarifreform einen Meilenstein für einen besseren und nachhaltigen Nahverkehr. Die Landesregierung müsse nun die nächsten Schritte mit dem gleichen Engagement angehen. Der Werbeslogan  zum  neuen BW-Tarif lautet: „Ein Ziel, ein Ticket.“

Was ändert sich genau?

Bei Fahrten innerhalb eines Verkehrsverbundes ändert sich gar nichts – dort gilt weiter der jeweilige Verbundtarif. Für Bahnfahrer, die über Verbundsgrenzen hinaus unterwegs sind, wird es aber interessant. Beispiel: Die Fahrt startet am Hauptbahnhof in Mannheim, Ziel ist das Stadion in Stuttgart. Am Automaten in Mannheim lässt sich dann als Zielort direkt „Neckarpark (Stadion)“ auswählen. Beim Umstieg von der Regionalbahn in die U-Bahn in Stuttgart ist kein separater Ticketkauf mehr notwendig.

Kann ich damit Geld sparen?

Ja. Die Nahverkehrs-Tickets im Tarif sollen im Schnitt 25 Prozent billiger werden, im Einzelfall bis zu 50 Prozent, verspricht Verkehrsminister Hermann. Die Preise sind in Absprache mit den einzelnen Verkehrsverbünden entstanden. So kostete die Fahrt von Karlsruhe nach Stuttgart  21,30 Euro – jetzt sollen es nur noch 13,90 Euro sein, inklusive der Nutzung des ÖPNV am Start- und Zielort. Insgesamt soll nach der aktuellen Preistabelle keine einzelne Fahrt in der 2. Klasse teurer sein als 29,80 Euro. Für Bahncard-Besitzer wird es noch günstiger.

Was ist bislang konkret passiert?

Der neue Tarif wird in mehreren Stufen eingeführt. Seit dem 9. Dezember sind Einzelfahrscheine und Tageskarten an den Automaten und Verkaufsstellen der Eisenbahnunternehmen oder als E-Ticket erhältlich. Auch Angebote wie das Baden-Württemberg-Ticket, das Metropol-Tages-Ticket für die Region Stuttgart oder das Regio-X-Ticket für die Region Karlsruhe werden als Tageskarten in den BW-Tarif überführt. Pendler mit Monats- oder Jahreskarte gehen erst mal leer aus.

Wie geht es weiter?

Bis 2021 ist geplant, auch Zeitkarten für verbundübergreifende Fahrten wie Monatskarten in den Tarif einzubeziehen. Dann soll man auch an der Bushaltestelle vor der Haustür das Ticket bis zum Zielort kaufen können,   also beispielsweise aus dem Mannheimer Stadtteil Vogel­stang direkt bis zum Stuttgarter Neckarpark, um beim obigen Beispiel zu bleiben.

Und wer zahlt das alles?

Um den neuen Tarif ins Rollen zu bringen, will das Land jährlich rund 20 Millionen Euro in die Hand nehmen. Für den neuen Tarif hat sich die Baden-Württemberg-Tarif-GmbH gegründet. Träger sind zum einen das Land Baden-Württemberg, zum anderen die Verkehrsunternehmen. dpa / Foto: dpa


Kreis spricht Urlauber an

 Natur und Kultur: Landkreis präsentiert sich auf der CMT– Neue Tourismusbeauftragte

Noch bis zum 20. Januar präsentiert die Tourismusmesse CMT mit mehr als 2200  Ausstellern aus mehr als 100 Ländern  Reiseziele und Freizeitmöglichkeiten. Mit dabei ist auch immer der Landkreis Esslingen, der seine vielfältigen Möglichkeiten, Freizeit  zu verbringen, in die Waagschale wirft. 

Mehr Touristen

Steigende Besucherzahlen zeigen, dass der Kreis Naturliebhaber und Kulturinteressierte verstärkt anspricht: Wie Marion Leuze-Mohr, Erste Landesbeamtin des Landkreises,  erklärte, stieg die Zahl der Übernachtungen von Urlaubern im ersten Halbjahr 2018 um 10,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf 805 960 an. „Die Schwäbische Alb hat damit die höchste Tourismussteigerung in ganz Baden-Württemberg“, sagte sie. Sie sieht den Grund für die positive Entwicklung  auch im  Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs.  Zudem habe die Zusammenarbeit mit Tourismusverbänden und dem Biosphärengebiet  Synergieeffekte gebracht.

Hochgehen, runterkommen, lautet das Motto des Projekts „Hochgehberge“, in dem die Landkreise Esslingen und Reutlingen, das Biosphärengebiet, die Tourismusgemeinschaft Mythos Schwäbische Alb und 18 Kommunen ein Konzept für 21 Wanderwege mit einer Gesamtlänge von 170 Kilometern auf der Alb entwickeln. Sechs der Wege sind bereits ausgeschildert und vom Deutschen Wanderinstitut zertifiziert, bis zum Sommer sollen auch die anderen das Prädikat „Premiumwanderweg“ erhalten. Zwei der neuen Wege liegen auf den Gemarkungen von Beuren, Erkenbrechtsweiler und Neuffen.

Das Biosphärengebiet Schwäbische Alb ist seit zehn Jahren von der UNESCO anerkannt. Dies wird im Lauf des Jahres mit zehn Veranstaltungen gewürdigt, zwei davon finden im Kreis Esslingen statt. Im Mai startet   auf dem Hohenneuffen das Projekt „Hochgehberge“ mit einem Fest. Im November wird bei einem Alb-Symposium in Lenningen „unsere besondere Verantwortung für Naturschutz, nachhaltigen Tourismus und Regionalentwicklung“ diskutiert, sagte Roland Heidelberg von der Geschäftsstelle des Biosphärengebiets.

Die Gemeinde Beuren steht gut da: Die Kooperationen, auch mit dem Freilichtmuseum, und die Einbindung der Panorama-Therme in das Tourismuskonzept hätten „nachhaltige Entwicklungen“ für Beuren gebracht, sagte Bürgermeister Daniel Gluiber. Derzeit arbeitet man an einer Machbarkeitsstudie für ein Hotel und Wohnmobil-Stellplätze nahe der Therme.

Neues Gebäude

Mit zusätzlichen Attraktionen will das Freilichtmuseum Beuren weitere Besucher interessieren. Für März ist die Eröffnung des Gartensaals aus Geislingen mit Erlebnis- und Genusszentrum für alte Sorten geplant. Mit dem Gartensaal kommt das 25. Originalgebäude ins Museumsdorf.

 Die Städte im Kreis präsentieren sich auf der CMT wieder unter dem Dach der Region Stuttgart. Plochingen stellt das 25-jährige Bestehen der Wohnanlage unterm Regenturm, genannt Hundertwasserhaus, mit Führungen, Vorträgen und weiteren Kulturveranstaltungen in den Vordergrund. Esslingen bewirbt mehr als 40 verschiedene Stadtführungen, eine davon die Nachtwächter-Führung, die Wolfgang Gorazdza durchführt.

Thema Literatur

Leinfelden-Echterdingen hat einen neu überarbeiteten Gästeführer zum Siebenmühlental herausgegeben, Filderstadt stellt sich als Musical- und Wellnessstadt vor, ebenso wie Wernau, wo auf das Quadrium verwiesen wird. Die Stadt Kirchheim setzt auf literarische Führungen. Tourismusbeauftragte  Heike Büttner verweist auch auf die neu aufgelegte Postkartenserie, die auf verschiedene Attraktionen hinweist   und auf deren Webseiten lotst. Die Stadt Nürtingen widmet sich in ihrem Führungsprogramm der Literatur, speziell dem Dichter Hölderlin. Auch die noch laufende Playmobilausstellung wird beworben.

Erster Auftritt

 Ihr Arbeitsbeginn ist zwar erst am 1. Februar, die künftige Tourismusbeauftragte des Landkreises hat aber die CMT genutzt, um sich vorzustellen: Isabel Urich, 27 Jahre alt, studierte Tourismusmanagerin, stammt aus Neustadt in der Pfalz, zieht es als Nachfolgerin von Tanja Gems an den Neckar, weil sie die Vielfalt im Landkreis reizt: „Hier haben wir Großstädtisches und Natur auf engem Raum beieinander“, sagt sie, die auch die „langfristige Perspektive im erfolgreichen Landkreis“ gerne angeht. Tanja Gems hingegen bleibt dem Kreis erhalten: Sie ist jetzt Projektleiterin im Biosphärengebiet.  pst/bob / Fotos: oben bob, Mitte bob, unten pst

Info: CMT bis 20. Januar  Messe Stuttgart, geöffnet: Montag bis Freitag ab 10 Uhr, Samstag und Sonntag  ab 9 Uhr, Tageskarte ab 13 Euro, Familienkarte ab 28 Euro, Dauerkarte ab 40 Euro, Happy Hour ab 15 Uhr: 7,50 Euro. Mehr unter: www.messe-stuttgart.de.


Abgestimmt

Twitter, Facebook, Instagram: Grünen-Chef Robert Habeck kritisiert Social Media und löscht seine Accounts. Nachvollziehbar?

Foto: dpa

Nein zu Social Media?

Ergebnis

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Neustart

Im Bewegungszentrum Pfulb nahe Schopfloch laufen die Skilifte wieder an – Ganzjähriger Sportbetrieb

Für viele Skifahrer und die Wintersport treibenden Vereine in der Region beginnt der Start in die Saison mit einer guten Nachricht. Nach einer langen Hängepartie laufen die drei Skilifte im Skigebiet Pfulb nahe Schopfloch in dieser Woche wieder an. Die Lifte oberhalb des Randecker Maars nahe Ochsenwang und in Donnstetten sind bereits gestartet.

Seit dem Jahr 1967 läuft an einem Hang oberhalb des Randecker Maars nahe dem Hof Ziegelhütte ein kleiner Skilift. Die Anlage wird seit 1989 von einer Familie aus Lenningen betrieben. Da der Abhang nur mäßig steil ist und die für Abfahrten geeigneten Abschnitte überschaubar sind, wird das Areal besonders von Familien mit Kindern und von Anfängern geschätzt.

Etwas weiter westlich im Skigebiet Pfulb finden aufgrund der Topografie auch eher ambitionierte Skifahrer ihre Möglichkeiten und seit Jahrzehnten auch eine Liftanlage. Im Jahr 2016 hatten die damaligen Betreiber signalisiert, das gesamte Areal mit Hanggrundstücken, Liftanlage, Skihütte und Kiosk aus Altersgründen abgeben zu wollen. Daraufhin hatte sich die Lehrerin und Sonderpädagogin Gabi Kazmaier aus Oberlenningen als Kaufinteressentin gemeldet. An der Pfulb sah sie ideale Bedingungen, ein inklusives Zentrum zu gründen, in dem behinderte und nicht behinderte Menschen ganzjährig Sport treiben können.

Vertrag unterzeichnet

Aufgrund von Unstimmigkeiten zwischen den Betreiberfamilien gerieten die Verkaufsverhandlungen allerdings ins Stocken, was zur Folge hatte, dass die Lifte in der vergangenen Saison stillstanden. Dies war besonders für die Wintersportabteilungen der Vereine und die Skiclubs in der Region bitter, da sie mit ihren Angeboten in andere Gebiete ausweichen mussten. So mancher Skikurs fand sogar überhaupt nicht statt.

Im vergangenen März schließlich wurde der Vertrag unterzeichnet, Gabi Kazmaier und die Mitgesellschafter Jürgen Hahn und Waltraud Lenhart der zwischenzeitlich gegründeten gemeinnützigen GmbH Bewegungszentrum Pfulb machten sich ans Werk. Während der Sommermonate boten  Kazmaier und etliche ehrenamtliche Mitstreiter Wanderungen, Nordic-Walking-Aktivitäten und Tandemfahrrad-Touren für Menschen mit und ohne Handicap an. Zudem wurden Rollski-Angebote vorbereitet. „Wir bauen einen ganzjährigen Sportbetrieb auf“, sagt Kazmaier. Der Wintersport und der Liftbetrieb würden – ausreichend Schnee vorausgesetzt – zwar auch in der Zukunft im Gebiet Pfulb eine Rolle spielen. „Allerdings ist es nur eines unserer Standbeine.“ Freilich eines mit regionaler Bedeutung, denn die Skiclubs hätten sich mit ihren Winterangeboten wieder zurückgemeldet. „Wir decken an der Pfulb also ein breites Spektrum ab“, sagt Kazmaier.

In den vergangenen Wochen waren Gabi Kazmaier und ihre Mitstreiter, Mitglieder des Skiclubs Lenninger Alb und der Bergwacht sowie weitere ehrenamtliche Unterstützer aktiv, um die Lifte, die Hütte und den Kiosk betriebsbereit zu machen. Der Lift- und Hüttenbetrieb an der Pfulb startet nun am Mittwoch, 9. Januar (17 bis 21 Uhr). Auch am Freitag (15 bis 21 Uhr), Samstag (10 bis 21 Uhr) und Sonntag (10 bis 19 Uhr) soll der Lift laufen.

„Wir sind ein gemeinnütziger Betrieb und wollen mit Ehrenamtlichen arbeiten“, sagt Kazmaier. Dies gelte, neben den Sport- und Bewegungsangeboten, eben auch für den Hüttenbetrieb. „Wir sind nicht als Gastronomen angetreten“, betont sie, doch in den kommenden Monaten soll die Hütte zumindest sonntags wieder ihre frühere Funktion als geselliger Treff für Skisportler, Spaziergänger und Wanderer erhalten.

Im Idealfall sollen in der Pfulbhütte ab etwa Mai auch während der schneefreien Jahreszeit an den Wochenenden Sportler und Kursteilnehmer mit und ohne Handicap, Wanderer und Spaziergänger bewirtet werden. Dies sei allerdings davon abhängig, ob sich genügend helfende Hände finden, sagt  Kazmaier. Genaue Betriebszeiten könnten daher noch nicht genannt werden. „Wir bauen ja noch auf, und zunächst hoffen wir alle auf einen schönen Winter.“  pst / Foto: dpa

Info: Betriebszeiten von Skilifts und Hütte sowie Angebote des Bewegungszentrums Pfulb  unter www.bewegungszentrumpfulb.de, mehr Infos zu den zwei anderen Liften unter www.skilift-ochsenwang.de und www.skilift-donnstetten.de.