Ein Mörder serviert Meze

Gewinner des ECHO-Krimirätsels auf Tour:  Neckarfahrt mit dem Kanu – Griechisches Büffet im Restaurant „Argo“

Wo kann man sich von einem überführten Mörder bedienen lassen, nachdem man von einem des Mordes Verdächtigten in  einem Kanu zur Esslinger Neckarinsel gepaddelt wurde? Die Antwort: beim ECHO-Krimirätsel.

Die Gewinner im  aktuellen  Fall haben richtig ermittelt, und den Betreiber des Restaurants Argo,  Makis Sfetkos,  als Mörder überführt, obgleich auch Ralf Weinberger, der Inhaber von Canale-Grande-Kanu-Touren, zwischenzeitlich unter Verdacht geraten ist, des Tötungsdelikts schuldig zu sein.

Doch die Rätselgewinner haben aufgepasst: Das Alibi, das Sfetkos gegenüber Kommissar Blickle angegeben hatte, erwies sich als falsch. Hatte er doch behauptet, montags, also zur Tatzeit,  Ruhetag zu haben. Jeder, der das „Argo“ kennt und den Text aufmerksam gelesen hatte, wusste schnell: Das war gelogen. Denn Kommissar Blickle sitzt, so stand es geschrieben, eben montags gerne dort und genießt Essen und Getränke.

Doch bevor die Rätselgewinner und ihre Begleiter am Argo-Tisch Platz nehmen konnten, machten sie sich mit einem ungewöhnlichen Verkehrsmittel auf den Weg von der Innenstadt zur Neckarinsel. Sie  bestiegen am Wehrneckarkanal zwei gekoppelte und damit kentersichere  Kanus  von Ralf Weinberger, Charly   Vollmer stieg als zweiter „Kapitän“ nach Weinberger dazu und los ging es.

Stefanie Schill und  Michael Minich,  Jürgen und  Ursula Hofmann, Günther  Wölfle und  Carmen Erlewein-Wölfle, Claudia Solf und  Thomas Weiblen, Sylke  Conzelmann und  Thorsten von Jentzkowski-Conzelmann  haben  die Tour  ganz offensichtlich genossen.

Historisches zum Neckar

Zumal Ralf Weinberger  sehr kenntnisreich über die Wasserwege in Esslingen berichtete: Kaum jemand weiß, dass die Kanäle in Esslingen den ursprünglichen Verlauf des Neckars darstellen, und dass die Esslinger  im 14. Jahrhundert den Fluss vor ihre Tore verlegten und die schmäleren Wasserwege   innerhalb der Stadtmauern behielten und nutzten. Auch über die Artenvielfalt wurde gesprochen: „Die Neckarwasserwege verfügen über eine reichhaltige und eine  vielfältige Fauna“, erklärte Weinberger.  So paddelten die einen gegen den Strom, während die anderen sich gemütlich zurücklehnten und die Gegend aus der ungewöhnlichen Perspektive des Flusslaufs betrachteten. Ein wenig mussten sie den Kopf einziehen, um die Engstelle am Wasserhaus zu passieren, und schon glitt man auf dem ruhigen Neckaraltarm dahin.

Amazonas-Feeling

 „Die schönen Jugendstilhäuser  mit ihren Gärten und Balkonen haben mir so gefallen“, schwärmte Claudia Solf, die mit Thomas Weiblen aus Reichenbach gekommen war. Überhaupt war es die „ganz andere Perspektive“, die die Teilnehmer faszinierte. Sobald man aus der städtischen Bebauung heraus ist, übernimmt die Natur die Szene: „Ich hab mich fast gefühlt wie am Amazonas“, sagte Michael Minich, der Begleiter von Stefanie Schill. „So viel Grün hab ich gar nicht erwartet.“

Am „Argo“ angekommen, wurden die Gäste von Makis Sfetkos, dem mutmaßlichen Mörder  begrüßt. Dann wurde richtig groß aufgefahren:  Griechische Tapas nannte Sfetkos das  vielfältige, reichhaltige und  leckere Meze-Potpourri aus der Küche: Die Fleischspieße und   Rindfleischbällchen mit Tomatensoße,  die gefüllten Champignons und gebackenen Zucchini, die krossen Kartoffelscheiben oder die gegrillten kleinen Tintenfische gingen schnell weg. Dann machten sich die „Argonauten“ wieder auf dem Wasserweg  zurück zur Anlegestelle am Wehrneckar. Da ruderten dann die anderen: Da es in Stromrichtung ging, verlief  die Fahrt rasch.  Das Fazit des  Tags: Eine gute Werbung für die Kanutouren in Esslingen und für die Gastronomie im „Argo“.  bob / Fotos: bob

Info: mehr Fotos unter www.ihr-wochenblatt-echo.de


Bühne frei für „Big Fish“ und Pippi

Theater unter den Kuppeln startet in die Saison – Erste Premiere am 2. Juni – Aufwendige Bühnensanierung

Das Theater unter den Kuppeln (TudK) im Leinfelden-Echterdinger Stadtteil Stetten startet in die nächste Freilicht-Saison. Am 2. Juni steht mit dem Kinderstück „Pippi Langstrumpf“ die erste Premiere an.

Bevor die Stettener Amateurdarsteller in die neue Saison starten konnten, musste die Bühne saniert werden. Die 20 Jahre alten Planken auf der  Drehbühne waren marode und mussten erneuert werden. Die Sanierung war überfällig, nachdem die Planken bereits einmal umgedreht worden waren, um die kostenintensiven Arbeiten etwas rauszuschieben. 110 000 Euro hat die Maßnahme gekostet. Finanziert hat dies der Verein TudK durch einen zinslosen Kredit der Stadt Leinfelden-Echterdingen  und Zuschüsse des Landes. 80 000 Euro standen so zur Verfügung. Das TudK hat in Sammel- und Spendenaktionen selbst weitere 25 000 Euro eingeworben. 

Mit „Pippi Langstrumpf“ kehrt eine alte Bekannte zurück auf die  Bühne am Gräbleswiesenweg. Das klassische Kinder- und Jugendstück wurde dort schon mehrmals aufgeführt, zuletzt im Jahr 2006. Jetzt startet Pippi am Sonntag, 2. Juni, 18 Uhr, neuerlich in die Saison.  Mehr als 40 Rollen waren zu besetzen.

Der Trend aus den vergangenen Jahren, aufwendige und anspruchsvolle Inszenierungen auf den Weg zu bringen, setzt sich  dieses Jahr fort – auch bei  „Big Fish“, das am Samstag, 15. Juni, 20.30 Uhr, Premiere feiert.   Das Musical erzählt die Geschichte des Handlungsreisenden Edward Bloom, einem fantasiereichen Geschichtenerzähler. Dessen Sohn reagiert zunächst genervt auf seinen Vater. Er findet erst einen Draht zu ihm,  als dieser schwer erkrankt. Erst dann erkennt der Sohn  einen Helden, einen so genann Big Fish in seinem Vater. Und er spürt  den Zauber, der ein Leben zur Legende machen kann. Im Musical transportieren  bunte Geschichten und fantastische Gestalten diese „Big-Fish-Welt“. Mit der schwarzen Komödie  „Harold und Maude“ steht später im Jahr erneut ein Klassiker an. Die Liebesgeschichte zwischen dem durchgeknallten, neurotischen 19-jährigen Harold  und der lebenslustigen  79-jährigen Maude hat ihren ganz eigenen Charme. Das Stück feiert am 7. September Premiere.

Das Theater unter den Kuppeln, das mittlerweile seit 54 Jahren besteht, hat sich auch künstlerisch weiterentwickelt. „Im Lauf der letzten 40 Jahre ist das kulturelle Angebot unseres Theaters ständig gewachsen“, sagt Jochen Riesch, im Vorstand für die Pressearbeit zuständig. Durch die gezielte Ausbildung der Schauspieler brächten   diese in den Inszenierungen überdurchschnittliche Leistungen, sagt Riesch.  So könne man immer anspruchsvollere Stücke aufführen – gerade bei den Musicals. Zur Qualität der  Produktionen trägt auch die  dem Verein angegliederte Tanz- und Singschule bei. Drei Fachlehrer unterrichten dort  350 Schüler, die wiederum die Bühne als ein Forum für ihre Kunst nutzen.

Vor 20 Jahren bekam die Bühne den Namen „Theater unter den Kuppeln“, gestartet ist sie 1965 als „Naturtheater Stetten“. 1989 wurde der  Name geändert, nachdem Umbauten das Gesicht der Bühne verändert hatten. Namenspaten sind seitdem die drei freitragenden Schalen, die  den Besucherraum sowie zwei große Übungs- und Theatersäle überspannen.  Der Verein zählt 224 Mitglieder.  bob / Foto: TudK

Info: Programm und Tickets über www.tudk.de


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Der Europäische Gerichtshof hat entschieden: Arbeitszeiten müssen künftig genau erfasst werden. Sogenannte „Flatrate-Arbeit“ ist passé, Flexibilität dürfte aber verloren gehen. Ist das ein Fortschritt?

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Endspurt im Albvorlandtunnel

Der Durchbruch ist für Juli geplant – Die Bahn-Neubaustrecke Wendlingen–Ulm soll Ende 2022 eröffnet werden

Auf der Neubaustrecke  Wendlingen–Ulm schreiten die Arbeiten voran: Nach den Plänen der Deutschen Bahn sollen im Winter 2022 die ersten ICE-Züge mit einer Höchstgeschwindigkeit von 250 Kilometern pro Stunde über die neuen Gleise rauschen. Ein wichtiger Teil der Strecke ist der mehr als acht Kilometer lange Albvorlandtunnel, der südlich von Kirchheim gegraben wird. Die zwei Tunnelvortriebsmaschinen, die jeweils in einer Röhre eingesetzt werden, haben insgesamt noch rund 2500 Meter vor sich.

Seit Ende 2017 fressen sich „Sibylle“ und „Wanda“ durch das mehrere Hundertmillionen Jahre alte Gestein. Die letzten 1000 Meter, die jede Maschine dabei zurücklegen muss, hätten es in sich, sagte Jens Hallfeldt, Projektleiter des Abschnitts bei der Bahn, kürzlich bei einer Baustellenbesichtigung. „Dort haben wir eine ganz andere Geologie als auf den 7000 Metern davor“, erklärte er. „Es gibt deutlich mehr Kalk, mehr Verwerfungen und mehr Störzonen, in denen das Material der Maschinen mehr beansprucht wird.“ Diese Schwierigkeiten seien aber bereits vor Baubeginn bekannt gewesen und würden die Arbeiten nicht wesentlich aufhalten. „Wir rechnen im Juli mit dem Durchbruch“, sagte Hallfeldt.

Zwischen den beiden Tunnelröhren, die bis zu 22 Meter voneinander entfernt verlaufen, wird ebenfalls gearbeitet. „Alle 500 Meter gibt es Verbindungen“, so Hallfeldt. 16 solcher Bauwerke wird es geben, durch die auch Rettungskräfte Zugang zu einem eventuellen Unfall im Tunnel haben sollen.

An Spitzentagen wird das abgetragene Material mit 400 bis 600 Lastwagen fortgeschafft. Das sind zwischen 10 000 und 15 000 Tonnen, die untersucht und entsprechend entsorgt beziehungsweise weiterverwendet werden. In der Nordröhre, durch die später die Bahnlinie von Ulm verlaufen soll, laufen derzeit die Betonierungsarbeiten. Jeweils die ersten 400 Meter der Röhren werden mit flüssigem Beton verkleidet. Danach kommen die sogenannten Tübbinge zum Einsatz. Jeweils sieben dieser zehn Tonnen schweren Steine bilden ein ringförmiges Segment in der Tunnelverkleidung. Insgesamt werden in den beiden Röhren 54 000 Tübbinge verarbeitet.

Neben dem Albvorlandtunnel wird  zwischen Wendlingen und Aichelberg an verschiedenen Stellen gearbeitet. Eine Herausforderung ist dabei der Höhenunterschied. Von der tiefsten Stelle (271 Meter über Normalnull) steigt das Terrain kontinuierlich an. Zu spüren sei der Höhenunterschied auch bei der Güterzuganbindung, die die bestehende Strecke Plochingen – Tübingen am Ende des Albvorlandtunnels mit der Schnellbahntrasse verbinden soll. Für diese Anbindung ist unter der Autobahn 8 ein weiterer Tunnel gegraben worden. 

Die Brücke über den Neckar befindet sich derzeit im Bau. Sie führt in einer Höhe von zehn Metern über den Fluss und ist 136 Meter lang. Später werden die Züge  die Brücke innerhalb von zwei Sekunden überqueren. Bis der letzte von drei Brückenbauabschnitten in Angriff genommen werden kann, wird es allerdings noch dauern. „Das können wir erst 2020 beginnen, weil die Kreisstraße 1219 derzeit noch als Umgehungsstraße für die gesperrte Landesstraße benutzt wird“, sagte Hallfeldt. „Solange diese Umleitung besteht, dürfen wir da keine Beschränkung der Fahrbahn einrichten.“ Nahezu fertig ist hingegen die nur 56 Meter lange Brücke über die bestehende Bahnlinie in Wendlingen.

1500 Eidechsen umgesiedelt

 Im Laufe dieses Jahres soll es im Albvorland an verschiedenen Stellen noch allerhand sichtbare Veränderungen geben. Auch muss  – nachdem die Finanzierung steht – noch die Große Wendlinger Kurve angelegt werden. Mit knapp einem Jahr Verspätung wurde hingegen ein offener Streckenabschnitt vor dem Aichelberg direkt neben der A 8 angepackt: Die Bahn musste in dem Gebiet mehr als 1500 Zauneidechsen umsiedeln. Nun gehe es dort aber voran.  Nach den Probefahrten sollen im Dezember 2022  dann die ersten regulären Züge verkehren. Später können Fahrgäste innerhalb von nur einer halben Stunde von Stuttgart nach Ulm fahren. the / Foto: the


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Fairtrade liegt im Trend: Die Deutschen  kaufen immer mehr Waren, die unter akzeptablen Bedingungen produziert wurden. Sie auch? 

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Ein besonderes Programm

Jubiläum: Württembergische Landesbühne besteht seit 100 Jahren – Doppelspitze Schirmer und Grube

Der Württembergischen Landesbühne (WLB) ist eine Punktlandung mit der Premiere von „Kabale und Liebe“ am 21. September gelungen: Auf den Tag genau vor 100 Jahren hat die damals frisch  gegründete Bühne unter dem Namen Schwäbische Volksbühne ihr erstes Stück auf die Bühne gebracht: „Kabale und Liebe“ – damals noch  in Göppingen. 1926, als die WLB nach Esslingen übersiedelte,  hieß das erste Stück ebenfalls wieder „Kabale und Liebe“.   Die  Spielerei mit der Vergangenheit ist nur eine der Besonderheiten, mit denen die  WLB die Spielzeit 2019/2020 und damit das Jubiläumsjahr  gestalten will.

Internationale Festivals

Das 100-jährige Bestehen der WLB bildet die Bühne  für einen engagierten anspruchsvollen Spielplan sowie für ein Seniorentheater-Festival, ein Kindertheater-Festival und einen Film.  Das gesamteuropäische Seniorentheater-Festival Stage  läuft bereits   vom 16. bis 19. Mai. Die Gruppen kommen aus Dänemark, Deutschland, Estland Georgien, Griechenland und der Schweiz. Umrahmt wird das Festival von Workshops und wissenschaftlich begleitet  von Studierenden vom Institut der Theaterwissenschaften  der Uni Leipzig. Am Festival  Stage nimmt auch die Seniorenspielgruppe der WLB teil.

Für Kinder ab zwei Jahren

Das Kinderfestival wird vom 16. bis 20. Oktober laufen, dabei sind sechs Produktionen  aus Deutschland, Kroatien, Italien, Holland/Belgien sowie Norwegen/England zu sehen. Auch ein Stück für Kinder ab einem Alter von zwei Jahren steht auf dem Programm.  Einen „restaurierten“ Film kündigt WLB-Intendant Friedrich Schirmer an. „Wunder in Amerika“ ist ein Schauspiel von Ernst Toller und Hermann Kesten, das die Verknüpfung von Religion und Geschäft in Amerika thematisiert.

Film restauriert

Das Stück galt als verschollen, bis Schirmer selbst 1978 das Soufflierbuch der Uraufführung in Mannheim wiederentdeckte. Die erste Wiederaufführung fand an der WLB statt, die Inszenierung wurde,  gefördert vom Land, fürs Fernsehen adaptiert und mehrfach ausgestrahlt, das letzte Mal 1994. Nun wurde der Film restauriert und wird am 22. September im Kommunalen Kino gezeigt.

Die kommende Spielzeit wird auch eine neue Form der Leitung, der Doppelspitze aus Friedrich Schirmer und Markus Grube, schaffen. Schirmer nennt das Konstrukt ein „gutes Beispiel für einen dritten Weg, als die Verbindung von Kontinuität und Wandel, von weitermachen und loslassen, und  passend für das Jubiläumsjahr“.  Acht Premieren stehen  an: Allen voran „Kabale und Liebe“ von  Friedrich Schiller  am 20. September in Göppingen und am 21. September in Esslingen. Es folgen  Siegfried  Lenz’ „Deutschstunde“, die Komödie  „Frank der Fünfte“ von Dürrenmatt, Peter Weiss’ Stück „Hölderlin“, „Das Licht“ als  deutsche Erstaufführung,   Antigone von Sophokles, „Die Mitwisser“ von Philipp Löhle, die  Uraufführung  Roadmovie „Heartbreaking – Die Biene und der Kurt“ aus der Feder  von Robert Seethaler ist eine Gemeinschaftsproduktion von WLB und Junger WLB. „Waidmannsheil“ im Podium 1 ist eine Co-Produktion  mit den Galgenstricken,  und im Podium 2 läuft „Heisenberg“.

Shakespeare auf der Maille

Sieben Premieren, darunter zwei Uraufführungen, bringt die  Junge WLB. Mit„Shakespeare in Love“ geht es im Juni 2020 auf die Freilichtbühne auf der Maille. Zu guter Letzt ein paar Zahlen:  Die vergangene Spielzeit war mit mehr als   120 000 Besuchern, und damit 11 000 mehr als im Jahr davor, laut Verwaltungsdirektorin Vera Antes die beste bisher.  bob / Foto: bul

Info: www.wlb-esslingen.de      


Traditionsfest

417. Nürtinger Maientag mit vielen Attraktionen und einigen Neuerungen – Umzug, Feuerwerk und  Musik

Von Freitag bis Montag, 17. bis 20. Mai, wird in Nürtingen der Maientag gefeiert. Vier Tage lang wird auf dem Oberensinger Festplatz in einem offenen Zelt und in einem Biergarten mit Musikvereinen, Kapellen und Partybands sowie in einem Vergnügungspark ausgiebig gefeiert. Am Eröffnungsabend gibt es nach vielen Jahren wieder ein Feuerwerk, am Samstag wird sich nach alter Tradition ein Festzug von der Stadtmitte zum Festplatz bewegen.

Der Nürtinger Maientag wird in diesem Jahr zum 417. Mal gefeiert und ist damit eines der ältesten Kinder- und Heimatfeste in Südwestdeutschland. Die erste urkundliche Erwähnung des Maientags datiert aus dem Jahr 1602. Ursprünglich hatte  es sich um den Frühlingsausflug der Nürtinger Schüler gehandelt, aus dem sich im Lauf der Zeit ein Heimatfest entwickelte. Noch immer wird der Maientag von den Nürtinger Schülern geprägt. So wird der Termin immer  in Abhängigkeit von den Schulferien festgelegt.

In diesem Jahr können sich die Festbesucher auf einige Neuerungen und viele Attraktionen freuen. Wie Clint Metzger, der Sprecher der Stadt Nürtingen, erzählt, wird der Vergnügungspark  dieses Mal in Zusammenarbeit mit dem Amt für Stadtmarketing von einer professionellen Schaustellerfamilie organisiert. „Es wird einige Attraktionen geben, die man so in Nürtingen noch nicht gesehen hat“, sagt Metzger. So wird, neben einigen Klassikern wie einem Autoscooter und einem Riesenrad, auch eine Schaukel aufgebaut, die die Fahrgäste auf 40 Meter Höhe bringt. Neben dem Vergnügungspark wird auch die Gas­tronomie neu gestaltet. Der Biergarten wird  vergrößert, und statt in einem klassischen Bierzelt werden die Gäste in einem offenen Zelt sitzen. „Wir wollen das Ganze etwas  transparenter gestalten“, sagt Metzger. Auf dem Festplatz wird, als weitere Besonderheit, erstmals ein exklusiv für den Maientag gebrautes Bier ausgeschenkt.

Zum Auftakt des Fests am Freitag wird im Vergnügungspark in einer Happy Hour von 16 bis 17 Uhr jede Fahrt in den Karussellen für 99 Cent angeboten. Ab 18 Uhr laden die Chöre der Nürtinger Schulen zum Maisingen in den Hof der Stadthalle ein. Offizieller Start ist um 19.30 Uhr mit dem Fassanstich durch Oberbürgermeister Otmar Heirich. Um 22.30 Uhr steht zum ersten Mal nach elf Jahren Pause wieder ein großes Feuerwerk auf dem Festprogramm. Wie  Metzger erzählt, war auf dieses Spektakel  im Nachgang zur Finanzkrise 2007/2008 aus Sparzwängen verzichtet worden.

Der Festsamstag steht traditionsgemäß im Zeichen der Schüler. Nach dem musikalischen Auftakt ab 7 Uhr durch junge Musiker der Stadtkapelle und der Musikschule findet um 10.15 Uhr die traditionelle Brotübergabe der Landjugend an den Oberbürgermeister statt. Danach startet am Schillerplatz der große Festumzug der Schulen, der zum ersten Mal bis auf das Festgelände führt. Dort folgen  Schülerwettkämpfe wie der Kletterwettstreit  sowie Tänze der Jugend und der Vereine. Tagsüber und am Abend sowie den ganzen Sonntag über wollen Musikvereine und Partybands auf dem Festplatz für Stimmung sorgen. Zum Seniorennachmittag am Montag wird wieder ein Fahrdienst von den Stadtteilen zum Festplatz eingerichtet. pst / Foto: Stadt Nürtingen

Info: Anmeldungen zum Fahrdienst sind unter Telefon 0 70 22/7 52 32 möglich. Ein ausführliches Programmheft zum Maientag liegt in vielen Geschäften aus und ist unter www.nuertingen.de zu finden.


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Schweißausbruch, Herzrasen, Schwindel: Über fünf Millionen Deutsche haben panische Angst vorm Zahnarzt. Gehören Sie auch dazu? 

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Angst vorm Zahnarzt?

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Tierische Landschaftspfleger

Schafbeweidung erhält geschützte Gebiete und fördert die Artenvielfalt – Thymian und Silberdistel

Große Bereiche des Albvorlands und des Nordabhangs der Alb sind geprägt von Streuobstwiesen, Kalkmagerrasen sowie Wacholderheiden und sind als Landschafts- oder Naturschutzgebiete ausgewiesen. Dort findet traditionell eine Beweidung mit Schafen und Ziegen statt. Beim  Schafauftrieb am Hörnle oberhalb von Bissingen erläuterten Vertreter des Landschaftserhaltungsverbands (LEV) Landkreis Esslingen die Bedeutung der Schafbeweidung für die Kulturlandschaft.

Die steilen Magerrasen- und Heideflächen des Teckbergs und des Hörnle sind  Teil des europäischen Netzwerks von Natura-2000-Schutzgebieten und als  besonders wertvolle Gebiete eingestuft. Sie bieten Lebensräume für viele seltene und bedrohte Tier- und Pflanzenarten. Allerdings handelt es sich um Kulturlandschaften, die erhalten und gepflegt werden müssen. Traditionell geschieht dies in der Region mit Schafen und Ziegen. In der letzten Aprilwoche ist daher der Wanderschäfer Hans Dieter Wahl aus Welzheim mit einer Herde von rund 800 Schafen und einigen Ziegen an die Teck gezogen, die das Gebiet bis zum Herbst beweiden und so zum Artenschutz beitragen.

„Bis vor zwei Jahren war der Abhang am Hörnle noch Buschland, eigentlich aber ist es eine alte Kulturlandschaft, die als Naturschutzgebiet erhalten werden muss“, sagt die Agrarwissenschaftlerin Esther Gerhards, die zusammen mit Uwe Hiller die Geschäftsführung des LEV bildet. Da der Kalkmagerrasen und die karge Wacholderheide mit Maschinen nicht wirtschaftlich bearbeitet werden können und zudem im Vergleich zu anderem Grünland nur wenig Ertrag bringen, waren sie sich selbst überlassen und schließlich zugewuchert. Ein Pflegevertrag des LEV mit der Schäferei Wahl brachte schließlich die Wende.

Nach einer maschinellen Rodung machten sich die Schafe und Ziegen ans Werk, knabberten junge Triebe ab, drängten Brombeeren, Knospen und nachwachsende Büsche zurück. „Doch  mechanische Unterstützung ist weiterhin nötig. Der Wald drängt schnell nach“, sagt Gerhards. Dabei seien die Naturschutzbehörden auf Ehrenamtliche angewiesen. „Ohne die vielen freiwilligen Landschaftspfleger aus den Vereinen würde das nicht funktionieren“, betont sie.

Überall dort, wo  die Heide- und Magerrasenflächen erhalten werden, entstehen Lebensräume und Rückzugsgebiete für seltene und bedrohte Tier- und Pflanzenarten. „Schafe sind sehr wählerisch und fressen selektiv“, erläutert Gerhards. So meiden sie stachelige, bittere und sehr aromatische Gewächse, die damit stehen bleiben, blühen und sich vermehren können und gleichzeitig anderen, oft spezialisierten Arten wie etwa Schmetterlingen Schutz und Nahrung bieten. Daher findet man rund um den Teckberg  eine ganze Reihe von Orchideen, Thymian, Majoran, den Hauhechel und die für die Alb typische, aber selten gewordene und daher streng geschützte Silberdistel. „Manche Arten sind durch die Wanderschäferei erhalten worden und können sich nun wieder verbreiten“, sagt Gerhards und erklärt, dass  Samen und Pollen im Fell und im Kot der Tiere weitergetragen werden. „So werden die Artenvielfalt erhalten und der Genpool aufgefrischt und erweitert.“

Für den Schäfer Hans Dieter Wahl hat die Schafbeweidung noch den Nebeneffekt, dass sie  auch für heimische Produkte wie Wolle und Fleisch wirbt. „Man schmeckt das am Fleisch, ob die Schafe die guten Kräuter von den Albweiden gefressen haben. Da muss ich doch  nichts aus Neuseeland kaufen“, erzählt er. pst/Foto: pst


Leidenschaft für Landwirtschaft

Junge Nebenerwerbslandwirte drücken nebenbei die Schulbank und machen einen Abschluss

Gruppenbild, rechts außen Klassenlehrerin Claudia Kohn, hinter ihr Schulleiter Reinhold Klaiber, links daneben Erste Landesbeamtin Marin Leuze-Mohr und Kurt Mezger vom RP

Nach Feierabend in den Stall oder aufs Feld – und als ob das nicht genug wäre, drücken einige Feierabend-Bauern auch noch die Schulbank, um einen Berufsabschluss als Landwirt zu machen. Bei der Zeugnisübergabe und Abschlussfeier sprachen die aktuellen Absolventen über ihre Motivation.

Alle hätten bestanden, verkündete Reinhold Klaiber, der Leiter der Nürtinger Fachschule für Landwirtschaft, mit dem speziellen Ausbildungsgang für Nebenerwerbslandwirte. Und das nicht nur irgendwie, sondern mit einem Durchschnitt von 2,4. Das ist eine stolze Leistung für Leute, die eine Schule quasi als „Drittbelastung“ nebenher besuchen. Die 21 Männer und vier Frauen sind hauptberuflich im Handwerk, in der Industrie oder in der Verwaltung beschäftigt. Nebenbei betreiben sie ihre Landwirtschaft, haben häufig Familie und nun auch noch eineinhalb Jahre lang die Schulbank gedrückt. Die Ausbildung umfasst 600 Unterrichtsstunden in den Wintersemestern und fachpraktische Tage im Sommer.

Die meisten der frischgebackenen „Fachkräfte für Landwirtschaft“ sind zwischen 20 und 30 Jahre alt, die Älteste ist 51. Ebenso breit ist das Spek­trum der Betriebe, die sie vertreten, ob Milcherzeugung, Pferdehaltung, Schweinezucht, Hühnerhof, Ackerbau oder Obstbau. Wer diese Ausbildung mache, sei „meistens sehr effizient im Organisieren“, sagte Kurt Mezger, der als Vertreter des Regierungspräsidiums an der Zeugnisübergabe teilnahm. Das ergebe sich schon daraus, dass viele mit der Nebenerwerbslandwirtschaft groß geworden sind.

Wie Rainer Kuhn, auf dessen Bohnackerhof in Oberboihingen die Abschlussfeier stattfand. Praktisch wüssten die meisten folglich schon sehr viel, aber theoretisch könnten sie noch manches lernen, sagte Schulleiter Klaiber. Zumal es in der Landwirtschaft unheimlich viel Rechtliches zu beachten gebe: Umweltschutz, Tierschutz, Fördermittel … – das mache einen erheblichen Teil der Ausbildung aus. Aber auch pflanzliche und tierische Erzeugung, Unternehmensführung und Betriebswirtschaft stünden auf dem Stundenplan.

Mit dem Gelernten hoffen die Nebenerwerbsbauern, effizienter wirtschaften zu können. Vielen gehe es nicht nur darum, den Hof der Eltern weiterzubetreiben, sondern „etwas zu gestalten, daraus zu machen“. Keineswegs alle haben die Landwirtschaft „geerbt“: Manche sind auch von außen reingerutscht oder haben sich ganz bewusst dafür entschieden. Dazu gehört Marcel Straub, der ansonsten Hauptamtsleiter einer Gemeinde im Kreis Reutlingen ist. Er half öfter auf dem Hof eines Freundes mit und hat dabei fürs Schlepperfahren und vor allem für die Milchkühe Feuer gefangen. Das sei zum einen ein Ausgleich zur Büroarbeit, aber auch „ein bisschen eine Leidenschaft geworden“. Dass er dann auch noch einen Abschluss draufgepackt hat, begründet der 29-Jährige damit, dass er „ein Hundertprozentiger“ sei und sich auf dem Hof auch inhaltlich einbringen wolle.

Erst 24 Jahre alt ist der Klassenbeste Michael Gscheidle, der Betriebswirtschaft studiert und derzeit den Master in „Agribusiness“ macht. Gegenüber dem theoretisch-wissenschaftlichen Studium habe er in der Landwirtschaftsschule die Themen bearbeiten können, „die man im Alltag und in der Praxis braucht“. In seinem Fall ist das ein extensiv bewirtschafteter Grünlandbetrieb mit Streuobstwiesen. Genossen hat der junge Mann, der eine Promotion im Bereich Unternehmensführung anstrebt, aber auch die Klassengemeinschaft und die guten Kontakte.

Tatsächlich ist die Ausbildung sehr gefragt, regelmäßig gibt es mehr Bewerber als Plätze. Zwei Drittel der landwirtschaftlichen Betriebe in den Kreisen Esslingen und Göppingen – beide werden von der Fachschule für Landwirtschaft abgedeckt – würden im Nebenerwerb betrieben, sagte Erste Landesbeamtin Marion Leuze-Mohr. Damit werde nicht nur die Familientra­dition gepflegt, sondern es würden auch Lebensmittel erzeugt und die Kulturlandschaft ge­staltet. 

(aia)/ Foto: (aia)