Mensch, Natur, Kultur

Kunst- und Aktionspfad der Ziegelhütte am Randecker Maar mit Skulpturenweg, Festival und Sommerfest

Die Jugendhilfeeinrichtung Ziegelhütte im Bissinger Ortsteil Ochsenwang am Randecker Maar im Unesco-Biosphärengebiet veranstaltet von Samstag, 29. Juni, bis Ende August zum dritten Mal einen Kunst- und Aktionspfad und an fünf Wochenenden ein Kleinkunstfestival. Auf die Besucher warten neben einer Neuauflage des Skulpturenpfads Konzerte, Open-Air-Kino und Theater, ein Mittelaltertag und ein Sommerfest. Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann hat die Schirmherrschaft übernommen.

Bereits in den Jahren 2012 und 2015 hatte die Jugendhilfeeinrichtung  Ziegelhütte einen Kunst- und Aktionspfad auf die Beine gestellt. Das Angebot sollte nicht nur als  soziokulturelles Projekt darauf hinweisen, dass auch im ländlichen Raum der Schwäbischen Alb ein reiches Kulturleben herrscht. Auch für die von der Ziegelhütte betreuten Jugendlichen erwiesen sich die mit dem Kulturpfad verbundenen Aufgaben als Herausforderung, Lernfeld  und letztlich großer Erfolg.

„Das Konzept hat sich bewährt. Das Zusammenspiel von Kunst und der einzigartigen Natur des Randecker Maars war für viele Menschen ein besonderes Erlebnis. Kunstprojekte bilden einen wichtigen Schwerpunkt in unserer pädagogischen Arbeit mit Jugendlichen, die einen besonderen  Förderbedarf haben. Für unsere Jugendlichen bedeutet die Zusammenarbeit mit Künstlern aus der Region und das Erleben, dass ihre Arbeiten ausgestellt und von vielen Menschen bewundert werden, daher eine ganz besondere und wertvolle Erfahrung“, sagt Hendrik van Woudenberg, Geschäftsführer des Trägervereins der Jugendhilfeeinrichtung Ziegelhütte.

 In diesem Jahr werden ein Skulpturenpfad von etwa fünf Kilometern Länge mit rund 50 Stationen, Führungen und Kunstaktionen angeboten. Dazu gibt es Workshops in den Bereichen Kunst, Gestaltung und Musik, ein Kleinkunstfestival mit Konzerten, Open-Air-Kino und Theater, einen Kunstmarkt, ein Mittelalterspektakel und den Internationalen Tag „Gemeinsam sind wir bunt“. Rund um den Skulpturenpfad finden an den Wochenenden zahlreiche kleine und große Kulturveranstaltungen statt. Auch dieses Mal ist der Eintritt zum Skulpturenpfad und zu allen Veranstaltungen frei.

Nach der Eröffnungsfeier  am Samstag, 29.  Juni, startet das Programm am Folgetag mit der Band „Blues 4 five“ und dem Gismo Graf Trio. Jugendliche der Ziegelhütte bieten wie an allen fünf Wochenenden Führungen zu den Kunstwerken an.  Am Wochenende 6. und 7. Juli steht der Sommerlustmarkt mit Kunsthandwerk und regionalen Produkten auf dem Programm. Am Samstag wird ein Lichterfest mit der Frauenband „Miss Foxy“ gefeiert.  Das dritte Wochenende, 13. und 14. Juli, steht im Zeichen eines Mittelalterspektakels mit der Ritterschaft zu Gmünd. Sie bietet Schwertkämpfe, Axtwerfen und Einblicke in historische Handwerkstechniken und Tänze. Die Musik liefern Gotthard der Barde und das Ensemble „Collini“. Am folgenden Wochenende, 20. und 21. Juli, werden Workshops für Musik, Fotografie, Bildhauerei und Zeichnen angeboten. Den Abschluss bilden am Freitag und Samstag, 26. und 27. Juli, das Kino-Open-Air und am Sonntag, 28. Juli, der Internationale Tag „Gemeinsam sind wir bunt“ mit Konzerten, Theater und Kunstaktionen. Der Skulpturenpfad ist bis Ende August geöffnet. pst / Foto: Ziegelhütte

Info: www.jugendhilfe-ziegelhuette.de


Dem Nachwuchs eine Bühne

Das WO?!-Festival in Wendlingen findet in diesem Jahr zum zehnten Mal statt

Am Freitag und Samstag,  28. und 29. Juni, laden die Jugendhäuser „Zentrum Neuffenstraße“ in Wendlingen  und „Boing“ in Oberboihingen zum gemeinsam veranstalteten WO?!-Festival  ein. Dieses Stelldichein von Nachwuchsbands wird in diesem Jahr zum zehnten Mal veranstaltet. Gemäß dem üblichen Zwei-Jahres-Turnus findet das Festival dieses Mal wieder in Wendlingen statt, und zwar auf dem Festplatz „Im Speck“.

Als vorrangiges Ziel geben die Veranstalter an, dass sie lokalen Nachwuchsbands eine große Bühne bieten wollen. Doch es mischen sich auch namhafte Musiker jenseits der Region-Grenzen in die Schar der WO?!-Künstler. Headliner des Festivals sind am Freitag „Kafvka“ aus Berlin-Lichtenberg. Sie machen laut Ankündigung „Rap-Rock, Polit-Hop und Dada-Pop“. Am Samstag wurde als Topact die Stuttgarter Band „Antiheld“ verpflichtet, die laut eigenen Angaben „Straßenköterpop“ spielt. „Antiheld“-Frontmann Luca stammt aus Neckarhausen, nicht ohne Stolz verkünden die Veranstalter, dass er  mit dem Festival sozusagen aufgewachsen sei. Der Rapper ,,Sickless“ wird ebenfalls in die Kategorie der bekannteren Künstler eingeordnet. Im Vorfeld des Festivals wurde beim WO?!-Contest zudem musikalisch darum gerungen, welcher Nachwuchsband aus der Region ein Auftritt zusteht. Gewonnen hat diesen am Ende „The Story of March“ aus Reutlingen.

Außer den beiden Headlinern stammen alle weiteren 16 Bands aus der näheren und weiteren Umgebung des Veranstaltungsorts. Die Kirchheimer Band ,,Grup Huub“ hat sich hier bereits einen guten Namen erspielt. Wahre „Local Heroes“ sind „Funky Fizzle“ und ,,Ohne Kompass“ aus Wendlingen. Zudem sind dabei: „Crowd of Exempt“, „Junique“, „Fugger“, „Hell & Back“, „Endor4ne“, „Spacecowboys & Bernie“, „Junion“, „Leitmot!v“, „Olga Schmus“ und „Felix & Friends“.

Die Organisatoren aus den Reihen der beiden Jugendhäuser wollen auch in diesem Jahr ihrem Anspruch gerecht werden, ein jugendgerechtes Festival anzubieten. Das heißt: Essen, Getränke und Eintritt gibt es zu „günstigen Preisen“. So kostet ein Zwei-Tage-Ticket im Vorverkauf  15 Euro.

Eine Neuerung gibt es am Samstag: Um 14 Uhr startet erstmals ein Flunkyball-Turnier, bevor ab 16.30  Uhr die erste Band spielt. Konzertbeginn am Freitag ist um 18 Uhr. Zur After-Show-Party wird an beiden Tagen in ,,Die Kiste“ in Wendlingen  eingeladen. (red) / Foto oben: Kai Effinger/Blattkunst, Foto unten: Viktor Schanz

Info: mehr zu  Bands, Zeitplan, Eintrittspreisen, Anfahrt   unter www.wo-festival.de. Karten im Vorverkauf sind erhältlich bei:  Jugendhaus Zentrum Neuffenstraße in Wendlingen,  Jugendhaus Trafo in Köngen, Stadtbücherei Wendlingen,  Pusteblume in Oberboihingen, Jugendhaus Boing in Oberboihingen, der Wendlinger Zeitung und unter www.reservix.de.


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Es gibt Pläne, das Fahren von Leichtkrafträdern auch ohne Führerscheinprüfung zu ermöglichen. Voraussetzungen: fünf Jahre Führerschein  Klasse B, mindestens 25 Jahre alt,  achtstündiger Kurs. Ein gute Idee?

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Büfett auf Rädern

Streetfood-Festival in Esslingen vom 20. bis 23. Juni – Zwölf Foodtrucks mit internationalen Gerichten

Streetfood liegt  voll im Trend. Und so rollen Foodtrucks   demnächst auch nach Esslingen: Von Donnerstag bis Sonntag, 20. bis 23. Juni, findet auf dem  Hafenmarkt das erste Esslinger Streetfood-Festival statt. Zwölf Trucks, eine Bar und ein unterhaltendes Rahmenprogramm sollen das kulinarische Fest in der Stadt etablieren.

Marc Wilcke und Enzo Mes­sinese wollten ursprünglich gar nicht auf den Hafenmarkt, sondern auf den Marktplatz – als Nachfolger der Zwiebelfestwirte, die das Esslinger Traditionsfest nicht mehr ausrichten werden. Den Zuschlag für die Zwiebelfest-Nachfolge haben andere Wirte bekommen. So landeten Messinese und Wilcke mit  ihrer Idee des  Streetfood-Festivals auf dem Hafenmarkt.

Curry, Fleisch, Nudeln

Lange haben die beiden Veranstalter  die Genehmigung des Ordnungsamts noch nicht in der Tasche. „Ein paar  Wochen vielleicht“, sagt Marc Wilcke. Deshalb habe es schnell gehen müssen, denn für Foodtrucks gibt es eine große Nachfrage. Die Veranstalter haben nun zwölf Foodtrucks  und Stände für die vier Tage am Hafenmarkt verpflichten können. Die  Besucher werden indisches Curry vorfinden, den klassischen Burger, Wok-Gerichte, gefüllte Nudeln, ausgefallene Sandwiches, Würstchen im Teig, Fleischgerichte, Fleischspieße ebenso wie Dessert-Gerichte wie Frozen Yoghurt und Poffertjes – kleine gefüllte Pfannkuchen. Spezielle Tees, kalt und warm, bietet ein weiterer Stand an. Auch das Café am Museum ist aktiv und verkauft  Flammkuchen.

Die Stände und Trucks stehen im Rund am Hafenmarkt, in der Mitte wird eine Bar platziert, darum sitzen die Gäste auf Bierbänken oder relaxen auf Liegestühlen.

Familien willkommen

„Wir haben Wert darauf gelegt, dass es  ein erschwingliches Essen gibt, sodass man auch mit der ganzen Familie essen gehen kann“, betont Wilcke. So werde der Sonntag zum Familientag deklariert, an dem die Bar die Getränke zu günstigeren Preisen als sonst verkauft.  Ein Rahmenprogramm soll  unterhalten. Laut Wilcke  sind  Straßenmusiker  unterwegs, Zirkuspädagogen bespaßen  jüngere Gäste.  Die Auswahl der Food-Spezialitäten wiederum ist vielfältig. „Bei Streetfood-Festivals dominieren oft die Burger“, beklagt Wilcke. „Das wollen wir nicht.“ Viele unterschiedliche Speisen sollen angeboten werden. Ginge es nach Wilcke, hätte es ruhig noch ein wenig bunter  zugehen können. „Exotische Maultaschen hätten wir gerne noch gehabt.“ Doch in der Kürze der Vorbereitungszeit waren etliche Beschicker schon ausgebucht.

Junges Publikum

Insgesamt wollen die beiden Veranstalter ein jüngeres Publikum ansprechen, als es  das  traditionelle Zwiebelfest bislang getan hat. 

Die Idee mit dem Streetfood-Angebot hat Marc Wilcke schon länger umgetrieben.  Als das Zwiebelfest neu vergeben werden sollte, bewarben sich er und sein Partner Enzo Mes­sinese um ein Streetfood-Festival  auf dem Marktplatz. Ein anderes Angebot von Wirten bekam jedoch  den Vorzug. Dem Esslinger Gemeinderat gefiel aber die Idee der Foodtrucks. Sie forderten die beiden auf, sich für eine solche Veranstaltung am Hafenmarkt zu bewerben.

Streetfood-Festivals gibt es  in der Region mehrere. Wilcke und Messinese haben bereits ein Ess-Fest in Wendlingen organisiert. Weitere sollen folgen.  Das Festival in Esslingen soll das erste einer langen Reihe sein. „Wir hoffen, dass unser Konzept ankommt und sich  das Festival etablieren kann“, sagt Wilcke, der auch weiß: „Das letzte Wort hat der Gast.“  bob / Fotos: Jüptner

Info: Esslinger Streetfood-Festival, 20. bis 23. Juni, jeweils 11 bis 22 Uhr, Hafenmarkt Esslingen  (www.street-food-festival-esslingen.de).


Weichenstellung

Die Stadt Nürtingen arbeitet an ihrer Zukunftsfähigkeit – Erste Handlungsempfehlungen vorgestellt

Die Stadt Nürtingen wird sich künftig neu orientieren müssen, wenn sie ihre Zukunftsfähigkeit erhalten will. Angesichts der wachsenden Konkurrenz der Kommunen in der Metropolregion Stuttgart muss die Stadt ihre Position und ihre Stärken neu definieren und an ihrer Außenwirkung arbeiten. Um die Weichen dafür zu stellen, wurde im Jahr 2017 ein Stadtmarketingprozess angestoßen. Das damit beauftragte Planungsbüro Gruppe Drei hat nun erste Handlungsempfehlungen vorgestellt.

„Nürtingen steht vor dem Problem, dass es nach außen sehr schwäbisch-bodenständig wirkt. Das kann der Stadt in dem dynamischen Entwicklungsprozess der Region durchaus auch zum Nachteil ausgelegt werden“, sagte der Marketingfachmann Alexander Doderer, der die Stadt zusammen mit seiner Kollegin Carolin Deberling seit zwei Jahren berät und den Stadtmarketingprozess begleitet. Der Gemeinderat hatte diesen Prozess 2017 angestoßen, um die Stärken und Schwächen der Stadt im Spannungsfeld der Kommunen herauszuarbeiten, die Außensicht und die Selbstwahrnehmung kritisch zu untersuchen und Handlungsempfehlungen vorzuschlagen. Damit sollten die Weichen in Richtung einer Zukunftsfähigkeit als attraktive Kommune gestellt werden können.

Nach Bürgerbefragungen, Workshops mit Einzelhändlern und Immobilienbesitzern, einer Bürgerkonferenz und einer Klausurtagung des Gemeinderats zum Thema legte das Planungsbüro schließlich erste Ergebnisse und darauf aufbauend Handlungsempfehlungen vor.

Als zentralen Aspekt machten die Planer eine beträchtliche Kluft zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung aus. Während die Nürtinger selbst ihre Stadt als „mutig, weltoffen und dynamisch“ sähen, wirke sie tatsächlich nach außen „konservativ, rückwärtsgewandt und stagnierend“, erklärte Doderer. Allerdings gebe es in der Bürgerschaft auch einen „Willen zur Dynamik“. Der sei auch vonnöten, wolle man das Spannungsfeld zwischen dem Verharren in alten Traditionen und dem Wunsch nach einer zukunftsfähigen Stadt überwinden. „Das bedeutet auch, die Komfortzonen zu verlassen, gewohnte Strukturen aufzubrechen, Risiken einzugehen und bereit zu sein, nach allen Seiten offen zu denken“, betonte Doderer.

Seine Kollegin Carolin Deberling sah in den daraus abgeleiteten Handlungsempfehlungen „einen Markenkern mit den zentralen Werten Lebenskultur, Kreativkultur und Bildungskultur“, den es zu konkretisieren gelte. „Die Stadt ist der Raum für Begegnung“ und müsse „das Gefühl des Zuhauseseins“ vermitteln, sagte sie. Dafür sollten etwa das Neckarufer  erlebbar gemacht und die Altstadt durch Gastronomie, Handel und Märkte wesentlich aufgewertet und belebt werden. Mehr Grünflächen in der Stadt und eine Outdoor-Galerie könnten Begegnungsräume schaffen. Ein Gründerzentrum sei sinnvoll, um Studenten und Hochschulabsolventen in der Stadt zu halten, ebenso die Steigerung der Attraktivität für Touristen, etwa durch eine Aufwertung des Wohnmobil-Stellplatzes.

Die Stadtverwaltung wird nun den Handlungskatalog mit Bürgerbeteiligung auf seine Realisierungschancen in den kommenden Jahren hin prüfen. Über die Einzelprojekte wird der Gemeinderat jeweils separat entscheiden. pst / Foto: pst


Freilichtbühne

Die Württembergische Landesbühne führt in ihrer Freilichtinszenierung in Esslingen in diesem Jahr Friedrich Dürrenmatts „Der Besuch der alten Dame“ auf. Premiere auf dem Kessler-Platz hinter der Stadtkirche St. Dionys ist am Samstag, 22. Juni, 20 Uhr. Regie führt Christof Küster, Marion Eisele ist für Bühne und Kostüme verantwortlich. Dürrenmatts tragische Komödie handelt von einer Multimilliardärin, die nach Jahren in ihr Heimatstädtchen zurückkehrt und ein ungeheures Angebot unterbreitet: Einst  wurde sie vom zukünftigen Bürgermeister der Gemeinde sitzengelassen und erniedrigt. Sollte dieser nun aus den Reihen der Bürgerschaft getötet werden, verspricht sie der Bevölkerung der kleinen Stadt eine Milliarde. Das 1956 in Zürich uraufgeführte Stück  verhalf dem Autor zu weltweitem Erfolg. „Der Besuch der alten Dame“ ist eine Parabel über Opportunismus und die Korrumpierbarkeit einer Gemeinschaft durch Geld, das Stück erzählt aber auch von Liebe. Bis zum 27. Juli folgen noch 19 weitere Freilicht-Aufführungen (www.wlb-esslinden.de).   red/ Foto:  Patrick Pfeiffer


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Noch bis zum 7. Juli läuft in Frankreich die Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen. Verfolgen Sie die WM?

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Abbauen und wieder aufbauen

Baustellenbesichtigung: Arbeiten an der Vogelsangbrücke in vollem Gang – Lager für Pfeiler werden ausgetauscht

Derzeit wird die Vogelsangbrücke in Esslingen saniert.  Nach Wochen der Vorbereitungen haben nun die eigentlichen Arbeiten begonnen. Die Brücke soll auf ihr Grundgerüst reduziert und dann verstärkt wieder aufgebaut werden.

Bis Oktober läuft die erste Bauphase, in der zunächst der westliche Brückenteil ertüchtigt wird. Der schadhafte Konstruktionsbeton wird ausgebessert. Dann werden  Brückenausbauten wie Abdichtungen, Fahrbahnbeläge, Gehwege, Geländer, Beleuchtung, Lichtsignalanlagen, Entwässerungs-, Strom- und Nachrichtenleitungen sowie die Gas- und Wasserleitungen der Stadtwerke Esslingen erneuert. Zusätzlicher Stahlbeton im Brückenhohlkasten, verstärkte Brückenpfeiler sowie Brückenlager und Kohlefaserlamellen – mit etwa zwei Kilometer Gesamtlänge – an der Unterseite der Brücke stützen das Bauwerk.

Auch unter der Brücke und an den Rampen  tut sich einiges: Der Austausch der tragenden Lager an den Rampenpfeilern  ist in Vorbereitung.  Die Rampe, die vom   Hauptbahnhof her auf die Brücke führt, ist gesperrt, ebenso wie Teile der Fahrbahn in Richtung Pliensauvorstadt. Dort wird die Auflage der Brücke – eine wenige Zentimeter dicke Schicht aus  Asphalt und darunterliegendem Harz – abgefräst. Regine Zunker, die Leiterin der Abteilung Ingenieurbauwerke beim Tiefbauamt, drückt es so aus: „Wir reduzieren das Bauwerk auf sein Grundskelett und bauen es dann wieder auf.“ Dabei werden auch 140 Sensoren eingebaut, so dass Veränderungen in der Stabilität und Tragfähigkeit per Ferndiagnose gecheckt werden können.

Noch ist nicht der gesamte Belag abgefräst, an einigen Stellen hält sich auch das Harz recht hartnäckig, so dass Spezialfräser im Einsatz sind.  Bei den Arbeiten fallen auch frühe Bausünden auf: An einigen Stellen an der Rampe schaut nach dem Fräsen die Bewehrung heraus, weil die Betonauflage zu dünn war. Die Hauptsorge bereitet  die Spannbetonkonstruktion der   Brücke. „In den 70er-Jahren wurden Stahllegierungen verwendet, die nicht so langlebig waren, wie die später verwendeten“, erklärt Zunker.  Zudem seien die Belastungen durch den Verkehr enorm gestiegen.

Das Abfräsen der Oberfläche der Brücke hat auch die Möglichkeit geschaffen, die Stahlkonstruktionen im Inneren der Brücke besser zu beurteilen. Eine sogenannte Streufeldmessung gibt   Auskunft. Dafür fährt ein  Magnet über den Beton, der Stahl im Inneren wird aufgeladen. Brüche und Risse zeigen sich dann durch Polbildung. Mit den Ergebnissen der Untersuchungen  rechnet  das Tiefbauamt demnächst. Die Erkenntnisse daraus  beeinflussen wiederum die Platzierung der Sensoren. An kritischen Stellen könnten dann beispielsweise mehrere  Sensoren sitzen.

 Unter der gesperrten Rampe wird  an den auf den Pfeilern sitzenden Lagern gearbeitet. Diese Metallkonstruktionen gleichen die Bewegungen und die Gewichtsbelastungen zwischen  Rampe  und Pfeiler aus. Durch die Verschiebung der Hauptlast in die Mitte der Rampe ändert sich die Belastung.

Neue Lager,  Metallkästen von rund einer halben Tonne Gewicht, werden  deshalb eingebaut. Die Brücke wird dafür über den Pfeilern ein paar Zentimeter angehoben.  Insgesamt werden  acht neue Lager verbaut. „Diese Teile werden extra für Esslingen angefertigt“, erklärt Oberbauleiter Kai Händler von der Firma Züblin, die gemeinsam mit der Firma Leonard Weiss die Arbeiten ausführt. Laut Händler arbeiten bis zu 25 Personen aus bis zu 15 Gewerken derzeit an der Sanierung. Nach den Arbeiten ist die Brücke ertüchtigt und kann die zusätzliche Verkehrslast aufnehmen, die durch den geplanten Abbruch und Neubau der Hanns-Martin-Schleyer-Brücke entsteht.

„Die Brücke hat nach der Sanierung  wieder eine Restlebensdauer von mindestens 20 Jahren“, erklärt Sufian Kurdi, der Projektleiter der Baustelle. Etwa 43 000 Fahrzeuge benutzen die Vogelsangbrücke täglich. 19,4 Millionen Euro kostet die Sanierung, 5,9 Millionen Euro gibt das Land. „Allein der Gerüstaufbau und die Sicherung der Baustelle haben 3,5 Millionen Euro verschlungen“, erklärt Uwe Heinemann, Leiter des Esslinger Tiefbauamts. Bis Oktober 2020 soll die Brücke  wieder  offen sein. bob / Foto: bob


Professioneller Auftritt

Das Naturtheater Grötzingen zeigt zwei anspruchsvolle Produktionen – Keine Scheu vor großen Werken

Das Naturtheater Grötzingen ist in die neue Spielzeit gestartet. Bis Sonntag, 18. August, wird die Spielschar des Amateurtheaters wieder zwei Produktionen zeigen, die den Vergleich mit den professionellen Bühnen im Land nicht scheuen müssen. Für jüngere Zuschauer und Familien steht in diesem Sommer das Stück Ronja Räubertochter unter der Regie von Lars Kajuiter auf dem Programm. Als Stück für Erwachsene inszeniert der Regisseur Jürgen Lingmann die Tragödie Romeo und Julia von William Shakespeare.

Das Naturtheater Grötzingen zeigt seit vielen Jahren  Stücke, die man von einer Amateurbühne und einer Laienspielschar  nicht unbedingt erwarten darf. Für die aktuelle Spielzeit hat sich das Theater mit William Shakespeares Tragödie Romeo und Julia wieder  ein großes Werk der Literatur vorgenommen. „Shakespeare gibt es im Amateurtheater eher selten. Wir haben uns dafür entschieden, weil wir eine junge Spielschar haben, die der Herausforderung auch sprachlich gewachsen ist“, erzählen die Vorstandsmitglieder Kai Feldmaier und Kerstin Schürmann, die auch künstlerische Leiterin des Theaters ist.

Für die Inszenierung wurde der Schauspieler und Regisseur Jürgen Lingmann gewonnen. Er entschied sich für eine Fassung des Stücks, die der Übersetzer und Shakespeare-Forscher Frank Günther vorgelegt hatte. „Günther ordnet Shakespeare in die Tradition des Volkstheaters ein. Die Fassung betont das Derbe in dem Stück“, beschreibt Lingmann. Er choreografierte auch einige rasante Bühnen-Fechtkämpfe.

„Die Zuschauer dürfen sich auf ein Stück mit viel Action, Spannung und vielen lustigen Elementen freuen“, verspricht Feldmaier. Für die Grötzinger Bühnenfassung  mit rund 40 Darstellern musste der Shakespeare-Text um fast die Hälfte gekürzt werden. Dennoch dauerte es von der ersten Sprechprobe im November noch Monate, bis die  anspruchsvolle Geschichte stand. „Es  ist eben  eine klassische Sprache“, sagt Lingmann. Trotz mancher Gegenwartsbezüge habe er auf umgangssprachliche Wendungen verzichtet, „da sonst die Magie von Shakespeares Sprache verloren ginge“. Der Autor experimentiere selbst mit unterschiedlichen Sprachstilen, „und so sind ausgefeilte Dialoge entstanden“, erzählt er. Dabei nötige ihm die Leistung der beiden 18 und 17 Jahre alten Hauptdarsteller Ronja Feldmaier und Johannes Scheufele größten Respekt ab, die zum ersten Mal in einem Erwachsenenstück spielen.

Auch Lars Kajuiter, der Regisseur des Familienstücks Ronja Räubertochter, hat den Umgang mit dem Bühnentext des Kinderbuchs von Astrid Lindgren als „große Herausforderung“ erlebt. Der Verlag habe keine großen  Kürzungen erlaubt, „also spielen wir alle 16 Kapitel, jeweils in drei oder vier kurzen Szenen, das benötigt schnelle sprachliche Übergänge“, erzählt Kajuiter.

Musik von Magnus Reichel

Sehr hilfreich für die Dramaturgie sei dabei die Musik, sagt der Regisseur. Sie stammt von Magnus Reichel, der seit dem vergangenen Jahr die Musik für die Produktionen des Naturtheaters komponiert und arrangiert. Anders als beim Text gebe es dafür keine Vorgaben von den Verlagen, und so  genieße er viel künstlerische Freiheit. „Allerdings muss man wissen, dass Kinder ein sehr anspruchsvolles Musikpublikum sind“, sagt Reichel. pst / Foto: pst

Info: Naturtheater Grötzingen, „Romeo und Julia“ sowie „Ronja Räubertochter“; bis  18. August; Vorstellungstage und Informationen unter www. naturtheater-groetzingen.de.


Abgestimmt

Nach den Europawahlen und dem Rücktritt der SPD-Partei- und Fraktionsvorsitzenden Andrea Nahles steckt die Große Koalition in Berlin in der Krise. Was meinen Sie, sollte neu gewählt werden?

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