S-Bahn kommt mit Verspätung

Verlängerung der Linie S2 von Bernhausen nach Neuhausen wohl erst  im Jahr  2026 fertig

In Neuhausen wartet man auf die Bahn. Die  S-Bahn-Strecke von Filderstadt-Bernhausen soll bis Neuhausen verlängert werden – für die Gemeinde auf den Fildern ein Zugewinn an Infrastruktur. Eine Änderung im Planfeststellungsverfahren führt allerdings zu einer Verzögerung des Ausbaus.

Nach heutigem Stand dauert es wohl  bis zum Jahr  2026, bis die erste S-Bahn der Linie 2 in Neuhausen hält. In Filderstadt, wo die Verlängerung der S2 auch den Stadtteil Sielmingen ans Netz anschließen soll, droht noch  eine zwölf  bis 14 Monate andauernde Unterbrechung der S-Bahn-Anbindung.

In Neuhausen freut man sich einerseits darüber, dass der Streckenabschnitt von Bernhausen bis zum Endbahnhof Neuhausen von einer Neben- zu einer Hauptstrecke aufgewertet worden ist. Das bedeutet,  dass die Bahn tagsüber  im 15- statt im 30-Minuten-Takt fahren wird. Wenn sie dann mal  fährt. Das wird nach den  neuen Planungen wohl erst im Jahr 2026 der Fall sein.

Im Neuhausener Rathaus  sieht man die Entwicklung mit gemischten Gefühlen.  „Mir liegt an einer ordentlichen Planung und Kostensicherheit“, sagt Neuhausens Bürgermeister Ingo Hacker. „Die Freude über die Taktverdichtung mildert den Schmerz über die Verzögerung.“

Derzeit endet die S2 noch am Bahnhof in Bernhausen. Nach den Planungen soll die neue Bahn den Bahnhof Bernhausen über einen Tunnel verlassen und entlang der Trasse der ehemaligen Filderbahn über den Haltepunkt im Stadtteil Sielmingen nach Neuhausen fahren – auf einer vorwiegend tie­fergelegten Strecke, in einem sogenannten Trog. Bis Sielmingen soll die Bahn zwei-,  nach der Gemarkungsgrenze zu Neuhausen eingleisig verlaufen. Der letzte Streckenabschnitt, der an Prellböcken westlich der Wilhelmstraße in Neuhausen  endet, wird dann  auf einer Länge von rund 400 Metern auf drei Gleise erweitert. Viele Umweltschutzmaßnahmen sind notwendig, das heißt,  Vögel müssen aus ihrem Brutgebiet vertrieben und Zauneidechsen umgesiedelt werden.

Die aktuellen  Änderungen betreffen aber auch die Anbindung eines Feldwegs an die Nürtinger Straße,  Stellflächen für Rettungsfahrzeuge und ein provisorischer Radweg werden verschoben und Rohre zur Feldbewässerung zwischen Sielmingen und Bernhausen werden in den Boden eingebracht. In Sielmingen wird überdies ein neuer Kanal gebaut und im nördlichen Teil der Mercedesstraße fallen Stellplätze weg. In Neuhausen wiederum soll es nun doch  kein eigenes Regenrückhaltebecken an  der Bernhäuser Straße geben, stattdessen ist ein Entwässerungskanal geplant, der das Wasser zum weiter südlich gelegenen kommunalen Regenrückhaltebecken leitet. Der Bahnhof Neuhausen erhält laut der Planung auch eine neue Bahnsteigüberdachung.  Darüber hinaus werden Brandschutzkonzepte geprüft, Verkehrslärm- und Baulärm-Gutachten, Studien zur Umweltverträglichkeit und zum Artenschutz und der Landschaftspflege überarbeitet.

In Filderstadt müssen die Bürger  – unabhängig vom Planfeststellungsverfahren der Erweiterungsstrecke – noch eine viel größere  Einschränkung als die zeitliche Verzögerung hinnehmen. Durch die Bauarbeiten am dritten Gleis an der Station  Flughafen im Rahmen von Stuttgart 21 wird die S2 bis zu 14 Monate  lang Filderstadt nicht bedienen. Busse sollen  die Fahrgäste am Flughafen aufnehmen.

Der Filderstadter Oberbürgermeister Christoph Traub sieht das mit Sorge. „Unsere Stadt ist auf eine gute Anbindung im öffentlichen Nahverkehr angewiesen“, sagt er. Auch die zusätzliche S-Bahnstation mit Sielmingen und die Taktverkürzung könnten diesen Umstand  und die spätere Fertigstellung der S2 nicht aufwiegen.  Positiv sieht er die Streckenverlängerung  als Schritt in Richtung Ringschluss, der die Filder mit dem Neckartal verbinden könnte. „Dafür werben wir“, sagt Traub.  bob / Foto: bob


Einer wie keiner

Freigeist, Lebemann, Dichter und Revolutionär: Kulturreihe zum 200. Geburtstag von Albert Benno Dulk

Das  Dulkhäusle an der Römerstraße in Esslingen, seit 2011  renoviert,  kennt fast jeder. Den Namensgeber nicht unbedingt. Das mag sich demnächst ändern: Mit einer Kulturreihe feiert die Stadt Esslingen den 200. Geburtstag von Albert Benno Dulk,  Schriftsteller, Freigeist, Revolutionär und Lebenskünstler, der im Dulkhäusle  etliche Jahre bis zu seinem Tod gelebt  hat.

Die vielen unterchiedlichen Facetten des ungewöhnlichen Menschen Dulk will das Kulturamt der Stadt Esslingen in Kooperation mit der Württembergischen Landesbühne und dem Esslinger Schriftsteller und Journalisten Ulrich Stolte der Öffentlichkeit in Lesungen und Szenen näherbringen.

Aus der Zeit gefallen

Stolte, der eine Biografie über Dulk  schreibt, bringt  es auf den Punkt:  „Albert Dulk ist völlig aus der Zeit gefallen, sein  Lebensentwurf  würde auch noch heute Widerstände hervorrufen.“ Dulk habe sich eben  immer mit allen angelegt, die Freiheit und  Gerechtigkeit im Weg standen. Der ausgebildete Apotheker und  promovierte Chemiker  – im Juni 1819  in Königsberg in eine wohlhabende Familie geboren – hatte sich früh  revolutionären Kreisen und Freidenkern angeschlossen. Er schrieb Theaterstücke, arbeitete als Journalist, engagierte sich politisch, er war aktiv an der 1848er-Revolution beteiligt,  gründete die Sozialistische Partei in Stuttgart mit, wurde die zentrale Figur der Arbeiterbewegung und der Stuttgarter Sozialdemokraten   und saß  wegen Verbreitung volksverhetzender Flugblätter im Gefängnis. Dulk  war aber auch ein Abenteurer, der viel reiste und eine Weile    in einer Höhle auf der Sinai-Halbinsel wohnte. Er war ein Extremsportler, er ritt und focht und betrieb das, was man heute Free Climbing nennt. Und er durchschwamm als Erster den Bodensee an seiner breitesten Stelle.

Frauenheld und Lebemann

Der groß gewachsene und gut aussehende Mann kam auch bei Frauen gut an. Zusammen mit seiner Ehefrau Johanna, seinen  Freundinnen Pauline Butter und Else Bussler  und den   gemeinsamen Kindern lebte er zeitweise  im  Waldhäuschen an der Römerstraße, dem heutigen Dulkhäusle. Sogar sein Tod passt in das Schema: Völlig überraschend  starb er 1884 im Stuttgarter Hauptbahnhof an einem Herzschlag. 

Diesem frühen Popstar nähert sich die Veranstaltungsreihe:   Am 12. Juli, 19 Uhr, findet im Bad des Schwimmsportvereins auf der Neckarinsel die szenische   Lesung   „Drei über Dulk“ statt (Eintritt 5 Euro). Drei Schauspielerinnen nehmen die Rollen seiner drei Frauen ein, die  sich über  ihren Geliebten und Ehemann  unterhalten und eine Zeitreise in sein Leben und sein Werk unternehmen. Schwimmer des Vereins gedenken in ausgreifenden Zügen im Becken ihres großen Vorgängers.

Am 13. September, 20 Uhr, liest Ulrich Stolte aus seiner Biografie „Der unglaubliche Dulk“.  Stolte trägt außerdem Gedichte von Dulk vor und liest aus  dessen Reiseaufzeichnungen. Am 20. Oktober,  10 Uhr, führt der Esslinger Literat Gerhard Polacek  in „Der Apfel fällt nicht weit vom Königsberger Klops“ in einer literarischen Wanderung zum Dulkhäusle.  Start ist um 10 Uhr am Amtsgericht in der Ritterstraße. Das Dulkhäusle gilt als das erste   Denkmal der Sozialdemokratischen Partei in Deutschland und als viel besuchtes Ziel von Parteigenossen.

„Lea“  – nach der Novelle von Wilhelm Hauff – heißt das Drama, das Dulk als 29-Jähriger schrieb. Es ist das erste Drama, das für die Emanzipation des Judentums eintritt. Die Lesung dazu findet am 9. November, 20 Uhr, im Podium 2 der WLB statt. WLB-Intendant Friedrich Schirmer und Ulrich Stolte werden in das Drama einführen. Laut Schirmer ist die WLB die einzige Bühne in Deutschland, die das Stück  in der Neuzeit im Jahr 1988 aufgeführt hat. Zwei der Schauspieler der damaligen Inszenierung lesen und erinnern sich.  bob / Foto: Archiv

Info: www.esslingen.de/dulk200


Oper unter freiem Himmel

Nürtinger Konzertensemble spielt „Zar und Zimmermann“ – „Opern-Air“ vom 19. bis 27. Juli bei der Stadtkirche

Alle zwei Jahre findet in Nürtingen im Wechsel mit den Gitarrenfestspielen auf einer Freilichtbühne bei der Stadtkirche das „Opern-Air“ statt. Das Nürtinger Konzertensem­ble gibt bei der nunmehr zwölften Auflage der Opernfestspiele  vom 19. bis 27. Juli  die komische Oper „Zar und Zimmermann“ nach dem Libretto von Albert Lortzing. Die musikalische Gesamtleitung hat Hans-Peter Bader, die Regie führt Janne Wagler.

Seit dem Jahr 2005 gestalten der Nürtinger Kammerchor und die Kammersymphonie, die zusammen das Nürtinger Konzertensemble bilden, in einem zweijährigen Rhythmus unter freiem Himmel Opernaufführungen. Der hohe musikalische Anspruch des „Opern-Air“ hat dem Ensemble überregional große Anerkennung und ein von Mal zu Mal wachsendes Publikum beschert. Unter der Gesamtleitung des langjährigen Leiters der Musik- und Jugendkunstschule, Hans-Peter Bader, haben die Musiker bereits Hochkaräter wie „La Traviata“ oder „Orpheus in der Unterwelt“  gespielt und entsprechend der Anforderungen der Freilichtbühne interpretiert. Im Fall der Oper „Carmen“ brachte das Ensemble vor zwei Jahren eine komplette Neuinszenierung auf die Bühne bei der Stadtkirche.

Während die Szenerie von  „Carmen“ vor zwei Jahren in das Motorsport-Milieu der Gegenwart versetzt wurde, soll sich „Zar und Zimmermann“ eng an das Libretto von Albert Lortzing anlehnen, erzählt Julia Lüdicke, die Sprecherin des Nürtinger Konzertensem­bles. „Wir  bleiben in der Geschichte, allerdings spielen und singen nicht alle in Kostümen. Wir legen uns bei der Inszenierung also nicht auf eine bestimmte Zeit fest, sondern betonen das Zeitlose an dieser Geschichte“, beschreibt Lüdicke.

Lortzings Vorlage erzählt die Geschichte des russischen Zaren Peter der Große, der inkognito auf einer Werft in einem niederländischen Hafen arbeitet, um dort  Wissen zu erwerben, das den heimischen Schiffbau voranbringen könnte – also Industriespionage betreibt. In der Werft arbeitet noch ein Zimmermann namens Peter, der aus der russischen Armee desertiert ist. Er ist in Marie, die Nichte des Bürgermeisters der Hafenstadt, verliebt. Dies führt zu absurd-komischen Verwechslungen. Hinzu kommen französische und russische Agenten, die auf der Jagd nach dem Zaren sind und für weitere Turbulenzen sorgen, bis sich die politische und die Liebesgeschichte zu einem guten Ende fügen.

Um das Stück etwas zu straffen und die Charaktere besser zur Geltung zu bringen, wurden einige Szenen etwas gekürzt und einige gesungene in gesprochene Texte umgewandelt. Für das Bühnenbild hat Volker Illi eine Windmühle mit drehenden Flügeln gebaut und die Werkstatt der Werft mit einem hölzernen Steg und  Bauteilen für Boote nachempfunden. „Wir haben also wenig abgewandelt und bleiben mit der Szenerie auf der Werft“, sagt Julia Lüdicke.       pst / Foto: Veranstalter

Info: Nürtinger Konzertensemble, „Zar und Zimmermann“, Regie Janne Wagler, musikalische Gesamtleitung Hans-Peter Bader. Freilichtbühne bei der Stadtkirche Nürtingen, Premiere am Freitag, 19. Juli, weitere Aufführungen am 21., 24., 25. und 27. Juli, jeweils 20.30 Uhr; bei Regen finden die Vorstellungen in der Stadthalle statt (www.opernair-nuertingen.de).


Abgestimmt

Nach dem Willen der Staats- und Regierungschefs soll Ursula von der Leyen künftig die EU-Kommission führen. Die richtige Wahl?

Foto: dpa

Die Richtige?

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