Familiär, integrativ, international

Läufer treffen sich jeden Samstag  in Esslingen zum Park Run – Kostenloses  Angebot für jedermann

Park Run ist zu einer Erfolgsgeschichte geworden – in vielen Ländern. Seit April gibt es das kostenlose Angebot auch in Esslingen. Läufer jeden Alters, auch mit Handicap, treffen sich samstags um 9 Uhr am Neckarufer und laufen  eine Strecke von fünf Kilometern. Dabei steht das Miteinander im Vordergrund, weniger die Leistung. So sind schnelle und langsame Läufer auf der Stecke, Walker ebenso wie  Leute mit Hund oder mit Rolli. Die Stadt Esslingen unterstützt die Aktion.

„Es ist familiär und integrativ zugleich“, sagt Chris Greenaway, der Initiator des Park Runs in Esslingen. Im Schnitt sind es 30 Männer und Frauen, die sich am Parkplatz beim Brückchen zur Neckarinsel in Oberesslingen (Eberspächerstraße) treffen. Helfer sind dabei, die Streckenposten machen, die Zeit nehmen, auf eventuell Verletzte achten und als Schlussläufer die Strecke sichern. Viele Nationen finden sich unter den Läufern, sagt Greenaway: „Amerikaner, Südafrikaner, Polen, Russen und natürlich Engländer.“ England  ist das Mutterland des Park Runs. 

  Chris Greenaway –  deutsche  Mutter, englischer  Vater –  ist in Südengland aufgewachsen, wo  Park Run gang und gäbe ist. Als er 2016 nach Stuttgart zog, suchte er nach Park-Run-Angeboten und musste feststellen, dass das niedrigschwellige Angebot hierzulande noch  in den Kinderschuhen steckte. Ein erster Versuch, den Run in Stuttgart zu etablieren,  scheiterte.  Der  Park-Run-Verein war damals dabei,  in Polen und Russland Lauftreffs aufzubauen. 2017 ging der erste Stuttgarter Park Run  im  Kräherwald auf die Strecke. Das war erst der sechste Treff dieser Art in Deutschland, wie sich Greenaway erinnert.

Als Läufer  kannte er  die Strecke am Neckar  zwischen seinem Wohnort Hedelfingen und Esslingen, er begann für einen Park Run in Esslingen zu werben. Läufer wurden angesprochen, die wiederum auf ihr Netzwerk zurückgriffen, eine Facebook-Gruppe wurde eingerichtet – das funktionierte. Zum ersten Lauf im April erschienen fast 50 Läufer, darunter Esslingens Oberbürgermeister Jürgen Zieger.  Am Tag der Deutschen Einheit liefen 104 Personen mit.  

„Die Stadt unterstützt uns sehr gut“, sagt Greenaway.  So wolle man im Rathaus über eine feste Beschilderung nachdenken. Die Strecke ist mittlerweile eine offiziell vermessene  Leichtathletik-Strecke, wie Greenaway berichtet.  So fänden sich unter den Teilnehmern auch immer wieder engagierte Läufer  wie die von der Lima-Laufgruppe, die die fünf Kilometer als Trainingsstrecke nutzten.

Die Strecke startet vor dem  Brückchen zur Neckarinsel, führt ein Stück stadtauswärts  bis zur Rampe, dreht wieder ab und führt stadteinwärts bis unterhalb des Merkelparks. Von dort aus geht es wieder zurück  zum Ausgangsort am Brückchen. Die Strecke ist eben und asphaltiert und daher auch für Einsteiger oder wenig Geübte ein gutes Pflaster.  Jeder Finisher wird bejubelt und beklatscht, ungeachtet der Laufzeit.

Der Lauf ist kostenlos, man kann sich online registrieren  und erhält einen Barcode, über den man seine Zeit nehmen lassen kann, wenn man das möchte.  Registrierte  Teilnehmer sind überdies  versichert.  Jeder Lauf endet mit einem gemeinsamen Kaffeetrinken in der Nymphaea auf der Neckarinsel. Läufer kommen laut Greenaway sogar aus Metzingen und Reutlingen.

Initiator Greenaway ist häufig als Laufleiter auf der Strecke, ebenso sein Kollege Nigel Dawson, ebenfalls ein Engländer. Ein weiterer Landsmann der beiden, Barnaby Norman, fotografiert für die Esslinger Webseite. Park Run  ist in vielen anderen Städten in der Umgebung  zum  Selbstläufer geworden. Am 30. November findet der erste Park Run in Bad Urach statt, Sindelfingen und Bad Cannstatt stehen ebenfalls in den Startlöchern.  bob / Foto: bob

Info: www.parkrun.com.de/neckaruferesslingen 


Gemeinsam unter einem Dach

Martin-Luther-Hof in Nürtingen eröffnet – Kirchengemeinde und Diakonie schaffen Ort der Begegnung

Nach etwa einem Jahr Bauzeit haben die Luther-Kirchengemeinde und die Stiftung Tragwerk, die dem Diakonischen Werk angeschlossen ist, den neuen Martin-Luther-Hof in der Nürtinger Jakobstraße eröffnet.  Neben der Kirchengemeinde haben dort eine Kindertagesstätte, die ambulanten Hilfen für Jugendliche und Familien, die Erziehungshilfestelle Nürtingen sowie der Soziale Dienst des Landkreises Esslingen eine gemeinsame Heimat unter einem Dach gefunden.

An der  Jakobstraße in Nürtingen ist im Verlauf des vergangenen Jahres ein außergewöhnliches Gebäudeensemble entstanden. Die Luther-Kirchengemeinde und die Stiftung Tragwerk haben mit dem Martin-Luther-Hof ein gemeinsames Zentrum für kirchliche und soziale Angebote für Kinder, Jugendliche und Familien geschaffen.  Die  Lutherkirche wurde saniert und als eigenständiges Gebäude in das Ensemble integriert.

Im Martin-Luther-Hof sind neben dem Pfarrbüro, Besprechungs- und Mehrzweckräumen der Kirchengemeinde vier Kitagruppen der Stiftung Tragwerk untergebracht. Sie sollen bis März voll belegt sein, dann werden dort insgesamt 60 Kinder im Alter von einem bis sechs Jahren betreut. Auch die ambulanten Hilfen für Kinder, Jugendliche und Familien haben in dem neuen Zentrum ihr Domizil. Zehn sozialpädagogische Fachkräfte kümmern sich dabei mit Rat und Unterstützung um junge Menschen und ihre Familien in problematischen Alltagssituationen. Im Martin-Luther-Hof finden sich die  Büros und Besprechungsräume, die Hilfen und Betreuungsangebote finden überwiegend in den Familien statt.

Speziell an Kinder und Jugendliche im Alter von sechs bis 14 Jahren sowie deren Eltern richten sich die Betreuungsangebote der Erziehungshilfestelle Nürtingen, die ebenfalls in den Martin-Luther-Hof eingezogen ist. Ihre Angebote richten sich an Familien in problematischen Lebenssituationen. Fünf pädagogische Mitarbeiter der Stiftung Tragwerk kümmern sich in den neuen Räumen um derzeit 27 Kinder und deren Familien. Im Martin-Luther-Hof werden Gruppen- und Einzelbetreuungen angeboten, in der  Küche, die  allen Nutzern des Hauses zur Verfügung steht, wird gemeinsam gekocht, an den Nachmittagen gibt es Hausaufgabenbetreuung. Im gemeinsam genutzten Innenhof des Ensembles sind Spielflächen für die Kinder entstanden, er bietet aber auch Aufenthaltsmöglichkeiten für die anderen Nutzer.

Auch der Soziale Dienst des Landkreises Esslingen ist unter das gemeinsame Dach gezogen. Die elf Mitarbeiter bieten eine Anlaufstelle für Ratsuchende aus Nürtingen bei familiären oder persönlichen Schwierigkeiten, beraten und unterstützen in Fragen der Erziehung und kümmern sich auch um das Kindeswohl.

Von großer Bedeutung für die Kirchengemeinde ist auch, dass nun die Vesperkirche wieder zurück in die Stadt kommt. Sie musste während der Bauzeit in das Stephanushaus im Rossdorf umziehen. „Während der Vesperkirche kommen wieder Menschen zusammen, die anderweitig nicht oft an einem Tisch beieinander sitzen“, freute sich die Gemeindepfarrerin Barbara Brückner-Walter bei der Eröffnung des neuen Zen­trums. Der Martin-Luther-Hof stehe damit programmatisch für den Begriff der Gemeinsamkeit.  pst / Foto: Holzwarth


Abgestimmt

Der Bundestag hat die weitgehende Abschaffung des Solidaritätszuschlags beschlossen, ab 2021 fällt er nur noch für Spitzenverdiener an. Soll der Soli für alle abgeschafft werden?

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Soli für alle weg?

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Erlebnisreiche Zeitreise

Esslinger Mittelalter- und Weihnachtsmarkt vom 26. November bis 22. Dezember – Mehr als 200 Stände

Von   Dienstag, 26. November, bis Sonntag, 22. Dezember, werden die Uhren in der mittelalterlichen Esslinger Altstadt  wieder symbolisch um 600 Jahre zurückgedreht. Vier Wochen lang lockt der Esslinger Mittelalter- und Weihnachtsmarkt  mit mehr als 200 Ständen und mehr als 500 kulturellen Programmpunkten. Der Veranstalter, die Esslinger Stadtmarketing und Tourismus GmbH (EST), erwartet erneut  etwa eine Million Besucher.

„Der Esslinger Mittelalter- und Weihnachtsmarkt zählt  zu den zehn attraktivsten Weihnachtsmärkten im deutschsprachigen Raum. Das verdankt er seinem Markenkern  Erlebnisreichtum, Kinder- und Familienfreundlichkeit und Qualität des Kulturangebots“,   sagt der EST-Geschäftsführer Michael Metzler. Rund eine Million Besucher, darunter etwa ein Drittel aus dem europäischen Ausland, aber auch etliche aus Japan und den USA, werden wieder erwartet.

Nach der Eröffnung durch Esslingens Oberbürgermeister Jürgen Zieger am 26. November um 17 Uhr nimmt das   mittelalterliche Treiben seinen Gang. Neben den vielen Marktständen warten zahlreiche Mitmachangebote auf Kinder und Erwachsene und laden zum Entdecken alter Handwerkskünste ein. „Auf dem Mittelaltermarkt stehen die Mitmachaktionen und Führungen  kennzeichnend für den Erlebniswert und die Kulturvermittlung der Veranstaltung“, erzählt Petra Pfeiffer, Veranstaltungsmanagerin bei der EST. Neben einigem Bewährten  sind  eine  Steinmetzwerkstatt und ein Schmied neu dabei.  Bei einem Zimmermann  können Kinder und Erwachsene beim Bau eines  Fachwerkhauses mitarbeiten.  Rituelles Räuchern kann ebenso erlernt werden wie die Parfümherstellung. Ein Fechtworkshop steht  auf dem Programm, ein Seminar zur  Heilpflanzenkunde und eines über Bäume. Wie Pfeiffer berichtet, sind die  Erlebnisführungen für Erwachsene und Schulklassen bereits derzeit gut nachgefragt. So werden die Teilnehmer bei Mittelalterführungen durch Esslingens Gassen und über den Markt und zu  Handwerkern, Händlern, Gauklern und Wirten geführt. Bei kostenlosen Führungen für Schulklassen erhalten Kinder  Einblicke in die Geschichte und in alte Handwerksberufe. Kinder kommen auch im bewährten Zwergenland und in einem neuen Märchenzelt auf ihre Kosten.

Auch in diesem Jahr wurde Wert auf ein anspruchsvolles  Kulturprogramm gelegt. Neben sechs bewährten Künstlern verpflichteten die Veranstalter renommierte Musiker, Gaukler und Akrobaten aus ganz Europa, die auf den drei Veranstaltungsbühnen auftreten werden. Darunter sind auch Hochkaräter wie die Gruppe Saboi aus Südfrankreich, die deutsche Gruppe Varius Coloribus und das tschechische Ensemble Krless, das auch ein Konzert im Münster St. Paul geben wird.

Gerhard Gorzellik, der Leiter des Esslinger Ordnungsamts, bittet darum, möglichst  öffentliche Verkehrsmittel zu wählen oder den Bus-Shuttle von den Parkplätzen in Mettingen oder Oberesslingen aus zu nutzen. Er kündigt „intensive Kontrollen“ von Falschparkern, besonders in Brandschutzzonen, auf Behinderten- und Anwohnerparkplätzen an. pst / Foto: Esslinger Stadtmarketing und Tourismus GmbH

Info: Esslinger Mittelalter- und Weihnachtsmarkt, 26. November bis 22. Dezember, Sonntag bis Donnerstag 11 bis 20.30 Uhr, freitags und samstags 11 bis 21. 30 Uhr (www.esslingen-marketing.de).


Kultur von der Hand in den Mund

Vor zehn Jahren hat Rudolf Korbel die Rabenbühne in Bernhausen gegründet

Gute Stube, Wohnzimmer, Salon: Kulturbetriebe denken sich gern solche Synonyme aus, um besonders heimelig zu wirken. Die Rabenbühne ist jedoch tatsächlich ein Wohnzimmer –  Rudolf Korbels Wohnzimmer. Zwischen einem Bücherregal, einem alten Sessel, einem Klavier und einer historischen Schreibmaschine stellt er an Wochenenden Klappstühle an Bistrotische und präsentiert Kultur im Mini-Format. Die Rabenbühne im Filderstädter Stadtteil Bernhausen ist das wohl kleinste Theater weit und breit. „Gedacht ist es für 20 Gäste, aber ich hatte hier schon 50“, sagt Korbel lachend.

Seit zehn Jahren gibt es die Kleinkunstbühne an der Fußgängerzone im Ortskern. Zuvor hatten Rudolf Korbel und seine jüngere Schwester Ruth, eine ausgebildete Schauspielerin, im Friseursalon der älteren Schwester Gedichte geübt, dann vor Familie und Bekannten aufgeführt, später Musiker dazugenommen. „So hat sich das entwickelt“, sagt der 67-Jährige. Vor einem Jahrzehnt wurden schließlich eine Wand in den Friseurladen gezogen und Handwerk und Kunst getrennt. Links widmet sich die ältere Schwester seither den schönen Haaren, rechts der Bruder den schönen Künsten.

Der Mann, den alle nur Rudi nennen, ist ehemaliger Deutsch- und Französischlehrer im Unruhestand. Die Rabenbühne ist für ihn reine Liebhaberei, wie er sagt. „Das ist nichts Kommerzielles, da ist nichts verdient, eher reingebuttert“, betont er. Für seinen Traum vom kleinen Kulturbetrieb nimmt er nach eigenen Angaben viel in Kauf, schläft in einem spartanischen Kellerraum nebenan und wohnt und arbeitet tagsüber eben im Theater. „Ich mache alles selbst. Ich räume auf, ich putze, ich kaufe Getränke“, erklärt er. Fördergelder gebe es für die Initiative nicht. „Die Stadtväter interessiert das wenig“, sagt Rudolf Korbel. Nur einmal, vor Jahren, sei sein Engagement mit dem Bürgerpreis belohnt worden. Auch für die Künstler ist nicht viel zu holen. Sie kriegen ihren Anteil am Eintritt. Laut Rudolf Korbel kommen sie trotzdem gern, weil die Atmosphäre so intim ist, „hier entsteht sofort ein Gespräch“. Kultur von der Hand in den Mund.

Warum der Aufwand im Rentenalter? „Ich habe gespürt, da ist was. Ich will Performance machen“, erinnert er sich. Es gehe um die Liebe zum Wort, darum, andere zu erfreuen und auch ein bisschen um die Anerkennung. Rudolf Korbel ist ein Kreativkopf. Sein wallendes graues Haar bändigt er mit der zurückgeschobenen Lesebrille, während er blumig erzählt. Von seinen Lieblingsdichtern und seiner Zeit im Schuldienst, in der er mit seinen Schülern den „Zauberlehrling“ rezitiert hat. Davon, wie er sich beim Poetry Slam „die Hörner abgestoßen“ oder sich als Straßenkünstler probiert hat, wie er sich erfolglos bei Kleinkunstbühnen beworben habe und dann beschlossen habe, eben allein etwas aufzuziehen. „Mein Anliegen ist der Wert der Sprache“, stellt er klar.

An sein Programm stellt er daher hohe Ansprüche, wie er sagt. „Es gibt keine Schenkelklopfer und keine Amateure, da bin ich stolz drauf.“ Der Macher schlägt in dem, was er für sein Publikum auswählt, gern die ruhigeren Töne an, manchmal auch die etwas schwereren. Jazz, Blues oder Stücke von Reinhard Mey, Pantomime, Kabarett, Schattenspiele, Lesungen. Und eben besonders gern Lyrik. Mörike, Ringelnatz, Heine oder Hölderlin, sprachlich und szenisch dargeboten. Daran hängt Rudolf Korbels Herz. Er strahlt. „Ich will einfach meine Kunst präsentieren.“  car / Foto: car

Info: www.rabenbuehne.de


Abgestimmt

Im sogenannten Jaguar-Prozess von Stuttgart ist der 21-jährige Raser zu fünf Jahren Jugendstrafe verurteilt worden. Ist das Urteil nachvollziehbar?

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Nachvollziehbar?

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Baubeginn mit Verzögerung

Ärztehaus in Aichtal-Grötzingen wird später fertig – Drei Arztpraxen, eine Apotheke und sieben Wohnungen geplant

Im Aichtaler Stadtteil Grötzingen wird ein Ärztehaus entstehen. In dem Neubau an der Ecke Raiffeisenstraße/Harthäuser Straße sollen drei Arztpraxen und eine Apotheke Platz finden. Außerdem sind dort sieben Wohnungen und ein Parkhaus mit 20 Stellplätzen geplant. Mit der Ansiedlung der Arztpraxen soll einer eventuellen medizinischen Unterversorgung der Bürger der Stadt vorgebeugt werden. Die ursprünglich geplante Eröffnung Ende 2020 wird sich wegen einiger Verzögerungen im Genehmigungsverfahren allerdings auf das Jahr 2021 verschieben.

Nach den Berechnungen der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg herrscht im Bereich Nürtingen, zu dem auch die Stadt Aichtal zählt, keine hausärztliche Unterversorgung. Auch in Aichtal finden Patienten in jedem der Stadtteile einen Arzt. Doch die Kapazitäten der Arztpraxen sind an der Obergrenze angelangt. So lag es für den Gemeinderat und die Verwaltung nahe, durch die Ansiedlung zusätzlicher Praxen einer eventuellen medizinischen Unterversorgung vorzubeugen.

Auf einem rund 920 Qua­dratmeter großen Grundstück an der Ecke Raiffeisenstraße/Harthäuser Straße in Grötzingen möchte der Bauträger Paulus Wohnbau aus Pleidelsheim  ein Ärztehaus errichten. Dort sollen in den Obergeschossen drei Arztpraxen und im Erdgeschoss eine Apotheke entstehen. Zudem sind in dem  Neubau sieben Wohnungen geplant.  Die Wohnungen sollen zwei bis vier Zimmer und zwischen 52 und 116 Quadratmeter groß sein. Für die Fahrzeuge der Bewohner und Besucher soll an das Gebäude ein kleines Parkhaus mit 20 Stellplätzen angebaut werden.

Ursprünglich sollte das Projekt im vergangenen Sommer in Angriff genommen werden und bei einer Bauzeit von 16 bis 18 Monaten zum Ende des kommenden Jahres fertiggestellt sein. Doch der Baubeginn ließ auf sich warten. Die Genehmigungsbehörde im Landratsamt Esslingen hatte einige Bedenken gegen Teile der Baupläne angemeldet und unter anderem Nachbesserungen für die Gestaltung der Rettungswege am Gebäude und der Zufahrt für die Stellplätze verlangt. Zudem hatte zu diesem Punkt auch die Straßenverkehrsbehörde aus Gründen der Verkehrssicherheit einige Bedenken angemeldet und den Bauträger zu einer Verbesserung seiner Pläne aufgefordert. Entsprechend erteilte das Landratsamt daher zunächst keine Baugenehmigung für das Projekt. Wegen der somit zu erwartenden Verzögerung des Vorhabens hatte die Paulus Wohnbau daher mitgeteilt, dass mit einer Eröffnung des Ärztehauses erst Ende 2021 zu rechnen sei.

Kein Arzt abgesprungen

Aichtals Bürgermeister Lorenz Kruß hatte  sich daraufhin in der Gemeinderatssitzung irritiert gezeigt und die Mitteilung dahingehend korrigiert, dass nach Rückfragen beim Bauträger zwar mit einer gewissen Verzögerung, allerdings durchaus mit einer früheren Fertigstellung des Ärztehauses zu rechnen sei.

Auch die Befürchtungen, dass die Belegung der Praxisräume durch die Bauverzögerungen gefährdet sei, seien unbegründet. Die Verwaltung habe mit einigen Medizinern Vorgespräche geführt. Keiner der konkreten Interessenten an den Räumen, ein Allgemeinmediziner, ein Zahnarzt und ein Apotheker, sei  abgesprungen. pst / Foto: Visualisierung: Paulus Wohnbau


Sicher radeln

Ostfildern und Esslingen bauen gemeinsam einen Radweg auf die Filder – Ab dem Frühjahr durchgängig nutzbar

Für Radfahrer, die zwischen Esslingen und Ostfildern unterwegs sind, brechen bald bessere Zeiten an. Die beiden Städte bauen  einen Radweg entlang von Hohenheimer und Breslauer Straße. Der obere Teil zwischen der Parksiedlung und der Abzweigung der Mutzenreisstraße wird entgegen der ursprünglichen Planung nicht mehr in diesem Herbst, sondern erst ab etwa Februar gebaut. Der Abschnitt auf Esslinger Gemarkung folgt direkt danach, sodass der Radweg etwa zu Ostern durchgängig nutzbar ist.

Seit Jahren schon müssen sich Radler, die zwischen Esslingen und der Parksiedlung unterwegs sind, über einen schmalen und bröckeligen Weg entlang der Straße nach oben plagen. Viele Radfahrer meiden die Holperpiste, zumal sie sich den Weg auch mit Fußgängern teilen müssen. Die Nutzung der Straße hingegen ist nicht nur im Berufsverkehr etwas für Mutige. Nun wollen die Städte Esslingen und Ostfildern Abhilfe schaffen. 

Der Ausbau der Strecke wird in zwei Bauabschnitte gegliedert. Auf dem oberen Abschnitt auf Ostfilderner Gemarkung zwischen der  Parksiedlung und der Abzweigung der Mutzenreisstraße  gestaltet sich der Radwegbau ziemlich komplex. Auf der Straße  steht  nur eine Fahrspur zur Verfügung, eine Verbreiterung  zum Hang hin ist nicht möglich. Geplant ist, den bisherigen Weg auf 2,5 Meter Breite auszubauen, sodass er ausreichend Platz für Radler und Fußgänger und auch für Begegnungsverkehr bietet. Um diese Breite zu erreichen, muss zum Tal hin eine Böschung aufgebaut werden. Die dort lebenden Eidechsen sind bereits umgesiedelt worden. Für sie wurde in einiger Entfernung ein neues Habitat eingerichtet. Da der markante Kirschbaum an der Hangkante erhalten bleibt, wird der Weg dort auf einer Länge von sechs Metern nur 1,5 Meter breit werden. Der Asphalt wird dort  durch Pflaster ersetzt.

Da die Breslauer Straße wegen der beengten Verhältnisse während des Radwegbaus auch als Baufeld für Maschinen und Material benötigt wird, kann nicht an einem Stück gearbeitet werden. Vielmehr soll die Baustelle in Abschnitten von jeweils etwa 70 Metern voranrücken, die Breslauer Straße jeweils nur halbseitig befahrbar sein.

Wie Thomas Andler vom Freiflächenmanagement der Stadt Ostfildern berichtet, wird sich der Bau auf Ostfilderner Seite etwas verzögern. Zunächst war geplant, noch in diesem Herbst zu beginnen, doch die Bereitstellung von Maschinen und Material dauere länger als gedacht. „Wir wären vor dem Winter nicht fertig geworden, und eine Baustelle mit Winterpause wollten wir vermeiden“, sagt Andler. Nun werde wahrscheinlich ab Februar gebaut. „Zum Beginn der Radsaison, etwa um Ostern, steht der Weg dann zur Verfügung“, sagt Andler.

Die Planung deckt sich  mit der  auf Esslinger Seite. Dort sind die Arbeiten wesentlich einfacher zu bewerkstelligen. Im  Abschnitt ab der  Champagnestraße  stehen  bergauf bis zur Abzweigung der Mutzenreisstraße zwei Fahrspuren zur Verfügung. Auf einer davon wird der Radweg markiert. Kürzlich hatte der Verwaltungsausschuss des Esslinger Gemeinderats  grünes Licht für das Projekt gegeben. „Die Finanzierung ist gesichert und einer Umsetzung steht  nichts im Weg“, sagt Roland Karpentier, der Sprecher der Stadt Esslingen.  Der Radweg werde „zu Beginn der Radsaison im Frühjahr“ nutzbar sein.  pst / Foto: pst


Abgestimmt

Das BVG soll klären, ob sogenanntes Containern – bislang als Diebstahl geahndet – strafbar ist. Was meinen Sie, soll das Herausholen von Lebensmitteln aus Supermarkt-Müllcontainern straffrei werden?

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„Containern“ straffrei?

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„Ein großes Ärgernis“

Sperrung der L 1250 zwischen Wendlingen und Oberboihingen bis 30. April verlängert – Kritik an Informationspolitik

Seit Mitte Januar ist die Landesstraße 1250 zwischen Wendlingen und Oberboihingen gesperrt. Gründe sind die Verlegung der Straße auf Wendlinger Gemarkung auf die westliche Seite der Bahnlinie und der Bau einer dafür nötigen Brücke über die Gleise. Der ursprünglich für Ende August geplante Termin der Wiedereröffnung wurde bereits auf den 20. Dezember verschoben. Kürzlich wurde bekannt, dass auch dies nicht eingehalten wird. Als neuer Termin wird nun der 30. April genannt. Für die Bürger bedeutet das weitere Monate zeitraubender Umleitungen, die Bürgermeister der Stadt Wendlingen und der Gemeinde Oberboihingen, Steffen Weigel und Torsten Hooge, sind massiv verärgert über die Informationspolitik des Regierungspräsidiums Stuttgart.

Mit dem Bau der Schnellbahnstrecke von Stuttgart nach Ulm wird im Süden des Wendlinger Stadtteils Unterboihingen auch die sogenannte große Wendlinger Kurve errichtet. Mit ihr können künftig die Bahnlinie Stuttgart–Tübingen und die neue Strecke verknüpft werden. Dafür muss allerdings die L 1250 auf die  westliche Seite der Bahnlinie verlegt werden. Um die dafür notwendige Brücke bauen zu können und Platz für Maschinen und Material zu haben, wurde die Straße zwischen Wendlingen und Oberboihingen  gesperrt. Autofahrer und auch der Bus müssen eine zeitraubende Umleitung über Unterensingen und Zizishausen in Kauf nehmen. Das Regierungspräsidium Stuttgart hatte 32 Wochen Bauzeit und Vollsperrung sowie die Eröffnung der neuen Straße am 30. August angekündigt.

Dies war offenkundig von Optimismus geprägt,  die Arbeiten gingen nur schleppend voran und der Eröffnungstermin wurde auf den 20. Dezember verschoben. Doch die Bauarbeiten verzögerten sich weiter. Die inzwischen misstrauischen Bürgermeister Steffen Weigel und Torsten Hooge erkundigten sich mehrfach beim Stuttgarter Regierungspräsidium und bei der Deutschen Bahn nach dem Baufortschritt und dem Fertigstellungstermin. „Wir haben bei mehreren Gelegenheiten die Auskunft bekommen, dass alles wie geplant läuft“, berichtet Weigel. Sein Oberboihinger Kollege Hooge bestätigt das. „Es gab erst kürzlich noch vonseiten der Bahn und dann auch vom Regierungspräsidium die Zusicherung, dass der 20. Dezember steht“, sagt er.

Das Vertrauen der Bürgermeister auf diese Aussagen wurde jedoch enttäuscht. Mit Verweis auf „mehrfach erforderliche Anpassungen der Bauabläufe und aktualisierte Sicherheitsrichtlinien“ teilte das Regierungspräsidium kürzlich mit, dass „die Vollsperrung bis voraussichtlich Donnerstag, 30. April, verlängert“ werde. „Diese Form der Kommunikation, dass man so kurzfristig informiert, das geht so nicht. Das ist ein großes Ärgernis. Es gab mehrere  Termine mit dem Regierungspräsidium. Da hätte man Signale geben müssen. So bringt man uns doch bei den Bürgern in Misskredit“, schimpft  Weigel.

Auch  Hooge ist sauer. „Man hätte mehr Verständnis bei den Bürgern für die öffentlichen Verwaltungen, wenn man   verlässlich informieren würde“, sagt er. Nun sei eine Informationsveranstaltung des Regierungspräsidiums und der Bahn erforderlich, „um der Bevölkerung zu erläutern, um was es da eigentlich geht, und zwar auch für Laien verständlich“, sagt Hooge und fordert eine „offene Kommunikation mit den  Bürgern und den Kommunen“. Dies verlangt auch Steffen  Weigel. Für ihn ist klar: „So  geht man nicht mit den Kommunen um.“  pst / Foto: pst