Trotz Erhöhung noch günstig

Müllgebühren im Kreis Esslingen steigen – Anderswo sind sie aber deutlich höher

Die Müllgebühren im Kreis Esslingen steigen zwar, bleiben aber im Landesvergleich noch immer sehr günstig. Ein Vierpersonenhaushalt zahlt im Durchschnitt für die Entsorgung von Restmüll, Biomüll, Papier und gelbem Sack deutlich unter zehn Euro im Monat.

Die Abfallbilanz des baden-württembergischen Umweltministeriums listet den Landkreis Esslingen im aktuellen Jahr ganz weit vorne unter den 44 Stadt- und Landkreisen. Man kann die Müllgebühren zwar nicht ohne Weiteres vergleichen, denn es existieren mehr als 100 unterschiedliche Gebührensysteme. Und die enthaltenen Leistungen sind nicht immer genau die gleichen. Aber die Modellrechnung an einem vierköpfigen Haushalt mit 80-Liter-Eimer (Leerung alle vier Wochen) und Biotonne zeigt: Seit 1998 sind die Müllgebühren im Esslinger Kreisgebiet auf weniger als die Hälfte gesunken.  Zuletzt musste dieser Musterhaushalt 90 Euro im Jahr berappen; ähnlich günstig schnitt nur der Main-Tauber-Kreis ab. Schaut man in die Nachbarschaft nach Stuttgart, in den Rems-Murr-Kreis oder den Kreis Göppingen, gibt es dort rund doppelt so hohe, teils sogar fast die dreifachen Gebühren.

Damit ist klar: Selbst wenn die Müllabholung und -entsorgung im Kreis Esslingen teurer wird, bleibt sie weiterhin im unteren Bereich. Die Restmüllgebühren sind zum 1. Januar um durchschnittlich 17,5 Prozent gestiegen, die für Biomüll um knapp elf Prozent. Diese Preise gelten  von 2020 bis 2023; danach wird nach dem Beschluss des Kreistags wieder neu kalkuliert. In den vergangenen 20 Jahren wurden dagegen fast durchweg die Gebühren immer wieder nach unten angepasst.

Aber woran liegt es, dass der Kreis Esslingen bei den Müllgebühren so gut dasteht? Man habe einfach schon frühzeitig die Weichen richtig gestellt, meint Ulrich Fechter, der kaufmännische Leiter des Abfallwirtschaftsbetriebs des Kreises. Als Beispiele nennt er die umfassende Wertstofferfassung in den Recyclinghöfen und auf den Grünschnitt-Sammelplätzen. Auch die Papiertonne sei vom Kreis schon frühzeitig eingeführt worden. Was beim Verkauf von Papier und Metallschrott erlöst wird, fließe wieder zurück in den Betrieb und senke damit die Abfallgebühren. Ähnlich ist es beim Sperrmüll, bei dem großer Restmüll vom Altholz getrennt wird. Letzteres macht etwa 60 Prozent aus und kann deutlich kostengünstiger verwertet werden als der Restmüll, der in der Verbrennungsanlage in Stuttgart landet.

Als weitere Faktoren nennt Ulrich Fechter die Deponienachsorge: Hierfür habe man Rücklagen angesammelt, die eine Rendite erwirtschaften – ebenso wie die vorhandene Fotovoltaikanlage. Und nicht zuletzt profitiere der Kreis auch davon, dass mehrere Entsorgungsunternehmen in der Region im Wettbewerb stehen. Zudem wirkten sich die Biomüll-Kooperation mit dem Kreis Böblingen und gute Verträge mit der Müllverbrennungsanlage in Stuttgart positiv aus.

In einigen Bereichen fallen nun aber höhere Kosten an. Neben denen fürs Einsammeln und Entsorgen gehören auch gestiegene Personalkosten dazu. Beim Biomüll wurde der Zeitraum, in dem dieser in der warmen Jahreszeit wöchentlich abgeholt wird, verlängert – auch das macht sich bemerkbar. Zudem stehen Investitionen ins Kompostwerk Kirchheim an, insbesondere in die Lüftungstechnik. Gleichzeitig sinken die Weltmarktpreise für Wertstoffe wie Papier und Altmetall. Alles zusammen sorgt für die Erhöhung im nächsten Jahr. Aber selbst dann zahlt der genannte Musterhaushalt grade mal 7,50 Euro pro Monat für seine gesamte Abfallentsorgung „frei Haus“.  aia / Foto: rr


VVS-Preise steigen im April

Land und Landkreise sind sich nicht über Kostenverteilung für eine Nullrunde einig geworden

Es gibt keine zweite Nullrunde bei den Preisen für den öffentlichen Nahverkehr in der Region Stuttgart. Das steht seit Anfang Dezember fest, nachdem sich das Land und die beteiligten Landkreise nicht über die Aufteilung der Kosten einig wurden. Zum 1. April 2020 werden deshalb die VVS-Tickets teilweise teurer. Das gilt vor allem für Einzelfahrkarten.

Mit der Tarifzonenreform zum 1. April 2019 wurden die Preise für viele Fahrgäste günstiger, teils sogar um 20 bis 30 Prozent. Gleichzeitig hatte der Verkehrsverbund die reguläre Erhöhung ausgesetzt, damit der Kostenvorteil auch wirklich spürbar wurde. Der Erfolg ist klar feststellbar: Seit April sind die Fahrgastzahlen über alle Ticketarten gerechnet um 3,5 Prozent gestiegen. Rechnet man die Dauerkarten für Schüler, Studenten und Senioren, die nicht von der Reform profitiert haben, heraus, ergibt sich sogar eine Steigerung von rund fünf Prozent. Sie fängt einen Teil der Einnahmeausfälle durch die günstigeren Tickets auf, aber nicht alles.

Demgegenüber stehen höhere Kosten bei den Verkehrsunternehmen. Der Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart (VVS) beziffert diese in einer Pressemitteilung auf rund 3.5 Prozent. „Hier sind in erster Linie die Personalkosten zu nennen. Aber auch die Kosten für die Beschaffung neuer Busse und Bahnen sowie den Bau und die Instandhaltung von Bahnanlagen sind gestiegen“, heißt es. Zum Teil baut man auch hier auf weiter steigende Fahrgastzahlen, ein Teil müsse aber über höhere Ticketpreise gedeckt werden. Die Einzeltickets würden deshalb um zehn bis 20 Cent erhöht, die Zeittickets im Schnitt um knapp über zwei Prozent.

Eine Zeit lang hatte es so ausgesehen, als ob die Verbundpartner des VVS sich auf einen Weg ohne Tariferhöhung einigen könnten. Dafür hatten das baden-württembergische Verkehrsministerium und die Stadt Stuttgart plädiert. Allerdings stuften die beteiligten Landkreise das Finanzierungsangebot des Landes als nicht ausreichend ein. Denn sie müssen schon den größeren Teil der Einbußen durch die Tarifreform tragen – das Land unterstützt hier nur mit einem Anteil, der von Jahr zu Jahr sinkt. Die durch die Nullrunde hinzukommende Lücke wäre knapp 9,5 Millionen Euro groß gewesen. Die Landkreise forderten vom Land, dass es dauerhaft 50 Prozent davon trage – wozu es nicht bereit war. Deshalb stimmten die Landkreise und der Regionalverband gegen die Nullrunde. Ein Gesichtspunkt sei auch, dass man neben günstigen Preisen auch für Investitionen und Verbesserungen im Nahverkehr sorgen müsse, betonte Esslingens Landrat Heinz Eininger in diesem Zusammenhang erneut.

Nicht alle Ticketarten sind von der Preiserhöhung betroffen. Ausgenommen sind die Abos für Schüler, Studierende und Auszubildende. Auch Kinderfahrkarten bleiben außen vor, ebenso Tageskarten, weil die sich, so der VVS, immer mehr zum „Basisangebot im Gelegenheitsverkehr“ entwickelten. Der Verkehrsverbund weist außerdem darauf hin, dass seit 1. Januar in 15 weiteren Städten und Gemeinden ein günstiges Stadtticket angeboten wird. Darunter sind Reichenbach, Kirchheim und Plochingen, wo man dann ein Tagesticket für drei Euro erwerben kann.

Doch auch an Kritik für die Erhöhungen fehlt es nicht. Die Diakonie im Landkreis Esslingen hat sich in einer Pressemitteilung gegen teurere Fahrkarten ausgesprochen und sozialverträglichere Tarife gefordert. „Die geplante Fahrpreiserhöhung trifft besonders die Menschen, die sowieso sehr wenig haben und für die Bus und Bahn bereits heute kaum erschwinglich sind“, unterstreichen die diakonischen Träger. Um Menschen, die Hartz IV oder Grundsicherung beziehen, die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen, brauche es „ein Sozialticket wie im Landkreis Göppingen und Stuttgart oder ein 365-Euro-Ticket für das ganze Jahr“.  aia / Foto: dpa


CAP übernimmt Nahversorgung

Nachfolger für „Treff 3000“ in Köngen und in Denkendorf gefunden – Bonus will einige Cap-Märkte übernehmen

Die Umstrukturierung der Cap-Märkte im Landkreis Esslingen  hatte sich in den vergangenen Monaten bereits angedeutet. Die Märkte haben  zum Jahresende geschlossen, um im Frühjahr wieder unter neuer Trägerschaft zu öffnen. Dann zum Teil auch unter anderem Namen – und  wenn die Ladenbesitzer dem zustimmen.

Es wird aber auch neue Cap-Märkte im Kreis geben: In Köngen und in Denkendorf  hatten bis zum Sommer zwei Märkte der Sparte „Treff 3000“ die örtliche Nahversorgung bedient, dann machten sie dicht. Nun sollen im Februar beziehungsweise April   in den Gemeinden Cap-Märkte in den ehemaligen „Treff“-Räumen   eröffnen – in Trägerschaft der Firma Nintegra gGmbH.

„Die intensive Suche nach einem Nachfolgemarkt für unsere Köngener Ortsmitte war erfolgreich“,  freut sich Bürgermeister Otto Ruppaner. Man habe gemeinsam mit dem Eigentümer konstruktiv und zielführend zusammengearbeitet und habe mit der Nintegra gGmbH einen kompetenten und strategischen Partner finden können. Auch im Köngener Cap-Markt  werden behinderte und nicht behinderte Menschen zusammen arbeiten. Die Ware liefert Edeka.

„Der Cap-Markt schließt die Versorgungslücke, jetzt müssen die Bürger ihn auch annehmen“, sagt Ruppaner. Einen Zuschuss werde die Gemeinde jedoch nicht zahlen, so der Bürgermeister. Über eine angefragte Ausfallbürgschaft müsse der Gemeinderat entscheiden.

In Denkendorf übernimmt ebenfalls die Nintegra  den verlassenen „Treff 3000“ in der Berkheimer Straße. Der Cap-Markt dort soll im April öffnen. Die Gemeinde Denkendorf gewährt der Nintegra  für die Eröffnung des Marktes einen  Investitionszuschuss in Höhe von 150 000 Euro und bürgt für weitere 100 000 Euro zur Absicherung eines Darlehens zur Beschaffung der Erstausstattung. Die Betreiberin wiederum sichert zu, den Lebensmittelmarkt zehn Jahre zu betreiben, andernfalls bei vorzeitiger Betriebsaufgabe den Investitionszuschuss anteilig zurückzubezahlen. „Bitte kaufen Sie ein“, sagt   Denkendorfs Bürgermeister Ralf Barth. „Nur wenn die Bürgerinnen und Bürger den Markt annehmen, wird er dauerhaft bestehen bleiben und wirtschaftlich betrieben werden können.“

Die Cap-Märkte in Ötlingen, Notzingen, Neuhausen und Leinfelden-Echterdingen sind geschlossen.   In Neuhausen und Ötlingen ist geplant, ab Februar/März Märkte unter dem Namen „Bonus“ zu eröffnen. Der  Markt im Leinfelden-Echterdinger Stadtteil Stetten soll etwas später  und dann auch als „Bonus“ an den Start gehen. Die Namensänderung ist Ausdruck der geänderten Trägerschaft. Für die Kunden soll sich zunächst nicht allzu viel ändern: Die Ware käme künftig statt von Edeka von Rewe.

Nachdem sich die Filderwerkstatt aus dem Betrieb der Lebensmittelgeschäfte zurückgezogen hat, will die Gemeinnützige Gesellschaft für Schulung und berufliche Reintegration  (SBR) mit Sitz in Stuttgart den Betrieb übernehmen. Deren Geschäftsführer Manfred Kaul kündigt an, alle Mitarbeiter übernehmen zu wollen. Doch es gibt offene  Fragen: Kaul berichtet von den  reibungslosen Vertragsverhandlungen mit der Filderwerkstatt zur Übernahme der Märkte. „Doch erst danach konnten  wir mit den Hauseigentümern in Verhandlungen treten“, gibt Kaul zu bedenken.  Da gehe es um Mieten, Pachten, aber auch um die Vorstellungen der Immobilienbesitzer über die Nachfolge. „Das wird sich erst im  Januar entscheiden“, sagt Kaul. Die SBR betreibt im Raum Stuttgart mehrere „Bonus-Märkte“, im Kreis Esslingen beispielsweise in Ostfildern-Ruit und in Esslingen-Sulzgries.  bob / Foto: bob


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Sanierungsfall

Das Kirchheimer Baudenkmal Kornhaus wird umgestaltet – Fertigstellung voraussichtlich 2024

Das fast 480 Jahre alte Kornhaus der Stadt Kirchheim weist erhebliche Schäden in der Bausubstanz auf. Zudem sind die Mängel beim Brandschutz so gravierend, dass  Ausstellungsräume des Stadtmuseums geschlossen werden mussten. Nun soll das Haus grundlegend saniert und umgebaut werden. Für das Projekt sind vorläufig fünf Millionen Euro eingeplant. Die ersten Arbeiten sollen in etwa einem Jahr beginnen, mit einer Fertigstellung ist nicht vor 2024 zu rechnen.

Der historische Getreidespeicher der Stadt Kirchheim wurde im Jahr 1541 erbaut und überlebte als eines der wenigen Häuser innerhalb des Mauerrings den Stadtbrand im Jahr 1690. Immer noch steht das Kornhaus wuchtig und trutzig da, doch der Zahn der Zeit hat am Gebäude genagt. Bereits vor einiger Zeit hat ein Gutachten schwere Schäden an der Bausubstanz aufgezeigt. Zudem sind die Mängel am Brandschutz so groß, dass es faktisch kaum mehr öffentlich nutzbar ist. So musste etwa die Dauerausstellung des Stadtmuseums in den Obergeschossen aus Sicherheitsgründen geschlossen werden. Zudem ist die Haustechnik völlig veraltet.

Bald wird das Baudenkmal daher vom Gewölbekeller bis zum Dach saniert und umgebaut. Aus einem Architektenwettbewerb ist im Mai das Stuttgarter Büro Cheret Bozic Architekten als Sieger hervorgegangen. Dessen Entwurf hatte den Gemeinderat überzeugt, da er, wie Bürgermeister Günter Riemer im vergangenen Juli begründete, mit dem historischen Gebäude „feinfühlig“ umgehe und die Umgestaltung als „denkmalgerechtes Weiterbauen“ verstehe.

Dabei wird das Kornhaus sein Gesicht stark verändern. Die Arkaden zur Fußgängerzone hin werden deutlich kleiner, der Haupteingang wandert zur Westseite hin. Am stärksten wird sich die Umgestaltung auf der Nordseite zum Martinskirchplatz hin auswirken. Dort besteht die Fassade derzeit nur aus Mauerwerk und einigen Fenstern. Dies wollen die Architekten dahingehend ändern, dass die Fassade einige Meter nach innen rückt und statt Steinen eine Glasfront das Gebäude abschließt. Davor soll eine zweite Glasfront zum Platz hin eingebaut werden. Beide Glaswände können geöffnet werden, sodass entweder die Erdgeschossfläche des Hauses nach außen vergrößert oder aber der Platz nach innen erweitert werden können.

Auch im Inneren soll sich einiges tun. Der Gewölbekeller wird wieder in Gänze nutzbar gemacht. Dafür werden der Technikraum und die Heizung in einen neuen Keller, der noch ausgegraben werden muss, ausgelagert. Zudem wird eine Fluchttreppe eingebaut. Somit kann der Keller wieder als Ausstellungsraum genutzt werden. Für die Obergeschosse wird ein zweites Treppenhaus eingebaut, sodass auch da Fluchtmöglichkeiten im Brandfall bestehen. Im Dachgeschoss planen die Architekten einen großen Raum für Veranstaltungen. Auch der Gemeinderat soll dort künftig tagen. Für den Saal muss eine Zwischendecke entfernt werden. Das gesamte Projekt wird nicht zum Schnäppchenpreis zu haben sein. Derzeit sind fünf Millionen Euro im Haushalt eingestellt, eine verlässliche Kostenberechnung wird wohl erst in der zweiten Jahreshälfte 2020 stehen.

Denkmalschutz beachten

Laut Dennis Koep, dem Pressesprecher der Stadt Kirchheim, wird der Baubeschluss noch eine Weile auf sich warten lassen, da die Stadt von der denkmalschutzrechtlichen Genehmigung durch das Regierungspräsidium Stuttgart abhängig ist. „Frühjahr 2021 ist realistisch“, sagt Koep. So werde voraussichtlich im Herbst/Winter 2021 mit der Sanierung des Holztragwerks begonnen. „Mit einer Fertigstellung kann frühestens Ende 2023, eher 2024 gerechnet werden“, sagt Koep.  pst / Foto:Stadt Kirchheim