Alle Sorten im Gartensaal

Fünftägiges Programm zur Eröffnung des „Erlebnis-Genuss-Zentrums“ im Freilichtmuseum

Das aus dem Jahr 1893 stammende Geislinger Gartenlokal der Familie Hafner erhält eine neue Bestimmung. Die ehemalige „Wilhelmshöhe“ beherbergt im Freilichtmuseum Beuren künftig das neue „Erlebnis-Genuss-Zentrum“ für regionale Kulturpflanzensorten mit Tradition. In den kommenden Tagen wird der in einem aufwendigen Verfahren zunächst abgetragene und dann wieder aufgebaute Saal mit einem  bunten Programm eingeweiht.

Der Gartensaal der „Wilhelmshöhe“ ist das 25. neue alte Gebäude auf dem Gelände des  Freilichtmuseums. In dem ursprünglich in Geislingen  als Ausflugslokal dienenden Gebäude wird in Beuren auf die wechselvolle Geschichte der „Wilhelmshöhe“ verwiesen, vor allem werden aber Kenntnisse über regionale Obst- und Gemüsesorten vermittelt.  Die Haus- und Wirtshausgeschichte(n) werden in  interaktiven Ausstellungen dargestellt. Im „Erlebnis-Genuss-Zentrum“ gibt es auch eine  Schauküche und einen Aktionsbereich. Mit der Präsentation und den Vermittlungsformen beschreitet das Freilichtmuseum eigenen Angaben zufolge neue Wege.

Nachdem der Gartensaal am Dienstag mit einem Festakt für geladene Gäste eingeweiht worden ist, steht dieser ab Mittwoch, 18. September, auch der Öffentlichkeit offen. Bis Sonntag, 22. September, wird diese mit Themenführungen, Mitmachaktionen, Tanz- und Musikvorführungen sowie Verkostungen an schwäbische Wirtshauskultur und regionale Sortenvielfalt herangeführt. Zahlreiche Institutionen sowie Partner beteiligen sich an dem fünftägigen Programm.

Am Mittwoch  steht beim ersten Thementag von 14 bis 18 Uhr regionales Gemüse im Zentrum von Schau und Aktionen. So besteht die Möglichkeit, Ketchup selbst herzustellen. In Führungen wird die Geschichte der „Wilhelmshöhe“ vermittelt, ebenso wie unter dem Titel „Ein altes Haus für die Zukunft“ die aufwendige Umsetzung des Gartensaals und auch Geschichten und Tipps zu „Ulmer Ochsenhorn“ oder dem Filder-Spitzkraut.  Auch sind zwei Foodblogger zu Gast.

Gaigel und Binokel

Der Donnerstag ist regionalen Obstsorten gewidmet. Es wird von 14 bis 18 Uhr einen kleinen Markt  und Infostände geben, auch Mitmachaktionen und drei Vorträge. Am Freitag wird der Blick auf das Wirtshausleben der 1950er-Jahre geworfen. Von 14 bis 18 Uhr gestaltet das Team „Wilhelmshöhe“ des Fördervereins Freilichtmuseum das Programm. In der Gruppe engagiert sich auch Inge Hafner, die Urenkelin des Saal-Erbauers. Es gibt Vortrag und Führung, Tanz und Wiener Kaffeehausmusik, auch können die Kartenspiele Gaigel und Binokel am Wirtshaustisch gepflegt werden.

Institutionen der Stadt Geislingen an der Steige, in der das Gebäude 125 Jahre  stand, sowie Projektpartner des „Erlebnis-Genuss-Zentrums“ stellen sich am Samstag von 11 bis 17 Uhr vor. Das Programm beinhaltet Führungen, Musik und Tanz, Infostände, auch einen Film, Workshop, Vortrag und Kochshows. Abgerundet wird das Veranstaltungsprogramm zur Eröffnung am Sonntag mit dem Markt der „Arche des Geschmacks“ in Zusammenarbeit mit der Organisation Slow Food. Vorgestellt und verkauft werden von 11 bis 17 Uhr selten gewordene Lebensmittel und vom Aussterben bedrohte Pflanzen. Neben den Marktständen und kulinarischen „Versucherle“ werden Experten über den Erhalt von seltenen und vom Aussterben bedrohten Sorten und Nutztieren berichten.

Mit dem „Erlebnis-Genuss-Zentrum“ will der Landkreis Esslingen mit seinem Freilichtmuseum auf das Verschwinden vieler Kulturpflanzen aus unserem Alltag verweisen und für den  Erhalt der Sortenvielfalt kämpfen und sorgen. In einer Pressemitteilung verweist das Landratsamt darauf, dass  Dreiviertel der weltweiten Kulturpflanzensorten bereits verloren seien, in Industrieländern sogar 90 Prozent. Nur genetische Vielfalt ermögliche es, neue Sorten zu züchten, die an sich  ändernde Umweltbedingungen angepasst sind. In der Ausstellung im  Gartensaal werden nun Ausstellung, Schauküche und Aktionsbereich unter einem Dach vereint. Ein Lehr- und Saatguterhaltungsgarten befindet sich zudem im Aufbau.  red /Foto: ali


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