„Chancen schenken“

Kinderstiftung Esslingen-Nürtingen kümmert sich um Teilhabe, Bildung und Gerechtigkeit für arme Kinder

Jedes fünfte Kind in Deutschland ist von Armut betroffen, im  Landkreis Esslingen sind etwa acht Prozent aller Kinder arm. Doch  gesellschaftliche Teilhabe, Bildungs- und Entwicklungschancen sind nach wie vor von den finanziellen Möglichkeiten der  Familien abhängig. Seit dem Jahr 2012 unterstützt die Kinderstiftung Esslingen-Nürtingen arme Kinder mit Zuschüssen für Bildung und Kultur sowie mit ehrenamtlichen Paten.

„Kinderarmut ist versteckte Armut“, sagt Olivia Longin, die Geschäftsführerin der Kinderstiftung Esslingen-Nürtingen. Doch sie werde sichtbar, etwa wenn Kinder nicht am Schulausflug teilnehmen,  nicht zum Kindergeburtstag einladen, keine Schuhe für den Sportunterricht besitzen oder kein Instrument spielen lernen.  Dabei ist die Quote in Deutschland enorm hoch. Jedes fünfte Kind ist von Armut betroffen, auch im wohlhabenden Baden-Württemberg. „Und im  Landkreis Esslingen sind es immer noch etwa acht Prozent“, sagt Lisa Kappes-Sassano, Regionalleiterin der Caritas Fils-Neckar-Alb und Vorsitzende des Stiftungskuratoriums.

Doch da im reichen Deutschland gleichberechtigte Bildungs- und Entwicklungschancen, soziale und kulturelle Teilhabe noch immer von den finanziellen Möglichkeiten der Familien abhingen, habe die Caritas 2012 die Stiftung initiiert, „um ein  Instrument gegen die Folgen der Armut zu schaffen und  Kindern diese Chancen auf Bildung und gesellschaftliche Teilhabe zu schenken“, sagt Kappes-Sassano.

Wie Frank Dierolf, Mitglied des Vorstands der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen und Kuratoriumsmitglied der Stiftung, berichtet, hat sich das anfänglich „zarte Pflänzchen“ in „eine beachtliche Institution“ verwandelt. Das Stiftungskapital ist von zunächst 50 000 Euro durch Zustiftungen und Spenden auf mehr als 120 000 Euro angewachsen. Entsprechend sei die Stiftung handlungsfähig geworden. 1500 Anträge auf Unterstützung wurden seit 2012 gestellt und 90 500 Euro an arme Kinder ausbezahlt. Allein im vergangenen Jahr hat die Stiftung 494 Kinder unterstützt, in der ersten Jahreshälfte 2019 waren es bereits 240 Kinder. „Und die Zahlen steigen weiter. Derzeit sind es zehn Anfragen pro Woche. Das heißt, dass wir wahrgenommen werden, aber es weist auch darauf hin, dass weiterhin sehr großer Bedarf besteht“, sagt Dierolf.

Kappes-Sassano erzählt, dass das Geld   für notwendige Ausstattungen für die Schule, für den Sport oder den Unterricht in der Musikschule verwendet worden sei. Doch es gebe auch Fälle wie den eines Zwölfjährigen, der noch nie in seinem Leben im Urlaub war und nun mit seiner Mutter für zehn Tage Ferien auf dem Bauernhof erleben kann.

Neben der materiellen Förderung unterstützt die Kinderstiftung arme Familien mit ehrenamtlichen Paten, die den Kindern etwa Nachhilfe geben oder mit ihnen Ausflüge unternehmen. Als drittes Standbein hat die Kinderstiftung einen Kinderbeirat ins Leben gerufen. 14 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen neun und 17 Jahren aus allen Schularten des Landkreises kommen zweimal jährlich zusammen und entscheiden  über Förderanträge sozialer Hilfsprojekte. Dafür steht ihnen ein Budget von 2000 Euro zur Verfügung.

Annette Bürkner, Nürtingens Bürgermeisterin für Bildung und Soziales sowie ebenfalls Kuratoriumsmitglied, sieht in der Arbeit der Stiftung auch den „dringenden Aufruf, bei der Kinderarmut Abhilfe zu schaffen. Es geht auch um den gesellschaftlichen Zusammenhalt und darum, Ausgrenzung zu verhindern, denn es sind die Bürger von morgen.“  pst /Foto: Olivia Longin

Info: www.kinderstiftung-esslingen-nuertingen.de


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