Die Fahrpreis-Revolution

Seit dem 1. April gelten die neuen VVS-Tarife – Auf vielen Strecken ein bis zwei Zonen weniger

Vieles wird günstiger, gar nichts wird teurer: Das gilt dank der aktuellen Tarifreform für die öffentlichen Verkehrsmittel im Gebiet des Verkehrsverbunds Stuttgart (VVS). Seit dem 1. April kostet beispielsweise die Fahrt in die Stuttgarter Stadtmitte weniger, egal, von woher im Kreis Esslingen man kommt. Aber auch im Außenbereich des VVS-Gebiets ergeben sich günstigere Tarife.

Jede Fahrt von außerhalb ins Stuttgarter Zentrum zählt künftig eine Zone weniger: Von Esslingen aus zahlt man 2,90 Euro statt bisher 4,20, von Nürtingen 5,30 statt 7,70 Euro. Wer aus der Randzone kommt, gewinnt sogar zwei Zonen: Von Neuffen oder Bissingen nach Stuttgart sind es dann nur noch fünf Zonen statt sieben und damit 6,50 Euro statt 8,60 Euro. Von Esslingen nach Ludwigsburg spart man rund 45 Prozent: Die Strecke kostet künftig 2,90 Euro, bisher waren es 5,30 Euro. Auf Monatskarten und anderen Abos wirkt sich die neue Preisstruktur natürlich ebenfalls aus.

Bislang wies der Tarifzonenplan sieben Ringe auf, ab dem 1. April gibt es nur noch fünf Ringe. Die beiden inneren werden zusammengefasst (Stuttgarter Kernzone), die beiden äußeren ebenfalls. Hinzu kommt, dass die Zoneneinteilung innerhalb der Ringe komplett wegfällt. Man spart also auch, wenn man sich innerhalb eines Rings bewegt, beispielsweise von Esslingen über Ostfildern zum Flughafen oder von Neuffen über Kirchheim nach Ohmden: Beides berührte bislang drei Zonen (4,20 Euro) und künftig nur noch eine (2,50 Euro). Der gesamte Raum Neckartailfingen, Neckartenzlingen, Nürtingen, Großbettlingen, Oberboihingen, Bempflingen und Kirchheim bis Erkenbrechtsweiler und Neuffen ist aus vier Zonen zu einer verschmolzen.

Die VVS-Partner haben den Tarif­zonenplan nicht nur vereinfacht, sondern den öffentlichen Verkehr ganz bewusst billiger gemacht. Das Ziel ist, dass mehr Menschen vom Auto auf Bahn und Bus umsteigen. „Die Preise werden für viele Fahrgäste um 25 bis 30 Prozent günstiger. Manche Stammkunden sparen sogar mehr als 500 Euro im Jahr“, erklärt VVS-Geschäftsführer Horst Stammler. Selbst wer auf seinen täglichen Strecken nicht profitiert, hat einen Nutzen: Der VVS hat nämlich die übliche Preiserhöhung zum 1. April ausgesetzt, damit die günstigeren Preise wirklich spürbar werden. Damit gilt, dass wirklich „kein einziger Fahrgast bei der Reform schlechter gestellt wird“, sagt der Esslinger Landrat Heinz Eininger.

Das Land unterstützt die Tarifreform finanziell und hat über die ersten sechs Jahre verteilt einen Zuschuss von insgesamt 42 Millionen Euro zugesagt. Das entspricht dem Betrag, der als jährlicher Einnahmeverlust für den VVS angenommen wird. Einen Teil davon sollen mittelfristig steigende Fahrgastzahlen ausgleichen, für die verbleibende Lücke müssen die Landkreise und die Landeshauptstadt Stuttgart in die Bresche springen.

Der Kreis Esslingen zum Beispiel wird jährlich wohl mehr als 30 Millionen Euro in den Nahverkehr pumpen müssen, das sind rund 6,5 Millionen mehr als bisher. Das sei ein Kraftakt, ­hatte Landrat Heinz Eininger schon bei der Vorstellung des Projekts im Herbst eingeräumt. Doch die Stärkung des öffentlichen Verkehrs, die daraus erwachsen soll, ist unumstritten – man braucht nur auf die täglichen Staus und die Luftverschmutzung in der Region schauen. aia / Foto/Grafik: VVS

Tipp: der Online-Tarifcheck. Unter www.vvs.de/neuer-vvs-tarif/preisaenderung/ kann man Start- und Endpunkt der zu fahrenden Strecke eingeben und bekommt dann den neuen und den alten Fahrkartenpreis im Vergleich.


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