„Ein Segen liegt auf diesem Haus“

Hospiz in Esslingen besteht seit fünf Jahren – Veranstaltungsreihe während des ganzen Jahres

Das stationäre Hospiz in Esslingen ist vor fünf Jahren eröffnet worden. Das nutzen Träger, Mitarbeiter und Beteiligte  für einen Rückblick.  Dekan Bernd Weißenborn vom Träger Evangelische Gesamtkirchengemeinde fasst die  vergangenen Jahre   im Haus in der Keplerstraße  so zusammen: „Es liegt ein Segen auf diesem Haus.“

Acht Plätze, Gemeinschaftsräume, Trauerräume, ein Garten  – das stationäre Hospiz hat in den vergangenen Jahren rund 500 todkranke Menschen in der letzten Phase ihres Lebens aufgenommen und betreut. Die Menschen – im Hospiz heißen sie Gäste – stammen aus allen Gesellschaftsschichten und gehören allen Konfessionen an. Sie werden aufgenommen, wenn es für sie keine  Versorgungsalternative gibt. Ihr Aufenthalt im Haus beträgt in der Regel  14 Tage. Acht der Gäste haben das Haus aber auch wieder in andere Einrichtungen wie Pflegeheime oder nach Hause  verlassen können.

Ambulant vor stationär

Das Haus in der Keplerstraße ergänzt die ambulante Hospizarbeit im Landkreis Esslingen. Susanne Kränzle, die Gesamtleiterin des Hospizes, betont: „Ambulant geht vor stationär.“ Damit folgt die Hospizbewegung dem Bedürfnis der Menschen, in der vertrauten  Umgebung sterben zu  dürfen. Im Landkreis kümmern sich  65 Ehrenamtliche um diese Menschen. In den vergangenen fünf Jahren waren das rund 700 Menschen, die zu Hause, in Kliniken und Pflegeeinrichtungen begleitet wurden.

  Im stationären Hospiz arbeiten 24 Pflegefachkräfte, eine Pflegedienstleiterin  und zwei Hauswirtschaftskräfte.  Die Hauptamtlichen sind in Teilzeit beschäftigt. „Eine Vollzeitbeschäftigung ist auf lange Sicht nicht zu verkraften“,  erklärt  Susanne Kränzle. Die Arbeit sei  sehr anspruchsvoll und hochbelastend.  Auch Ehrenamtliche sind  im Haus an der Keplerstraße im Einsatz. Zudem steht den Gästen die Spezialisierte Ambulante Palliativversorgung (SAPV) mit Hausärzten, Seelsorgern und Physiotherapeuten  zur Seite. Ins Haus kommen auf Wunsch auch Fußpfleger und Friseure. Musik- und Kunsttherapie wird angeboten.  „Diese Orchestrierung des Lebensendes  macht es möglich, dass Menschen hier gut leben und sterben können“, sagt Kränzle, die aber nicht verhehlt, dass „das Sterben auch ein schmerzlicher, ungewisser und schwerer Prozess bleibt“. Und  es sei immer individuell: „Jeder lebt und stirbt anders.“

Das Esslinger Hospiz hat mittlerweile eine Vorreiterrolle in Deutschland eingenommen. Als erstes Haus hat es seinen Personalschlüssel von 9,75 auf 12,35 erweitert. Mit Susanne Kränzle steht außerdem die  Vorsitzende  des Hospiz- und Palliativverbands  Baden-Württemberg an der Spitze des Hauses.

Eine zentrale Aufgabe nimmt der Förderverein wahr. Über Krankenkassenbeiträge fließt zwar Geld ins Hospiz. Der Träger, die Kirche, muss aber ein jährliches Defizit von 200 000 Euro tragen – das fordert der Gesetzgeber, da eine solche Einrichtung  keinen Gewinn erzielen darf. Daher geht nichts ohne Spenden: Rund 715 000 Euro hat der Förderverein in den vergangenen fünf Jahren zusammengetragen. Davon wird vieles für den Hausalltag besorgt: die Trauerbegleitung, die Zuschüsse für das Sommerfest, Instrumente für die Musiktherapie, der Beamer für  Fußball-Übertragungen, aber auch der Strandkorb auf dem Rundgang ums Haus.

Auch politisch einmischen

Wenn Weißenborn zurückblickt, dann stellt er fest: „Das Haus zu bauen, war eine gute Entscheidung, auch wenn es sehr viel Kraft gekostet hat.“ Insofern sieht er im Hospiz mehr als den Ort für die letzten Tage. Es gelte,  sich auch politisch einzumischen, wenn   es um Sterbehilfe und andere ethische Fragen gehe.  bob / Foto: bob

Info: Eine Veranstaltungsreihe läuft, der Blick auf das Lebensende wird in Infoveranstaltungen, Vorträgen und Treffen thematisiert. Mehr  unter www.hospiz-esslingen.de


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