Einer wie keiner

Freigeist, Lebemann, Dichter und Revolutionär: Kulturreihe zum 200. Geburtstag von Albert Benno Dulk

Das  Dulkhäusle an der Römerstraße in Esslingen, seit 2011  renoviert,  kennt fast jeder. Den Namensgeber nicht unbedingt. Das mag sich demnächst ändern: Mit einer Kulturreihe feiert die Stadt Esslingen den 200. Geburtstag von Albert Benno Dulk,  Schriftsteller, Freigeist, Revolutionär und Lebenskünstler, der im Dulkhäusle  etliche Jahre bis zu seinem Tod gelebt  hat.

Die vielen unterchiedlichen Facetten des ungewöhnlichen Menschen Dulk will das Kulturamt der Stadt Esslingen in Kooperation mit der Württembergischen Landesbühne und dem Esslinger Schriftsteller und Journalisten Ulrich Stolte der Öffentlichkeit in Lesungen und Szenen näherbringen.

Aus der Zeit gefallen

Stolte, der eine Biografie über Dulk  schreibt, bringt  es auf den Punkt:  „Albert Dulk ist völlig aus der Zeit gefallen, sein  Lebensentwurf  würde auch noch heute Widerstände hervorrufen.“ Dulk habe sich eben  immer mit allen angelegt, die Freiheit und  Gerechtigkeit im Weg standen. Der ausgebildete Apotheker und  promovierte Chemiker  – im Juni 1819  in Königsberg in eine wohlhabende Familie geboren – hatte sich früh  revolutionären Kreisen und Freidenkern angeschlossen. Er schrieb Theaterstücke, arbeitete als Journalist, engagierte sich politisch, er war aktiv an der 1848er-Revolution beteiligt,  gründete die Sozialistische Partei in Stuttgart mit, wurde die zentrale Figur der Arbeiterbewegung und der Stuttgarter Sozialdemokraten   und saß  wegen Verbreitung volksverhetzender Flugblätter im Gefängnis. Dulk  war aber auch ein Abenteurer, der viel reiste und eine Weile    in einer Höhle auf der Sinai-Halbinsel wohnte. Er war ein Extremsportler, er ritt und focht und betrieb das, was man heute Free Climbing nennt. Und er durchschwamm als Erster den Bodensee an seiner breitesten Stelle.

Frauenheld und Lebemann

Der groß gewachsene und gut aussehende Mann kam auch bei Frauen gut an. Zusammen mit seiner Ehefrau Johanna, seinen  Freundinnen Pauline Butter und Else Bussler  und den   gemeinsamen Kindern lebte er zeitweise  im  Waldhäuschen an der Römerstraße, dem heutigen Dulkhäusle. Sogar sein Tod passt in das Schema: Völlig überraschend  starb er 1884 im Stuttgarter Hauptbahnhof an einem Herzschlag. 

Diesem frühen Popstar nähert sich die Veranstaltungsreihe:   Am 12. Juli, 19 Uhr, findet im Bad des Schwimmsportvereins auf der Neckarinsel die szenische   Lesung   „Drei über Dulk“ statt (Eintritt 5 Euro). Drei Schauspielerinnen nehmen die Rollen seiner drei Frauen ein, die  sich über  ihren Geliebten und Ehemann  unterhalten und eine Zeitreise in sein Leben und sein Werk unternehmen. Schwimmer des Vereins gedenken in ausgreifenden Zügen im Becken ihres großen Vorgängers.

Am 13. September, 20 Uhr, liest Ulrich Stolte aus seiner Biografie „Der unglaubliche Dulk“.  Stolte trägt außerdem Gedichte von Dulk vor und liest aus  dessen Reiseaufzeichnungen. Am 20. Oktober,  10 Uhr, führt der Esslinger Literat Gerhard Polacek  in „Der Apfel fällt nicht weit vom Königsberger Klops“ in einer literarischen Wanderung zum Dulkhäusle.  Start ist um 10 Uhr am Amtsgericht in der Ritterstraße. Das Dulkhäusle gilt als das erste   Denkmal der Sozialdemokratischen Partei in Deutschland und als viel besuchtes Ziel von Parteigenossen.

„Lea“  – nach der Novelle von Wilhelm Hauff – heißt das Drama, das Dulk als 29-Jähriger schrieb. Es ist das erste Drama, das für die Emanzipation des Judentums eintritt. Die Lesung dazu findet am 9. November, 20 Uhr, im Podium 2 der WLB statt. WLB-Intendant Friedrich Schirmer und Ulrich Stolte werden in das Drama einführen. Laut Schirmer ist die WLB die einzige Bühne in Deutschland, die das Stück  in der Neuzeit im Jahr 1988 aufgeführt hat. Zwei der Schauspieler der damaligen Inszenierung lesen und erinnern sich.  bob / Foto: Archiv

Info: www.esslingen.de/dulk200


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