Fliegenparadies

Kirschessigfliege und Wetterkapriolen machen Weingärtnern zu schaffen


Das Jahr hatte gut angefangen: frühe Wärme, ein dichter Behang an den Rebstöcken, viel Sonne – doch dann kamen Wetterkapriolen mit Hitze, Hagel, feuchter Wärme. Und dann gab es die Kirschessigfliege, einen aus Asien eingewanderten Schädling. Mittlerweile sind die Weingärtner im Kreis Esslingen froh, dass der Wein vom Stock ist und im Kessel gärt. Sie wissen aber, die Fliege wird sie auch in den nächsten Jahren beschäftigen.

Die Qualität ist ordentlich, aber die Menge lässt zu wünschen übrig: Das ist das Fazit, das die Weinbauern im Kreis ziehen. Etwa zwei Wochen früher als gewöhnlich sind die Beeren gelesen worden. Es musste schnell gehen, denn Fäulnis durch zuviel Regen und Essigtrauben durch die Fliege haben die Ernte bedroht. Mitte Oktober war alles gelaufen. „Und danach erst sind die schönen Tage gekommen“, bedauert Christine Anhut, die Geschäftsführerin der Weingärtnergenossenschaft Neuffen-Teck.

Die Lese war aufwendiger als sonst: Beere für Beere musste in die Hand genommen und auf Fliegeneinstichstellen überprüft werden. Hatte die Beere ein Loch oder gar schon eine Delle, wurde sie aussortiert. Mit der Menge des Leseguts für den Täleswein ist Anhut durchaus zufrieden. „Wir liegen über dem Jahr 2013, als uns Hagel viel zerstört hat.“

Besonders beliebt bei Drosophila suzukii – so lautet der botanische  Name der Fliege – sind rote Früchte, vor allem Brombeeren und Kirschen. „Unsere Streuobstflächen, auf denen Früchte nicht mehr geerntet werden, sind für die Fliege natürlich ein Paradies – ein Streuobstparadies“, sagt Werner Kauderer, der Vorsitzende des Vereins der Weinbergbesitzer in Weilheim. Die Winzer dort hatten neben Fliege und Regen auch noch Hagelschäden auf ihren Rebflächen am Hang der Limburg und am Egelsberg zu beklagen. Die Kirschessigfliege wird ein Thema bleiben, da sind sich Anhut und Kauderer sicher.

Manuel Becker, der Referatsleiter für Weinbau und Rebschutz an der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau in Weinsberg, will den Ball flach halten. Er spricht von „einem Hype um die Fliege“, seit sie im Jahr 2011 in Südtirol aufgetreten ist. Er sieht die Fliege als Herausforderung für den Weinbau. „Wir haben gute Werkzeuge gegen den Schädling, mehr als es die Südtiroler vor drei Jahren hatten“, sagt Becker. Er nennt neben der intensiven Pflege der Reben mit frühzeitigem Aussortieren zerdrückter Früchte auch Spritzmaßnahmen mit Mitteln, die nach Versuchen in der Anstalt nun ihre Zulassung bekommen haben. Auch das Wetter spiele eine Rolle: „Ein kalter Winter und die Population der Drosophila suzukii wird deutlich geringer ausfallen als in diesem feuchtwarmen Sommer“, ist Becker sicher.  Er warnt vor Panik: „Die Kirschessigfliege wird den Weinbau im Südwesten nicht zerstören und das wird auch nicht die amerikanische Rebzikade, die im Anmarsch ist.“ Laut Becker löst dieser Schädling die Vergilbungskrankheit am Rebstock aus, der dann abstirbt. Der amerikanische Invasor sei im Anmarsch: „In Italien und Südtirol ist er bereits angekommen. Wir beobachten das.“                bob / Foto: pst


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