Jetzt kommt der Bücherwinter

Die ECHO-Redaktion stellt ihre Tipps vor: Lesestoff für die kalte Jahreszeit

Eine warme Decke, die Kissenburg im Rücken, der Tee dampft in der Tasse und dazu die richtige Lektüre – derartig gewappnet kann der Winter kommen. Die ECHO-Redaktion hat aus den neuen Veröffentlichungen regionaler Verlage und Autoren lesenswerte Bücher ausgesucht, die ohne Mühe das schlimmste Schmuddelwetter vergessen lassen.

Der indische Falschspieler Vinajaka Khan ist auf der Flucht vor den Behörden in einem Aschram in einem Schwarzwald-Dorf gelandet, wo er, nach seines Meisters Wunsch, neben einer versiegten Quelle meditieren muss, bis sie wieder sprudelt. Eine recht fade Angelegenheit, was den umtriebigen Zeitgenossen so gar nicht ausfüllt. Viel mehr beschäftigt ihn das Verschwinden einer jungen Frau, was offensichtlich auch die Eigentums- und Machtverhältnisse in der näheren Region verändert hat. Zusammen mit seinem zunächst grummeligen Nachbarn begibt er sich auf Spurensuche, die nicht von allen Einheimischen goutiert wird. Die Schwierigkeiten folgen auf dem Fuß. Humorvoll erzählter Kultur-Clash, bei dem indische Lebensphilosophie auf badischen Klüngel trifft.
Daniel Bachmann: Die Tote im Tann, emons Verlag, Köln

Wenn es draußen kalt und dunkel ist, der Wind heult und Geräusche undefinierbarer Herkunft ans Ohr dringen, dann ist dies das perfekte Ambiente, um die neuen Gruselgeschichten der Stuttgarter Autorin Nina Blazon zu lesen. Die mulmigen Momente werden hier nicht nur durch grauenvolle Monster oder fiese Geister heraufbeschworen, sondern durch die Ängste der Protagonisten geweckt. Diese sind so nachvollziehbar geschildert, dass sich die junge Leserschaft (ab zehn Jahren) ihnen nicht entziehen können wird. Daher Vorsicht: Nina Blazon ist eine Meisterin ihres Fachs, so dass das Buch nur Kindern und Jugendlichen mit starken Nerven unter den Tannenbaum gelegt werden sollte.
Nina Blazon: Siebengeschichten, Aladin Verlag, Hamburg

In ihrem neuen Roman entführt die Autorin Pia Rosenberger erneut in das mittelalterliche Esslingen. Sie erzählt die Geschichte der Tochter des Gewürzhändlers weiter, in dem sie Tessa Berthiers Ziehtochter Leontine in eine Reihe von Konflikten schickt. Auf sie wird ein Brandanschlag aufgrund des Verdachts der Hexerei verübt, und ausgerechnet Mattis, der von ihrem Ziehvater Corenthin Wagner verfolgt wird und mit den Mordbrennern zu tun hat, rettet ihr das Leben. Leontine flieht nach Urach zur ehemaligen Herzogin Sabina, aber auch dort ist sie nicht sicher. Kenntnisreich, mit viel Liebe zum Detail und sprachlicher Finesse versteht es Pia Rosenberger, historische Fakten lebendig werden zu lassen. Ein spannender, temporeicher Plot und fein herausgearbeitete Figuren machen dieses Buch zum Lesevergnügen.
Pia Rosenberger: Die Prinzessin der Kelche, emons Verlag, Köln

Dass Vincent Klink nicht nur ein begnadeter Koch, sondern auch ein kluger Kopf ist, der mit allerlei Bonmots und Geschichten zu unterhalten weiß, hat er schon mehrfach bewiesen. In seinem neuen Buch gibt er Einblicke in seine Gedanken, die ihn bewegten und bewegen, die er seit dem 21. April 2006 täglich aufgeschrieben hat. Das hat viel mit seinem Beruf rund um die Gastronomie sowie Essen und Trinken zu tun, aber auch zeitgenössische Betrachtungen wie zum Beispiel zur Verleihung des alternativen Nobelpreises an kanadische Bauern, zum Abschuss des Problembären Bruno und zum Thema Reaktorsicherheit haben in seinem neuen Buch Platz gefunden. Obendrein gibt es jede Menge Rezepte und launige Anekdoten aus dem Leben des Chefs der Stuttgarter Wielandshöhe.
Vincent Klink: Angerichtet, herzhaft und scharf!, Klöpfer&Meyer, Tübingen

In einer Wohnung im oberschwäbischen Biberach wird der vom Rumpf abgetrennte Kopf von Alvin Blank gefunden. Von seiner Frau und seinem kleinen Söhnchen fehlt jede Spur. Lediglich eine mysteriöse Datumsangabe am Badezimmerspiegel weist darauf hin, dass der Alptraum erst begonnen hat. Spuren führen Hauptkommissarin Greta Gerber zur Agentur Bussenkindle, die Paaren mit bislang unerfülltem Kinderwunsch Wallfahrtstouren zum Bussen, dem heiligen Berg Oberschwabens, anbietet. Und Pfarrer Goettle? Der beschäftigt sich mit einem Findelkind, das vor seiner Haustür abgelegt wurde, und ahnt zunächst nicht, dass er schon bald dunklen Mächten gegenübersteht, die den Jungen in ihre Gewalt bringen wollen.
Olaf Nägele: Goettle und das Kindle vom Bussen, Silberburg-Verlag, Tübingen

In einer Märznacht stürzt eine Frau namens Claire vom Balkon und fällt einer anderen, Helen, im wahrsten Wortsinn vor die Füße. Doch anstatt diesen Fall bei der Polizei anzuzeigen, nimmt Helen den Schlüsselbund zu Claires Wohnung an sich und beobachtet von ihrem Balkon aus, was geschieht. Ein Mann kommt aus dem Nachbarhaus, betrachtet die Tote und eilt davon. Es ist Claires Mann und Helen beschließt, dass sie ihm näherkommen will. Aus dem Wunsch wird Manie und so beginnt Helen ein dunkles und bitterböses Spiel, das keinen Sieger kennt. Silke Knäppers literarischer Kniff, die Geschichte aus zwei wechselnden Perspektiven zu erzählen, erzeugt Spannung und verhindert, ein vorschnelles Urteil über die Protagonisten zu fällen. 
Silke Knäpper: Das Lieben der Anderen, Klöpfer & Meyer, Tübingen

on/bs / Foto: on


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