Junge Hände für altes Mauerwerk

Jugendbauhütte Baden-Württemberg startet – Sitz in Esslingen – Auftakt im September

Einen Stuhl restaurieren, auf dem einmal Goethe saß, einmal selber ein Fachwerkhaus errichten oder eine alte Parkanlage wieder zum Blühen bringen? Jugendliche können ihr Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) in der Denkmalpflege einsetzen  – seit Kurzem auch in Baden-Württemberg.

Vor wenigen Wochen fiel der Startschuss für die Jugendbauhütte Baden-Württemberg, mit Sitz in Esslingen.  Ein ganzes Jahr lang können Jugendliche im Alter von 16 bis  26 Jahren in den Einsatzstellen einer der  Jugendbauhütten im Land traditionelle Handwerkstechniken erlernen, sie am Original anwenden und so die Arbeit in der Denkmalpflege hautnah kennenlernen.  Seminare zu Stil- und Materialkunde, Forschungs- und Arbeitsmethoden, Grundlagen der Denkmalpflege sowie der Bedeutung des europäischen Kulturerbes ergänzen die praktische Arbeit am Denkmal.

Exakt nach dem Vorbild der mittelalterlichen Bauhütten lernen die jungen Leute direkt vom Meister – sprich, sie sind Teil des Alltagsbetriebs von Handwerksunternehmen und begleiten die Profis bei ihrer Arbeit.

In Baden-Württemberg sollen Jugendbauhütten an 15 Standorten eingerichtet werden. Welche das sind, wird derzeit erarbeitet. 22 Jugendliche können ihr FSJ dort ableisten.

Rund 4000 Jugendliche haben bislang bundesweit ein Freiwilliges Soziales Jahr in der Denkmalpflege in den Jugendbauhütten absolviert und dort ihre Begeisterung für  kulturelles Erbe entdeckt. Manch einer hat dadurch  auch seinen Beruf gefunden: Teilnehmer an Jugendbauhütten  entscheiden sich nicht selten   für einen Beruf in der Denkmalpflege oder für ein  traditionelles Handwerk.

 Start der Jugendbauhütten innerhalb der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD) war im Jahr 1999 in Quedlingburg in Sachsen-Anhalt. Das Projekt hat sich im Norden der Republik ausgebreitet, Länder im Süden und Südwesten sind noch weiße Flecken in der Jugendbauhüttenlandschaft.

„Die Erfahrungen aus anderen Bundesländern zeigen, dass sich etwa zwei Drittel der jungen Menschen nach dem Durchlaufen eines Freiwilligen Sozialen Jahres in der Denkmalpflege entscheiden, im Handwerksbetrieb eine Lehre zu machen oder ein fachentsprechendes Studium aufzunehmen. Das ist Nachwuchs, der auch in Baden-Württemberg dringend benötigt wird“, sagte  Claus Wolf, Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart. „Das Projekt in der Trägerschaft der Internationalen Jugendgemeinschaftsdienste (ijgd) baut seit 20 Jahren auf der Idee auf, jungen Menschen etwas zuzutrauen, ihnen die Möglichkeit zu geben sich auszuprobieren und in der Gemeinschaft etwas anzugehen, was sie sich vielleicht alleine niemals zugetraut hätten,“ so Silke Strauch, Teamleiterin Jugendbauhütten der DSD.

 Für den Esslinger Finanzbürgermeister Ingo Rust war es nur selbstverständlich, dass Esslingen Sitz der baden-württembergischen Jugendbauhütten wird. „Mit dem Landesamt für Denkmalpflege ist die landesweit zuständige Behörde in der Stadt ansässig“, sagte Rust. Überdies habe Esslingen eine sehr hohe Denkmaldichte, die Stadt atme Geschichte. „Esslingen ist sozusagen die Denkmalhautstadt des Landes“, betonte Rust.        Inzwischen hat der Leiter der Jugendbauhütte,  David Nonnenmann, seine Arbeit im Esslinger Technischen Rathaus aufgenommen.  red/bob / Foto: dpa

Info: Bauhüttler erhalten 416 Euro.  Ab sofort können sich junge Leute  bewerben. Start soll zum  September sein. Bewerbungen sind online möglich unter: www.denkmalschutz.de, Denkmale erleben anklicken und auf jugendbauhuetten/klicken.


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