Kerker, Felsen, Schneelandschaft

Württembergische Landesbühne wird 100 Jahre alt – Jubiläumsauftakt mit „Kabale und Liebe“ am 20. September 

Die Württembergische Landesbühne (WLB) wird 100 Jahre alt. Gestartet ist sie als  Schwäbische Volksbühne in  Göppingen. Das erste Stück, das die junge Bühne damals spielte, war „Kabale und Liebe“ am 20. September 1919.  Auf den Tag genau 100 Jahre später, am 20. September 2019, feiert   die WLB in der Stadthalle Göppingen mit einer Neuinszenierung von „Kabale und Liebe“ unter der Regie von Christine Gnann ihren 100. Geburtstag.

Am darauffolgenden Tag wird dann die Esslinger Premiere im Schauspielhaus zu sehen sein, mit der die WLB ihre Jubiläumsspielzeit eröffnet.   Die Volksbühne war ein Nachkriegskind, ihre  Gründung unter anderem angeregt durch den Industriellen Robert Bosch, der mit dem Land Württemberg den Verein zur Förderung  der deutschen Volksbildung gegründet hatte.   Die  Volksbühne hatte zunächst kein eigenes Haus, sie war von Anfang an als Wanderbühne konzipiert, die auch das weite Land mit Theater versorgen sollte. Sie spielte unter anderem in Esslingen und brachte der breiten Öffentlichkeit  Dramatik und Klassiker zur Aufführung. 1921 wurden „zur Steigerung des theatralischen Effekts und zur Förderung jenes zuschauenden Affekts“  Bühnendekorationen wie ein Kerker, fünf Felsen, eine Schneelandschaft und mehrere Zimmereinrichtungen angeschafft, heißt es in der Chronik. 

Erste Theaterdirektorin war Mathilde Erfurth. Sie hatte häufig mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen, musste zum Teil auch Benefizvorstellungen geben, um  die Schauspieler honorieren zu können. 1925 beschloss der Gemeinderat, dass die Volksbühne den weiteren Betrieb des bereits existierenden Esslinger Stadttheaters bestreiten sollte. Genutzt wurden die Räume in der Strohstraße, in denen ab  Mitte des 19. Jahrhunderts   bis heute Theaterstücke aufgeführt werden. Den heutigen Namen erhielt das Theater 1933.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war die WLB das erste Theater Deutschlands, das eine Konzession für die Wiederaufnahme des Spielbetriebs erhielt. In den 70er-Jahren gründete die WLB das Kinder- und Jugendtheater, damit gehörte sie zu den ersten Theatern in Deutschland mit dieser Sparte. Einen  Höhepunkt in der Geschichte stellt  der Neubau der Spielstätte dar.  Im Sommer 1982 wurde das neue Schauspielhaus eröffnet. Neben dem großen Saal mit 460 Sitzplätzen werden  Podium I und II für den Spielbetrieb genutzt. 

Im Jahr 1990 wurde das ehemalige Schulgebäude auf dem Zollberg zu einer weiteren Spielstätte umfunktioniert. Neben der Studiobühne  beherbergt das Haus eine Jugendtheater-Spielstätte sowie Probenräume, Lagerräume und Werkstätten.

Die Jubiläumsspielzeit startet am 20. September. Für die jungen Zuschauer veranstaltet die WLB im Oktober ein internationales Kindertheater-Festival, bei dem sechs  meist professionelle Theatergruppen aus sechs europäischen Ländern ganz verschiedenartige Stücke für Kinder im Alter von vier bis zwölf Jahren zeigen. Die Inszenierungen werden zum Teil von Workshops begleitet, sowohl die Vorstellungen als auch die Workshops finden auf Deutsch statt.

Restaurierter Dokumentarfilm

Ebenfalls aus Anlass des Jubiläums wird am 22. September  der restaurierte Dokumentarfilm „Wunder in Amerika“ im Kommunalen Kino gezeigt. Die Verfilmung des gleichnamigen Schauspiels von Ernst Toller und Hermann Kesten von 1931 hatte lange als verschollen gegolten, bis der ehemalige und wieder aktuelle Intendant der WLB, Friedrich Schirmer,  1978 das Soufflierbuch der Mannheimer Uraufführung wiederentdeckte und das Stück in der Regie von Pavel Mikulastik auf die Bühne der WLB brachte. Geplant ist außerdem ein neuer Dokumentarfilm über den  Arbeitsalltag der WLB.  bob /Foto: WLB

Info: mehr zum Programm unter www.wlb-esslingen.de.


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