Neue Erkenntnisse

Ausgrabungen am Kloster Denkendorf: Keramikfunde reichen teilweise bis ins Frühmittelalter  zurück

Am Klosterhof-Areal in Denkendorf  wird ein Pflegeheim gebaut.  Ausgrabungen von Archäologen haben dort nun bedeutende Funde zu Tage gefördert: Bedeutend deshalb, weil die Funde zeigen, dass das Gebiet bereits vor dem Klosterbau besiedelt war. Das sind neue Erkenntnisse für die Geschichte Denkendorfs. Die Grabungen werden wohl in der nächsten Woche beendet sein.

Das Margarete-Blarer-Haus am Kloster steht seit Herbst 2018 nicht mehr.  Seit Mitte November wird auf Veranlassung des Landesdenkmalamts auf diesem Areal gegraben. Das Kloster-Ensemble ist ein   archäologisches Kulturdenkmal.  Bei Eingriffen in den Boden wie jetzt beim Neubau des Pflegeheims muss die Denkmalsubstanz wissenschaftlich ergraben werden, um nicht undokumentiert zerstört zu  werden.

Älter als gedacht

Seit November gräbt die Firma IKU  aus Rottenburg-Wendelsheim mit zum Teil bis zu acht Personen vor Ort. Derzeit legen sie einen Kanal frei, der das Sickerwasser von den  weiter oben liegenden, Wasser führenden Schichten  aufgenommen hat.  Die Grabung  soll bis zur nächsten Woche beendet sein.

„Wir haben mit den Grabungen neue Erkenntnisse zur Besiedlungsgeschichte Denkendorfs gewonnen“, zieht Dorothee Brenner Bilanz. Die Gebietsreferentin  für Mittelalter- und Neuzeitarchäologie  für den Kreis berichtet von frühmittelalterlichen    Keramikfunden. Deren Herstellungstechnik     und die spezifischen  Randformen weisen in die Zeit ab dem achten Jahrhundert hin.  „Wir können also sagen, dass vor der Klostergründung hier schon Menschen gesiedelt haben“, erklärt Brenner. Genaueres lässt sich über die frühen Denkendorfer aber kaum sagen. Waren sie einfache Menschen? Waren sie wohlhabend?

„Wir haben zwei   verzierte Beschläge aus Knochen gefunden, die möglicherweise zu einem Reliquienkästchen gehört haben könnten“, sagt Brenner. Das könnte auf eine wohlhabendere Bewohnerschaft hinweisen. Auch zogen die Mitarbeiter etliche  Tierknochen aus dem Boden – auffallend viele Knochen von Fleischfressern, vielleicht Hunden,  waren dabei, also keine Nutztiere. Könnten die Hunde für die Jagd eingesetzt worden sein? Auch dieser Gedanke könnte darauf hinweisen, dass die damaligen  Bewohner nicht ganz einfache Leute waren.    

Kalkofen begeistert

Die Fachleute sind auch begeistert von einem  erstaunlich gut erhaltenen Kalkofen. Der gefundene Brennofen diente  vermutlich dazu, vor Ort Baumaterial zu produzieren. Er wird  schätzungsweise zur Zeit der Klostergründung um 1130 angelegt worden sein. Der so bezeichnete „stehende Ofen“ hat zwei gewölbte Schürlöcher, durch die er bedient wurde. Vier Tage lang wurden darin Kalkbrocken auf bis zu 1000 Grad erhitzt. Mithilfe des gebrannten Kalks wurde dann Mörtel angerührt. Ein besonderer Fund  sind auch Topfkachelscherben, die von den Archäologen als eine der ältesten Ofenkachelformen aus Baden-Württemberg eingestuft werden –  zwischen dem zehnten und zwölften Jahrhundert waren Kachelöfen ein Statussymbol.

Auch hat sich herausgestellt,  dass am Kloster,  entgegen bisherigem Wissen, bereits im Spätmittelalter  ein Flügel Richtung Süden angebaut war.

Die Firma IKU, die die Grabungen durchführt, wird    die Funde nun säubern, dokumentieren und in ihrem Lager in Rottenburg-Wendelsheim beschriften. Später sollen sie  ins Lager des Landesmuseums in Rastatt übersiedeln. bob / Foto: bob


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