Umstiegsangebot an Senioren

Bei Führerscheinrückgabe gibt es ein VVS-Jahresticket

Führerschein gegen VVS-Jahresabo: Auf diese Formel lässt sich das Angebot bringen, das seit Beginn des Jahres 2020 im Landkreis Esslingen gilt. Anmelden hierfür kann man sich seit Anfang November. In den ersten gut drei Wochen wurden bereits mehr als 200 Anträge gestellt, was die Verantwortlichen beim Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart (VVS) und beim Landratsamt zufrieden stimmt.

Seit 1. Januar erhalten Senioren beim freiwilligen Verzicht auf die Fahrerlaubnis und bei Rückgabe des Führerscheins ein kostenloses  VVS-Jahresticket. Das Ticket wird  im Scheckkartenformat („Polygocard“) für zwölf Monate ausgegeben. Der Landkreis Esslingen und die Verkehrsunternehmen teilen sich die Kosten hierfür. Nach einem Jahr geht das Ticket in ein reguläres, kostenpflichtiges Abo über, sofern nicht fristgerecht gekündigt wird. Man kann aber auch wieder den  Führerschein beantragen.

An dieser Aktion können Personen ab einem Alter von 65 Jahren teilnehmen, die ihren Wohnsitz im Landkreis Esslingen haben. Wer einen Rentennachweis vorlegt, kann schon ab einem Alter von 60 Jahren mitmachen.

Das erste kostenlose Senioren-Jahresticket im Gegenzug zur Führerscheinabgabe wurde Ende November Josefine Passow aus Deizisau überreicht. Das Ticket berechtigt  zu Fahrten im gesamten Netz des Verkehrsverbunds. Landrat Heinz Eininger verwies bei der Ticketübergabe darauf, dass jeder Senior, der bei der Aktion mitmacht, zur Entlastung des Straßenverkehrs beitrage: „Die Mitglieder des Kreistags tragen dieses Projekt mit und haben hierfür insgesamt 275 000 Euro zur Verfügung gestellt.“ Von den ersten mehr als 200 Antragstellern seien rund 70 Prozent zuvor noch keine VVS-Kunden gewesen, teilte der Verkehrsverbund mit. Im Schnitt sind die Antragsteller 80 Jahre alt, der ganz überwiegende Teil ist  weiblich.

VVS-Geschäftsführer Horst Stammler sprach von den umweltfreundlichen Bussen und Bahnen. „Wir haben mit dem Pilotprojekt im Landkreis Ludwigsburg bereits gute Erfahrungen gemacht. Dort haben schon über 2000 ältere Menschen ihren Führerschein gegen ein Seniorenticket eingetauscht“, sagte Stammler.

Man kann darüber streiten, ob Autofahren im Alter mit einem höheren Verkehrsrisiko behaftet ist. Der Deutsche Anwaltverein beispiels­weise fordert verpflichtende Gesundheitstests für Führerscheininhaber ab 75. Der ADAC spricht sich dagegen aus: Nicht das Alter, sondern Gesundheit und Routine seien ausschlaggebend. Karl Praxl, der Vorsitzende des Esslinger Kreisseniorenrats, findet es richtig, dass es in Deutschland keine Einschränkung beim Autofahren allein aufgrund des Alters gibt: „Mit 80 ist man heute nicht mehr steinalt“, sagte Praxl  bereits im Sommer gegenüber dem Wochenblatt ECHO. Es gebe derzeit eine Generation topfitter Senioren, die dürfe man nicht wie Unmündige behandeln. Gleichzeitig begrüßt der Seniorenrat die Tauschaktion, weil sie auf Freiwilligkeit baut.  red / Foto: Landratsamt Esslingen


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Der 18. Trainer in zehn  Jahren: Pellegrino Matarazzo soll Fußball-Zweitligist  VfB Stuttgart  zum Aufstieg führen. Was denken Sie, bringt’s der Neue?

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Trotz Erhöhung noch günstig

Müllgebühren im Kreis Esslingen steigen – Anderswo sind sie aber deutlich höher

Die Müllgebühren im Kreis Esslingen steigen zwar, bleiben aber im Landesvergleich noch immer sehr günstig. Ein Vierpersonenhaushalt zahlt im Durchschnitt für die Entsorgung von Restmüll, Biomüll, Papier und gelbem Sack deutlich unter zehn Euro im Monat.

Die Abfallbilanz des baden-württembergischen Umweltministeriums listet den Landkreis Esslingen im aktuellen Jahr ganz weit vorne unter den 44 Stadt- und Landkreisen. Man kann die Müllgebühren zwar nicht ohne Weiteres vergleichen, denn es existieren mehr als 100 unterschiedliche Gebührensysteme. Und die enthaltenen Leistungen sind nicht immer genau die gleichen. Aber die Modellrechnung an einem vierköpfigen Haushalt mit 80-Liter-Eimer (Leerung alle vier Wochen) und Biotonne zeigt: Seit 1998 sind die Müllgebühren im Esslinger Kreisgebiet auf weniger als die Hälfte gesunken.  Zuletzt musste dieser Musterhaushalt 90 Euro im Jahr berappen; ähnlich günstig schnitt nur der Main-Tauber-Kreis ab. Schaut man in die Nachbarschaft nach Stuttgart, in den Rems-Murr-Kreis oder den Kreis Göppingen, gibt es dort rund doppelt so hohe, teils sogar fast die dreifachen Gebühren.

Damit ist klar: Selbst wenn die Müllabholung und -entsorgung im Kreis Esslingen teurer wird, bleibt sie weiterhin im unteren Bereich. Die Restmüllgebühren sind zum 1. Januar um durchschnittlich 17,5 Prozent gestiegen, die für Biomüll um knapp elf Prozent. Diese Preise gelten  von 2020 bis 2023; danach wird nach dem Beschluss des Kreistags wieder neu kalkuliert. In den vergangenen 20 Jahren wurden dagegen fast durchweg die Gebühren immer wieder nach unten angepasst.

Aber woran liegt es, dass der Kreis Esslingen bei den Müllgebühren so gut dasteht? Man habe einfach schon frühzeitig die Weichen richtig gestellt, meint Ulrich Fechter, der kaufmännische Leiter des Abfallwirtschaftsbetriebs des Kreises. Als Beispiele nennt er die umfassende Wertstofferfassung in den Recyclinghöfen und auf den Grünschnitt-Sammelplätzen. Auch die Papiertonne sei vom Kreis schon frühzeitig eingeführt worden. Was beim Verkauf von Papier und Metallschrott erlöst wird, fließe wieder zurück in den Betrieb und senke damit die Abfallgebühren. Ähnlich ist es beim Sperrmüll, bei dem großer Restmüll vom Altholz getrennt wird. Letzteres macht etwa 60 Prozent aus und kann deutlich kostengünstiger verwertet werden als der Restmüll, der in der Verbrennungsanlage in Stuttgart landet.

Als weitere Faktoren nennt Ulrich Fechter die Deponienachsorge: Hierfür habe man Rücklagen angesammelt, die eine Rendite erwirtschaften – ebenso wie die vorhandene Fotovoltaikanlage. Und nicht zuletzt profitiere der Kreis auch davon, dass mehrere Entsorgungsunternehmen in der Region im Wettbewerb stehen. Zudem wirkten sich die Biomüll-Kooperation mit dem Kreis Böblingen und gute Verträge mit der Müllverbrennungsanlage in Stuttgart positiv aus.

In einigen Bereichen fallen nun aber höhere Kosten an. Neben denen fürs Einsammeln und Entsorgen gehören auch gestiegene Personalkosten dazu. Beim Biomüll wurde der Zeitraum, in dem dieser in der warmen Jahreszeit wöchentlich abgeholt wird, verlängert – auch das macht sich bemerkbar. Zudem stehen Investitionen ins Kompostwerk Kirchheim an, insbesondere in die Lüftungstechnik. Gleichzeitig sinken die Weltmarktpreise für Wertstoffe wie Papier und Altmetall. Alles zusammen sorgt für die Erhöhung im nächsten Jahr. Aber selbst dann zahlt der genannte Musterhaushalt grade mal 7,50 Euro pro Monat für seine gesamte Abfallentsorgung „frei Haus“.  aia / Foto: rr


VVS-Preise steigen im April

Land und Landkreise sind sich nicht über Kostenverteilung für eine Nullrunde einig geworden

Es gibt keine zweite Nullrunde bei den Preisen für den öffentlichen Nahverkehr in der Region Stuttgart. Das steht seit Anfang Dezember fest, nachdem sich das Land und die beteiligten Landkreise nicht über die Aufteilung der Kosten einig wurden. Zum 1. April 2020 werden deshalb die VVS-Tickets teilweise teurer. Das gilt vor allem für Einzelfahrkarten.

Mit der Tarifzonenreform zum 1. April 2019 wurden die Preise für viele Fahrgäste günstiger, teils sogar um 20 bis 30 Prozent. Gleichzeitig hatte der Verkehrsverbund die reguläre Erhöhung ausgesetzt, damit der Kostenvorteil auch wirklich spürbar wurde. Der Erfolg ist klar feststellbar: Seit April sind die Fahrgastzahlen über alle Ticketarten gerechnet um 3,5 Prozent gestiegen. Rechnet man die Dauerkarten für Schüler, Studenten und Senioren, die nicht von der Reform profitiert haben, heraus, ergibt sich sogar eine Steigerung von rund fünf Prozent. Sie fängt einen Teil der Einnahmeausfälle durch die günstigeren Tickets auf, aber nicht alles.

Demgegenüber stehen höhere Kosten bei den Verkehrsunternehmen. Der Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart (VVS) beziffert diese in einer Pressemitteilung auf rund 3.5 Prozent. „Hier sind in erster Linie die Personalkosten zu nennen. Aber auch die Kosten für die Beschaffung neuer Busse und Bahnen sowie den Bau und die Instandhaltung von Bahnanlagen sind gestiegen“, heißt es. Zum Teil baut man auch hier auf weiter steigende Fahrgastzahlen, ein Teil müsse aber über höhere Ticketpreise gedeckt werden. Die Einzeltickets würden deshalb um zehn bis 20 Cent erhöht, die Zeittickets im Schnitt um knapp über zwei Prozent.

Eine Zeit lang hatte es so ausgesehen, als ob die Verbundpartner des VVS sich auf einen Weg ohne Tariferhöhung einigen könnten. Dafür hatten das baden-württembergische Verkehrsministerium und die Stadt Stuttgart plädiert. Allerdings stuften die beteiligten Landkreise das Finanzierungsangebot des Landes als nicht ausreichend ein. Denn sie müssen schon den größeren Teil der Einbußen durch die Tarifreform tragen – das Land unterstützt hier nur mit einem Anteil, der von Jahr zu Jahr sinkt. Die durch die Nullrunde hinzukommende Lücke wäre knapp 9,5 Millionen Euro groß gewesen. Die Landkreise forderten vom Land, dass es dauerhaft 50 Prozent davon trage – wozu es nicht bereit war. Deshalb stimmten die Landkreise und der Regionalverband gegen die Nullrunde. Ein Gesichtspunkt sei auch, dass man neben günstigen Preisen auch für Investitionen und Verbesserungen im Nahverkehr sorgen müsse, betonte Esslingens Landrat Heinz Eininger in diesem Zusammenhang erneut.

Nicht alle Ticketarten sind von der Preiserhöhung betroffen. Ausgenommen sind die Abos für Schüler, Studierende und Auszubildende. Auch Kinderfahrkarten bleiben außen vor, ebenso Tageskarten, weil die sich, so der VVS, immer mehr zum „Basisangebot im Gelegenheitsverkehr“ entwickelten. Der Verkehrsverbund weist außerdem darauf hin, dass seit 1. Januar in 15 weiteren Städten und Gemeinden ein günstiges Stadtticket angeboten wird. Darunter sind Reichenbach, Kirchheim und Plochingen, wo man dann ein Tagesticket für drei Euro erwerben kann.

Doch auch an Kritik für die Erhöhungen fehlt es nicht. Die Diakonie im Landkreis Esslingen hat sich in einer Pressemitteilung gegen teurere Fahrkarten ausgesprochen und sozialverträglichere Tarife gefordert. „Die geplante Fahrpreiserhöhung trifft besonders die Menschen, die sowieso sehr wenig haben und für die Bus und Bahn bereits heute kaum erschwinglich sind“, unterstreichen die diakonischen Träger. Um Menschen, die Hartz IV oder Grundsicherung beziehen, die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen, brauche es „ein Sozialticket wie im Landkreis Göppingen und Stuttgart oder ein 365-Euro-Ticket für das ganze Jahr“.  aia / Foto: dpa


CAP übernimmt Nahversorgung

Nachfolger für „Treff 3000“ in Köngen und in Denkendorf gefunden – Bonus will einige Cap-Märkte übernehmen

Die Umstrukturierung der Cap-Märkte im Landkreis Esslingen  hatte sich in den vergangenen Monaten bereits angedeutet. Die Märkte haben  zum Jahresende geschlossen, um im Frühjahr wieder unter neuer Trägerschaft zu öffnen. Dann zum Teil auch unter anderem Namen – und  wenn die Ladenbesitzer dem zustimmen.

Es wird aber auch neue Cap-Märkte im Kreis geben: In Köngen und in Denkendorf  hatten bis zum Sommer zwei Märkte der Sparte „Treff 3000“ die örtliche Nahversorgung bedient, dann machten sie dicht. Nun sollen im Februar beziehungsweise April   in den Gemeinden Cap-Märkte in den ehemaligen „Treff“-Räumen   eröffnen – in Trägerschaft der Firma Nintegra gGmbH.

„Die intensive Suche nach einem Nachfolgemarkt für unsere Köngener Ortsmitte war erfolgreich“,  freut sich Bürgermeister Otto Ruppaner. Man habe gemeinsam mit dem Eigentümer konstruktiv und zielführend zusammengearbeitet und habe mit der Nintegra gGmbH einen kompetenten und strategischen Partner finden können. Auch im Köngener Cap-Markt  werden behinderte und nicht behinderte Menschen zusammen arbeiten. Die Ware liefert Edeka.

„Der Cap-Markt schließt die Versorgungslücke, jetzt müssen die Bürger ihn auch annehmen“, sagt Ruppaner. Einen Zuschuss werde die Gemeinde jedoch nicht zahlen, so der Bürgermeister. Über eine angefragte Ausfallbürgschaft müsse der Gemeinderat entscheiden.

In Denkendorf übernimmt ebenfalls die Nintegra  den verlassenen „Treff 3000“ in der Berkheimer Straße. Der Cap-Markt dort soll im April öffnen. Die Gemeinde Denkendorf gewährt der Nintegra  für die Eröffnung des Marktes einen  Investitionszuschuss in Höhe von 150 000 Euro und bürgt für weitere 100 000 Euro zur Absicherung eines Darlehens zur Beschaffung der Erstausstattung. Die Betreiberin wiederum sichert zu, den Lebensmittelmarkt zehn Jahre zu betreiben, andernfalls bei vorzeitiger Betriebsaufgabe den Investitionszuschuss anteilig zurückzubezahlen. „Bitte kaufen Sie ein“, sagt   Denkendorfs Bürgermeister Ralf Barth. „Nur wenn die Bürgerinnen und Bürger den Markt annehmen, wird er dauerhaft bestehen bleiben und wirtschaftlich betrieben werden können.“

Die Cap-Märkte in Ötlingen, Notzingen, Neuhausen und Leinfelden-Echterdingen sind geschlossen.   In Neuhausen und Ötlingen ist geplant, ab Februar/März Märkte unter dem Namen „Bonus“ zu eröffnen. Der  Markt im Leinfelden-Echterdinger Stadtteil Stetten soll etwas später  und dann auch als „Bonus“ an den Start gehen. Die Namensänderung ist Ausdruck der geänderten Trägerschaft. Für die Kunden soll sich zunächst nicht allzu viel ändern: Die Ware käme künftig statt von Edeka von Rewe.

Nachdem sich die Filderwerkstatt aus dem Betrieb der Lebensmittelgeschäfte zurückgezogen hat, will die Gemeinnützige Gesellschaft für Schulung und berufliche Reintegration  (SBR) mit Sitz in Stuttgart den Betrieb übernehmen. Deren Geschäftsführer Manfred Kaul kündigt an, alle Mitarbeiter übernehmen zu wollen. Doch es gibt offene  Fragen: Kaul berichtet von den  reibungslosen Vertragsverhandlungen mit der Filderwerkstatt zur Übernahme der Märkte. „Doch erst danach konnten  wir mit den Hauseigentümern in Verhandlungen treten“, gibt Kaul zu bedenken.  Da gehe es um Mieten, Pachten, aber auch um die Vorstellungen der Immobilienbesitzer über die Nachfolge. „Das wird sich erst im  Januar entscheiden“, sagt Kaul. Die SBR betreibt im Raum Stuttgart mehrere „Bonus-Märkte“, im Kreis Esslingen beispielsweise in Ostfildern-Ruit und in Esslingen-Sulzgries.  bob / Foto: bob


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Immer mehr Schulen führen ein Verbot von Jogginghosen ein. Der Schlabber-Look sei nicht angemessen für den Schulunterricht. Finden Sie das gut?

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Sanierungsfall

Das Kirchheimer Baudenkmal Kornhaus wird umgestaltet – Fertigstellung voraussichtlich 2024

Das fast 480 Jahre alte Kornhaus der Stadt Kirchheim weist erhebliche Schäden in der Bausubstanz auf. Zudem sind die Mängel beim Brandschutz so gravierend, dass  Ausstellungsräume des Stadtmuseums geschlossen werden mussten. Nun soll das Haus grundlegend saniert und umgebaut werden. Für das Projekt sind vorläufig fünf Millionen Euro eingeplant. Die ersten Arbeiten sollen in etwa einem Jahr beginnen, mit einer Fertigstellung ist nicht vor 2024 zu rechnen.

Der historische Getreidespeicher der Stadt Kirchheim wurde im Jahr 1541 erbaut und überlebte als eines der wenigen Häuser innerhalb des Mauerrings den Stadtbrand im Jahr 1690. Immer noch steht das Kornhaus wuchtig und trutzig da, doch der Zahn der Zeit hat am Gebäude genagt. Bereits vor einiger Zeit hat ein Gutachten schwere Schäden an der Bausubstanz aufgezeigt. Zudem sind die Mängel am Brandschutz so groß, dass es faktisch kaum mehr öffentlich nutzbar ist. So musste etwa die Dauerausstellung des Stadtmuseums in den Obergeschossen aus Sicherheitsgründen geschlossen werden. Zudem ist die Haustechnik völlig veraltet.

Bald wird das Baudenkmal daher vom Gewölbekeller bis zum Dach saniert und umgebaut. Aus einem Architektenwettbewerb ist im Mai das Stuttgarter Büro Cheret Bozic Architekten als Sieger hervorgegangen. Dessen Entwurf hatte den Gemeinderat überzeugt, da er, wie Bürgermeister Günter Riemer im vergangenen Juli begründete, mit dem historischen Gebäude „feinfühlig“ umgehe und die Umgestaltung als „denkmalgerechtes Weiterbauen“ verstehe.

Dabei wird das Kornhaus sein Gesicht stark verändern. Die Arkaden zur Fußgängerzone hin werden deutlich kleiner, der Haupteingang wandert zur Westseite hin. Am stärksten wird sich die Umgestaltung auf der Nordseite zum Martinskirchplatz hin auswirken. Dort besteht die Fassade derzeit nur aus Mauerwerk und einigen Fenstern. Dies wollen die Architekten dahingehend ändern, dass die Fassade einige Meter nach innen rückt und statt Steinen eine Glasfront das Gebäude abschließt. Davor soll eine zweite Glasfront zum Platz hin eingebaut werden. Beide Glaswände können geöffnet werden, sodass entweder die Erdgeschossfläche des Hauses nach außen vergrößert oder aber der Platz nach innen erweitert werden können.

Auch im Inneren soll sich einiges tun. Der Gewölbekeller wird wieder in Gänze nutzbar gemacht. Dafür werden der Technikraum und die Heizung in einen neuen Keller, der noch ausgegraben werden muss, ausgelagert. Zudem wird eine Fluchttreppe eingebaut. Somit kann der Keller wieder als Ausstellungsraum genutzt werden. Für die Obergeschosse wird ein zweites Treppenhaus eingebaut, sodass auch da Fluchtmöglichkeiten im Brandfall bestehen. Im Dachgeschoss planen die Architekten einen großen Raum für Veranstaltungen. Auch der Gemeinderat soll dort künftig tagen. Für den Saal muss eine Zwischendecke entfernt werden. Das gesamte Projekt wird nicht zum Schnäppchenpreis zu haben sein. Derzeit sind fünf Millionen Euro im Haushalt eingestellt, eine verlässliche Kostenberechnung wird wohl erst in der zweiten Jahreshälfte 2020 stehen.

Denkmalschutz beachten

Laut Dennis Koep, dem Pressesprecher der Stadt Kirchheim, wird der Baubeschluss noch eine Weile auf sich warten lassen, da die Stadt von der denkmalschutzrechtlichen Genehmigung durch das Regierungspräsidium Stuttgart abhängig ist. „Frühjahr 2021 ist realistisch“, sagt Koep. So werde voraussichtlich im Herbst/Winter 2021 mit der Sanierung des Holztragwerks begonnen. „Mit einer Fertigstellung kann frühestens Ende 2023, eher 2024 gerechnet werden“, sagt Koep.  pst / Foto:Stadt Kirchheim


Gemeinsam und schwungvoll ins neue Jahr

Läufe zum Jahreswechsel in Esslingen, Kirchheim, Reichenbach und Leinfelden

Sportlich und stimmungsvoll kann man das alte Jahr ausklingen lassen und dann auch gleich das neue beginnen. In Esslingen und Reichenbach sind an Silvester beschauliche Fackelzüge angesagt, in Kirchheim geht’s sportlich-ambitioniert auf die Teck. Und damit gute Vorsätze keinesfalls in Vergessenheit geraten, lädt die LG Filder gleich am Neujahrstag zu einem Zehn-Kilometer-Lauf ein.

Esslingen

Beim Esslinger Silvester-Fackellauf lockt ein buntes Rahmenprogramm auf die Esslinger Höhe beim Dulkhäusle. Je nach Wetterlage werden rund 3000 Kinder und Erwachsene erwartet. Veranstaltet wird das Event am letzten Tag des Jahres von der Turnerschaft Esslingen, dem Aero-Club und dem DRK Esslingen. Weitere Vereine und Institutionen unterstützen es, unter anderem der Hockeyclub, die DLRG-Jugend, der Aikido Club oder der Kleingartenverein. Alle sind ehrenamtlich für den guten Zweck im Einsatz. „Die Vereine verdienen nichts dran“, betont Martin Schietinger von der Turnerschaft, der neuer Hauptorganisator des Ganzen ist. Aus den Einnahmen werden die Kosten gedeckt, der Rest geht an die Weihnachtsspendenaktion der Eßlinger Zeitung.

Schon um 15.30 Uhr beginnt am 31. Dezember das Programm mit dem Verkauf von Fackeln, Kinderpunsch, Glühwein, Würstchen und mehr. Auf Holztalern kann man Wünsche notieren und diese in der Hoffnung auf Erfüllung in eins der großen Feuer werfen. Der Fackelzug startet um 17 Uhr auf seine Runde mit fantastischer Aussicht auf die Lichter im Tal. Er zieht sich über zweieinhalb Kilometer auf dem Esslinger Höhenweg hin. Zur Belohnung für den Fußmarsch erwartet die Kinder, die dabei sind, an der Strecke eine kleine Überraschung. Für Rollstuhlfahrer, Kinderwagenschieber und alle, die gern eine kürzere Strecke hätten, empfiehlt sich die Abkürzung: Auf ihr ist der Weg etwa halb so lang und durchgehend befestigt.

Auch Shuttlebusse werden wieder eingesetzt: Der Stadtverkehr Esslingen fährt zwischen 15 und 16.15 Uhr von der Fleischmannstraße aus aufs Jägerhaus, die Firma Schlienz sorgt für zwei Zubringer-Busse aus Aichwald, jeweils um 15.45 Uhr ab Schanbach Kreisverkehr und ab Aichelberg Holl. Rückfahrt ist dann jeweils um 18 Uhr.

Kirchheim

In Kirchheim wird die Teck im Laufschritt erobert, Start des Silvesterlaufs, organisiert vom Lauftreff, ist um 15 Uhr am Rathaus. Die Teilnehmer sollten die 18-Kilometer-Strecke auf die Teck und wieder zurück, inklusive der 464 Höhenmeter, „locker im Griff haben“; es sind also ambitionierte Sportlerinnen und Sportler angesprochen. Die Strecke verläuft über Dettingen und den Parkplatz Hörnle nach oben und nach kurzer Pause wieder zurück nach Kirchheim. Am Gaiserplatz stoßen Fackelläufer zur Gruppe und begleiten sie zum Rathaus, während das Publikum die Läuferinnen und Läufer mit Beifall begrüßt und anfeuert.

Trotz der sportlichen Herausforderung verzichtet der Silvesterlauf auf eine Zeitnahme ebenso wie auf Anmeldung und Startgeld. Die Besonderheit des Laufs liege im gemeinsamen Erleben und im stimmungsvollen Schlusseinlauf mit Fackelträgern in der Stadt, sagt Organisator Alexander Rehm. Erwartet werden 500 bis 600 Teilnehmer. Für Spenden sind die Organisatoren dankbar, zumal wegen zunehmender Auflagen auch die Kosten steigen.

Reichenbach

Bei der Feuerwehr sind Fackelträger richtig. Die Reichenbacher Lösch- und Rettungstruppe hält seit 2017 den Silvesterbrauch in Reichenbach am Leben, sie hat den Fackellauf von der damaligen URB und dem DRK übernommen. Start ist am Feuerwehrhaus in der Blumenstraße, Zielrichtung das Freibad. Der Zug marschiert über die Sainte-Savine-Brücke, im Dunkeln die Fils entlang und wieder zurück, insgesamt rund drei Kilometer. Schon ab 16 Uhr gibt es am Feuerwehrhaus Glühwein und Punsch, Rote und andere Würste sowie Fackeln zum Kaufen. Den Erlös aus der Veranstaltung kann die Feuerwehr für ihre Jugendarbeit gut gebrauchen.

Leinfelden

Die Sportler von der LG Filder lassen keine Zeit verstreichen, gleich am Neujahrstag werden bei ihnen wieder die Laufschuhe geschnürt. Start des Laufs am 1. Januar ist um 14 Uhr in der Hagenbuchallee in Leinfelden, von wo aus auf einer Strecke von rund zehn Kilometern die keltische Viereckschanze umlaufen wird. Im Zieleinlauf warten Kinderpunsch und Weihnachtsstollen. Für die Gesamtsieger gibt es Torten, außerdem in allen Altersklassen Urkunden für die Plätze eins bis drei. Das Startgeld beträgt zehn Euro, Nachmeldungen sind bis 30 Minuten vor dem Start möglich. Die Ausschreibung ist unter www.lg-filder.de zu finden. „Der Lauf ist familiär, einfach ein guter Start ins neue Jahr mit etwas Sport, aber ohne krampfhaft einer Zeit hinterherzuhetzen“, sagt Organisator Florian Mertens.  aia/Foto: bul


Eine Stadt und ihr Dichter

Nürtingen feiert den 250. Geburtstag von Friedrich Hölderlin – Zehnmonatige Veranstaltungsreihe

Im kommenden Jahr wird der 250. Geburtstag des Dichters Friedrich Hölderlin gefeiert. Die Stadt Nürtingen, Heimatstadt Hölderlins, feiert und ehrt den Dichter zwischen Februar und November mit einer Veranstaltungsreihe, bei der dem Leben und der Bedeutung  Hölderlins nachgespürt wird.

Johann Christian Friedrich Hölderlin, geboren am 20. März 1770 in Lauffen am Neckar, zählt zu den bedeutendsten Lyrikern seiner Zeit. In Nürtingen wuchs Hölderlin auf, in späteren Jahren kam er immer wieder in die Stadt zurück. Bis zu seinem Tod am 7. Juni 1843 in Tübingen besaß er das Nürtinger Bürgerrecht. Um den 250. Geburtstag Hölderlins im kommenden Jahr angemessen zu feiern, hat die Stadt Nürtingen unter der Federführung des Kulturamts gemeinsam mit mehr als 20 Kultur- und Bildungseinrichtungen eine Veranstaltungsreihe aufgelegt, die zwischen Februar und November die verschiedenen Facetten des Dichters beleuchten will.

„Alle Beteiligten haben sich mit großem Engagement an die Sache gemacht. Herausgekommen ist eine Reihe mit sehr unterschiedlichen Formaten, mit Angeboten für Kinder, mit Rezitationen und Lesungen, Vorträgen, Ausstellungen und Konzerten“, erzählt Jutta Ortelt vom Kulturamt der Stadt. Als „zentraler Schwerpunkt“ des Hölderlin-Jahrs könne das Projekt des Theaters Lindenhof in der Kreuzkirche betrachtet werden. Dabei unternimmt die Truppe ab 20. Mai in zehn Vorstellungen eine Annäherung an Hölderlin mit Musik. Vier Schauspieler und zwei Musiker bitten das Publikum an einen großen Tisch, um  Werk und Person Hölderlins zu betrachten. „Man wird Hölderlin dabei neu begegnen, denn es werden Bögen in das gesellschaftliche Heute geschlagen“, sagt Ortelt.

Ausstellung im Bürgersaal

Den Auftakt der Reihe bestreitet der Schriftsteller Rüdiger Safranski am 6. Februar mit der Lesung aus einer Biografie Hölderlins, die er jüngst vorgelegt hat. Vom 13. Februar bis 20. März ist im Bürgersaal des Rathauses eine Wanderausstellung mit Bildern der Fotojournalistin Barbara Klemm zu sehen. Sie hat Schauplätze aus Werken des Dichters fotografiert, die Hölderlin geprägt haben. „Wir sind die erste Station der Ausstellung, und darauf sind wir sehr stolz“, sagt Ortelt. Die VHS Nürtingen und das Kino Traumpalast präsentieren vom 10. bis 17. Mai „ein kleines und feines Filmfestival“, kündigt Ortelt an. Dabei sind auch alle Filme der Hölderlin-Tetralogie des Regisseurs Harald Bergmann zu sehen. Außerdem wird eine neue Produktion des Regisseurs Rolf Lambert gezeigt, die zum Hölderlin-Jahr gedreht wurde.

Das Nürtinger Hölderlin-Gymnasium feiert 2020 sein 50-jähriges Bestehen. Am 20. März zeigt das Gymnasium zu Hölderlins Geburtstag in der Stadthalle eine musikalisch-theatrale Geburtstagsrevue und damit „den Blick junger Menschen auf Hölderlin“, wie  Ortelt sagt. Das Sinfonieorchester des Gymnasiums lässt am 18. Juli in der Stadthalle die Zeit Hölderlins musikalisch aufleben.

Harald Schmidt bei Orgelnacht

Am 16. Juni referiert Jörg Robert, Professor für Germanistik und Literaturgeschichte an der Uni Tübingen, über die europäische Kultur in Hölderlins Lyrik. Darin findet sich die höchst aktuelle Vision Hölderlins zur kulturellen Identität und zum zivilisatorischen Fortschritt in Europa, die nur durch Migration und Kulturtransfer erreicht werden könne. Mitglieder der Musik- und Jugendkunstschule präsentieren vom 16. bis 18. Oktober ein „Hölderlin-Happen’ing“. In einer Revue zum Dichter begegnen sich unterschiedliche Spielarten der Kunst wie Musik, Tanz, Theater und Zirkus. Auch der bekannte Nürtinger Schauspieler und Entertainer Harald Schmidt wird Hölderlin würdigen. Bei der Orgelnacht am 24. Oktober in der Pfarrkirche St. Johannes liest er zu musikalischer Begleitung aus Texten des Dichters.  pst/Foto: pst

Info: Das ausführliche Programm liegt aus und ist unter www.nuertingen.de/hoelderlin2020 erhältlich.


Viele Beschwerden, eine Resolution

Sieben Gemeinden fordern besseren Lärmschutz seitens des Flughafens

Vom Flughafen Stuttgart darf nicht mehr Lärm ausgehen als im Jahr 1978: Das ist in seiner Betriebsgenehmigung festgeschrieben. Das werde „sehr gut eingehalten“, schreibt der Lärmschutzbeauftragte des Airports in seinem Jahresbericht 2018. Gleichzeitig sehen sich die Gemeinden nordöstlich der Start- und Landebahnen zunehmend von Fluglärm belästigt. Sie haben gemeinsam eine Resolution verabschiedet.

Schon im April dieses Jahres hat der Gemeindeverwaltungsverband Plochingen-Altbach-Deizisau das gemeinsame Papier verfasst, dem sich inzwischen mehrere Nachbarkommunen angeschlossen haben. Denn die Bürger nehmen die Entwicklung beim Fluglärm anders wahr als dies im Jahresbericht und in der aktuellen Überprüfung des Flughafen-Lärmaktionsplans von 2014 steht. Das zeigt auch die Zahl der Beschwerden, die sich im Jahr 2018 mehr als verdoppelt hat. Ein Grund dafür könnte sein, dass die offiziellen Messwerte laut Vorschrift zu Mittelwerten über mehrere Stunden verrechnet werden. Wahrgenommen werden von den Menschen aber vor allem die Spitzenwerte, also einzelne, laute Flieger, besonders in der Nacht.

Im Jahr 2018 ist zudem zum ersten Mal seit 2009 die Zahl der Flugbewegungen in Stuttgart wieder angestiegen, bei der Zahl der Passagiere wurde ein  Rekord erreicht. Hinzu kam, dass mehr Flugzeuge als in anderen Jahren in östlicher Richtung starteten. Es waren gut 50 Prozent, also rund zehn Prozent mehr als im langjährigen Mittel. Grund dafür ist nach Angaben des Flughafens, dass überdurchschnittlich häufig Ostwind wehte und Flugzeuge mehr Auftrieb bekommen, wenn sie gegen den Wind starten. Insgesamt gingen 1233 Beschwerden ein, das waren 55 Prozent mehr als 2017. Der Lärmschutzbeauftragte weist allerdings darauf hin, dass allein drei Personen, die er „Dauerbeschwerdeführer“ nennt, mehr als 30 Prozent der Beschwerden ausmachten. Und dass sich im warmen Sommer 2018 die Menschen mehr im Freien aufgehalten und damit die Flugzeuggeräusche stärker wahrgenommen hätten.

Häufigster Beschwerdegrund waren mit 287 Nennungen die Nachtflüge. Dabei gelten seit 2014 Nachtflugbeschränkungen: Gestartet werden darf von 6 bis 23 Uhr, gelandet werden noch eine halbe Stunde später. Aber es gibt Ausnahmen: wenn Flugzeuge verspätet sind, bei medizinischen Notfällen oder aber für Nachtluftpostflüge der Deutschen Post. Außerdem gelten die Regeln lediglich für den zivilen Luftverkehr; Militärmaschinen oder Hubschrauber sind davon ausgenommen.

Den Gemeinden, die die Resolution unterzeichnet haben, ist das zu viel. Sie fordern, das Nachflugverbot strikt einzuhalten und in den Übergangsstunden die Gebühren für lautere Maschinen weiter zu erhöhen. Erlöse aus diesen Gebühren sollen unmittelbar für Lärmschutzmaßnahmen am Flughafen und bei direkt betroffenen Anliegern eingesetzt werden. Weiterhin sollen die Nachtflüge gerecht auf beide An- und Abflugrichtungen verteilt werden, denn gerade von den Postflügen sehen sich die Unterzeichner-Kommunen besonders betroffen.

„Keine zweite Startbahn“

„Wir lehnen alle Ausbaupläne des Flughafens zur Ausweitung des Flugbetriebes ab. Insbesondere sind die Überlegungen zum Bau einer zweiten Startbahn endgültig aufzugeben“, heißt es in der Resolution. Dass mittlerweile viele leisere Flugzeuge unterwegs sind, bewerten sie positiv – an diesen Stand der Technik müssten aber die Grenzwerte angepasst werden. Den Referenzwert von 1978 halten die Gemeinden für überholt. Unterschrieben haben die Resolution neben Plochingen, Altbach und Deizisau auch die Schurwaldgemeinden Baltmannsweiler und Lichtenwald, ebenso Wernau und Esslingen.  aia / Foto: Menner/Flughafen Stuttgart