Tödliche Ablenkung

Bei bundesweiter Aktion kontrolliert die Polizei auch am Oberesslinger Bahnhof – Handysünder und Gurtmuffel im Visier

Das Handy piept, eine neue Nachricht. Nur mal schnell schauen, wer da was von einem will. Keine gute Idee, wenn man dabei am Steuer eines Fahrzeugs sitzt. Denn die Ablenkung kann tödlich sein. Mit der bundesweiten Aktion „sicher.mobil.leben“ nahm die Polizei vergangenen Donnerstag Handysünder ins Visier – auch in Esslingen.

Am Bahnhof Oberesslingen hat das Team des Reutlinger Polizeipräsidiums Stellung bezogen. Zwei Stunden lang werden die elf Beamten  den Verkehr kontrollieren. Erstmals geht die Polizei in einer konzertierten bundesweiten Aktion gegen Ablenkung am Steuer vor. Allein in den Landkreisen Esslingen, Reutlingen und Tübingen sind für diese Aktion rund 1000 Beamte im Einsatz.

Der Schwerpunkt der Aktion liegt auf der Nutzung technischer Geräte während der Fahrt. Mit der Aktion wollen die Beamten dafür sensibilisieren, dass der Griff des Fahrers zum Telefon oder das Eintippen von Adressen in das Navigationsgerät mitunter tödlich enden kann. „Nur drei Sekunden Ablenkung – zum Beispiel durch das Mobiltelefon – verlängert bei Tempo 50 den Anhalteweg von 27 auf satte 69 Meter“, klärt Polizeihauptkommissar Steffen Litschko auf.

Dass Aufklärung Not tut, zeigt der Blick in die Statistik: Jeder fünfte Verkehrstote auf deutschen Straßen geht auf das Konto von solchen Ablenkungen. Dennoch lassen viele nicht die Finger von ihren Geräten. Allein im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Reutlingen – der umfasst die Landkreise Esslingen,  Tübingen und Reutlingen – wurden im vergangenen Jahr mehr als 7300 sogenannte Handyverstöße zur Anzeige gebracht. „Das ist eine Zunahme von 5,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr“, sagt Martin Raff von der Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit beim Polizeipräsidium Reutlingen.

Vier Beamte hat Einsatzleiter Polizeikommissar Barthold etwas die Straße rauf postiert, die den Verkehr auf der Ulmer Straße ins Visier nehmen. Entdecken sie einen Autofahrer mit Handy am Ohr oder jemanden ohne Gurt, melden sie das an den Kollegen an der Kontrollstelle. Lange muss das Team nicht warten, da signalisiert Polizeimeisteranwärter Ulmer schon der ersten Kandidatin mit der Kelle, in die Haltebucht abzubiegen. Schmallippig hört sich die Frau die Ansprache der beiden Beamten an. Für sie gibt es ein saftiges Bußgeld: 100 Euro. Und auch einen Punkt in der Verkehrssünderkartei kostet sie der Anruf ihrer Freundin, den sie während der Fahrt entgegengenommen hat. Wäre es währenddessen zu einer Gefährdung gekommen, würde die Strafe nochmals deutlich höher ausfallen: 150 Euro plus zwei Punkte in Flensburg sowie ein Monat Fahrverbot würden dann verhängt. Geht der Verstoß mit Sachbeschädigung einher, klettert das Bußgeld laut aktuellem Katalog auf 200 Euro.

Die Handyverstöße sind im Rahmen der Kontrolle in Oberesslingen erfreulich niedrig. Insgesamt erwischen die Polizisten in den zwei Stunden sieben Autofahrer mit dem Telefon in der Hand.  Erschreckend hoch ist die Quote derjenigen, die sich im Wagen nicht anschnallen. Selbst solche sind darunter, die es eigentlich von Berufs wegen besser wissen müssen: Ausgerechnet ein Busfahrer außer Dienst tappt in die Kontrolle. 13 Mal verhängen die Beamten ein Bußgeld wegen Gurtverstoßes, einmal ist auch der Nachwuchs an Bord nicht ausreichend gesichert.

Die meisten zeigen sich bei der Kontrolle einsichtig. „Man weiß ja eigentlich, dass man das nicht darf“, sagt einer der Kontrollierten. Und 100 Euro weniger im Geldbeutel tun den meisten richtig weh. „Nachhaltig wirkt es, wenn die Leute bezahlen müssen – oder selbst Opfer werden“, weiß Polizeikommissar Litschko aus Erfahrung.

Wie schnell man jedoch in alte Verhaltensmuster zurückfällt, zeigt ein Vorfall am Rande der Kontrolle: Da rangiert ein Fahrer, der wegen fehlenden Gurts herausgewunken wurde, vor den Augen der Polizei sein Fahrzeug mit dem Handy am Ohr zurück. Die Standpauke, die folgt, wird er so schnell nicht vergessen.  mo / Foto: mo


Doppeltes Jubiläum

200 Jahre Volksfest und 100 Jahre landwirtschaftliches Hauptfest in Stuttgart

In diesem Jahr wird in Stuttgart ein Doppeljubiläum gefeiert: 200 Jahre Cannstatter Volksfest (vom 28. September bis 14. Oktober) und das 100. landwirtschaftliche Hauptfest (vom 29. September bis 7. Oktober). Neben der Doppelveranstaltung auf dem Cannstatter Wasen erwartet die Besucher noch ein historisches Volksfest auf dem Stuttgarter Schlossplatz.
Erstmals gefeiert wurde das Volksfest im Jahre 1818. Gedacht als „jährlich am 28. September zu Kannstadt abzuhaltendes landwirtschaftliches Fest“ – so hat es der damalige württembergische König Wilhelm I verfügt. Der Auslöser dafür war dramatisch: Auf der indonesischen Insel Tambora war im Jahr 1815 der Vulkan Tambora explodiert. Gase und Staub bedeckten den Himmel, verdunkelten die Sonne und sorgten in der Folge für Missernten und Hungersnöte.
Das erste Jahr danach mit einer guten Ernte wollten der König und seine Frau Katharina Powlowa feiern, beziehungsweise den Bürgern ein Fest spendieren. Das landwirtschaftliche Hauptfest mit dem Symbol der Fruchtsäule war geboren. Zunächst jährlich oder zweijährlich, findet es derzeit alle vier Jahre statt.
Mit einem historischen Volksfest vom 26. September bis 3. Oktober auf dem Schlossplatz lässt die Stadt Stuttgart zusammen mit dem Land die vergangenen Zeiten aufleben. Die Alleen dort verwandeln sich in historische Kirmes-Promenaden des 19. und 20. Jahrhunderts. Es entsteht ein Schausteller-Rummel, der die Besucher in die Vergangenheit entführen soll – mit Artisten, Gauklern, Quacksalbern, Orgelspielern und traditionellen Fahrgeschäften wie den Schiffschaukeln oder „Hau den Lukas“. Ein Handwerkermarkt und ein traditioneller Krämermarkt ergänzen das Programm.
Die Universität Hohenheim – auch sie entstand infolge der Tambora-Katastrophe – beteiligt sich mit einer Ausstellung. Das Deutsche Landwirtschaftsmuseum der Uni zeigt die landwirtschaftlichen Entwicklungen der vergangenen 200 Jahre. Zu sehen ist die Ausstellung vom 26. September bis 3. Oktober auf dem Schlossplatz. Zum Doppeljubiläum kommt ein 0-Euro-Schein mit entsprechendem Logo auf den Markt. Zu sehen sind darauf die Fruchtsäule als Wahrzeichen des Volksfests, ein Bündel mit Getreideähren, ein Bauer mit Tieren, das Riesenrad und Luftballons. Die Auflage umfasst 10 000 Exemplare. red/bob / Foto: Thomas Niedermüller

Info: Volksfest auf dem Wasen: 28. September bis 14. Oktober; landwirtschaftliches Hauptfest: 29. September bis 7. Oktober; historisches Volksfest auf dem Schlossplatz: 26. September bis 3. Oktober. Den 0-Euro-Schein gibt es über www.shop.wasen.de (Kosten: 2 Euro zuzüglich 2,90 Euro Versandgebühr). Mehr unter www.cannstatter-volksfest.de.


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„Trauben wie gemalt“

Wengerter im Landkreis freuen sich über ein gutes Weinjahr

Trifft man dieser Tage  Wengerter aus dem Landkreis Esslingen, so  sieht man nur strahlende Mienen: Das  Weinjahr 2018 wird ein gutes. Viel Sonne und  langanhaltende Wärme   sowie das  gänzliche Fehlen von starkem Regen oder gar Hagel lassen die Weinbauern auf einen Spitzenjahrgang hoffen.  Mancherorts hat die Lese auch bereits begonnen – etwas früher als gewöhnlich.

So wie bei der Weingärtnergenossenschaft Hohenneuffen-Teck, wo  die Lese in der vergangenen Woche begonnen hat. Deren Geschäftsführerin Christine Anhut schwärmt von den „schönen Trauben, gut versorgten Reben“: Alles sehe sehr gut aus. Für die Hohenneuffener war der gute Zustand der Reben  auch kein  Grund, weit im Voraus die Lese zu beginnen wie mancherorts.

 „Wir hatten auch weniger Wassermangel zu beklagen, wenn es geregnet hat, haben wir genug abbekommen“, sagt Anhut und verweist auf die üppige Vegetation in der Umgebung: „Alles ist schön grün.“  Auch die Kirschessigfliege habe in diesem Jahr  keine Rolle gespielt, es sei ihr wohl zu heiß gewesen. Anhut und ihre Kollegen erwarten eine große Menge an aromatischem Wein. Die derzeitig  warmen Tage und die kühleren Nächte trügen zur geschmacklichen Verfeinerung bei. Und mit kräftigen Oechslegehalten  rechnet Anhut auch. Die Wengerter der Genossenschaft  laden zum letzten Weinausschank im Neuffener Weinberg  am 7. Oktober ein.  

„Das sind Trauben wie gemalt in diesem Jahr“, schwärmt Ramona Fischer, die Geschäftsführerin der  Esslinger Weingärtnergenossenschaft. Zwar haben die Esslinger eine Woche früher mit der Lese begonnen als üblich, aber große Eile war nicht angesagt. „Die Trauben stehen wunderbar da“, sagt sie. „Prall  und gesund. Da kann man noch warten.“ Fischer sagt, sie habe eine Wette laufen, dass am 15. Oktober noch gelesen werde. „Gerade der Trollinger braucht noch Zeit.“ 

Die Esslinger würden  auch gerne noch ein wenig von kühlen Nächten und moderater Feuchtigkeit in Form von Landregen  profitieren. Die weißen Trauben brauchen nämlich noch Säure. Fischer spricht auch von der „physiologischen Reife“ der Früchte. Die natürliche Reife einer Traube zeige sich unter anderem an der Entwicklung ihres Kerns.

„Dieser Reifegrad hat große Bedeutung für die Stabilität des späteren Weins“, sagt Fischer. Besonders im Ausbau zu etwas edleren Tropfen sei das wichtig. 

Fischer erwartet auch gute  Mengen: „ Wir rechnen mit einer Million Kilo Trauben, das ist ein guter Herbst, wohingegen die letzten Jahre eher unterdurchschnittlich waren.“ Die Menge der Trauben erlaube überdies eine großzügige Auslese.

Auch an den Hängen der Limburg wird seit einigen Tagen bereits gelesen. Werner Kauderer, der Vorsitzende der Weilheimer Weinbergbesitzer, erwartet einen sehr guten Jahrgang. Wie  viele seiner Kollegen vergleicht er den aktuellen Jahrgang mit dem des Ausnahmesommers  2003. bob/Foto: dpa


Für den Frieden

Am Internationalen Friedenstag läuten auch im Landkreis Esslingen Glocken – Gebete und ökumenische Gottesdienste

Anlässlich des Internationalen Friedenstags am 21. September werden erstmals in der Geschichte europaweit kirchliche und säkulare Glocken gemeinsam läuten und damit ein starkes Zeichen des Friedens senden. In Deutschland haben der Deutsche Städtetag, der Deutsche Städte- und Gemeindebund, das Kulturbüro der Evangelischen Kirche Deutschland, das Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken und das Deutsche Nationalkomitee für Denkmalschutz dazu aufgerufen, sich am Freitag, von 18 bis 18.15 Uhr, am gemeinsamen europäischen Glockenläuten zu beteiligen. Mit dem Läuten soll an das Ende des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren und an Anfang und Ende des 30-jährigen Kriegs erinnert werden. Auch im Landkreis Esslingen finden Aktionen für den Frieden statt.
In Wernau läuten fünf Glocken: die der St. Magnus Kirche, der St. Erasmus- Kirche, der Maria- Hilf- Kapelle, der Johanneskirche und die des katholischen Jugend- und Tagungshauses. Sowohl Pfarrer Felix Thome für die Katholische Gesamtkirchengemeinde als auch Pfarrer Ulf Schlimper für die Evangelische Kirchgemeinde Wernau haben ihre Teilnahme zugesichert.
In Esslingen beteiligen sich Evangelische und Katholische Kirche mit Geläut und Aktionen am Gedenktag. So gibt es einen Gottesdienst in der Krypta der katholischen Kirche St. Albertus Magnus in Oberesslingen, außerdem ein ökumenisches Friedensgebet auf dem Marktplatz in der Stadtmitte. Die Liturgen sind in St. Albertus Pfarrer Reinhard Walzer und Pastoralreferent Uwe Schindera, auf dem Marktplatz Pfarrerin Cornelia Krause und das Friedensteam des Evangelischen Kirchenbezirks Esslingen. „Es beginnt mit dem Läuten der Glocken um 18 Uhr“, schildert Cornelia Krause den Ablauf des Friedensgebets auf dem Marktplatz. Texte zum Thema werden gelesen, das Versöhnungsgebet wird gesprochen. „Auch das Nagelkreuz von Coventry wird gezeigt“, erklärt Krause. Das Kreuz, aus Nägeln geschaffen, erinnert an die Zerstörung der englischen Stadt Coventry und der dortigen Kathedrale im Jahr 1940 durch die deutsche Luftwaffe. Das Nagelkreuz aus den Trümmern wurde ein Friedenssymbol. Kirchen können Mitglied in der Nagelkreuzgemeinschaft werden.
So wie der Evangelische Kirchenbezirk Esslingen, der als erster Kirchenbezirk Mitglied der Nagelkreuzgemeinschaft geworden ist und seitdem zwei Kreuze aus Nägeln besitzt. Eines der beiden Kreuze hat einen festen Platz in der Stadtkirche, das andere soll als „wanderndes Kreuz“ bei Friedensgottesdiensten und ähnlichen Aktionen dabei sein – so wie am kommenden Freitag am Marktplatz.
Glockenläuten auch in Neuhausen: Um 18 Uhr beginnen die Glocken der katholischen Kirche St. Peter und Paulus zu schlagen, allerdings keine 15 Minuten lang, wie das Pfarramt mitteilt. Die Gemeinde Denkendorf lädt gemeinsam mit den Evangelischen und Katholischen Kirchengemeinden, der Neuapostolischen Kirche und dem Musikverein zu einer Veranstaltung anlässlich des Internationalen Friedenstags ein. Von 17.30 bis etwa 18.10 Uhr findet die Veranstaltung auf dem Rathausplatz statt, bei schlechtem Wetter im Rathausfoyer. Eröffnet wird mit einem Musikstück, danach gibt es eine Ansprache des Bürgermeisters. Nach einem weiteren Musikstück gibt es Gebete und Lesungen. Im Anschluss werden ab 18 Uhr die Glocken der Klosterkirche, der Auferstehungskirche, der katholischen Kirche St. Johann Baptist und der Friedhofskirche läuten.
Die evangelischen Kirchen der Gesamtkirchengemeinde Kirchheim schließen sich dem Läuten am 21. September an. Im Anschluss um 18.15 Uhr findet in der Martinskirche ein Friedensgebet statt.
Das Friedensläuten ist das erste seiner Art. „Und das Glockenläuten dauert mit 15 Minuten ja auch außergewöhnlich lang“, sagt Stefan Möhler, der leitende Pfarrer der Katholischen Gesamtkirchengemeinde Esslingen. Üblicherweise läuten die Esslinger Glocken nach einem sogenannten Läuteplan, berichtet Möhler. Und zwar meist zweimal zu den Gottesdiensten und täglich morgens um 7, mittags um 12 und abends um 19 Uhr. Ein kurzes Gebet, ein Innehalten, ein Gedanke an Gott sollten damit angeregt werden.
Besonderes Geläut, je nach Kirche, erklinge zum Teil mit den großen Glocken zu besonderen Anlässen. Möhler verweist auf die tradierte Bedeutung der Kirchenglocken, die über den religiösen Hintergrund hinausgehe. „Man darf nicht vergessen, dass Glocken auch zu sehr pragmatischen Anlässen geläutet wurden, zum Beispiel, um vor Gefahren zu warnen. Zum Beispiel, um Bauern bei einem nahenden Gewitter vom Feld zu holen.“ So hätten die Kirchtürme meist die einzigen Uhren im Ort getragen. „Ihr Viertelstundenschlag, wie er heute noch zu hören ist, war meist die einzige verbindliche Zeitangabe,“ so Möhler.
Nicht alle Gemeinden läuten zusätzlich noch bis zu viermal täglich die Kreuzglocke im Gedenken an die Passion Christi. Eher selten werde um 9 Uhr zur Aufrichtung des Kreuzes geläutet, weiß auch Claus Huber, der Glockensachverständige der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Um 11 Uhr erinnert das Kreuzläuten an die einbrechende Finsternis und den Beginn des Todeskampfs Christi. Das Läuten um 15 Uhr markiert seine Todesstunde. „Manchmal geschieht dies freitags, wie etwa in der Esslinger Stadtkirche, mit einem besonderen Geläut“, erklärt Huber. Das Vesperläuten zwischen 16 und 18 Uhr sei Zeichen für die Kreuzabnahme und Grablegung. Eine schöne Tradition ist laut Huber auch das Einläuten der Sonn- und Feiertage am Vorabend.
Im Fokus des Kulturerbejahres 2018 steht das Gemeinschaftliche und Verbindende europäischer Kulturen. Es steht unter dem Motto „Sharing heritage“ – „Erbe teilen“. Eins der größten Projekte dabei ist das europaweite Glockenläuten, das unter dem Leitspruch „Friede sei ihr erst Geläut“ läuft. In insgesamt 32 europäischen Ländern erklingen Tausende Glocken. bob/Foto: Archiv der Stadt Wernau

Info: Wer Informationen über die teilnehmenden Kirchen sucht, schaue auf der Internetseite der jeweiligen Kirchengemeinden nach.


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Zimmer gesucht

In Esslingen und Nürtingen ist die Lage für Studenten recht entspannt

Wer in Stuttgart studiert, findet nicht leicht eine Bleibe. Längst nicht alle Interessenten werden dieses Jahr in den Wohnheimen des Studierendenwerks Stuttgart unterkommen. In Esslingen und Nürtingen ist die Lage entspannter. Trotzdem ruft auch hier die Kampagne „Platz für Studierende“ Privatleute dazu auf, an Studenten zu vermieten

„Zum anstehenden Wintersemester gibt es noch freie Plätze in unseren Wohnanlagen“, berichtet die Pressesprecherin des Studierendenwerks Stuttgart, Anita Bauer, für Esslingen. Die neuen Wohngebäude auf dem Hengstenbergareal, Rossneckar I und II mit insgesamt rund 250 Zimmern in Wohngemeinschaften haben deutliche Entspannung gebracht. Ob das so bleibt oder der Markt wieder anzieht, hängt auch von der Entwicklung der Hochschule ab, die derzeit in der Weststadt neu baut.

Weitere Wohnheime in Esslingen sind im Goerdelerweg, in der Geschwister-Scholl-Straße und in der Fabrikstraße. Insgesamt kommen rund 700 Zimmer zusammen, deren Preise zwischen 265 und 360 Euro liegen, abhängig vom Gebäude und der Wohnform – in einer Flurgemeinschaft mit gemeinsamer Küche sind die Preise günstiger als in Appartements oder kleineren Wohngemeinschaften. Eine Besonderheit ist das Boardinghouse in der Mettinger Straße, in dem 45 möblierte Appartements für kurze Zeit – zwischen einem und sechs Monaten – vermietet werden. Das sei besonders für Studierende im internationalen Austausch, im Praxissemester oder im dualen Studium interessant, sagt Bauer. „Da bieten wir auch den Service an, dass man alle 14 Tage die Bettwäsche oder die Handtücher gewechselt bekommt.“

In Nürtingen, wo das Studierendenwerk Tübingen-Hohenheim über insgesamt 302 Wohnheimplätze in den Gebäuden Schelmenwasen 10 und Sudetenstraße 125 bis 129 verfügt, sind die Zimmer günstiger: Je nach Größe und Wohnform kosten sie zwischen 178 und 293 Euro monatlich, unmöblierte Einzelappartements gut 300 Euro. Vor allem Erstsemester würden hier aufgenommen, damit ihnen der Start leichter fällt, erklärt Marita Benz vom zuständigen Studierendenwerk. Den Neuen könne man in der Regel einen Wohnheimplatz anbieten, wenn sie die Unterlagen fristgerecht und vollständig vorlegten.

Beide Studierendenwerke betreiben eine Online-Plattform für die Vermittlung von Privatzimmern, auf der Vermieter kostenlos ihr Angebot einstellen können. Das Studierendenwerk Stuttgart und der Verein „Haus und Grund“ appellieren zudem mit ihrer Kampagne „Platz für Studierende“ an die Eigentümer in der ganzen Region. Denn diese ist als Wohnort auch für Studenten der Stuttgarter Hochschulen interessant, insbesondere dort, wo die Verkehrsverbindung gut ist.  aia / Foto: Meike Hansen


Das Symbol des Wiederaufstiegs

Vor 70 Jahren wurde die D-Mark eingeführt – Währung steht für Stabilität und Aufschwung

  

Sie gilt als das Symbol des deutschen Wirtschaftswunders: Als die D-Mark am 21. Juni 1948 in den westlichen Besatzungszonen eingeführt wurde, füllten sich über Nacht die Regale der Geschäfte. Im Laufe der Zeit entwickelte sich die D-Mark zur zweitwichtigsten Reserve- und Handelswährung der Welt nach dem US-Dollar. Auch heute noch – im 17. Jahr nach Einführung des Euro-Bargeldes – sind Mark und Pfennig im Milliardenwert im Umlauf. Immer wieder werden alte Schätze durch Zufall entdeckt.
„Die D-Mark ist das Symbol für den Wiederaufstieg Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg“, erklärt Bundesbank-Vorstand Johannes Beermann. Zunächst war die Währungsreform für viele Deutsche jedoch ein Schock. Jeder Bürger erhielt 40 Mark „Kopfgeld“ und einen Monat später nochmals 20 Mark. Für 100 Reichsmark auf dem Sparbuch gab es 6,50 D-Mark. Damit wurden viele Kleinsparer zu Verlierern der Währungsumstellung, weil ihre Guthaben aufgezehrt wurden. Löhne wie auch Mieten und Steuern hingegen wurden im Verhältnis 1:1 umgestellt.
Der harte Schnitt führte zu knappem und damit stabilem Geld. Tauschhandel oder die „Zigarettenwährung“ am Schwarzmarkt verschwanden. Weil sie der nutzlos gewordenen alten Währung Reichsmark nicht mehr trauten, hatten die Händler im zerstörten Nachkriegs-Deutschland zunächst Waren gehortet. Als entscheidende Wegmarke zum Auftritt der D-Mark auf der internationalen Bühne gilt der Übergang zur uneingeschränkten Umtauschbarkeit 1958.
Anders als der lange geplante Euro kam die wichtigste Bewährungsprobe für die D-Mark völlig unerwartet: „Kommt die D-Mark, bleiben wir, kommt sie nicht, geh’n wir zu ihr!“, skandierten die Menschen in Ostdeutschland im Wendeherbst 1989. „Die D-Mark war für die Menschen in der früheren DDR ein Symbol der Freiheit“, erinnert Beermann. Noch vor der politischen Einheit ersetzte die D-Mark am 1. Juli 1990 in einer beispiellosen Aktion die DDR-Mark zu einem allgemeinen Umtauschkurs von 1:1. Vor allem der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) drängte auf eine zügige Wirtschafts- und Währungsunion – trotz Warnungen auch seitens der Bundesbank. Das Problem: Mit der Einführung der D-Mark fand sich die Wirtschaft der untergehenden DDR über Nacht im rauen Wettbewerb der Marktwirtschaft wieder.
Gut elf Jahre später löste der Euro die D-Mark ab. Anfangs als „Teuro“ gescholten, scheinen sich die Menschen in Deutschland mit der Gemeinschaftswährung inzwischen ausgesöhnt zu haben. „Der Euro hat eine extrem hohe Akzeptanz“, sagt Beermann. Bei einer im Herbst 2017 veröffentlichten Umfrage im Auftrag der EU-Kommission sprachen sich 81 Prozent der Befragten in Deutschland für den Euro aus.
Zunächst hatten allerdings viele Menschen den Eindruck, mit der Einführung des neuen Bargeldes am 1. Januar 2002 sei das Leben schlagartig teurer geworden. „Das Teuro-Gefühl ist subjektiv und lässt sich nicht durch Zahlen belegen“, argumentiert Beermann.
Doch die D-Mark haben viele immer noch im Hinterkopf: 37,9 Prozent der Deutschen rechnen bei größeren Anschaffungen regelmäßig oder zumindest ab und zu Euro-Preise in D-Mark um, wie eine Umfrage von TNS Emnid im Auftrag der Postbank in diesem Mai ergab. Bei den 50- bis 59-Jährigen unter den 1026 befragten Erwachsenen war es sogar gut jeder Zweite (51 Prozent). Den Ostdeutschen ist die D-Mark demnach noch etwas näher als den Menschen in Westdeutschland: 41,9 Prozent der Ostdeutschen rechnen der Umfrage zufolge heutige Preise in D-Mark um, in Westdeutschland ergab sich ein Anteil von 37 Prozent.
Bislang steht der Euro der D-Mark in Sachen Stabilität in nichts nach – im Gegenteil. So verlor die Mark in den letzten zehn Jahren ihrer Geltung bei im Schnitt zwei Prozent Inflation mehr an Wert als der Euro. Die Gemeinschaftswährung ist angesichts einer durchschnittlichen Preissteigerungsrate von 1,6 Prozent auf Zehnjahressicht etwas stabiler. Doch die Angst vor der Geldentwertung hat sich tief ins deutsche Bewusstsein eingegraben. „Ich glaube, dass wir Deutschen mit den Erfahrungen der zwei Hyperinflationen ein Auge auf die Inflation haben“, sagt Beermann.
Ganz verschwunden ist die D-Mark auch gut 16 Jahre nach der Euro-Einführung nicht. Scheine im Wert von 5,91 Milliarden Mark (3,02 Milliarden Euro) und Münzen im Wert von 6,69 Milliarden Mark (3,42 Milliarden Euro) sind noch im Umlauf (Stand: Ende Mai).
Und immer wieder tauchen alte Schätze durch Zufall auf. So entdeckte der Käufer eines Hauses bei Gartenarbeiten ein Versteck mit 349 000 Mark. Selbst D-Mark-Blüten tauchen ab und zu in Bundesbank-Filialen auf, wo die alten Scheine und Münzen in Euro umgetauscht werden. „Mancher setzt beim Umtausch auf den Effekt, dass man die D-Mark-Noten nicht mehr so präsent hat – aber unser Personal ist sehr gut geschult“, warnt Bundesbankdirektor Matthias Callen.
Alte Scheine und Münzen können – anders als in vielen anderen Euroländern – bei der Bundesbank unbefristet umgetauscht werden. „Es ist wichtig für das Vertrauen der Bürger, dass die D-Mark unbegrenzt ihre Gültigkeit behält und die Bundesbank sie weiterhin zum amtlichen Kurs in Euro umtauscht“, argumentiert Beermann.

Friederike Marx und Jörn Bender / Foto: links: dpa, rechts: Deutsche Bundesbank


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Europäische Stadt

Tag des offenen Denkmals am 9. September –  Suche nach europäischem Erbe

Der Tag des offenen Denkmals findet am Sonntag, 9. September, statt. Die 25. Auflage dieser Veranstaltung steht unter dem Motto  „Entdecken, was uns verbindet“, das die Deutsche Stiftung Denkmalschutz innerhalb des „Europäischen Jahrs des Kulturerbes“ ausgerufen hat. Damit soll für die Bewahrung des gemeinsamen europäischen Kulturerbes als Vielfalt in Einheit sensibilisiert werden.

Die Stadt Esslingen hat ein umfangreiches Programm aufgelegt, in dem sie sich auch als europäische Stadt präsentieren will. Insgesamt sind  57 Programmpunkte für  Erwachsene und Kinder zusammengekommen, die eine Brücke zwischen den verschiedenen Aspekten europäischer Kultur schlagen sollen. Kirchen, der Dicke Turm, alte Rathäuser oder  die Schelztor-Sporthalle stehen im Mittelpunkt von Rundgängen. An alten Industrieanlagen und Fabriken soll die Entwicklung der Wirtschaft deutlich werden, die Entstehung  und die Entwicklung  neuer Stadtteile wird am Beispiel des Weststadt-Quartiers nachvollzogen. Essen, Gesundheit und Bildung sind Themen bei der Ratsapotheke, der Sektherstellung oder auch bei der Kirchenbibliothek. Der jüdische Friedhof steht für die Erinnerung, die Lenauanlage als Beispiel für Gartenbaukunst zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Erstmalig steuert das Landesamt für Denkmalpflege einen Programmpunkt bei und öffnet die Werkstätten der Bau- und Kunstdenkmalpflege. Kinderführungen, zum Beispiel auf geheimen Wegen zur Burg, gibt es ebenso wie Orgelführungen und Konzerte mit „Podium“-Künstlern. Die Kunst steht auch zur  Eröffnung durch Oberbürgermeister Jürgen Zieger um 11 Uhr am Marktplatz im Vordergrund. Ein  Intermezzo  zwischen der Esslinger Zwiebel und einer Banane ist geplant. Das Programm mit einer Karte zu den Führungsorten und Startpunkten gibt es bei der  Esslinger Stadtmarketing und Tourismus GmbH (EST) am Marktplatz und in den Bürgerbüros sowie digital unter www.esslingen.de.

In Aichwald stehen  die Kirchen in den Ortsteilen im Zentrum. Führungen laufen in der Dorfkirche in Schanbach (11.30 und 15.30 Uhr durch Hermann Proß), in der evangelischen Pfarrkirche in Aichelberg (14.30 Uhr durch Erika Schüssler) und in St. Gereon und Margaretha in Aichschieß  (11 und 15 Uhr durch Joachim Hörsch). In Nürtingen und Kirchheim stehen Führungen durch die jeweilige Altstadt und die Kirchen an, in Wolfschlugen öffnet das Stickereimuseum, in Lenningen das Schlössle. Ostfildern widmet  sich dem Stadtteil Scharnhausen, Neuhausen der katholischen Kirche und der ersten Apotheke und die Uni Hohenheim lädt in den Park und den exotischen Garten ein.    bob / Foto: bob

Info: www.tag-des-offenen-denkmals.de, dort Kreis Esslingen und gewünschte  Kommunen anklicken.