Abba-Show:

Am Dienstag 15. Januar, 20 Uhr, gastiert die Show „Abba Gold“ in der Nürtinger Stadthalle K3N. Dabei leben die Songs der schwedischen Pop-Band auf, Hits wie „Waterloo“, „Money, Money, Money“, „Thank you for the Music“, „Mamma Mia“, „Super Trouper“, „Dancing Queen“, „Chiquita“ oder „Fernando“ sind unvergessen. Auch bei der Gestaltung der Bühnenshow wird laut Ankündigung authentisch gearbeitet. Choreografie, die Glitzerwelt auf Plateauschuhen und das funkelnde weiße Klavier lehnen sich eng an den Vorbildern an. Mehr Infos unter www.mannekurz-events.de, Karten gibt es an bekannten Vorverkaufsstellen (ab 29 Euro zuzüglich Gebühren). Foto: Jan Kocovski


Abgestimmt

Die Deutsche Umwelthilfe prüft, ob sich ein Tempolimit von 120 km/h auf Autobahnen erzwingen lässt. Ist ein solches Tempolimit sinnvoll?

Foto: dpa

Tempolimit einführen?

Ergebnis

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Zunächst keine Strafen

Zum neuen Jahr gelten in Stuttgart Fahrverbote für ältere Diesel – Etliche Ausnahmen – Schwierig zu kontrollieren

Die Schilder stehen schon, zum 1. Januar wird das Diesel-Fahrverbot im gesamten Stuttgarter Stadtgebiet dann zumindest in Teilen „scharf“ gestellt.

Als erste deutsche Großstadt führt Stuttgart zum 1. Januar Diesel-Fahrverbote für eine gesamte Umweltzone ein. Sie gelten zunächst nur für ältere Diesel, die nicht die Abgasnorm Euro 5 schaffen. Für Einwohner gelten die Verbote erst ab 1. April. Es gibt reichlich Ausnahmen, etwa für Handwerker. Polizei und Stadt kündigten zudem an, bei Verstößen zunächst eine Weile noch ein Auge zuzudrücken. Irgendwann zahlen Dieselsünder aber mehr als 100 Euro.

Warum gibt es in Stuttgart  Diesel-Fahrverbote?

Die Landeshauptstadt kämpft seit Jahren gegen eine zu hohe Belastung der Luft mit Schadstoffen. Verstärkt durch die Kessellage werden die EU-Grenzwerte immer wieder überschritten. Während die Belastung durch Feinstaub zuletzt besser wurde, liegen die Werte bei Stickstoffdioxid meist noch weit über dem Grenzwert. Quelle für Stickstoffdioxid ist vor allem das Auto.

Für welche Fahrzeuge gilt das Diesel-Verbot?

Betroffen vom Fahrverbot sind alle Kraftfahrzeuge mit Dieselmotoren der Abgasnorm Euro 4 und schlechter. Diesel mit  Abgasnorm ab Euro 5 sind vom Verbot noch ausgenommen.

Wo gilt das Diesel-Verkehrsverbot?

Stuttgart ist die bundesweit erste Stadt, in der das Fahrverbot ganzjährig in einer kompletten Umweltzone gilt – also im gesamten Stadtgebiet.

Ab wann gilt das Fahrverbot?

Ab 1. Januar 2019. Für Einwohner der Stadt Stuttgart gibt es eine Übergangsfrist. Ab April gilt das Verbot dann auch für sie.

Gibt es Ausnahmen?

Jede Menge. Neben dem Lieferverkehr sind Handwerker und  Krankenwagen, Polizei und Katastrophenschutz ausgenommen. Für Wohnmobile, Reisebusse oder Arztbesuche können Ausnahmen beantragt werden. Auch Einpendler und Touristen dürfen sie beantragen.

Wer kontrolliert?

In klassischer Aufteilung ist die Polizei für den rollenden Verkehr zuständig, plant aber zunächst keine gezielten Kontrollen. Diesel-Sünder sind sozusagen Beifang. In der Umweltzone stehende Fahrzeuge werden von städtischen Mitarbeitern überprüft, aber auch nur dann, wenn durch Diesel-Kennzeichnung am Kofferraum oder äußere Merkmale eine Überprüfung naheliegt – oder wenn sie durch falsch parken auffallen und ohnehin ein Bußgeldverfahren läuft.

Sind in der Umweltzone zugelassene Diesel gekennzeichnet?

Nein. Zwar hätten Land und Stadt gerne eine blaue Plakette ergänzend zur grünen, gelben und roten gehabt, doch da war Berlin dagegen. Die Idee einer speziellen Stuttgart-Plakette zur besseren Kontrolle der Fahrverbote wurde wegen des enormen Aufwands verworfen. Bleibt das Problem: Rein äußerlich ist die Euronorm nicht zu erkennen.

Wie hoch ist das Bußgeld?

Verstöße gegen das Verbot werden mit einem Bußgeld von 80 Euro geahndet. Rechtsgrundlage ist das Bundesimmissionsschutzgesetz. Zuzüglich Gebühren und Auslagen erwarten den Sünder eine Rechnung in Höhe von 108,50 Euro – aber es gibt keinen Punkteeintrag im Fahrerlaubnisregister.

Ab wann drohen Autofahrern tatsächlich Bußgelder?

Einpendlern drohen diese eigentlich vom 1. Januar an, Einwohnern mit Fahrzeugen mit S-Kennzeichen ab 1. April des neuen Jahres. Jedoch wollen sich Polizei und Stadt bürgernah und verständig zeigen – wie bei jeder neuen Regelung, teilen sie mit. Heißt: Zunächst bleibt es bei Verstößen bei Ermahnungen und Informationen. Wie lange sich die Autofahrer darauf verlassen können, ist aber unklar. dpa/ Foto: dpa


Abschied mit Fackeln

Esslingen, Kirchheim, Leinfelden und Reichenbach: Zum Jahresende wird spaziert und gelaufen

Ob mit oder ohne Schnee: Der Fackellauf am Jägerhaus ist stets ein stimmungsvoller Abschied vom alten Jahr.

Hoch zur Burg geht es beim Silvester-Tecklauf.

Mit Fackeln und  auch im Laufschritt wird an Silvester das Jahr 2018 verabschiedet beziehungsweise am 1. Januar das neue Jahr  begrüßt.

Esslingen

Bei eisigen Temperaturen ebenso wie bei mildem Wetter lockt der Esslinger Silvester-Fackellauf am letzten Tag des Jahres regelmäßig um die 3000 Kinder und Erwachsene auf die Esslinger Höhe beim Dulkhäusle. Er wird von drei Vereinen gemeinsam veranstaltet: der Turnerschaft Esslingen, dem Aero-Club und dem Deutschen Roten Kreuz Esslingen, weitere Vereine und Institutionen packen am Silvestertag unterstützend mit an.

Das Programm am Jägerhaus beginnt bereits um 15.30 Uhr mit dem Verkauf von Fackeln, Glühwein, Kinderpunsch, Fackelwürsten, Berlinern und mehr. Später wird ein großes Silvesterfeuer entzündet. Besucher können dabei ihre Wünsche auf Holztalern notieren und dann den Flammen anvertrauen. Kristallmagier Ruven Nagel ragt auf Stelzen hoch über die Menge auf, lässt gläserne Kugeln funkeln und spielt mit dem Feuer. Bei gutem Wetter erheben sich glühende Heißluftballons als Kulisse. Der Fackelzug selbst setzt sich um 17 Uhr vom Flugzeughangar des Segelfluggeländes aus in Bewegung und führt über die Römerstraße zum Esslinger Höhenweg. Unten im Tal sieht man dann die Lichter leuchten, oben zieht ein Strom aus flackernden Flammen durchs Dunkel. Die volle Runde ist  2,5 Kilometer lang. Sie kann aber auf ungefähr die Hälfte abgekürzt werden und ist auf diesem Teil für Rollstuhlfahrer, Kinderwagen und andere Gefährte  geeignet. Entlang der Strecke wartet auf die Kinder eine kleine Überraschung.

Der Erlös aus dem Fackellauf fließt komplett in die Weihnachtsspendenaktion der Eßlinger Zeitung. Von 15 bis 16.50 Uhr findet ein kostenloser Bustransfer von der Innenstadt zum Startpunkt am Dulkhäusle statt, von 18 bis 19 Uhr erfolgen die Rückfahrten. Auch in die Ortsteile von Aichwald wird ein Bus-Shuttle-Verkehr eingerichtet (Haltestellen und Abfahrtszeiten unter www.aichwald.de).

Kirchheim

Als sehr sportliche Variante sorgt der Kirchheimer Silvesterlauf dafür, dass gute Vorsätze in puncto Bewegung mit ins neue Jahr getragen werden. 1981 von einer kleinen Gruppe Läufer ins Leben gerufen, findet der Lauf auf die Teck heuer zum 37. Mal statt. Erwartet werden mehrere Hundert Teilnehmer, die gemeinsam 18 Kilometer Strecke und 464 Höhenmeter meistern wollen. Start ist um 15 Uhr am Kirchheimer Rathaus, von dort führt die Route nach Dettingen und über den Parkplatz Hörnle bis in den Hof der Burg Teck. Zurück geht es nach kurzer Pause und Stärkung auf dem gleichen Weg, wobei die Läufer am Kirchheimer Gaiserplatz von Fackelläufern empfangen und zum Rathaus begleitet werden. Sie reihen sich hinter den Fackelträgern ein – der Silvester-Tecklauf ist also kein Wettkampf, sondern wird gemeinsam abgeschlossen. Das bedeutet auch, dass die Teilnehmer alle in der Lage sein sollten, die anspruchsvolle Strecke problemlos in zwei Stunden zu schaffen. In der Regel sind zwischen vier- und fünfhundert Männer und Frauen am Start. Angefeuert werden sie von zahlreichen Schaulustigen entlang der Strecke. Besonderen Unterhaltungswert bekommt dieser Lauf auch dadurch, dass manche Teilnehmer nach der Devise „Gaudi statt Bestzeit“ in fantasievollen Kostümen antreten. Startgeld wird beim Silvester-Tecklauf keines erhoben, der Lauftreff als Veranstalter freut sich aber über Spenden ins Kässle zur Deckung seiner Kosten.

Reichenbach

In Reichenbach marschieren die Laternen- und Fackelträger rund drei Kilometer durchs Dunkel: Start ist am Feuerwehrhaus in der Blumenstraße, dann geht es über die Sainte-Savine-Brücke, an der Fils entlang in Richtung Freibad und wieder zurück. Je nach Wetterlage werden ein- bis dreihundert Menschen gemeinsam das Jahr beenden und damit auch die letzte Veranstaltung im Zug des 750-jährigen Ortsjubiläums begehen. Vor dem Start, ab 16 Uhr, trifft man sich am Feuerwehrhaus, wo es Glühwein und Punsch, Rote und Weißwürste und  auch Fackeln zu kaufen gibt. Der Erlös der Veranstaltung kommt der Freiwilligen Feuerwehr, die das Ganze veranstaltet, und ihrer Jugendarbeit zugute.

Leinfelden

Sportlich geht es auf den Fildern los: Die LG Filder organisiert in Leinfelden wieder den Neujahrslauf. Gestartet wird am 1. Januar um 14 Uhr, Start und Ziel liegen in der Hagenbuchallee. Die Strecke führt über zehn Kilometer um die keltische Viereckschanze.  Das Startgeld beträgt 10 Euro, Nachmeldungen sind bis 30 Minuten vor dem Start möglich. Die Startunterlagen gibt es am Sportzentrum Leinfelden. Bei Glatteis findet der Lauf nicht statt. aia/ch Foto oben: bul Foto unten: Ralf Trost


Abgestimmt

Die SPD will die Kindergartengebühren im Land abschaffen, Ministerpräsident Kretschmann hält dies für nicht realisierbar. Sollen die Gebühren komplett wegfallen?

Foto: dpa

Keine Kita-Gebühren?

Ergebnis

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Einfaches Mahl mit der Familie

Umfrage unter Gastwirten im Kreis: Weihnachtsessen folgt Traditionen – Renner ist Kartoffelsalat mit Würstchen
Salvatore Marrazzo feiert Weihnachten mit traditionell italienischen Speisen
Marc Röckle (links) und Alexander Kraft setzen auf Gans. Aber frisch muss sie sein.
Romeo Herzberg feiert Weihnachten am liebsten mit der Familie – bei einem einfachen Essen
Was essen die Deutschen am liebsten zu Weihnachten? Was kommt bei den aktuellen Foodtrends auf den Tisch?  Ernährungsformen wie Paleo, Superfood und Veganismus sind zwar im Trend, doch ausgefallenes Essen zu Heiligabend gibt es bei den Deutschen nicht: 43 Prozent essen zu Weihnachten traditionell Kartoffelsalat mit Würstchen, bei jedem Dritten, das sind 33 Prozent,  wird Gans oder Ente serviert. Nur einer von fünf,  nämlich 20 Prozent,  gibt an, Raclette an Weihnachten zu essen. Dieses Umfrageergebnis  verwundert Romeo Herzberg nicht. Der Wirt des Gasthauses Adler in Kirchheim setzt auf das einfache Mahl. „Bei uns zu Hause gab es immer Kartoffelsalat mit Bratwurst“, erzählt er. Das Essen sei zweitrangig gewesen. „An erster Stelle stand die Besinnlichkeit, das  Beisammensein mit der Familie und der Kirchgang“, erinnert sich Herzberg. Den Kartoffelsalat hatten Mutter und Großmutter vorbereitet, die Würstchen wurden gebraten.  So hält es Herzberg  im Wesentlichen auch heute noch: Kartoffelsalat mit Bratwurst im Kreis der Familie. Im Restaurant hat er diese Leibspeise nicht auf der Karte, aber er hat festgestellt, dass die meisten Menschen, die  an Weihnachten zum Essen ausgehen, in aller Regel nichts Extravagantes möchten. Auch für die Gäste, die dann auch als große Gruppe kommen, stehe das Familienfest im Vordergrund. Die Familie bestimmte und bestimmt die Weihnachtsfeste bei Salvatore Marrazzo. Der Sohn süditalienischer Gastronomen hat schon als Kind die Weihnachtsfeste in Deutschland verbracht, wo seine Familie mehrere gastronomische Betriebe leitete. Doch was auf den Tisch kam, stammte aus der Heimat. „An Heiligabend wurde bei uns traditionell fleischlos gegessen“, erzählt Salvatore Marrazzo. „Dafür aber gab es Stockfisch in  verschiedenen Zubereitungsarten, Hummer, eingelegtes Gemüse und  zum Nachtisch Panettone, Nüsse, Orangen und Mandarinen. Für die Erwachsenen gab es ein Glas Moscato.“ Und den Abend haben die Marrazzos mit Spielen verbracht. Am 25. Dezember wurde dann groß aufgefahren. Kaninchen stand meist auf dem Speiseplan. Marrazzo aber schwärmt heute noch von der Weihnachtslasagne, die es immer gab: „Die war bei uns immer besonders hoch.“ Heute hält es der Wirt der Restaurants Accanto und Cosmopolita  in Esslingen ähnlich. Auch wenn am 24. Dezember mittlerweile ein Grillabend mit Fisch und Fleisch unter Freunden angesagt ist, so gehört der 25. Dezember der   Familie, serviert werden die  traditionellen Festtagsspeisen. Auf den Restaurantkarten findet man diese Gerichte nicht: „Das ist traditionelle Hausmannskost, das gehört nicht in ein Restaurant“, sagt Marrazzo. Beim Thema Weihnachtsessen denkt Heiko Laber, der das  Gasthaus zum Uhlberg in Aichtal führt, sofort an knusprige Ente mit Rotkohl und Knödeln. „Das gab es bei uns zu Hause immer am 25. Dezember. Das Gericht hat meine Mutter immer für uns zubereitet“, berichtet Laber. Auf seiner Karte führt  er das Gericht zwar nicht, mit Gänsekeule mit Knödeln aber ein sehr ähnliches. Alexander Kraft und Marc Röckle  sind die Betreiber der Rettich-Bar in Deizisau. Röckles Erinnerungen an das  Weihnachtsessen seiner Kindheit sind geprägt vom traditionellen Besuch beim Bauern. „Dort haben wir uns die Gans  für den Weihnachtsbraten ausgesucht“, erzählt er. Er weiß noch, wie ambivalent das war – ein Tier einerseits  zum Töten auszuwählen, andererseits der Genuss beim Essen im Kreis der Familie. „Das war schon etwas ganz Besonderes“, sagt Röckle. Und das wirkt bis heute: In  der Rettich-Bar  in Deizisau gibt es  Gans auf Bestellung, auch noch bis in den Januar.  Frisch und nicht tiefgefroren. Auch heute wird die Gans bei Bedarf beim Bauern geordert, fast so wie früher. Nicht wie früher ist die Füllung: Die Semmelfüllung von damals haben Röckle und Kraft durch Beifuß, Äpfel und Zwiebeln ersetzt.  bob / Foto oben: Enza Jahn-Casa, Foto mitte: Ehmann, Foto unten: privat  

Keine schöne Bescherung

Arme Familien: Verzicht auf Weihnachtsgeschenke – Diakonie fordert Kindergeld statt Teilhabepaket
Vor Weihnachten sitzt das Geld bei vielen Menschen locker: Geschenke werden gekauft, Weihnachtsmärkte besucht und ein üppiges Essen wird geplant. Ganz anders bei Menschen mit geringem Einkommen, oder die von Hartz IV leben müssen. Vor allem Alleinerziehende stellen dann fest, dass das Geld auch für ein kleines Geschenk nicht reicht. Der Kreisdiakonieverband  (KDV) im Landkreis Esslingen kritisiert die schlechte Verteilung von Hilfen und die mangelnde Beratung der Hilfebedürftigen.  Für Anita S. war es kein leichter Gang. Die Mutter von fünf Kindern, zwei davon leben bei ihr, sah sich vor etwa zwei Jahren gezwungen, Hilfen in Anspruch zu nehmen. Damals hatte sie   einen Unfall, der sie bis heute am Arbeiten hindert und die  Familie in wirtschaftliche Not gestürzt hat. Keine Geschenke Die Ausbilderin in einer Hilfsorganisation hatte kurz zuvor ihre Scheidung zu verkraften – mit Regelungen, die alles andere als vorteilhaft für sie seien, wie sie sagt. Anita S., die in einer Kreisgemeinde wohnt,   gehört zu dem Personenkreis, der arm ist und dessen Situation  zu Weihnachten besonders deutlich zu Tage tritt.  „Weihnachtsgeschenke gibt es bei uns nicht“, sagt   sie. „Das können wir uns einfach nicht leisten.“ Sie ist kein Einzelfall. Mehr als 3700 Personen gelten im Landkreis Esslingen als arm. Diese Zahlen nennt KDV-Geschäftsführer Eberhard Haußmann. Und in diesen Zahlen sind Rentner mit geringen Bezügen, Geringverdiener und die Bezieher von Arbeitslosenhilfe  noch nicht einmal erfasst. Anne Burkhardt, die Sozial- und Lebensberaterin im KDV, kennt viele Fälle aus ihrer Beratungspraxis. Das Geld – ein Hartz-IV-Empfänger hat nach Abzug der Fixkosten 4,30 Euro am Tag   zur Verfügung  – reiche nur für das  Allernötigste. „Hungern muss wohl niemand“, sagt Burkhardt, „aber es darf auch nichts Unvorhergesehenes passieren.“  Gehe die Waschmaschine kaputt, stürze das Familien in Krisen. Bisher hat die Diakonie rund 280 000 Euro als Notfallhilfen für solche und ähnliche Fälle ausgegeben. Leichtigkeit im Leben fehlt Burkhardt berichtet auch von dem Druck, der auf Familien laste, weil die geringen Geldmittel als Dauerthema stark belastend seien. „Es gibt einfach  keinen unbeschwerten Alltag,    die Leichtigkeit im Leben fehlt.“ Burkhardt kritisiert auch die fehlende Bildungsgerechtigkeit. Schulen verlangen von ihren Schülern ganz selbstverständlich die Anschaffung moderner Medien wie Tablets, PCs und Smartphones. Sie befürchtet, dass dadurch „eine ganze Generation abgehängt wird“. Anita S. hat 100 bis 200 Euro jeden Monat für sich und die elf und 14 Jahre alten Kinder zur Verfügung. Ihre Kinder bekommen Taschengeld, damit sie den Umgang mit Geld lernen können. Anita S. gehört zu den Menschen, die kreativ mit der Situation umgehen. Einen Kindergeburtstag kann sie nicht eventgleich wie Menschen mit Geld ausrichten. Also geht sie mit ihren jungen Gästen zu Workshops und Mitmach-Aktionen: zum Keramikbemalen oder Brezelnbacken. Bei den Kindern komme das gut an.  Zu viel Bürokratie In den Ämtern habe Anita S. oft  unfreundliche  und kurz angebundene Mitarbeiter erlebt und eine Bürokratie, die nur schwer zu durchdringen  sei. „Vieles ist  sehr demütigend, man muss sich ständig rechtfertigen, alles offenlegen“, so lautet ihr Urteil über die Ämter.   Im nächsten Jahr wird das Thema Schullandheim im Haushalt von Anita S.  auf dem Plan stehen, denn ein Aufenthalt ist für beide Kinder geplant. Anita S. muss Unterstützung beantragen. Das Teilhabe- und Bildungspaket könnte helfen, allein die Beantragung ist aufwendig. So muss erst das Anrecht auf Wohngeld festgestellt werden. Bildungsungerechtigkeit Auch Reinhard Eberst, der Leiter des  Fachbereichs Sozial- und Lebensberatung im KDV, sieht das Teilhabe- und Bildungspaket  kritisch. „Es stellt  keine Bildungsgerechtigkeit her. Möchte eine Familie ihrem Kind Nachhilfe über das Teilhabepaket finanzieren, geht das nur, wenn die Versetzung gefährdet ist“, sagt Eberst. „Jeder Normalverdiener kann da schon vorher aktiv werden.“ Haußmann, Eberst und Burkhardt fordern eine personelle Aufstockung in den Jobcentern, damit  kompetentere Beratungen möglich sind, einen Abbau von Bürokratie und schnellere direktere Hilfen.  Und Gesetzesnovellierungen dürfen nicht nur die  Mittelschicht erreichen. So sollte das Kindergeld, das derzeit Hartz IV-Empfänger nicht erhalten, ausgezahlt werden. „Dann brauchen wir das Teilhabepaket mit seiner aufwendigen Bürokratie nicht mehr.“  bob / Foto: dpa   Info: Der KDV bietet unabhängige Beratungen  in seinen  Bezirksstellen an: Filder: 07 11/9 97 98 20, Esslingen: 07 11/34 21 57-200, Kirchheim: 0 70 21/92 09 20, Nürtingen: 0 70 22/93 27 75.

Abgestimmt

Homöopathie habe nur Placeboeffekt, sagen Kritiker und fordern unter anderem, dass eine VHS keine Homöopathie-Kurse  geben sollte. Finden Sie das richtig? 

Foto: dpa

Globuli-Kurse raus?

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Teure neue Amtsgebäude

Investition von 170 Millionen Euro –  Landratsamt wird abgerissen – Künftig zwei Standorte

Wer auf der B 10 an Esslingen vorbeifährt, kann das Landratsamt nicht übersehen. Doch die Tage des grün verkleideten Verwaltungsbaus sind gezählt. Er soll abgerissen und nicht nur durch einen, sondern durch zwei Neubauten ersetzt werden: einer in Esslingen, einer in Plochingen.

Der Verwaltungsbau, der im Jahr 1978 eingeweiht wurde, hat aus heutiger Sicht eine ganze Reihe von Mängeln. Er ist zu klein, schon jetzt sind Arbeitsplätze ausgelagert und die Zahl der Beschäftigten wird den Prog­nosen zufolge weiter ansteigen. Der Zuschnitt der Räume entspricht nicht den aktuellen Vorstellungen und eine energetische Sanierung wäre ebenso dringend nötig wie die Ertüchtigung des Brandschutzes. Trotzdem wurde lange auch eine Sanierung des Gebäudes erwogen. Ein Gutachten des Büros Drees & Sommer gab schließlich den Ausschlag zugunsten eines, vielmehr zweier Neubauten.

„Die ursprüngliche Strategie, die Verwaltung an einem Standort zu bündeln, mussten wir aufgeben“, erklärt Peter Keck, der Pressesprecher des Landratsamtes, und nennt als Hauptgrund, dass „nicht genügend Flächen für eine Interimsunterbringung gefunden wurden“. Mit zwei Standorten besteht die Möglichkeit, zeitversetzt zu bauen, sodass ein Teil der Mitarbeiter in den ersten Neubau umzieht, bevor in Esslingen abgebrochen wird. Das vereinfacht die Sache und spart auch Kosten.

Der Plan ist folgender: Ab 2020 wird in Plochingen neben dem ehemaligen Krankenhaus – wo jetzt noch das frühere Personalwohnheim steht – ein neuer Verwaltungsbau für rund 250 Arbeitsplätze entstehen. Wenn dieser fertig ist, soll dort das jetzt in Nürtingen ansässige Ausländeramt des Kreises einziehen, außerdem das Rechts- und Ordnungsamt sowie das Straßenverkehrsamt, mit Ausnahme der Zulassungsstellen: Die werden in Esslingen und Nürtingen bleiben. Auch der Abfallwirtschaftsbetrieb und das Kreismedienzentrum sind unter diesem Dach vorgesehen.

Schon aktuell sind im ehemaligen Krankenhaus das Gesundheitsamt sowie das Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt untergebracht, das Dezernat für Infrastruktur, das Vermessungsamt und das Kreisarchiv werden demnächst folgen.

Mit der Fertigstellung des Plochinger Neubaus können 2021 rund ein Drittel der Landkreis-Mitarbeiter dorthin umziehen. Erst danach wird der Altbau des Landratsamts am Esslinger Merkelpark abgerissen und die verbleibenden Mitarbeiter ziehen in Interimsquartiere in Esslingen um. Vorgesehen sind rund 300 Ausweichbüros in der Innenstadt, unter anderem im Einkaufszentrum ES und im Württemberger Hof. Bestehen bleibt der Ergänzungsbau des Landratsamts, der erst 2009 fertiggestellt war und in dem derzeit rund 370 Beschäftigte arbeiten.

Anstelle des grünen Altbaus soll bis 2025 ein neues Gebäude für rund 650 Arbeitsplätze entstehen. Auch eine Kindertagesstätte ist gemäß Kreistagsbeschluss vom Oktober vorgesehen, worüber aber noch im Zuge des Vergabeverfahrens gesprochen werden muss.

Die Kostenschätzung für das Plochinger Gebäude liegt bei rund 33,5 Millionen Euro, die für den Neubau in Esslingen bei mehr als 121 Millionen Euro. Mit den Nebenkosten wie der Interimsunterbringung steigt der Betrag nach dem derzeitigen Stand auf rund 170 Millionen Euro. Bei Baustellen dieser Größenordnung sind solche Zahlen allerdings wackelig, zumal die Baupreise sich im Höhenflug befinden.

So oder so handelt es sich um das größte Projekt in derGeschichte des Landkreises. Der Kreistag hat den Baubeschluss bereits gefasst,jetzt laufen die Vorbereitungen fürs Verfahren. Alle Arbeiten für denPlochinger Neubau will der Kreis im kommenden Jahr vergeben, für Esslingen istein Jahr länger Zeit. Man setze dabei auf „kombiniertes Planen und Bauen“, soKeck. Bei diesem Verfahren geben Architekt und Bauunternehmen ein gemeinsamesAngebot ab. Sie arbeiten also schon vor der Vergabe zusammen, wovon man sichmehr Qualität und Kostensicherheit erhofft. aia/Foto: aia


Schnurrende Katzen

Deutschland ist ein Kalendermarkt – „Literarischer Katzenkalender“ immer noch der Renner

In jeder Wohnung, in jedem Haus hängt ein Kalender –mindestens einer. Der Wandkalender gewährt nicht nur einen schnellen Überblick über Tag, Woche und Monat.Seine  Bilder  und zum Teil auch Texte erfreuen, unterhaltenoder bilden sogar weiter. Die Renner unter den verschiedenen Titeln halten sich dabei  relativ konstant. Der „LiterarischeKatzenkalender“ ist ein solcher Bestseller, aber auch der „Mondkalender“ oderder „Küchenkalender“.

„Den ‚Literarischen Katzenkalender’ verkaufen wir stapelweise“, sagt Simone Schey. Sie ist Abteilungsleiterin für Sachbuch und Kalender in der Buchhandlung Zimmermann, die in Nürtingen und Kirchheim ansässig ist. Das Thema Katzen bestückt noch weitere zahlreiche Kalender – versehen mit kleinen Texten und Zitaten aus der Weltliteratur. Der „Literarische Katzenkalender“ war der erste seiner Art, es gibt ihn seit mehr als 20 Jahren. 

Die Verbindung von Bildern mit Sprüchen und Lebensweisheiten ist laut Schey  insgesamt sehr beliebt.    Rund 6000 verschiedene Kalender    bringen Verlage jedes Jahr auf den Markt. Manche  Verlage produzieren sogar ausschließlich Kalender – für die meisten Häuser läuft die Kalenderproduktion neben der  Buchproduktion. Für den   Buchhändler  ist der Kalenderverkauf aufwendig, benötigt man doch eine große Fläche zur Präsentation.

„Die Kunden wollen die Kalender sehen“, sagt auch Ulrike Ehrmann, die  in Esslingen die Buchhandlung Provinzbuch betreibt. Denn Kalender würden nicht  im Onlinehandel bestellt. Ehrmann hat sich  aus Platzgründen darauf beschränkt, ihre Bestseller an eine der Säulen im  „Provinzbuch“ aufzuhängen. Der Katzenkalender ist auch dabei, aber auch zahlreiche Kalender, die   regionale und lokale Motive zeigen – als Fotografien oder  als Zeichnung. Einige dieser Kalender bekommt Ehrmann von Autoren, die im Selbstverlag produzieren, angeboten.

Die Nachfrage nach regionalen und lokalen Kalendern kennt auch Simone Schey gut. Kirchheim oder  Nürtingen in Bildern hängen sich die Kunden gerne in die Wohnung. Gut nachgefragt sind auch Kalender zur Wissensvermittlung.

Ein weiterer Bestseller ist laut Schey der  Lebensfreudekalender mit Weisheiten wie „Lächle, und man wird dich anlächeln“. Auch Esoterik verkauft sich gut. „Den Mondkalender  nehmen viele Kunden mit“, erklärt die Abteilungsleiterin.  Oft seien das Friseure, die den Kalender in ihren Salon hängen und Haarschneide- oder Färbetermine für ihre Kunden nach den Mondphasen ausrichten. 

Firmen interessieren sich meist für Kunstkalender, die als Dekoobjekte in Praxen und Kanzleien hängen. Die großformatigen Teile kosten oft bis zu 100 Euro, kleinere Kalender aus dem Kunstbereich zwischen 35 und 50 Euro.  Der  Buchhandel bestellt Anfang des Jahres seine Exemplare, also demnächst die Kalender für das Jahr 2020. Ausgeliefert werden diese dann im August. Und ab Oktober hängen sie   in den Buchläden, Drogeriemärkten und Kaufhäusern.

Manche Kalender hängen auch Ende Dezember  noch im Handel. Bei der Buchhandlung Zimmermann hat man für plötzlich nicht mehr aktuelle Produkte eine Zukunft gefunden: „Wir spenden sie an Kindergärten oder Altenheime, dort werden die Bilder für verschiedene kreative Handarbeiten verwendet“, erklärt Schey.

Was aber tun mit abgelaufenen Kalendern, deren  Fotos man auch nach dem 31. Dezember  nicht einfach im Altpapier versenkenwill?  Etwa wiederverwenden? ImInternet   findet man Hilfe: Dort lässtsich berechnen, wann Kalendertage, Wochen- und Feiertage wieder genau so liegenwie im abgelaufenen Jahr. Der 2018er passt erst wieder im Jahr 2029, in elfJahren also.  bob / Foto: Schindele