Abgestimmt

In der Politik wird der Vorschlag von Arbeitsamts-Chef Weise,
auf freiwilliger Basis bis 70 arbeiten zu können, diskutiert.
Was meinen Sie, ist die Möglichkeit zur Rente mit 70 erstrebenswert?

Foto: dpa

Arbeiten bis 70?

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2015 steht vor der Tür

2015 steht vor der Tür: Der deutsche Schriftsteller und Lyriker Karl Friedrich Henckell, der auch als „Arbeiterdichter“ bekannt war, hat seine Gedanken zum Jahresanfang in einem Gedicht festgehalten, das auch die Menschen heute noch anspricht. „Mein Neujahrswunsch“ ist zwischen 1883 und 1886 entstanden und im Jahr 1921 erschienen.

 

Mein Neujahrswunsch

Was ich erwarte vom neuen Jahre?

Dass ich die Wurzel der Kraft mir wahre,

Festzustehen im Grund der Erden,

Nicht zu lockern und morsch zu werden,

Mit den frisch ergrünenden Blättern

Wieder zu trotzen Wind und Wettern,

Mag es ächzen und mag es krachen,

Dunkel zu rauschen, hell zu lachen,

Und im flutenden Sonnenschein

Freunden ein Baum des Lebens zu sein.

 

Das Wochenblatt ECHO wünscht mit einem Blick an der Burgruine Reußenstein vorbei ins winterliche Neidlinger Tal seinen Lesern und Anzeigenkunden ein gesundes, spannendes und erfolgreiches Jahr 2015.
Foto: Dieter Ruoff


Von Wahlen und Meilensteinen

Vier Oberbürgermeister und ein Bürgermeister werfen Blicke zurück

Ein spannendes Jahr geht für uns alle zu Ende. Für die Zukunft unserer Stadt wichtige Projekte wie der neue Zentrale Omnibusbahnhof mit neuem Taktverkehr wurden erfolgreich abgeschlossen. Mit dem Verkauf der Flächen beim Hauptbahnhof oder der mit dem Land vereinbarten Verlagerung des Hochschulstandortes Flandernhöhe in die Neue Weststadt gelingt es, unseren  Wirtschafts- und Hochschulstandort zu stärken. Inzwischen ist der Betreuungsbedarf von 40 Prozent der unter Dreijährigen realisiert. Und 2015 gehen voraussichtlich zwei weitere Gemeinschaftsschulen an den Start. Wirtschaftliche Stärke, Sicherung von Arbeitsplätzen, bezahlbarer Wohnraum, Bildung, Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, soziale Netzwerke sowie Klimaschutz sind und bleiben für Esslingen Eckpfeiler einer nachhaltigen Entwicklung. Ich wünsche Ihnen einen guten Start in ein gesundes und erfolgreiches Jahr 2015.

Jürgen Zieger, Oberbürgermeister der Stadt Esslingen

 

In der persönlichen Rückschau kommt mir das Bild in den Sinn, wie herzlich die Flüchtlinge bei uns in der Stadt aufgenommen wurden. In Ruit sind 38 junge Männer, die vor Krieg, Unterdrückung und Verfolgung geflohen sind, untergekommen. Sie starten nun in ein neues Leben und viele aus unserer Stadt begleiten die Flüchtlinge dabei. Das berührt mich sehr.

In der Kommunalpolitik steht auch dieses Jahr der Themenbereich Bildung und Betreuung im Vordergrund. Wir haben mit der Errichtung eines Interimskindergartens in Nellingen eine unkonventionelle Lösung für mehr Kindergartenplätze gefunden und wir haben mit dem Bau der Grundschule in Ruit einen Meilenstein gesetzt.

Christof Bolay, Oberbürgermeister der Stadt Ostfildern

 

Schon zu Beginn 2014 zeigte sich das Jubiläum „150 Jahre Eisenbahn“, das uns mit Ausstellungen und dem Theater „Delirium furiosum“ begleitet hat. Bei Bauarbeiten für das Gewerbegebiet „Hegelesberg“ wurde Spannendes entdeckt – die ältesten Spuren menschlicher Besiedlung Kirchheims aus dem sechsten Jahrhundert vor Christus. Jedoch nicht nur die Vergangenheit hat uns begleitet, es wurde ein neuer Gemeinderat gewählt, das Sportvereinszentrum und der Campus Rauner wurden auf den Weg gebracht. Ein Zeichen für Integration haben wir mit dem „Hain der Kulturen“ im Bürgerpark Herrschaftsgärten gesetzt. Den Blick auf Kommendes haben wir im Herbst mit den Workshops zum „Zukunftsdialog“ gestärkt. Die mit viel bürgerschaftlichem Engagement erarbeiteten Ziele werden im Frühjahr 2015 gebündelt, sie geben die Richtung für ein weiterhin erfolgreiches Kirchheim unter Teck vor.

Angelika Matt-Heidecker, Oberbürgermeisterin der Stadt Kirchheim

 

In diesem Jahr haben uns viele Themen in Nürtingen bewegt und beschäftigt. Unser neuer Gemeinderat ist mit dem Einzug zweier neuer Fraktionen noch vielfältiger geworden. Die steigenden Flüchtlingszahlen stellen uns vor große Herausforderungen, denen wir aber begegnen werden. Das Max-Planck-Gymnasium feierte seinen hundertsten Geburtstag und unser Neubau am Stadteingang auf dem ehemaligen Heimareal sein Richtfest. Gemeinsam mit der Bürgerschaft wollen wir mehrere Areale Nürtingens gestalten, um unsere Stadt in Zeiten des demografischen Wandels lebenswert für die Zukunft zu machen. An diesem Ziel wollen wir weiter arbeiten. Ich wünsche Ihnen ein erfolgreiches und gesundes Jahr 2015.

Otmar Heirich, Oberbürgermeister der Stadt Nürtingen

 

Für Plochingen war 2014 ein gutes Jahr. Mit der Inbetriebnahme des Kinderhauses Beethovenstraße wurden weitere 60 Plätze für Ein- bis Sechsjährige geschaffen. Damit wird der Rechtsanspruch auf einen Kinderbetreuungsplatz erfüllt. In den nächsten Jahren liegt das Hauptaugenmerk für Investitionen im schulischen Bereich. Am ersten Adventswochenende weihten wir in der Marktstraße 36 unsere neue „Plochingen Info“ ein. Einheimische und Touristen erhalten hier alle Informationen über unsere Stadt. Nach der Wahl waren im Gemeinderat einige neue Gesichter zu sehen; die kommunalpolitischen Verhältnisse blieben jedoch stabil. Nun wünsche ich Ihnen für das neue Jahr viel Glück, Zufriedenheit und Gesundheit. Wir alle hoffen, angesichts der vielen Unruhen und Kriege in unserer Welt, eine friedvollere Zeit erleben zu dürfen.

Frank Buß, Bürgermeister der Stadt Plochingen

 

Fotos:  Stadtverwaltungen


Verhaltener Optimismus im Jupiterjahr

Horoskop 2015: Der Aichwalder Astrologe Manfred Magg hat in die Sterne geschaut


 

Viele Menschen fragen sich: Was bringt mir das neue Jahr? Das Wochenblatt ECHO hat den Aichwalder Astrologen und Buchautor Manfred Magg gefragt, was die Sterne sagen.

„Mit Bedacht unterwegs zu neuen Ufern“, so könnte laut Magg das Jahresmotto 2015 lauten. Dafür sorge der ernste Saturn, der im Jupiterjahr in das optimistische Tierkreiszeichen des Schützen wechselt und ab Mitte Juni dort für 2015 bleibt. Saturn fordere, Ideale kritisch zu prüfen. Er verlange Konzentration auf das Wesentliche. Gesellschaftliche Werte und das Recht bekommen demnach neues Gewicht. 2015 verspricht weniger Stress, ideologisch-kriegerische Spannungen könnten ab April deutlich abnehmen. Maggs Sternenblicke im Einzelnen:

 

Widder: Widder durchleben seit 2011 mitunter spannungsreiche Veränderungen, bei denen sich heftige Konflikte nicht immer vermeiden lassen. Grundsätzlich ist alles zu eng und der Ausstieg aus alten Bindungen und Verpflichtungen kann plötzlich sein. Wer vor dem 1. April geboren ist, hat das Gröbste schon hinter sich. Die zwischen dem 2. und 6. April Geborenen stecken bis April 2015 im Tumult. Auf die nach dem 6. April Geborenen kommen Befreiungsimpulse erst noch zu. Beziehungen und kreative Tätigkeiten werden durch Venus vom 17. März bis 10. April besonders unterstützt.

 

Stier: Für den Stier geht eine wahrscheinlich recht anstrengende Zeit mit Verpflichtungen und Verantwortungen allmählich und ab September 2015 endlich ganz zu Ende. Ab Mitte August ist mit unterstützenden Kräften zu rechnen, die einen optimistischeren Herbst ankündigen. In Beziehungsfragen vielversprechend sind die Zeit Mitte März bis Mitte April und der November.

 

Zwillinge: . . . sollten versuchen, ihre vielfältigen Aktivitäten auf die wichtigen zu reduzieren und sich mehr zu konzentrieren, sonst könnten unangenehme Korrekturen auf sie zukommen. Konfliktträchtige Begegnungen mit Regeln und mit Autoritätspersonen wären dann möglich. Vor allem Zwillinge, die zwischen dem 22. und 28. Mai geboren wurden, fühlen sich 2015 wahrscheinlich von außen abgebremst. Für die danach Geborenen gilt dies vermehrt ab dem Jahr 2016. Um frischen Wind in Beziehung zu bringen oder neue Wege zu gehen, eignen sich der Januar und Mitte April bis Anfang Mai.

 

Krebse: . . . durchleben seit 2008 tief greifende innere Wandlungen. Die zwischen 22. Juni und 5. Juli Geborenen haben sie hinter sich. Die zwischen 6. und 8. Juli Geborenen durchleben 2015 den Höhepunkt des Wandlungsprozesses. Bis Ende März sind plötzliche Veränderungen möglich. Ab Mitte August hilft ein harmonischer Kräftezuwachs. Für Beziehungsangelegenheiten wären Mitte März bis Mitte April und Ende Juli recht günstig.

 

Löwe: Für kreativen Selbstausdruck war 2014 ein Highlight. Bis August 2015 ist die Zeit günstig für große Auftritte und um ins Volle zu gehen. Danach folgt eine kosmische Verschnaufpause, in der man am besten die Früchte genießt und Erfolge auswertet. Günstig für Beziehungen ist die Zeit von Anfang Juni bis Mitte Juli.

Jungfrau: Eine Jungfrau kann vorsichtig abwarten, um nicht unangenehme Überraschungen zu erleben.  Ab 12. August läuft sie für den Zeitraum von etwa einem Jahr zur Bestform auf. Die frühen Jungfrauen ereilt ihr „Glück“ schon im Herbst, die später Geborenen etwas später. Ab dann sollte man die Skepsis etwas hintanstellen und sich größere Unternehmungen zutrauen. Selten liegt das Gelingen so greifbar nahe. Venus unterstützt Beziehungen von Anfang Mai bis Anfang Juni und von Ende Juli bis Anfang November.

 

Waage: Wahrscheinlich bekommen Waagen schon seit einiger Zeit immer wieder Anstöße von außen, neue Wege zu gehen. Konzepte dafür gibt es ja genug im Kopf. Wer den Durchbruch nicht allein schafft, sucht sich am besten einen Wegbegleiter oder Coach. Insbesondere für die um den 23./24. September und zwischen dem 6. und 11. Oktober Geborenen wären die Zeiten für Veränderungen und Aufbruch günstig. Von Anfang November bis Anfang Dezember unterstützt sie Venus bei Beziehungen.

 

Skorpion: Hinter Skorpionen liegen wahrscheinlich zwei anstrengende und einschränkende Jahre. Zwischen Juni und September 2015 könnte es nochmals einen Nachschlag geben, der vielleicht familiäre und partnerschaftliche Bindungen sowie bindende Verpflichtungen gegenüber Geschäfts- und anderen Partnern betrifft. Es ist an der Zeit, Verstrickungen zu lösen und untergründig rumorende Dinge aus der Vergangenheit abzuschließen. Ab Herbst könnte vieles leichter werden. Für Beziehungsfragen ist der Dezember gut.

 

Schütze: „So richtig schnell geht jetzt nichts.“ Dieses Gefühl könnten Schützen haben. Dabei helfen weder große Ideen noch Begeisterung, sondern nüchterner Realismus ist gefragt. Saturn fordert, Ideale und neue Projekte auf den Prüfstand zu stellen. Wer zwischen dem 23. November und 6. Dezember geboren ist, fühlt sich oft ausgebremst: Nur mit Geduld lassen sich tragfähige Ergebnisse erreichen. Von Anfang Juni bis Anfang Oktober könnte es in Beziehungen interessant sein.

 

Steinbock: Steinböcke leben seit 2008 im Epizentrum der Veränderungen. Sie betreffen das Berufsleben, das Bankenwesen, gesellschaftliche Regeln und Werte. Damit begann ein untergründiger Prozess der Selbstwandlung. Seit 2014 betrifft dies die zwischen dem 4. und 8. Januar Geborenen. Man sollte sich nicht wundern, dass vieles in Frage gestellt wird und neue Seiten des Ichs herauskommen. Manchmal ändern sich auch Selbstausdruck und Lebensziele, die einen in eine neue Richtung drängen. Für die Beziehung förderlich können die Zeiten von Anfang Oktober bis Anfang November und der Dezember sein.

 

Wassermann: Wassermänner spüren wahrscheinlich seit Längerem den Drang zum Aufbruch. Voraussetzung wäre aber, dass Energie dafür investiert wird und man bei Misserfolg nicht das Weite sucht. Rückschläge sollten in Chancen umgemünzt werden. Manchmal braucht es eben den Neuansatz, bis etwas wirklich klappt. Der Januar eignet sich beziehungsmäßig besonders, um manches zu verändern oder um neue Wege zu gehen. Eine gute Zeit wäre auch von Mitte April bis Anfang Mai.

 

Fische: Wären Fische nicht von Haus aus gespürig, wäre die Zeit dafür gekommen. Die Einfühlung wird verstärkt, wodurch Fische die kleinsten Flöhe husten hören. Sie sollten Auszeiten nehmen, bevor es zu viel wird. Abgrenzung zu üben, bleibt stetige Aufgabe. Im Herbst beginnt die beste Zeit, das Bewusstsein umfassend zu erweitern. Ende Januar bis Ende Februar reagieren Fische in Beziehungen besonders sensibel. Ähnlich ist es von Anfang Mai bis Anfang Juni.

 

Info: Handlesen und Horoskop, Manfred Magg, gepr. Astrologe DAV, Erlenweg 6, Aichwald, t 07 11/3 05 16 04, 18 bis 19 Uhr, info@handlesen.de, www.handlesen.de

Foto: bob


Abgestimmt

Experten raten, sich zum neuen   Jahr nicht zu viel vorzunehmen.
Vorsätze sollen realistisch bleiben. Was sagen Sie? Nützen die
sogenannten guten Vorsätze überhaupt? Stimmen Sie ab.

Foto: dpa

Nutzen Vorsätze?

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Oh du fröhliche . . .

Weihnachtszeit kann auch Krisenzeit sein – Strukturen können helfen


Foto: dpa

Die Weihnachtszeit gilt als Zeit der Besinnung, der Familie, der Nähe der Menschen zueinander – aber auch als eine Phase, in der Sorgen aufbrechen, Streit aufkommt und Konflikte eskalieren können. Man kann sich jedoch vorbereiten und damit Stress vermeiden.

Kommt die Weihnachtszeit, registrieren Therapeuten und Beratungsstellen ein Ansteigen von Problemen: Familien streiten, Kinder aus Trennungsfamilien werden hin und her gezerrt oder mit dem neuen Partner eines Elternteils konfrontiert, im schlimmsten Fall kommt es zu Gewalt. Die Festtage und die Zeit zwischen den Jahren sind nicht einfach – dieses Fazit zieht Martina Rudolph-Zeller, die stellvertretende Leiterin der Telefonseelsorge Stuttgart. Anrufe häufen sich in dieser Zeit: Wobei der Heilige Abend weniger im Fokus stehe als die Weihnachtsfeiertage und die Tage danach. Während es an den Festtagen genug Ablenkung durch Veranstaltungen von Vereinen oder den Kirchengemeinden gibt, sind die nachfolgenden Tage ohne ablenkende Angebote. „Ruhe und tote Städte werfen die Menschen auf sich selbst zurück“, sagt Rudolph-Zeller. Oft sind es Alleinstehende, denen die Decke auf den Kopf fällt. Die Ehrenamtlichen an den Telefonen hören zu, Ratschläge geben sie jedoch nicht. „In den Gesprächen kommen die Menschen oft selbst auf Lösungsvorschläge“, sagt Rudolph-Zeller.

Zum Beispiel einen Spaziergang zu machen. Wichtig sei, aus der passiven Rolle ins Handeln zu kommen. Die Therapeutin und Sozialpädagogin sieht den Grund für Frustrationen in den Erwartungen, die die Menschen an die Weihnachtszeit haben. „Alles soll perfekt sein. Glück und Harmonie sollen herrschen.“ So sieht es auch die Familientherapeutin Renate Frey. Sie arbeitet bei der Psychologischen Beratungsstelle für Familie und Jugend des Landkreises und weiß: „Zu den Festtagen kommen Menschen zusammen, die sonst nicht so viel Zeit miteinander verbringen.“ Zuweilen sind vier Generationen unter einem Dach. Da gelte es vorzusorgen. Frey rät, die Tage zu strukturieren. Es müsse die Balance gehalten werden zwischen dem Beisammensein und den Freiräumen für jeden Einzelnen, sagt sie und ermuntert die jeweiligen Gastgeber der Festtage, diese Strukturen vorzugeben.

„Das kann ein Spaziergang nach dem Essen sein, eine Stunde Ruhe für jeden. Oder jemand liest vor.“ Frey rät Erwachsenen, Kinder nicht zu sehr mit „Programm“ zu behelligen. „Kinder genießen es, wenn man ohne Vorgaben Zeit mit ihnen verbringt, wenn man mit ihnen spielt oder liest.“ Dort, wo die Familie auseinandergebrochen ist, sollten die Elternteile ihre Erwartungen nicht zu hoch schrauben. Um Frustrationen zu vermeiden, helfe es, abwechselnd Heiligabend, Weihnachtsfeiertage und Silvester mit den Kindern zu verbringen. Wer nicht mit seinen Kindern feiert, dem helfen neue Formen des Feierns – zum Beispiel mit Freunden oder Verwandten.        bob

Info: Telefonseelsorge Stuttgart t 08 00/1 11 01 11 oder t 08 00/ 1 11 02 22, Psychologische Beratungsstelle des Landkreises: t 07 11/ 39 02-26 71 oder -28 28.


„Ruhe, Arbeit und Frieden“

Flüchtlingen im Landkreis ist wenig zum Feiern zumute – Weihnachtsgeschenke nur für die Kinder


Foto: pst

Weihnachten scheint kaum denkbar ohne Lichterketten und leuchtende Sterne, Nikolausmützen und Menschen im Einkaufsstress, süßliche Lieder aus dem Radio und Glücksversprechen aus der Fernsehwerbung, geschmückte Christbäume und die Hoffnung auf eine friedliche Stimmung an einem reich gedeckten Tisch. Doch etliche Menschen im Landkreis treiben ganz andere Sorgen um. Geflohen vor Krieg und Terror, verfolgt und bedroht wegen ihrer Volkszugehörigkeit oder ihrer religiösen Überzeugungen mussten sie ihre Heimat verlassen und konnten dabei vielfach nur das nackte Leben retten. Nach Feiern ist diesen Menschen nicht zumute.

Die Wände sind kahl im Gemeinschaftsraum im Flüchtlingsheim in der Charlottenstraße in Kirchheim, lediglich einige Kinderzeichnungen setzen Farbtupfer. Kein geschmückter Baum, keine Gestecke, keine Kerzen – nichts deutet auf eine festliche Zeit hin.

Etwa 280 Menschen leben derzeit im Kirchheimer Flüchtlingsheim. Sie stammen aus Syrien, dem Iran und dem Irak, aus Afghanistan und Pakistan, aus afrikanischen Ländern und aus Tschetschenien. Pro Person stehen rechnerisch 4,5 Quadratmeter Wohnraum zur Verfügung, manchmal sitzt eine vierköpfige Familie in einem 14-Quadratmeter-Zimmer aufeinander. „Gemessen an dieser Enge, an den vielen unterschiedlichen Kulturen und vor allem wenn man betrachtet, welche Erfahrungen die Menschen gemacht haben und welche Traumatisierung viele erlitten haben, ist es ein sehr gutes Zusammenleben hier“, sagt Jutta Woditsch, Sozialarbeiterin bei der AWO, die die Menschen im Heim betreut. Friedlich sei es, doch gefeiert werde nicht. „Die Leute haben andere Sorgen“, sagt Woditsch.

Ibrahim* illustriert das. „Wir sind schon seit zehn Monaten in Deutschland und wir haben immer noch keine Antwort vom Bundesamt. Ich kann nichts tun, nur sitzen und warten und hoffen“, sagt er und hebt wie zur Bestätigung seiner Hilflosigkeit die Hände.

Ibrahim stammt aus Syrien, hat als Mathematiklehrer gearbeitet und spricht recht gut deutsch. Die Familie besaß ein Haus in einem Ort nahe der Hauptstadt Damaskus, gehörte zur gebildeten Mittelschicht des Landes. „Dann kamen die Soldaten, die Flugzeuge, der Krieg, mit aller Macht“, berichtet Ibrahim mit leiser Stimme und erzählt von Fassbomben, Zerstörungen, wahllosem Töten. Die Familie hat es in die relative Sicherheit Westeuropas geschafft, rechtzeitig noch. „Aber was ist mit unseren Freunden, unserem Haus? Wir wissen gar nichts.“ Als Muslime würden sie zwar keine Weihnachten im christlichen Sinn feiern, doch sei in der Heimat zumindest in den Städten zu der Zeit  immer auch eine festliche Stimmung zu spüren gewesen. „Aber jetzt? Es ist nur traurig“, sagt Ibrahim.

Für Victoria* sieht das ganz ähnlich aus. Sie stammt aus Nigeria und ist mit ihren zwei kleinen Töchtern auf lebensgefährlichen Wegen nach Kirchheim gekommen, „über das Meer“, sagt sie nur. Sie ist Christin und wird an Weihnachten zur Kirche gehen und beten, für ihre Kinder, für den Frieden in ihrer Heimat. Feiern wird sie nicht.

Auch im Heim in der Rennstraße in Esslingen herrscht eine nüchterne Stimmung. 105 Flüchtlinge leben dort, manche sind erst seit kurzer Zeit der Verfolgung oder dem Terror in ihren Heimatländern entronnen. Die Traumatisierung und die emotionale Belastung sind meist stark, über Fluchtgründe oder die Wege wird daher nicht gesprochen. Brunhilde Burgmann und ihre Mitstreiter vom ökumenischen Arbeitskreis Asyl, die sich ehrenamtlich um die Menschen kümmern, haben kürzlich im katholischen Gemeindehaus in Berkheim eine Nikolausfeier für die Flüchtlingsfamilien auf die Beine gestellt. Im Heim in der Rennstraße aber findet Weihnachten nur in einigen Familien statt. „Wir sind Muslime. Bis vor wenigen Monaten haben wir das überhaupt nicht gekannt. Der Schmuck in den Straßen ist zwar schön, aber ich habe keine Beziehung dazu“, lässt eine Frau aus Pakistan übersetzen.

Derya* stammt aus der Türkei, sie kennt Weihnachten. Sie ist zwar Muslima, begeistert sich aber an der Atmosphäre und besucht gerne Weihnachtsmärkte. „Wenn wir eine Wohnung hätten, würde ich auch einen Baum aufstellen und schmücken, schon für die Kinder“, sagt sie.

Auch in der Familie der jungen Afghanin, die mit am Tisch sitzt, wird sich Weihnachten für die Kinder etwas abheben. „Für sie gibt es ein besonderes Essen und ein kleines Fest. Und natürlich Geschenke. Die gab es auch schon zum Zuckerfest. Den Kindern geht es ziemlich gut“, sagt sie.

Den klassischen Wunschzettel zum Fest wird man allerdings in den Heimen nicht finden. Die Wünsche der Menschen, die im Landkreis Zuflucht gefunden haben, lassen sich nicht mit einem Besuch im Kaufhaus befriedigen und sind doch so einfach und fast existenziell. „Gesundheit, Ruhe und Arbeit. Ich bin Friseurin, ich liebe diese Arbeit und möchte meine Kinder ernähren können“, sagt Victoria in Kirchheim. „Zur Schule gehen, lernen, eine Ausbildung machen“ – Wünsche, die eine junge Afghanin in Kirchheim und eine Pakistani in Esslingen einen. Ibrahim versucht, es auf den Punkt zu bringen. „Ein einfaches, normales Leben, eine Wohnung und Arbeit, das ist alles. Frieden, in meiner Heimat und in der Welt.“             pst

* Die Namen der Flüchtlinge sind zu ihrem Schutz geändert worden.


Abgestimmt

Fußballstar Marco Reus ist jahrelang ohne Führerschein
gefahren und zahlt eine Strafe von 540 000 Euro.
Was glauben Sie? Trägt Reus einen irreparablen Imageschaden
davon? Stimmen Sie hier ab.

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Nachhaltiger Schaden?

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Lärm bleibt in Grenzen

Betonteile für Fildertunnel: Noch zögerliche Verladung von Tübbingen in Altbach


Anfang November sind in Altbach die ersten Züge mit Tübbingen eingetroffen – großen Betonfertigteilen für den Fildertunnel der Bahnstrecke Stuttgart–Ulm. Da bisher weit weniger Tübbinge angeliefert werden als angekündigt, werden sie tagsüber verladen. Aber sobald die Tunnelbohrmaschine richtig auf Touren ist, sind drei Züge pro Woche vorgesehen. Dann ist Nachtarbeit angesagt. Der Lärm scheint sich aber in Grenzen zu halten.

Die großen, rund elf Tonnen schweren Betonteile kommen auf Zugwaggons von der Oberpfalz nach Altbach. Dort werden sie auf einer Verladestelle neben dem Bahnhof auf Lastwagen umgesetzt und zur Fildertunnel-Baustelle beim Echterdinger Ei gekarrt. Insgesamt werden 53 000 Tunnel-Betonteile und damit 23 000 Lkw-Fahrten benötigt, die mindestens bis November 2017 andauern. Die Alternative war, die Bauteile zum Auskleiden der Tunnelröhre direkt vor Ort an der Baustelle zu produzieren. Das wurde jedoch nicht genehmigt.

Im Altbacher Gemeinderat hatte die Verladung im Vorfeld für Empörung gesorgt, allein schon deshalb, weil die Verwaltung nicht von der Bahn informiert worden war, sondern aus der Presse davon erfuhr. Zudem befürchtete man eine nächtliche Lärmbelastung der Anwohner. Die nächstgelegenen Wohnhäuser im Bereich Esslinger Straße und Haldenrainweg sind rund 150 Meter entfernt. Mittlerweile sind die Bedenken aber kleiner geworden. Ein Lärmgutachten habe ergeben, dass die Richtwerte für die Nacht überall eingehalten würden, außer im siebten Stock des Hochhauses am Kreisverkehr, bestätigt Altbachs Bürgermeister Wolfgang Benignus – aber der „harte Grenzwert“ wird den Berechnungen zufolge auch dort nicht überschritten. Benignus war selbst bei einer Verladung vor Ort und hat festgestellt, dass die Geräusche „tagsüber eigentlich nicht ins Gewicht“ fallen. Nachts, bei weniger Umgebungslärm, könne das natürlich anders sein. Die beauftragte Firma hat zugesichert, auf den Piepston beim Rückwärtsfahren zu verzichten und die Geräusche beim Umsetzen der Betonteile durch Gummimatten zu dämpfen. Zudem soll ein neuer, besonders leiser Gabelstapler aus Schweden eingesetzt werden, der momentan allerdings noch auf sich warten lässt.

Noch passiert ohnehin nicht viel am Ladeplatz: Am 11. Dezember ist ein Zug mit Tübbingen angekommen, der nächste ist erst für den 7. Januar angekündigt. Das liege daran, dass die Tunnelvortriebsmaschine noch nicht auf Hochtouren laufe, erklärt Reinhold Willing, Sprecher des Bahnprojektes Stuttgart–Ulm. Diese Maschinen seien Unikate, für die jeweilige Baustelle angefertigt, weshalb noch viel Feinjustierung notwendig sei. Angelaufen ist die Maschine mit dem Namen „Suse“ mit gut zwei Wochen Verspätung Ende November. „Wenn sie sich eingefahren hat, dann werden auch die drei angekündigten Güterzüge pro Woche nötig sein“, so Willing.   aia / Foto: aia


Fast so intensiv wie in der Kindheit

Für Mesnerinnen und Mesner ist der Advent spannend und arbeitsreich – Momente der Stille erleben und genießen


Mesnerinnen und Mesner, ob katholisch oder evangelisch, haben im Advent alle Hände voll zu tun. Gottesdienste, Konzerte und Krippenspiel wollen vorbereitet, das Gotteshaus passend dekoriert sein. Klaus Hauber und Alexandra Kohl, die mit dem Wochenblatt ECHO über ihre Vorweihnachtszeit gesprochen haben, empfinden diese Arbeit nicht als Belastung, sondern als Bereicherung, die sie die Vorweihnachtszeit besonders intensiv erleben lässt.

Weihnachten hat zwei Gesichter: Kommerz und Nächstenliebe, hektischer Trubel und innere Einkehr. Klaus Hauber, der in der evangelischen Stadtkirche St. Laurentius in Nürtingen Mesner ist, erlebt diesen Kontrast jedes Jahr ganz direkt. Denn der Weihnachtsmarkt, der im Dezember zehn Tage lang rund um die Kirche stattfindet, strahlt bis in deren Innenraum ab. „Sie hören die Musik vom Karussell, Sie hören Stimmen und merken, draußen ist ganz viel los“, erzählt Hauber. Ihn stört das nicht, er lässt sich – Kommerz hin oder her – von der Stimmung berühren und wünscht sich manchmal, dass mehr Menschen den Weg ins Gotteshaus finden würden. Zum Beispiel zu den Adventsmomenten, die in der Marktzeit täglich zu einer besinnlichen halben Stunde einladen. Der Mesner freut sich, wenn Eltern oder Großeltern mit den Kindern die Krippenausstellung anschauen, oder wenn die Lichterkönigin Lucia mit ihrem weiß gekleideten Gefolge und vielen Kerzen in die Kirche kommt: „Das ist ein wunderschönes Bild.“

Leben in der Kirche findet er schön, auch wenn es Arbeit mit sich bringt. Schon Wochen vor dem Weihnachtsmarkt wurden Postkarten, Kalender und Kerzen bestellt, um sie für einen guten Zweck verkaufen zu können. Tannenbäume und Tische für die Krippen werden aufgestellt, der Adventskranz mit großen Kerzen bestückt und aufgehängt. Der Christbaum kommt ganz traditionell erst am 22. Dezember in die Kirche. „Da braucht man vier robuste Männer zum Tragen“, sagt Hauber, der den Baum dann mit Strohsternen schmückt.

Die Anspannung ist vor allem bei den gut besuchten Gottesdiensten am Heiligen Abend riesengroß. Dann bangt Hauber, ob alles gut geht, ob nicht jemand krank wird oder ein Notfall eintritt. „Aber ich genieße es dann auch, wenn ein Gottesdienst schön ist oder wenn die Musik schön ist“, sagt er. Richtig baden könne man in dieser Musik, sagt er, auch bei den Schulkonzerten im Advent.

Beim Krippenspiel am Nachmittag des 24. Dezember „geht es zu wie im Ameisenhaufen“. Beim Abendgottesdienst ab 18 Uhr wird das letzte Lied ohne Licht, nur im Kerzenschein, gesungen. Und beim Nachtgottesdienst spürt er, dass von den meisten Menschen die Spannung abgefallen ist, dass sie freudig und dankbar kommen. Er selbst verbringt meistens den ganzen Heiligen Abend in der Kirche. Vielleicht macht er am Abend einen Abstecher nach Hause, aber dort wartet keine Familie auf ihn. Oft bleibt er durchgehend in der Kirche und erlebt einen echten Moment der Stille. Eigentlich, sagt Klaus Hauber, finde er „in Weihnachten erst rein, seitdem ich hier Mesner bin“. Natürlich war das Christfest für ihn immer wichtig. Aber der emotionale Bezug, wie er ihn als Kind hatte, ist erst in St. Laurentius wieder gewachsen.

„Man nimmt die Adventszeit intensiver wahr“, sagt auch Alexandra Kohl, die in der katholischen Kirche St. Josef in Esslingen-Hohenkreuz nebenberuflich als Teil des vierköpfigen Mesnerteams tätig ist. Von Arbeit möchte die 45-Jährige in diesem Zusammenhang nicht sprechen, lieber von einem „Dienst am Herrn und an der Gemeinde“. Und auch wenn im Advent deutlich mehr als sonst zu tun ist, gelingt es ihr besser als früher, der vorweihnachtlichen Hektik zu entkommen. „Ich merke, wie gut das tut, Pause vom Alltagsleben zu machen, und wie du daraus Kraft schöpfst“, sagt sie. Dabei hilft ihr das „Morgenlob“ zum Sonnenaufgang in der Kirche ebenso wie die „klangvolle Stille“ am frühen Abend mit meditativer Musik. Oft setzt sich die Mesnerin, die berufstätig ist, nach der Arbeit noch in die Kirche, die mit ihrem kunstvollen Auferstehungsfenster im Altarraum meditative Ruhe ausstrahlt.

Natürlich kennt auch Alexandra Kohl die Anspannung und die zusätzlichen Dinge, die zu tun sind. Je näher Weihnachten rückt, desto voller wird die Kirche. Die Heizung muss richtig programmiert sein, viele Kerzen brennen, die Stühle werden zusammengerückt. Aber all das führt zu bewegenden, sinnlichen Momenten, zum Beispiel, wenn das Friedenslicht aus Bethlehem am dritten Advent in die Kirche getragen wird oder beim Krippenspiel. „Da geht das Herz auf, das macht mir richtig Freude“, sagt Alexandra Kohl.

Sie spüre heute mehr als früher, wenn Weihnachten näher rückt, sagt sie. Und bemerkt mit einem Seitenblick auf die Besucherin von der Zeitung: „Wenn Sie eine Auszeit brauchen – wir haben am Sonntag klangvolle Stille.“                                 aia / Fotos: aia