Abgestimmt

Das Volksfest wegen Überfüllung abgesperrt, S-Bahnen und Züge
umgeleitet – zu viele Menschen streben auf den Cannstatter Wasen.
Muss das Sicherheitskonzept künftig verschärft werden?

Foto: dpa

Neues Sicherheitskonzept?

  • Ja! (67% )
  • Nein! (33% )
Loading ... Loading ...


Ein Gesundheitscampus

Das neue Konzept fürs Plochinger Krankenhaus liegt vor


Wenn in den kommenden Wochen die Psychiatrie nach Kirchheim umzieht, geht die 150-jährige Geschichte des Plochinger Krankenhauses zu Ende. Gleichzeitig beginnt der Umbau: Künftig sollen die Krankenpflegeschulen und die Fort- und Weiterbildungsakademie der Kreiskli­niken Esslingen im bisherigen Krankenhaus zentralisiert werden. Außerdem zieht das Gesundheits- und Veterinäramt des Landkreises ein und eine PIA – eine Psychiatrische Institutsambulanz – ist geplant. „Gesundheitscampus“ nennen die Kreiskliniken dieses Konzept.

Das Plochinger Krankenhaus wird im Zuge der Neustrukturierung der Kreiskliniken geschlossen. Die Kliniken, der Kreis und die Stadt Plochingen haben nun gemeinsam das mit Spannung erwartete Nachnutzungskonzept vorgestellt. Die Konzentration der beiden Krankenpflegeschulen, die derzeit am Nürtinger und Ruiter Krankenhaus sind, sei eine große Chance, sagte Thomas Kräh, der Geschäftsführer der Kreiskliniken. An beiden Standorten stünden Sanierungen für insgesamt rund zwei Millionen Euro an. Man habe sich deshalb entschlossen, lieber „an einem Standort richtig zu investieren“ und die 145 Ausbildungsplätze zu zentralisieren. Als weiterer Baustein soll die derzeit am Kirchheimer Krankenhaus angegliederte Fort- und Weiterbildungsakademie der Kreiskliniken hinzukommen. Insgesamt werden dafür rund 2,7 Millionen Euro investiert, der Einzug ist für 2016 geplant. Damit bekomme man eine zentrale Einrichtung für die Versorgung mit Facharbeitskräften und könne sich „als attraktiver Arbeitgeber präsentieren“, sagte Landrat Heinz Eininger. Neben den Unterrichtsräumen sind in den ehemaligen Patientenzimmern 44 Appartements für angehende Pflegekräfte vorgesehen.

Ein weiterer Baustein des Konzepts ist das Gesundheits- und Veterinäramt, das mit 83 Mitarbeitern schon im kommenden Frühjahr von Esslingen auf den Plochinger Stumpenhof verlegt wird. Denn die Kreisverwaltung, vor allem das Sozialdezernat, platze in Esslingen „aus allen Nähten“, so der Landrat. Und schließlich soll Plochingen nach dem Verlust seiner stationären Psychiatrie eine Psychiatrische Institutsambulanz bekommen. Es gibt bereits mehrere solcher Behandlungszentren für psychisch kranke Menschen im Kreis Esslingen.

Für die Stadt Plochingen sei das Konzept zwar „nicht die Wunschlösung“, sagte Bürgermeister Frank Buß, „aber eine gute Lösung mit Vorteilen für alle Beteiligten“. Der Stadtteil Stumpenhof mit seinen Einkaufsmöglichkeiten könne davon profitieren. Eigentlich hätte sich die Stadt wieder eine Einrichtung der Gesundheitsversorgung gewünscht. Es gab auch zwei Anfragen in diese Richtung – deren Realisierung allerdings nicht gelang. Offen ist noch die zukünftige Nutzung der Personalhäuser auf dem Stumpenhof. Dort sei vieles denkbar, sagte Eininger. Auch die Unterbringung von Asylbewerbern, doch das sei nicht die erste Wahl des Landkreises an dieser Stelle.     Aia / Foto: bul


Kostbares „Fleisch“ aus dem Wald

Pilzflut in Deutschland – Es wird wieder mehr gesammelt – Sachverständige beraten – App auf dem Smartphone ist unsicher


Pilzsammler müssen sich gut auskennen. Sonst kann ihr Hobby böse Folgen haben. Es muss nicht immer der Knollenblätterpilz oder der Satansröhrling sein, dessen Verzehr zu schweren Vergiftungen oder gar zum Tod führt. Auch andere Pilze können Lebensmittelvergiftungen mit Bauchkrämpfen, Durchfall und Erbrechen auslösen. Giftnotrufzentralen warnen: Die Vergiftungen nehmen zu.

Die Giftnotrufzentralen berichten aktuell von auffällig vielen Fällen von Pilzvergiftungen. Denn mit der Pilzflut, die das warme feuchte Wetter in Deutschland hervorgerufen hat, nimmt auch der Griff zum falschen Hutträger zu – und mit ihm die Gefahr einer Vergiftung. Die handeln sich Sammler schnell ein, wenn sie unvorsichtig sind. Für Laien sind giftige von ungiftigen Exemplaren schwer zu unterscheiden. Pilzsachverständige wie Ernst Dittrich aus Reichenbach wissen das. Sie unterstützen Pilzsammler, organisieren Führungen und Seminare und stehen auch für Nachfragen bereit.

In die Pilze gehen ist in. Was früher eine Notwendigkeit zur Selbstversorgung mit dem „Fleisch des Waldes“ war, ist heute ein Stück Lifestyle. „Pilze gelten als Delikatesse und das Sammeln der Pilze als Naturerlebnis“, erklärt Ernst Dittrich das gestiegene Interesse an selbst gesammelten Pilzen. Kein Wunder, dass dort auch mancher unterwegs ist, der nicht weiß, was er tut.

Ernst Dittrich und seine Frau Ingeborg sind seit vielen Jahren Mitglied im Verein der Pilzfreunde Stuttgart, Dittrich ist Vorsitzender des Vereins. Von August bis November finden jedes Jahr jeden ersten Montag, von 16.30 bis 18 Uhr, Pilzberatungen in der Stuttgarter Markthalle statt. Bei der kostenlosen Beratung werden Pilze, die die Besucher mitbringen, angeschaut, bestimmt und ihre Merkmale erklärt. Dittrich erklärt das Prozedere: „Es sollen nur ein bis zwei Stück eines Exemplars mitgebracht werden. Darüber hinaus sollen die Pilze unzerstört und als ganzes Teil vorgeführt werden.“

Dittrich macht auch Pilzführungen, die rasch nach Bekanntgabe ausgebucht seien. Zuweilen kommen Sammler auch zu ihm nach Reichenbach und zeigen ihm ihre gesammelten Exemplare. Auch die Giftnotrufzentrale der Universität in Freiburg, die für den Raum Stuttgart zuständig ist, fragt ihn oft um Rat. Oder Taxis bringen aus Krankenhäusern Reste von gekochten Pilzgerichten, um den Fachmann das giftige oder ungenießbare Exemplar identifizieren zu lassen.

Ein Arzt muss zwischen einer Lebensmittelvergiftung und einer Pilzvergiftung unterscheiden. Eine Lebensmittelvergiftung nach einem Pilzessen geht mit Erbrechen, Durchfall und Bauchkrämpfen einher. Die kann durch ungenießbare oder verdorbene Pilze ausgelöst werden und vergeht nach einigen Tagen wieder, ohne dass eine spezielle Therapie notwendig wäre. Bei einer echten Pilzvergiftung nach dem Genuss eines für Menschen giftigen Pilzes müssen Ärzte Therapien bis hin zum Verabreichen eines Gegengifts in Gang setzen. Der Knollenblätterpilz in seiner weißen oder grünen Variante ist der giftigste Pilz im Wald. Sein Gift ist tödlich, es zersetzt die Leber, wenn nicht rechtzeitig therapiert wird.

Dittrich selbst hat noch bei keinem Sammler einen Knollenblätterpilz im Körbchen entdeckt. Ihm sind aber Menschen mit Migrationshintergrund aufgefallen, die beim Pilzesammeln Fehler machen. „Sie kennen sich durchaus gut aus, sie verwechseln aber giftige oder ungenießbare Exemplare mit Pilzen, die sie als essbar aus ihrer Heimat kennen“, sagt er. Vor Jahren ist deshalb ein Mann aus Kasachstan gestorben, weil er einen Knollenblätterpilz verspeist hat.

Dittrich warnt dringend vor einer Pilzbestimmung auf eigene Faust. „Bücher oder Apps für Smartphones sind für Laien gefährlich“, sagt er. So ausgerüstet könne man nicht sicher Pilze sammeln. Auch warnt er vor Regeln wie: Ein Pilz, der von Maden und Schnecken angefressen wird, könne nicht giftig sein. Überhaupt sollte man von nassen, zerfressenen oder unansehnlichen Pilzen besser die Finger lassen.  „Jung, frisch und knackig“ müssen die Pilze laut Dittrich sein, die der Sammler vorsichtig aus dem Boden drehen oder schneiden soll. Dann das Loch mit Erde, Laub oder Nadelstreu abdecken. Wer den Pilz aus dem Boden reißt, beschädigt auch sein Myzel – den eigentlichen Pilz. Pilzsuche ist aber auch Naturschutz: Ältere Pilze bleiben der Arterhaltung wegen stehen.

Viele einheimische Pilze stehen außerdem unter Artenschutz und dürfen deshalb nur in geringen Mengen für den Eigenbedarf gesammelt werden. Dazu gehören Steinpilz, Pfifferling, Schweinsohr, Brätling, Rotkappe, Birkenpilz und Morchel. Diese Ausnahmeregel betrifft aber nicht Kaiserling, Trüffel und Saftlinge – sie dürfen gar nicht aus dem Boden entfernt werden. Auch der Transport birgt Gefahren, wie die Experten des Botanischen Gartens Berlin-Dahlem sagen: Pilze sollten  immer möglichst luftig in Körben transportiert werden. Sonst zersetzt sich das Eiweiß der Fruchtkörper schnell und sie werden ungenießbar.  Absolut indiskutabel sei es, Pilze in Plastiktüten zu transportieren. Experten raten auch davon ab, bei feuchtem Wetter zu sammeln. Die Witterung könne Schimmelbildung begünstigen.

Fühlen Pilzesser sich nach einer Pilzmahlzeit unwohl, sollten sie sofort den Notarzt oder den Giftnotruf wählen. Auch wenn nur einer der Esser des Pilzgerichts über Beschwerden klagt, sollten alle Esser ärztlichen Rat einholen. Die restliche Pilzmahlzeit – auch Erbrochenes – werden am besten aufgehoben, um im Notfall bestimmen zu können, um welche Sorte Pilze es sich handelt. Experten raten überdies, Wild- und Zuchtpilze am besten noch am selben Tag zu verarbeiten. Die meisten Pilze sind im rohen Zustand unbekömmlich, einige sogar giftig. Sie sollten daher gekocht werden. Eine Ausnahme ist zum Beispiel der Champignon. Wildpilze müssen jedoch immer durcherhitzt werden, 70 Grad und zwei Minuten reichen. So zubereitet halten sich die Pilze einen Tag im Kühlschrank.
bob / Foto: dpa

 

Info: Pilzsachverständige Ingeborg und Ernst Dittrich, t 0 71 53/ 95 82 24, Pilzberatung Markthalle Stuttgart: Montag, 3. November, 16.30 bis 18 Uhr, mehr über Pilze: www.pilzfreun.de, Giftnotrufzen­trale der Uni Freiburg: t 07 61/19 24-0, mehr auch unter: www.aid.de/verbraucher/saisonales.php.


Abgestimmt

Die Lufthansa-Piloten streiken, die Lokomotivführer der Bahn
drohen damit – mal wieder. Haben Sie Verständnis, wenn derlei
Spartengewerkschaften Verkehrshindernisse aufbauen, um ihre
Interessen durchzusetzen?

Foto: dpa

Verständnis für Streiks?

  • Nein! (100% )
  • Ja! (0% )
Loading ... Loading ...


Neues Klangerlebnis

Erstes Konzert im Esslinger Jazzkeller nach Sanierung am 26. September


Fast acht Monate wurde gearbeitet, die Planungen laufen schon seit Mitte des vergangenen Jahres: Am Freitag öffnet nun der Jazzkeller in der Esslinger Altstadt nach der Sanierung wieder seine Pforte und präsentiert sich als runderneuertes aber nach wie vor traditionelles Domizil für Jazzmusiker und Jazzliebhaber.

Das letzte Konzert im „alten“ Jazzkeller fand im Januar statt, dann gingen die Veranstalter in die ver­längerte Pause und nutzten die musikfreie Zeit, um auszumisten, umzubauen und zu renovieren. Vor Kurzem hat sich der Club erstmals runderneuert gezeigt: Die Bühne befindet sich nun an der Stirnseite des Raums. „Die Musiker spielen jetzt in den Raum hinein“, wie Barbara Antonin von der Jazzkellergemeinschaft sagt. Die Zuschauer haben nun mehr Raum bei gleichbleibender Platzzahl, vermehrt können nun bequeme Stühle mit Lehne aufgestellt werden. Eine neue Garderobe wurde eingerichtet, so dass die Musiker eine Rückzugsmöglichkeit haben und an der Bar gibt es jetzt fließend Wasser. Der Umbau hat auch eine ästhetische Komponente: „Das alte Gewölbe kommt jetzt deutlich mehr zur Geltung, das lieben unsere Musiker und auch unsere Besucher“, sagt Antonin. Ausschlaggebend für die Sanierung war aber weniger der Anspruch auf eine ansprechendere Gestaltung, sondern eine technische Notwendigkeit.

Immer stärker hatte die Wand in Richtung Landolinsgasse unter eindringender Feuchtigkeit gelitten. Mit Schimmelbildung musste gerechnet werden. Gegen die Feuchtigkeit im Raum arbeitet nun ein spezielles Luftsystem mit zwei Entfeuchtungsgeräten an. Diese regulieren das im Raum vorhandene Nass, checken die für einen Gewölbekeller dieses Alters notwendige Feuchtigkeit und saugen weg, was darüber hinaus anfällt. Pumpen an der feuchten Wand sorgen schon seit Längerem dafür, dass überschüssige Feuchtigkeit nach außen abgeleitet wird.

Rund 40 000 Euro hat der Umbau gekostet. Die Stadt Esslingen fördert ihn mit 30 000 Euro, verteilt auf zwei Jahre, die Zukunftsstiftung Heinz Weiler gibt 10 000 Euro dazu. Architekt Michael Ditttmer, Jazzfan und Liebhaber historischer Gemäuer, hat überdies ehrenamtlich gearbeitet. Noch sind nicht alle Wünsche erfüllt, wie Antonin sagt. „Eine neue Möblierung und eine aktualisierte Lichttechnik wären schön.“ Doch das muss nun erst einmal hintangestellt werden. Zum ersten Konzert im Esslinger neuen alten Jazzkeller wurde mit dem Johannes Mössinger NY Quartett „ein Leckerbissen an Land gezogen“. Auch die folgenden Konzerte mit den Moutin-Brüdern und dem Goldberg-Trio bezeichnet Antonin als „echte Highlights“.  Bob/Foto: bul

 

Info: Freitag, 26. September, 20.30 Uhr, Johannes Mössinger NY Quartett im Jazzkeller, Webergasse 22 in Esslingen (www.jazzkeller-esslingen.de).


Großeinsatz an trockenen Tagen

Die Ernte war wegen der Nässe schwierig – „Mit einem blauen Auge davongekommen“

Übervolle Äste, die manchmal unter dem Gewicht ihrer Früchte brechen: Die Streuobstwiesen erinnern dieses Jahr ans Schlaraffenland. Auch ansonsten sei die Landwirtschaft trotz der schwierigen Wetterverhältnisse mit einem blauen Auge davongekommen, sagen Bauern aus der Region. Zu schaffen machen ihnen aber die Preise, die auch aufgrund der Sanktionen gegen Russland im Keller sind.

Thomas Klein vom Erlenhof in Wernau nimmt die Wetterkapriolen mit Humor. „Das hat umgekehrt gepasst“, sagt er bezogen aufs Getreide: Nach der Aussaat blieb es lange zu trocken, dann regnete es viel zu viel. Dennoch ist Klein, der jedes Jahr 500 bis 600 Tonnen Gerste, Weizen und Triticale – eine Kreuzung aus Weizen und Roggen – für die Schweine und Pferde auf seinem Hof braucht, unterm Strich zufrieden. Zumal er die Ernte noch vor dem Beginn der Regenperiode und damit trocken genug für die Lagerung unter Dach und Fach hatte. Aktuell steht der Mais zur Ernte an und sehe gar nicht schlecht aus, erklärt der Wernauer Landwirt.

Auch bei Karl-Heinz Schaller auf dem Burghof in Neuhausen kam der Lohnunternehmer mit dem Mähdrescher rechtzeitig und brachte das Getreide trocken ein. Schaller kann sich also mit dem Verkauf Zeit lassen, denn „im Moment sind die Preise unten“. Nach seiner Erfahrung steigen sie aber in den kommenden Monaten wieder an. „Überraschenderweise war der Ertrag doch in Ordnung“, zieht er Bilanz.

Der Landkreis Esslingen sei „im Großen und Ganzen mit einem blauen Auge davongekommen“, meint Michael Zimmermann, der Landwirt auf dem Schlossgut Köngen und einer der beiden Vorsitzenden des Kreisbauernverbandes ist. Bei Mais und Hackfrüchten habe die Witterung gepasst. Die Obsternte sei überall dort gut gewesen, wo Hagelschäden ausblieben. So zum Beispiel in Owen bei Obstbauer Tobias Schmid. Zwar hängen die Bäume im Tafelobstbau nicht gar so voll wie auf den Streuobstwiesen, sagt er, aber der Ertrag sei „relativ gut“ und der Geschmack „richtig gut“. Schmid baut gängige Sorten wie Elstar und Gala an. Die Niederschläge im Juli und August hätten den Äpfeln gut getan und noch mal einen Wachstumsschub bewirkt. Mit den Kirschen, noch vor der Nässeperiode geerntet, war er ebenfalls zufrieden. Hohe Erntemengen drücken allerdings den Preis, die Sanktionen gegen Russland kommen hinzu: Wenn Obst und Gemüse aus Polen und seinen europäischen Nachbarländern nicht mehr nach Russland exportiert werden darf, landet es auf dem hiesigen Markt und vergrößert das Angebot.

Die Gemüse- und Kartoffelbauern plagte auch der nasse Boden sehr. „Es war schon sehr, sehr beschwerlich“, sagt Lore Sohn vom Mettinger Gemüsehof. Blieb es zwischendrin mal drei Tage trocken, mussten alle verfügbaren Kräfte zur Ernte raus und vollen Einsatz bringen. Heilfroh sei man gewesen, als die Kartoffeln eingebracht waren. Die litten allerdings unter der Feuchtigkeit und hatten teilweise Faulstellen; andere Knollen hatten ein zweites Mal ausgetrieben. Da helfe nur radikales Aussortieren, sagt Sohn. Sie ist froh, dass keine Hagelschäden auftraten und dass Gemüse wie Brokkoli, Bohnen und Blumenkohl durchweg von sehr guter Qualität sei. Auch dem Sellerie mache Nässe nichts aus, bestätigt Karl Schumacher von den Wangerhöfen in Köngen, der sei eine „Wasserpflanze“. Bei der Ernte brauche man allerdings halbwegs trockenen Boden. Ausfälle hatte Schumacher wie viele andere beim Salat, der teilweise faulte. Dafür seien „die Kohlgemüse durch den vielen Regen sehr gut gewachsen“ – die Haupternte der lagerfähigen Herbstsorten beginnt jetzt.

Erntezeit ist auch für Kürbisse, die heuer „alle ein bisschen kleiner als letztes Jahr“ seien, so Michael Mimich von Henzlers Rammerthof in Nürtingen-Raidwangen. Offensichtlich hat ihnen die Wärme gefehlt.               Text/Foto: aia


Abgestimmt

Schlafforscher mahnen, bei einem Schulstart um 8 Uhr oder früher
seien Kinder nur bedingt leistungsbereit. Müssen unsere Kinder
zu früh zur Schule? Was sagen Sie? Stimmen Sie hier ab.

Foto: dpa

Zu früh zur Schule?

  • Ja! (100% )
  • Nein! (0% )
Loading ... Loading ...


Nadelöhr aufweiten

Ausbau der Verkehrsknoten zwischen B 10 und A 8 startet in Denkendorf


In den nächsten Jahren will die Landesregierung insgesamt sieben Kreuzungen an Verkehrsknotenpunkten zwischen der B 10 und der A 8 um- und ausbauen. Auf Denkendorfer Gemarkung, beim Autohaus Drechsler, ist kürzlich der Startschuss dazu gefallen. Derzeit wird dort die unterirdische Fußgängerquerung erweitert. „Diese Straße ist eine wichtige Verbindungs- und Zubringerstraße für Esslingen, Ostfildern und Denkendorf – und für alle Bürgerinnen und Bürger, die dort leben und arbeiten“, sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann beim Spatenstich Mitte August.

Die Verkehrsachse zwischen dem Autobahnanschluss auf den Fildern und der B 10 im Neckartal ist seit langem stark belastet. So auch die Kreuzung der Landesstraßen 1200 und 1202 zwischen Denkendorf und Nellingen. Dort fahren nach Angaben von Projektleiter Frank Engelhart vom Baureferat Süd des Regierungspräsidiums Stuttgart rund 30 000 Autos täglich durch. Mit der Erweiterung des Festo-Stammsitzes in Berkheim wird der Verkehr auch dort noch zunehmen. Der soll dann mit dem Ausbau der Kreuzungen weniger ins Stocken geraten. Am L 1200/1202-Knoten sollen dafür je eine zusätzliche Spur in Richtung Esslingen und Autobahn sorgen. Beide zusätzlichen Spuren dienen lediglich zum Einfädeln und münden danach wieder in die jetzigen Richtungsspuren.

Einen beschleunigten Durchfluss des Verkehrs versprechen sich die Planer auch vom Wegfall der Fußgängerampel, da Radfahrer und Fußgänger die Kreuzung nach dem Umbau nur noch unterirdisch queren. In etwa zehn Wochen werden dann Verkehrsinseln für die neuen Spuren zurückgebaut. Dabei wird die alte, technisch überholte Ampelanlage abgebaut; den Verkehr regelt zunächst ein Provisorium, bevor zum Ende der Bauzeit eine moderne LED-Anlage die Ampel schaltet. Das Projekt „Drechsler-Kreuzung“ ist auf eine Bauzeit von insgesamt neun Monaten angelegt, unterteilt in acht Bauphasen.

Die reine Bauzeit ist laut Engelhart zwar kürzer, jedoch müssen die Bauherren auf verkehrsarme Zeiten
ausweichen, um den überlasteten Knoten nicht über Gebühr zu strapazieren. Asphaltarbeiten laufen in den Osterferien. Engelhart weiß, dass es zu erheblichen Behinderungen kommen wird. „Wir werden das beobachten und gegebenenfalls über Umleitungsstrecken nachdenken“, versichert er. Im Fokus liegt dabei die alte Körschtal­straße, die seit der Einweihung des Viadukts nur noch zeitlich begrenzt befahren wird.

Der Umbau der „Drechsler-Kreuzung“ kostet 1,1 Millionen Euro, die vom Land getragen werden. In einem nächsten Schritt sind ab dem Jahr 2016 die sogenannte Festo-Kreuzung und die Kreuzung an der Nellinger Linde an der Reihe. Die Arbeiten an allen sieben Knoten sollen 8,2 Millionen Euro kosten. Alle Knoten sollen bis 2018 erweitert sein – dann will Festo sein neues Technologiezentrum eröffnen, nachdem wohl bereits im kommenden Jahr die Mitarbeiter ins Verwaltungshochhaus eingezogen sind.                bob / Foto: bul


Sporthalle wird Flüchtlingsunterkunft

Der Landkreis Esslingen bringt im Notquartier am Berufsschulzentrum Zell 105 Asylbewerber unter


Die Not ist groß. Mehr als 50 Millionen Menschen sind nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks weltweit auf der Flucht – so viele wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr. Und auch die Not des Landkreises Esslingen scheint groß, einen Teil der nach Deutschland strömenden Hilfesuchenden unterzubringen. Nun wurde am Berufsschulzentrum in Esslingen-Zell eine kreiseigene Sporthalle in ein Notquartier für Flüchtlinge umgewandelt. Der Kreis Esslingen ist damit der erste Landkreis in Baden-Württemberg, der zu solch einem Schritt greift. „Das ist keine ideale Unterbringung“, räumt Thomas Eberhard, der Dezernent für Infrastruktur im Landratsamt, ein. Doch es fehle in dem hiesigen, hoch verdichteten Raum an Wohnungen. Gerade der soziale Wohnungsmarkt sei leer gefegt. Um die bis Jahresende erwarteten 1900 Flüchtlinge unterzubringen, fehlen noch weitere 300 Plätze – trotz der Bemühungen von Landkreis und Kommunen und des Heranziehens fünf weiterer Unterkünfte bis Ende 2014. Und so kann es sein, dass zwei weitere landkreiseigene Sporthallen in Nürtingen und Kirchheim noch umgebaut werden. Auf Basis der derzeitigen monatlichen Zuweisungsquote geht der Landkreis laut Sozialdezernentin Katharina Kiewel bis Ende kommenden Jahres von 3500 Flüchtlingen aus, die unterzubringen sind: „Das wäre eine Verzehnfachung der Kapazität innerhalb von nur fünf Jahren.“ Die unterzubringen sei „nahezu nicht realistisch“, sagt Eberhard.

In der Zeller Sporthalle werden 105 Flüchtlinge untergebracht – ausschließlich Männer. Die Verantwortlichen erhoffen sich dadurch weniger Konflikte. Aufgeteilt werden sie auf 15 Quadratmeter große, nach oben offene Drei-Bett-Kabinen, die mit beschichteten Spanplatten abgetrennt sind. Kühlschränke sind in den Zimmern, die vorhandenen sanitären Anlagen werden genutzt. In der ehemaligen Gymnastikhalle wurden zehn Kochstellen mit Herd, Arbeitsplatte und Spüle eingerichtet. Derzeit sind etwa die Hälfte der Plätze belegt, die Flüchtlinge kommen bislang vor allem aus Syrien, auch aus Gambia, Eritrea und Pakistan. Der große Teil der Männer sind Muslime. In diesen Tagen werden weitere Flüchtlinge erwartet.

Und in den kommenden Monaten werden weitere kommen. Deshalb ist sich Eberhard mit Landrat Heinz Eininger einig, dass die Möglichkeit geschaffen werden müsse, auch in Gewerbegebieten Asylbewerberunterkünfte zu realisieren. Das bedarf aber einer Baurechtsänderung. Dies hat Eininger kürzlich bei einem Besuch bei Integrationsministerin Bilkay Öney vorgebracht. Dort forderte er auch eine Personalaufstockung zur Beschleunigung der Asylverfahren, ein Ende der „ungebremsten“ Verteilung auf die Landkreise und die Einstufung Bosnien-Herzegovinas, Mazedoniens und Serbiens als sichere Herkunftsländer, damit Asylbewerber von dort abgeschoben werden können. Letzteres weisen die Grünen-Landtagsabgeordneten Andrea Lindlohr und Andreas Schwarz zurück: Dadurch kämen „nicht weniger Flüchtlinge bei uns an“. Erfreut wird Eininger zur Kenntnis nehmen, dass das Land in der Zollernalb-Kaserne bei Meßstetten eine Erst
aufnahmestelle für Asylbewerber einrichten will, die Kreise und Kommunen entlasten kann.

Auch bei den rund 12 600 Euro, die für die Betreuung eines Flüchtlings im Jahr zugewiesen werden, fordert Eberhard Korrekturen. Die Kostenpauschale berücksichtige die unterschiedlichen Unterbringungskosten, das Gefälle von Ballungszentrum zur ländlichen Region nicht ausreichend. Lindlohr und Schwarz wiederum verweisen darauf, dass die Pauschale um 60 Prozent höher sei als im Jahr 2004. Einig sind sich Landrat und die Grünen-Abgeordneten, dass Flüchtlinge schneller eine Arbeitserlaubnis bekommen sollten.

Die Betreuung der Flüchtlinge wird in Zell von der Arbeiterwohlfahrt (AWO) übernommen. Zwei hauptamtliche Sozialarbeiter werden sich um die Belange der Flüchtlinge in der Sporthalle kümmern. Eine mit Spenden gefütterte Kleiderkammer werde gebraucht, auch Fahrräder für die Männer seien wünschenswert, sagt Julie Hoffmann, die Leiterin des AWO-Sozialdienstes. „An dieser Halle lernen wir alle“, fügt sie hinzu. In mehreren Gemeinden haben sich zudem Asyl-Freundeskreise mit mehreren hundert Ehrenamtlichen gebildet. Deren Arbeit nennt Kiewel „sehr beachtlich“.

Mit der Zeller gibt es derzeit 35 Gemeinschaftsunterkünfte im Landkreis. Wie schwierig es ist, neue Standorte auszuweisen, zeigt sich in Wendlingen. Im Gewerbegebiet in Bodelshofen scheitert die Unterbringung von 50 Flüchtlingen bislang an vom Verwaltungsgerichtshof gemachten baurechtlichen Vorgaben. In Wendlingen wurde deshalb die Änderung des Bebauungsplans eingeleitet. Bei den 80, in modularer Containerbauweise geplanten Plätzen auf dem Wendlinger Park-and-ride-Platz wurden aus der Nachbarschaft Bedenken und Vorschläge geäußert. Die daraufhin veränderten Pläne harren der Genehmigung.

Trotz der Probleme: Dass Deutschland Flüchtlingen helfen muss, daran lassen die Verantwortlichen keinen Zweifel. „Finanzielle Aspekte treten erst mal zurück“, sagt Eberhard. Thomas Fischle, der als Leiter der Käthe-Kollwitz-Schule im Zeller Berufsschulzentrum etliche Sportstunden ausfallen lassen muss, sagt: „Wir sehen die Notsituation dieser Menschen.“  Ch/Foto: bul


Abgestimmt

Die Amtszeit von Joachim Gauck ist zur Hälfte vorüber.
Sind Sie nach zweieinhalb Jahren mit Arbeit, Auftreten
und Reden des Bundespräsidenten zufrieden?

Foto: dpa

Zufrieden mit Gauck?

  • Ja! (60% )
  • Nein! (40% )
Loading ... Loading ...