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Andreas Kümmert will trotz des Sieges beim deutschen
Vorentscheid zum Eurovision Song Contest nicht nach Wien
reisen – er fühle sich dazu „nicht wirklich in der Verfassung“.
Haben Sie Verständnis für die Entscheidung?

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Verständnis?

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Virenwelle wogt weiter

Influenza- und Noroviren aktiv – Volle Krankenhäuser im Kreis Esslingen

Die Grippewelle hat im Landkreis Esslingen bislang rund 500 Menschen erwischt. Das sind die meisten Krankheitsmeldungen seit Einführung der Meldepflicht im Jahr 2001. Eine Ausnahme bildete nur das „Schweinegrippejahr“ 2009. Auch das Norovirus ist aktiv. Das macht sich im öffentlichen Leben deutlich bemerkbar: Viele Menschen sind krank.

Die Zahl von rund 500 Influenzafällen für den Landkreis ist die offizielle, doch Albrecht Wiedenmann, der Facharzt für Hygiene und Umweltmedizin im Gesundheitsamt  des Kreises, geht von einer deutlich höheren Dunkelziffer aus. „Das ist deutlich mehr, das können etwa zehn Mal so viele Influenza-Erkrankte sein“, schätzt er. Also rollt die Grippe mit dicker Bugwelle – darin ist sich  Wiedenmann mit seinen Kollegen in den Krankenhäusern einig.

Torsten Ade, der Leiter der Notaufnahme des Klinikums Esslingen, kann sich an keinen vergleichbaren Verlauf erinnern. „Wir spüren den Druck extrem“, sagt er. Zur Verschärfung der Lage trage das gleichzeitige Auftreten von Noroviren, die ebenfalls meldepflichtig sind, bei. „Beides sind Erkrankungen, die einen erhöhten Isolationsbedarf haben“, stellt Ade klar. Schließlich sollen ein Norovirenpatient und ein Influenzakranker keine Mitpatienten anstecken. Für den Klinikalltag  bedeute das einen erhöhten Aufwand bei der Bettenplanung. Im Extremfall liege dann ein Patient allein im Drei-Bett-Zimmer oder ein anderer für eine Nacht im Bett auf dem Gang. Den anderen Kliniken im Kreis geht es nicht anders. „Unsere Häuser in Nürtingen, Kirchheim und Ruit sind voll“, sagt Iris Weichsel, die Pressesprecherin der Kreiskliniken. Und nicht nur Patienten sind krank, sondern auch Mitarbeiter der Kliniken. Der Betrieb laufe zwar regulär, berichten Ade und Weichsel. Häufiges Umplanen sei aber notwendig.

Noch will Ade keine Entwarnung geben. Er rechnet damit, dass die Grippewelle noch bis zu drei Wochen andauern kann. Insofern könne eine Impfung auch jetzt noch sinnvoll sein. Albrecht Wiedenmann sieht das ähnlich: Vor allem Risikopatienten sollten sich in dieser Frage mit ihrem Arzt besprechen, rät er. Für Kinder gibt es überdies eine Impfung durch Nasenspray. Aber auch geimpft kann man erkranken, erklären die Mediziner. Zumal in diesem Jahr das Serum nicht genau passe. Nach der Entwicklung des Serums im vergangenen Frühjahr haben sich nachträglich Eiweißmerkmale des Erregers geändert. Influenza zeigt sich derzeit überall. Auch im Kirchheimer Rathaus sind viele Mitarbeiter krank: „Manche Abteilungen sind nur teilweise belegt“, sagt Stefan Wörner, der Leiter der Hauptverwaltung. Er ist aber sicher: „Der Bürger merkt davon nichts, der Service ist gut wie immer.“ Er hat den Eindruck, dass sich „das Rathaus jetzt langsam wieder füllt“.     bob / Foto: dpa


Lektion für den ehemaligen Lehrer

Ministerpräsident Kretschmann auf Stippvisite im Landkreis Esslingen

Neuland hat der Ministerpräsident wahrlich nicht betreten, als er vergangene Woche eine Tour durch den Landkreis Esslingen machte. Schließlich ist der Nürtinger sein Wahlkreis, hat Winfried Kretschmann in Echterdingen eine Zeit lang gewohnt und in Esslingen gearbeitet. Und doch gab er sich wissbegierig, teils überrascht, auch leutselig. Dabei fühlten ihm hiesige Bürgermeister im Kreistag und Bürger beim Empfang in Wendlingen auf den Zahn. Neben Forderungen und Tadel bekam der erste grüne Landeschef in Deutschland auch Lob zu hören – und einige harmonische Töne aus Blechblasinstrumenten.

Das Früher, Morgen und Heute verband Kretschmann beim Besuch der Deizisauer Gemeinschaftsschule. Dort nahm sich der ehemalige Gymnasiallehrer mehr Zeit, als es der Terminplan vorgesehen hatte. Man hatte das Gefühl, als wolle er sich von Schülern und Lehrkräften vom Sinn des bildungspolitischen Prestigeprojekts der Landesregierung überzeugen lassen. Im zweiten Jahr wird in Deizisau die Gemeinschaftsschule gepflegt, bei 66 Schülern mittlerweile dreizügig. Einige der Schüler wurden zu „Fortbildungsexperten“ erklärt, die dem prominenten Gast das Lerntagebuch, individuelle Lernzeiten und Lernentwicklungsgespräche erläuterten. Die Vermittelnden legten ihre Nervosität schnell ab, der wieder die Schulbank drückende Ministerpräsident hörte aufmerksam zu, fragte interessiert nach. „Das habt ihr sehr gut gemacht. Wenn ich immer so geführt werden würde, würde ich die Welt besser verstehen“, lobte Kretschmann abschließend.

Im Kreis der Pädagogen wurde der einstige Kollege, der nach eigener Aussage seine schönste Zeit als Lehrer in den 80er-Jahren am Esslinger Theodor-Heuss-Gymnasium verbracht hatte, schon mal mit seinem vermeintlichen alten Lehrerdenken konfrontiert. Etwa wenn er bei der wegfallenden Notengebung nach der womöglich fehlenden Klarheit der Leistungseinstufung fragte. Oder er sich bei der „Kon­trolle“ von Erreichtem auf die Formulierung „Reflexion“ korrigieren ließ. Immer wieder fragte er nach, ob das Dargelegte denn auch von den Eltern verstanden werde. Der Kontakt zu den Vätern und Müttern sei sehr eng, bekam er dann zu hören. Am Ende nahm Kretschmann auch die Begeisterung der Lehrerinnen und Lehrer für die neue Schulform mit. Denn die Gemeinschaftsschule werde den Schülern sehr individuell gerecht, hieß es. Als die Sprache noch auf die mit dem Leistungspaket verbundene Mehrarbeit der Lehrer und die Bitte nach deren Vergütung kam, verwies Kretschmann auf politische Zwänge und versuchte sich als Motivator: „Sie müssen sich als Pioniere fühlen, wie ich als grüner Ministerpräsident.“

Zu Beginn der Stippvisite wurde Kretschmann von Landrat, Rathauschefs und Kreisräten auf den Zahn gefühlt. Wobei bei der Diskussion im Kreistag durchaus auch Gemeinsamkeiten festzustellen waren. So empfing Landrat Heinz Eininger „unseren Ministerpräsidenten in seinem Landkreis“. Und der erinnerte an seine Kreisratzeiten, als er „vor 30 Jahren ganz außen links saß“ und dem „strengen Regiment von Landrat Braun“ gehorchen musste. Und der Eininger-Brief vom vergangenen Jahr, in dem der einen Aufnahmestopp von Flüchtlingen zumindest andeutete? „Ich bin nicht nachtragend“, sagt Kretschmann. Überhaupt: Die riesige Herausforderung der Flüchtlingswelle lasse sich nur gemeinsam bewältigen. Neben der Bereitstellung von Wohnraum – Plochingens Bürgermeister Frank Buß forderte in diesem Zusammenhang Erleichterungen etwa bei Lärmschutzvorgaben – müsse die Bearbeitungszeit von Asylanträgen auf unter drei Monate gedrückt werden, betonte Kretschmann. Dann müssten die Flüchtlinge mit abgelehnten Asylanträgen – etwa die, die derzeit in großer Zahl vom Balkan kommen – von den Erstaufnahmestellen nicht an die Kommunen weiterverwiesen werden. Und alle Versammelten waren sich einig, dass die Pflanze der großen Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung weiter gepflegt werden müsse.

Auch beim Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs wurde in die gleiche Kerbe geschlagen: Ein Verkehrsinfarkt müsse nicht zuletzt mit Blick auf die Wirtschaft verhindert werden. So war vom „Lückenschluss“ mit Expressbuslinien die Rede. Und dass im Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz dringend Regelungen über das Jahr 2019 hinaus gefunden werden müssen, damit die geplanten Verlängerungen der S 2 nach Neuhausen und der U 6 bis zur Messe nicht noch scheiterten.

Zwischen Kreistag und Gemeinschaftsschule hatte der Ministerpräsident noch einen Halt im Institut für Textil- und Faserforschung in Denkendorf eingelegt. Dieses nannte er ein leuchtendes Beispiel für den Wissenschafts- und Forschungsstandort Baden-Württemberg, den es zu bewahren und auszubauen gelte.

Am Abend hatte das Landratsamt dann im Wendlinger Treffpunkt Stadtmitte zum Bürgerempfang mit dem Ministerpräsidenten geladen, ins „geografische Zentrum des Landkreises“, wie Eininger betonte. Dort fand Kretschmann ein durchaus gewogenes Publikum, Blech- und Saxofonensemble des Kreisjugend­blasorchesters sorgten für die musikalische Unterhaltung. Die Sued­link-Stromtrasse, ein ÖPNV-Ringschluss, der Fachkräftemangel, die Asylverfahren beschäftigten die Bürger, ehe sich Kretschmann unter die Leute mischte. Schmeichelnd verließ er die Stätte, bei deren Bereisung er sich bester Ortskenntnisse bediente: „Der Landkreis Esslingen ist ein ganz wichtiger in unserem Land.“       ch / Foto: bul


Abgestimmt

In Berlin ist ein ungeimpftes Kleinkind an Masern gestorben.
Die Bundesregierung erwägt eine Impfpflicht. Die Opposition
lehnt das ab. Was sagen Sie: Ist eine Impfpflicht das richtige Mittel?

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Impfpflicht einführen?

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Orkan erzwingt Verjüngung

25 Jahre nach Wiebke und Vivian sowie 15 Jahre nach Lothar hat sich der Wald von den Sturmschäden erholt


Vor 25 Jahren fegten Wiebke und Vivian auch über Württemberg, am zweiten Weihnachtsfeiertag 1999 entwickelte Lothar eine noch stärkere Zerstörungskraft. Menschen kamen bei beiden Stürmen ums Leben, Bäume wurden massenhaft entwurzelt und wie Streichhölzer abgeknickt. Mit Windgeschwindigkeiten bis zu 200 Kilometer pro Stunde verursachte der Orkan Lothar gewaltige Schäden. Das galt auch für den Wald im Landkreis Esslingen. 15 Jahre später ist davon nichts mehr zu sehen. Das zeigt ein Besuch mit dem Esslinger Stadtförster Ingo Hanak auf dem Schurwald im Gewann Saißleshau. Auch Richard Höhn, Leiter des Forstreviers Nürtingen, erzählt von gewaltigen Ausmaßen des Sturms, von Aufräumarbeiten und Wiederaufforstung.

Von Januar bis März 1990 zogen neun Orkantiefs über Mitteleuropa. Die heftigsten waren Vivian und Wiebke. Vivian fegte vom 25. bis 27. Februar übers Land, Wiebke vom 28. Februar auf den 1. März. Beide richteten verheerende Schäden an, vor allem in den Wäldern. In Deutschland fällten sie 60 Millionen Kubikmeter Holz. Das entsprach einem Einschlag von zwei Jahren. Europaweit 100 Tote werden den stürmischen Kräften zugeordnet. Am 26. Dezember 1999 sollte es aber noch schlimmer kommen. Bei Lothar und bei den Aufräumarbeiten starben in Europa 110 Menschen, davon 13 am Sturmtag in Baden-Württemberg. „Lothar hat einen anderen Charakter gehabt als die Stürme davor“, sagt Höhn, der 1999 schon Revierleiter war. Er kann sich noch genau an den Tag erinnern. Die Familie saß bei den Eltern in Denkendorf zusammen, als beim Nachbarn die Kaminverkleidung davonflog. Ums Heim im Tiefenbachtal standen die Obstbäume nicht mehr. Und alsbald waren die immensen Schäden im Wald zu erkennen. Und es galt zu handeln. In der Johannes-Sonn-Hütte waren Leute eingeschlossen. Denen wurde der Weg im Tiefenbachtal laut Höhn „freigesägt“. Später wurde klar: Am schlimmsten hatte der Orkan in der Linie Reudern-Käppele-Dettingen und am Höhenzug im Gewann Vorhalde gewütet. Auf Esslinger Gemarkung waren am stärksten der Saißleshau und der „Katzenbacher Hof“ auf den Fildern geschädigt. Hanak spricht für beide Gebiete von einem Viertel der Waldfläche, in der gesamten Gemarkung waren etwa zehn Prozent betroffen.

Am meisten traf es die Fichte. Sie bildet nur Tellerwurzeln aus. „Ist eine Fichte nach 30 oder 40 Jahren 20 Meter hoch, ist die Hebelwirkung für den Wind sehr gut“, sagt Hanak. Höhn ergänzt: „Die Fichte ist der Fallschirm für den Sturm.“ Während Wiebke und Vivian „rein nadelholzgeprägt“ gewesen seien, habe Lothar mit seinen gewaltigen Böen aber alle Baumarten angegriffen. So seien beim 180-jährigen Eichenbestand an der Johannes-Sonn-Hütte viele Kronen abgedreht worden, auch etliche alte Buchen lagen flach. Doch trotz ihrer Anfälligkeit wollen die Förster auf die Fichte nicht verzichten. „Die Fichte wächst sehr gut und bringt einen hohen Ertrag“, sagt Hanak. Die Eiche hingegen sei standsicher bei geringerem Ertrag. „Die Fichte ist ein Universalbaum, wir brauchen sie“, sagt Höhn. Und so wird im Nürtinger Forstrevier ein Fichtenanteil von knapp zehn Prozent angepeilt.

Ein bis zwei Jahre hat es in Esslingen gedauert, bis die umgehauenen Bäume geräumt waren. Im Nürtinger Revier waren die Aufräumarbeiten im Spätsommer 2000 abgeschlossen. Die Folgeschäden zogen sich länger hin. Viele nun nicht mehr geschützte Bäume wurden vom Wind nachträglich gefällt, außerdem schlug der Borkenkäfer großflächig zu. Der trockene Jahrhundertsommer 2003 machte es mit dem Käfer noch schlimmer. „Da kam alles zusammen“, sagt Hanak.

Direkt nach Lothar war ein Überblick über die Schäden nötig, dafür wurde der Wald mit dem Hubschrauber überflogen und Luftaufnahmen wurden gemacht – man wäre in den Wald nicht hineingekommen. Die Wege wurden nach Vorranggebieten freigesägt. Nach dem Freiräumen der Straßen und Wege wurden Prioritäten aufgestellt: Welches Holz verdirbt am schnellsten? Die Holzmengen waren gewaltig. „Das war auf einen Schlag der fünf- bis sechsfache Jahreseinschlag. Die vorher sehr guten Holzpreise haben sich mehr als halbiert“, macht Hanak klar. Ein Teil des Orkanholzes kam nach Bempflingen ins Nasslager, ein anderer Teil wurde nach Österreich, in die Schweiz und nach Italien verkauft. Das Räumen war gefährlich, die kreuz und quer liegenden Stämme konnten wie Mikadostäbchen zusammenstürzen. Deshalb kamen Vollernter und Kettenbagger zum Einsatz.

Schon ab Herbst 2000 wurde im Esslinger Stadtwald aufgeforstet: die Hälfte Eiche, ein Viertel Linde, ein Viertel Buche und Hainbuche. Auf rund 100 Hektar Fläche wurden eine halbe Million Bäume gepflanzt, weitere 50 Hektar der Naturverjüngung überlassen. Ein Problem war das Rehwild, das sich von den Knospen ernährt. Um die Verbissschäden einzudämmen, wurden 20 000 Bäume mit einem Kunststoffmantel geschützt. Höhn sagt, Lothar habe im Wald die Chance auf eine „reichhaltige Verjüngung“ eröffnet. Und so wurde der so lichte Wald mit lichthungrigen Kiefern, Eichen und Lärchen, aber auch mit Buchen aufgefrischt.

15 Jahre nach Lothar sind die größten der neu gepflanzten Eichen schon rund 13 Meter hoch. Inzwischen wird auf den Esslinger Lotharflächen schon wieder das erste Holz geerntet, zum Heizen mit Hackschnitzeln. Höhn spricht von Jungbestandspflege. Hanak sieht das zum einen alles rein fachlich und wirtschaftlich. Doch hat er das Staunen über die schnelle Entwicklung des Waldes nicht verlernt: „Es ist faszinierend, diese Bäume zu sehen.“ ch/pd, Foto: Hartmut Scheuter


Abgestimmt

Beim zunehmend aussichtslosen Unterfangen Klassenverbleib
steht VfB-Trainer Huub Stevens wegen seiner Defensivtaktik
in der Kritik. Wird Stevens den Stuttgarter Fußball-Bundesligisten
so vor dem Abstieg retten?

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Schafft es Stevens?

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Auf dem Weg

Mountainbikestrecke in Esslingen in Vorbereitung – Artenschutzgutachten läuft


Wenn alles gut läuft, kann die Radsportabteilung des TV Hegensberg in diesem Jahr ihre Mountainbikestrecke im Esslinger Wald befahren. Bis der Trail aber angelegt werden kann, gibt es noch einige Hürden zu nehmen. So muss zum Beispiel ein Artenschutzgutachten abgewartet werden. Die „Esslinger Nordschleife“, abgekürzt Esnos, wird gemeinsam mit der Stadtverwaltung geplant.

Der Schulterschluss mit der Stadt hat Bewegung in die Sache gebracht. Zuvor hatten Mountainbiker eine ungenehmigte Strecke im Wald angelegt, die die Stadt wieder abgebaut hat. Nachdem sich die Mountainbiker organisiert und eine Radsportabteilung unter dem Dach des TV Hegensberg gegründet haben, zeigen sich alle Beteiligten einig: „Wir haben alle das Ziel, eine genehmigungsfähige Strecke auf den Weg zu bringen“, sagt Henry Wolter, Abteilungsleiter im Esslinger Grünflächenamt.

Mittlerweile ist ein geeignetes Grundstück im Gewann Katzenbühl gefunden worden. „Der Trail hat Sonneneinstrahlung und einen Blick auf Esslingen“, sagt Johannes Reiser, der Sprecher der Esnos-Gruppe und stellvertretende Leiter der Radsportabteilung. 800 bis 1000 Meter Länge und 90 Höhenmeter soll die Strecke haben. Das laufende Natur- und Artenschutzgutachten liefert eine Bestandsaufnahme von geschützten Tierarten, zum Beispiel über Wildvögel, die durch die Radler gestört werden könnten.

Das Gutachten, das der TV Hegensberg als offizieller Betreiber des Trails in Auftrag gegeben hat, muss eine ganze Vegetationsperiode umfassen und ist Voraussetzung für die Genehmigung. Ist die Genehmigung erteilt, können die Bauarbeiten im Frühsommer beginnen. Sechs Wochen später könnte bereits gefahren werden. Das Bauteam unter Leitung von Matthes Uhlenbusch will den Trail mit Totholz und Lehm ausgestalten.

Laut Reiser muss mit Gesamtkosten von bis zu 20 000 Euro gerechnet werden. Einen großen Batzen machen das Gutachten, die Abnahme durch die Dekra sowie Baumpflege- und andere Verkehrssicherungsmaßnahmen aus.  Um die Kosten zu stemmen, hat die Gruppe dafür Esslinger Firmen als Unterstützer gewonnen und mit Aktionen wie dem Bike Action Day Spenden zusammengetragen. Weitere Aktionen wie ein Crowd­funding sollen folgen. Laufende Kosten wiederum könnten laut Reiser mit Hilfe eines Streckenkontos abgefedert werden. Die Radsportabteilung im TV Hegensberg hat derzeit 105 Mitglieder. Hermann Beck, der Vorsitzende des Sportvereins, ist jedoch sicher, dass es noch mehr werden, ist der Trail erst einmal angelegt. Um die Zeit bis zum Streckenbau zu nützen, sucht Esnos in Esslingen zentrumsnah eine geeignete Fläche von etwa 60 Quadratmetern, um dort einen sogenannten Pumptrack einzurichten, wo große wie kleine Radfahrer über kniehohe Hügel und Wellen rollen und so ihre Sicherheit und ihre Balancefähigkeit im Straßenverkehr verbessern können.

bob / Foto: Uhlenbusch

 

Info: www.esnos.de


Kooperationen mit Dreifachnutzen

Bildungspartnerschaften im Landkreis Esslingen haben sich etabliert – Firmen optimieren ihr Azubi-Marketing


Der Übergang von der Schule in den Beruf stellt nachhaltig Weichen – sowohl für die Schüler als auch für Unternehmen. Junge Menschen müssen sich in dieser Zeit für einen Beruf entscheiden, Firmen hingegen müssen in der gleichen Phase ihre künftigen Mitarbeiter akquirieren. Bildungspartnerschaften, die die  Industrie- und Handelskammer (IHK) Bezirkskammer Esslingen-Nürtingen mit den Schulen im Landkreis pflegt, sollen Schüler und Betriebe zusammenbringen. Sollen  diese Kooperationen gelingen, müssen die Bedürfnisse aller Mitwirkenden berücksichtigt und immer wieder angepasst werden – so lautet das Fazit der Vertreter von IHK, Schule,  Wirtschaft und Politik, die sich kürzlich zur Bildungspartnerkonferenz in Leinfelden-Echterdingen getroffen haben.

240 Bildungspartnerschaften pflegt die IHK mittlerweile mit Schulen im Landkreis Esslingen. Ralf Litschke, der die Bildungspartnerschaften bei der IHK betreut, spricht von einem erfolgreichen Verlauf:  „Das Projekt besteht seit 2009 und wächst.“ Vor allem seit dem Jahr 2011 sei die Nachfrage stark gestiegen.

Lose Kooperationen zwischen Schulen und Betrieben sind nichts Neues. Eine Bildungspartnerschaft setzt jedoch auf verbindlichere Strukturen. „Es gibt von unserer Seite aus rund 25 mögliche Bausteine, die eine Bildungspartnerschaft mit einer Schule ausmachen“, erklärt Litschke. Fünf bis sechs aus diesem Pool müssten regelmäßig angewandt werden, damit alle Seiten ihre Zusammenarbeit unterzeichnen können. Laut Litschke sind das beispielsweise Betriebsbesichtigungen für Lehrer und Eltern sowie Praktika für die Schüler. Es sind die Vorträge von Ausbildern in den Schulen, die zählen, aber auch  Auszubildende, die als jugendliche Referenten und Ausbildungsbotschafter in die Schulen gehen, oder Lehrer, die berufsorientierte AGs  anleiten. Die IHK koordiniert die Partnerschaften, bietet Unterstützung und schafft Netzwerke. Mittlerweile hat jede weiterführende allgemeinbildende Schule im Landkreis mindestens eine Partnerschaft mit einem Unternehmen.

Eine Kooperation muss Qualität haben, wenn sie erfolgreich sein soll. „Das ist mit Betriebsbesichtigungen allein nicht zu erreichen“, weiß Michael Mühlegg, der Ausbildungsleiter beim Esslinger Maschinenbauer Index. Er hat für Index einen Katalog für Projekte in den Klassen 5 bis 9 entworfen, der wiederholt zum Einsatz kommen kann – ein echtes Azubi-Marketing. Bei Index setzt man auf die Lust am Spielerischen bei jungen Leuten. „Wir bewerben keine Berufe, sondern Projekte oder bestimmte Tätigkeiten“, erklärt Mühlegg. In solchen Projekten werden beispielsweise Armbänder aus Alublech mit eingestempelten Namen hergestellt oder Schlüsselanhänger gefräst und gelötet. Ältere Schüler können sich am CAD versuchen. Fast nebenbei werden so Zeichnungen angefertigt, Gleichungen aufgestellt und Daten errechnet. Organisiert werden diese Projekttage von Index-Azubis, die altersmäßig auf Augenhöhe mit den Schülern sind.

Je älter die Schüler sind, desto anspruchsvoller werden die Tätigkeiten. Praktika folgen. Und mancher Neuntklässler hat vor Ende des Schuljahrs seinen Ausbildungsvertrag in der Tasche. Mühlegg räumt auch mit dem Vorurteil auf, nur gute Realschüler hätten eine Chance auf eine Ausbildung. „Wir brauchen Leute, die möglichst schnell in die Produktion gehen“, sagt er. Da sei oft der Hauptschüler gefragt, der Industriemechaniker lernt. Auch die Noten seien nicht das alleinige Kriterium,  so Mühlegg. „Ein Schüler, der faul, aber zuverlässig ist“, passe oft ganz gut. Der Kontakt von Betrieb und Schule könne auch Vorurteile bei Schülern und Eltern ausräumen. „Schüler befürchten zum Beispiel häufig, dass Fertigungshallen im Winter eiskalt seien und erleben es dann ganz anders“, berichtet Mühl­egg. Mittlerweile spricht Index Kindergartenkinder an: „Die Begeisterung für Technik lässt sich nicht früh genug wecken.“

Von guten Erfahrungen spricht auch Dieter Gumbl von der Firma Herma. Seit der Kooperation mit der Fleinsbachschule in Filderstadt-Bernhausen machten mehr Absolventen der Schule eine Ausbildung bei Herma in Neuhausen. Betriebe profitieren von Auszubildenden mit Migrationshintergrund, wie Sülbiye Deger von der Firma Mader aus Leinfelden berichtet. Dort seien 80 Frauen und Männer beschäftigt, die aus elf Nationen stammen. Die Nürtinger Firma Albrecht Bühler Gartenbau wiederum wirbt für weibliche Azubis in vermeintlichen Männerberufen.

Ralf Litschke spricht von einem „Dreifachnutzen“ für die Beteiligten: „Betriebe verbessern ihr Azubi-Marketing, die schulische Berufsorientierung gewinnt an Qualität und für Schüler wird die Berufsfindung optimiert.“ Einen weiteren Vorteil sieht er für die lokale Wirtschaft. Über Partnerschaften können sich auch eher unbekannte Mittelständler präsentieren, die mit einem Nischenprodukt Weltmarktführer seien und Jugendlichen eine Perspektive bieten könnten. Dadurch lassen sich Irrwege vermeiden, von denen die IHK-Geschäftsführerin Hilde Cost berichtet: „57 Prozent eines Altersjahrgangs in Baden-Württemberg beginnen zur Zeit ein Studium. Viele von ihnen brechen es jedoch wieder ab.“           bob / Foto links: bob, Foto rechts: IHK


Abgestimmt

Die SPD im Bundestag fordert, Energy-Drinks nicht mehr an
unter 18-Jährige zu verkaufen. Der Grund: Gesundheitsschäden
sollen vermieden werden. Was denken Sie? Ist das richtig?

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Energy-Drink erst ab 18?

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Narren voll in Fahrt

Große Umzüge in Neuhausen und Wernau am kommenden Wochenende


Die närrische Saison nähert sich ihrem Höhepunkt. In den Fasnetshochburgen Neuhausen und Wernau, aber auch im Umland, laden die Maskierten und Kostümierten zu Umzügen, Partys und mehr.

In Neuhausen geht es am „Schmotziga Doschtig“, der Weiberfasnet am 12. Februar, rund: Ab 17 Uhr wird mit Hexentanz, Weiberfasnet und Rathaussturm, im Narrendorf, in der Schlossscheuer und im Bürgergarde-Keller gefeiert. Ab 20 Uhr gehts im Saalbau weiter. Am Freitag- und Samstagabend lädt der Männergesangverein zur Fasnetsshow in die Egelseehalle ein (jeweils ab 19.30 Uhr). Gefeiert wird am Samstag aber auch im Narrendorf in der Ortsmitte, im Saalbau und im Vereinsheim des Narrenbunds. Der traditionelle Umzug des Narrenbunds mit närrischem Hofstaat, vielen Umzugswagen und rund 70 Narrengruppen startet am Sonntag um 13.33 Uhr. Die Narrenmesse findet schon am Vormittag ab 10 Uhr statt. Rund um den Umzug steigen außerdem diverse Partys. Weiter gehts am Rosenmontag, 16. Februar, mit dem Kappenabend und buntem Fasnetstreiben im Ort und in der Schlossscheuer. Der Rosenmontagsball ab 19 Uhr im katholischen Gemeindehaus steht unter dem Motto „Wie es früher einmal war“. Am Fasnetsdienstag ab 13.33 Uhr findet der Kinderumzug im Ortszentrum statt und mündet, je nach Vorliebe, in der Fasnet im Rettungszentrum oder in der Kinderfasnet in der Egelseehalle. Zur Fasnetsbeerdigung sammeln sich die Narren dann um 19.30 Uhr auf dem Schlossplatz.

Auch in Wernau ist am „SchmoDo“ viel geboten, vom Schulsturm übers Narrenbaumstellen und den Rathaussturm gegen 13 Uhr bis zum abendlichen Narrenhock. Bei alemannischer Nacht und Narrentreiben in und vor dem Quadrium am Freitag, 13. Februar, 19 Uhr, kann man sich vorwärmen für den Umzug. Der startet am Samstag um 14 Uhr, mehr als 3000 Hästräger und Musiker machen die Straßen unsicher, um es danach beim Narrenhock und Fasnetsball in der Stadthalle krachen zu lassen. Zur „Fasnet in der Hölle“ am Rosenmontag ab 19 Uhr haben nur Volljährige Einlass. Für Kinder gibt es am Dienstag, 17. Februar, ab 14 Uhr, die Kinderfasnet im Quadrium – und vor eben diesem wird ab 20 Uhr die Fasnet wieder begraben.

In Berkheim tagt am „Schmotziga Dorschtig“ vor dem Hotel Linde ab 19.30 Uhr das Narrengericht, ab 20 Uhr wird in der „Linde“ Weiberfasnet gefeiert. Am Samstag, 14. Februar, 20 Uhr, findet in der Osterfeldhalle der Faschingsball der „Stoiriegel-Goischter“ statt, am Dienstag wird vor dem alten Rathaus die Fasnet verbrannt. In Wolfschlugen startet am Donnerstag um 17.30 Uhr der Narrenbaum-Umzug mit Rathaussturm, am Freitag, 13. Februar, findet ab 14 Uhr in der Schulaula die Kinder-Fasnet statt und am Fasnetsdienstag wird ab 19 Uhr der Narrenbaum verbrannt. Am 12. Februar wird im katholischen Gemeindehaus St. Dominikus in der Parksiedlung ab 19.30 Uhr Weiberfasnet gefeiert.   aia / Foto: bul