Rängdängdängdängdäng

25 Jahre nach dem Mauerfall: Denkendorfer Verein Zweitakterz Süd hält die Tradition der Ostfahrzeuge hoch


Am 9. November 1989 fiel die Berliner Mauer, die jahrzehntelange Trennung West- und Ostdeutschlands war überwunden. Vor 25 Jahren tuckerten die ersten Trabi und Wartburg über die Grenze und erregten Aufmerksamkeit. Auch heute noch sind die robusten Zweitakter kleine automobile Exoten. Und nicht wenige Menschen – hüben wie drüben – mögen die Fahrzeuge mit dem unverkennbaren Knattern und dem blauen Ölfähnchen aus dem Auspuff. Rund 900 Wartburg und Trabant sind in Baden-Württemberg angemeldet. Einige auf die Mitglieder des Vereins Zweitakterz Süd aus Denkendorf.

Wo bei anderen Automobilliebhabern alte Daimler oder Volvo im Mittelpunkt stehen, schlägt das Herz der Zweitaktler für Trabant, Wartburg, Barkas und Co. Und anstatt das sprichwörtliche Benzin im Blut treibt die Zweitaktler das Sprit-Öl-Gemisch um.

18 Frauen und Männer treffen sich regelmäßig zum Stammtisch oder zum Schraubertag. Sie kommen aus dem Großraum Stuttgart. Einige haben sogar mehrere Fahrzeuge aus Ostfabrikation – Limousinen, mit und ohne Anhänger, Zwei- und Dreiräder. Nicht alle Vereinsmitglieder sind in der ehemaligen DDR geboren. Aber viele, so wie Torsten Friedrich, der von Usedom stammt. Er hat 1997 seinen ersten Trabant gekauft: Friedrich war Zivildienstleistender und brauchte ein günstiges Gefährt. Mittlerweile zählt er fünf Fahrzeuge aus dem Osten in seinem Fuhrpark.

Für ihn stellt Trabifahren eine Verbindung zur Kindheit her: „Dieser Geruch und der Klang erzeugen Emotionen“, sagt er. Auch für Klaus Hornung ist der Geruch von verbranntem Öl und einem Hauch Benzin der Geruch seiner Jugend. Hornung, Vorstand des Vereins, besitzt unter anderem einen Wartburg 311, eine blau-weiße, elegante Limousine mit einem imposanten Kühlergrill. Der Wagen lässt an Pininfarina und Saint Tropez denken, jedenfalls so lange, bis Hornung den Zündschlüssel umdreht und statt Viertaktergrummeln das typische Zweitaktergeknatter ertönt. Der Wagen, top gepflegt, kann auf dem Markt etwa 10 000 bis 15 000 Euro wert sein, wie Hornung sagt.

Die Zweitaktler erzählen Geschichten, denen man gerne lauscht: Vom Trabant, auf dem man in der DDR bis zu 15 Jahre warten musste, vom Wartburg, der ebenso lange Wartezeiten hatte, es sei denn, er war für den Export bestimmt, von der Trabant-Karosserie, die aus harzverstärkter minderwertiger sowjetischer Baumwolle besteht, oder davon, dass die gebrauchten Ostfahrzeuge vor dem Mauerfall teurer als neue waren, vom Halbautomatikgetriebe Hycomat, auf das nur Versehrte Anspruch hatten. Und von den Hoffnungen, die eine Firma in Ostdeutschland vor wenigen Jahren geschürt hatte, als sie einen strombetriebenen New Trabant auf den Markt bringen wollte – bisher allerdings vergeblich.

Auf dem gekiesten Platz vor der Halle in der Heerstraße im Denkendorfer Gewerbegebiet, wo die Vereinsmitglieder ihre Fahrzeuge warten und an ihnen schrauben, steht eine ganze Reihe gepflegter Trabant und Wartburg in Biberbraun, Panamagrün, Ozeanblau oder Delphingrau. Auch ein Motorrad steht dabei – ein Sperber von Simson, sozusagen ein Bruder der bekannteren Schwalbe. Ein Bus ragt heraus: ein Barkas mit lila Lackierung und Blumenschmuck. Er gehört der Sozialpä­dagogin Andrea Lenz. Ihre Kollegin Sabine Säger ist ebenfalls Besitzerin eines Barkas. Muss sie tanken, schüttet sie einen Teil Öl auf 50 Teile Benzin in den Tank, springt auf die Ladefläche und hüpft ein wenig, so dass aus den beiden Flüssigkeiten ein Gemisch entsteht. Der Barkas 3, gebaut im Jahr 1974, heißt bei ihr Luzifer und muss demnächst in die Werkstatt. Ein Motorwechsel steht an.

Neben dem Bus, der an einen alten Hanomag erinnert, besitzt Säger eine Schwalbe und ein Gefährt, das ein wenig wie eine Rikscha aussieht: Es ist eine Duo 4/1 der Firma Krause, die Krankenfahrstühle hergestellt hat. Eine Duo durfte nur besitzen, wer eine Gehbehinderung nachweisen konnte. Das handbetriebene Dreirad muss seinem gehbehinderten
Besitzer aber viel Kraft und Koordinationsvermögen abverlangt haben, das hat Säger nach einigen Selbstversuchen festgestellt. „Wer Zweitakter fahren will, muss bereit sein, zu schrauben“, sagt Hornung. Nach 100 000 gefahrenen Kilometern – beim Trabant früher – muss man mit Lagerschäden rechnen, Zylinder müssen nachgeschliffen werden. Ein Motorwechsel sei kein Beinbruch: „In drei Stunden ist das erledigt,“ sagt Hornung. Noch gibt es Ersatzteile. In Ungarn werden fehlende Teile mittlerweile nachproduziert.

Mathias Piontek aus Stuttgart fasziniert die Technik der Ostfahrzeuge: „Mit den aufeinander aufbauenden  Komponenten sind es sehr intelligent gebaute Autos.“ Piontek freut sich über die Entwicklung, die die Ostfahrzeuge machen: „Es werden mittlerweile ernst zu nehmende Oldtimer.“ Er selbst ist mit seinem Trabant und dem Zelt­anhänger schon zweimal in der Toskana gewesen. „Mit einem Audi TT kann doch jeder Idiot über die Alpen fahren“, sagt er trocken.

„Trabi und Wartburg gehören unbedingt auf die Straße und nicht ins Museum“, sagt auch Hornung. „Diese Fahrzeuge sind schließlich Teil unserer Kultur“, fügt er hinzu. Auch wenn sie nicht unbedingt bei Eis und Schnee gefahren werden sollten.        Text/Foto: bob

 

Info: Zweitakterz Süd trifft sich am jeweils letzten Freitag im Monat zum Stammtisch in Neuhausen, Gaststüble Bock. Neue sind willkommen, egal ob Zweitakter-Besitzer oder Sympathisanten. Zweitakterz Süd organisiert am Tag des 25-jährigen Jubiläums des Mauerfalls, am 9. November, eine DDR-Oldtimer-Ausstellung am Zentrum Zinsholz in Ostfildern. Mehr unter www.zweitakterzsued.de


Abgestimmt

Verkehrsminister Dobrindts Maut-konzept steht: Ausländer sollen
auf Autobahnen zahlen, Deutsche werden über die Kfz-Steuer entlastet.
Verbucht wird elektronisch, kontrolliert übers Nummernschild.
Eine gute Lösung?

Foto: dpa

Eine gute Lösung?

  • Ja! (67% )
  • Nein! (33% )
Loading ... Loading ...


Fliegenparadies

Kirschessigfliege und Wetterkapriolen machen Weingärtnern zu schaffen


Das Jahr hatte gut angefangen: frühe Wärme, ein dichter Behang an den Rebstöcken, viel Sonne – doch dann kamen Wetterkapriolen mit Hitze, Hagel, feuchter Wärme. Und dann gab es die Kirschessigfliege, einen aus Asien eingewanderten Schädling. Mittlerweile sind die Weingärtner im Kreis Esslingen froh, dass der Wein vom Stock ist und im Kessel gärt. Sie wissen aber, die Fliege wird sie auch in den nächsten Jahren beschäftigen.

Die Qualität ist ordentlich, aber die Menge lässt zu wünschen übrig: Das ist das Fazit, das die Weinbauern im Kreis ziehen. Etwa zwei Wochen früher als gewöhnlich sind die Beeren gelesen worden. Es musste schnell gehen, denn Fäulnis durch zuviel Regen und Essigtrauben durch die Fliege haben die Ernte bedroht. Mitte Oktober war alles gelaufen. „Und danach erst sind die schönen Tage gekommen“, bedauert Christine Anhut, die Geschäftsführerin der Weingärtnergenossenschaft Neuffen-Teck.

Die Lese war aufwendiger als sonst: Beere für Beere musste in die Hand genommen und auf Fliegeneinstichstellen überprüft werden. Hatte die Beere ein Loch oder gar schon eine Delle, wurde sie aussortiert. Mit der Menge des Leseguts für den Täleswein ist Anhut durchaus zufrieden. „Wir liegen über dem Jahr 2013, als uns Hagel viel zerstört hat.“

Besonders beliebt bei Drosophila suzukii – so lautet der botanische  Name der Fliege – sind rote Früchte, vor allem Brombeeren und Kirschen. „Unsere Streuobstflächen, auf denen Früchte nicht mehr geerntet werden, sind für die Fliege natürlich ein Paradies – ein Streuobstparadies“, sagt Werner Kauderer, der Vorsitzende des Vereins der Weinbergbesitzer in Weilheim. Die Winzer dort hatten neben Fliege und Regen auch noch Hagelschäden auf ihren Rebflächen am Hang der Limburg und am Egelsberg zu beklagen. Die Kirschessigfliege wird ein Thema bleiben, da sind sich Anhut und Kauderer sicher.

Manuel Becker, der Referatsleiter für Weinbau und Rebschutz an der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau in Weinsberg, will den Ball flach halten. Er spricht von „einem Hype um die Fliege“, seit sie im Jahr 2011 in Südtirol aufgetreten ist. Er sieht die Fliege als Herausforderung für den Weinbau. „Wir haben gute Werkzeuge gegen den Schädling, mehr als es die Südtiroler vor drei Jahren hatten“, sagt Becker. Er nennt neben der intensiven Pflege der Reben mit frühzeitigem Aussortieren zerdrückter Früchte auch Spritzmaßnahmen mit Mitteln, die nach Versuchen in der Anstalt nun ihre Zulassung bekommen haben. Auch das Wetter spiele eine Rolle: „Ein kalter Winter und die Population der Drosophila suzukii wird deutlich geringer ausfallen als in diesem feuchtwarmen Sommer“, ist Becker sicher.  Er warnt vor Panik: „Die Kirschessigfliege wird den Weinbau im Südwesten nicht zerstören und das wird auch nicht die amerikanische Rebzikade, die im Anmarsch ist.“ Laut Becker löst dieser Schädling die Vergilbungskrankheit am Rebstock aus, der dann abstirbt. Der amerikanische Invasor sei im Anmarsch: „In Italien und Südtirol ist er bereits angekommen. Wir beobachten das.“                bob / Foto: pst


Die Kasse stimmt nicht immer

Selbstbedienungsstände sind praktisch für Landwirte und Verbraucher – Bei der Ehrlichkeit hapert es oft


Bitte Geld in die Kasse einwerfen: Diese Aufforderung findet man in und nach der Erntezeit häufig an Selbstbedienungshäuschen und -ständen auf dem Land. Oft kann man sich dort rund um die Uhr mit Kartoffeln, Äpfeln, Kürbissen und mehr versorgen. Die Landwirte erreichen so mit relativ geringem Aufwand direkt ihre Kunden. Sie müssen allerdings einen Anteil „Schwund“ einkalkulieren.

Mit langen Fingern, schnellen Beinen und Autos haben wohl alle zu tun, die ihre bäuerlichen Produkte an Selbstbedienungsständen vermarkten. „Man muss mit einer Zahlungsmoral von 40 bis 50 Prozent rechnen“, sagt Melanie Munk, deren Familie ein Blumenfeld zum Selbstpflücken zwischen Owen und Beuren pflegt. Das ist keine erfreuliche Zahl – und unerfreulich waren auch die Reaktionen, die Munks ernteten, wenn sie Nicht-Zahler beobachtet und angesprochen haben: Meist bekomme man dann noch eine pampige Antwort. Die Familie beackert das Blumenfeld auf Vertrauensbasis trotzdem, zumindest vorläufig, denn andere Vertriebswege sind noch unattraktiver. Auch ihren Eier- und Kartoffelautomaten haben Munks nicht aufgegeben, obwohl er mehrfach demoliert wurde. Mittlerweile steht das Gerät nicht mehr außerorts, sondern mitten in Brucken an der Kirchheimer Straße. Seither kam, abgesehen von Schmierereien, nichts Größeres mehr vor.

In Owen findet man reichlich Gelegenheit zur Selbstbedienung. Obstbauer Tobias Schmid hat Stände mit verschiedenen Apfelsorten, deren Geschmack und Verwendung er auf einem Plakat erklärt. Und am Haus von Däschlers in der Wehrbachstraße geht niemand ohne bewundernde Blicke vorbei. Kürbisse in allen Formen und Farben, in Regalen, Kisten und auf dem Boden schmücken die gesamte Straßenfront. Hinzu kommen Kartoffeln, Äpfel und mehr im Selbstbedienungshäusle. Die Kasse ist an Däschlers Hauseingang angebracht. „Manchmal stimmt sie haarscharf und manchmal merkt man, dass weniger drin ist“, sagt Marianne Däschler.  Wenn Letzteres gehäuft auftrete, sei sie schon „frustriert“ und denke auch ans Aufhören. Umgekehrt seien aber viele Leute ehrlich. Manche kämen im Nachhinein, um ihre Schulden zu bezahlen, wenn das Kleingeld beim letzten Mal nicht gereicht hat.

Andrea und Tim Holzer verarbeiten in Hochdorf die Milch ihrer Thüringer-Wald-Ziegen in der eigenen Käserei. Das Ehepaar hatte lange einen frei zugänglichen Kühlschrank vor seiner Tür in der Kirchheimer Straße stehen. Bis er eines Nachts komplett geleert wurde: Quark, Frischkäse, Schnittkäse – alles weg, aber kein Geld in der Kasse. Daraufhin haben Holzers in einen Automaten investiert, in dem sie nun auch regionale Bio-Produkte von Kollegen wie Eier, Honig und Apfelsaft anbieten. Jetzt geht die Klappe nur beim passenden Geldeinwurf auf.

Albers in Sielmingen überwachen ihren Stand mit einer Kamera. Trotzdem sei es nicht leicht, unehrlichen Leuten beizukommen, sagt Gerlinde Alber, die Gemüse, Salat, Kartoffeln und alles, was gerade Saison hat, auf diese Weise verkauft. „Wenn einer meint, er müsste das so mitnehmen, dann soll’s ihm schmecken“, sagt die Landwirtin, die für sich beschlossen hat, sich nicht mehr zu ärgern. Im schlimmsten Fall müsse man halt die Selbstbedienung beenden – ihr Mann Erich ist auch mit dem Transporter unterwegs, um die eigenen Erzeugnisse zu verkaufen.

Manchmal kommt man den Dieben aber doch bei. Klaus Diez aus Reudern hat schon mehrfach erfolgreich Anzeige erstattet. Auch er setzt auf eine Kamera, kombiniert mit häufigem Leeren der Kasse und einem steten Auge auf den Stand. Wenn man jemanden in flagranti erwischt und in der Kasse sind nur fünf Cent statt fünf Euro, ist die Lage eindeutig. Muss die Polizei anhand von Kameraaufnahmen ermitteln, ist das schon schwieriger und führt nicht immer zu einem Ergebnis. Aber anscheinend spreche es sich doch herum, wenn die Ordnungshüter aktiv werden, meint Diez, denn dann sei immer „drei oder vier Wochen Ruhe“. Schon deshalb gibt er nicht klein bei und wacht weiter über Obst, Beeren und Saft.

Weitgehend positive Erfahrungen macht Hermann Binder, der sonntags einen Tisch mit Blumensträußen vor seinem Blumengeschäft in der Plochinger Marktstraße aufstellt. Auch hier ist schon etwas weggekommen, aber das sei die Ausnahme, sagt Binder: „Die Leute freuen sich, wenn sie bei uns Blumen bekommen und nicht zur Tankstelle fahren müssen.“            aia / Foto: aia


Abgestimmt

Die neue EU-Kommission wird am 1. November die Arbeit aufnehmen,
als Präsident folgt Jean-Claude Juncker auf José Manuel Barroso.
Waren Sie mit der Arbeit der scheidenden Kommission zufrieden?

Foto: dpa

Gute Arbeit?

  • Ja! (0% )
  • Nein! (0% )
Loading ... Loading ...


Ehrgeizige Ziele

Der SSV Esslingen will erneut ins Halbfinale der Wasserball-Bundesliga einziehen


Wasserball-Bundesligist SSV Esslingen setzt sich zur neuen Saison ehrgeizige Ziele, die allerdings nach den zuletzt gemachten Erfahrungen alles andere als Utopie sind. „Das Ziel lautet Halbfinale“, sagt der neue Trainer Bernd Berger. Das erreichten die Esslinger auch in der vergangenen Runde, sie belegten am Ende Rang vier. Als Titelfavoriten gelten Spandau 04 Berlin und Waspo Hannover. „Wir können mit Duisburg um den dritten Platz spielen“, ergänzt Nationalspieler Heiko Nossek, der mittlerweile beim SSVE nicht nur Mannschaftskapitän ist, sondern auch als Co-Trainer fungiert. Derlei Optimismus fußt unter anderem auf neuen Spielern, allen voran auf einem Neuen aus den USA.

Für den Erfolg schuftet die Mannschaft hart. „Wir trainieren so hart wie schon lange nicht mehr“, sagt Nossek. Sieben Einheiten im Wasser und zwei im Kraftraum standen in der Vorbereitung pro Woche an. Berger spielte für den SSVE schon in der Bundesliga und auch in der Nationalmannschaft, war dann zehn Jahre Jugendtrainer und löste nun Markus Hahn ab. Hahns Engagement als Chefcoach sei wegen dessen beruflichen Verpflichtungen von vornherein nur auf ein Jahr ausgelegt gewesen, sagt Sportdirektor Axel Haenchen. Die Nachfolge sollte wieder eine vereinsinterne, identitätsstiftende Lösung sein. Und Nosseks Beförderung zum Co-Trainer betrachtet Berger als logische Entwicklung. Die Rolle habe er schon vergangene Saison gespielt, jetzt habe er eben einen neuen Titel, ergänzt der Nationalspieler. Zudem gehören Tobias Luz (Torwart) und Robert Berghoff zum Trainerteam.

Mit dem vierten Platz hat sich der SSVE für das internationale Geschäft qualifiziert. Doch die Auftritte im Europapokal sind ein finanzieller Kraftakt. „Sportlicher Erfolg kostet Geld“, sagt Vorstandsmitglied Udo Schäfer. Deshalb hat der Verein die Zusatzkosten – die dürften im mittleren fünfstelligen Bereich liegen – vor der Startzusage über Sponsoren abgesichert. Das Auftaktturnier und eine K.o.-Runde zu überstehen, sei ein realistisches Ziel, sagt Schäfer.

Bei den Neuzugängen ruhen die Hoffnungen vor allem auf dem US-Nationalspieler Josh Stedman, dessen Verpflichtung die in den USA lebende, ehemalige SSVE-Größe Jürgen Stiefel eingefädelt hat. Außerdem stieß Torwart Bojan Mrdja zum SSVE, Anfang 2015 folgen noch Tim Hornuf sowie die US-Amerikaner Christopher Meinhold und Stephen White. Wobei die Abgänge von Maximilian Müller und Jan Glaser laut Berger durchaus schmerzen.             ch

 

Info: Saisonauftakt ist am Samstag, 25. Oktober, 16 Uhr, im Untertürkheimer Inselbad gegen die SG Neukölln. Vom 30. Oktober bis 2. November findet dann die Europacup-Qualifikationsrunde statt.


Abgestimmt

Die katholischen Bischöfe haben sich bei der Familiensynode
im Vatikan nicht auf einen neuen Umgang mit Geschiedenen
und Homosexuellen geeinigt. Sind Sie darüber enttäuscht?

Foto: dpa

Enttäuscht?

  • Nein! (100% )
  • Ja! (0% )
Loading ... Loading ...


Totalschaden

Neue Vollsperrung auf der B 313 – Unterbau wird erneuert – Lange Staus


Es ist ein schlechtes Jahr für Vielfahrer und Pendler. Kaum ist eine Baustelle geschlossen, tut sich die nächste auf. Für viel Unmut sorgt die Sperrung der B 313 zwischen Abzweigung Rammerthof/Großbettlingen und Nürtinger Südtangente. Eine Strecke, die täglich rund 20 000 Fahrzeuge passieren.

Kilometerlange Staus, Zeitverluste von mehr als einer Stunde: Wer zurzeit von der Sperrung der B 313 betroffen ist, hat wenig zu lachen. Großräumig wird der Verkehr aus dem Metzinger Raum über die B 312 und die ohnehin schon stark belastete B 297 nach Neckarhausen umgeleitet. Im Berufsverkehr reicht die Blechkolonne bis Neckartailfingen. Leidtragende sind neben den Autofahrern die Anwohner der Ortsdurchfahrt Neckarhausen.

Sauer stieß vielen Autofahrern auf, dass die Sperrung sehr kurzfristig publiziert worden war – die Schilder aber bereits Tage zuvor an Ort und Stelle standen. Auch bei Bettina Bernhard, Pressesprecherin der Stadt Nürtingen, luden viele ihren Ärger ab. Doch die Stadt hat mit der Baumaßnahme nur am Rande zu tun: Sie erschließt derzeit das interkommunale Gewerbegebiet Großer Forst und baut eine Zufahrt zur B 313. Zusätzlich sind die Stadtwerke Nürtingen mit im Boot, die Wasserleitungen sanieren. Erst kurz vor Baubeginn habe sich das Regierungspräsidium (RP) Stuttgart angehängt. „Das RP hat kurzfristig Mittel genehmigt bekommen und die Chance ergriffen, die Bundesstraße zu sanieren“, berichtet Bernhard.

Zunächst war vorgesehen, den Verkehr Richtung Grafenberg und Metzingen weiterlaufen zu lassen und die Arbeiten mit einer einseitigen Sperrung durchzuziehen. Doch vergangenen Donnerstag kam die nächste schlechte Nachricht: Der Unterbau der B 313 ist so stark beschädigt, dass die Fahrbahn komplett saniert werden muss. Um die Baustelle nicht unnötig in die Länge zu ziehen, sei beschlossen worden, die Strecke voll zu sperren – voraussichtlich ab Ende Oktober. Anderenfalls, heißt es aus der Pressestelle der Stadt, hätten sich die Arbeiten über rund sieben Monate erstreckt. So aber soll die Strecke nun bis Weihnachten wieder frei sein. Eine Verschiebung der Sanierung sei keine Option gewesen, so Bernhard: „Dann wäre das Gewerbegebiet aufgesiedelt und es hätte zu noch größeren Belastungen geführt.“

Die Sperrung der B 313 ist nicht die einzige Behinderung für Autofahrer in diesen Wochen im Raum Nürtingen: An der Kreuzung Max-Eyth- und Carl-Benz-Straße entsteht ein provisorischer Kreisverkehr. Dort ist noch bis Ende Oktober eine Umleitung eingerichtet. Im Enzenhardt wird die Fahrbahn der Allensteiner Straße im Bereich zwischen der Breslauer und Stettiner Straße und der Verbindungsweg der Allensteiner zur Stettiner Straße neun Wochen lang saniert. Außerdem ist die K 1219 zwischen Zizishausen und der Hummelsmühle (Unterensingen) wegen Straßenbauarbeiten bis Anfang November voll gesperrt. Der Verkehr wird auf der L 1250 über Oberboihingen und Wendlingen umgeleitet.             Mo / Foto: mo


Mehr „Uga-Uga“ auf den Stundenplan

Coaching-Projekt „Gorilla“ macht Kindern und Jugendlichen Sport und gesundes Essen schmackhaft – Inklusiver Ansatz

Über gesunde Ernährung in Schulen und Kindertagesstätten wird in Deutschland in diesen Wochen viel diskutiert. Davon hält Roger Grolimund wenig: Der Schweizer und sein Team vom Programm „Gorilla“ packen lieber die Skateboards aus und legen los. „Mehr Uga-Uga im Leben“ heißt ihr Rezept, das den Jungs und Mädels Lust macht, sich mehr zu bewegen und bewusst zu essen. Vor einigen Tagen machte die bunte Truppe Station in Nürtingen.

Neugierig scharen sich die Jungen und Mädchen der Johannes-Wagner-Schule und der Geschwister-Scholl-Realschule an diesem grauen Herbstmorgen um Tomcat und Phips. Statt Mathe stehen heute Skaten, Breakdance, Frisbee-Freestyle und Footbag auf dem Stundenplan. „Cool“, sagt Nils, der andächtig das Board von Tomcat betrachtet. Zu den Jungs mit Strubbelhaaren und den coolen Hoodies, auf denen fett das Gorilla-Logo prangt, haben die Kids schnell einen Draht. Begeistert stürmen sie los, um ihre Boards aus dem Anhänger zu holen. „Die Begeisterung hätte ich gerne mal im Unterricht“, kommentiert ein Lehrer.

Mitreißen, begeistern, eben mal nicht mit erhobenem Zeigefinger dastehen, sondern authentisch für die Sache einstehen und den Kids auf Augenhöhe begegnen – darauf baut „Gorilla“ auf. Seit dem Jahr 2003 bringt die Schtifti-Foundation von Roger Grolimund und Ernesto Silvani mit der knalligen Mischung aus Funsport und teengerechten Rezepten Schweizer Jugendliche zwischen zehn und 20 Jahren dazu, gesünder zu leben.

Nun wollen die „Gorillas“ auch Deutschland erobern. Den zweitägigen, inklusiven Kurs in Nürtingen nutzen die Schweizer, um das deutsche Workshop-Team zu schulen. Skateboard-Weltmeister Tobias Kupfer, in der Szene bekannt als „Albertross“, und die Stiftung „Zeit für Menschen“ der Samariterstiftung sind dafür Wegbereiter. Matthias Berg, mehrfacher Paralympics-Goldmedaillen-Gewinner und stellvertretender Esslinger Landrat, hat die Schirmherrschaft über den Workshop nur zu gern übernommen. Aus eigener Erfahrung weiß der Contergan-Geschädigte, wie schnell Kinder ausgegrenzt werden, die nicht ins Muster passen. Der Sport, sagt Berg, hat ihm in der Schulzeit manche Tür geöffnet. Dass bei den „Gorillas“ Inklusion ganz selbstverständlich ist, begeistert ihn. Im Nürtinger Schulalltag allerdings findet ein solch selbstverständliches Miteinander bisher nur selten statt. Neben den Impulsen zu alternativen Bewegungsangeboten ist dies wohl das Wichtigste, was die Schulleitungen aus diesen Tagen mitnehmen: Es soll mehr Miteinander geben.

Grolimund zappelt derweil auf seinem Stuhl herum. Zu sagen hat der sympathische Schweizer viel, noch lieber aber möchte er zeigen, wie die „Gorillas“ mit den Kids arbeiten. Das Müsli-Büfett zum Beispiel haben die Jungs und Mädels komplett leer geräumt. Ein Anblick, der den Schweizer begeistert: „Viele Kinder wissen heute gar nicht mehr, was sie da eigentlich essen“, sagt er. Energiedrinks, Cola, Chips, Fastfood stehen täglich auf dem Speiseplan.

Die „Gorillas“ zeigen, dass es anders geht – und außerdem noch lecker dazu. „Wir machen leckere Sandwiches mit den Kids“, sagt Grolimund. Ernährung ist das eine, das zweite, mit dem die „Gorillas“ sich gegen Übergewicht und Ernährungsmangel stemmen, sind Freestyle-Sportarten. „Es kostet nicht viel und lässt sich nahezu überall machen“, argumentiert der Schweizer, während die ersten „Jung-Gorillas“ auf den Longboards vorbeirauschen. Berg hingegen mischt sich unter die Kids, die den kleinen Footbag schnell mit Kicks und Finten im kleinen Feld hin und her jonglieren. Andere trainieren Kunststücke mit der Frisbee-Scheibe oder üben Moves mit Breakdancer Max. Viele begeisterte Gesichter sind an diesem Tag zu sehen. Kleine Erfolgserlebnisse, die Mut machen, nehmen die Jungen und Mädchen mit. Wie nachhaltig der Besuch der „Gorillas“ gewirkt hat, wird sich allerdings zeigen müssen. Lehrern und Schulleitung gibt das Programm Material für den Schulalltag an die Hand. Dem „Ober-Gorilla“ wäre es am liebsten, wenn Regeln gelockert würden: „Es wäre doch toll, wenn der Hausmeister am Samstag mal die Turnhalle aufmacht, damit die Kids rein können. Oder wenn man sich mal einen Breakdancer in den Sportunterricht holt.“ Im kommenden Jahr wollen die „Gorillas“ in Deutschland durchst==arten. Eine Tour durch fünf Städte ist bereits in Planung. In Nürtingen wollten die Kids nur eines wissen: „Kommt ihr nächstes Jahr wieder?“       mo / Fotos: mo

 

Info: www.deingorilla.de


Abgestimmt

Vor 60 Jahren beschloss der Bundestag die Einführung des
Kindergelds. Bis heute ist die Förderung nicht unumstritten.
Was meinen Sie, ist das Kindergeld eine Erfolgsgeschichte?

Foto: dpa

Eine Erfolgsgeschichte?

  • Ja! (50% )
  • Nein! (50% )
Loading ... Loading ...