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Weltweit wird dem Fußballweltverband FIFA unter anderem wegen
der WM-Vergaben nach Katar und Russland Korruption vorgeworfen.
Was sagen Sie? Soll sich die UEFA gegen die FIFA stellen?

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UEFA gegen FIFA?

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Schöner ankommen

Esslingen weiht zentralen Busbahnhof ein – Fest am 15. November


Nach 20 Monaten Bauzeit sind der neue zentrale Omnibusbahnhof (ZOB) und der umgestaltete Bahnhofsvorplatz in Esslingen fertiggestellt. Das ZOB-Projekt verbessert nicht nur die Vertaktung von Bahn, S-Bahn und Bus, der neue Vorplatz  stellt auch ein aufgewertetes Eintrittsportal für Esslingen dar. Der neue ZOB wird am 15. November mit einem bunten Programm offiziell eingeweiht und vorgestellt.

Rund zehn Millionen Euro hat die Stadt dafür ausgegeben. Das augenfälligste Detail am neuen ZOB ist das Dach: Wer mit dem Zug in Esslingen ankommt, schaut von unten auf eine geschwungene Glasüberdachung mit 1300 zum Teil bunten Kacheln, die sommers wie winters einen Eindruck von hellem Sonnenschein vermitteln. Die feinen Stützen und filigranen Streben sollen die Leichtigkeit der Konstruktion des Architekten Werner Sobeck unterstreichen.

Der Vorplatz wirkt großzügig, helle Granitplatten bilden den Belag. Ein markantes rechteckiges, dunkles Gebäude setzt Akzente: Dort sind die Toiletten und die Taxizentrale untergebracht. Der Vorplatz verbindet nun die Innenstadt und den Bahnhof. Reisende und Passanten müssen keine Straße mehr überqueren, um von der Bahnhofstraße zum Bahnhof zu gelangen. Das Herzstück des Projekts ist jedoch der Busbahnhof.

Auf 5600 Quadratmetern Fläche sind 18 Bushaltestellen untergebracht. Mit Streckenanpassungen und Taktänderungen wollen die Städtischen Verkehrsbetriebe die Wege für die rund 30 000 Fahrgäste täglich optimieren.

Zwei große Informationstafeln und kleine Tafeln an den Bussteigen informieren über die anstehenden Verbindungen und die Abfahrtsbahnsteige. Die gesamte Anlage ist barrierefrei für Gehbehinderte konstruiert, Sehbehinderte können sich von Leitlinien im Boden führen lassen.

Weiterhin soll am westlichen Ende des Bahnhofsvorplatzes eine Mobilitätszentrale mit Fahrradparkhaus, einer Fahrradwerkstatt, einem Pedelec-Verleih und einer Car-Sharing-Anlaufstelle entstehen.

Der ZOB ist kaum mit irgendeinem anderen Bauprojekt in der Stadt zu vergleichen. „Dabei geht es weniger um die Investitionssumme von rund zehn Millionen Euro, sondern um die städtebauliche Wirkung und den Einfluss auf das Leben in Esslingen“, sagt Rathaussprecher Roland Karpentier.  Der ZOB sei alleine nicht vorstellbar, ebenso wie das Projekt Neue Weststadt ohne den ZOB nicht realisierbar sei. Dort sind bereits andere Teilstücke wie das Hengstenberg-Areal fortgeschritten. Wie die Fläche des ehemaligen ZOB genutzt wird, ist noch offen. Wünsche gebe es viele: Diese reichen von Parkplätzen für Autos und Busse bis zu Plätzen für Maschinen für die Baustellen in der Stadt. 2015 soll über die Weiternutzung entschieden werden. „Das hängt von anderen Projekten wie der Entwicklung auf dem Karstadt- oder dem Citizen-Areal ab“, so Karpentier.             bob / Foto: bul

Info: Einweihungsfest am Samstag, 15. November, 11 bis 16 Uhr, Bühnenprogramm mit Musik, Tanz und Akrobatik der Esslinger Vereine, ab 12 Uhr alle 30 Minuten Führungen mit Experten, Parcours für Segway-Fahrten. Mehr unter www.esslingen.de/,Lde/start/es_themen/zob.html


Der Deutsche neigt zum Falten

Welttoilettentag weist auf das Fehlen ausreichend hygienischer Sanitäreinrichtungen hin – Defizite auch an hiesigen Schulen

Im vergangenen Jahr haben die Vereinten Nationen den 19. November zum Welttoilettentag ausgerufen, nachdem der World Toilet Summit diesen Tag bereits seit 2001 dazu nutzt, um auf das Fehlen ausreichend hygienischer Sanitäreinrichtungen für große Teile der Weltbevölkerung und die Bedeutung von sauberem Wasser aufmerksam zu machen. Derartige, den Nährboden für Krankheiten bereitende Verhältnisse gibt es in Deutschland zwar nicht, doch auch hierzulande gibt es Probleme. Und es gibt erstaunliche Erkenntnisse und Entwicklungen rund um das stille Örtchen.

Krankheitserreger: Mehr als 2,5 Milliarden Menschen leben nach UN-Angaben ohne eine ausreichende Sanitärversorgung. Betroffen sind vor allem Arme auf dem Land und Bewohner von Slums in Städten. Viele müssen ihre Notdurft ungeschützt im Freien verrichten. So gelangen Fäkalien ungehindert ins Wasser. Schätzungen zufolge stehen 80 Prozent aller Krankheiten in Entwicklungsländern im Zusammenhang mit verunreinigtem Trinkwasser. Pro Tag sterben 5000 Kinder unter fünf Jahren an Krankheiten, die im Zusammenhang mit mangelhafter Hygiene und verschmutztem Wasser stehen.

Geschichte: Entlang dem Indus im heutigen Pakistan gab es schon um 3000 vor Christus Spülklosetts – das Wasser kam aus Zisternen. Aborte über Wasserläufen gab es etwa 2300 vor Christus in Mesopotamien. Vornehme griechische Häuser hatten seit 300 vor Christus Steinsitze, die auch aus Gebäuden in Ägypten bekannt sind. Unter den Sitzen befanden sich Transportgefäße. Chinesen stellten seit dem fünften Jahrhundert nach Christus Toilettenpapier her.

Falter: Wer faltet eigentlich sein Klopapier und wer knüllt es lieber? Die Papierindustrie hat diese Fragen vor zwei Jahren gestellt. Antwort: 70 Prozent der Deutschen – mehr Männer als Frauen – falten ihr Papier, bevor sie es benutzen. Bei den 30- bis 69-Jährigen ist diese Technik besonders beliebt. Der typische Falter sei studiert, verheiratet und wohne meist in kleinen bis mittelgroßen Städten. Typische Knüller sind hingegen viel seltener: nur 7,4 Prozent der Befragten. Sie sind ebenfalls meist männlich, zwischen 30 und 49 Jahre alt und versorgen als Besserverdiener eine Familie. Ältere (50 bis 69 Jahre) legen ihr Papier dagegen oft sorgfältig Blatt für Blatt aufeinander. Jüngere Frauen (14 bis 29 Jahre) wickeln es sich gern um die Hand. Robert Gensch, Projektkoordinator bei der German Toilet Organization, erkennt im Deutschen auch eher den „Falter“, der US-Amerikaner knülle hingegen häufiger. Das rühre auch vom dünneren Toilettenpapier.

Gewohnheiten: Gensch zufolge sitzt der durchschnittliche Deutsche etwa eine Viertelstunde am Tag auf dem Klo. Nach einer Umfrage der Stiftung Internetforschung vom vergangenen Jahr nimmt jeder sechste Erwachsene auch auf dem Lokus noch Handyanrufe entgegen. Einer Umfrage der Firmen „1&1“ und „YouGov“ zufolge ist jedem fünften deutschen Handynutzer das Mobiltelefon schon einmal in die Toilette gefallen. Und dann gibt es noch die, die auf dem Klo Dauersitzungen halten.

Was die „Apotheken-Umschau“ zur Frage veranlasste: Ist Lesen auf dem Klo ungesund? Demnach dient die Toilette vielen Menschen als Oase der Entspannung. Das Lesen soll dieses wohlige Gefühl noch verstärken. Darmspezialisten weisen aber darauf hin: Wenn man wirklich muss, ist das Geschäft normalerweise nach drei bis fünf Minuten erledigt. Das ist für Kloleser allerdings wenig Zeit. Doch beim Sitzen auf der Brille hängt der Po durch, dies könne über die Jahre bei Dauersitzern die Hämorrhoidenbildung, eine Beckenboden- oder Blasensenkung fördern.

Schulmisere: Solch lange Sitzungen hält kaum jemand auf Schultoiletten ab. Zwar wurde die German Toilet Organization (GTO) vor neun Jahren vor allem deshalb gegründet, um auf die weltweite Problematik hinzuweisen und Projekte zur Beseitigung des Sanitärnotstands zu initiieren. Aber auch in Deutschland sollte das laut Projektkoordinator Gensch „tabubehaftete Thema“ aus der Schmuddelecke geholt werden. Dabei sei man auf die teils gravierenden Probleme auf Schultoiletten gestoßen. In Berlin habe man eine Umfrage gestartet. Demnach meiden zwei Drittel der Hauptstadtschüler die Toiletten an den Bildungseinrichtungen. Deshalb hatte die GTO unter dem Motto „Toiletten machen Schule“ zu einem Wettbewerb aufgerufen, bei dem Schüler Ideen zur Verbesserung der Sanitäranlagen einreichen konnten. Die Sieger wurden mit einer Renovierung ihrer Schultoiletten belohnt. Zum Schuljahresbeginn im kommenden Jahr will der gemeinnützige Verein eine neuerliche Wettbewerbsrunde einläuten (www.germantoilet.org). Thomas Hauer vom deutschen Beratungszentrum für Hygiene in Freiburg wägt ab, wenn man ihn nach den Gesundheitsfolgen schmutziger Schulklos fragt: So stellten sie selbst zwar kaum ein größeres Ansteckungsrisiko mit Salmonellen und anderen Erregern dar. „Aber eine wenig einladende Toilettenumgebung sorgt für eine nachlässige Haltung bei der Hygiene“, sagt Hauer. Das könne etwa die Verbreitung von Noroviren und Erkältungen begünstigen.

Trends: Laut dem Landesverband Sanitär, Heizung, Klima (SHK) ist das stille Örtchen in Deutschland im Schnitt zwischen 1,5 und 4 Quadratmeter groß. Nach Angaben von Albrecht Lohri, dem Obermeister der SHK-Innung Esslingen-Nürtingen, ist in den hiesigen Wohnungen ein Spülklosett längst Standard. In aller Regel befindet sich ein Handwaschbecken im Raum, Boden und Wände sind bis etwa Brusthöhe gefliest. Im privaten Bereich gibt es fast ausnahmslos die Sitzvariante der Schüssel. Ein Hockklosett findet sich hin und wieder in Industriebetrieben, in Privatwohnungen „habe ich das noch nie reingemacht“, sagt Lohri. Während immer wieder ein Urinal den Männern das Pinkeln erleichtert, hat sich das Damenurinal nicht durchgesetzt. Ein Trend ist laut Lohri das spülrandlose WC, das einfacher zu reinigen sei. Und das Dusch-WC, bei dem der Sitzende mit Wasserstrahl und Föhn gereinigt und getrocknet wird, komme „Schritt für Schritt in den Markt“.

Ausstellung: Das Museum der Alltagskultur im Schloss Waldenbuch zeigt derzeit unter dem Titel „Vom Plumpsklo zum Wasserklosett“ eine Geschichte zur Notdurft.      ch / Foto: dpa


Abgestimmt

Nicht zuletzt mit der großen Feier in Berlin hat Deutschland des
Mauerfalls gedacht. Was meinen Sie, ist 25 Jahre danach die Einheit
zwischen Ost- und Westdeutschen erreicht?

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Einheit erreicht?

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„NT“ kehrt zurück

Kreistag gibt Weg frei für Wiedereinführung des alten Nürtinger Kennzeichens


Zwei Jahre lang haben die Nürtinger gekämpft, Unterschriften gesammelt und Petitionen gestartet. Anfang Oktober gab der Kreistag dann nach: Das Autokennzeichen des Altkreises Nürtingen „NT“ darf auf die Straßen zurückkehren.

Zwölf historische Kennzeichen erlebten in den zurückliegenden Monaten ihr Comeback. Seither kann man unterwegs immer häufiger Autos mit „LEO“ und „GD“ oder „CR“ sichten. Spätestens Mitte November, schätzt die Kreisverwaltung, sollte es auch für das „NT“ so weit sein. Derzeit warte man noch auf die entsprechende Bewilligung aus dem Landesministerium. Da aber selbst Ministerpräsident Winfried Kretschmann den Nürtingern auf ihrem Weg Mut machte, dürfte das reine Formsache sein.

Bei der Zulassungsstelle jedenfalls wird das alte neue Kennzeichen bereits von vielen Interessenten nachgefragt. Seit dem 20. Oktober kann man sich sein NT-Wunschkennzeichen dort reservieren, auch online. „Wir haben bereits rund 3700 Anfragen“, teilt Peter Keck, Pressesprecher des Landratsamts, auf Anfrage mit. Übrigens können nicht nur Fahrzeugbesitzer, die im Altkreis Nürtingen zu Hause sind, künftig mit „NT“ durch die Gegend fahren: „Jeder, der im Landkreis wohnt, kann ‚NT‘ als Wunschkennzeichen beziehen“, stellt Keck klar.

Noch vor zwei Jahren hatte der Kreistag das Thema „NT“-Kennzeichen ganz anders bewertet. Damals erhielt der Antrag der Befürworter des „NT“-Kennzeichens mit Nürtingens Oberbürgermeister Otmar Heirich an der Spitze von den Abgeordneten des Kreisparlaments eine deutliche Abfuhr. Unnötig und rückwärtsgewandt empfand Landrat Heinz Eininger den Wunsch aus der Hölderlinstadt. Zumal mit einigem finanziellen Aufwand verbunden, wie die Kreisverwaltung damals vorrechnete.

Dass sich der Wind gedreht hat, liegt vor allem an einer Gesetzesänderung: Mussten Halter früher bei einem Umzug in ein anderes Zulassungsgebiet ihren Wagen binnen Jahresfrist ummelden, dürfen sie nun ihr Kennzeichen behalten. Wer also von Frankfurt nach Stuttgart zieht, darf weiterhin mit dem „F“ für die Mainmetropole unterwegs sein. „Das gilt aber nur für bereits zugelassene Fahrzeuge“, sagt Keck. Neuzulassungen bekommen das Kennzeichen des aktuellen Wohnortes. Auch die Angst vor Mehrkosten ist inzwischen vom Tisch: Dank der Einnahmen aus den Gebühren für Wunschkennzeichen rechnet die Kreisverwaltung mit einer vollständigen Kostendeckung.                 Text/Foto: mo

 

Info: www.landkreis-esslingen.de


Rängdängdängdängdäng

25 Jahre nach dem Mauerfall: Denkendorfer Verein Zweitakterz Süd hält die Tradition der Ostfahrzeuge hoch


Am 9. November 1989 fiel die Berliner Mauer, die jahrzehntelange Trennung West- und Ostdeutschlands war überwunden. Vor 25 Jahren tuckerten die ersten Trabi und Wartburg über die Grenze und erregten Aufmerksamkeit. Auch heute noch sind die robusten Zweitakter kleine automobile Exoten. Und nicht wenige Menschen – hüben wie drüben – mögen die Fahrzeuge mit dem unverkennbaren Knattern und dem blauen Ölfähnchen aus dem Auspuff. Rund 900 Wartburg und Trabant sind in Baden-Württemberg angemeldet. Einige auf die Mitglieder des Vereins Zweitakterz Süd aus Denkendorf.

Wo bei anderen Automobilliebhabern alte Daimler oder Volvo im Mittelpunkt stehen, schlägt das Herz der Zweitaktler für Trabant, Wartburg, Barkas und Co. Und anstatt das sprichwörtliche Benzin im Blut treibt die Zweitaktler das Sprit-Öl-Gemisch um.

18 Frauen und Männer treffen sich regelmäßig zum Stammtisch oder zum Schraubertag. Sie kommen aus dem Großraum Stuttgart. Einige haben sogar mehrere Fahrzeuge aus Ostfabrikation – Limousinen, mit und ohne Anhänger, Zwei- und Dreiräder. Nicht alle Vereinsmitglieder sind in der ehemaligen DDR geboren. Aber viele, so wie Torsten Friedrich, der von Usedom stammt. Er hat 1997 seinen ersten Trabant gekauft: Friedrich war Zivildienstleistender und brauchte ein günstiges Gefährt. Mittlerweile zählt er fünf Fahrzeuge aus dem Osten in seinem Fuhrpark.

Für ihn stellt Trabifahren eine Verbindung zur Kindheit her: „Dieser Geruch und der Klang erzeugen Emotionen“, sagt er. Auch für Klaus Hornung ist der Geruch von verbranntem Öl und einem Hauch Benzin der Geruch seiner Jugend. Hornung, Vorstand des Vereins, besitzt unter anderem einen Wartburg 311, eine blau-weiße, elegante Limousine mit einem imposanten Kühlergrill. Der Wagen lässt an Pininfarina und Saint Tropez denken, jedenfalls so lange, bis Hornung den Zündschlüssel umdreht und statt Viertaktergrummeln das typische Zweitaktergeknatter ertönt. Der Wagen, top gepflegt, kann auf dem Markt etwa 10 000 bis 15 000 Euro wert sein, wie Hornung sagt.

Die Zweitaktler erzählen Geschichten, denen man gerne lauscht: Vom Trabant, auf dem man in der DDR bis zu 15 Jahre warten musste, vom Wartburg, der ebenso lange Wartezeiten hatte, es sei denn, er war für den Export bestimmt, von der Trabant-Karosserie, die aus harzverstärkter minderwertiger sowjetischer Baumwolle besteht, oder davon, dass die gebrauchten Ostfahrzeuge vor dem Mauerfall teurer als neue waren, vom Halbautomatikgetriebe Hycomat, auf das nur Versehrte Anspruch hatten. Und von den Hoffnungen, die eine Firma in Ostdeutschland vor wenigen Jahren geschürt hatte, als sie einen strombetriebenen New Trabant auf den Markt bringen wollte – bisher allerdings vergeblich.

Auf dem gekiesten Platz vor der Halle in der Heerstraße im Denkendorfer Gewerbegebiet, wo die Vereinsmitglieder ihre Fahrzeuge warten und an ihnen schrauben, steht eine ganze Reihe gepflegter Trabant und Wartburg in Biberbraun, Panamagrün, Ozeanblau oder Delphingrau. Auch ein Motorrad steht dabei – ein Sperber von Simson, sozusagen ein Bruder der bekannteren Schwalbe. Ein Bus ragt heraus: ein Barkas mit lila Lackierung und Blumenschmuck. Er gehört der Sozialpä­dagogin Andrea Lenz. Ihre Kollegin Sabine Säger ist ebenfalls Besitzerin eines Barkas. Muss sie tanken, schüttet sie einen Teil Öl auf 50 Teile Benzin in den Tank, springt auf die Ladefläche und hüpft ein wenig, so dass aus den beiden Flüssigkeiten ein Gemisch entsteht. Der Barkas 3, gebaut im Jahr 1974, heißt bei ihr Luzifer und muss demnächst in die Werkstatt. Ein Motorwechsel steht an.

Neben dem Bus, der an einen alten Hanomag erinnert, besitzt Säger eine Schwalbe und ein Gefährt, das ein wenig wie eine Rikscha aussieht: Es ist eine Duo 4/1 der Firma Krause, die Krankenfahrstühle hergestellt hat. Eine Duo durfte nur besitzen, wer eine Gehbehinderung nachweisen konnte. Das handbetriebene Dreirad muss seinem gehbehinderten
Besitzer aber viel Kraft und Koordinationsvermögen abverlangt haben, das hat Säger nach einigen Selbstversuchen festgestellt. „Wer Zweitakter fahren will, muss bereit sein, zu schrauben“, sagt Hornung. Nach 100 000 gefahrenen Kilometern – beim Trabant früher – muss man mit Lagerschäden rechnen, Zylinder müssen nachgeschliffen werden. Ein Motorwechsel sei kein Beinbruch: „In drei Stunden ist das erledigt,“ sagt Hornung. Noch gibt es Ersatzteile. In Ungarn werden fehlende Teile mittlerweile nachproduziert.

Mathias Piontek aus Stuttgart fasziniert die Technik der Ostfahrzeuge: „Mit den aufeinander aufbauenden  Komponenten sind es sehr intelligent gebaute Autos.“ Piontek freut sich über die Entwicklung, die die Ostfahrzeuge machen: „Es werden mittlerweile ernst zu nehmende Oldtimer.“ Er selbst ist mit seinem Trabant und dem Zelt­anhänger schon zweimal in der Toskana gewesen. „Mit einem Audi TT kann doch jeder Idiot über die Alpen fahren“, sagt er trocken.

„Trabi und Wartburg gehören unbedingt auf die Straße und nicht ins Museum“, sagt auch Hornung. „Diese Fahrzeuge sind schließlich Teil unserer Kultur“, fügt er hinzu. Auch wenn sie nicht unbedingt bei Eis und Schnee gefahren werden sollten.        Text/Foto: bob

 

Info: Zweitakterz Süd trifft sich am jeweils letzten Freitag im Monat zum Stammtisch in Neuhausen, Gaststüble Bock. Neue sind willkommen, egal ob Zweitakter-Besitzer oder Sympathisanten. Zweitakterz Süd organisiert am Tag des 25-jährigen Jubiläums des Mauerfalls, am 9. November, eine DDR-Oldtimer-Ausstellung am Zentrum Zinsholz in Ostfildern. Mehr unter www.zweitakterzsued.de


Abgestimmt

Verkehrsminister Dobrindts Maut-konzept steht: Ausländer sollen
auf Autobahnen zahlen, Deutsche werden über die Kfz-Steuer entlastet.
Verbucht wird elektronisch, kontrolliert übers Nummernschild.
Eine gute Lösung?

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Eine gute Lösung?

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Fliegenparadies

Kirschessigfliege und Wetterkapriolen machen Weingärtnern zu schaffen


Das Jahr hatte gut angefangen: frühe Wärme, ein dichter Behang an den Rebstöcken, viel Sonne – doch dann kamen Wetterkapriolen mit Hitze, Hagel, feuchter Wärme. Und dann gab es die Kirschessigfliege, einen aus Asien eingewanderten Schädling. Mittlerweile sind die Weingärtner im Kreis Esslingen froh, dass der Wein vom Stock ist und im Kessel gärt. Sie wissen aber, die Fliege wird sie auch in den nächsten Jahren beschäftigen.

Die Qualität ist ordentlich, aber die Menge lässt zu wünschen übrig: Das ist das Fazit, das die Weinbauern im Kreis ziehen. Etwa zwei Wochen früher als gewöhnlich sind die Beeren gelesen worden. Es musste schnell gehen, denn Fäulnis durch zuviel Regen und Essigtrauben durch die Fliege haben die Ernte bedroht. Mitte Oktober war alles gelaufen. „Und danach erst sind die schönen Tage gekommen“, bedauert Christine Anhut, die Geschäftsführerin der Weingärtnergenossenschaft Neuffen-Teck.

Die Lese war aufwendiger als sonst: Beere für Beere musste in die Hand genommen und auf Fliegeneinstichstellen überprüft werden. Hatte die Beere ein Loch oder gar schon eine Delle, wurde sie aussortiert. Mit der Menge des Leseguts für den Täleswein ist Anhut durchaus zufrieden. „Wir liegen über dem Jahr 2013, als uns Hagel viel zerstört hat.“

Besonders beliebt bei Drosophila suzukii – so lautet der botanische  Name der Fliege – sind rote Früchte, vor allem Brombeeren und Kirschen. „Unsere Streuobstflächen, auf denen Früchte nicht mehr geerntet werden, sind für die Fliege natürlich ein Paradies – ein Streuobstparadies“, sagt Werner Kauderer, der Vorsitzende des Vereins der Weinbergbesitzer in Weilheim. Die Winzer dort hatten neben Fliege und Regen auch noch Hagelschäden auf ihren Rebflächen am Hang der Limburg und am Egelsberg zu beklagen. Die Kirschessigfliege wird ein Thema bleiben, da sind sich Anhut und Kauderer sicher.

Manuel Becker, der Referatsleiter für Weinbau und Rebschutz an der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau in Weinsberg, will den Ball flach halten. Er spricht von „einem Hype um die Fliege“, seit sie im Jahr 2011 in Südtirol aufgetreten ist. Er sieht die Fliege als Herausforderung für den Weinbau. „Wir haben gute Werkzeuge gegen den Schädling, mehr als es die Südtiroler vor drei Jahren hatten“, sagt Becker. Er nennt neben der intensiven Pflege der Reben mit frühzeitigem Aussortieren zerdrückter Früchte auch Spritzmaßnahmen mit Mitteln, die nach Versuchen in der Anstalt nun ihre Zulassung bekommen haben. Auch das Wetter spiele eine Rolle: „Ein kalter Winter und die Population der Drosophila suzukii wird deutlich geringer ausfallen als in diesem feuchtwarmen Sommer“, ist Becker sicher.  Er warnt vor Panik: „Die Kirschessigfliege wird den Weinbau im Südwesten nicht zerstören und das wird auch nicht die amerikanische Rebzikade, die im Anmarsch ist.“ Laut Becker löst dieser Schädling die Vergilbungskrankheit am Rebstock aus, der dann abstirbt. Der amerikanische Invasor sei im Anmarsch: „In Italien und Südtirol ist er bereits angekommen. Wir beobachten das.“                bob / Foto: pst


Die Kasse stimmt nicht immer

Selbstbedienungsstände sind praktisch für Landwirte und Verbraucher – Bei der Ehrlichkeit hapert es oft


Bitte Geld in die Kasse einwerfen: Diese Aufforderung findet man in und nach der Erntezeit häufig an Selbstbedienungshäuschen und -ständen auf dem Land. Oft kann man sich dort rund um die Uhr mit Kartoffeln, Äpfeln, Kürbissen und mehr versorgen. Die Landwirte erreichen so mit relativ geringem Aufwand direkt ihre Kunden. Sie müssen allerdings einen Anteil „Schwund“ einkalkulieren.

Mit langen Fingern, schnellen Beinen und Autos haben wohl alle zu tun, die ihre bäuerlichen Produkte an Selbstbedienungsständen vermarkten. „Man muss mit einer Zahlungsmoral von 40 bis 50 Prozent rechnen“, sagt Melanie Munk, deren Familie ein Blumenfeld zum Selbstpflücken zwischen Owen und Beuren pflegt. Das ist keine erfreuliche Zahl – und unerfreulich waren auch die Reaktionen, die Munks ernteten, wenn sie Nicht-Zahler beobachtet und angesprochen haben: Meist bekomme man dann noch eine pampige Antwort. Die Familie beackert das Blumenfeld auf Vertrauensbasis trotzdem, zumindest vorläufig, denn andere Vertriebswege sind noch unattraktiver. Auch ihren Eier- und Kartoffelautomaten haben Munks nicht aufgegeben, obwohl er mehrfach demoliert wurde. Mittlerweile steht das Gerät nicht mehr außerorts, sondern mitten in Brucken an der Kirchheimer Straße. Seither kam, abgesehen von Schmierereien, nichts Größeres mehr vor.

In Owen findet man reichlich Gelegenheit zur Selbstbedienung. Obstbauer Tobias Schmid hat Stände mit verschiedenen Apfelsorten, deren Geschmack und Verwendung er auf einem Plakat erklärt. Und am Haus von Däschlers in der Wehrbachstraße geht niemand ohne bewundernde Blicke vorbei. Kürbisse in allen Formen und Farben, in Regalen, Kisten und auf dem Boden schmücken die gesamte Straßenfront. Hinzu kommen Kartoffeln, Äpfel und mehr im Selbstbedienungshäusle. Die Kasse ist an Däschlers Hauseingang angebracht. „Manchmal stimmt sie haarscharf und manchmal merkt man, dass weniger drin ist“, sagt Marianne Däschler.  Wenn Letzteres gehäuft auftrete, sei sie schon „frustriert“ und denke auch ans Aufhören. Umgekehrt seien aber viele Leute ehrlich. Manche kämen im Nachhinein, um ihre Schulden zu bezahlen, wenn das Kleingeld beim letzten Mal nicht gereicht hat.

Andrea und Tim Holzer verarbeiten in Hochdorf die Milch ihrer Thüringer-Wald-Ziegen in der eigenen Käserei. Das Ehepaar hatte lange einen frei zugänglichen Kühlschrank vor seiner Tür in der Kirchheimer Straße stehen. Bis er eines Nachts komplett geleert wurde: Quark, Frischkäse, Schnittkäse – alles weg, aber kein Geld in der Kasse. Daraufhin haben Holzers in einen Automaten investiert, in dem sie nun auch regionale Bio-Produkte von Kollegen wie Eier, Honig und Apfelsaft anbieten. Jetzt geht die Klappe nur beim passenden Geldeinwurf auf.

Albers in Sielmingen überwachen ihren Stand mit einer Kamera. Trotzdem sei es nicht leicht, unehrlichen Leuten beizukommen, sagt Gerlinde Alber, die Gemüse, Salat, Kartoffeln und alles, was gerade Saison hat, auf diese Weise verkauft. „Wenn einer meint, er müsste das so mitnehmen, dann soll’s ihm schmecken“, sagt die Landwirtin, die für sich beschlossen hat, sich nicht mehr zu ärgern. Im schlimmsten Fall müsse man halt die Selbstbedienung beenden – ihr Mann Erich ist auch mit dem Transporter unterwegs, um die eigenen Erzeugnisse zu verkaufen.

Manchmal kommt man den Dieben aber doch bei. Klaus Diez aus Reudern hat schon mehrfach erfolgreich Anzeige erstattet. Auch er setzt auf eine Kamera, kombiniert mit häufigem Leeren der Kasse und einem steten Auge auf den Stand. Wenn man jemanden in flagranti erwischt und in der Kasse sind nur fünf Cent statt fünf Euro, ist die Lage eindeutig. Muss die Polizei anhand von Kameraaufnahmen ermitteln, ist das schon schwieriger und führt nicht immer zu einem Ergebnis. Aber anscheinend spreche es sich doch herum, wenn die Ordnungshüter aktiv werden, meint Diez, denn dann sei immer „drei oder vier Wochen Ruhe“. Schon deshalb gibt er nicht klein bei und wacht weiter über Obst, Beeren und Saft.

Weitgehend positive Erfahrungen macht Hermann Binder, der sonntags einen Tisch mit Blumensträußen vor seinem Blumengeschäft in der Plochinger Marktstraße aufstellt. Auch hier ist schon etwas weggekommen, aber das sei die Ausnahme, sagt Binder: „Die Leute freuen sich, wenn sie bei uns Blumen bekommen und nicht zur Tankstelle fahren müssen.“            aia / Foto: aia


Abgestimmt

Die neue EU-Kommission wird am 1. November die Arbeit aufnehmen,
als Präsident folgt Jean-Claude Juncker auf José Manuel Barroso.
Waren Sie mit der Arbeit der scheidenden Kommission zufrieden?

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