Professioneller Auftritt

Das Naturtheater Grötzingen zeigt zwei anspruchsvolle Produktionen – Keine Scheu vor großen Werken

Das Naturtheater Grötzingen ist in die neue Spielzeit gestartet. Bis Sonntag, 18. August, wird die Spielschar des Amateurtheaters wieder zwei Produktionen zeigen, die den Vergleich mit den professionellen Bühnen im Land nicht scheuen müssen. Für jüngere Zuschauer und Familien steht in diesem Sommer das Stück Ronja Räubertochter unter der Regie von Lars Kajuiter auf dem Programm. Als Stück für Erwachsene inszeniert der Regisseur Jürgen Lingmann die Tragödie Romeo und Julia von William Shakespeare.

Das Naturtheater Grötzingen zeigt seit vielen Jahren  Stücke, die man von einer Amateurbühne und einer Laienspielschar  nicht unbedingt erwarten darf. Für die aktuelle Spielzeit hat sich das Theater mit William Shakespeares Tragödie Romeo und Julia wieder  ein großes Werk der Literatur vorgenommen. „Shakespeare gibt es im Amateurtheater eher selten. Wir haben uns dafür entschieden, weil wir eine junge Spielschar haben, die der Herausforderung auch sprachlich gewachsen ist“, erzählen die Vorstandsmitglieder Kai Feldmaier und Kerstin Schürmann, die auch künstlerische Leiterin des Theaters ist.

Für die Inszenierung wurde der Schauspieler und Regisseur Jürgen Lingmann gewonnen. Er entschied sich für eine Fassung des Stücks, die der Übersetzer und Shakespeare-Forscher Frank Günther vorgelegt hatte. „Günther ordnet Shakespeare in die Tradition des Volkstheaters ein. Die Fassung betont das Derbe in dem Stück“, beschreibt Lingmann. Er choreografierte auch einige rasante Bühnen-Fechtkämpfe.

„Die Zuschauer dürfen sich auf ein Stück mit viel Action, Spannung und vielen lustigen Elementen freuen“, verspricht Feldmaier. Für die Grötzinger Bühnenfassung  mit rund 40 Darstellern musste der Shakespeare-Text um fast die Hälfte gekürzt werden. Dennoch dauerte es von der ersten Sprechprobe im November noch Monate, bis die  anspruchsvolle Geschichte stand. „Es  ist eben  eine klassische Sprache“, sagt Lingmann. Trotz mancher Gegenwartsbezüge habe er auf umgangssprachliche Wendungen verzichtet, „da sonst die Magie von Shakespeares Sprache verloren ginge“. Der Autor experimentiere selbst mit unterschiedlichen Sprachstilen, „und so sind ausgefeilte Dialoge entstanden“, erzählt er. Dabei nötige ihm die Leistung der beiden 18 und 17 Jahre alten Hauptdarsteller Ronja Feldmaier und Johannes Scheufele größten Respekt ab, die zum ersten Mal in einem Erwachsenenstück spielen.

Auch Lars Kajuiter, der Regisseur des Familienstücks Ronja Räubertochter, hat den Umgang mit dem Bühnentext des Kinderbuchs von Astrid Lindgren als „große Herausforderung“ erlebt. Der Verlag habe keine großen  Kürzungen erlaubt, „also spielen wir alle 16 Kapitel, jeweils in drei oder vier kurzen Szenen, das benötigt schnelle sprachliche Übergänge“, erzählt Kajuiter.

Musik von Magnus Reichel

Sehr hilfreich für die Dramaturgie sei dabei die Musik, sagt der Regisseur. Sie stammt von Magnus Reichel, der seit dem vergangenen Jahr die Musik für die Produktionen des Naturtheaters komponiert und arrangiert. Anders als beim Text gebe es dafür keine Vorgaben von den Verlagen, und so  genieße er viel künstlerische Freiheit. „Allerdings muss man wissen, dass Kinder ein sehr anspruchsvolles Musikpublikum sind“, sagt Reichel. pst / Foto: pst

Info: Naturtheater Grötzingen, „Romeo und Julia“ sowie „Ronja Räubertochter“; bis  18. August; Vorstellungstage und Informationen unter www. naturtheater-groetzingen.de.


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