Rüsten für den Ernstfall

Landkreis trifft Vorsorge gegen Afrikanische Schweinepest – Flächendeckend Verwahrstellen für Kadaver geplant

Der Landkreis Esslingen wappnet sich  gegen die Afrikanische Schweinepest. „Es geht hier nicht um  Panikmache oder blinden Aktionismus. Es sind Vorsichtsmaßnahmen. Eine akute Gefährdungslage besteht hier in der Region derzeit nicht“, betont Landrat Heinz Eininger. Und doch wird Vorsorge getroffen, weil „die Afrikanische Schweinepest auf das Hausschwein übertragen werden kann, und das wiederum hätte verheerende Folgen für die Landwirtschaft“. Dies hänge mit einem dann drohenden  Exportstopp für entsprechende Lebensmittel zusammen. Sollte also ein Wildschwein tot aufgefunden werden, das weder erlegt wurde, noch durch einen Unfall ums Leben kam, gilt höchste Vorsicht.

Das Virus ist laut Christian Marquardt, Leiter des Kreisveterinäramts, sehr resistent: „Wenn es sich erst mal festgesetzt hat, wird es ein Teil der Umgebung. Man spricht dann von einer Habitatseuche. Teils bleibt diese über Jahre bestehen.“ Für die Wildschweinkadaver und deren Innereien werden nun  spezielle Verwahrstellen eingerichtet. Dort werden die Kadaver in Edelstahlbehältern gekühlt gelagert, die täglich geleert werden. Eine solche Verwahrstelle hat Eininger vor wenigen Tagen bei der Straßenmeisterei Kirchheim an die Kreisjägerschaft übergeben. Weitere gibt es bereits in Nabern und in Nürtingen, im Frühjahr folgen zwei weitere in Aichwald und Beuren.

Möglichst flächendeckend vom Schurwald bis zum Albtrauf sollen diese im Landkreis Esslingen vorhanden sein. Von den Verwahrstellen aus werden die Kadaver über eine Sammelstelle in Süßen in die Tierkörperbeseitigungsanstalt in Warthausen bei Biberach gebracht. Bevor der Kadaver in den Verwahrstellen abgeholt wird, wird eine entnommene  Blutprobe im Labor noch auf das Virus untersucht. Bis dato waren alle genommenen Proben im Kreis Esslingen negativ.

Vor allem in Osteuropa

Derzeit tritt die Afrikanische Schweinepest vor allem in Osteuropa auf. Sie kann von Tier zu Tier übertragen werden. Für den Menschen sei das Virus ungefährlich, erläutert Marquardt. Der Mensch ist es jedoch, der das Virus auch in hiesige Gefilde einschleppen könnte, da es in Lebensmitteln enthalten sein kann. „Werden also infizierte Essensreste weggeworfen und ein Tier frisst sie, kann es sich anstecken.“ So könne das Virus auf dem Straßenweg eingeschleppt werden, sagt Eininger.

Neben der Einrichtung der Verwahrstellen zählt die Reduzierung des Schwarzwildbestands im Kreisgebiet zu den zentralen Punkten des Maßnahmenpakets gegen die Schweinepest. Eine entscheidende Rolle kommt dabei den Jägern zuteil. Im vergangenen Jagdjahr von April 2017 bis März 2018 wurden landesweit 78 000 Wildschweine erlegt, im Vergleich zum Vorjahr eine Steigerung um gut 70 Prozent. Weitere Neuerungen: Jäger dürfen Wildschweine nun ganzjährig jagen und Nachtsichtgeräte benutzen, Anträge auf Straßensperrungen für die Treibjagd werden zügig bearbeitet, zudem bekommen die Jäger die Gebühr erlassen. In einem ausgeprägten Monitoringverfahren entnehmen sie verstärkt Proben, um einen Seuchenausbruch so früh wie möglich zu erkennen.

Verschiedene Akteure arbeiten Hand in Hand. Dazu zählen neben dem Kreisveterinäramt und der Kreisjägerschaft das Rechts- und Ordnungsamt mit der unteren Jagdbehörde, das Landwirtschafts- sowie das Straßenverkehrsamt. Das Veterinäramt ist im Ernstfall über die gemeinsame Leitstelle rund um die Uhr erreichbar. Erstmals gibt es mit Achim Moser zudem einen Veterinärhygienekontrolleur, der vor allem Aufgaben bei der Seuchenprävention übernimmt. Zur sicheren Bergung der Tiere, die regelmäßig trainiert wird, wurde zudem ein geländegängiges, ausreichend großes Transportfahrzeug angeschafft. Die Maßnahmen sind zunächst auf drei Jahre angelegt.

Dass die Prävention Wirkung zeigt, ist schon jetzt deutlich: Bei Drückjagden wurden weniger Wildschweine erlegt, die Population ist bereits zurückgegangen.   eis / Foto: dpa


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