Teil der Esslinger Kultur

Synagoge in Altstadt besteht seit 200 Jahren – Festakt im Juni – Torarolle teils mit Spenden aus Bürgerschaft finanziert

Die jüdische Gemeinde Esslingen hat vor 200 Jahren ein Haus in der Esslinger Altstadt  gekauft und als Synagoge eingerichtet. Dieses Jubiläum wird 2019 gefeiert – mit etlichen Veranstaltungen über das gesamte Jahr verteilt. Die zentrale Festveranstaltung findet am   2. Juni statt.

Die Veranstaltungsreihe besteht aus Vorträgen, Filmen,  Konzerten, Theater und  dem Festakt, mehrere Esslinger Kultureinrichtungen und Vereine gestalten diese mit. Mit den  Veranstaltungen  soll  die Vielfalt jüdischen Lebens gezeigt werden,  und auch wie sich jüdische Kultur in die Esslinger Kulturlandschaft integriert hat. 

800 Jahre Geschichte

Das Haus Nummer 3 im Heppächer in der Esslinger Altstadt beherbergt die Synagoge der Israelitischen Gemeinde Württemberg (IRGW).  Das denkmalgeschützte Gebäude gehört aufgrund seiner bewegten Geschichte zu den bedeutendsten Baudenkmälern Esslingens und repräsentiert die seit rund   800 Jahren andauernde Geschichte der Juden in der Stadt. Der Fachwerkbau diente ab dem 15. Jahrhundert als Zunfthaus der Schneider. Die 1806 neu gegründete jüdische Gemeinde in Esslingen kaufte das Gebäude im Jahr 1819 und nutzte es als Synagoge.

Während der November-Pogrome  im Jahr 1938 überfiel ein Nazi-Mob das Haus, verwüstete die Innenausstattung,  stahl und zerstörte religiöse Kultgegenstände. Dass das Haus nicht in Brand gesetzt wurde, lag wohl an seiner Lage in der Altstadt in nächster Nähe zu einer Brennstoffhandlung.  1940 wurde die jüdische Gemeinde schließlich zum Verkauf des Gebäudes gezwungen.

Nach dem Krieg kaufte die Stadt Esslingen das Gebäude von der  Jewish Restitution Successor Organisation (JRSO) unter der Prämisse, dass  eine sich später bildende jüdische Gemeinde bei der Suche nach Räumen für ein Gemeindezentrum von der Stadt unterstützt wird. 

Einweihung 2012

Das geschah im Jahr 2012, als  die Stadt das Haus im Heppächer auf Erbbaugrundlage an die IRGW übertrug. Beim feierlichen Einzug in das neue jüdische Gemeindezentrum überbrachte Esslingens Oberbürgermeister Jürgen Zieger einen Thoraschrein als Geschenk. Die Torarolle selbst wurde vier Jahre später,  im Jahr 2016,  in die Synagoge getragen.

Die Spendenbereitschaft der Esslinger Bevölkerung ist dem IRGW-Vorstandsreferenten Lars Neuberger noch gut in Erinnerung. „Der Esslinger Landtagsabgeordnete Wolfgang Drexler  hatte gehört, dass die IRGW für ihre Zweigstelle in Esslingen Geld für die Beschaffung der Torarolle sammelt, und hat seinerseits eine Spendenaktion unter   Esslinger Bürgern, Kirchengemeinden und Vereinen in Gang gesetzt“, berichtet Neuberger. „Innerhalb kürzester Zeit hatten wir das Geld für die Torarolle zusammen.“ Mittlerweile ist die jüdische Kultur fest in Esslingen etabliert. Und das Interesse daran sei groß, sagt Neuberger. So ist aus der Galaveranstaltung zur Einbringung der Torarolle mit Klezmermusik eine feste jährliche Veranstaltung geworden. „Unser Geschenk für Esslingen“, nennt es Elena Braginska, die als Repräsentanz-Mitglied der IRGW  die Esslinger Synagoge  ehrenamtlich betreut. 

Heute ist die Esslinger Synagoge mit seinen 280 Mitgliedern eine Zweigstelle der IRGW in Stuttgart –  eine von dreien neben  denen in Ulm und in Heilbronn.  Eine hauptamtliche Betreuung für Esslingen wird  derzeit gesucht. Zuvor hat Rabbiner Yehuda Puschkin als mobiler  Gemeinderabbiner auch Esslingen betreut. Er ist nun  Ortsrabbiner in der mit 1400 Gläubigen  mitgliederstärksten Gemeinde in  Stuttgart.  Laut Neuberger hat es bereits einige Bewerbungsgespräche gegeben, eine Entscheidung werde zu einem späteren Zeitpunkt fallen.  bob / Foto: bob

Info: Festprogramm mit Führungen, Vorträgen, Konzerten,  Filmen und Theater. Am Sonntag, 2. Juni, 17 Uhr, zentraler  Festakt im Gemeindehaus am Blarerplatz, mit Reden und Musik verschiedener Ensembles. Mehr unter  www.irgw.de. 


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