Tierische Landschaftspfleger

Schafbeweidung erhält geschützte Gebiete und fördert die Artenvielfalt – Thymian und Silberdistel

Große Bereiche des Albvorlands und des Nordabhangs der Alb sind geprägt von Streuobstwiesen, Kalkmagerrasen sowie Wacholderheiden und sind als Landschafts- oder Naturschutzgebiete ausgewiesen. Dort findet traditionell eine Beweidung mit Schafen und Ziegen statt. Beim  Schafauftrieb am Hörnle oberhalb von Bissingen erläuterten Vertreter des Landschaftserhaltungsverbands (LEV) Landkreis Esslingen die Bedeutung der Schafbeweidung für die Kulturlandschaft.

Die steilen Magerrasen- und Heideflächen des Teckbergs und des Hörnle sind  Teil des europäischen Netzwerks von Natura-2000-Schutzgebieten und als  besonders wertvolle Gebiete eingestuft. Sie bieten Lebensräume für viele seltene und bedrohte Tier- und Pflanzenarten. Allerdings handelt es sich um Kulturlandschaften, die erhalten und gepflegt werden müssen. Traditionell geschieht dies in der Region mit Schafen und Ziegen. In der letzten Aprilwoche ist daher der Wanderschäfer Hans Dieter Wahl aus Welzheim mit einer Herde von rund 800 Schafen und einigen Ziegen an die Teck gezogen, die das Gebiet bis zum Herbst beweiden und so zum Artenschutz beitragen.

„Bis vor zwei Jahren war der Abhang am Hörnle noch Buschland, eigentlich aber ist es eine alte Kulturlandschaft, die als Naturschutzgebiet erhalten werden muss“, sagt die Agrarwissenschaftlerin Esther Gerhards, die zusammen mit Uwe Hiller die Geschäftsführung des LEV bildet. Da der Kalkmagerrasen und die karge Wacholderheide mit Maschinen nicht wirtschaftlich bearbeitet werden können und zudem im Vergleich zu anderem Grünland nur wenig Ertrag bringen, waren sie sich selbst überlassen und schließlich zugewuchert. Ein Pflegevertrag des LEV mit der Schäferei Wahl brachte schließlich die Wende.

Nach einer maschinellen Rodung machten sich die Schafe und Ziegen ans Werk, knabberten junge Triebe ab, drängten Brombeeren, Knospen und nachwachsende Büsche zurück. „Doch  mechanische Unterstützung ist weiterhin nötig. Der Wald drängt schnell nach“, sagt Gerhards. Dabei seien die Naturschutzbehörden auf Ehrenamtliche angewiesen. „Ohne die vielen freiwilligen Landschaftspfleger aus den Vereinen würde das nicht funktionieren“, betont sie.

Überall dort, wo  die Heide- und Magerrasenflächen erhalten werden, entstehen Lebensräume und Rückzugsgebiete für seltene und bedrohte Tier- und Pflanzenarten. „Schafe sind sehr wählerisch und fressen selektiv“, erläutert Gerhards. So meiden sie stachelige, bittere und sehr aromatische Gewächse, die damit stehen bleiben, blühen und sich vermehren können und gleichzeitig anderen, oft spezialisierten Arten wie etwa Schmetterlingen Schutz und Nahrung bieten. Daher findet man rund um den Teckberg  eine ganze Reihe von Orchideen, Thymian, Majoran, den Hauhechel und die für die Alb typische, aber selten gewordene und daher streng geschützte Silberdistel. „Manche Arten sind durch die Wanderschäferei erhalten worden und können sich nun wieder verbreiten“, sagt Gerhards und erklärt, dass  Samen und Pollen im Fell und im Kot der Tiere weitergetragen werden. „So werden die Artenvielfalt erhalten und der Genpool aufgefrischt und erweitert.“

Für den Schäfer Hans Dieter Wahl hat die Schafbeweidung noch den Nebeneffekt, dass sie  auch für heimische Produkte wie Wolle und Fleisch wirbt. „Man schmeckt das am Fleisch, ob die Schafe die guten Kräuter von den Albweiden gefressen haben. Da muss ich doch  nichts aus Neuseeland kaufen“, erzählt er. pst/Foto: pst


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