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Trügerisches Gefühl der Unsicherheit

Polizei legt Kriminalitätsstatistik für 2017 vor – Weniger Wohnungseinbrüche – Gewalt gegen Beamte nimmt weiter zu

Realität und Empfinden der Sicherheitslage im Landkreis Esslingen gehen schon seit Jahren nicht mehr Hand in Hand. Die in der Kriminalstatistik der Polizei beschriebene Realität weist das Land, die hiesige Region, als ausgesprochen sicher aus und doch scheint es in der Bevölkerung eine nicht zu beeinflussende Verunsicherung zu geben. Die in der Statistik dargelegte Kriminalitätsrate bezieht sich auf Straftaten je 100 000 Einwohner. Und die war in Baden-Württemberg, einem der sichersten Bundesländer, im vergangenen Jahr so niedrig wie seit 1990 nicht mehr. Und im Landkreis Esslingen war diese Quote mit 4681 nochmals deutlich unter dem Landesdurchschnitt (5295). „Wir leben in einer der sichersten Regionen in einem der sichersten Bundesländer“, sagt denn auch Alexander Pick, Präsident des Polizeipräsidiums Reutlingen, zu dem neben Esslingen und Reutlingen auch der Landkreis Tübingen zählt. Die Aufklärungsquote ist mit knapp 62 Prozent zudem die höchste seit zehn Jahren. Also gelte es, den Blick zu schärfen. Natürlich auch auf die Opfer, die mit unterschiedlichsten Verbrechen umzugehen haben. Aber auch darauf, dass es für übertriebene Sorgen keinen Anlass gibt. So gebe es bei den die Menschen bewegenden Wohnungseinbrüchen einen Rückgang, bei den von Asylbewerbern und Geflüchteten begangenen Straftaten will Pick zu einer Versachlichung der Diskussion beitragen. Doch der Polizeipräsident verschweigt auch nicht, dass ihm ein paar Entwicklungen Sorgen bereiten.

Im Bereich des Polizeipräsidiums Reutlingen gibt es 85 Gemeinden, 44 davon liegen im Landkreis Esslingen, die rund 530 000 Einwohner entsprechen etwa der Hälfte der im Präsidiumsbezirk lebenden Menschen. Die urbanen Strukturen im Kreis Esslingen, auch die für die überwiegend ausländischen und meist überregional agierenden Einbrecherbanden verkehrsgünstige Lage, sorgen offenbar dafür, dass die Zahl der Wohnungseinbrüche dort nicht so deutlich gesunken ist wie in Reutlingen und Tübingen. Trotzdem scheinen auch in Esslingen der Ermittlungsdruck, eine verschärfte Gesetzgebung und Schwerpunkteinsätze der Polizei Wirkung zu zeigen. Zwar ist es laut Polizei für eine Entwarnung bei den Wohnungseinbrüchen zu früh, doch Pick weist darauf hin, dass mittlerweile etwa die Hälfte der Einbrecher beim Versuch scheitert: Sicherheitsvorkehrungen an Fenstern und Türen zeigen Wirkung, wozu die Polizei mit ihren kostenlosen sicherheitstechnischen Beratungen ihren Beitrag leistet.

Rechnet man die Vergehen heraus, die nur von Asylbewerbern beziehungsweise Geflüchteten begangen werden können (Verstöße gegen das Asylbewerbergesetz), so stammte 2017 etwa jeder zehnte Tatverdächtige aus dieser Gruppe. Wiederum ein Drittel dieser Straftaten von Flüchtlingen im Landkreis Esslingen waren Körperverletzungen, häufig gab es Schlägereien in den Wohnheimen. Es folgten Diebstähle, Betrugs- und Rauschgiftdelikte. Die Zahlen bereiten der Polizei Sorge, doch sie werden auch relativiert. Pick verweist auf Frustration, schwierige Wohnsituation und Perspektivlosigkeit bei den Geflüchteten. Auch sind unter den Zugewanderten überproportional viele junge Männer, die generell die Gruppe der meisten Tatverdächtigen stellen. Und es gibt einige Mehrfachtäter, die schon in ihren Herkunftsländern keine unbeschriebenen Blätter waren und auf die die Polizei einen verstärkten Fokus legen will. Die Zahl der von Flüchtlingen begangenen „schlimmen“ Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung (88 im gesamten Polizeipräsidiumsbezirk) sowie die der gravierenden Fälle wie Vergewaltigung (13), bewegt sich laut Pick in „überschaubaren Dimensionen“.

Bei der Gewaltkriminalität  bereitet dem Polizeipräsidenten der zunehmende Einsatz von Messern Sorge, nicht nur in Flüchtlingsunterkünften. „Das vermehrte Aufblitzen des Messers ist ein Stressfaktor für uns“, sagt Pick. Aber nicht nur das. Die Anträge auf den kleinen Waffenschein sind in den vergangenen Jahren sprunghaft angestiegen. „Ich heiße das Mitführen von Schreckschusswaffen nicht gut, auch diese Art der Bewaffnung kann eskalierend wirken“, sagt Pick und ruft die Bevölkerung zum „Abrüsten“ auf.

Weiter angestiegen ist die Gewalt gegen Polizeibeamte, aber auch die Respektlosigkeiten wie Beleidigungen haben ein „gigantisches Ausmaß“ angenommen. Derlei verspürten auch andere staatliche Autoritäten wie Feuerwehr, Sanitäter oder Schulen. Dies sei ein „Indikator für die Gesellschaft allgemein“, sagt Pick.

Sprunghaft angestiegen ist die Zahl der betrügerischen Telefonanrufe. Wobei das Dunkelfeld laut Pick sehr groß ist, weil viele Fälle aus Scham nicht gemeldet würden. Und weil es eine Betrugsmasche ist, sich am Telefon als Polizist auszugeben und insbesondere Senioren das Geld aus der Tasche zu ziehen, „nehmen wir das durchaus persönlich“. Auch wenn nahezu 98 Prozent der Angerufenen die Betrugsversuche erkennen, sind die Einzelfälle gravierend. Teils werden soziale Existenzen und Lebenswerke vernichtet. Daher Picks Appell: Sich von zunehmend gewandt und aggressiv auftretenden Tätern nicht verunsichern lassen. „Ihre Polizei“ werde niemals die Übergabe von Wertsachen an der Haustüre oder gar Überweisungen über fragwürdige Dienste verlangen. Daher in solchen Fällen: schnellstmöglich Anzeige erstatten. ch / Foto: dpa

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