Umstiegsangebot an Senioren

Bei Führerscheinrückgabe gibt es ein VVS-Jahresticket

Führerschein gegen VVS-Jahresabo: Auf diese Formel lässt sich das Angebot bringen, das seit Beginn des Jahres 2020 im Landkreis Esslingen gilt. Anmelden hierfür kann man sich seit Anfang November. In den ersten gut drei Wochen wurden bereits mehr als 200 Anträge gestellt, was die Verantwortlichen beim Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart (VVS) und beim Landratsamt zufrieden stimmt.

Seit 1. Januar erhalten Senioren beim freiwilligen Verzicht auf die Fahrerlaubnis und bei Rückgabe des Führerscheins ein kostenloses  VVS-Jahresticket. Das Ticket wird  im Scheckkartenformat („Polygocard“) für zwölf Monate ausgegeben. Der Landkreis Esslingen und die Verkehrsunternehmen teilen sich die Kosten hierfür. Nach einem Jahr geht das Ticket in ein reguläres, kostenpflichtiges Abo über, sofern nicht fristgerecht gekündigt wird. Man kann aber auch wieder den  Führerschein beantragen.

An dieser Aktion können Personen ab einem Alter von 65 Jahren teilnehmen, die ihren Wohnsitz im Landkreis Esslingen haben. Wer einen Rentennachweis vorlegt, kann schon ab einem Alter von 60 Jahren mitmachen.

Das erste kostenlose Senioren-Jahresticket im Gegenzug zur Führerscheinabgabe wurde Ende November Josefine Passow aus Deizisau überreicht. Das Ticket berechtigt  zu Fahrten im gesamten Netz des Verkehrsverbunds. Landrat Heinz Eininger verwies bei der Ticketübergabe darauf, dass jeder Senior, der bei der Aktion mitmacht, zur Entlastung des Straßenverkehrs beitrage: „Die Mitglieder des Kreistags tragen dieses Projekt mit und haben hierfür insgesamt 275 000 Euro zur Verfügung gestellt.“ Von den ersten mehr als 200 Antragstellern seien rund 70 Prozent zuvor noch keine VVS-Kunden gewesen, teilte der Verkehrsverbund mit. Im Schnitt sind die Antragsteller 80 Jahre alt, der ganz überwiegende Teil ist  weiblich.

VVS-Geschäftsführer Horst Stammler sprach von den umweltfreundlichen Bussen und Bahnen. „Wir haben mit dem Pilotprojekt im Landkreis Ludwigsburg bereits gute Erfahrungen gemacht. Dort haben schon über 2000 ältere Menschen ihren Führerschein gegen ein Seniorenticket eingetauscht“, sagte Stammler.

Man kann darüber streiten, ob Autofahren im Alter mit einem höheren Verkehrsrisiko behaftet ist. Der Deutsche Anwaltverein beispiels­weise fordert verpflichtende Gesundheitstests für Führerscheininhaber ab 75. Der ADAC spricht sich dagegen aus: Nicht das Alter, sondern Gesundheit und Routine seien ausschlaggebend. Karl Praxl, der Vorsitzende des Esslinger Kreisseniorenrats, findet es richtig, dass es in Deutschland keine Einschränkung beim Autofahren allein aufgrund des Alters gibt: „Mit 80 ist man heute nicht mehr steinalt“, sagte Praxl  bereits im Sommer gegenüber dem Wochenblatt ECHO. Es gebe derzeit eine Generation topfitter Senioren, die dürfe man nicht wie Unmündige behandeln. Gleichzeitig begrüßt der Seniorenrat die Tauschaktion, weil sie auf Freiwilligkeit baut.  red / Foto: Landratsamt Esslingen


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