Weichenstellung

Die Stadt Nürtingen arbeitet an ihrer Zukunftsfähigkeit – Erste Handlungsempfehlungen vorgestellt

Die Stadt Nürtingen wird sich künftig neu orientieren müssen, wenn sie ihre Zukunftsfähigkeit erhalten will. Angesichts der wachsenden Konkurrenz der Kommunen in der Metropolregion Stuttgart muss die Stadt ihre Position und ihre Stärken neu definieren und an ihrer Außenwirkung arbeiten. Um die Weichen dafür zu stellen, wurde im Jahr 2017 ein Stadtmarketingprozess angestoßen. Das damit beauftragte Planungsbüro Gruppe Drei hat nun erste Handlungsempfehlungen vorgestellt.

„Nürtingen steht vor dem Problem, dass es nach außen sehr schwäbisch-bodenständig wirkt. Das kann der Stadt in dem dynamischen Entwicklungsprozess der Region durchaus auch zum Nachteil ausgelegt werden“, sagte der Marketingfachmann Alexander Doderer, der die Stadt zusammen mit seiner Kollegin Carolin Deberling seit zwei Jahren berät und den Stadtmarketingprozess begleitet. Der Gemeinderat hatte diesen Prozess 2017 angestoßen, um die Stärken und Schwächen der Stadt im Spannungsfeld der Kommunen herauszuarbeiten, die Außensicht und die Selbstwahrnehmung kritisch zu untersuchen und Handlungsempfehlungen vorzuschlagen. Damit sollten die Weichen in Richtung einer Zukunftsfähigkeit als attraktive Kommune gestellt werden können.

Nach Bürgerbefragungen, Workshops mit Einzelhändlern und Immobilienbesitzern, einer Bürgerkonferenz und einer Klausurtagung des Gemeinderats zum Thema legte das Planungsbüro schließlich erste Ergebnisse und darauf aufbauend Handlungsempfehlungen vor.

Als zentralen Aspekt machten die Planer eine beträchtliche Kluft zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung aus. Während die Nürtinger selbst ihre Stadt als „mutig, weltoffen und dynamisch“ sähen, wirke sie tatsächlich nach außen „konservativ, rückwärtsgewandt und stagnierend“, erklärte Doderer. Allerdings gebe es in der Bürgerschaft auch einen „Willen zur Dynamik“. Der sei auch vonnöten, wolle man das Spannungsfeld zwischen dem Verharren in alten Traditionen und dem Wunsch nach einer zukunftsfähigen Stadt überwinden. „Das bedeutet auch, die Komfortzonen zu verlassen, gewohnte Strukturen aufzubrechen, Risiken einzugehen und bereit zu sein, nach allen Seiten offen zu denken“, betonte Doderer.

Seine Kollegin Carolin Deberling sah in den daraus abgeleiteten Handlungsempfehlungen „einen Markenkern mit den zentralen Werten Lebenskultur, Kreativkultur und Bildungskultur“, den es zu konkretisieren gelte. „Die Stadt ist der Raum für Begegnung“ und müsse „das Gefühl des Zuhauseseins“ vermitteln, sagte sie. Dafür sollten etwa das Neckarufer  erlebbar gemacht und die Altstadt durch Gastronomie, Handel und Märkte wesentlich aufgewertet und belebt werden. Mehr Grünflächen in der Stadt und eine Outdoor-Galerie könnten Begegnungsräume schaffen. Ein Gründerzentrum sei sinnvoll, um Studenten und Hochschulabsolventen in der Stadt zu halten, ebenso die Steigerung der Attraktivität für Touristen, etwa durch eine Aufwertung des Wohnmobil-Stellplatzes.

Die Stadtverwaltung wird nun den Handlungskatalog mit Bürgerbeteiligung auf seine Realisierungschancen in den kommenden Jahren hin prüfen. Über die Einzelprojekte wird der Gemeinderat jeweils separat entscheiden. pst / Foto: pst


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